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Full text of "Plautinische forschungen zur kritik und geschichte der komödie.."

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PLAÜTI1SCHE FORSCHUNGEN 



ZUR KRITIK UND GESCHICHTE DER KOMÖDIE 



VON 



FRIEDRICH LEO 



ZWEITE AUFLAGE 



BERLIN 

WEIDMANNSGHE BUCHHANDLUNG 
1912 



FRANZ BVECHELER 



GEWIDMET 



ZUR FEIER DES SOMMERSEMESTERS 1895 



redt Jiore yvQcboavu (pvxov ftäkog el'ft' an öjicoQag 
trjod 1 bt,oi 7iQo%vftels äv&sog öju<paxlag. 

coöe tot dxjuaicot ' vvv drj jzofiog eool cpikoioiv ' 
koißrj d' eixpociivoi o y ä[A,<pi%v&€ioa xatpon. 



Vorwort 

zur ersten Auflage 



Dieses Buch ist dazu bestimmt, meine Ausgabe des Plautus zu 
begleiten und zu stützen. Meine Absicht war gewesen es zu diesem 
Zwecke geschickter zu machen als es sich nun darstellt; aber es hat 
seine Entwicklung selbst genommen und ich habe, um es nicht 
anschwellen zu lassen, gerade die Kapitel, geschriebene und un- 
geschriebene, die von Stil und Metrik handeln und eine Menge von 
Einzelheiten der Textbehandlung rechtfertigen sollten, zurückgelegt l ) ; 
im Vertrauen auf die Leser, deren Urteil ich suche, die aus der Aus- 
gabe herausholen werden was in sie hineingelegt ist und diese Ab- 
handlungen um ihrer selbst willen hinnehmen werden. 

Es scheint mir an der Zeit darauf hinzuweisen, daß die Studien, 
die sich an Plautus als den Mittelpunkt der erhaltenen altrömischen 
Litteratur naturgemäß anschließen, seit vielen Jahren sich in Regionen 
verfangen haben aus denen sie wieder hinauswachsen müssen. Wenn 
es mir gelungen ist einige Wege zu zeigen, die ins Freie führen, 
so erfüllt dieses Buch seinen eigenen und besseren Zweck. 

Doch muß ich über sein Verhältnis zur Ausgabe noch ein Wort 
hinzufügen. Ich habe es vermieden, in der Ausgabe auf die Ab- 
handlungen hinzuweisen, die doch ein Stellenregister erhalten sollten; 
dagegen beziehen sich die Abhandlungen vielfach auf meinen Text 
und seine adnotatio, während doch jetzt nur der erste Band der Aus- 
gabe erscheint. Das habe ich nicht für bedenklich gehalten, da der 
zweite Band zum Teil bereits gedruckt ist und, wie ich hoffe, im 
Laufe eines halben Jahres erscheinen wird. 

*) Von diesen Kapiteln ist inzwischen in Göttinger Programmen und in 
den Abhandlungen und Nachrichten der Gesellschaft der Wissenschaften ein 
Teil erschienen. 



263927 



VI Vorwort 

Der Satz hat in den letzten Tagen des vorigen Jahres begonnen; 
einige der seitdem erschienenen Schriften und Ausgaben habe ich 
noch bei der Korrektur benutzen können, die für mich zu spät 
gekommenen sind in der Vorrede meiner Ausgabe verzeichnet. 

Göttingen, den 10. Juli 1895 F. Leo 



Vorwort 

zur zweiten Auflage 



Man sollte ein Buch, das nur aus Untersuchungen besteht, eigent- 
lich nicht neu herausgeben. Denn der Verfasser hat anderes zu tun 
als die vor so viel Jahren abgeschlossenen Untersuchungen noch 
einmal anzustellen, und er darf doch weder die auf derselben Bahn 
fortgeschrittene Forschung ignoriren noch was sich an seinen Ansichten 
geändert hat verstecken. So muß etwas halb Altes halb Neues ent- 
stehen und wenigstens als Buch das neue Buch dem alten nachstehn. 

Ich habe mich über dies Bedenken weggesetzt, nachdem ich 
mich habe überzeugen lassen, daß es für dieses Buch noch nicht an 
der Zeit ist, aus dem Buchhandel ins Antiquariat zu wandern. Aber 
ich konnte nicht daran denken, mich mit Allem auseinanderzusetzen 
was seitdem über dieselben Dinge abgehandelt worden ; es ist kaum 
eine Seite, die nicht Widerspruch und Zustimmung erfahren hatte. 
Wo ich eines besseren belehrt worden bin, wird man den deutlichen 
Ausdruck dessen nicht vermissen; an vielen Stellen habe ich an- 
gedeutet, in welcher Weise die Untersuchung inzwischen gefördert 
worden ist, oft nur mit einer Erwähnung, ohne damit sagen zu 
wollen, daß es mit der bloßen Erwähnung getan sei. Stoffliches 
ist natürlich zugewachsen und abgefallen. 

Durch eckige Klammern sind die Zusätze bezeichnet, die sich 
auf etwas nach 1895 Erschienenes beziehen. Sonst habe ich ohne 
es anzuzeigen in Text und Anmerkungen geändert was mir der 
Änderung bedürftig schien. 

Göttingen, den H.April 1912 F.Leo 



Inhalt 



Seite 

I Geschichte der Überlieferung der plautinischen Komödien im Altertum 1 

II Leben des Plautus 63 

III Plautus und seine Originale 87 

IV Die Prologe 188 

V Auslautendes s und m 248 

VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 334 



S. 58 Z. 3 statt Das zu lesen Da. 



I 

Geschichte der Überlieferung der plautinischen 

Komödien im Altertum. 



i 

Seitdem durch Ritschi die Erkenntnis begründet worden, daß die 
Palatini eine einheitliche Überlieferung, ja eine einzige Handschrift 
darstellen, der mit eigner Überlieferung der Ambrosianus allein gegen- 
übersteht, haben viele die beiden ßecensionen gegeneinander ab- 
gewogen, der eine den Primat des Ambrosianus, der andere den der 
Palatini verfochten (und diese mußten freilich gegen den mit dem 
neuen Lichte blendenden Nebenbuhler erst zu Ehren gebracht 
werden), einzelne auch bemerkt, daß das Yerhältnis nicht für alle 
Stücke das gleiche sei. Alle sind davon ausgegangen und haben 
sich darauf beschränkt, die Abweichungen der einen Handschrift von 
der andern zu prüfen und die ursprünglichen von den gefälschten 
Lesarten zu sondern. Auf diesem Wege ist im einzelnen, durch 
die sprachliche und metrische Untersuchung, viel Wichtiges erkannt 
worden, und im ganzen die Tatsache, daß man keine Formel auf- 
stellen, sondern nur eklektisch verfahren, d. h. aus inneren Gründen 
entscheiden darf. Aber in den Kern der Frage dringt man mit 
dieser Methode nicht vor 1 ), und zu einer historisch begründeten 
recensio des Plautustextes führt sie nicht. 

Wir besitzen eine Handschrift des 4. oder 3., eine andere des 10. 
oder auch 9. Jahrhunderts, diese mit der Verderbnis der Jahrhunderte 
behaftet, jene mit den Fehlern des librarius, dessen Muttersprache zwar 
Latein, aber nicht das Latein des Plautus war; beider Text und Aus- 
stattung so weit verschieden, daß wir nicht bezweifeln können, Exem- 
plare zweier antiker Ausgaben vor uns zu haben. Zu welcher Zeit, von 
was für Leuten, auf Grund welches urkundlichen Materials sind diese 
Ausgaben gemacht worden? Zur Beantwortung dieser Fragen sind 

1) Tiefer zu gehn haben Ritschi (Neue plaut. Exe. S. 110), Bergk (Beiträge 
S. 121), Studemund (Würzb. Festgruß S. 38) u. a. zwar Versuche gemacht, aber 
solche die nicht viel mehr beweisen als die Notwendigkeit tiefer zu gehn. 
Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 1 



2 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

wir im wesentlichen auf die Analyse der Ausgaben selbst angewiesen, 
sie schließen die weitere ein, ob wir es mit einer im wahren Sinne des 
Worts einheitlichen oder mannigfaltigen Überlieferung zu tun haben. 
Eine Überlieferung kann einheitlich sein und den Schein der 
Mannigfaltigkeit haben; Varianten erzeugt jede Abschrift, und gegen 
willkürliche Änderung ist kein Text geschützt. Wir beurteilen die 
Überlieferung der griechischen Dichter richtig, seit wir wissen, daß 
fast alle einheitliche Überlieferung haben und von dem einmal fixir- 
ten Text in späterer, zum Teil sehr später Entwicklung abgewichen 
worden ist, während Isokrates Demosthenes Thukydides in mehr- 
facher Textgestalt vorliegen. Zu erkennen aber ob eine Überliefe- 
rung einheitlich oder mannigfaltig ist, muß man die Übereinstimmung 
der Zeugen untersuchen, nicht ihre Abweichungen voneinander. Ihre 
Übereinstimmung muß die Stufe erkennen lassen, von der aus die 
Überlieferung verschiedne Wege genommen hat. Treffen die Zeugen 
nur im Richtigen zusammen, so ist die Präsumption dafür, daß die 
Trennung früh stattgefunden hat; treffen sie im Falschen zusammen, 
so wird zwar oft ein sicherer Schluß nicht möglich sein, denn Über- 
einstimmung im Falschen kann so alt sein wie die ersten Copien 
des Gedichts, Interpolationen brauchen nicht viel älter zu sein, vieles 
nahm Varro hin und hielt Fronto für eine figura; aber Art und Um- 
fang der gemeinsamen Corruptel können mit Sicherheit beweisen, 
daß es im Altertum, soweit uns die recensio führt, nur einen Text 
gegeben hat. Ich meine, daß für Plautus dieser Fall vorliegt und 
will ihn zuerst an einer bekannten Erscheinung erläutern. 

Über die Tatsache, daß in unserm Plautustext der Hiatus so 
häufig und in allen Spielarten erscheint, ist sowenig mit Correc- 
turen und allgemeinen Erwägungen wegzukommen, als indem man 
kurzerhand dem Dichter selbst eine solche Technik zumutet 1 ). 
Die Tatsache muß in der Geschichte der Überlieferung mit ihre Er- 
klärung finden. Daß solche Verse wie etwa Poen. 453 sq. 

sex immolavi agnos, nee potui tarnen 

propitiam Venerem facere uti (ut A) esset mihi. 

quoniam litare nequeo, abi illim ilico 

iratus, votui exta prosecarier 
in dieser Form nicht von Plautus herrühren, ist vollkommen sicher. 
Weder Terenz noch Varro, weder Phaedrus noch Seneca 2 ) kennen 

[l) Zu diesem Abschnitt bitte ich Kap. VI z. A. zu vergleichen.] 
2) Bei Terenz sind im ganzen 18 Verse mit Hiatus durch Bembinus und 
Calliopius gemeinsam überliefert, davon kommen auf Eunuchus 6 (v. 95. 117. 



Hiatus in Ambrosianus und Palatini 3 

solche Verse, und in den metrischen Inschriften erscheinen sie nicht 
vor hadrianischer Zeit. Beides zwar gestattet keinen unmittelbaren 
Schluß; die plautinische Technik könnte eine Stufe unter der teren- 
zischen stehen und die von gebildeten Versemachern verfaßten in- 
schriftlichen Senare mit Hiatus sind, wie die akrostichischen Argu- 
mente, keineswegs vom plautinischen Text unabhängig, sondern von 
Archaisten in vermeintlich plautinischer Technik verfaßt; daß solche 
Inschriften nicht früher auftreten, kann daran liegen, daß der Archais- 
mus nicht älter ist. Aber Verse wie die angeführten vertragen sich 
nicht mit der sonst herrschenden Synalöphe, sie konnten von römischen 
Schauspielern in älterer Zeit nicht gesprochen werden. Wo der 
Hiatus in die Cäsur fällt, ist das ein Grund nicht für sondern gegen 
seine Zulässigkeit; denn der Hiatus widerspricht dem Wesen der 
Cäsur (nicht dem der Diärese). Klotz 1 ) h.at mit Recht darauf hin- 
gewiesen, daß Verse mit Hiatus in der Cäsur die Spitze einer Ent- 
wickelung bilden, die mit der Vermeidung der Synalöphe beginnt, 
einer Entwickelung, die der plautinischen Technik entgegengesetzt ist. 
Die Frage heißt nicht: hat Plautus den Hiatus zugelassen? sondern: 
welche Hiate der Überlieferung sind für Plautus und seine Zeit Hiate 
gewesen? Auf diese Frage komme ich zurück'); im folgenden werde 
ich die allgemein als nur scheinbar anerkannten Hiate (in den Diäresen 

132. 662. 73.3. 912, und zwar 95 durch offenbaren Irrtum, 912 durch die Form 
supposuit für supposivit), Heautontimorumenos 3 (v. 461. 685. 890), Phormio 5 
(v. 146. 542. 664. 896. 1047, davon 896 durch ut für uti), Hecyra 3 (v. 1. 745. 
803), Adelphi 1 (v. 514); von diesen Versen haben 4 den Hiatus im (unbetonten) 
einsilbigen Wort (Eun. 662. 912 Heaut. 685 Ad. 514), drei im jambischen (Eun. 
132 Heaut. 890, Phorm. 1047, hier sicher falsch), drei bei Personenwechsel 
(Phorni 146. 542 und vielleicht 963), einer im Diphthong (Hec. 1): so daß schon 
die Seltenheit dieser Fälle ihre Zulässigkeit widerlegt. Calliopius gibt allein 
Hiatus nur Eun. 743 Heaut. 593 (813 anders) Ad. 6o0 und, wo der Bembinus 
fehlt, And. 182. 548. 850 (anders D), doch nicht v. 605; der Bembinus allein 
Eun. 433. 673. 739. 743 Heaut. 911 Phorm. ^07. 363. 470. 659 Hec. 869. Ad. 395. 
515. 602. b26; diese Fälle hat nicht etwa Calliopius im Streben nach metrischer 
Glätte entfernt, sondern sie siüd sämtlich durch irrtümliches Auslassen einzelner 
Wörter oder Wortteile entstanden außer Eun. 433 (haud für non) Phorm. 363 
(cai öpera statt cni in opere) und Hec. 869. Ad. 826, in den beiden letzten 
Fällen durch unrichtige Wortstellung. Der Bembinus gibt Hiatus mit der älteren 
Calliopiusrecension zusammen Eun. 701 (ähnlich Phorm. 1047, beide sicher falsch) 
und Hec. 229, mit der jüngeren Heaut. 572 Phorm. 656, die drei letzten Fälle 
durch Wortauslassung. Die Überlieferung lehrt uns also, daß Terenz überhaupt 
keinen Hiatus zugelassen hat. 

1) Grundzüge altröm. Metr. 165 ff. 

2) Kap. VI. 

1* 



4 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

der Langverse, in einsilbigem betontem Wort, auch bei Personen- 
wechsel) nicht berücksichtigen, aber die umstrittenen und solche deren 
Zulässigkeit ich erst beweisen muß, mit einrechnen, um nicht auf 
Fragen einzugehen, die uns hier aufhalten würden. 

In den 4 Hiaten der 4 Verse Poen.453 — 456 stimmen Ambrosianus 
und Palatini überein. Von den 1422 Versen des Poenulus sind im Am- 
brosianus 852 erhalten; wenn wir diese durchgehen, so finden wir 
übereinstimmend in A und P überliefert Hiatus- in der semiquinaria 
15jnal (448.453. 456. 474. 485. 651. 694. 969. 982. 1042. 1051. 1113. 
1127. 1138. 1327), in der semiseptenaria 6 mal (455. 679. 685. 1009. 
1130. 1137), in der fünften Senkung 3 mal (443. 486. 1025), vor dem 
dritten metron 2 mal (454. 497), dies alles im Senar; im Septenar nach 
dem 5. Trochäus v. 862. 866 (ohne Diärese), 1204 und 1289 (beide 
ut statt uti 1 )), nach dem 2. Trochäus v. 1290. 1302, in der 6. Hebung 
v. 903 2 ), in der 2. Hebung v. 1295; ferner in einsilbigen Wörtern 
v. 395 (huic zweisilbig?) 985. 1005. 1054. 1235, in jambischen und 
pyrrhichischen v. 873(882). 888. 1144. 1246. 1308. 1344. Dazu v. 1272 
cur nümero estis mortui (mit Festus) und 328 ndmque edepol lucrüm 
amare nullum amatorem addecet; denn daß so gelesen wurde zeigen 
v. 1295 Merc. 788 Pers. 537 Pseud. 449. 938. 1315 Trin. 375. 425 
(alle in AP) 3 ). 

Dieselben Kategorien 4 ) und ähnliche, auch vereinzelte Fälle, auch 
Verse mit zwei Hiaten finden sich in allen Stücken, meistens auch 
wo im Ambrosianus nur geringe Reste erhalten sind. Ich verzichte 
darauf das Material vorzulegen; es steht ohnehin fest, daß der Hiatus 
in A und P übereinstimmend so überliefert ist wie er sonst in latei- 
nischen Versen vor dem 2. Jahrhundert nicht vorkommt. Es ist nicht 

1) Vgl. Merc. 312. 712 Pers. 685. So nie und te 301 (671). 889. 1258 und 
bekanntlich oft in andern Stücken, z. B. im Stichus v. 159. 193. 248. 488. 489. 
504. Für die emendatio ist dergleichen Schreibung irrelevant, für die Über- 
lieferung nicht; ebenso die Hiate im Ablativ. 

2) Vgl. Luchs in Studemunds Studien I S. 23, Klotz S. 133; in AP: Epid. 214. 
653 Merc. 619 Mil. 1425 Pers. 433 Pseud. 346, vgl. Most. 593 Pers. 274 Stich. 344. 

3) Ebenso, ohne A, in m ausgehende Silbe vor Vokal als Länge Asin. 85 
Aul. 55 Cist. 775 Ep. 363. 435 Men. 1117 Merc. 706. 749. 788 Mil. 1057. 1236 Poen. 
211 Pseud. 493 Rud. 70. 243; von diesen Stellen 5 mit Personenwechsel, andere 
mit Satzpause ; viele nicht angeführte mit unsicherer Stelle des Hiatus. Römische 
Inschrift CLE. 29, 6 ego siim, ovantes convenite pilicrepi, nach a. 126. Zu omnium 
acerrumum (Rud. 70), draehumarüm Olympico (Trin. 425), mulierem in aedibus 
(Merc. 706) vgl. OresphonUm existimas ad Herenn. p. 241, 20 M. [Jacobsohn 
quaest. Plaut. 25 sq.] 

4) Von den angefahrten Hiaten sind 15 in -m, 4 in Ablativen. 



Verschiedenes Verhalten der Stücke zum Hiatus 5 

schwer zu sehen, auf welchem Wege ein solches Resultat entstehen 
konnte. Ich kann als sicher vorwegnehmen, daß eine Menge von 
Hiaten, die die Überlieferung gibt, für Plautus und seine Hörer 
keine Hiate waren; in den Versen Stich. 458 sq. 

auspicio ho die optumo exivi foras: 

mustela murem äbstulit praeter pedes; 

cum strena öbscaevavit. spectatum hoc mihist 
war für Plautus ein oder kein Hiatus. Es spricht sehr für die Treue 
der älteren Überlieferung daß diese Verse bewahrt wurden wie sie 
waren. Aber sie erzeugten die Ansicht, daß Plautus wie die andern 
ältesten Dichter saepe hiabat: Ciceros Äußerung ist sicherlich schon 
auf diesen Umstand zu beziehen. So war der Zulassung weiterer 
Hiate die Tür geöifnet; sie konnten in Menge eindringen sobald 
Plautus von der Bühne verschwand; ihr Eindringen wurde befördert 
durch die im Beginn der augusteischen Zeit beginnende Abneigung 
gegen die Synalöphe *). Am Ende des ersten Jahrhunderts konnte 
dieser Proceß so weit gediehen sein wie er uns in der gemeinsamen 
Überlieferung entgegentritt. Diese Überlieferung, wie wir sie haben, 
gehört ins dritte Jahrhundert; die gelehrte Bewegung, die gegen 
Ende des ersten einsetzt, ist für die grammatische Tätigkeit des dritten 
maßgebend gewesen. 

Es fällt aber hier gleich ins Auge, daß der Hiatus nicht in alle 
Stücke gleichmäßig Eingang gefunden hat ; die einen sind übervoll, 
die andern fast frei davon. Neben den Poenulus treten in AP Casina 
Stichus Pseudolus Mercator Persa, weniger sind in Epidicus Mostel- 
laria, wegen zu geringer Erhaltung treten Rudens und Menaechmi 
(die in P wohl die größte Zahl klaffender Verse haben) zurück; aber 
einen wahren Gegensatz gegen den Poenulus bilden Trinummus Tru- 
culentus Miles. Alle 3 Stücke haben auch in den Palatini allein, mit 
den übrigen verglichen, sehr wenig Hiate. Im Ambrosianus sind vom 
Trinummus 622, vom Truculentus 210, vom Miles etwa 520 Verse 
erhalten. Im Trinummus bieten AP übereinstimmend nur folgende 

[1) Diese Abneigung ist schon einmal dagewesen, nämlich im Epos des 
Ennius (Skutsch Pauly - Wissowa V 2622), nicht in seinen dramatischen Versen. 
Mit dieser Stileigenheit des Epos, als welche Ennius die Vermeidung der Syna- 
löphe offenbar angesehen hat, ist er nicht durchgedrungen. Zum Hiatus steht 
er wie Terenz; nur die griechischen Scheinhiate (Systole) hat er ins Epos einge- 
führt, was die Fragmente nur in vereinzelten Spuren, aber die epischen Nach- 
folger sicher bezeugen. Wir stehen also auch hier vor der Frage, ob Ennius als 
Befestiger einer neuen Technik Plautus gegenübersteht oder als Zeuge der all- 
gemeinen, in der plautinischen Überlieferung verlassenen Technik anzusehen ist,] 



6 T Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Hiate: in der semiquinaria v. 10. 48, unsicher 173. 185; in der 
5. Senkung v. 15 (oder semiseptenaria) 539; in der 4. Hebung v. 540. 
558, diese wenigen zum Teil nur scheinbare Hiate; außerdem bei 
Personenwechsel v. 375. 432, in der Diärese v. 652. Der gemein- 
sam überlieferte Teil des Truculentus ist frei von Hiatus, nur v. 227 
gibt A: meretricem sentis similem esse condecet, P: meretricem esse 
similem sentis condecet. Am deutlichsten spricht die Überlieferung des 
Miles. In fast 500 Versen haben Hiatus nur v. 4 praestringat ocu- 
lorum aciem in dcie hostibus, 23 nie sibi habeto, ego me mancttpio dabo, 
351 neque cuiquam quam Uli in nostra meliust famulo familia, 1136 
una exeuntis video hinc eproxumo, d.h. unzweifelhaft wirklichen Hiatus 
nur der letzte. Dann in den 40 Versen der Schlußscene 1412 tu hodie, 
1421 te hodie, 1413 si te salvom hinc miitemus, 1425 gratidm habeo tibi 
und in der Diärese v. 1402. 1408. 1411. 1426 (te), vorher v. 1159. 1168. 
Es liegt klar vor Augen: Trinummus Truculentus Miles verhalten 
sich anders zum Hiatus als Poenulus und Menaechmi. Hierfür sind 
zwei Erklärungen möglich. Die eine, die viele zu ergreifen geneigt 
sein werden, ist die Annahme, daß Plautus selber eine Entwickelung 
von Freiheit zu Strenge oder auch von Strenge zu Freiheit durch- 
gemacht habe. Für diese Annahme spricht das vorliegende Resultat 
nicht; denn Trinummus und Truculentus gehören in späte, Miles in 
frühe Zeit. Die andere Erklärung folgt als unabweislicher Schluß aus 
den vorliegenden Tatsachen: der Miles hat andere Überlieferung 
als der Poenulus, die Stücke sind nicht auf gleichem Wege und in 
gleicher Erhaltung in das corpus gelangt das uns vorliegt, mit andern 
Worten: die 21 Stücke waren nicht als corpus überliefert. Weitere 
Argumente für diesen Satz werden sich bald ergeben. 

2 

• Wir haben erkannt, daß uns der plautinische Text in einer Ge- 
stalt vorliegt, die nicht viel älter ist als der Ambrosianus selbst. Auch 
für diesen Satz werden sich weitere Belege finden. Man wird nun 
geneigt sein anzunehmen, daß im zweiten Jahrhundert n. Chr. eine 
große Zahl von Plautusexemplaren vorhanden war und daß daher 
auch die Überlieferung einer so jungen Zeit noch sehr mannigfaltig 
sein könnte. Der Vordersatz ist nicht richtig, wie wir später sehen 
werden; daß wir in unseren beiden Texten nicht verschiedene Über- 
lieferung vor uns haben, lehrt ihre Übereinstimmung mit Sicherheit. 
W^nn in einer Überlieferung, die aus mittelalterlichen oder 
Renaissance-Handschriften besteht, gemeinsame Corruptel vorwaltet, 



Gemeinsame Corruptel in Ambrosianus und Palatini 7 

so ziehen wir den sicheren Schluß, daß den Handschriften ein ein- 
ziger Archetypus zugrunde liegt, und wir suchen den Archetypus im 
Mittelalter, da wir solche Corruptel dem lateinisch redenden Schreiber 
oder dem antiken Herausgeber nicht zutrauen. Der Schluß auf 
einen Archetypus ist nun für Plautus so zwingend wie für irgend 
einen mittelalterlichen Text. Ich muß den Beweis ausführlich geben, 
da die Tatsache (obwohl sie keinem der sich verständig mit Plautus 
beschäftigt hat unbekannt sein dürfte) nicht gebührend gewürdigt 
wird und da der eben erkannten Tatsache gegenüber, daß die Stücke 
verschiedene Überlieferung haben, der Beweis für jedes Stück er- 
bracht werden muß. Ich werde dabei alles bei Seite lassen wovon 
man auch nur vermuten kann, daß es einem gebildeten Leser der 
Antoninenzeit erträglich gewesen wäre. 

Voranstehen mag auch hier der Poenulus. v. 331 steht in AP: 
et secunda tu in secundo salve in pretio, tertia | salve extra pretium. 
Es ist dieselbe Art der Corruptel, die ich vind. Plaut. 10 sq. be- 
sprochen und mit ein paar Beispielen belegt habe; die Beispiele 
lassen sich häufen und ich kann aus P etwa 70 anführen 1 ), viele 
aus B allein (vgl. zu Bacch. v. 55, Götz praef. VII A.). Dieselbe 
Corruptel erscheint in vielen Texten, die auf einer Handschrift be- 
ruhen, wie bei Varro r. rust. (vgl. Keil comm. p. 303), Cicero de 
leg. (p. 185, 3; 197, 16 V. und öfter), Tacitus Germ. 18 (v. 6 K), wie 
in beiden Medicei: ann. IV 37 (v. 34) XII 67 (v. 23), hist. I 2 (v. 5) 
II 76 (v. 34), Nonius (z. B. Nov. 32); Catull 76, 23 non iarn illud 
quaero, contra me ut me diligat illa u. a. 

In der Regel schreiben AP ae für ai im gen. sing., z. B. 
Pseud. 98 Stich. 537; aber Poen. 432 aquast A, aqua est B, est aqua 
CD beruht auf der Verschreibung aqua statt äqual 2 ). 

v. 474 steht JEvolaticorum statt volaticorum in A und P, in B 
das Personenzeichen E voran; Götz in der Note beurteilt die Er- 
scheinung richtig; vgl. 1016, Aul. 829. Als Gegenstück mag Ter. 



1) Besonders viele Fälle finden sich in Miles, Pseudolus, Truculentus; im 
Poenulus noch v. 279. 1387, A allein v. 599, A und P zusammen vielleicht 
auch v. 288. 922 (ero uni potius intus ero odio) und Mil. 707, nur wenig ver- 
dunkelt Truc. 232 (modo quom: qui modo cum A quodo modo cum B quod amodo 
cum CD). Emendirt habe ich nach dieser Beobachtung außer Most. 311 (wo 
ich Bothes Vorgang hätte erwähnen sollen, vgl. 1177) Bacch. 606 (auch 1115 
und 1195 gehören dahin), Capt. 201, Truc. 40; s. u. S. 17 zu Men. 1041. 

2) Vgl. Kap. VI. 



8 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Heaut. 611 dienen, wo Calliopius atqui, aber der Bembinus richtig 
A. (Note des Chremes) qui hat 1 ). 

v. 669. 670 sind übereinstimmend so überliefert: 

immo üt ipse nobis dixit, quo accurres magis, 
trecentos nummos Philippos portat praesibi 
(statt accures und praesidi). Man würde keiner mittelalterlichen Über- 
lieferung gegenüber anstehen, dies als Beweis für einen gemeinsamen 
schlechtgeschriebenen Archetypus anzusehen. 

Der Vers 720 (quin sequere me ergo, dbduc intro, addictum tenes) 
steht in P auch vor v. 707 in folgender Form: quin sequere me intro. 
duc me ergo intro. addictum tenes, in A (wo v. 709 — 745 fehlen) nach 
v. 707 in folgender: quin sequere me intro duc me ergo intro (dann 
v. 730. 708). Es konnte jemand auf den Gedanken kommen, v. 
707 — 719 für die Aufführung zu streichen, so daß mit v. 706 Colly- 
biscus zugleich das Geld überreichte. In dieser Absicht ist v. 720 
(an den sich, wie aus A zu sehen, v. 730 anschließen sollte) an den 
Rand eines Exemplars geschrieben worden, und aus diesem Exemplar 
stammen A wie P, wie sowohl die verschiedene Stellung (falsch in 
A) als die Schreibung des Verses, die in gleichartiger Verderbnis von 
der an richtiger Stelle erscheinenden abweicht, außer Zweifel stellen 2 ). 

In derselben Weise sind v. 1382—1384 nach v. 1332 an den Rand 
geschrieben und von P aufgenommen worden, während in A an dieser 
Stelle nur die drei ersten Worte von v. 1382 an v. 1332 gehängt sind, 
zum sicheren Zeichen, daß auch in dessen Archetypus die 3 Verse 
am Rande standen. 

Den Vers 1168 habe ich in Wölfflins Archiv IX S. 162 be- 
sprochen und nachgewiesen, daß wir es mit einer Handschrift zu tun 
haben, in der TBAGICAJE zu TRAECAE geworden und in deren 
Abschriften dies als Thraecae oder Thracae weitergegeben worden 
ist, so sinnlos es war. 

Nur hinweisen will ich auf die gemeinsamen Corruptelen v. 351. 
352 potest für potes und nunc für non, 681 a ausgelassen (1005 ita), 
695 illum für illud, 852 offeras für offers AB (dieselben 885 mortalis 
für mortali, 952 mel für mei, ACD v. 964 manum für manu), 876 re- 
sistam für res sistam, 1225 (volo für voco), 1317 (cur non für quin), 
die übereinstimmend falsche Verteilung unter die Personen v. 334. 



1) Vgl. Dziatzko Ter. praef. p. XV. 

2) Ein ähnlicher Fall liegt v. 390 vor, wo die Corruptel in P w eiter vor- 
geschritten ist; ferner Stich. 282. 



Gemeinsame Corruptel in Ambrosianus und Palatini 9 

347. 906, die unmetrischen Verse 479. 1116. 1165 (cf. Stich. 243) 
1177. 1213. 1245. 1265. Die gemeinsame Corruptel ist, bald in P, 
bald in A, weiter vorgeschritten v. 390 (s. Anm.) 922. 928. 1176. 
1190; für diesen Vorgang werde ich später ein paar Belege ge- 
nauer ausführen. 

Für den Poenulus darf ich es aussprechen, daß man keiner so 
gearteten mittelalterlichen Überlieferung gegenüber daran zweifeln 
würde, daß man es mit einem einzigen Archetypus zu tun hätte 
und die Abweichungen der Handschriften untereinander für secundär 
halten müßte. 

Der Persa beginnt mit einem unmetrischen Verse *), der freilich 
von altersher corrupt sein kann. Aber v. 173 trägt die Signatur der 
auf einer Handschrift beruhenden Überlieferung: der Vers ovis si in 
ludum iret, potuisset iam fieri ut probe litteras sciret beginnt in A mit 
quis, in B mit cuis (woraus CD cuius machen), v. 310 ecquid quod 
mandavi tibi estne in te speculae? adito enthält eine sprachliche und 
eine prosodische Unmöglichkeit, eine prosodische v. 319 enim metuo 
ut possim in bubile reicere, ne vagentur, desgleichen v. 572 ferream 
seram atque anulum (für anellum), vgl. 1 82, der jambische Vers 353 
beginnt non ego inimicitias, v. 386 quoivismodi hie cum mala fama 
faeile nubitur hat eine Interpolation, die Sinn und Vers vernichtet 
(mala), v. 418 ist servitritium eine Corruptel für servitutium, die** in 
einer Barbarenhandschrift nicht auffällt, aber in einem auf mehreren 
Zeugen beruhenden antiken Text ganz wunderbar ist; und bei solcher 
Überlieferung kann man es nicht mehr für Zufall halten, wenn v. 581 
und 591 est statt es in AP steht, v. 284 video ego te, iam ineubitatus 
es. ita sum, quid id ad te attinet? steht das unmögliche attinet in A 
an der Stelle, die ihm der gegeben hatte der das Interpretament auf- 
nahm; in P ist eine Correctur durch Umstellung versucht : quid id 
attinet ad te, die Corruptel lag also vor; vgl. v. 265. Das Resultat 
ist so deutlich wie beim Poenulus. 

Ein ähnlicher Fall von fortschreitender Corruptel begegnet im 
Miles, v. 1419 dl tibi bene faciant semper, quom advocatus bene' mihi 
es: so steht in P, für es hat B adest, d. h. die Variante oder Con- 
jeetur advocatus mihi ades ist mit dem Text der Vorlage verquickt. 
Das zweite bene ist sprachwidrig, wie Ribbeck gefühlt hat (bonu's); 
Ritschi schrieb wenigstens bene mi ades. In A steht advocatus mihi 
benest, damit ist die Emendation gesichert: mihi venis; so Stich. 326 



[1) Vgl. Monol. im Drama 46#] 



10 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

tun mi huc hostis venis? Cic. pro Rose. Am. 55 vident omnes qua de 
causa huic inimicus venias 1 ); Epid. 422 ei volo ire advocatus, sonst 
qui advocatus adsit, dum asto advocatus: ire venire adesse sind die 
drei Stufen; Merc. 887 amicus advenio ist zwar unecht, zeugt aber 
für den Ausdruck. Die Schreibung benis 2 ) hat zur Corruptel den 
Anlaß gegeben. Das Portwuchern der Corruptel ist auch v. 404 zu 
bemerken. — v. 595 ibo intro, ne, dum absum, multae sortitae fiat 
(multi sortito fuam P) ist multae (wie multi) sowohl des Verses 
wegen unmöglich als weil es neben der Losung keinen Sinn geben 
kann; Periplectomenus geht hinein, weil er bei der Losung zugegen 
sein muß; er und Palaestrio sind die Führenden, er denkt an die 
Losung der Consuln: ne, dum absum, alter sorti defuat (der eine 
der beiden in Betracht kommenden, unentbehrlichen) trifft Sinn und 
Ausdruck und erklärt die Corruptel. sortitus gibt es bei Plautus 
nicht, weder hier noch Cas. 306. Nur hinweisen will ich auf v. 60 
(ere für eae, doch A zweifelhaft, so 748), 67 (illam für i//a 3 ), 379 
(clarata für clatrata), 386 (Palaestrioni für 4s), 391 (AB 1 ), 482 (Ser- 
vitute für -em), 497 (expurges mihi), 591 (festiva für -am), 602 (fehlt 
wahrscheinlich in beiden consultum), 699. 700 (kuius für horum, serant 
für serat), 707 (mea), 740 (sumptum für sumptui), 794 (haec für ec-), 
797 (hoc für hunc), 808 (abis für abi) t 826 (quid für qui, wie Poen. 
1322 AP), 1152 (prosenserit, vgl. zu Pers. 311), 1161 (fehlte). 

In der Casina bieten AP folgende Senare : et hie in nostra terra 
in Apulia (72) und rogitdre oportet prius et contdrier (571) 4 ), die die 
Identität jeder Überlieferung zu beweisen ausreichen würden; andere 
unmetrische Verse 799. 819. 839. 882, sinnlos durch Ausfall 182. 
955 und wahrscheinlich 786. subicitare v. 964 mag man dem Zu- 
fall zuschreiben, wie locos Stich. 221. v. 126 ist ruri aus ervi ge- 
worden, v. 625, wo AP in tdnta factis modo mira miris (veris P) 
modis | intus vidi übereinstimmen, ist factu längst corrigirt; aber 
vorhergeht nescio unde auxili, praesidi, perfugi \ mi aut opum copiam 
comparem aut expetam: hier ist opum copiam falsch und opis er- 
forderlich, nach Mitteln oder Schätzen begehrt sie nicht sondern 
nach Hülfe, factu ist in factis und opis in opum verändert: es ist 



[1) Varro rer. rust. II 5, 1 tu vero, Murrt, veni mi advocatus, Cicero ad Q. 
II 3, 1 ei Pompeius advocatus venit. vgl. Gott. Gel. Anz. 1904 S. 368.] 

[2) Truc. 141 Veneris (A): bene res P, 476 und 700 benerem, 868 vestia, 367 
vivam; 312 ebibitis (A): evivitis P, aber Stich. 695 vivimus AP für bibmus.] 

3) Correctur in B 2 . 

[4) Vgl. Gott. Gel. Anz. 1904 S. 368.] 



Gemeinsame Corruptel in Ambrosianus und Palatini |1 

klar, daß beide Fehler, wie die Wörter untereinander stehen, durch 
einen und denselben Vorgang entstanden sind, d. h. in einer und 
derselben Handschrift, v. 806 (si) offendam hymenaeum erklärt meine 
Emendation die Corruptel und ihr Fortschreiten. 

Im Pseudolus steht v. 627 der Septenar (res rationesque eri) 
Bällionis curo, argentum accepto expenso et quoi debet dato, wo ex- 
penso, das mit quoi debet dato inhaltlich gleich ist, zu accepto ge- 
schrieben ist und den Vers sprengt, v. 124, wo oculum anne in 
aurem? Bentley emendirt hat, bietet P oculum utrum anne in aurern, 
A utrum an in aurem, d. h. in der Vorlage war utrum über oculum 
geschrieben, was Pmit aufgenommen, A im oculum gesetzt hat, indem 
er es für Correctur hielt, v. 189 hat P quibus ciinctis montes maxumi 
acervi frumenti sunt domi, A frumenti acervi: erst in der Vorlage 
war acervi zur Erklärung von montes beigeschrieben. Vielleicht ge- 
hört in dieselbe Kategorie v. 1127 dum calet dum datur A, dum 
datur dum calet P, vielleicht auch v. 372 und 833. v. 351 ist die 
Emendation unsicher, aber es scheint gewiß, daß in quantum terra 
tetigit (A) tetigit metrische Correctur für das corrupte tegit (P) ist, 
vgl. v. 889. Dazu Corruptelen verschiedner Art, die zumeist nur 
durch die Übereinstimmung von A und P interessant werden: v. 42. 
184. 185. 306. 331 (vielleicht zufällig wie 683. 910). 385. 582. 598. 
671. 681. 719. 836. 880. 954. 1000. 1050. 1252. 1305. 1327. 

Stichus v. 282 war zu dem Verse, der eraeque egenti subveni 
begann, der ähnliche Vers 303 eramque ex maerore eximam, bene- 
facta maiorum meum (exaugeam) beigeschrieben worden und daraus 
die zweite Hälfte in v. 282 geraten, der nun ganz sinnlos in AP 
heißt eraeque egenti subveni benefacta maiorum meum, sogar mit dem 
Schreibfehler maiorum in A und B (erst in CD corrigirt), der in P 
v. 303 wiederkehrt. Einen schlagenderen Beweis für den Ursprung 
aus einer Handschrift kann es nicht geben, v. 223 ist hercle aestu- 
mavi nur leicht verdunkelt in A: hercule iste amavi, daraus in P 
mißgebessert Hercules te amabit; v. 342 equidem verdunkelt zu ecqui- 
dem in A, daraus verdorben in ecquem in P; v. 587 erscheint me- 
dimnum als mediumnum in A, als mediam nunc in P (weiter ver- 
dorben in B) ; v. 704 hat A die Corruptel cynice hie aeeipimur quam 
in lecticis (statt lectis, sinnlos), P läßt hie aus um einen Vers daraus zu 
machen; v. 620 hat (statt satis est) P saterest und A sateris est, d. h. 
es liegt eine Verquickung von satis est und sat erit vor (vgl. Cist. 111 
est erit statt erit). Dies ist alles unmittelbar beweisend und ich 
brauche nur noch auszuschreiben: 165 uteri dolores mihi oboriuntur 



12 • I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

cottidie, 175 quia inde iam a pusitto puero ridiculus fui, 243 ea ecastor 
risi te hodie multum. quando aut quo in loco, 254 rogare opinor te 
volt. mene ut ab sese petam? (alles Senare unter Senaren), 357 nisi 
forte hospites venturi sunt. Udos sternite, 389 ridiculosissimos. re- 
vorram herde hoc quod converri modo (Septenare unter Septenaren, 
vgl. 688), und hinzuweisen auf v. 44. 45. 167. 225. 292. 306. 311. 
312. 334. 339. 474. 529. 593. 629 *) 695. 

Die Mostellaria ist, wenn man den geringen Umfang der in A 
erhaltenen Partien bedenkt, reich an Belegen. Das unmögliche 
ducere v. 961, triginta statt quadraginta v. 1010, senatum congerronem 
statt congerronum würde man in mittelalterlicher Überlieferung als 
Schreibfehler gewöhnlicher Art ansehen. Unmetrische Senare bieten 
AP, in der Hauptsache übereinstimmend, v. 580 reddetume igitur 
faenus? reddetur, nunc abi, 599 cui sortem accipere iam licebit. quin 
non peto, Septenare v. 832 viden pictum übt ludificatur una cornix 
(cornix una P) volturios duos? 984 Tranio, is vel Herculi conterere 
quaestum potest, 1044 nam erus me postquam rus misit, ut filium 
suum arcesserem, \069 docte atque astute mihi captandumst cum illo, 
ubi huc advenerit, alles aus Corruptel eines einzelnen Wortes her- 
vorgegangene Fehler, den baccheischen Tetrameter 794 age duc 
me num moror? subsequor te, lückenhaft wie den übernächsten 796 
sed ut maestus est se (sese A) hasce vendidisse (fehlt aedis), 851 (fehlt 
modo), 854 (fehlt aliquis), 962 (fehlt mihi). 

Auch unter den Stücken, von denen im Ambrosianus weniger 
erhalten ist, fehlt es keinem an beweisenden Stellen. Men. 201 ist 
der richtige Versanfang Hercules haud bei Festus überliefert, A und 
P geben das unmögliche haud Hercules, v. 593 sollte der Leser 
offenbar verbinden dixeram controversiam, ut sponsio fieret, was über- 
haupt vor dem ersten Jahrhundert schwerlich gewollt werden konnte. 
Über v. 1041 s.u. Dazu kommen v. 212. 573. 1132. 1156. — 
Merc. 52t matura iam inde aetate ist mechanische und unverständ- 
liche Corruptel; v. 842. 843 sind in AP nach v. 598 beigeschrieben, 
ohne irgend welchen Grund als daß an beiden Stellen Eutychus auf- 
tritt; vgl. v. 759. 761; im Rudens 537 der Senar iure optumo me 
lavisse arbitror, unmetrisch und sinnlos, 763 der Septenar iam hercle 
tibi messis in ore fiet mergis pugneis; in den Bacchides v. 487 üt 



1) Meine im Rhein. Mus. XXXIX 471 vorgetragene Emendation habe ich 
bestätigt gefunden als ich erkannte, daß die von A gebotene Versordnung 
die richtige ist. 



Gemeinsame Corruptel in Ambrosianus und Palatini 13 

opinor Ulius inspeetandi mi esset maior copia; in den Captivi der 
unvollständige Vers 912, dazu v. 927 und 1009. 

Immerhin haben diese Stücke weniger ins Auge fallende gemein- 
same Verderbnis als die vorher behandelten; auffallend selten ist 
sie im Epidicus, doch beweisend v. 506 der Senarschluß liberavit, 
v. 568 Aeropolistidem für Telestidem; v. 508 Stratippoclen aiünt (a. 
om. P) Periphani filium, ein Unvers nach Sprachform und Metrum 
(vgl. 612 Periphanen); v. 232 lag beiden offenbar die gleiche Cor- 
ruptel des von Nonius bezeugten subnimium vor; dazu v. 496. 704. 
Ahnlich der Truculentus mit seiner endlosen Verderbnis; von v. 232. 
33. 34 ist nur der erste (oben S. 7 Anm. t) wirklich beweisend, 
317 und 383 tun wenig dazu; dagegen zu v. 374 hat Abraham be- 
wiesen, daß A den lückenhaften Vers, den P bietet, gleichfalls vor 
sich hatte. Fast ebenso selten endlich sind die unabweislichen Fälle 
gemeinsamer Corruptel im Trinummus, dem Stück dessen Über- 
lieferung für die moderne Plautuskritik bestimmend geworden ist; 
woraus sich die geringe Beachtung erklärt, die man der Frage, die 
uns hier beschäftigt, überhaupt zugewandt hat. Die Stellung von 
v. 369 nach 361, die Unverse 302 tuis servivi servitutem imperiis et 
praeceptis pater, 495 an mirüm quin tu Ulm tecum divitias feras, 
660 dt operam perire meam sie et te haee (h. om.A) dieta corde sper- 
nere beweisen freilich genug; v. 186 ist aus beigeschriebnem mihi 
in P haseine me, in A mit versuchter Correctur hasee mihi entstanden; 
v. 538 ist die fehlende Präposition in A unrichtig ergänzt; dazu 
v. 85. 295. 575, vielleicht 207; ferner 311. 371 (A C D). 530. 757. 
773, von denen der eine und der andere vielleicht dem Zufall auf 
Rechnung kommt: beweisende Belege werden sich außer diesen 
schwerlich beibringen lassen; aber die vorhandnen genügen voll- 
kommen, um die Thesis auch für den Trinummus zu erhärten. 

Der verschiedene Grad der gemeinsamen Corruptel ist nicht 
ebenso zu beurteilen wie das ungleiche Auftreten des Hiatus in den 
einzelnen Stücken. Denn während der Hiatus den Urhebern unsrer 
Ausgaben unbedenklich war, haben sie, wie man zunächst annehmen 
muß, die das Verständnis störende Verderbnis nach Kräften entfernt; 
und in der Tat trägt der Text des Ambrosianus in keinem Stück 
stärkere Zeichen der Überarbeitung als im Trinummus und Tru- 
culentus. 



14 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 



Wir wollen zusehen, ob uns die öde Strecke Weges, die ich 
dem Leser der mir hat folgen wollen zumuten mußte, auf eine 
Höhe geführt hat. 

Der Ambrosianus selbst gehört in die Zeit zwischen Nonius 
oder auch Iulius Romanus einerseits, Donatus und Servius andrer- 
seits; die Ausgabe, von der der Archetypus der Palatini ein Exemplar 
war, wird dadurch in ungefähr dieselbe Zeit gewiesen. Die Texte 
beider Ausgaben sind gleichsam Palimpseste, durch das Überge- 
schriebene hindurchsehend erkennt man die ursprüngliche Fassung: 
es ist für beide dieselbe schwer verdorbne Handschrift, deren Ver- 
derbnis beide Herausgeber auf verschiednen Wegen zu beseitigen 
"oder zu vermindern gesucht haben. 

Die Anlage und Ausstattung der Ausgaben führt in dieselbe 
Zeit. Beide hatten metrische Argumente, beide nicht zu allen 
Stücken (A nicht zu Trinummus und Vidularia, von anderer Hand 
beigeschrieben zu Persa Pseudolus Stichus, P zu Amphitruo Aulu- 
laria Mercator Miles: leider kein übereinstimmendes, so daß die 
Identität nicht constatirt werden kann x )), P allein die akrostichischen, 
und zwar zu allen; die Argumente sind alle und sicherlich die 
akrostichischen mit ihrer vermeintlichen plautinischen Technik in der 
Archaistenzeit verfaßt worden 2 ). Die Didaskalien hat A allein 3 ), 
sie weisen auf die Zeit der Wiederaufnahme von Varros Büchern 
und Studien. Die Scenenbezeichnung und Scenenteilung folgt bei 
aller Verschiedenheit im Einzelnen (vgl. Baier S. 103 ff.) demselben 



[1) Vgl. Lindsay The anc. editions of PI. 87 : wahrscheinlich gehören die 
Argumente in A und die nichtakrostichischen in P nicht ursprünglich der 
Ausgabe an. Dadurch wird es wahrscheinlich, daß die beigeschriebenen aus 
einer Ausgabe stammen, die nur solche metrische Argumente, nicht akrostichische 
und archaisirende, hatte.] 

2) Das ist nur aus nichtigen Gründen in Abrede gestellt worden. Wer 
an der Fähigkeit des 2. und 3. Jahrhunderts, solche Verse zu machen, zweifelt 
der lese die Inschriften. 

3) Erhalten zu Pseudolus Stichus, vorhanden gewesen zur Vidularia, viel- 
leicht zu Casina Miles Poenulus Rudens Truculentus, nicht zu Persa Trinummus. 
Daraus daß Varro zu allen teren zischen Stücken Didaskalien aufbringen konnte 
folgt nicht, daß er es zu allen plautinischen konnte. 



Die beiden Ausgaben 15 

Princip 1 ), die Personenbezeichnung mit griechischen Buchstaben 
gehörte dem Original (s.o. zu Poen. 474 2 )). Die Noten C und DV 
in P sind gewiß nicht älter als die Argumente, denn DV folgt der 
jungen Art der notatio, die die Wortelemente sondert 3 ). Identität 



1) Die Scenentitel entstammen den Bühnenexemplaren, also alter Über- 
lieferung, aber sie rühren nicht vom Dichter her. Dem Regisseur konnte daran 
liegen, die Abschnitte der Handlung regelmäßig zu bezeichnen, und er mußte 
darin bestimmte Principien befolgen (die Speugel nachgewiesen hat) ; aber die 
Durchführung der Principien führte zu Unzuträglichkeiten, die für den antiken 
und modernen Leser gleich störend sind. Einige Beispiele: Truc. II 8 (Phro- 
nesium Stratophanes) geht Phronesium nach 2 Versen ab; Most. 408 (II 1 b Tra- 
nio Puer): Tranio spricht schon v. 407 allein, der puer tritt erst v. 419 auf; 
Cas. 279 (11 4 Lysidamus Chalinus): die letzten Verse des Lysidamus (275 sq.) 
bilden den Scenenanfang, denn Mitte 279 tritt Chalinus auf, das zerstört die 
Wirkung; 815 (IV 4) macht der Scenenanfang die zweite Hälfte von 814 (iam 
öböluit Casinus procul), d.h. die ersten Worte der Auftretenden, unverständlich; 
Capt. III 5 (659) : die Lorarii sprechen schon die zweite Hälfte von 658; Aul. II 3 
unterbricht der Scenenanfang die Rede des Euclio sehr störend, vgl. II 6. 7; 
Merc. 469 (114 Charinus Eutychus): Charinus spricht schon 468 ext. allein; 
Bacch. 925 (IV 9 Chrysalus Nicobulus): Nicobulus ist erst 978 auf der Bühne; 
Merc. VI. 2 sind nicht zwei Scenen, die Freunde sprechen Monologe ehe sie 
sich sehen, ebenso Pers. I 1. 2 [Monol. im Dr. 63 ff.]; auch Mil. II 6 ist Monolog, 
aber die danach auftretende Person in den Titel aufgenommen; Amph. V 2 
und 3 sind als zwei Monologe bezeichnet, es ist eine Scene zwischen zwei 
Personen. Fehler der Überlieferung, wie die falsch angesetzten neuen Scenen 
z.B. Aul. 327. 537 Capt. 361, die falsch benannten Personen Lampadiscus in 
der Cistellaria, Pasicompsa meretrix Merc, III 1. das Fehlen der Philaenium 
Asin. V 1, der Captivi im Titel des Prologs und 11. 2, des Aristophontes III 2 
usw. sind Fehler wie andere, aber sie führen wie alle diese Nichtigkeiten dazu 
leeres Stroh zu dreschen und Xeyeiv ti öoxovvxa prjdkv Xeyew. Wie störend sind 
z.B. im Schlußakt der Casina die Scenenabteilungen , oder wo sonst bewegte 
Handlung dem Stück einen stürmischen Gang gibt. Wir wollen eben die Stücke 
lesen, da wir sie nicht sehen können. Ich habe darum diese häßliche Theater- 
sitte der Scenenüberschriften aus dem Text entfernt und in die Anmerkungen 
verwiesen, wie ich es mit Senecas Tragödien gemacht habe (vgl. I p. 86 sq.), 
und wünschte, daß es mit Shakespeare, dem sie nicht einmal der Überlieferung 
nach zukommt, und mit Schiller und Goethe jemand ebenso machte. Die Über- 
lieferung des griechischen Dramas bezeichnet das Auf- und Abtreten der Personen 
richtig und sachgemäß. Wer Euripides und Plautus lesen will, der muß auch 
die Handlung verstehen, wenn ihm die auftretende Person durch den Namen 
und der Abgang einer oder mehrerer durch einen Strich bezeichnet wird. 

2) Was es mit den griechischen Buchstaben auf sich hat, habe ich Sen. 
trag. I p. 85 nachgewiesen ; wer danach noch von Rollenverteilung fabelt, hat 
es mit sich selber auszumachen. 

3) Wie in Inschriften kaum vor dem 2. Jahrhundert P. F. = praefectus, 
B. F. = beneficiarius, aber auch d. d. = dedicare, q. d. = quondam usw. 



16 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

der gemeinsamen Vorlage folgt aus der Anordnung der Stücke; sie 
ist alphabetisch, darüber unten ; innerhalb der Buchstaben M und P 
ist verschieden geordnet, aber nicht diese Verschiedenheit fällt ins 
Gewicht, sondern die gleiche Anordnung in C : Captivi Curculio (der 
in A auch an dieser Stelle stand) Casina Cistellaria. Die Ausgaben 
stimmen überein in Schreibungen wie z. B. aiebat für aibat, periuras 
für perieras, isti peristi peri perfidis statt iisti periisti usw., populi 
periculo statt popli periclo, opinor statt opino, vostrum statt vostrorum 
und nummorum statt nummum, libellae statt libellai, in prosodischen 
Eigenheiten und Irrtümern (vgl. Pers. 398 Mil. 481, Cas. 799 u. a.), 
metrischen Fehlern wie der spondeischen oder anapästischen Bildung 
der Diäresis des jambischen Septenars (Mil. 361. Poen. 1245. 1265) 
und vielen anderen Dingen, die zwar mehr oder minder fehlerhaft 
sind, aber der Zeit nicht so erschienen. 

Wir besitzen bekanntlich die Reste einer anderen Ausgabe der- 
selben Stücke in den bei Konius vorliegenden Excerpten. Der Text 
dieser Ausgabe stand zwischen A und P ähnlich wie die Marseiller 
und Londoner Papyri des Isokrates zwischen Urbinas und vulgata, 
mit eignen Varianten wie diese; aber auch hier schimmert die ge- 
meinsame Corruptel durch, in Übereinstimmung bald mit P bald mit 
A bald mit beiden. Damit eröffnet sich der Ausblick in eine eifrige 
Editorentätigkeit im zweiten und dritten Jahrhundert, die das vor- 
handene Material an Lesarten, es durch Conjecturen bereichernd, 
hin und her geschoben und gewiß den Plautustexten der Zeit den 
Schein großer Mannigfaltigkeit gegeben hat, aber alles auf Grund 
des einen verdorbenen Textes der 21 Stücke, dessen wahre Natur 
unter dem Firniß sich schlecht verbarg. Eine Spur einer solchen 
Ausgabe läßt sich aus den Menaechmi nachweisen. Die Verse 
1037 — 1044 (Gespräch zwischen Menaechmus I und Messenio) sind 
in P an ihrer Stelle im wesentlichen so überliefert: 

cum viatico. Ser. id tibi iam huc adferam. Ad. adfer strenue. 

Ser. Salvom tibi ita ut mihi dedisti redhibeo hie. 

Ad. Nimia mira mihi quidem hodie exorta sunt multis modis. 

alii me negant eum esse qui sum atque exeludunt foras. 1040 

etiam hie servom esse se meum aiebat quem ego emisi manu. 

is ait se mihi allaturum cum argento marsuppium, 

id si attulerit, dicam ut a me habeat liber quo volet. 

In A sind nur die durch den Druck hervorgehobenen Buchstaben 
erhalten, aus denen aber die Identität des Textes in der Hauptsache 



Zwei weitere Ausgaben 17 

zur Genüge hervorgeht. Nun sind dieselben Verse in P außer an 
ihrer Stelle auch zwischen v. 1028 und 1029 geschrieben, aus der 
Veranlassung die Spengel (Plautus S. 50) erkannt hat; sie sind aber 
hier in abweichender Fassung geschrieben, und zwar in der Haupt- 
sache in folgender: 

quom viatico. Ad. id tibi iam huc adferam. Ser. adfer strenue. 

salvom tibi item ut mihi dedisti reddebo. hie me mane. 

Ad. Nimia mira mihi quidem exorta sunt miris modis. 

alii me negant eum esse qui sum atque exeludunt foras. i<mo 

vel ille qui se petere modo argentum. modo qui servom se meum 

esse aiebat. quem ego modo emisi manu. 

is ait se mihi allaturum cum argento marsuppium. 

Ad. id si attulerit, dicam ut a me abeat über quo volet. 

Hier ist v. 1038 reddibo, 1039 miris offenbar richtig gegenüber der 
ersten Fassung, aber der Schwerpunkt der Abweichung liegt in 
v. 1041. 1042 der zweiten Fassung. Es sind zwei Verse an Stelle 
des unmetrischen der ersten, des mit dem unerträglich anflickenden 
etiam; allein das schöne vel ille beweist die Echtheit der Über- 
lieferung, in der es auftritt. Der Vers ist emendirt, sobald wir uns 
der oben besprochenen Art der Corruptel erinnern, die modo argen- 
tum modo statt argentum modo erzeugt hat; der zweite Vers verlangt 
eine Ergänzung, und diese, wie mir scheint, auch Zusammenhang 
und Ethos der Scene: 

vel ille qui se petere argentum modo, qui servom se meum 
esse aiebat, (meus servator), quem ego modo emisi manu. 

Dieser Satz schließt sich nicht an v. 1040 an; es ist aber ohnedies 
klar, daß auf v. 1040 ein andrer einst folgte: alii me esse aiunt qui 
non sum, wie Ritschi ergänzte, wodurch auch das gegensätzliche 
alii me negant, was buchstäblich nicht zutrifft, erst seinen Sinn er- 
hält; aber etiam der ersten Fassung ist gesetzt, um an v. 1040 an- 
zuschließen. Der Ausdruck ist vollkommen sachgemäß und lebhaft : 
den zuletzt erlebten, besonders interessanten Umstand, daß der 
Mann ihm auch noch Geld bringen will, erwähnt Menaechmus zu- 
erst und kommt nachher wieder darauf zurück. Die Stelle ist also 
aus einer andern Handschrift, die einen andern und besseren Text 
bot, an den Rand geschrieben worden. Zufällig citirt Nonius den 
v. 1038, er gibt ita mit der einen, reddibo mit der andern Fassung, 
die in P beigeschriebene stammt also nicht aus der Nonianischen 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 2 



18 Die fabulae Varronianae 

Ausgabe , sondern aus einer vierten : in ihr fehlte wie in A P der 
nach v. 1040 ausgefallene Vers 1 ). 

Von den Grammatikern der Zeit außer Nonius ist es in der 
Regel gar zu unsicher, ob nicht nur sie, sondern auch ob ihre Ge- 
währsmänner die Texte selbst benutzt haben. Eine beträchtliche 
Zahl von Citaten stimmt in der Corruptel mit unserer Überlieferung 
zusammen 2 ). Nachweisen läßt sich kein Plautustext der Antoninen- 
zeit, der in der Grundlage von dem erhaltenen abwiche. 

Ob die Bearbeiter des Plautus in diesen späten Jahrhunderten 
keinen andern vollständigen Text der 21 Stücke besaßen, ist eine 
andere Frage ; daß sie sich, soweit wir es erkennen können, an eine 
einzige Ausgabe dieses corpus hielten, folgt aus dem Sachverhalt. 
Was für eine Ausgabe das war, müssen wir zu bestimmen suchen. 



Die 21 Stücke sind die c fabulae Varronianae", deren Begriff und 
Geschichte Ritschi erläutert hat. Die Frage, die Ritschi offen ge- 
lassen hat, durch welchen Vorgang sie in unserer Überlieferung zur 
Herrschaft gelangt sind, beantwortet Usener 3 ) dahin, daß Atticus 
von Varro beraten eine Ausgabe der Varronischen Auswahl veran- 
staltet habe und diese für die Folgezeit maßgebend geworden sei. 
Gegen die Richtigkeit dieser Annahme scheinen mir zwei wichtige 
Argumente zu zeugen. Eine Auswahl im gewöhnlichen Sinne waren 
die fabulae Varronianae nicht, wie Ritschi aus dem Wortlaut des 
Gellianischen Kapitels mit Sicherheit nachgewiesen hat; und daß 
Varro in eine c für das Lesepublikum berechnete Sammlung Plauti- 

1) [Vgl. Gott. Gel. Anz. 1904 S. 361 Anm. 2.] Von ähnlicher Art ist Merc.555, 

wo A bietet 

nunc tarnen interea ad me huc invisam domum, 

P: 

nunc tarnen interea ad me huc invisam domum 

interea tarnen huc intro ad me invisam domum, 
wo Itali und die alten Herausgeber mit Recht (s. zur St.) die zweite Fassung 
der ersten, die sich nun auch als die von A ausweist, vorgezogen haben; die 
zweite ist aus einer andern Ausgabe der ersten als Variante beigesetzt worden. 
Ferner Stich. 157 sq. 

2) Vgl. die Eingangs verse des Persa (schol. Verg. im allgemeinen gleiche 
Fassung mitXP), zu Poen. 443 (Priscian), 1113 (Gellius), 1179 (Charisius), 1286 
(Priscian mit A gegen P), Mil. 360 (Gellius mit P, andre Corruptel in A), 
Trin. 340 (Lactantius inst. div. mit P gegen Servius mit A); vielleicht zufällig 
Cas. 346 schol. Verg. wie die Handschriften speravimus {A fehlt). 

3) Nachrichten der Göttinger Gesellschaft 1892 S. 201. 



Die fabulae Varronianae 19 

nischer Komödien 5 (Usener S. 199) gerade nur die von andern für 
echt gehaltenen Stücke aufgenommen und alle die, die er selber 
c adductus filo atque facetia sermonis Plauto congruentis Plauto vin- 
dicavit', fortgelassen hätte, ist gar nicht in Varros Art. 

Einen Fingerzeig für den Überlieferungsgang der erhaltenen 
Stücke gibt uns die vorher ermittelte Tatsache, daß die Stücke sich 
zum Hiatus verschieden verhalten; dies ist Produkt späterer Über- 
lieferung als sie Varro vorgefunden hat. Aber die Stücke zeigen 
auch sonst in ihrer ganzen Verfassung verschiedenen Stand der Über- 
lieferung, wie oben S. 6 ff. nachgewiesen ist. Ein Teil davon geht 
auf die mehr oder minder durchgreifende Correctur der Herausgeber, 
aber nicht das Ganze. Die Stücke haben im Altertum verschiedene 
Wege genommen und sind zusammengebracht worden in einer Zeit, 
in der die Quellen sie zu verjüngen nicht mehr flössen. 

Und doch sind unsere 21 Stücke ohne Zweifel 'illae una et 
viginti, quae Varronianae vocantur c quas idcirco a ceteris segregavit, 
quoniam dubiosae non erant, sed consensu omnium Plauti esse cense- 
lantur*. Schon das illae des Gellius zeigt, welche Bedeutung zu 
seiner Zeit die 21 hatten; man hatte sie Varronianae genannt, ob- 
wohl sie das keineswegs waren; in dieser Bezeichnung liegt daß 
man sie zu der Auswahl gestempelt hatte, die sie in Varros Sinne 
nicht sein sollten 1 ). Der Irrtum lag nahe, denn Stilo hatte 25 Stücke 
ausgesondert, die er solas Plauti esse existimavit. Dies zusammen- 
genommen mit der Tatsache, daß die 21 den Überlieferungsbestand 
des 3. Jahrhunderts bilden, und zwar in einer bestimmten Über- 
lieferungsform, führt zu dem notwendigen Schluß, daß eine vor der 
Zeit des Gellius, aber zu einer Zeit, in der man der wenn auch 
falsch verstandenen Autorität Varros folgte, veranstaltete Ausgabe 
der 21 Stücke für alle Folgezeit maßgebend geworden ist. Die 
damit bestimmte Zeit ist die hadrianische. In jener Ausgabe sind 
die 21 Stücke als corpus zum erstenmal zusammengetreten; der 
Herausgeber fand sie einzeln in verschiedener Erhaltung vor. Er 
wählte sie aus den erhaltenen Stücken aus und stellte sie nach dem 
alphabetischen Verzeichnis zusammen, das bei Varro stand. Es 
gab auch andere Stücke, die er in diese Auswahl nicht aufnahm; 
aber was nicht in der Auswahl stand geriet bald in Vergessenheit. 
Alle diese Sätze folgen teils unmittelbar aus dem Gesagten, teils 
werde ich sie im folgenden ausführlicher erörtern. 



[1) Vgl. Gott. Gel. Anz. 1904 S. 860. 370 Amn. 1, unten S. 58.] 

2* 



20 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Eine Auswahl, veranstaltet um dem Bedürfnis nicht der Schule 
(für die war Terenz da) *), sondern des gelehrten Lesepublikums zu 
genügen, ist was das 3. Jahrhundert und was wir von Plautus be- 
sitzen. Das ist für die poetische römische Litteratur beispiellos. 
Freilich ist kein Zweifel, daß es an Beispielen nicht fehlen würde, 
wenn wir die archaische dramatische Litteratur besäßen, d. h., 
wie es nicht anders sein würde, in den Ausgaben der Archaisten- 
zeit besäßen. Die Spuren liegen deutlich bei Nonius vor. Von 
Naevius' Tragödien erscheinen bei ihm Lycurgus und Danae, jener 
mit 23 diese mit 1 1 Citaten, außerdem Iphigenia mit einem ; von 
den anderen Stücken führt den Equos Troianus an Macrobius aus 
dem Vergilcommentar, die Hesiona Gellius mittelbar oder unmittel- 
bar aus Varro, den Hector Priscian, alles einmal und zufällig; von 
den Komödien lernen wir nur durch Nonius den Gymnasticus, und 
zwar 8 Fragmente kennen, vereinzelte Citate aus vier bis fünf andern, 
meist nur durch ihn bekannten 2 ), dagegen durch Charisius (und 
Diomedes) allein Agitatoria Acontizomenos Figulus, fast allein die 
vielen Fragmente von Tarentilla und Corollaria; aber Iulius Romanus 
scheint auch wenigstens ein plautinisches Stück außer den 21 (den 
Caecus) selber excerpirt zu haben 3 ). Von Emmis' Tragödien hat 
Nonius 13 von den 15 Fragmenten der Hectoris lutra, allein die 
der Eumeniden, dagegen kennt er nicht die früher viel citirten 
Alexander und Iphigenia. Von Caecilius dagegen hat Nonius eine 
Menge Stücke excerpirt, und alle des Terenz. Es ist hiernach sehr 
wahrscheinlich, daß auch die Dichtungen anderer hervorragender 
archaischer Dichter dem Publikum der Archaistenzeit in Ausgaben 
ausgewählter Stücke vorgelegt wurden; sicher daß den Kreis der 
archaischen Litteratur nicht nur die rhetorische Bildung sondern auch 
die grammatische Gelehrsamkeit des 2. Jahrhunderts enger und enger 
zog. Die von Probus wiederentdeckte frührömische Litteratur und 
wiedererweckte varronische Gelehrsamkeit war der verfallenden 
geistigen Kraft der auf ihn folgenden Epoche nicht zum Segen ge- 
raten. Die Versuche, wissenschaftlich weiter zu gehen, erlahmten 
bald; statt Probus nach in die Tiefe zu steigen schrak man auch 
vor der Breite zurück; die Texte waren zum Excerpiren gut, die 
philologischen Bücher zum Compiliren und Epitomiren. Der geistige 
Gewinn war ein Flitter am Zopfe des Säculums. 

1) Den deutlichsten Fingerzeig dafür gibt Quintilian X 1, 99. 

2) Die Verse p. 187 (pall. ine. frg. 79 R.) scheinen mir nicht von Naevius 
zu sein, sondern nachplautinisch. 

3) Winter PL frg. p. 10. Dagegen Goetz PI. fragm. p. 194. 



Auswahlen 2 1 

Es ist die Zeit, in der endlich, nach dreihundertjähriger Wirkung 
und Gegenwirkung, die römische und griechische Kultur, von der 
unentrinnbaren Organisation des Kaiserstaates zusammengezwungen, 
ihre Ströme in einem seichten Bette vereinigen. Die gleichen Er- 
scheinungen bilden in der griechischen und römischen Welt die 
Signatur des geistigen Lebens; noch immer geht der Anstoß von 
den Griechen aus und noch immer folgt der Römer dem Impulse; 
aber beide Bewegungen sind Produkt derselben Schwäche, der eine 
fällt und der andere gibt dem toten Gewicht des Fallenden nach. 

Der Mann, der die Auswahl der 21 plautinischen Stücke machte, 
folgte dem Beispiel der griechischen Philologen, die aus dem attischen 
Drama ausgewählte Stücke in commentirten Ausgaben für das Schul- 
bedürfnis zusammenstellten und damit, ohne es zu wollen, den Unter- 
gang der übrigen dramatischen Litteratur herbeiführten *), genau wie 
die anderen, nicht minder als die 'Varronianae* varronischen Stücke, 
mit denen Probus gearbeitet hatte, durch die Sammlung der Varro- 
nianae zugrunde gingen. Es steht fest, daß mit wenigen Ausnahmen 
kein Grammatiker vom 2. Jahrhundert an die über den Kreis der 21 
hinausgehenden Stücke, die er anführt, aus eigener Lektüre anführt 2 ). 

Die Analogie der griechischen Auswahlen muß zunächst dazu 
führen, die Kennzeichen dieser Ausgaben in dem Bilde zu suchen, 
das wir uns von der ersten Ausgabe der 21 zu machen haben. Der 
Text gibt äußerlich ein sicheres Kennzeichen der griechischen 
Technik in der im Ambrosianus genau durchgeführten und in den 
Palatini nur verdunkelten aristophanisch -heliodorischen Vers- und 
Kolenstellung mit Aus- und Einrücken (Studemund Würzb. Pestgruß 
S. 48) 3 ). Für jene Auswahlen sind die Commentare mit Einleitungen 
und vjiofteaeig unerläßlich. Ob die Ausgabe der 21 commentirt war, 
ist später zu besprechen. Die Didaskalien werden den Stücken vor- 
gesetzt entsprechend den didaskalischen Angaben in den aristopha- 
nischen vTiofteoeig. Von den beiden Gattungen der metrischen Argu- 
mente 4 ) entsprechen die nichtakrostichischen genau den 10 zeiligen 

1) v. Wilamowitz Herakles 1 I 173 ff. 

2) Nachgewiesen von Winter Plauti frg. p. 8 sq. Vgl. Goetz PL fragm. 
p. 189 sq. 

3) Daß dadurch nicht, wie Studemund will, die Ausgabe, zu der der Am- 
brosianus gehörte, nach Heliodor datirt wird, bedarf wohl keiner Ausführung. 
[Weiteres Plaut. Cant. S. 5 ff.] 

4) Sie unterscheiden sich in der metrischen Behandlung dadurch, daß die 
akrostichischen den Hiatus (keineswegs bloß in der Cäsur) zulassen, die andern 
nicht, vgl. Klotz Fleckeisens Jahrb. 143 S. 829. Das ist doch wohl nur ein indi- 



22 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

metrischen vTio&eoeig der aristophanischen Komödien, die zu einigen 
Stücken als AQioro<pdvovg yQa^aTixov bezeichnet werden (Nauck 
Ar. Byz. frg. p. 258 sq.). Daß diese von Anfang an der uns über- 
lieferten Auswahl von Aristophanes' Komödien beigegeben waren, 
ist sehr wahrscheinlich ; Verse zum Auswendiglernen gehören in gute 
alexandrinische Tradition und die Verstechnik ist alt trotz starker 
Verderbnis 1 ). Wie diese Argumente je 10 Verse haben, so die des 
Sulpicius Apollinaris zu Terenz je 12 (zu Vergil je 6, andre, dem 
Ovid zugeschriebene, je 10), weniger regelmäßig die zu Aul. Merc. 
(P) Pseud. (A) je 15, zu Mil. (P) und Persa (A) je 14, zu Stichus 
(A) 9 und Amph. (P) 10; alle, die griechischen und lateinischen, 
erzählen im praesens, die offenbar jüngeren zu Sophokles Oedipus 
Tyr. und Philoktet (die einzigen zur Tragödie überlieferten, das zu 
Oedipus auch als 'AQioxocpavovg yQajuju. bezeichnet, beide im Lauren- 
tianus) im praeteritum 2 ). Für die akrostichischen Argumente liegen 
in den Ausgaben griechischer Dichter nicht die unmittelbaren Ana- 
logien vor, aber wie sehr die naqaoxiyig griechischer Sitte entsprach 3 ), 
wie sie grade in Alexandria heimisch war 4 ), wie die römischen 
Nachahmungen früh beginnen 5 ) und sich später mehren 6 ) ist be- 
kannt. Das Auftreten der lateinischen metrischen Inhaltsangaben 
vom 2. Jahrhundert an (Sulpicius) erklärt sich durch den Vorgang 
der griechischen Ausgaben, die bald in Aller Hände kamen. 

Die innere Beschaffenheit aber des corpus der 21 Stücke zu er- 
kennen müssen wir weiter ausholen. 



vidueller Unterschied; verschiedene Entstehungszeit würde es beweisen, wenn 
die nicht akrostichischen griechische Technik hätten, sie haben aber terenzische 
wie die zu Terenz. 

1) Nauck p. 256 polemisirt gegen die Autorschaft des Aristophanes und 
erklärt Sprache und Vers gleich als des Tzetzes würdig. Es gibt aber ein 
Mittelding. 

[2) Ebenso die vjzöfteois zu Menanders "Hgcog (12 Verse wie die des Apolli- 
naris zu Terenz), vgl. Hermes XL1II 121.] 

3) Vgl. Wachsmuth Rhein. Mus. XLIV 151 ff., Kaibel epigr. ind. [Diels Sib. 
Bl. 33 ff. Vorsokr. II 669]. 

4) Diels doxogr. p. 85 A. 

5) Ennius, Aurelius Opillus, Silius. Vgl. W. Meyer Abh. Bayr. Akad. 
XVII 2 S. 370. 

6) Beispiele bei Teuffel-Schwabe 5 S. 41 ff. [Überhaupt Graf bei Pauly- 
Wissowa I 1200 ff.] 



Ausgabe der Varronianae. Probus. 23 

5 

Für die Überlieferungsgeschichte der altrömischen Texte im 
Altertum haben wir an der Erzählung Suetons von M. Valerius 
Probus einen festen Anhalt. Es sind wenige Worte, aber sie geben 
uns direkte Auskunft über einen litterarhistorischen Vorgang von 
höchster Bedeutung, dessen Kenntnis wir uns indirekt auf keine 
Weise verschaffen könnten, so deutlich wir uns aus der Geschichte 
des ersten Jahrhunderts die negative Entwicklung machen können, 
die er abschließt oder besser deren letzte Folgen er durch seine 
persönliche Leistung abwendet, legerat in provincia quosdam veteres 
libellos apud grammatistam, durante adhuc ibi l ) antiquorum memoria 
needum omnino abolita sicut Romae. hos cum diligentius repeteret 
atque alios deinceps cognoscere cuperet, quamvis omnes contemni magis- 
que opprobrio legentibus quam gloriae et fructui esse animadverteret, 
nihilo minus in proposito mansit; multaque exemplaria contracta 
emendare ac distinguere et adnotare curavit, soli huic nee ulli prae- 
terea grammaticae parti deditus. Sueton erzählt dies mit Interesse 
und Wärme, ihm liegt die Sache am Herzen und er bewundert 
den Mann, dem die Schriften ihre Erhaltung verdanken, mit denen 
sich zu beschäftigen jetzt so sicher Ehre und Gewinn brachte wie 
damals Geringschätzung ; er spricht wahrscheinlich aus persönlicher 
Kenntnis des Mannes, sicher der Zeit und Umstände, von denen er 
spricht. Wir erfahren daß das Andenken der veteres libelli in Rom 
völlig untergegangen war, daß es in der Provinz noch lebte, aber 
auch dort in Dunkel und Unehre, daß Probus in der Tat diese 
Schriften nicht nur vom Untergang gerettet, sondern auch viele 
wissenschaftlich wiedergewonnen und ihre Existenz gesichert hat. 
Daß Plautus unter den geretteten war, ist damit so gut wie als 
Tatsache bezeugt, denn er gehört zu den antiqui, deren memoria 
omnino abolita war, und nach Probus ist er vorhanden, Probus selber 
traktirt ihn; es ist damit ferner bezeugt, daß die plautinischen Stücke 
erhalten wurden, die aufzufinden dem Probus gelang. 

Wie es gekommen ist, daß zwei Menschenalter nach Varros 
Tode die Poesie, die er gehegt und gepflegt hatte, einem solchen 
Schicksal verfallen war, können wir uns wohl anschaulich machen 
und dadurch die Darstellung Suetons indirect wenigstens bestätigen. 
Es handelt sich dabei um einen Entwicklungsgang, der für die Ge- 

1) Vgl. in der Einleitung: iam in provineißs quoque grammatica penetra- 
verat usw. 



24 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

schichte des römischen Geisteslebens im ersten Jahrhundert von be- 
sonderer Wichtigkeit ist 1 ). 

Die Beschäftigung mit der archaischen Litteratur begann in Rom 
zur Zeit ihrer Ausläufer, mit derselben Notwendigkeit, mit der 
in der hellenistischen Epoche die wissenschaftliche Bearbeitung der 
klassischen Poesie auf deren Abschluß folgte. Der letzte Tragiker 
machte den Anfang damit, die Gattung, an deren Ende er stand, 
mit den Augen des Gelehrten anzusehen; Afranius und Atta, Novius 
und Pomponius wurden schon von ihren Zeitgenossen zu glosso- 
graphischen Zwecken excerpirt. Von nun an floß mit einiger Be- 
ständigkeit nur noch ein dünner Bach künstlicher Poesie, aus der 
Quelle der hellenistischen Poesie unter ähnlichen Verhältnissen ab- 
geleitet wie er dort entsprungen war, unterhalten meist von vor- 
nehmen Dilettanten und wie dort zum Genuß eines kleinen Bildungs- 
kreises bestimmt. Wer mehr wollte, griff nach den Griechen; aber, 
und das war das zweite Moment das der alten Poesie zu Ehren 
verhalf, der nationale Stolz sträubte sich schon in der sullanischen 
Zeit gegen die Alleinherrschaft der Griechen auch auf diesem Gebiet 
und man begann die abgeleitete Dichtung des vorigen Jahrhunderts 
als eignen Besitz gegen die fremde ins Feld zu führen 2 ). Der dritte 
und vielleicht stärkste Antrieb war der romantische Zug der Zeit; 
der Ausdruck ist modern, aber er trifft zu, auch darin daß sich eine 
wissenschaftliche Bewegung mit der sentimentalen verbindet 3 ). Die 
besten Römer wendeten sich aus der Zerfahrenheit der sittlichen 
und der Trostlosigkeit der politischen Zustände in die Zeit des alten 
Römertums zurück und holten ihre geistige Erbauung aus den Schätzen 
der alten und veralteten Sprache. Varros antiquarische Forschung 
ging aus dem Bedürfnisse hervor sich in die Vergangenheit zu ver- 
senken und führte andere dazu ; die grammatische Erforschung der 
12 Tafeln und Kultlieder, des Livius und Naevius wurde durch die 
Sehnsucht nach Zeit und Zuständen belebt und ein Zug von Liebe 
und Bewunderung mischt sich sichtlich in die trockene Arbeit. Diese 
romantische Richtung dauert und verstärkt sich naturgemäß die 



1) Zum folgenden vgl. Hermes XXIV 79 ff. [Aistermann De M. Valerio 
Probo Berytio, 1910, gibt viel gute Einzel Untersuchung , verkennt aber die 
Stellung Suetons zu Probus (S. 28) und Probus' Verhältnis zu Plautus (S. 45); 
überhaupt würdigt er die wichtigen Momente der Überlieferung nicht genügend 
und läßt die unwichtigen ungebührlich hervortreten.] 

2) Vgl. Cicero de fin. I Vorrede. 

[3) Vgl. Norden Neue Jahrb. VII (1901) S. 251 ff.] 



Römische Romantik 25 

schreckliche Übergangszeit hindurch bis zur Befestigung von Augustus' 
Regiment. Vergil ist noch Romantiker, seine Studien und seine 
Dichtung bewegen sich in der römischen Vorzeit, er benutzt Naevius 
wie Varro l ) ; das 8. Buch der Aeneis gestaltet zu einer auch den 
modernen Leser ergreifenden Anschaulichkeit die schwankenden 
Vorstellungen vom Urzustände der Stadt, die in der Phantasie der 
Zeitgenossen lebten und in den gleichzeitigen Gedichten des Tibull 
(115) und Properz (IV 1. 2. 4. 9) mit verweilender Liebe behandelt 
werden; oder er dichtet von dem einfach ursprünglichen, der 
städtischen Gesellschaftskultur entrückten Leben der ländlichen 
Menschen, in dem sich Vorzeit und Gegenwart ununterscheidbar 
mischen. Beides greift in derselben Wurzel zusammen , in beidem 
berührt er sich mit Varro, in beidem mit einer ähnlichen Dichter- 
natur, Tibull. Augustus kamen diese Regungen recht, da sie mit 
seinen Versuchen, die römische Welt sittlich zu regeneriren, zu- 
sammentrafen. Aber die in der Tat innerlich und äußerlich neue 
Zeit, die Zeit des Weltfriedens und des persönlichen Regiments, in 
der der Römer, quid Tiridaten terreat unice securus, ein Amt oder 
Ehrenamt versieht und danach oder daneben auf anständige Aus- 
füllung seiner Müsse denkt, die neue Zeit hatte einen andern Inhalt 
und verlangte und schuf sich auch litterarisch andere Ideale. Varro 
ragte zuletzt in sie herüber als Zeuge einer vergangenen Epoche; 
auch Vergil wäre als ein Fremder in ihr gewandelt, wenn er nicht 
mit seinem starken und klaren Pormensinn die Aufgabe erkannt und 
ausgeführt hätte, die dem Dichter des neuen Rom gestellt war. 
Er wußte die von der Prosa der cäsarischen Zeit zur Vollendung 
gebrachte Sprache poetisch umzuschmelzen und den durch die Neo- 
teriker nach hellenistischen Regeln geschmeidiger gemachten Vers in 
strenges und doch nachgiebiges Gesetz zu fügen, so daß der ennia- 
nische gegen ihn regellos klang und er doch nicht weniger stolz 
und kraftvoll als der ennianische : mit diesem Epos beherrschte er 
die folgenden Jahrhunderte. Der aber das neue Gesetz in Dich- 
tung und Lehre verkündete und mit dem alten brach, war Horaz. 
Unromantisch von Natur und jeder unklaren Regung widerstrebend 
schob er den alten Plunder, als sein Wächter Varro zu den Vätern 
versammelt war, mit starker Hand beiseite und verwarf die ganze 

1) Das beste Material haben die 'obtrectatores' (nach dem Ausdruck des 
Asconius) gesammelt, um dem Modernen Diebstahl an den Alten nachzuweisen. 
Die Quellenuntersuchung bestätigt es: Maaß ind. lect. Gryphisw. 1886/87 
p. XVII sq., Noack Hermes XXVII 428 sq. 



26 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

archaische Poesie vom Salierlied bis Atta, dazu die neoterische, 
Properz eingeschlossen. Wie Augustus mit Recht seinen Platz ein- 
nahm, so sollte dem römischen Volk sein Verlangen nach einer seiner 
neuen Natur eignen Poesie erfüllt werden; wer sich an der Plump- 
heit der Alten noch erfreuen wollte, der mochte in der Ecke stehen, 
in die er sich selber schob. Horaz formulirte die Gedanken, deren 
Elemente in der Luft verstreut waren, darum übte er radikale 
Wirkung. Freilich ging die Entwicklung nicht den Gang, den er 
ihr vorgezeichnet hatte. Die moderne Rhetorik trat als neuer Faktor 
in das geistige Leben ein, sie fing bald an die römische Bildung 
maßgebend zu beeinflussen und gelangte mit erschreckender Ge- 
schwindigkeit dazu, den römischen Geist fast ausschließlich zu be- 
herrschen. Die Reinheit des Stils ging verloren, die klassische 
Periode schloß mit dem Leben des Augustus ab; aber die archaische 
Litteratur wurde nur noch tiefer in den Hintergrund geschoben; ein 
so durch und durch rhetorischer Dichter wie Accius wurde wieder 
geschätzt; aber im ganzen war natürlich auch die Rhetorik der 
Alten den Modernen ungenießbar (Tac. dial. 20). Vergil hatte noch 
nicht nur Ennius sondern auch Naevius gelesen und benutzt; Ovid 
nennt nur noch den Ennius {arte carens, wie Quint. I 8, 8), Accius 
und Terenz; beim Vater Seneca ist keiner der alten Dichter vor 
Catull, Publilius, Varro Atacinus mehr zu finden 1 ). Auch die 
metrische Bildung des dramatischen Verses hat sich geändert und 
nicht nur Geist und Wohllaut, auch das Formengesetz des plauti- 
nischen Verses hätte kein Verständnis mehr gefunden; die archaische 
Versbildung des Plebejers Phaedrus ist eine Anomalie und tritt aus 
dem vornehmen Kreise der herrschenden Dichtung heraus. In der 
Zeit des Claudius und Nero steigert sich diese Entwicklung auf 
ihren Höhepunkt, die alte Litteratur fällt in fast völlige Vergessen- 
heit. Seneca verfaßt seine Tragödien nach den griechischen Ori- 
ginalen, ohne die römischen Bearbeitungen auch nur zu kennen; 
die Verse der altrömischen Tragödie, die er in seinen prosaischen 
Schriften citirt, stammen sämtlich aus dritter Hand 2 ). Persius spreizt 



1) Valerius Max. VIII 14, 1 Scipio von Ennius gepriesen vir Homerko 
quam rudi atque impolito praeconio dignior. 

2) Nachgewiesen von F. Strauß de ratione inter Senecam et antiquas 
fabulas Romanas intercedente, Rostocker Dissertation 1887. Vgl. Quint. 18, 11. 
Daß die Verse m impero Argis von Varius seien, hat schon Lange vermutet. 
Strauß p. 16 sq. Vgl. Sen. ep. 58. 108, de ira III 37, 5, Gellius XII 2. Steup 
de Probis p. 64 sq. 



Abwendung von der archaischen Litteratur 27 

sich wohl mit den Namen des Ennius Pacuvius Accius, aber er 
citirt den Eunuchus nach Menander, nicht nach Terenz 1 ). Kennt- 
nis der archaischen Litteratur (die klassische der augusteischen 
Zeit hat nun schon ihre Säcularfeier begangen) ist an keinem Punkte 
nachzuweisen. 

In der Gelehrsamkeit hat sich, wie zu erwarten, die Be- 
schäftigung mit den alten Sprachdenkmälern länger, aber nur um 
ein weniges länger erhalten, und die Entwicklung der grammatischen 
Studien bestätigt vollauf die eben dargelegte Anschauung. Verrius 
Flaccus, der als Varros eigentlicher Nachfolger die römische Glosso- 
graphie abschloß, starb unter Tiberius; in derselben Generation 
arbeiten in Yarros Sinne eine Reihe von Grammatikern und Anti- 
quaren: Capito, Hygin, Fenestella, dann Modestus. Aber aus diesem 
Kreise heraus wurde Vergil, bald nach seinem Tode und dem Er- 
scheinen der Aeneis, als Klassiker behandelt, durch Hygins Werk 
de Vergilio und seine Commentare. Die Gunst von oben drängte 
dazu wie die Strömung der Zeit. Schon vor Hygin erfuhren die 
modernen Klassiker schulmäßig grammatische Behandlung, zuerst 
durch Q. Caecilius Epirota, den Freigelassenen des Atticus, der 
primus Vergilium et alios poetas novos praelegere coepisse dicitur 
(Sueton 16), und zwar wahrscheinlich bei ihren Lebzeiten, denn wie 
könnte man anders den Spott des Domitius Marsus verstehen, der 
ihn tenellorum nutricula vatum nannte 2 ) ? Allmählich traten in der 
Schule die neuen Klassiker an die Stelle der alten, um so aus- 
schließlicher je entschiedener sich die Rhetorik der Schule bemäch- 
tigte. So verminderte sich das Bedürfnis nach gelehrtem Wissen 
und damit gar bald die Gelehrsamkeit; wie der alten Dichter, so 
bedurfte man auch ihrer Kenner und Interpreten nicht weiter: Varros 
Schriften verschwanden aus den Händen der Grammatiker und 
zogen sich in ihre scrinia zurück, er wurde magni nominis umbra. 

1) Wie Quintilian XI 3, 91 Hydria und Georgos, d. h. Menander, nicht 
Caecilius oder Terenz. Es ist das rechte Widerspiel zu Varro, der VII 3 statt 
Sophokles zu citiren sagt: etiam Teucer Livii post annos XV ab suis qui sit 
ignoratur, und de re rust. II 11, 11 um griechische Sitte zu belegen Caecilium 
in Hypobolimaeo und Terentium in Heautontimorumeno anfuhrt; die historische 
Bewegung ist auf der Gegenseite der Spirale angelangt. 

2) Ribbeck Verg. proleg. p. 114, dagegen mit einem Grunde der nicht 
durchschlägt Steup de Probis p. 5. — An Asinius Pollio bei Serv. Aen. II 7 (wo 
nach Thilo auch der Cassellanus Asinius hat) und XI 183 ist schwer zu glauben 
(Pollio VI 554), vgl. Bergk op. I p. 601, Ribbeck proleg. p. 114 sq. und Haupt 
op. II p. 70. 



28 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Nur auf zwei Gebieten, so viel ich sehe, treffen wir noch varro- 
nische Gelehrsamkeit : in der Vergilerklärung, für die sie nötig war, 
den wesentlich von Hygin zusammengebrachten Stoff; und bei 
Caesius Bassus im Abschnitt über den Saturnier direkt aus Varro 
geschöpftes Material mit der wahrscheinlich unwahren Behauptung 
daß er es aus den Quellen selbst habe 1 ). Diese Abwendung von 
den Alten und Varro ist vollendet worden durch Remmius Palae- 
mon, der unter Tiberius Claudius Nero principem locum inter grarnma- 
ticos tenuit (Sueton 23), der Mann der die griechische re%vri in die 
römische Grammatik einführte. Aus der Anekdotensammlung Suetons 
über ihn erfahren wir, daß er M. Varronem porcum appelldbat und 
daß er den Palaemon bei Vergil auf sich bezog, omnium poetarum 
ac poematum iudicem. Vergil ist ihm zuerst d jzoirjTr/g 2 ), der Schul- 
sack seiner ars überaus dürftig und von Alteren nur Terenz darin. 

In Rom und Italien war selbst das Gedächtnis der archaischen 
Litteratur ausgelöscht, als Probus erschien 3 ); noch dauerte es in 
provincia*). Probus brachte nach Rom was er von Exemplaren der 
alten Schriften erlangen konnte, er brachte es in dem Zustande in 
dem er es erlangen konnte. 

Wir wissen jetzt woher die Textgestalt stammt, in der die 
plautinischen Stücke den Herausgebern des 2. Jahrhunderts allein 
zu Gebote standen. Die Stücke waren fast ein halbes Jahrhundert 
lang nur von Liebhabern außerhalb der wissenschaftlichen Centren 



1) Vgl. Hermes XXIV 281. 

2) F. Scholl Rhein. Mus. XXXIV 631. 

3) Ich weiß keine Erklärung dafür, daß diese Bücher in den öffentlichen 
Bibliotheken nicht aufbewahrt wurden. Aber offenbar verhielt es sich so, 
Sueton spricht unzweideutig und war mit diesen Verhältnissen aufs engste ver- 
traut. Erinnern will ich nur, daß die großen Brände unter Nero und Titus 
jener in einer Zeit der äußersten Gleichgiltigkeit gegen die archaische Litte- 
ratur, dieser in einer Zeit stattfand, in der das erwachende Interesse für sie noch 
auf enge Kreise beschränkt war. Sueton Dom. 20 berichtet, daß Domitian 
bibliothecas incendio absumptas erneuerte; auf welche Bibliothek außer der in 
der porticus der Octavia, die unter Titus abbrannte (Dio Cass. 66, 24), sich das 
bezieht ist ungewiß. Vgl. Ihm Centralbl. für Bibliothekswesen X 518. 520. 
[Aistermann de Probo p. 7 führt nur Stellen an, die von der Wirkung des Probus 
zeugen; bei Plinius tritt sie zuerst hervor.] 

4) Damit kann Sueton sehr wohl Berytos meinen, wo römisches Leben im 
J. 740 eingeführt wurde und in der Folgezeit eine juristische Hochschule her- 
vorbrachte. Denn wenn es auch mit der von Steup de Probis p. 2 bestrittenen 
petitio centuriatus seine Richtigkeit hat (vgl. Marquardt R. St. II 366 sq.), so 
folgt daraus doch kein einziger Feldzug des Probus. [Aistermann S. lff.] 



Das Material des Probus 29 

gelesen, ohne die Fürsorge kundiger Grammatiker abgeschrieben 
und weiter überliefert worden. Es hing von zufälligen Umständen 
ab, wie rein ein Stück sich erhielt, wie hoch seine Verderbnis stieg, 
ob die Modernisirung der Sprachform oder die Lockerung des Vers- 
gefüges stärker um sich griff. Von solcher Art war das Material, 
über das Probus verfügte. Es waren beträchtlich mehr als die 
21 Varronianae darunter; was die späteren Grammatiker außer den 
Varronianae citiren geht, soweit es nicht von Varro oder VerriusFlaccus 
herrührt, wahrscheinlich direkt oder indirekt auf Probus zurück 1 ). 
Ob er eine Ausgabe der von ihm zusammengebrachten Stücke ver- 
anstaltet hat, bleibt ungewiß. Wenn Plautus unter denen war, die 
er emendare ac distinguere et adnotare curavit, so liegt darin bekannt- 
lich nicht, daß er den Text nach seinen Ansichten veränderte, sondern 
daß er librariorum menda sustulit (Cic. ad Att. XIII 23, 2), Vers- 
abteilung und Interpunktion herstellte und sein Urteil über den 
Text durch kritische Zeichen andeutete und durch deren Erklärung 
begründete. Ob er oder ein Nachfolger diese Arbeit getan hat: 
der Text der Stücke blieb im wesentlichen wie er ihn gefunden 
hatte und wurde so von dem Herausgeber der Auswahl reproducirt, 
von den späteren zugestutzt. 

Probus hatte nicht nur die alten Dichter, sondern auch die 
gelehrte Litteratur zurückgeführt, die sich an sie angeschlossen 
hatte und auf der seine Studien ruhten. So trat auch Varro wieder 
ins Leben, seine Uutersuchung wurde für das neue corpus bestimmend; 
und auch auf die Gestaltung des Textes hat vermutlich er und 
andere seiner Zeit bestimmenden Einfluß geübt. Davon wird unten 
noch die Rede sein. 

6 

Wir haben zunächst zu fragen, in welcher Verfassung der 
Plautustext gewesen sein mag, als die Philologen, gegen Ausgang 
der augusteischen Zeit, ihn aus den Händen ließen und der Ver- 
wahrlosung anheimgaben, in der ihn später Probus vorfand. 

Über die Schicksale des Plautustextes in seiner ersten Über- 
lieferungsperiode herrscht, so weit ich sehe, Übereinstimmung. 



1) Vgl. Goetz (PL fragm. p. 192), der freilich zu zweifeln scheint, ob 
Probus auch andere als die 21 plautinischen Stücke gekannt habe. Gewiß 
hat er größeren Anspruch auf Anerkennung seiner grammatischen Quellen- 
studien als Plinius. 



30 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Plautus schrieb für die Bühne, wie Livius und Naevius, und würde 
kein Lesepublikum gefunden haben, wenn er seine Stücke hätte 
herausgeben können und wollen. Die Stücke blieben in den Händen 
der Theaterdirektoren und erfuhren die Umwandlungen, die die 
Bühnenpraxis mit sich brachte, in Interpolationen und Streichungen, 
mildernden oder kürzenden Parallelfassungen, Modernisirung der 
Sprache. Als die palliata sich durch engeren Anschluß an die 
attischen Originale verfeinert und dadurch dem großen römischen 
Publikum entfremdet hatte, kamen die Bühnenleiter, in deren Besitz 
sich die plautinischen Stücke befanden, der öffentlichen Stimmung 
entgegen und brachten Plautus wieder auf die Bühne (Casina prol.) ; 
wir sehen aus den terenzischen Prologen, mit was für Widerwärtig- 
keiten Leute wie Turpio zu kämpfen hatten, deren geschäftliches 
Interesse mit der neueren palliata eng verbunden war und so zum 
mindesten den Schein eines litterarischen Interesses annahm. Es 
war um die Wende des Jahrhunderts ; in dieser Zeit, über die ersten 
Jahrzehnte des 7. Jahrhunderts hinaus, haben die Stücke die stärkste 
willkürliche Veränderung erfahren. Es konnte nicht anders sein, 
als daß Exemplare von sehr verschiedener Passung entstanden, z. B. 
Poenulus und Captivi mit verschiedenen Schlüssen. 

Diese erste Periode der Überlieferung umfaßt nicht viel mehr 
als ein halbes Jahrhundert nach Plautus' Tode; denn Accius hatte 
offenbar eine Ausgabe vor sich, und wir sind nicht berechtigt, die 
Didascalica in seine letzte Lebenszeit zu setzen. Hierdurch bestätigt 
sich, was wir auch sonst als sehr wahrscheinlich anzusehen hätten, 
daß diese Ausgabe in die erste Periode philologischer Tätigkeit in 
Rom gehört, über die Sueton (de gramm. 2) Auskunft gibt. Er 
knüpft durch eine Vermutung, die er mit quanttim opinamur ein- 
führt, den Beginn des grammatischen Studiums in Rom an die Ge- 
sandtschaftsreise des Krates an; die Combination gehört wahr- 
scheinlich Varro, der selbst unter dem Einfluß der pergamenischen 
Grammatik stand und bei seinen Vorgängern etwas davon erkannte 1 ). 



1) Daß die historische Einleitung zum Tractat de grammaticis (§ 1 — 3) 
aus Varro stammt, ist nicht nur für eine Einzelheit direkt erweislich (Roth 
Suet. praef. n. 58), es folgt für das Ganze daraus, daß die Darstellung erstens 
genau bis auf Varros Zeit reicht und daß zweitens Varro in ihr nicht genannt 
ist ; ein Varronianer wie Sueton konnte das instruxerunt auxeruntque ab omni, 
parte grammaticam von Stilo und Clodius aussagen und Varros Namen ver- 
schweigen nur wenn er Varro selbst ausschrieb. Dann folgt in deutlichem Ab- 
steigen ein aus anderer Quelle (vielleicht Cornelius Nepos) oder auch aus drei 



Erste Periode der Überlieferung 31 

Mehr als eine Combination hierin zu sehen ist nicht erlaubt, und 
für die Geschichte der jungen römischen Philologie ist die Nach- 
richt von der persönlichen Einwirkung des Krates ein morsches 
Fundament; aber allzu weit von Varros Datirung darf man die An- 
fänge der wissenschaftlichen Textbehandlung in Rom nicht weg 
verlegen 1 ). Weiteres über die Zeit lernen wir aus Suetons Mit- 
teilungen nicht; Vargunteius führt er selber mit posfea ein, Archelaus 
und Philocomus bemühen sich um Lucilius' Satiren nach der Mitte 
des 7. Jahrhunderts; nur Lampadio stünde es frei um 600 anzu- 
setzen 2 ). Wahrscheinlicher ist es, daß Varro die Bedeutung von 
Krates' Gesandtschaftsreise überschätzt hat und daß Männer wie 
Lampadio (gerade für ihn bezeugt Sueton eine nach griechischem 
Muster hergerichtete Ausgabe) die kritische Technik aus ihrer 
Heimat 3 ) mitgebracht und gewisse Kreise des römischen Publikums 
genügend für sie vorbereitet gefunden haben. Die Grammatikerreihe 
im Pariser Traktat über die kritischen Zeichen (Keil gr. VII 533) 
ist leider nicht zu restituiren, da Bergks Einwendungen (op. I 595) 
gegen Varro Ennius Aelius (die auch gegen Varro Sinnius 



selbstgelesenen Schriften (Nepos, Messalla, Orbilius) hinzugefügter Abschnitt § 4 
(zu dem überleitenden initio litterati vocabantur vgl. Asper V p. 547 K. gram- 
maticam Varro primum ut adlmc rüdem appellatam dicit Utteraturam) und zum 
Schluß eine aus Suetons eigner Kenntnis stammende Mitteilung, § 5. 

1) Suetons ungenauer Ausdruck missus ad senatum ab Audio rege (sub 
ipsam JEnni mortem, 585, da es keinen König Attalus gab) darf uns nicht irre 
machen. Natürlich hat er den König verstanden (nicht den Prinzen, Wachs- 
muth de Cratete p. 5, Steup de Probis p. 11) und sich in dessen Regierungs- 
zeit geirrt. Sehr wahrscheinlich hat Varro die von Livius XLV 13, 12 zum 
Jahre 586 berichtete Gesandtschaft gemeint: et ab Eumene et ab Attdlo et ab 
Aihenaeo fratribus communis legatio de victoria gratulatum venu, eine Fassung 
aus der sich der Irrtum Suetons erklärt. [Vgl. Polyb. XXIV 5, XXXI 9, 
XXXII 3 u. a.] 

2) Ihn aus Fronto p. 20 als Ennius' Zeitgenossen zu datiren ist Bergk 
(op. 1 603) nicht gelungen. 

3) Daß Lampadio Grieche von Geburt war (neuerdings wieder in Abrede 
gestellt von Hillscher S. 364) ist mir nicht zweifelhaft , wie Archelaus, Philo- 
comus (daher ich diesen auch nicht mit Marx Rhein. Mus. XLI 555 für gramma- 
tfcorum equitum doctissimum halte) Lenaeus Melissus Teucer Iacchus Chares, 
d. h. fast alle in diesem Abschnitt genannten sonst nicht oder minder bekannten 
grammatici. Suetons Ausdruck nostris exemplo fuit beweist nichts dagegen, 
denn wen sollte er anführen oder auf wen die Nachahmung beziehen, wenn 
nicht auf die Leute , die eben in Rom so früh Grammatik getrieben hatten ; 
und das waren natürlicherweise Halbgriechen. Einen Gegensatz gegen die semi- 
graeci oben würde man nur künstlich hineinconstruiren. 



32 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Aelius gelten) berechtigt sind 1 ). Aus diesem Traktat lernen wir, 
daß die römischen Kritiker sich in der Anwendung der Zeichen an 
die alexandrinische Philologie anschlössen, und zwar an Aristarch, 
nicht direkt an Aristophanes 2 ) ; auch dies gibt ein Indicium für den 
Zeitansatz 3 ). An keiner von beiden Stellen, weder de grammaticis 
noch de notis, erwähnt Sueton ausdrücklich Ausgaben der Drama- 
tiker aus dieser Zeit; wir sind darum nicht berechtigt, die Anwen- 
dung der kritischen Zeichen ohne weiteres der ersten Plautusaus- 
gabe zuzuschreiben. Aber daß sie nach derselben Technik gemacht 
w T ar, lassen uns die allgemeinen Erwägungen, aus der natürlichen 
Entwicklung, und die besonderen, aus der Gestalt des Textes, nicht 
bezweifeln. Ihr Bearbeiter stellte zum ersten mal die zerstreuten 
Stücke zusammen. Er befand sich damit einer schwierigeren Auf- 
gabe gegenüber als die Herausgeber der Epen des Naevius und 
Ennius; denn diese können in einen Zustand des Textes, wie er 
für die Bühnenlitteratur angenommen werden muß, auf keine Weise 
geraten sein. Wie er sich mit den verschiedenen Fassungen, die 
er vorfand, auseinandersetzte, zeigt zur Evidenz die Gestalt, in der 
Plautus dem folgenden Altertum vorlag und uns vorliegt. Es ist 
genau die kritische Technik der griechischen Herausgeber der drama- 
tischen Litteratur, d.h. des Aristophanes von Byzanz 4 ). 

Das charakteristische Merkmal der alexandrinischen Ausgaben 
ist die Urkundlichkeit des Textes; dieser stellt die erreichbare, durch 
Vergleichung der besten Zeugen gewonnene Tradition dar, der Zweifel 
an ihrer Richtigkeit wird durch die kritischen Zeichen ausgedrückt. 
Was überliefert und gut bezeugt war, wurde auch dann gegeben, 
wenn der Herausgeber von der Unrichtigkeit überzeugt war. Aristo- 

1) Die wahrscheinlichste Herstellung ist Vargunteius Ennius Laelius. 
Dann käme der Grammatiker Ennius zu den von Sueton de gramm. 2 genannten 
hinzu, und wir hätten es mit einem andern Excerpt Suetons aus derselben Stelle 
Varros zu tun, nach der er de gramm. referirt. 

2) Die Angabe über den asteriscus darf man vielleicht für die antiqui 
nostri nicht scharf interpretiren, aber die über den asteriscus cum obelo ist 
unzweideutig: proprio, nota Aristarchi — item antiqui nostri. Warum ich die 
Argumentation Steups S. 53 ff., der dem Probus zuerst Anwendung der Zeichen 
zuschreibt, nicht billige, geht aus meiner Darstellung hervor. Probus hat den 
Notenapparat bis auf 21 vervollständigt. [Aistermann S. 10 ff.] 

3) Die Anwendung der alexandrinischen orjfisla zeugt natürlich nicht gegen 
die Rolle, die dem Krates zugeschrieben wird, aber sie muß davor warnen, die 
pergamenische Philologie als von Anfang in Rom alleinherrschend anzusehen. 

4) v. Wilamowitz Herakles 1 1 S. 147, Usener Nachr. d. Gott. Ges. 1892 
S. 181 ff. 



Erste Ausgabe 33 

phanes setzte ävTioiyjua und olyjua zu Ar. Ran. 152. 53, erst spätere 
ließen V. 152 fort, aber unsere Auswahl bewahrt ihn. In Medea 
und Phönissen stehen eine Anzahl von Versen an zwei verschiedenen 
Stellen; der Stand unserer Überlieferung macht es durchaus wahr- 
scheinlich, daß diese Wiederholungen von Aristophanes an im Texte 
standen, während nicht geglaubt werden kann, daß er oder ein 
anderer Urteilsfähiger sie anerkannte. Genau dieselben Züge zeigt 
unser Plautustext. Corruptelen etwa durch Übereinstimmung mit 
Festus als einer der ältesten Ausgaben angehörig zu erweisen ist 
natürlich selten möglich, aber es fehlt nicht an solchen Fällen 1 ). 
Wesentlich ist die allgemeine Verfassung des Textes, und hier zeigt 
sich durchaus das Bestreben, die Tradition zu erhalten, das Vor- 
handene nicht umkommen zu lassen. Ich brauche nur an den zwei- 
oder vielmehr dreifachen Schluß des Poenulus zu erinnern; in einer 
Menge von Fällen sind die Verse und Versgruppen, die sich aus- 
schließen, nebeneinandergestellt 2 ). Es gibt eine Anzahl Verse, die in 
einem Stück ihre Stelle haben und in einem andern wiederholt sind 3 ), 
wo der Zusammenhang eine ähnliche Wendung gestattet; über das 
Alter dieser Wiederholungen ist schwer zu urteilen, wie auch ein- 
zelne kurz vor oder nach ihrer richtigen Stelle wiederholte Verse 
durch mechanische Corruptel oder spätere Willkür versprengt sein 
können 4 ). Aber genau wie in der Medea sind im Pseudolus die 

1) Vgl. zu Poen. 1272 (Hiat in numero), Cas. 523 (ohne Ä), 646, Truc. 277 
(in beiden A richtig gegen P, Festus). Über die beiden von Varro bezeugten 
Hiate Amph. 275 und Merc. 615 s. u. Varro las Cure. 393 Coclitum mit erster 
Länge. 

[2) Wie der Schluß der Phönissen von V. 1736 an eine Dublette zu dem 
Stück 1710-1735 ist: Wilamowitz Ber.Berl.Akad. 1903 S. 596.] 

3) Ritschi op. II 274. Von anderer Art sind die Traumerzählungen in Mer- 
cator und Rudens (s. Kap. III); teils von anderer Art teils zweifelhaft die Stellen 
Capt. 664-66 und Pseud. 459-61; Capt. 77 und Pers. 58; Men. 104 und Rud. 
137; Epid. 49 und Poen. 754; vgl. Capt. 359 und Mil. 256, zu Asin. 186, Capt. 
324, Cas. 970, Men. 983, Pseud. 65. So findet sich bei Terenz Eun. 801 der Vers 
Capt. 800 wieder, Phorm. 976 der Vers Most. 655, während andere seiner Verse, 
mit plautinischen verglichen, sich als Übersetzungen fast übereinstimmender 
griechischer Worte erweisen, so Ad. 35 sq. mit Mil. 718 sq., besonders viele im 
Heautontimorumenos: v. 86. 110. 236. 642 verglichen mit Pseud. 19, Merc. 62, 
Bacch. 679, Men. 580; wobei die Vermutung naheliegt, daß die ähnlichen Worte 
und Wendungen bei Terenz aus der Plautuslektüre stammen. — Der Vers And. 
208 ist wiederholt nach Phorm. 181 im Bembinus, nach 182 bei Calliopius. 

4) Zu Merc. 842. 43 s. o. Einigemal sind diese Wiederholungen das Zeichen 
einer für die Aufführung beabsichtigten Kürzung und erweisen sich dadurch 
als sehr alt; vgl. zu Bacch. 64. 393 u. a. 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 3 



34 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Verse 116 (vgl. 1073) 381 (600) 409 (788) 485 (527) in Umgebungen 
wiederholt, in denen sie allenfalls auch stehen könnten ; und es ist 
unstatthaft, gleiche Erscheinungen von so specifischer Beschaffenheit 
aus verschiedenen Ursachen zu erklären. Der erste Herausgeber 
verfuhr nach der Methode des Aristophanes und Aristarch und hat 
uns dadurch das reine Bild der Überlieferung mit ihren Zufällig- 
keiten, wie sie sich in den beiden Menschenaltern nach Plautus' 
Tode gestaltet hatte, aufbewahrt. 

In derselben Weise tritt der Anschluß an die Arbeitsmethoden 
der griechischen Grammatiker in den pinakographischen Studien 
Varros und seiner Vorgänger hervor, über die Gellius III 3 nach 
Varro berichtet. Schon die Fragestellung, ob die ganze unter Plautus' 
Namen überlieferte Masse ihm wirklich gehöre, ist nur durch die 
Kenntnis der griechischen Forschung zu erklären; eine solche Frage 
zu stellen und die Wege zu gehen die sie wies, auf die Ausblicke 
hin die sie eröffnete, das erforderte eine wissenschaftliche Reife 
oder eine Genialität, die beide in Rom nicht zu finden waren und 
wahrlich in den ersten Proben römischer litterarischer Forschung, 
die uns erhalten sind, nicht hervortreten. Accius konnte nur weil 
ihm so viele Urteile alexandrinischer und pergamenischer Gramma- 
tiker über Echtheit attischer Komödien vor Augen waren, reden 
wie er es tat: nam nee Gemini lenones nee Condalium nee Anus 
Plauti, nee Bis compressa nee Boeotia umquam fuit, neque adeo 
Agroeeus neque Commorientes Macei Titi 1 ). So war die Kategorie 

1) Die Kühnheit der Behauptung hat Accius in den Worten deutlich her- 
vortreten lassen, und wenn man darauf achtet, versteht man auch die sprach- 
liche Fassung. Ritschi sagt (Parerga 85) : c wer an Hermanns schöne Entdeckung 
daß es Verse sind, keinen rechten Glauben fassen kann, der versuche nur vor 
allem sich und andern die Frage zu beantworten, was doch das für eine Prosa 
sei, in der eine Wort- und Satzbildung wie diese erhört wäre' — und nun ein 
Beispiel, in dem Varronis gleich Plauti und Terenti Marci gleich Macci Titi 
gesetzt ist. Die Sache liegt aber so : in den Prologen zu Gemini lenones, Con- 
dalium, Anus war der Genetiv des Dichternamens Plauti, zu Agroeeus und 
Commorientes Macci Titi. Es sind Kategorien, die Accius durch die Namen 
und ihre Stellung bezeichnet, etwas gesucht, wie man es von ihm erwarten 
muß. Er sagt damit: obgleich die 3 Stücke ausdrücklich des Plautus und die 
beiden andern des Maccus Titus heißen, sind sie doch nie von ihm gewesen; 
woraus folgt, daß er die Prologe für unplautinisch hielt. Dazwischen stehen 
ohne einen von Plautus' Namen Bis compressa und Boeotia; nun wissen wir, 
daß die Boeotia einem andern Dichter zugeschrieben wurde, und die Bis com- 
pressa erscheint nirgend wieder, es ist also nicht unwahrscheinlich, daß sie 
unter den unbezeugten war. So scheidet er die dritte Kategorie der dem 



Pinakographen + 35 

der äjuqptßohoi, der fdbulae quae dicuntur ambiguae, bald vorhanden. 
Erst nachträglich verband sich die litterarhistorische Untersuchung 
mit der sprachlich ästhetischen Kritik, die nach pergamenischem 
Vorbild zu handhaben den römischen Dilettanten lockender erschien. 
Die Stücke der aqiaia und jueorj hatten bis ins 3. Jahrhundert hinein 
eine von der plautinischen nicht sehr verschiedene Überlieferung 
durchgemacht, und in der Tat paßten die Voraussetzungen der 
Methode zum Teil in überraschender Weise hier und dort. Freilich 
besaßen die Alexandriner die Didaskalien des Aristoteles, während 
für eine ähnliche Forschung in Rom erst Varro das Material sammelte; 
denn die Anschauungen seiner Vorgänger über die Chronologie der 
dramatischen Litteratur waren überaus ungeordnet und fehlerhaft *). 
Noch Stilo kann nicht wesentlich anders als nach ästhetischem Be- 
lieben über Echtheit und Unechtheit entschieden haben, wenn er 
nur 25 Stücke anerkannte. Das ist die pergamenische Methode, 
die in der Kritik der Redner am deutlichsten hervortritt: von den 
60 Reden unter Isokrates' Namen erkennt Dionys 25, Caecilius 28 
an; von den 44 Stücken des Aristophanes waren doch nur 4 bezweifelt 
worden, und zwar unter einem Gesichtspunkt. Auch Varro übte 
diese xQioig, die ja die Blüte auch der alexandrinischen Grammatik 
war: credendum ipsi Plauto moribusque ingeni atque linguae eins; 
hac iudicii norma Varro usus; aber er übte sie mit der Tendenz 
eher zu erhalten und hinzuzugewinnen als zu verwerfen. Gellius 
spricht nur von ihr, wie er und sein Kreis denn nur für sie Ver- 
ständnis hatten, nicht für die historische Untersuchung; sonst hätte 

Plautus willkürlich zugeschriebenen und setzt das umquam zu diesen, wie adeo 
zu Agroecus und Commorientes ; und man muß gestehen, daß er durch eine 
ungemein künstliche Wortstellung für den Leser, der im Zusammenhang war, 
die Scheidung deutlich gemacht hat. Mir scheint dies völlig beweisend, und 
es ergibt sich daraus einmal, daß der Agroecus echt war wie die durch Terenz 
bezeugten Commorientes, wodurch auch die Titel Colax und Dyscolus gestützt 
werden; zum andern, daß Planti weder umgestellt noch sonst corrigirt werden 
darf; endlich daß von Versen hier keine Rede mehr sein kann , sowenig wie 
für nam quam varia genera poematorum, Baebi. Es ist eine schlechte Ausrede 
gegen Bücheier (Rhein. Mus. XXXV 401), daß die Didascalica eine prosaische 
Vorrede gehabt hätten ; die Stelle ist nicht aus der Einleitung, sondern mitten 
aus dem Zusammenhang. Das Buch des Accius hatte menippeische Form. Die 
Geschichte der Vorrede bedarf einer Behandlung, sie beginnt mit Isokrates. 
[Vgl. Vahlen im Ind. lect. 1901, opusc. acad. II 400ff., der zum Schlüsse selbst 
auf die Schwäche seiner Argumentation, soweit sie Macci Titi angeht, hinweist; 
dieser Name aber ist Ausgangs- und Stützpunkt der meinigen.] 
1) S. Kap. IL 



36 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

er die didaskalisehen Forschungen nicht übergehen können, auf 
deren Resultaten natürlich Varro hauptsächlich fußte. Er suchte 
ferner, ganz nach der Methode der alexandrinischen Gelehrten, nach 
Indicien und Anspielungen in den Stücken selbst 1 ). Er suchte 
nach Gründen der Verwechselung andrer Dichter mit Plautus, er er- 
kannte eine Anzahl plautinischer Stücke als Überarbeitungen älterer 
Nachdichtungen der attischen Originale, durchaus nach dem Vorgang 
der griechischen Gelehrten 2 ). 

Ich habe auf diesen Zusammenhang hier nur hingewiesen, um 
es einleuchtender zu machen, daß der erste Herausgeber des plau- 
tinischen Nachlasses nach den Principien der alexandrinischen Philo- 
logie verfuhr. Daß Varro selber eine Ausgabe veranstaltet hätte, 
ist nicht wahrscheinlich; daß er es im Jahre 710 noch nicht getan 
hatte, folgt aus de 1. 1. IX 106 quod Plauti aut librarii mendum si 
est, non ideo analogia sed qui scripsit est reprehendendus: so konnte 
er als Herausgeber nicht sprechen. Daß bald auf die erste Aus- 
gabe andere folgten, wahrscheinlich solche die sich auf die nach 
der Ansicht des Herausgebers echten Stücke beschränkten, liegt in 
der Natur der Sache; aus den Varianten, die gelegentlich ein Citat 
Varros von demselben bei Festus unterscheiden (Poen. 530 Varro 
mit den Handschriften gegen Festus) und aus den Varianten bei 
Festus selbst 3 ) folgt es nicht ohne weiteres. 

7 

Die Anschauung, die wir von den Schicksalen und der Fixirung 
des Plautustextes gewonnen haben, wird sich bestätigen, wenn wir 
einige Werke der römischen Litteratur ins Auge fassen, die unter 
ähnlichen Bedingungen überliefert worden sind. 

Freilich besitzen wir keinen Text aus der Zeit, in der der drama- 
tische Dichter seine Stücke nicht selbst veröffentlichte. Die Text- 
geschichte der terenzischen Komödien im Altertum bildet einen 
rechten Gegensatz gegen die der plautinischen. Terenz hat seine 
Stücke ohne Zweifel gleich für ein Lesepublikum veröffentlicht, wie 
er sie geschrieben hatte. Wohl gleich nach seinem Tode sind die 
6 Stücke, seine ganze Produktion, zusammengefaßt worden, sicher 

1) S. Kap. IL 

2) Athen. III 127 b ro d' avxo dgäpa (Avrt<pdvovg "Avtsio) (psgetai aal <og 
'Alegidog iv oXiyoig ocpodga StaXkdttov. Anderes Kaibel Hermes XXIV 44, dessen 
Erörterung überhaupt zu vergleichen ist. 

3) S. u. S. 51. 



Terenz. Cato de agri cultura 37 

ehe sie den Gefahren starker Verderbnis ausgesetzt gewesen waren. 
Selbst in der neronischen Zeit waren sie nicht ganz vergessen. Als 
Probus für alle Folgezeit den Text fixirte, verfügte er ohne Zweifel, 
wie allein der Donatcommentar zeigt, über ein reiches Material 1 ), 
ganz anders als für Plautus. Schon darum kann es nicht wunder- 
nehmen und gestattet keinen weiteren Schluß, daß Ciceros Exem- 
plar erheblich von der Ausgabe des Probus abwich 2 ), daß Varro 
eine Variante wie scortatur Ad. 117 aufweist. Die Orthographie und 
einige Sprachformen haben sich natürlich abgeschliffen und erneuert, 
auch in späterer Zeit, als Terenz ein Hauptbuch der Schule geworden 
war; aber von einer durchgreifenden Corruptel, die sich auch nur 
von ferne der des plautinischen Textes näherte, kann keine Rede 
sein, und die Vorstellung, die Bentley sich von den Schicksalen des 
Textes in früher Zeit gemacht hat, ist völlig unzutreffend. Der 
Unterschied tritt am bezeichnendsten darin hervor, daß der unechte 
Ausgang der Andria, der aus einem Bühnenexemplar stammt, zwar 
einmal in eine Ausgabe aufgenommen wurde, aber in keine maß- 
gebende, d. h. nicht in die des Probus: hi versus in plarimis eocemplari- 
bus bonis non feruntur (Donat); das vergleiche man mit den inein- 
ander verfitzten Schlüssen des Poenulus. Daher ist auch den teren- 
zischen Stücken der Hiatus fremd. 

Aber eine einigermaßen zutreffende Analogie haben wir an Catos 
Buch de agri cultura. Cato hat sein Buch selbst veröffentlicht, es 
wurde eins der am meisten gelesenen und benutzten römischen 
Bücher. Im Gebrauch verjüngte sich die sprachliche Form, schloß 
sich an den Catonischen Kern verwandter Stoff an, wurden die 
älteren Fassungen der einzelnen Recepte und Lehren durch jüngere 
ersetzt. Die jüngeren erscheinen bei Plinius, sind für Celsus nachzu- 
weisen, vielleicht auch für Varro 3 ); es scheinen in der Tat in ziem- 
lich früher Zeit eine oder mehrere Zusammenstellungen der moderni- 
sirten Form umgelaufen zu sein. In dem erhaltnen Buche stehen 

1) Auch Bembinus und Calliopius zeigen übereinstimmende Corruptel, 
z.B. Phorm. 181. 243 (gegen Cicero). 249. 311, aber mit den Plautushandschriften 
verglichen äußerst selten. 

2) Vgl. besonders Phorm. 243. 245. 

3) Weise quaestiones Catonianae, Göttingen 1886, und mit besserer Ein- 
sicht in die Quellenfrage, vollständigeren Belegen für die jüngere Fassung und 
richtigerer Auffassung der sprachlichen Form (die Weise S. 104 einem Gram- 
matiker der augusteischen Zeit zuschreibt) Reitzenstein Wochenschr. für kl. 
Phil. 1888 S. 587 ff. [Vgl. Reitzenstein Studien zu Quintilians größeren Dekla- 
mationen, Schriften der Wiss. Ges. in Strafib. V, 1909 S. 19.] 



38 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

ältere und jüngere Fassungen ungeschieden hintereinander, wie 
c. 114 — 116 drei Recepte zur Herstellung von Wein ad alvum 
movendam, zuerst das ausführlichste, dann das kürzeste, dann ein 
kürzeres als das erste, in der Regel an verschiednen Stellen, wie 
c. 5 und 142 die vilici officia, 91 und 129 Herstellung der area, 
48 und 151 Cypressenpflanzung, Im ersten Teil dauert einige Ord- 
nung, allmählich wird es eine wilde Sammelei. Durch die An- 
nahme, daß eine Überarbeitung, gemacht in der Absicht die ältere 
und jüngere 'Recension zu vereinigen, den gegenwärtigen Zustand 
hervorgerufen habe, wird der Zustand nicht erklärt; niemand kann 
mit Absicht weder Form noch ^Materie eines Buches so herstellen 
wie dieses vorliegt. Der Herausgeber der erhaltenen Fassung hat 
ohne Zweifel gewußt, daß das Buch so wie er es gab nicht vom 
Verfasser herrührte; er kann es in diese Form gebracht haben nur 
weil er dem Princip folgte, das Überlieferte nicht umkommen zu 
lassen. Der Text hat Dittographien und Eindichtungen wie der 
Plautustext, aus dem Gebrauch hervorgegangen, zum Zwecke ge- 
macht und für jeden kenntlich. Der Herausgeber hat ein solches 
aus der Praxis stammendes Exemplar, das vollständigste das er 
erreichen konnte, zugrunde gelegt und wohl aus anderen ergänzt; 
diese Ausgabe ist für die folgenden maßgebend geworden. 

Die Überlieferung der römischen Litteratur seit dem Anfang 
des 7. Jahrhunderts stand im übrigen unter den günstigsten Be- 
dingungen. Die Form und Anordnung, in der die Verfasser ihre 
Werke publicirt hatten, blieb ihnen für alle Zeit. Horaz besitzen 
wir wie Vergil in einer commentirten Gesamtausgabe, Catull wahr- 
scheinlich in einer Membranausgabe die nicht vor der Zeit der 
Flavier veranstaltet worden, aber kein Gedicht steht an einem 
anderen Ort als der Dichter ihm gegeben hatte; es macht dafür 
keinen Unterschied, ob ein Dichter wie Horaz durch den Schul- 
gebrauch kanonisch geworden war oder wie Catull nur von Lieb- 
habern gelesen wurde. Die alexandrinische Grammatik hatte die 
griechische und römische Nachwelt zur gewissenhaften Bewahrung 
des authentischen Textes erzogen und der Name des Verfassers 
gab seinem Werke Schutz durch die Jahrhunderte. Unter anderen 
Bedingungen, und zwar unter solchen die der Geschichte des Plautus- 
textes in gewisser Weise analog sind, stehen nur solche Schriften, 
die von ihren Verfassern deshalb nicht herausgegeben wurden, weil 
sie vor der Vollendung oder doch vor der Veröffentlichung des 
Werkes starben. Einem unvollendeten Werke gegenüber befand 



Cato. Postume Werke. Lucrez 39 

sich der Herausgeber in der Tat in einer ähnlichen Lage wie vor 
einem durch längere willkürliche oder nachlässige Überlieferung 
verdorbenen. Sueton selber faßt an der oben besprochenen Stelle 
zusammen carmina parum adhuc divolgata vel defunctorum amicorum 
vel si quorum aliorum prolassent. Um zu sehen, wie in solchen 
Fällen verfahren wurde und ob auch hier eine feste Tradition, eine 
Pflicht der Treue gegen das verwaiste Werk eines Toten galt, 
wollen wir auf einige der wichtigsten Werke, die hier in Betracht 
kommen, einen Blick werfen 1 ). 

Wie Philipp von Opus mit Piatons vo/uoi oder wie der Heraus- 
geber von Herodots oder Thukydides' Werk verfuhr, gibt uns für 
diese Betrachtung, in der es sich um grammatische Praxis handelt, 
keinen Maßstab 2 ). Aus der hellenistischen Zeit, in der gramma- 
tische Praxis galt, ist mir kein Beispiel eines unvollendet hinter- 
lassenen und nach dem Tode des Verfassers herausgegebenen Buches 
bekannt. Für einzelne römische Bücher, wie die letzten Gedichte 
des Tibull und Properz, und gewiß für diese nicht mit Recht, hat 
man sich die Schwierigkeiten der Interpretation dadurch zu erklären 
gesucht, daß man die Gedichte für postum erklärte. Das erste 
sichere Beispiel gibt Lucrez. Er starb im Jahre 699, im Winter 700 
liest Q. Cicero seine poemata, d. h. Abschnitte des unvollendeten 
Werkes, in der Handschrift oder Abschrift 3 ). Er ist gestorben cum 



1) Eine vierte Kategorie hat nur scheinbar mit dieser Ähnlichkeit. Wenn 
Q. Cicero seinen Bruder bittet ut annales suos emendet et edat (ad Att. II 16,4) 
oder Plinius den Arrian, daß er seine Rede legat et emendet (ep. I 2, vgl. die 
von Steup de Probis p. 26 sq. besprochenen Stellen), so hat der Emendator 
oder Editor natürlich die Freiheit, die der Verfasser ihm zugesteht. — Daß 
Servius besonders bemerkt (I p. 2 Th.), Vergilium bucolica triennio scripsisse et 
emendasse — georgica scripsit emendavitque VII annis, ist natürlich nur im 
Gegensatz zur Aeneis (scripsit, sed nee emendavit nee edidit) geschehen. 

2) Vgl. Aristoteles jcsqI noiyxwv bei Diog. L. VIII 57 : eine Schwester (oder 
nach Hieronymos Tochter) des Empedokles habe seine nachgelassenen Gedichte 
verbrannt, rö fiev tzqooI[mov äxovoa, rä ds üsQOixä ßovXrj&eTaa Siä ro areXelcora 
elveu. — Aus dem Testament des Lykon Diog. L. V 73: xal ovo fiväg avrq> 
didoout xal rä i/uä ßißMa rä ävsyvcoo/niva ' rä <5' ävexbora KaXXivco ojicoq smfieXüg 
avrä ixdco. 

3) Den Wortlaut der Briefstelle Ciceros ad Q. fr. II 9, 3 haben Vahlen 
(ind. lect. 1881/82 S. 3 sq., opusc. acad. 1 156) und Marx (Berl. phil. Wochenschr. 
1891 S. 834) erledigt: Lucreti poemata ut scribis ita sunt: multis luminibus ingenii, 
(non) multae tarnen artis. sed cum veneris. virum te putabo, si Sallusti JEmpedoclea 
legeris, hominem non putabo (non vor multae Bergk opusc. I 428). Reitzenstein 
(Drei Vermutungen S. 52 ff.) hat mich nicht überzeugt; [auch nicht Norden 



40 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

aliquot libros — conscripsisset, quos postea Cicero emendavit (Hierony- 
mus). Hier ist ein direktes und unanfechtbares Zeugnis, das auch 
mißzuverstehen nur dann war, wenn man emendavit im modernen 
statt antiken Sinne verstand. Der Herausgeber war Cicero, d. h. 
Marcus, der aber eine solche Arbeit natürlich nicht selbst machte, 
sondern seine Leute dazu hatte 1 ). In welcher Weise die Arbeit 
gemacht w r urde, liegt vor Augen: die Unfertigkeiten des Gedichtes, 
die Lachmann aufgezeigt hat, und die unmöglichen Wiederholungen 2 ) 
lehren es; die einen wie die anderen sind nur zu begreifen unter 
der Yoraussetzung, daß das unvollendete Werk publicirt wurde wie 
es hinterlassen war; das emendavit bedeutet nicht, daß etwas ab- 
oder zugetan wurde 3 ). Natürlich erledigen sich so nicht alle 
Schwierigkeiten und Bedenken, aber der allgemeine Zustand des 
Gedichtes wird erklärt. Nun wissen wir durch Sueton (de notis), 
daß Lucrez von Probus mit kritischen Zeichen herausgegeben wurde. 
Es ist sehr wahrscheinlich, daß wir ein Exemplar von Probus' 
Ausgabe besitzen und daß der Text des Probus genau der des 
Cicero war. 

Am klarsten sehen wir in der Textgeschichte von Vergils 
Aeneis, obwohl schon im Altertum unrichtige Ansichten über die 
erste Ausgabe verbreitet waren. Die richtige Angabe macht Sueton 
in der Donatvita p. 64 ß. : Vergil vermacht seinen schriftlichen Nach- 
laß dem Yarius und Tucca, seinen Erben ex uncia, sub ea con- 



Ant. Kunstpr. 1182 Anm. 1, Tyrrell und Purser II 2 125, Hendrickson Am. 
Journ. XXII 438. Es ist ein knappgefaßtes Urteil mit zwei gegensätzlichen 
Begriffen, die durch tarnen verbunden sind, also wird dem Dichter das eine 
zu-, das andere abgesprochen ^ und auch die Beispiele von abgeblaßtem tarnen, 
die C. A. Lehmann de Cic. ad Att. ep. 195 citirt und Sjögren in seiner Ausgabe 
zu Hilfe holt (1911, vgl. Löfstedt Philol. Comm. zur Peregr. Aeth. 27 ff.), tun 
nichts zur Sache.] 

1) Vgl. Marx Rhein. Mus. XLIII 137, der die Sache überhaupt richtig be- 
urteilt. Unrichtig z.B. Gneiße de versibus in Lucreti carmine repetitis p. 21 sq. 

2) Lohmann quaest. Lucret., Bonn 1882, c. I. 

3) In der Lucrezvita des Girolamo Borgia (J. Masson Academy 1894 S. 519) 
vom J. 1502 findet sich folgende Mitteilung: Cum T. Pom. Attico Cicerone 
M. Bruto et 0. Cassio coniunctissime vixit. Ciceroni vero recentia ostendebat 
carmina, eius limam sequutus, a quo inter legendum aliquando admonitus, ut in 
translationibus servaret verecundiam, ex quibus duo potissimum loci referuntur 
c Neptunni lacunas* et c coeli cavemas*. Den Beweis, daß diese Offenbarung direkt 
aus Sueton stammt, liefert C. Radinger in der Berliner philologischen Wochen- 
schrift von 1894 S. 1244 ff. Vgl. Reid Journ. of phil. 1895 S. 235, Woltjer 
Mnemos. XXIII S. 222 ff., Fritsche Berliner phil. Wochenschr. 1895 S. 541. 



Lucrez. Vergils Aeneis 41 

dicione ne quid ederent quod non a se editum esset edidit autem 
auctore Augusto Varius, sed summatim emendata, ut qui versus etiam 
imperfectos si qui erant reliquerit. Also Varius war der Heraus- 
geber 1 ); dafür hat man, weil sie im Testament beisammen stehen, 
Varius und Tucca gesetzt: Donat in dem Zusatz zu Sueton, den er 
p. 63, 11 — 19 eingeschoben hat mit dem Epigramm des Sulpicius 
(der auch Varius und Tucca als Retter der Aeneis bei Vergils Leb- 
zeiten anführt, während Sueton p. 64, lsq. nur den Varius nennt), 
Servius in der vita I p. 2, 13 Th. und im Commentar IV 436; V 871; 
VII 464, die Scholien II 566, vgl*. VI 289 ab emendatoribus, während 
Msus (bei Sueton p. 64) nur von Varius spricht. So sagt auch 
Hieronymus, der es nur aus Sueton hat : Varius et Tucca Aeneidos 
libros emendarunt und fügt mit einer Verwechselung, die bei Ver- 
gleichung mit Suetons Ausdruck in die Augen springt, hinzu: sub 
lege ea ut nihil adderenL Daß nichts zugefügt war, sah freilich 
jeder, der die halben Verse sah. So entstand das Mißverständnis, 
das wir bei Servius finden: Augustus vero, ne tantum opus periret, 
Tuccam et Varium hac lege iussit emendare, ut superflua demerent, 
nihil adderent tarnen. Es bleibt also als wahre Überlieferung nichts 
übrig als: edidit Varius summatim emendatam, d. h. er gab das 
Manuscript heraus wie es hinterlassen war und sorgte für die Cor- 
rectheit der Ausgabe 2 ). Die halben Verse blieben wie sie waren, 
wie sie ja auch in der Regel den Satz abschlössen (Sueton p. 64); 
aber auch der unfertige Satz und Vers III 340 blieb; ebenso 
blieb die Lücke der Erzählung zwischen II 566 und 589. Von 
kritischen Zeichen hören wir nichts; es war lediglich die genaue 
Wiedergabe der einzigen Urkunde. Die falsche Anschauung von 
der Tätigkeit des Varius wurde bald nach Vergils Tode vorbereitet. 



1) Vgl. Norden Hermes XXVIII 501. 

2) Vergil hat die Aneis so geschrieben, daß Vers und Sprache vollkommen 
durchgearbeitet sind, sonst hätte sie auch weder Augustus noch Varius publi- 
cirt; eine Kritik, die stilistische oder metrische Un Vollkommenheiten durch die 
mangelnde Feile entschuldigen oder erklären möchte, hat keinen Boden. Darum 
konnte er auch die unvollendeten Bücher dem Kaiser vorlesen. Ungelöste 
Crjtrjfj,ara gab es, wie IV 436, wo aber Varius das ursprüngliche dederis bot 
(eine falsche Interpunktion schreibt ihm Servius zu ; morte konnte auch Varius 
nicht verstehen). Unfertig, und so unfertig daß man Vergils Stimmung wohl 
begreift, ist das Gedicht in der Ausgleichung der zu verschiedenen Zeiten ge- 
schriebenen Teile ; darüber haben die neueren Untersuchungen Licht verbreitet. 
An Noacks c erste Aneis' aber kann ich nicht glauben; allein der Brief an 
Augustus, den Noack zu seinen Gunsten anführt, widerlegt eine solche Hypothese. 



42 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Zunächst wurden Versuche gemacht, die wirklich unfertigen Stellen 
zu ergänzen: quos multi mox supplere conati non perinde valuerunt 
(Sueton). Es wurden Ausgaben mit solchen Ergänzungen gemacht; 
Seneca las in seinem Vergil X 284 audentis Fortuna iuvat, piger 
ipse sibi obstat (Bücheier Rhein. Mus. XXXIV 623), vgl. Servius zu 
III 340 u. a. In einer solchen Ausgabe wurde das 5. Buch erst 
mit VI 2 geschlossen : sciendum sane Tuccam et Varium hunc finem 
quinti esse voluisse; narrt a Vergilio duo versus sequentes huic iuncti 
fuerunt. unde in nonnullis antiquis eodicibus sexti initium est c ob- 
vertunf (Servius zu V 871); wenn man dies umdreht, hat man die 
Wahrheit. Zu VII 464 liest man bei Servius, aquai haben Tucca 
und Varius geschrieben, nam Vergüius sie reliquerat c furit intus 
aquae amnis* et (465) c exuberat amnis\ quod satis asperum fuit, eine 
Lüge, denn Vergil machte keine metrischen Fehler 1 ). Die Heraus- 
geber kamen bald dazu, ihre Interpolationen als echt vergilisch 
auszugeben und Varius als den zu verlästern, der die guten Sachen 
fortgelassen habe; es ist genau die Art der Beschuldigung, die 
Apollodoros aus Tarsos und Didymos gegen die vnoKQizai ange- 
wendet haben 2 ). Einen Zeitansatz für die interpolirte Ausgabe, die 
mit den abscheulichen Versen ille ego qui quondam begann, gibt 
Nisus, der das Zeugnis von Zeitgenossen des Varius dafür anführte, 
daß dieser den wahren Anfang gestrichen habe; das führt in die 
Grenze der neronischen und flavischen Zeit, möglich daß Verse und 
Lüge erst damals entstanden. Mit denselben Versen zusammen führt 
Servius (I p. 2) die in die Lücke nach II 566 hinein interpolirte 
Stelle an; vielleicht sind die Verse aus derselben Ausgabe, besser 
als der unechte Anfang sind sie nicht 3 ); aber hos versus constat 



1) Genau so steht es mit den Angaben der Scholien (nicht Servius) zu 
den Georgica, die frühere vergilische Lesarten anführen; zu diesen Erfindungen 
hat die Überlieferung von der Umgestaltung der zweiten Hälfte des 4. Buches 
den Anlaß gegeben. Pulvermacher (de Georgicis a Vergilio retractatis) hat 
jene Varianten richtig beurteilt (p. 48 sq.), nicht diese Überlieferung (p. 32 sq.), 
an der nicht zu zweifeln ist. 

2) Bruhn Lucubrat. Eurip. 248 sq. 

3) Daß die Verse von Vergil seien, halte ich für ausgeschlossen und 
Noacks Verteidigung (Rhein. Mus. XL VIII 420 ff.) für unglücklich. Der Nach- 
weis, daß die Erfindung mit Motiven der Iliupersis stimmt, ist für Vergils 
Autorschaft nicht zu verwerten. Daß die Situation, die im übrigen einfach 
und anschaulich ist, durch die Eindichtung unmöglich wird, will ich beiseite 
lassen, da ich aus Noacks Ausführung sehe, daß man darüber verschiedener 
Meinung sein kann; ich sehe freilich nicht ein, wie sich v. 567—570 mit 458 



Vergils Aeneis 43 

esse detractos (vgl. zu II 592), und zu II 566 steht auch in den 
Scholien die Stelle mit der Einführung post hunc versum hi versus 
fuerunt, qui a Tucca et Vario obliti sunt. Dazu die anderen Stellen 
ähnlicher Art (Ribbeck proleg. 91). So erkennen wir, daß es im 
Altertum Ausgaben der Aeneis gab, und zwar wahrscheinlich in 
großer Anzahl, die nicht nur den Text willkürlich lesbarer machten 
sondern auch durch dreiste Interpolationen erweiterten. Es ist 
doch eine der Erwägung werte, wichtige und erfreuliche Tatsache, 
daß unser Text mit keiner dieser interpolirten Ausgaben etwas zu 
tun hat, sondern sowohl in seiner ganzen Verfassung als fast überall, 
wo es durch besondere Zeugnisse zu controlliren ist, den authen- 
tischen Text des Varius darstellt; und das bei der Neigung der 
Schulcommentatoren, die Interpolation für ursprünglich zu halten. 
Hier hat die Einsicht und der Wille eines Mannes gewaltet; es 
kann keine Frage sein, wessen Wille und Einsicht. Probus hat 
eine kritische Ausgabe Vergils veranstaltet 1 ). Unser Text ist von 
vollkommener Einheitlichkeit, eine einzige alte Ausgabe. Es ist 
der Text des Probus, und Probus hat den des Varius, d. h. die 
Urkunde selbst, zu Grunde gelegt. Ebenso steht es mit Lucrez, 
ebenso, nur daß es sich hier um Werke handelt, die der Dichter 
selbst vollendet und veröffentlicht hatte, mit Horaz 2 ). 



und 632 und der ganzen Schilderung vertragen sollen oder v. 569 mit 590. 
Aber so trockene Verse wie 571 — 574 und so trocken und fehlerhaft gedachte 
wie 583—587 hat Vergil nicht gedichtet, und sicher nicht in der Erzählung 
des Aeneas; noch weniger, unmittelbar nach 526 — 558, die öde Tirade 581. 82 
(nach 554 sq. gemacht). Wer aber das dulden mag, der müßte doch die elende 
Sprache mit ihrem hülflosen Tasten nach Ausdrücken höheren Stils anders 
verteidigen als es Noack S. 425 tut. sceleratas sumere poenas (576, nach XII 
949 gebildet) kann Vergil so wenig sagen wie sumpsisse merentes poenas (585), 
und gewiß nicht beides hintereinander, noch auch animum explesse (586) und 
cineres satiasse. v. 587 ultricis famam (famae Cassell.) ist corrupt, ich vermute 
ultricemque famem, das ist aber wohl zu gut für diesen Poeten. Vergil ist da 
nirgend. Den Anlaß zur Eindichtung und Erfindung gaben v. 594 und 601. 
Wie Noack die Stelle, sei sie nun echt oder unecht, mit den durch Blattaus- 
fall aus den älteren Handschriften verschwundenen Versen der ovidischen 
Heroiden vergleichen kann (S. 432), verstehe ich nicht; zu vergleichen ist Lucili 
quam sis mendosus oder der zweite Schluß der Andria. [Dazu Monol. im Drama 
S. 5 Anm. 1; Norden Aen. VI S. 255; Heinze Vergils ep. Techn. 2 S. 47.] 

1) Sueton de notis. Steup de Probis p. 82 sq. und, was ebenso hierher 
gehört, 99 sq. [Die in den Scholien angeführten Lesarten des Probus bedeuten 
natürlich nicht, daß er diese in den Text aufgenommen hat.] 

2) Mit dem falschen Anfang der 10. Satire hat er es gehalten wie Bentley; 
genau wie mit den Interpolationen der Aeneis. [Vgl. Gott. Gel. Anz. 1904 S. 854.] 



44 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Auch für Ovids Pasten liegt die Sache klar. Die 6 ersten 
Bücher wurden aus dem Nachlaß herausgegeben, außer dem 1. Buch 
nicht zu Ende überarbeitet wie sie waren, ohne einen Versuch die 
Discrepanzen zu entfernen ; von der zweiten Hälfte des Werkes ist 
es wahrscheinlich (nach trist. II 549), daß sie entworfen, aber auch 
für postume Herausgabe nicht reif waren. Von den Metamorphosen 
sucht Ovid selber (trist. I 7, 37) die Anschauung zu erwecken, daß 
sie als das Werk eines Toten erschienen seien: Jiaec non edita ab 
ipso, sed quasi de domini funer e rapta sui, und dann emendaturus 
si licuisset eram. 

Nach dem Tode der Verfasser herausgegeben sind die Gedichte 
des Persius und Lucan. Pur Persius bezeugt es die Probusvita: 
hunc ipsum librum imperfectum reliquit. versus aliqui dempti sunt 
ultimo libro, ut quasi finitus esset, leviter correxit Cornutus et Caesio 
Basso, petenti ut ipse ederet, tradidit edendum. Der Ausdruck ist 
wie in Suetons Mitteilung über die Aeneis, und die Nachricht von 
der scheinbaren Abrundung ist gewiß gut. Dagegen ist im Stil der 
Erfindungen über Varius und Tucca und mindestens zweifelhaft was 
im scholion zu 1121 und daraus im Zusatz zur vita über die Ände- 
rung jenes Verses durch Cornutus erzählt wird 1 ). Daß Lucans Epos 
außer den ersten 3 Büchern postum war und ohne weitere Über- 
arbeitung publicirt wurde, erfahren wir durch die jüngere vita, durch 
Sueton die Bestätigung daß er vor dem Tode codicillos ad patrem 
corrigendis quibusdam versibus suis exaravit. Die Überlieferung 
beider scheint erst im späten Altertum auseinander gegangen zu 
sein, der Persius des Sabinus und der Pithoeanus treffen in Cor- 
ruptelen zusammen (Bücheier Rhein. Mus. XLI 455) wie der Lucan 
des Paulus und der Vossianus; die Palimpsestblätter Lucans zeigen 
dieselbe Überlieferung (vgl. Hosius praef. p. XVII sq.), und darin 
liegt ihr hoher Wert. 

Wie Lucan hat auch Valerius Flaccus sein Epos unvollendet 
hinterlassen (Thilo praef. XXVI sq.) ; für Statius' Achilleis liegt es 
auf der Hand; vom 5. Buche der Silven hat es Markland p. 342 
(ed. 1827) ausgesprochen undNohl quaest. Stat. p. 20sq. ausgeführt 2 ). 
Es ergibt sich mit Sicherheit aus der Vorrede, die nur zum ersten 
Gedicht gehört, während Statius sonst stets die Gedichte eines 
Buches in der Vorrede zusammen einführt; der Herausgeber stellte 



[1) Vgl. Hermes XLV 45 ff.] 

[2) Über Iuvenals 5. Buch: Hermes XLIV 617.] 



Ovid. Persius. Lucan. Statius. Tibull. Seneca 45 

also die consolatio an Abascantus mit der Vorrede, wie Statius sie 
noch selbst publicirt hatte, voran und ließ die übrigen im Nachlaß 
vorgefundenen Gedichte einfach folgen. Den Maßstab für seine 
Tätigkeit gibt das dritte Gedicht, das epicedion in patrem. Statius 
hat es gleich nach dem Tode des Yaters, Ende 79 oder Anfang 80, 
begonnen (v. 29 sq.), aber nicht vollendet, wenigstens nicht publicirt; 
erst nach dem Jahre 86 hat er v. 225 sq. über seine Siege und 
Niederlage in poetischen Wettkämpfen hinzugedichtet; diesen Versen 
folgt unmittelbar eine Stelle, die vor der Vollendung der Thebais 
verfaßt ist, also vor der Edition des 1. Buches, die also wahrschein- 
lich zur ersten Conception gehört. Nun ist die Fuge der beiden 
Stellen mitten in v. 233, die über die Thebais beginnt mit den 
Worten te nostra magistro \ Thebais urgebat priscorum exordia vatum; 
die vorausgehende über den Albanischen und Capitolinischen Agon 
schließt mit den Worten: nam quod nie mixta quercus non pressit 
oliva et fugit speratus honos, qua dulce parentis invida Tarpei caperes : 
hier ist in den letzten mit qua beginnenden Satzteil der notwendige 
Nachsatz weder durch Emendation hineinzubringen noch kann, wie 
ich zu behaupten wage, ein Gedanke, der dem Vordersatz genügt, 
in diesen Worten überhaupt gewohnt haben. Ich bin überzeugt, 
daß das eingedichtete Stück, unfertig wie es der Dichter hinter- 
lassen hatte , vom Herausgeber an der Stelle, die ihm bestimmt 
war, eingezwängt worden ist. Eine objective Entscheidung kann es 
ja hier nicht geben; aber dasselbe Bestreben, das Vorhandene zu 
bewahren, ist deutlich. Ob auch das letzte Gedicht immer un- 
vollendet war, wie die Achilleis, ist nicht zu entscheiden 1 ). 

Tibulls Gedichte, vom Dichter selbst edirt, sind wahrscheinlich 
bald nach seinem Tode mit hinterlassenen Gedichten (IV 2 — 7; 13. 
14), den Gedichten des Lygdamus, dem panegyricus und den Versen 
der Sulpicia verbunden worden; zu demselben Corpus gehörte der 
Cuiacianus; wann die Überlieferung des Corpus sich gespalten hat, 
d. h. wie alt die Verderbnis ist in der unser vollständiges Exemplar 
vorliegt, ist mit Bestimmthsit nicht zu sagen. Über Catull s. o. 
Ebenso sicher wie Tibulls Gedichte sind Senecas Tragödien nach 
seinem Tode zu der Sammlung vereinigt worden, die wir im Etruscus 
besitzen 2 ). Den directen Beweis gibt Quintilian VIII 3, 31 nam 



1) Aus späterer Zeit gehört hierher die Ausgabe des Asterius von Sedu- 
lius' carmen paschale. 

2) Ebenso die Dialoge (0. Roßbach Hermes XVII 365) und Briefe. 



46 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

memini iuvenis admodum inter Pomponium et Senecam etiam prae- 
fationibus esse tractatum, an *gradus eliminaf in tragoedia dici opor- 
tuisset: die Stücke waren also einzeln mit Vorreden erschienen, 
wenigstens einige von ihnen. Der Herausgeber ließ die Phönissen 
wie sie waren, aber vereinigte wohl selber die nicht zusammen- 
gehörigen Scenen unter einem Titel; dem Hercules Oetaeus aber 
wurde der fehlende Schluß angedichtet, vielleicht nicht vom Heraus- 
geber selbst 1 ). 

In der Prosalitteratur geben ein sicheres Beispiel postumer 
Edition Caesars Bücher de bello civili; aus dem schon publicirten 
aber nicht zu Ende geführten gallischen Kriege und dem unvollendeten 
pompejischen wurde durch Ergänzung und Fortsetzung ein Ganzes 
gemacht 2 ), aber das von Caesar Geschriebene offenbar unangetastet 
gelassen 3 ). Überliefert ist das Corpus in einem schwer verdorbenen 
Exemplar, dessen Spuren im Altertum zu verfolgen sind 4 ), daneben 
das bellum gallicum in einer besonderen Ausgabe, wie denn auch 
von diesem später emendirte Texte durch Unterschriften des 5. und 
6. Jahrhunderts bezeugt sind 5 ). Ebenso sehe ich es als Tatsache 
an, daß Ciceros Bücher de legibus aus dem Nachlaß edirt worden 
sind, nicht weil sie gleich mit dem Gespräch beginnen (genau so 
unterscheidet sich der Eingang von Piatons vojuoi von dem der 
Ttolireia) noch wegen der Corruptelen des einzigen Exemplars des 
Corpus der philosophischen Schriften, das wir besitzen; aber das zweite 
Buch zeigt so starke Spuren der Unfertigkeit 6 ), daß es für mich 

1) Senecae trag. I p. 88. [Gott. Gel. Anz. 1903 S. 4ffJ 

2) Leider ist der Anfang von Hirtius' Vorrede an Baibus schwer verdorben ; 
daß Sueton ihn vollständiger las hat Hirschfeld gezeigt und wie mir scheint 
das Fehlende richtig ergänzt (Hermes XXIV 101 ff.); vgl. Hartel in Comment. 
Woelfflin. 115 ff. 

3) Das emendaturus si Ucuisset erat hat auf auch Caesars commentarii, 
doch wohl die de bello civili, Pollio angewendet: existimat rescrijpturum et 
correcturum fuisse (Suet. Caes. 56). 

4) Orosius hat es benutzt: R. Schneider Jahresber. d. philol. Vereins Berlin 
XI S. 154 ff. 

5) Jahn Ber. Sachs. Ges. 1851 S. 359. Eine c recensio J des Celsus oder 
Lupicinus folgt natürlich aus dem legi der Subscriptionen nicht, sondern es 
zeigt, daß diese mit der 'recensio 1 gar nichts zu tun haben. Dasselbe gilt von 
dem legi et emendavi des Nicaeus für den Vulgattext Iuvenals, der schon im 
Vatikanischen Palimpsest (Goetz Jen. Progr. 1884) vorliegt, und von allen 
ähnlichen Fällen. [Vgl. Gott. Gel. Anz. 1899 S. 174 Anm., 1904 S. 855, Hermes 
XLIV 617.] 

6) In einem wichtigen Beispiel nachgewiesen von Bosch de XII tabularum 
lege a Graecis petita (Göttingen 1893) durch die Analyse von II 55—65. 



Caesar. Cicero 47 

ausgeschlossen ist, Cicero selber die Herausgabe zuzuschreiben 1 ). 
Gewiß ist ferner, daß aus dem Nachlaß herausgegeben wurde die 
aus Piatons Timaeus übersetzte Rede, die dem Mgidius im Gespräch 
mit Cicero und Kratippos in den Mund gelegt werden sollte. Die 
Rede sollte im Dialog den Umfang haben, den sie hat, ist also als 
Ganzes fertig (die Lücken fallen unserem Exemplar des Corpus zur 
Last), aber an dem sprachlichen Ausdruck und der Terminologie 
würde Cicero geändert haben, wenn er sie herausgegeben hätte 2 ). 
Die Gewissenhaftigkeit des Herausgebers zeigt sich vor allem darin, 
daß er das prooemium gibt wie er es fand: ein mitten im Satz 
abbrechendes Stückchen 3 ). 

Diese Tatsachen genügen um zu constatiren, daß in der wissen- 
schaftlichen römischen Welt so sehr wie in der griechischen das un- 
verbrüchliche Gesetz galt, herrenlose Büeher möglichst so mitzu- 
teilen, wie sie aus der Hand des Yerfassers hervorgegangen waren, 
und die Kritik vom Texte zu sondern 4 ). Aber schon früh macht 

1) Im Jahre 708 lag das Werk noch nicht vor (Brut. 19); dieses Argument 
ist gegen die eigene Edition Ciceros nicht mehr anzuführen, seit Reitzenstein 
(drei Vermutungen zur Geschichte der röm. Litt. S. lff.) nachgewiesen hat, daß 
Cicero das erste Buch in seiner philosophischen Periode überarbeitet hat. 
Daß daraus nicht folgt, daß Cicero die Bücher de legibus selbst herausgegeben 
habe, ist Reitzenstein natürlich nicht entgangen, aber seine Folgerung, es sei 
deshalb wahrscheinlich daß er es getan habe, weil c die Tätigkeit eines fremden 
Redactors durch nichts bisher erwiesen' sei (p. 31), brauche ich nicht mehr 
besonders zu widerlegen. Es ist selbstverständlich, daß Tiro das Manuscript 
unverändert gab, wie er es vorfand, oder im Notfall so weit verändert daß 
man es lesen konnte. — Mit großer Wahrscheinlichkeit vermutet Marx ad 
Herenn. p. 77, daß auch die partitiones oratoriae erst nach Ciceros Tode publi- 
cirt worden seien. [Dasselbe hat für die Bücher de divinatione bewiesen 
W. Sander Quaestiones de Ciceronis libris de div., Göttingen 1908.] 

2) Der Schluß des Erhaltenen ist der von Cicero gewollte Schluß der 
Rede, wie der Ausdruck haec quae est habita de universitate oratio a nobis zeigt, 
und ein passender Schluß, wie aus der Vergleichung mit dem Original leicht 
zu ersehen ist. Es ist ebenso gewiß, daß ein anderer als Cicero diese Über- 
setzung nicht machen konnte, wie es verständlich ist, daß sie ihm nicht genügte. 
Natürlich hat er § 38 nicht geschrieben et nosse et enuntiare ortum eorum 
malus est quam ut profiteri nos scribere audeamus, sondern scire. 

3) Über Seneca s. o. Probus selber nimis pauca — edidit, reliquit autem 
non mediocrem silvam observationum sermonis antiqui, die nach seinem Tode 
herausgegeben wurden. 

4) Cato, der nach dem falschen Anfang der 10. horazischen Satire des 
Lucilius male factos emendare parat versus, soll danach freilich die Verstechnik 
des Lucilius haben verbessern wollen; aber seine Tätigkeit ist doch nur nach 
dem folgenden hoc lenius ille zu beurteilen (Marx Rhein. Mus. XL1 556). Den 



48 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

sich eine Unterströmung bemerkbar. Das Bedürfnis des breiten 
Publikums, das nicht nach kritischen sondern nach lesbaren Aus- 
gaben verlangte, traf sich mit dem Bedürfnisse des Dilettanten, an 
berühmten Autoren seinen Witz zu üben; so wurde, von der Zeit 
an in der das Interesse an der schönen Litteratur allgemein wurde, 
der Markt mit interpolirten Texten überflutet. Daß die Wahrheit 
in der Mitte liegt, zwischen dem corrupten und interpolirten Text 
der wissenschaftlich emendirte, war eine Erkenntnis, die erst einer 
verschütteten Kultur gegenüber erwachen konnte, also der modernen 
Zeit vorbehalten war. Die beiden Richtungen, die wissenschaftliche 
und dilettantische, setzten sich fort und bekämpften sich bis in die 
letzte Zeit des Altertums; die unwissenschaftliche hat die Über- 
lieferung unserer Texte noch in starkem Maße beeinflußt. 

Probus aber hat durch Tat und Beispiel nicht nur die archaische 
Litteratur vom Untergang, sondern auch die klassische von der 
drohenden Verdunkelung und Verschüttung durch rücksichtslose Text- 
verderber gerettet; seiner Tat verdanken wir den ursprünglichen 
Text des Lucrez und Vergil, auch des Horaz, seinem Beispiel den 
Respekt vor der Überlieferung, der die reinen Texte auch in später 
Zeit des Altertums nicht ganz untergehen ließ. 

8 

Ich kehre nun zu der ersten Ausgabe der als fabulae Varro- 
nianae zu einer Auswahl vereinigten 21 plautinischen Komödien 
zurück, um die Folgerung zu ziehen, die sich aus der bisherigen 
Erörterung über die Beschaffenheit ihres Textes ergibt. 

Für den ersten Herausgeber dieses Corpus gab es kein anderes 
urkundliches Material als die von Probus aufgefundenen Exemplare 
der einzelnen Komödien. Ob die einzelnen Stücke in vielen Exem- 
plaren oder auch nur in einem einzigen vorhanden waren, er mußte 
durch Vergleichung der ihm zu Gebote stehenden die zuverlässig 
überlieferte Lesung Vers für Vers erschließen und fixiren; wo nur 
Corruptel überliefert war, ließ er sie im Text. Die unerläßliche 
Correctur und Ergänzung eines solchen Verfahrens ist entweder die 
Anwendung der kritischen Zeichen oder ein kritischer Commentar 

anderen dort genannten auf Philocomus zu beziehen trage ich auch deshalb 
Bedenken (s. o. S. 29 Anm. 3), weil seine Kritik gewaltsamer gewesen sein soll 
(vgl. Kießling z. St.). — Die Stelle ist vielleicht nicht zum Zwecke interpolirt, 
aber doch vorgesetzt um die Satire nicht mit nempe anfangen zu lassen; und 
das ist doch Interpolation. 



Erste Ausgabe 49 

oder die Vereinigung von beiden, d. h. die Verarbeitung der kritischen 
Zweifel in besonderen Schriften, wohin die observationes sermonis 
antiqui des Probus gehören, die sich an das Beispiel der Alexan- 
driner und Varros anlehnen (Usener a. A. 185). Die Editoren der 
Auswahlen griechischer Dramen wendeten nur noch das % an und 
besprachen die Schwierigkeiten im Commentar. Von Probus be- 
zeugt Sueton de notis nur, daß er im Vergil, Horaz und Lucrez das 
ganze System der kritischen Zeichen anwendete; aber für Terenz 
ist es auch sicher und von Vielen antiqui bezeugt es Sueton de 
grammaticis; daß aber seine sectatores und Nachfolger ihre Aus- 
gaben in derselben Weise anlegten, ist gar nicht zu bezweifeln, 
asteriscus und asteriscus cum obelo, antisigma und antisigma cum 
puncto, obelus, obelus cum puncto und ceraunium, alogus (vgl. Steup 
de Probis p. 85 sq.) und <p et q reichten in der Tat aus, selbst den 
plautinischen Text, wie er geworden war, kritisch zu charakterisiren. 
Die observationes des Probus scheinen, wie das Vorkommen dieses 
Materials in den späteren Commentaren zeigt, gleich von seinen 
Nachfolgern in Noten zu solchen Ausgaben aufgelöst zu sein, Noten 
die die Erklärung der Interpunktion und der kritischen Zweifel 
enthielten, mit Conjecturen und den Varianten, die, wenn die Hand- 
schriften vereinzelt waren, aus den Arbeiten der früheren Zeit zu 
entnehmen waren ; denn Probus und die Seinigen griffen wieder zu 
Varro und Verrius Flaccus und der verwandten gelehrten Litteratur. 

An diese Ausgabe schlössen sich die Commentare des Sisenna 
und Terentius Scaurus an, deren Namen wir allein mit Sicherheit 
angeben können 1 ). Es wäre nicht schwer Namen von Grammatikern 
zu nennen, denen man die erste Ausgabe der 21 zutrauen^könnte ; 
aber es wäre nicht viel gewonnen auch wenn wir den Namen wüßten. 

Der Text dieser Ausgabe ist die Grundlage für alle Bearbeitungen 
die in der Folgezeit unternommen worden sind, auf ihr beruht die 
Masse der Noniuscitate , auf ihr Ambrosianus und Palatini. Wir 
haben uns oben mit der Einheitlichkeit des Textes dieser uns aus 
dem Altertum überlieferten Ausgaben beschäftigt; jetzt ist es an 
der Zeit ihre Verschiedenheit ins Auge zu fassen. Beide Texte 
sind in starkem Maße überarbeitet, teils aus Conjectur teils nach 
Überlieferung; es wird sofort deutlich, daß eine ganz andere Methode 



1) Bezeugt sind nur Commentare zu Amph. Aul. Uapt. Poen. Pseud. Rud., 
keiner außerhalb der 21. Der Versuch von Klotz (Metr. S. 562), den alten 
Sisenna zu retten, ist ausgefallen wie er mußte. 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 4 



50 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

der Edition in ihnen befolgt ist, als wir sie in der philologischen 
Tätigkeit der früheren Jahrhunderte auf griechischem und römischem 
Boden gefunden haben; aber diese Methode ist der Richtung ver- 
wandt, die sich, wie wir sahen, im Gegensatz zur echten gramma- 
tischen Technik schon im ersten Jahrhundert der klassischen Poesie 
zu bemächtigen versucht hatte. 

Der Kampf zwischen der wissenschaftlichen und unwissenschaft- 
lichen Kritik war durch Probus entschieden worden. Solange die 
von ihm wiedererweckte Philologie einen Funken von Lebenskraft 
besaß, dauerte auch der Schutz, den sie dem litterarischen Besitz 
der römischen Welt gewährte. Als später, gegen Ende des vierten 
Jahrhunderts, in den heidnischen Bildungskreisen ein neuer Drang 
nach dem Geist der alten Zeit erwachte, erinnerte man sich auch 
der Mittel wieder, denen man die Erhaltung des alten Gutes ver- 
dankte; eine Menge von Subscriptionen lateinischer Handschriften 
vom 4. bis 6. und 7. Jahrhundert zeigen, daß das emendarc im Sinne 
der alexandrinischen Grammatiker und des Probus verstanden und 
geübt wurde. Aber in der Zeit der äußersten Erschlaffung des 
römischen Geistes, in der zweiten Hälfte des 3. und der ersten des 
4. Jahrhunderts, war die Strömung mächtig geworden, die Probus 
bezwungen hatte; soviel wir sehen, entstehen in dieser Zeit die 
interpolirten Ausgaben, die den Text verändern um ihn bequemer 
lesbar zu machen, mit größerer oder geringerer persönlicher Will- 
kür, je nachdem Material zur Umarbeitung zur Verfügung steht oder 
nur das subjektive Belieben maßgebend ist. In solcher Umarbeitung 
kann eine ganz achtbare persönliche Leistung liegen, aber das 
Princip der antiken Wissenschaft war durch jede Textbehandlung 
dieser Art gebrochen. Hervorragende Beispiele sind der Terenz 
des Calliopius und die interpolirte Ausgabe von Senecas Tragödien; 
in beiden Fällen ist ein Exemplar der echten Überlieferung erhalten 
und wir sehen wie die Änderungen auf Grund desselben Textes 
gemacht werden, der uns dort mit der rein erhaltenen Corruptel 
vorliegt. Mit dem Text des Tibull steht es vermutlich ähnlich 1 ); 
und für Ovids Metamorphosen scheint sich dasselbe Verhältnis immer 
deutlicher zu ergeben 2 ). Es ist merkwürdig, daß Calliopius für seine 
Tätigkeit den Ausdruck recensui wählt, während die in der wissen- 

1) Nur daß hier die Änderungen bescheidener sind und sich zumeist nur 
auf einzelne Worte erstrecken. 

2) Über das fragmentum Bernense Magnus in Fleckeisens Jahrbüchern 
1891 S. 689 ff. 



Die überlieferten Recensionen 51 

schaftlichen Tradition stehenden Männer von Statilius Maximus bis 
Mavortius und Lupicinus das legi und emenäavi beibehalten. Wir 
haben darin vielleicht den wirklichen Gegensatz der Terminologie 1 ). 
Diese Recensionen bedurften keiner kritischen Zeichen mehr, deren 
sich andererseits auch die Ausgaben mit Schulcommentaren, nach 
Vorgang der griechischen, bald enthielten. Den Emendatoren der 
späteren Zeit standen, wie es scheint, keine kritisch notirten Texte 
mehr zu Gebote; aber die Annahme ist berechtigt, daß die Recen- 
senten des 3. Jahrhunderts sich ihrer noch bedienen konnten. 

Der Ambrosianus und die Palatini stellen jeder eine solche 
recensio dar. Wie sich uns durch Vergleichung der gemeinsamen 
Corruptel die ursprüngliche Einheitlichkeit des Textes ergeben hat, 
aus dem beide hervorgingen, so zeigt die verschiedene Gestaltung 
der unzähligen ungleichen Passungen, daß in beiden, in A weiter- 
gehend, in P innerhalb gewisser Schranken, der zu Grunde liegende 
Text ohne Scheu geändert wurde, um eine lesbare Ausgabe zu 
schaffen. Die Änderungen sind zum einen Teil willkürliche, zum 
andern auf der Tradition beruhende ; eine sehr große Anzahl der ersten 
Kategorie, eine kleine der zweiten ist durch die neuen Untersuchungen 
nachgewiesen worden 2 ). Eine Anzahl der willkürlichen habe ich 
oben besprochen, Fälle in denen die Corruptel noch vorliegt, auf 
Grund deren augenscheinlich die Conjectur gemacht ist; hier genügt 
die Tatsache, daß die Herausgeber eine Fülle von Stellen selber 
geändert haben. Die Änderungen, die auf Tradition beruhen, zer- 
fallen der Natur der Sache nach in zwei Klassen: die eine umfaßt 
die Varianten, die in den Abschriften und neuen Bearbeitungen der 
21 Stücke seit dem ersten Erscheinen des Corpus entstanden waren; 
daß es solche geben mußte und wie sehr sie den Eindruck ver- 
schiedener Überlieferung hervorbringen mußten, ohne doch etwas 
anderes als secundäre Lesarten zu sein, die Leser und Schreiber 
durch Zufall und Willkür in und neben die Verse setzten, lehrt allein 
die Analogie der Überlieferung des griechischen Dramas. Eine 
Menge von Stellen, an denen beide Recensionen gleich Gutes geben, 
ohne daß der Grund der Abweichung ersichtlich ist, erklärt sich aus 



1) [Vgl. Dziatzko in den Comm. Woefflinianae S. 225.] 

2) Die Verschiedenheit der beiden Ausgaben ist Punkt für Punkt be- 
sprochen worden von Niemeyer de Plauti fabularum recensione duplici und 
Baier de PL fab. rec. Ambr. et Pal., besonders von Baier sehr sorgfältig die 
Lesungen des Ambrosianus. [E. Sicker Novae qu. Plaut. , Philol. Suppl. XI 
(1908) 179.] 

4* 



52 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

diesem Variantenapparat der letzten anderthalb Jahrhunderte. Die 
andere Klasse ist wichtiger, wenn auch nur durch wenige Stellen 
vertreten. Viermal (Cist. 408 Epid. 620 Mil. 1 180 Truc. 271) bezeugt 
Festus, entweder in Doppelglossen oder (s. suasum) unter demselben 
Lemma, eine zwiefache Lesung von Plautusversen 1 ), die sich jedes- 
mal auf Ambrosianus und Palatini verteilt finden 2 ). Das Licht, das 
von diesen Stellen auszugehen schien, ist für die ein Irrlicht geworden, 
die aus ihnen schlössen, daß in varronischer Zeit dieselben beiden 
Recensionen, die wir besitzen, den Gelehrten vorlagen; eine Annahme, 
die durch die Geschichte der Überlieferung einfach ausgeschlossen 
ist. Das Verhältnis ist umgekehrt: die Varianten im Text stammen 
aus Verrius Flaccus oder seiner Quelle oder, was wahrscheinlicher 
ist, aus Scholien eines Schulcommentars , der sich der glosso- 
graphischen Werke und der sprachlich -kritischen Arbeiten der 
varronischen Ära bedient hatte, oder schon der Excerpte daraus. 
Die Palatini geben wenigstens an zweien jener Stellen sicher das 
Ursprüngliche, d. h. den Text der ersten Ausgabe der 21 ; es stimmt 
zum Charakter des Ambrosianus, daß er die Varianten gibt. In der- 
selben Weise sind Stellen zu beurteilen wie Mil. 24, wo Pmit Varro 
übereinstimmend insane und A richtig insanum gibt, gewiß nicht 
aus Conjectur, vgl. Cas. 646 Truc. 277; nach derselben Analogie aber 
auch Stellen wie Poen. 356, wo A und P in der Corruptel über- 
einstimmen, während Fronto und Priscian das Richtige haben, und 
die vielen Verse, für die Nonius ähnlich gegen die Handschriften 
steht, vgl. Pseud. 382. 864 ; und wo in einer wirklichen Corruptel 
die Handschriften und Festus übereinstimmen, wie es augenfällig 
Cas. 523 geschieht, kann uns das nicht Wunder nehmen. Auf der 
anderen Seite stehen Stellen wie Pseud. 955, wo A und P die falsche 
Fassung haben und Varro die richtige, oder Cure. 568, wo Varro 
(nach Festus) eine Corruptel las, die unseren Handschriften fremd ist. 
Nur eine andere Kategorie derselben Klasse von Varianten ist 
es, wenn eine der beiden Ausgaben eine Dittographie nicht bietet, 
die in der anderen steht. A läßt den zweiten Ausgang der Captivi 
(1016 bis 1022) fort, ebenso die im Stichus statt des schwierigen 
Gesangstückes zu Anfang eingeschobene Senarpartie (48 — 57) oder 

1) Vgl. zu Aul. 555, Leidolph de Festi locis Plautinis p. 204 sq. Baier 
p. 20 sq. 

2) Mil. 1180 ist A unsicher, aber sicher daß seine Lesart, wenn sie nicht 
mittler zweiten des Paulus übereinstimmt, doch aus dieser hervorgegangen ist; 
und hier kommt Nonius mit der zweiten Lesart (expapillato) hinzu. 



Verhältnis zum Text varronischer Zeit 53 

Bacch. 540 — 551 die Stelle von der Charisius sagt: in quibusdam 
non ferunt 1 ), P die Verse Most. 940— 945. In diesen und ähnlichen 
Fällen 2 ) bedeutet die Auslassung, daß die Stelle im Corpus der 21 
ein öYjfjLeTov trug, das dann in dem Commentar, den unser Heraus- 
geber benutzte, besprochen worden war. Dasselbe bedeutet es, 
wenn Plinius XVIII 107 sagt: artoptas iam Piautas appellat in fabula 
quam Aululariam inscripsit, magna ob id concertatione eruditorum an 
is versus poetae sit illius; der Vers (Aul. 400) trug in der aus Probus' 
Schule hervorgegangenen Ausgabe eine diTzkrj äjieQioTixrog (de notis 
535, 12 sq. K.). 

Nur eine Frag« allgemeiner Art 3 ) erhebt sich noch, den Versen 
gegenüber, die in beiden Ausgaben dieselbe Corruptel zeigen. In 
sehr vielen Fällen erkennen wir die Corruptel, in denen die Heraus- 
geber das Überlieferte für richtig oder erträglich halten mochten; 
aber es bleibt die Menge der zu Anfang besprochenen Stellen, die 
eine solche Erklärung nicht zulassen. Da die Absicht in beiden 
Recensionen deutlich vorliegt, einen lesbaren Text zu geben, so 
müssen wir fragen, wie die Herausgeber dazu kommen konnten, 
eine Anzahl Verse unemendirt zu lassen wie sie sie vorfanden. Über 
die Tatsache, daß sie es taten, daß in vielen Fällen beide sich der 
Conjectur enthielten, kommen wir nicht hinweg; die Fälle waren 
auf beiden Seiten ohne Zweifel viel zahlreicher, als wir es bestimmen 
können, da uns die einseitige Corruptel keine Sicherheit darüber 
gibt. Die einzige Erklärung aber, die für die Tatsache möglich ist, 
liegt eben in dem Tatbestand den wir ermittelt haben. Es gab 
keinen anderen Text als den der 21 Stücke in den verschiedenen 
Graden der Verderbnis, wie Probus sie aufgefunden hatte. Es gab 
kein Exemplar des Textes, den Varro und Verrius Flaccus gelesen 
hatten; ein solches Exemplar würde genügt haben, die Flecken von 
zweieinhalb Jahrhunderten zu tilgen. Aus Varros und der Seinigen 
Schriften und aus den Schulcommentaren, die aus deren Sammlungen 
einzelnes weitergaben, stammten die alten Lesarten, mit denen die 
neuen Texte aufgeputzt wurden ; wo dieses Material und zugleich der 



1) UngenügeDd beurteilt von Studemund Festgr. Würzb. S. 40 ff. 

2) Vgl. Poen. 457 *b. Baier S. 121 ff. 

3) Wenn in den Discrepanzen des^Ambrosianus wirklich zum großen Teil 
Schauspielerinterpolation zu sehen wäre, wie neuerdings wieder Baier wahr- 
scheinlich zu machen gesucht hat (S. 118 ff.), so würden wir dafür freilich eine 
Erklärung schuldig sein. Ich halte das aber weder für erweislich noch irgendwo 
für erwiesen und überhaupt durch meine ganze Erörterung für widerlegt. 



54 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

Fleiß oder die Erfindsamkeit der Herausgeber versagte, da zeigten ihre 
Eecensionen die Wunden offen, die durch das gemeinsame Schicksal 
des alten römischen Dramas der Plautustext empfangen hatte 1 ). 

Es bleibt mir nur noch übrig die Folgerungen zu ziehen, die 
sich aus der Überlieferungsgeschichte der Komödien für die recensio 
und emendatio ergeben. 

9 

Der Text der Komödien des Plautus ist etwa zwei Menschen- 
alter hindurch nach dem Tode des Dichters nur in Schauspieler- 
händen gewesen und war während dieser Zeit nicht nur der Moderni- 
sirung der Sprachformen sondern auch willkürlichen Änderungen 
ausgesetzt, wie sie der Bühnengebrauch mit sich bringt. Als das 
litterarische Interesse sich der palliata zuwendete, wurden die unter 
Plautus' Namen gehenden Stücke unter Bewahrung der Gestalt, 
die sie in dieser Periode durch ungleiche, das eine Stück mehr das 
andere weniger treffende Überarbeitung allmählich gewonnen hatten, 
veröffentlicht. In der augusteischen Zeit wendete sich das Interesse 
wieder von ihnen ab, Leser und Gelehrte in Rom ließen sie gänzlich 
aus der Hand, und wo sie noch gelesen und abgeschrieben wurden, 
verfiel ihr Text nicht durch Willkür, aber durch Verwahrlosung der 
Verderbnis. Auch diese Periode dauerte etwa zwei Menschenalter; 
in ihr sonderten sich die Stücke und erfuhren ihre eigenen Schick- 
sale. Dann sammelte Probus was von den Stücken noch zu finden 
war. Eine kritische Ausgabe von den irrtümlich als varronische 
Auswahl angesehenen 21 Komödien wurde veranstaltet und diente 
allen folgenden zur Grundlage. Die übrigen Stücke, die Probus 
gefunden hatte, gingen nun allmählich verloren. Die 21 wurden 
schulmäßig commentirt. Allmählich entstanden Ausgaben, die den 
schwer verdorbenen Text mit wissenschaftlichen Hülfsmitteln, aber 
auch durch willkürliche Emendation lesbar zu machen suchten. Zwei 
solcher Ausgaben besitzen wir, Reste von anderen bei Nonius und 
sonst in vereinzelten Spuren 2 ). 

Für die recensio ergibt sich aus diesem Sachverhalt Folgendes. 
Der Text, den wir durch die Übereinstimmung von A und P oder, 

[1) So erklärt sich der gemeinsame Archetypus', von dem im 2. Abschnitt 
die Rede war — was eigentlich keiner besonderen Bemerkung bedürfen sollte; 
vgl. Gott. Gel. Anz. 1904 S. 365.] 

[2) Der von Lindsay wiederentdeckte Senonensis gehörte, wie Lindsay 
sogleich nachgewiesen hat, zu P; richtig schon Goetz Poen. praef. XIV.] 



Folgerungen für die Kritik 55 

wo sie auseinandergehen, dadurch gewinnen daß wir die ursprüng- 
liche Lesart erschließen, oder, wo P allein vorliegt, mit Wahrschein- 
lichkeit der Text der sich nach Abstreifung der mittelalterlichen 
Corruptel ergibt, ist der Text der um die "Wende des 1. und 2. Jahr- 
hunderts nach Christus den Gelehrten vorlag. Daraus folgt in jedem 
einzelnen Falle keineswegs, daß sie den Text für richtig hielten; 
wohl aber liegt diese Möglichkeit auch in Fällen vor, in denen wir 
ihn für falsch halten; zumal wo eine Reihe einzelner Erscheinungen 
dieser Art sich unter einem Gesichtspunkt sammelt, wird die Mög- 
lichkeit zur Wahrscheinlichkeit, und solche Fälle dürfen nicht ver- 
einzelt beurteilt werden 1 ), sie verlangen immer eine historische 
Erklärung. Dieser Text ist wohl im großen und ganzen der des 
Accius und Varro, aber im einzelnen stark alterirt. Wenn wir die 
homerischen Gedichte haben wie Herodian sie las und die aristo- 
phanischen Komödien wie Symmachus sie las, so haben wir damit 
im wesentlichen den Text des Aristarch und Aristophanes von Byzanz; 
denn hier ist die Continuität nie unterbrochen worden. Aber den 
Text Varros im einzelnen zu erreichen haben wir gar kein Mittel 
außer durch einzelne Citate, und die recensio muß bei der Archaisten- 
zeit Halt machen. Dies zugegeben bietet freilich die Überlieferung 
Homers w T ie des attischen Dramas eine Parallele; für beide muß 
die recensio bei den Alexandrinern stehen bleiben und zwischen ihr 
und der emendatio gähnt eine Kluft, die nicht zu überbrücken 
sondern nur auf Umwegen zu überschreiten ist; auch die Verjüngung 
der Sprachform in den homerischen Gedichten erinnert an die plau- 
tinische Überlieferung. 

Ohne Zweifel ist der Text, den wir so gewinnen, sehr weit 
entfernt von der Gestalt, die ihm der Dichter gegeben hat, und ohne 
Zweifel ist der emendatio hier ein großes, leider ein allzugroßes 
Gebiet eröffnet, ganz anders als bei Vergil und Horaz. Aber die 
Änderungen, die ein Text im Altertum erfahren hat, stellen andere 
Aufgaben als mittelalterliche Corruptel, der Text des Plautus andere 
als der des Catull und Properz. Wer kein Gefühl für den Unter- 
schied hat, ob er die Palatini von den Flecken des Mittelalters zu 
reinigen hat oder aus dem durch die recensio gewonnenen Text 
des 2. Jahrhunderts den des Plautus herzustellen versucht, der soll 
die Hände davon lassen. Wer aber emendiren will, der soll sich 
bewußt sein, daß er über zwei Perioden wilder Überlieferung hin- 

1) Einige wichtige Gruppen solcher Erscheinungen werde ich im 5. und 
6. Kapitel behandeln. 



56 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

wegemendirt, in deren erster der Text durch willkürliche, in der 
zweiten durch mechanische Änderungen entstellt worden ist; daß 
zum Abschluß beider Perioden der Text fixirt worden ist wie ihn 
die Zeit gestaltet hatte. Wer das bedenkt, der wird oft die Un- 
möglichkeit erkennen wahrhaft zu emendiren, Öfter sich mit dem 
Geschäft des Philologen begnügen, das mehr als Kunst ist, und 
interpretiren, das heißt den Gedanken des Dichters verstehen; das 
ist mehr als die Form herstellen in der der Gedanke ausgesprochen 
war. Auch hier heilt die Waffe die die Wunde geschlagen hat. Die 
"Überlieferung ist immer durch die Hände von Lesern und Schreibern 
gegangen, deren Muttersprache das Latein war; ein Interesse daran, 
den Wortlaut zu interpoliren, hat vor den Eecensionen, die wir 
besitzen und vergleichen und danach auch einen Maßstab für die 
Partien gewinnen können, die nur in einer überliefert sind, niemand 
gehabt. Die absichtlichen Änderungen der ersten Periode sind für 
den Bedarf gemacht, es sind dadurch wohl in manchen Stücken 
echte Verse verloren gegangen, interpolirte entstanden und neue 
Fassungen neben die alten getreten, aber wenn auch oft die Form, 
so sind doch Wortlaut und Gedanken der plautinischen Verse 
schwerlich wesentlich geändert worden. Die Verwahrlosung der 
zweiten Periode hat kaum zu willkürlichen Änderungen geführt; man 
ließ den Hiatus eindringen, ersetzte beim Nachschreiben Wörter 
durch synonyma oder sonst naheliegendes, corrigirte die Schreibfehler 
aus den Abschriften nicht wieder heraus und gab sie dann weiter; 
aber da den Stücken kein breites Interesse im Publikum entgegen- 
kam, lag auch keine Veranlassung vor sie durch Interpolation les- 
barer zu machen. Die Überlieferung dieser Zeit hat also eine 
gewisse Ähnlichkeit mit der mittelalterlichen, aber man hat mit 
keiner Karolinger- oder Ottonenzeit zu rechnen und darf annehmen, 
daß im allgemeinen der plautinische Gedanke geblieben ist. So 
schafft sich auch hier der Gegenstand seine Methode und setzt der 
Willkür ihre gewissen Schranken. 

Die großen alexandrinischen Philologen erfüllten durchaus die 
Forderungen des Objekts, als sie in ihren Ausgaben die urkund- 
lichen Texte bewahrten 1 ). Von dem ersten Herausgeber des plau- 

1) Nach einer großen, ein gewaltiges Material sichtenden Recensionsarbeit. 
Wir haben es jetzt vor Augen, wie sie einen schlechten Text, wie den des 
Phaedonpapyrus , verwarfen (Usener Nachr. Gott. Ges. 1892 S. 186), während 
ihnen freilich auch ein vorzüglicher, wie der des Lachespapyrus (Flinders Petrie 
pap. II, L S. 166), entgehen konnte; wie sie in der Homer- und Hesiodkritik 



Folgerungen für die Kritik 57 

tinischen Nachlasses kann man dasselbe sagen, nicht mehr mit der- 
selben Sicherheit von Probus: er hätte mehr emendiren müssen. 
Aber die Reinheit der wissenschaftlichen Stellung des Probus ist 
dadurch getrübt, daß er nicht nur die Continuität der alten Philo- 
logie vertrat, sondern zugleich Reaktion zu üben hatte gegen die 
Vernachlässigung der alten Kunst und die Verachtung der alten 
Wissenschaft. So verfiel er in den Fehler der Reaktion, die Methode 
rücksichtslos durchzuführen, er beschränkte den Text auf die Über- 
lieferung, obwohl das Material nicht mehr ausreichte. Es war jetzt 
nicht die Zeit, Bekkers und Lachmanns Gedanken zu finden, denen 
Aristophanes und Aristarch bereits nahe gewesen waren; und zu 
verfahren wie Markland und Gottfried Hermann widersprach dem 
Begriff der antiken Philologie, auch wenn in Rom die Kräfte dazu 
gereicht hätten. Wir selbst müssen gestehen, daß durch die Sonde- 
rung und Vereinigung von recensio und emendatio zwar der Begriff 
der wissenschaftlichen Kritik richtig bestimmt ist, daß wir aber in 
der Durchführung jeder einzelnen kritischen Aufgabe niemals über 
den Widerspruch hinauskommen. Die Grenzen der recensio sind 
durch das Material genau gesteckt und innerhalb ihrer Grenzen ist 
sie immer durchzuführen; aber die emendatio ist unendlich auch 
innerhab der Grenzen ihres Materials. Wer nicht recensiren kann, 
ist so unfähig, eine kritische Arbeit durchzuführen, wie wer alles 
emendiren will; und eine bloße recensio ist so unwissenschaftlich 
wie, gegenüber einem Text der andere als die einfachsten Schicksale 
gehabt hat, eine durchgeführte emendatio. Daraus daß man Plautus 
in unzähligen Fällen nicht emendiren, sondern nur interpretiren 
kann, folgt nicht daß man ihn nur recensiren soll. Das Ideal würde 
auch dann nicht erreichbar sein, wenn wir den Text hätten, den 
Varro las; der in der Sache liegende Widerspruch führt dazu daß 
die mögliche Leistung ein Mittelding ist, ein Mittelding zwischen 
dem Texte des Plautus und dem der Archaisten und ein Mittel- 
ding zwischen objektiver und subjektiver Wahrheit. Dem Kritiker 
gibt zuletzt den einzigen Maßstab seine wissenschaftliche Überzeugung: 
möge er zusehen, daß sie auf den wahren Grundlagen ruht. 

die geänderten und eingedichteten Verse und Versgruppen der Rhapsodenhand- 
schrif ten ovdk eyQaipav (Dubliner u. Genfer Iliasfragmente , Diels Ber. Berl. Ak. 
1894 S. 349 ff., Papyrus Naville der'^ya [G. A. Gerhard, Ptolemäische Homer- 
fragmente 1911]). Möglich daß auch die ersten Herausgeber des plautinischen 
Nachlasses schlechtere Handschriften verworfen haben; Probus hatte über eine 
Fülle, aus der er hätte wählen dürfen, nicht zu gebieten. 



58 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

[Ich habe diese Ausführungen durch meine Recension von Lindsays Schrift 
l The ancient editions of Plautus' (Oxford 1904) in den Gott. Gel. Anz. desselben 
Jahres S. 358 ff. gestützt und ergänzt. Das es auch heute noch Leute gibt, 
die von 'Theorien' sprechen wo es sich um historische Untersuchung handelt, 
so scheint es mir nicht überflüssig, den Schlußabschnitt dieser Recension 
(S. 369—374), auf die ich im übrigen verweise, hier wiederzugeben.] 

Ich wiederhole die Argumente, natürlich nicht in der Form der 
Untersuchung, sondern wie sie sich in zeitlicher Folge zusammen- 
fügen und in die oben gegebne Erzählung (S. 358 ff. der Recension) 
einschlagen. 

Die erste Phase der Textgeschichte, wie sie Ritschi nachge- 
wiesen hat, bezeugen die Prologe und gleicherweise indirekt die 
Doppelfassungen usw., die auf Bühnengebrauch weisen. Hier ist 
keine Controverse. Accius und die andern Tinakographen 5 lasen 
den plautinischen Nachlaß. Er ist also in der ersten Zeit der philo- 
logischen Studien in Rom herausgegeben worden, 130 Stücke, nach 
griechischer Editionstechnik, wie sie Sueton de gr. 2 (aus Varro) 
s.370 für jene Zeit bezeugt, wie sie in der Bewahrung des urkundlichen 
Materials, das aus der ersten Überlieferungsperiode gekommen sein 
muß (z.B. der Schluß des Poenulus), hervortritt; wie auch die den 
Nachlaß sichtende Echtheitskritik, die Varro abschloß 1 ), durchaus 
in den Wegen der griechischen Grammatik ging. 

Das gelehrte Interesse an der archaischen Litteratur hörte in 
der Zeit des Tiberius auf. Yerrius Flaccus und Iulius Modestus sind 
die letzten Namen, die man nennen kann; an ihre Stelle trat Pa- 
laemon. Im großen Publikum hatte es schon früher aufgehört. 
Horaz hatte ihm die ersten und gewaltigen Stöße gegeben; er und 
die andern Dichter der Zeit setzten ein neues litterarisches Interesse 
in die Welt. Von der andern Seite kam die moderne Rhetorik, die 
mit der alten Sprache und Kunst nichts zu schaffen haben konnte. 
Bis in die Flavierzeit hinein gibt es nur wenige Spuren von Kennt- 
nis, dagegen aber eine allgemein hervortretende Unkenntnis der ar- 
chaischen Litteratur. 



1) Daß es damals eine Ausgabe von 21 Stücken gegeben habe (Lindsay S. 12), 
kann keine Interpretation aus Gellius III 3 entnehmen; nur daß Varro seiner 
Echtheitskritik einen Katalog der ^irj afAcpißoXoi voraufgeschickt hat. Daß Varro 
außer den 21 nur ein paar für echt hielt, folgt aus Gellius auf keine Weise, wohl 
aber aus Varros und Verrius' Citaten das Gegenteil. Die Ausrede, daß Varro 
Citate mit Plautus' Namen aus Glossarien abschrieb, während er die Stücke die 
citirt werden für unplautinisch hielt, sollte man nicht brauchen. 



Übersicht 59 

Den Schluß, den wir hieraus auf das Schicksal der alten Texte 
zu ziehen haben würden, erspart uns Sueton, indem er, in seinem 
Artikel über Probus, direkt sowohl den Zustand der Vernachlässigung 
bezeugt als die Reaktion dagegen, wie sie aus dem Willen eines 
Mannes hervorgegangen ist, beschreibt. Probus hatte in der Provinz 
einige alte Bücher gefunden, durante adhuc ibi cmtiquorum memoria 
necdum omnino abolita sicut Bomae. Er sammelte was er auftreiben 
konnte, multaqiw exemplaria contractu emendare ac distinguere et 
adnotare curavit, d. h. er machte Ausgaben nach alexandrinischer 
Technik, wie wir außerdem aus den Tractaten de notis wissen (wo 
von Autoren nur Lucrez, Vergil und Horaz genannt sind) und aus 
Commentaren. Für Plautus ist also solche Ausgabe nicht direkt 
bezeugt, aber sie wird wahrscheinlich durch den allgemeinen Aus- 
druck Suetons und dadurch, daß nach Probus Plautus wieder in 
den Händen der Leser und Grammatiker ist. 

Das nächste Zeugnis ist, daß etwa von der hadrianischen Zeit s. 371 
an nur noch die 21 Stücke bekannt sind, die uns in A und P vor- 
liegen und augenscheinlich mit den 21 fabiüae Varronianae bei 
Gellius identisch sind. Das heißt, es ist kurz zuvor eine Ausgabe 
der 21 Stücke gemacht worden, die eine so ausschließliche Geltung 
erhalten hat, daß die übrigen noch vorhandnen Stücke vergessen 
worden sind ; derselbe Vorgang, der um dieselbe Zeit für die Über- 
lieferung der griechischen Poesie bestimmend geworden ist. Da die 
grammatische Technik des Probus in jener Zeit herrschend war, so 
ist es wahrscheinlich daß das Corpus der 21 in seiner Weise bear- 
beitet, d. h. der von Probus nach den ihm zugänglichen Exemplaren 
fixirte Text beibehalten, mit kritischen Zeichen versehen und ad- 
notirt worden ist. Die 21 Stücke waren durch Varro in der bekannten 
Weise hervorgehoben worden; der Schluß ist gegeben, daß sie 
darum für dieses Corpus gewählt wurden; denn Varros Arbeiten 
sind von Probus wieder zu Ehren gebracht worden wie die von 
Varro tractirte Litteratur. Erst hier können wir von einem Corpus 
reden; für Probus nicht mit Sicherheit und für die Zeit vor ihm 
noch weniger; vielmehr spricht der Text der Stücke dafür, daß vor- 
dem jedes seine eignen Schicksale hatte. 

Die beiden Ausgaben, von denen wir je ein Exemplar besitzen, 
sind Ausgaben der 21 Stücke, von verschiedner, aber der gramma- 
tischen Tradition entsprechender äußerer Anlage, im Text, wie die 
gemeinsamen Corruptelen zeigen, auf einer gemeinsamen Grundlage 
ruhend, und zwar auf einer, die erst nach vielen Schicksalen zu 



60 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

dieser Gestalt gelangt ist, aber im übrigen stark auseinandergehend. 
Die gemeinsame Grundlage ist, wie die römischen und griechischen 
Analogien außer Zweifel stellen, der im Corpus der 21 fixirte Text. 
Das Auseinandergehen bedeutet im ganzen, daß wir zwei selbständige 
Bearbeitungen des Textes vor uns haben; im einzelnen, daß ein 
starkes Eingreifen des Herausgebers hier wie dort Eindichtungen 
und ersetzte Stellen beibehalten oder fortgelassen, Lesarten gewählt 
oder verworfen hat; diese Arbeit erklärt sich an jedem einzelnen 
Punkte durch die notwendige Voraussetzung einer beiden Heraus- 
gebern vorliegenden kritischen Ausgabe, in der die zweifelhaften 
s. 372 Stellen bezeichnet und, wie in allen griechischen und lateinischen 
gelehrten Ausgaben, die Varianten (auch aus Werken der alten 
Philologie solche, die sich aus alten Exemplaren des Textes nicht 
mehr nachweisen ließen) in der adnotatio angeführt und besprochen 
waren. Dazu aber kommt eine Menge von willkürlichen Änderungen 
hier wie dort, von denen sich natürlich im einzelnen Falle nicht 
sagen läßt, ob sie der Herausgeber erfunden oder gefunden hat, 
die aber doch nur den Zweck haben, das Buch bequemer für den 
Leser herzurichten. Das ist die interpolirende, der wissenschaft- 
lichen entgegengesetzte Editorentätigkeit, deren Spuren wir beson- 
ders am Vergiltext in früher Zeit verfolgen können, die, durch Probus 
zurückgedrängt, im 3. und 4. Jahrhundert, wie wir besonders aus 
den interpolirten Ausgaben des Terenz und der Tragödien Senecas 
mit großer Wahrscheinlichkeit schließen können, zu neuer Blüte 
kam, um wieder die Reaktion der Symmachi und verwandter Kreise 
zu erwecken. 

Dies sind alles sichere Schritte. Wer sie nachgeht, wird ziem- 
lich genau zu dem Bilde gelangen, das ich zu Anfang skizzirt habe. 
Aber er muß kein Rechenexempel machen wollen und außer den 
Tatsachen, die sich aus dem überlieferten Text ergeben, dreierlei 
bedenken: erstens daß die Geschichte eines lateinischen Textes ein 
Teil der Geschichte und Kultur des römischen Volkes und nur im 
Zusammenhang mit dieser zu verstehen ist; zweitens daß die Ge- 
schichte jedes Textes ein Teil der allgemeinenÜberlieferungsgeschichte 
und nicht anders zu behandeln ist als nach den Gesichtspunkten, 
die sich aus der Geschichte der unter ähnlichen Bedingungen über- 
lieferten Texte ergeben; drittens daß die römische Grammatik eine 
Abzweigung der griechischen und daß das Einlenken der römischen 
Textbehandlung und Editorentechnik genau in die Bahnen der 
griechischen entscheidend für die Überlieferung der römischen Litte- 



Übersicht 61 

ratur geworden ist. Nur wer die Textgeschichte des Isokrates, 
Demosthenes, Piaton, des Homer, Aristophanes, Euripides kennt, 
hat den Maßstab, nach dem er die Tatsachen der plautinischen 
Überlieferung beurteilen kann. 

Alles übrige ist nur accessorisch ; so auch vieles von dem was 
Lindsay S. 145 ah'the main props on which the theory rests bezeichnet ; 
so auch die ganze Hiatusfrage. Diese kann jeder nach Ermessen 
beurteilen, ohne daß das Bild der Textgeschichte dadurch in einem 
wesentlichen Zuge verschoben wird. Ich bin davon nur ausgegangen 
(oben S. 2), weil ich vor allem die Einheitlichkeit der Überliefe- 
rung nachweisen und auf den Umstand hinweisen mußte, daß die 
Stücke vor ihrer Vereinigung zu einem Corpus eigene Schicksale s. 373 
gehabt haben. 

Wo A und P übereinstimmen, haben wir den durch Probus 
oder seine Schule fixirten Text; wo wir Pallein haben, ist natürlich 
die Sicherheit gemindert, wie für die scholienlosen Stücke des Euri- 
pides die Sicherheit, daß wir den alexandrinischen Text haben. 
Probus hat den Text fixirt nach dem Material, das ihm für jedes 
Stück zufällig zu Gebote stand und das er möglichst urkundlich 
reproducirte. Im besten Falle erreichte er die ersten Ausgaben, 
d. h. den Text den Accius und Varro lasen. Wir wissen selten ob 
wir diesen Text erreichen, in der Regel nur, mit den gewiesenen 
Graden der Sicherheit, daß wir den des Probus erreichen; wie uns 
die Homerhandschriften, die Platohandschriften, die Übereinstimmung 
der Euripideshandschriften mit den Scholien den alexandrinischen 
Text, aber darum nicht, wie die Homerscholien oder der Laches- 
papyrus lehren, das letzte Wort geben. Wenn der Probustext un- 
plautinische Verse oder offenbare Corruptelen bietet, so ist das nicht 
anders, als wenn die Iliashandschriften oicovoToi re jzäöi, die Aristo- 
phaneshandschriften Ran. 152 und 153 nebeneinander (vgl. Wilamo- 
witz Hermes XXXVII 302), die Euripideshandschriften die Doppel- 
verse in Medea und Phönissen und soviele durch die Scholien bezeugte 
Corruptelen bieten. Die Emendation greift von Probus zurück zu 
Plautus über eine Überlieferungszeit von drittehalb Jahrhunderten 
hinüber; ganz wie die Emendation des attischen Dramas von Aristo- 
phanes von Byzanz aus in das 5. Jahrhundert hinübergreift. Von 
r ipsa verba' des Plautus kann, im urkundlichen Sinne, so wenig 
die Rede sein wie von ipsa verba des Sophokles. Es ist gut 
diesem Gedanken nachzugehen: er führt zu der Sicherheit, daß über 
die Feststellung des überlieferten Textes hinaus der Emendation 



62 I Geschichte der Überlieferung im Altertum 

große Aufgaben gestellt sind, zu der Überzeugung, daß auch die 
kleinste Emendation aus der Gesamtbetrachtung des Dichters, seiner 
Kunst und Sprache, hervorgehn muß, zu der Selbstbescheidung, daß 
sehr oft auf c ipsa verbä* verzichtet werden muß, mit der Compen- 
sation, daß sehr selten auf den Gedanken des Dichters verzichtet 
zu werden und allmählich immer seltener Kunst und Sprache des 
Dichters verletzt zu werden braucht; das heißt interpretiren ist mehr 
als emendiren, der Sinn mehr als der Buchstabe, der Stil mehr als das 
Wort, und durch paläographische Manipulationen Sinn und Stil über- 
kleistern schlimmer als frischweg interpoliren. 



II 
Leben des Plautus 



i 

Ich wähle diesen Titel, nicht weil ich das Leben des Plautus 
schreiben oder viel positives Neues darüber ermitteln könnte, sondern 
weil es einen modernen Ausdruck, der den antiken ßlog oder yevog 
niavxov träfe, nicht gibt. Die Fragen, auf die ich eine Antwort 
suche, kann ich in diese zusammenfassen : wie weit ist das, was die 
Alten und die Neuen über Lebenszeit und Person des Plautus zu 
wissen meinten oder vorgaben, begründet? 

Bei Teuffel-Schwabe liest man : C T. Maccius Plautus ist geboren 

um 500 in Sarsina, als Freier, aber von niedrigem Stande. Er 

fand in Rom an der Bühne Beschäftigung. Die daselbst gemachten 
Ersparnisse verlor er durch kaufmännische Unternehmungen und 
mußte sich zeitweilig in eine Mühle verdingen. Später fand er seinen 
Lebensberuf in der lateinischen Bearbeitung griechischer Lustspiele. 
Er starb 570.' An diesen überlieferten Tatsachen sind meines 
Wissens niemals Zweifel geäußert worden 1 ). Im Vorwort eines vor 
8 Jahren erschienenen Buches über Plautus sieht sich der Verfasser 
c veranlaßt, ausdrücklich hervorzuheben, daß er von der natürlichen 
Begabung des Plautus und seiner außerordentlichen Tatkraft, welche 
mit vielerlei Widerwärtigkeiten des Lebens siegreich den Kampf 
bestanden hat, die größte Achtung hegt. Er ist der Ansicht, daß unter 
Tausenden kaum einer, in die Lage und Lebensverhältnisse des Plau- 
tus versetzt, auch nur annähernd Ähnliches geleistet haben würde . 

Solche Gläubigkeit hätte vor nicht gar langer Zeit noch kein 
Lächeln verdient und es ist gar nicht zu verwundern, daß Ritschi 

1) Außer von mir selbst, Hermes XXIV 78. [Niebuhr Vortr. über röm, 
Gesch. II 196 c von Plautus wissen wir nicht einmal ob er römischer Bürger war, 
er soll arm gewesen sein, die Geschichte vom Mühlendrehen aber beruht auf 
keinen glaubwürdigen Nachrichten'. Auf diese Stelle macht Marx Ber. d. Sachs. 
Ges. 1911 S. 40 aufmerksam. Daß viele in der Beurteilung antiker litterar- 
historischer Überlieferung Erfahrene die Unglaubwürdigkeit dieser Nachrichten 
vor mir bemerkt haben, bezweifle ich garnicht.] 



64 II Leben des Plautus 

sie teilte. Daß er sie teilte ist auch der Grund dafür, daß sie seitdem 
nicht erschüttert worden ist. Aber heute wissen wir doch etwas 
mehr über solche Dinge. 

In der griechischen Litterarhistorie hat man sich längst gewöhnt, 
uncontrollirbare Nachrichten über die Lebensverhältnisse litterarischer 
Männer mit Mißtrauen aufzunehmen und zu fragen woher die Ge- 
währsmänner wissen konnten was sie berichten. Der römischen 
Überlieferung gegenüber schlummert dies Mißtrauen noch: nur in 
dem einzigen Falle, in dem eine zusammenhängende Sammlung von 
Notizen über das Leben eines der älteren Dichter vorliegt, deren 
Unglaubwürdigkeit in die Augen springt, ist es allmählich erwacht 
und hat zu einer vollständigen Analyse der Nachrichten geführt, die 
nichts Positives außer ein paar möglicherweise authentischen Notizen 
übrig gelassen hat. Die Biographie des Terenz hat Sueton aus 
Varro und den besten Autoren sonst, die überhaupt Literarhisto- 
risches mitgeteilt hatten, zusammengestellt, die Überlieferung selbst 
liegt nicht gar weit von Terenzens Lebzeiten ab, das Verhältnis der 
Zeit und der Glaubwürdigkeit ist ähnlich wie das der älteren Peri- 
patetiker zu Plato. 

Die Terenzvita muß uns den Maßstab geben, wie wir die bio- 
graphischen Nachrichten über die älteste Periode der römischen 
Literaturgeschichte zu beurteilen haben. Die Gewährsmänner sind, 
in der Hauptsache, dieselben; die Bedingungen sind für Terenz 
günstiger als für die Dichter von Andronicus bis Ennius, denn er 
steht zeitlich den Gewährsmännern näher. Die Anekdoten freilich 
fließen reichlicher für jüngere Zeit, aber für ältere sind die scheinbar 
positiven Nachrichten seltener, selbständige Combinationen nötiger. 

Das Material der Terenzvita zerfällt im wesentlichen in Anek- 
doten und Combinationen, nicht scharf zu scheiden freilich, sondern 
so daß es oft deutlich ist wie die Anekdoten nicht von Mund zu 
Mund fortgegebener Klatsch, sondern aus Combinationen erwachsen 
sind. Die beiden Hauptgeschichten, die von der heimlichen Mit- 
arbeiterschaft des Scipio und Laelius und die von dem unerlaubten 
Yerkehr mit ihnen, stellen die eine und die andere Kategorie dar; 
jene entstand während er dichtete, eamque ipse auxit, numquam nisi 
leviter refutare conatus, ut in prologo Adelphorum (außerdem im 
Prolog des Heautontimorumenos) : homines nobiles eum adiutare assi- 
dueque una scribere. Die Erfindung selbst und wie sie ausgestaltet 
wurde ist ganz im Stil der in Athen umlaufenden, durch die Komödie 
erfundenen oder weitergegebenen, dann in die ßioi aufgenommenen 



Die Terenzvita 65 

Geschichten: Kephisophon hilft dem Euripides bei seinen Stücken, 
dann auch bei seiner Frau. So ist das unsittliche Verhältnis auch 
bei Terenz aus der Fabel von dem litterarischen herausgesponnen 
worden, materiell nach dem Muster der unzähligen jzaidixd-Qe- 
schichten, die aus ähnlichen Andeutungen erwachsen sind. Nach 
gleicher Methode werden die Personen der nobiles ermittelt, auf 
die im Prolog der Adelphi angespielt ist, qui vobis univorsis et po- 
pulo placent. Es mußten Männer mit litterarischen Interessen sein, 
die zu den ersten ihrer Zeit gehörten; da waren die Namen gegeben. 
Wo Cicero die Bildungshäupter jener Zeit aufzählt, sind es Africanus, 
Laelius, Furius (pro Arch. 1 6, de rep. III 5, de or. I1 1 54, pro Mur. 66), 
an der letzten Stelle tritt C. Sulpicius Galus hinzu, den Santra anstatt 
jener zur Wahl stellt: jene dieselben drei, die Porcius Licinus nennt, 
indem er noch die Motivirung, warum gerade sie es sein sollen, 
wie nebensächlich hinzufügt: tres per idem tempus qui agitabant 
nobiles facillime. 

Hier haben wir den Ursprung der Erfindungen und die Methode, 
nach der sie erweitert und ausgeschmückt wurden, vor Augen. Für 
die Dichter, die älter waren als Terenz, w r ar gewiß das subjektive 
Bedürfnis, Lebensumstände zu erschließen und auszumalen, geringer, 
denn die Personen standen den Literarhistorikern ferner; aber das 
objektive Bedürfnis war, wenn man überhaupt etwas sagen wollte, 
w T ie bemerkt um so größer. 

Yarro fand die Terenzlegende fertig vor und behielt sie trotz 
einiger Zweifel bei, da er wenig Besseres an ihre Stelle zu setzen 
hatte. Seine Hauptzeugen waren Porcius Licinus und Volcacius 
Sedigitus, geistreiche Leute, die in Nachfolge des Lucilius und Accius 
poetische mit litterarhistorischen Neigungen verbanden und zu ernst- 
hafter Untersuchung dessen was sich hübsch in klingende Verse fügte 
nicht verpflichtet waren. Von solcher Art waren die Vorgänger 
Varros ; er hat auf diesem Gebiet zuerst gearbeitet. Seine Arbeit aber 
ging die Wege der griechischen, das bedeutet auf biographischem 
Gebiet die der alexandrinischen Philologie. 

Die alexandrinische Biographie, wie sie uns in vielfacher Über- 
lieferung vorliegt, umfaßt zwei gesonderte Kreise der Forschung: 
die xqovoi, die alexandrinische Fortsetzung der Arbeiten des Aristo- 
teles, Timaios, Philochoros; den ßiog, die peripatetischen Sammlungen 
über die Persönlichkeit der litterarischen Größen, die von den ale- 
xandrinischen Philologen übernommen und in Auszügen in gelehrtem 
Stil zu ihren Zwecken weiter gegeben wurden. Diese biographischen 

Leo, Plautinischo Forschungen 2. Aufl. 5 



66 II Leben des Plautus 

Studien, deren Zusammenfassungen uns vorliegen wie sie den er- 
haltenen commentirten Dicliterausgaben voraufgeschickt sind, nahm 
sich Varro zum Muster; er konnte nicht anders; auch aus seinen 
Studien sind solche vitae hervorgegangen, die den alexandrinischen 
ßloi ähneln wie das Wasser des Tiber dem des Nil. Er schrieb 
die vitae nicht selber, denn er machte weder Ausgaben noch Commen- 
tare. Die Form, in der er seine biographischen Studien vorlegte, 
war die der griechischen Bücher jisqi xojjucodiag oder negl TQaywöcbv. 
Das mag uns daran erinnern, daß er die Methode der Untersuchung 
nicht aus den ßloi zu lernen brauchte, die nur Resultate enthielten, 
sondern aus den Schriften lernte, die auch von den Methoden Rechen- 
schaft gaben. 

Seine Arbeit mußte sich von vornherein auf die %qovol und den 
ßtog gleichmäßig erstrecken, er mußte für beide den Grund legen. 
Als Quellen hatte er zu betrachten, nach dem Muster seiner Vor- 
bilder, erstens die Texte, zweitens die Archive der Festbeamten, 
soweit über die scenischen Aufführungen überhaupt Buch geführt 
worden war. Aus diesen Quellen war das Tatsächliche zu ent- 
nehmen und das Zweifelhafte und Scheinbare zu combiniren. Die 
Vorgänger lieferten ihm ein Gerüst der Literaturgeschichte, das 
schief und verquer war, und eine Füllung, die aus schlechtem Anek- 
dotenkram bestand. 

Wie es mit den chronologischen Kenntnissen derer, die vor 
Varro sich mit diesen Fragen befaßten, beschaffen war, lehrt uns 
der Ansatz, den Accius für die Epoche des Livius gegeben hatte, 
den wir zugleich mit der Polemik Varros durch Cicero erfahren. 
Cicero teilt im Brutus 72 aus dem kurz vorher geschriebenen annalis 
des Atticus mit, Livius habe im J. 514 als erster ein Stück auf- 
geführt (ebenso Tusc. I 3, de sen. 50) ; er führt für das Jahr die 
Autorität des Atticus an, denn unter den Schriftstellern sei de numero 
annorum controversia: Accius gebe statt des Jahres 514 das Jahr 557 
und setze die Überführung des Livius nach Rom ins Jahr 545. Das 
Zeugnis des Atticus habe er nicht nur in antiquis commentariis 
bestätigt gefunden, sondern die ganze Chronologie der ältesten Litte- 
ratur widerlege den Ansatz des Accius: Ennius sei 515 geboren und 
werde durch Accius zum Altersgenossen des Livius; Plautus und 
Naevius hätten vor 557 schon viele Stücke aufgeführt, und doch 
solle Livius der erste sein der es getan habe, auch werde er auf 
diese Weise jünger als die beiden. Der Irrtum des Accius scheint 
daher entstanden zu sein, daß er den berühmtesten Livius, den 



Varro und die alexandrinische Biographie 67 

Sieger von Sena (547), als Herrn des Andronicus annahm und daher 
seine Gefangennahme, da seine tarentinische Abkunft anerkannt war, 
auf die Wiedereroberung von Tarent a. 545 schrieb, die erste Auf- 
führung auf die Votivspiele des Salinator. In welches Zeitverhältnis 
Accius selbst die übrigen Dichter zu Livius gesetzt, ob er eine all- 
gemeine Chronologie überhaupt versucht, ob er Livius gar nicht 
für den ältesten Dichter gehalten hat, wissen wir leider nicht; die 
Polemik Ciceros richtet sich nur gegen die Ansetzung des Livius. 
Cicero hat das Material dieser Polemik aus Atticus, dieser hat es 
aus Varro; die antiqui commentarii führt Cicero so an wie wenn 
er ihr Zeugnis nicht im annalis des Atticus selbst gefunden hätte ; 
möglich daß er Varro selbst hat nachschlagen lassen, der die 
Epoche 514 aus den commentarii der Ädilen constatirt hatte. 
Daß das Zeugnis nebst der Polemik aus Varro stammt, zeigt 
Gellius XVII 21, 42: im J. 514 primus omniam L. Livius poeta fabu- 
las doeere Bomae coepit, im Jahre vor der Geburt des Ennius, wie 
M. Varro in primo de poetis libro bezeuge: Cicero hat in antiquis 
commentariis gefunden, daß Livius 514 primus fabulam docuit anno 
ipso ante quam natus est Ennius. Wir sehen mit vollkommener 
Deutlichkeit, daß Varro der erste war, der aus den Archiven die 
entscheidende Epoche festlegte und dabei gegen eine Ansicht an- 
kämpfen mußte, die nur bei vollständiger Unklarheit über die Chro- 
nologie jener Anfänge der Litteratur überhaupt bestehen konnte, 
die aber doch von der wichtigsten Autorität vertreten war. 

Einen anderen Vertreter derselben Ansicht lehrt uns Gellius 
gleich danach kennen. Er fährt fort, im J. 519 habe Naevius Stücke 
öffentlich aufgeführt x ), quem M. Varro in libro de poetis primo stipendia 
fecisse ait hello Poenico primo, idque ipsum Naevium dicere in eo 
carmine quod de eodem hello scripsit — auch dies ist Polemik, Varro 
hat im Gedicht des Naevius selbst das Zeugnis dafür gefunden, daß 
er den Krieg mitgemacht habe, den er besinge ; gegen wen sich die 
Polemik richtet, erfahren wir im nächsten Satz: Porcius autemLicinus 
serius poeticam Bomae coepisse Üicit in his versibus: 

Poenico bello secundo Musa pinnato gradu 
intulit se bellicosam in Romuli gentem feram. 
Daß die Verse aus der Anführung Varros stammen, darüber ist kein 
Wort zu verlieren. Die Frage ist, in welchem Zusammenhang sie 

1) fabulas apud populum dedit sagt Gellius nach Varro mit genauem Aus- 
druck, da Yarro eben aus den Archiven nur über solche Aufführungen etwas 
erfahren konnte. 

5* 



68 JI Leben des Plautus 

im Gedichte selbst standen. Man bezieht sie *) auf Ennius und 
schließt daraus, daß Porcius die Dichter vor Ennius, also Livius 
Naevius Plautus, überhaupt nicht als Dichter anerkannt habe. Das 
ist so falsch wie möglich. Fällt denn die Dichtung des Ennius, der 
2 Jahre vor Schluß des zweiten punischen Krieges nach Rom ge- 
kommen und 33 Jahre nach dem Schluß gestorben ist, in den zweiten 
punischen Krieg? Redet denn Porcius von einer höheren Stufe der 
Kunstdichtung, wenn er die kriegerische Muse schildert, die be- 
schwingten Schrittes in das wilde Römervolk ihren Einzug gehalten 
habe? Das bedeutet nicht: erst mit dem Siege der gräcisirenden 
Richtung beginnt unsere Poesie; sondern es bedeutet: als unsere 
Poesie begann, war sie noch ein wildes Ding wie wir selber einst. 
Mit anderen Worten, Porcius war der Ansicht, daß die Anfänge der 
römischen Poesie in den hannibalischen Krieg gehörten, daß Naevius 
und Livius nicht früher im Mannesalter standen. Wenn er annahm, 
daß das bellum Punicum des Naevius während des hannibalischen 
Krieges entstanden sei, so traf das zu; denn wir wissen durch Cicero 
(de sen. 50), daß auch Naevius sein Epos erst im Alter gedichtet 
hat. Aber daß Naevius den Krieg mitgemacht hatte, den er besang, 
das bat Porcius übersehen. Er braucht darum nicht das Gedicht 
nie angesehen zu haben, denn es ist nicht wahrscheinlich, daß Nae- 
vius seine eigenen stipendia anders als bei Gelegenheit und an ver- 
steckter Stelle erwähnt hat. Varro wies, um seinen ganzen Beweis 
von der Chronologie des Naevius zu stützen, auf die Stelle hin und 
wies auch so die Unkenntnis des Porcius in ihre Schranken. 

Es ist deutlich, daß Porcius in demselben Irrtum befangen ist 
wie Accius; er hat wahrscheinlich gar nicht selbst untersucht, sondern 
die Ansätze des Accius, d. h. die allgemein für wahr geltenden, seinem 
Gedicht zugrunde gelegt. So stand es mit der Einsicht in diese 
Dinge, als Varro arbeitete 2 ). 

Wir sehen hieraus zugleich, von welchem Wert die übrigen Tat- 
sachen aus dem Leben des Livius waren. Man kannte den Herrn 
des Andronicus nicht, wie wir ihn nicht kennen, man wußte nicht, 
ob und bei welcher Eroberung Tarents er kriegsgefangen geworden 
war, aber man wollte beides wissen. Dagegen konnte man erfahren, 
wann seine Bühnentätigkeit begonnen, auch daß er noch das Pro- 



1) Büttner Porcius Licinus S. 51, nach Anderen. 

[2) Vgl. Schanz Rhein. Mus. LIV 19 ff., Hendrickson Amer. Journ. of phiL 
XIX 285 ff., meine Bemerkungen Herrn. XXXIX 66 f.] 



Varros Polemik 69 

cessionslied von 547 gedichtet hatte; aber für solche Erkenntnis fand 
erst Varro die Wege. 

Von anderer Art ist die Polemik Varros, die sich an das Todes- 
jahr des Naevius knüpft. Cicero teilt, gleichfalls im Brutus (60) 
und gewiß auch aus Atticus, mit daß Naevius im Jahre 550 ge- 
storben sei, ut in vcteribus commentariis scriptum est; Varro aber 
putat in hoc erratum vitamque Naevi producit longius. Was sollen 
denn das für commentarii gewesen sein, in denen der Tod eines 
poeta barbarus wäre verzeichnet worden? Cicero redet als litte- 
rarisch interessirter Mann im Sinne einer geistig angeregten Epoche 
und macht sich selbst nicht klar, daß in amtlichen Aufzeichnungen 
für eine solche Notiz durchaus kein Raum war. Wenn aber ein 
amtliches Zeugnis für den Tod des Naevius vorhanden gewesen 
wäre, so hätte Varro unmöglich das für irrig erklären können. 
Andererseits lag ein Zeugnis in vetcres commentarii vor, daran darf 
nicht gezweifelt werden, da Atticus es mitteilte. Es folgt mit Not- 
wendigkeit, daß das Zeugnis kein direktes und unzweideutiges 
Zeugnis über den Tod des Naevius war, sondern daß aus ihm das 
Todesjahr des Naevius erst gefolgert wurde und Varro diese Folge- 
rung für falsch hielt. Ich meine, daß es nur eine Möglichkeit gibt, 
auf Grund dieser zwingenden Folgerungen das richtig aufzufassen 
was Cicero von dem ihm vorliegenden Material mitteilt: in den 
commentarii der festgebenden Beamten war zum J. 550 die letzte 
Aufführung eines Naevianischen Stückes verzeichnet; nachdem Varro 
diese Tatsache constatirt hatte, wurde aus ihr gefolgert, daß Naevius 
im J. 550 gestorben sei ; diese Folgerung hielt Varro für falsch und 
war der Meinung daß es andere Ursachen gegeben habe, warum 
Naevius nach 550 in den Festprotokollen nicht mehr erscheine. 
Atticus aber teilte die Meinung derer, die seinen Tod ins J. 550 
verlegten; er teilte offenbar Varros Widerspruch mit (wie vermutlich 
auch seine das Jahr des Livius betreffende Polemik). Varro hat 
zu seinem Widerspruche natürlich guten Grund gehabt, wir lernen 
diesen durch Hieronymus aus Sueton kennen. 

Eine andere Combination Varros über Lebensverhältnisse des 
Naevius hängt eng zusammen mit dem was erüberPlautus berichtet hat. 

2 

Über die Chronologie des Plautus haben wir drei feste Daten, 
alle drei von Varro erschlossen: Aufführung des Stichus 554, des 
Pseudolus 563, Tod 570. Das Todesjahr teilt Cicero gleich nach 



70 H Leben des Plautus 

dem des Naevius aus derselben Quelle mit: ich halte es für sehr 
wahrscheinlich, daß auch der Tod des Plautus nur daraus gefolgert 
worden ist, daß er zum letztenmal in einem Pestprotokoll nach- 
zuweisen war. Wie weit wir diese festen Punkte durch eigene 
Combination erzänzen können, wollen wir erwägen nachdem wir 
die Nachrichten über den Lebensgang des Dichters näher ins Auge 
gefaßt haben. 

Varros Mitteilungen stehen bei Gellius III 3, 14 und in einem 
Auszuge bei Hieronymus, der uns lehrt, daß Sueton dieselbe Er- 
zählung aus Varro übernommen hatte. Wir hören, bei Gelegenheit 
von Varros Echtheitskritik, daß Plautus drei Stücke als Tagelöhner 
geschrieben habe : sed enim Saturioncm et Addictum et tertiam quan- 
darn, ciiius nunc mihi nomen non suppetit, in pistrino cum scripsisse 
Varro et plerique alii memoriae tradiderunt, cum peeunia omni quam 
in operis artificum scaenicorum pepererat in mercatibus perdita inops 
JRomam redisset et ob quaerendum victum ad circumagendas molas, quae 
trusatiles appellantur, operam pistori locasset; sicuti de Naevio quo- 
que aeeepimus, fabulas cum in carcere duas scripsisse, Hariolum et 
Leontem, cum ob assiduam maledicentiam et probra in prineipes civi- 
tatis de Graecorum poetarum more dieta in vineula Bomae a trium- 
viris coniectus esset, unde post a tribunis plebis exemptus est, cum 
in his quas supra dixi fabulis delicta sua et petidantias dictorum, 
quibus multos ante laeserat, diluisset 1 ). 

Plautus und Naevius haben beide, der eine in der Mühle, der 
andere im Gefängnis Stücke geschrieben, und zwar bestimmte, mit 
Namen genannte Stücke, Plautus drei, an deren plautinischem Ur- 
sprung Varro eben deshalb nicht zweifelt, weil er sie in das Leben 
des Plautus einordnen kann. Bei dieser Gelegenheit hat er im 
l. Buche de comoediis Plautinis (Gellius §9) das erzählt oder daran 
erinnert was er zu biographischem Zwecke im 1. Buche de poetis 
mitgeteilt hat, woher es Sueton genommen 2 ). Varro hat, auch daran 
läßt der Zusammenhang des ganzen Kapitels keinen Zweifel, eine 
Nachricht über die Lebensschicksale des Plautus vorgefunden, eine 
Nachricht, die ihm die Sicherheit zu geben schien, daß Saturio und 



1) Hieronymus: qui propter annonae difficultatem ad molas manuarias pistori 
se locaverat, ibi quotiens ab opere vacaret scribere fabulas solitus ac vendere. 

2) Die nicht wesentlichen Abweichungen des Hieronymus von Gellius 
(propter annonae difficultatem, dann quotiens ab opere vacaret scribere fabulas 
solitus ac vendere) können von der verschiedenen Fassung herrühren, die Varro 
selbst der Erzählung gegeben hatte. 



Varro über Plautus' Leben 7 t 

Addictus in der Tat von Plautus herrührten; er hat daher wahr- 
scheinlich auch die Entstehung dieser Stücke in der Mühle nicht 
zuerst angenommen, sondern diese Ansicht vorgefunden; und Varro 
et plerique alii wird nichts anderes bedeuten als Varro nebst den 
Autoren die er selbst anführt; in diesem Falle läßt sich auch mit 
Bestimmtheit sagen wer die alii waren: die 'Pinakographen' vor 
Varro, unter denen sich Dichter und Dilettanten wie Accius und 
Volcacius und Gelehrte wie Aelius befanden. In diesem Kreise 
von Schriftstellern, die sich um die Sichtung und Beurteilung des 
Nachlasses der ersten römischen Litteraturepoche bemühten, war 
die Erzählung von Plautus' Jugenderlebnissen weitergegeben worden 
um die Echtheit des Saturio und Addictus zu erweisen. Welcher 
Grad von Glaubwürdigkeit wohnt einer solchen Erzählung bei? 

Ich will um es deutlich zu machen . einige, meist bekannte, 
analoge Fälle aus der Geschichte der griechischen Komödie anführen. 
In der Aristophanesvita der Platoscholien heißt es (p. 227 Herrn.) 
xaxexXrjQOJöe de xal xi]v Aiyivav, cbg 0eoyev)]g ev xa> negl Alylvrjg. 
Das ist die bestimmte Fassung einer von mehreren Vermutungen, 
die im ßiog XI D. beisammenstehen: ol de (avxöv cpaaiv elvai) Alyi- 
vr]Ti]v, oxoyat.Oj.ievoi ex xov nkeloxov %qovov rag diaxaißdg jzotelofiai 
avxoßi, t] xal öxi exexxyxo exeioe. xaxd xivdg de, cbg öxi 6 7iax7]Q 
avxov <PiÄi7Hiog Aiyivijxrjg. Bekanntlich sind dies nur Versuche, 
einer Stelle der Parabase den tatsächlichen Untergrund abzugewinnen, 
den die Worte gehabt haben müssen: xal xrjv Aiyivav dnaixovoiv — 
Iva rovxov rov jzoirjxfjv dcpeXcovxai. Der Niederschlag der Vermutungen 
liegt im Venetusscholion zum Verse (654) vor: evxevftev xiveg vojul- 
Covoiv in Alyivf] xäg xayjuwdlag noielv xbv Agioxocpdvrjv' — xaTg 
ährjfteiaig etg fjv xcbv ev xfj vyjoco xfo]gov%r}odvxa)v (denn seine Stücke 
hätte er ja auch anderswo schreiben können); dann: ovdelg loxög^xev 
d>g ev AlyivY] xexxrjxai xi Agioxocpdvrjg, die ganze Sache betreffe den 
Kallistratos , der sei Kleruch auf Aigina gewesen. Es war voll- 
kommen in der Ordnung, daß die Möglichkeiten erwogen wurden, 
wie man zum Verständnis der Stelle gelangen könnte, und es war 
die natürliche Folge, daß das vermeintliche Resultat für die Bio- 
graphie des Aristophanes verwendet wurde. Sicher ist daß auch 
Theogenes nichts weiter wußte als den Vers, den wir haben. Die 
Gelehrten stellten auch in der Biographie die Vermutungen gegen- 
einander ; der Lokalschriftsteller wie der Excerptor wählte die Ver- 
mutung die ihm paßte, oder eine beliebige, aus und stellte sie als 
Tatsache hin. 



72 II Leben des Plautus 

Etwas Tatsächliches liegt auch den tzevxe xdkavxa ä KXecov 
etjrjjueoev zugrunde (Ach. 5); die Scholien erzählen die Geschichte 
und führen Theopomp dafür an (vgl. schol. Eq. 226); im ßiog wird 
sie als ein Teil des Kampfes zwischen Aristophanes und Kleon er- 
wähnt und die Verse als Beleg angeführt. Dagegen weiß jeder, daß 
es nur ein Scherz ist, wenn der Dichter den Perserkönig fragen läßt 
noxEQovg emoi xaxd noXkd y und im Venetus steht richtig (zu v. 649) 
xovxo %agiEvxi£6[JiEvog yiEvdcog Xeyei, aber das ist doch schon Polemik 
gegen solche, die auch dies als bare Münze nahmen und zur Be- 
reicherung des ßiog verwendeten (Z. 57, vgl. das schol.). 

Wieviel Söhne Aristophanes hinterlassen hätte, war ungewiß; 
die einen wußten drei Namen zu nennen, die andern verwarfen den 
einen und führten als Beweis die Worte aus einer uns unbekannten 
Komödie an: xyjv yvvaixa öe aloyyvoixai reo x ov cpgovovvxE naiblco. 
Wie hier die Rede einer handelnden Person augenscheinlich will- 
kürlich dem Aristophanes in den Mund gelegt w T orden ist, so erklärt 
sich aus dieser Voraussetzung die sonderbare Notiz in der vjzö'&Eötg 
zum Plutos IV: reXevraiav Se öidd^ag xr\v xcojacodiav xavxrjv im xco 
idico övojLiaxt xal xbv vlbv avxov ovoxfjoai °Agagoxa di avxfjg xöig $Ea- 
xoXg ßovXbfXEvog, xd vnoXoina ovo di' exeivov xaftfjxE, KcbxaXov xal 
AloXooixcova. Araros als öiödoxaXog der beiden letzten Stücke war aus 
den Didaskalien bekannt; aber wie konnte Aristophanes den Sohn 
dem Publikum empfehlen durch ein Stück, das er selbst aufführte? 
Dasselbe, nur vom Plutos, lesen wir auch im ßiog: h xovxcg öe xco 
dgdjuaxi ovveoxtjoe xco uzXr}$Ei xbv vlbv Agagoxa. Nun spricht in der 
Komödie Chremylos zweimal von seinem Sohn: 35 xbv $' vlov, 
oojiEg cor juovog /uoi xvyydvEi, jiEvoöjuEvog ei %gr] jiiExaßaXovxa xovg 
xgojzovg eIvgll navovgyov und 250: xal xyjv yvvaixa xal xbv vlbv xbv 
juövov, ov iycb (pdcd judXioxa jUExd oe. Aus einer ähnlichen Inter- 
pretation dieser Verse, die auch eine Beziehung auf den Dichter 
gegen dessen Absicht hineinlegte, ist offenbar die Vorstellung ent- 
standen, Aristophanes habe den Araros im Plutos dem Publikum 
empfohlen, um ihn dann das folgende Stück aufführen zu lassen. 

Von Kratinos heißt es jzsgl xcoju. III, er sei gestorben beim ersten 
Einfall der'Lacedämonier in Attika; glücklicherweise wird der Ge- 
währsmann angegeben, Aristophanes im Frieden: ov ydg Et~r}VEG%Exo 
löcov n'&ov xaxayvvjuEvov olvov jtXecov. Von Menander wird erzählt 
(Athen. XIII 594 d), er habe mit Bezug auf Philemons Geliebte in 
einem Stücke gegen jenen gesprochen cbg ovÖEjuiäg ovor\g %gr\oxr\g. 
Daß sich dies wahrscheinlich auf die zum Teil erhaltenen Verse 



Analoges aus griechischen ßioi 73 

aus dem Prolog zur Thais bezieht, hat Frantz de com. att. prol. 68 
schön ausgeführt. 

Daß es leichte Mühe wäre, Beispiele dieser Art zu häufen, be- 
darf keiner Versicherung ; die angeführten genügen um in die Er- 
innerung zu rufen, daß die alexandrinischen Erklärer sowohl mit 
richtiger Methode aus den Dichterworten entnahmen was ihnen Persön- 
liches zu entnehmen war, als auch, um zu ersetzen was man nicht 
wußte und nicht wissen konnte, den Schein einer Anspielung auf 
vorausgesetzte Umstände als Wahrheit gelten ließen; daß solche Inter- 
pretationsversuche fortwirkten, in welchem Grade sie die Darstellung 
der Literaturgeschichte auf allen Gebieten inficirten, wie sie dann 
wieder auf die Auffassung der Texte einwirkten, ist nur zu bekannt. 

Es scheint mir ganz einleuchtend, daß in Saturio, Addictus und 
der tertia quaedam Stellen vorkamen, die auf die Person des Dichters 
bezogen wurden und, so bezogen, von seiner Arbeit im Tagelohn 
und den Erlebnissen , die ihn dazu geführt hatten , zu sprechen 
schienen *) ; das Wort molae trusatiles kam vermutlich an einer dieser 
Stellen vor. Die Situation der Yidularia, in der der schiffbrüchige 
Jüngling ob qttacrcndum victum operam agricolac locat, kann am besten 
deutlich machen, welcher Anlaß der Handlung zu solchen Reden 
führen konnte; eine etwas, nur scheinbar, persönliche Färbung mußte 
die Beziehung auf den Dichter herbeiführen. Solche wie von der 
Person des Dichters ausgehende Reden liegen vor Bacch. 214 (Epi- 
dicus und Pellio) und Mil. 21.1 : hier hat man nach dem poeta barbarus, 
quoi bini custodes semper totis horis occubant gesucht, hat gefunden 
daß die Verse sich auf Naevius beziehen müssen, und das Resultat 
dieser ganz richtig, gewiß auch von Varro, geführten Untersuchung 
hat Verrius Flaccus als Tatsache gefaßt: ttnde Plautus poetam Naevium 
latinum barbarum dixit (Paulus p. 36). 

Ich habe früher nachgewiesen, daß Varro die Entwicklungs- 
geschichte des römischen Dramas, von den vorausgesetzten Anfängen 
bis zu den historischen, nach dem Muster der peripatetischen Litterar- 
historie construirt hat 2 ), mit großer Kühnheit aus dem Vorhandenen 

1) Der Vers opus facere nimio quam dormire mavölo ist aus dem Addictus 
erhalten. 

2) Hermes XXIV 75 ff., vgl. Hendrickson Amer. journ. of philol. XV 1 ff. 
[ferner Hendrickson Amer. journ. XIX 285 ff., dazu mein Aufsatz Hermes X X XIX 
63 ff.]. Wie Ribbeck (Gesch. d. röm. Dicht. I 2 p. 350) die acerbissima satura des 
Lenaeus auf Sallust mit der Ursatura in Verbindung setzen mag ist mir nicht 
verständlich, dagegen sehe ich kein Bedenken sie als Satire lucilischen Stils 
aufzufassen. 



74 II Leben des Plautus 

auf nie Gewesenes, aus fremden Entwicklungsphasen auf die innerlich 
verschiedenen römischen zurückschließend. So hat er auch nach 
dem Muster der peripatetisch-alexandrinischen Biographie historische 
Tatsachen aus Texten erschlossen und die einmal vorhandenen Anek- 
doten als historisches Material verwendet; er hat auch hier nicht 
nur die Methode, sondern, wie wir sehen werden, auch gelegentlich 
den Stoff seinen Yorbildern nachgebildet 1 ). 

Die Geschichte des* Plautus, wie sie Gellius nach Varro erzählt, 
fängt damit an, daß er in operis artificum scaenicorum viel Geld 
verdient habe. Es ist nicht unwichtig für uns zu wissen, was damit 
gemeint sei. Die allgemeine Ansicht ist jetzt, daß er c als Theater- 
arbeiter 3 , r als Bedienter von Schauspielern , f unter den Handlangern 
und Arbeitern des Theaters beschäftigt 'einiges Geld erworben habe 3 . 
So nämlich hat Ritschi die Worte erklärt, Parerga S. 60, im Wider- 
spruch gegen Lessing, der in seiner jugendlichen 'Abhandlung von dem 
Leben und den Werken des Plautus' sie so verstand, Plautus habe mit 
Komödienschreiben c so viel gewonnen, daß er eine Handlung an- 
fangen konnte 32 ). Richtig ist das ja nicht, aber richtiger gedacht 
und im Zusammenhang empfunden als die jetzt geltende Auffassung. 
Daß an den Bühnen Arbeiter dienten ist selbstverständlich und auch 
bezeugt 3 ). Aber damit verdiente man sich kein Kapital. Wenn 
es heißt pecunia omni quam in operis — pepererat, so bedeutet das, 
daß es sich um ein Geschäft handelt, bei dem viel Geld zu ver- 
dienen war. Ich würde schon darum nicht glauben, daß operae 
artificum scaenicorum hier die Tagelöhnerdienste bei der Bühne 
bedeutet. Daß es bedeutet die Leistungen, die Aufführungen der 
Schauspieler, geht aus folgenden Stellen Suetons hervor: Aug. 45 
Universum genus operas aliquas publico spectaculo praebentium etiam 
cura sua dignatus est, Tib. 35 quominus in opera scaenae harenaeque 
edenda senatus consulto teneretur, Calig. 58 pueri nobiles ex Asia ad 
edendas in scaena operas evocati, und aus Tacitus ann. 116 Percen- 
nius quidam, dux olim theatralium operarum, dein gregarius miles.. 



[1) Hierzu und zum Folgenden sind die Erörterungen von Marx Zeitschr. 
f. d. österr. Gymn. 3898 S. 385 ff. und neuerdings Ber. d. Sachs. Ges. 1911 S. 39 ff. 
zu vergleichen. Das Mißverständnis, daß bei mir von Fälschungen Varros die 
Rede sei, habe ich Griech.-röm. Biogr. S. 137 corrigirt.] 

2) XI 1 S. 12 Hempel. 

3) Außer dem von Ritschi Angeführten vgl. Servius zu Georg. III 25 
Augustus — plurimos de captivis quos (ex Britannia) adduxerat, donavit ad 
officio, theatralia, Griechisches : Müller Bühnenaltert. S. 203 A. 5. 



Plautus' Jugenderlebnisse 75 

Kein Zweifel, Grellius verstand was er sagte so, daß Plautus als 
Schauspieler sich eine Menge Geld verdient habe. Das ist deshalb 
wichtig, weil die Handlangerarbeit am Theater an sich für Plautus 
etwas Auffallendes wäre und auf einer besonderen Tradition zu be- 
ruhen scheinen könnte; es wäre etwas wovon man nicht leicht an- 
nehmen würde, daß es sich jemand ganz ohne Veranlassung aus- 
dächte. Aber daß Plautus, wenn er sein Vermögen verloren hatte, 
dies Vermögen als Schauspieler verdient hatte, das ist freilich eine 
Combination, die gerade Varro oder auch seinen Vorgängern sich 
ohne weiteres einstellen mußte. Denn es heißt in der varronischen *) 
Darstellung bei Liv. VII 2, 8, alle Dichter der ersten Zeit seien auch 
Schauspieler gewesen ; daß Plautus als Schauspieler anfing, war also 
so gut wie gegeben. Obendrein werden wir finden, daß diese An- 
sicht, war sie nun combinirt oder überliefert, das Richtige traf. Und 
gewiß, wenn es auch in den Worten nicht zu liegen braucht, hat 
Varro an Plautus' eigene Stücke gedacht; daß zu den artifices scaenici 
auch die Dichter gehören, wußte er besser als Ritschi es im Jahre 1841 
wissen konnte. 

Plautus ist, wie die senes in Mostellaria, Persa, Trinummus, 
die adulescentes in Mercator, Stichus, vielleicht Vidularia, in See 
gegangen um Handel zu treiben, hat Unglück gehabt und ist ohne 
Geld nach Rom zurückgekommen; da hat er sich in Tagelohn ver- 
dungen und scheint nun, eine rechte Komödiensituation, ein anderer 
als er ist. Das können die Leute die es berichteten nur von Plautus 
selbst, d.h. aus seinen Stücken, erfahren haben oder zu erfahren 
geglaubt haben; eine andere Quelle der Überlieferung ist schlechthin 
undenkbar. Aber jeder Moderne wird fragen, wie die römischen 
Litteraten, als sie sich in den Komödien umsahen um etwas über 
das Leben des Dichters zu erfahren, dazu kommen konnten so ab- 
sonderliche Erlebnisse aus Andeutungen herauszulesen; denn mit 
dürren Worten hatte doch Plautus sicherlich dergleichen nicht er- 
zählt, er konnte nur, vorausgesetzt daß seine Lebenslage der der 
handelnden Personen ähnlich war, mit versteckten Worten darauf 
hindeuten. 

Auch hierauf gibt die entsprechende griechische Überlieferung 
die Antwort. Wir haben es mit einer Schablone zu tun, nach der 
sich Anekdoten dieser Art wie von selbst bildeten. 

[1) Vielmehr ist die Darstellung annalistisch, vgl. Hermes XXXIX (oben 
S. 73 Anm. 2) ; aber wie die Anschauung vor Varro herrschend war, so ist an- 
zunehmen, daß er sie geteilt hat.] 



76 II Leben des Plautus 

Von Kleanthes erzählt Diogenes VII 168: ovxog jigcbxov fjv 
Jivxxrjg, cog cprjoiv AvxLO&evrjg ev diado%aTg' ä(pixojuevog de elg Aftr}- 
vag xeaoagag e%cov dga%judg, xadd cpaoi xiveg, xal Zyjvqwi nagaßaXcbv 
iq?doo6qprjoe. Der frühere Faustkämpfer, der mit 4 Drachmen nach 
Athen kommt, kann natürlich nicht in Bequemlichkeit philosophiren : 
nevrjg cov äyav cogjurjoe juio$0(poge7i>' xal vvxxcog juev ev xdlg xr\noig 
r\vxlei, jue^ fjjuegav de ev xdlg loyotg eyv/uvd£exo. Einmal mußte er 
sich vor Gericht verantworten, woher er seinen Lebensunterhalt 
beziehe: da sei er freigesprochen worden, nachdem er den Gärtner, 
bei dem er Wasser trug, zu Zeugen gerufen xal xrjv älcpcxornjofav nag 
fl xä äX<pixa enexxev. Kleanthes hat also auch in der Mühle gearbeitet. 

Dieselbe Geschichte wird, ohne Angabe des Autors, bei Athe- 
naeus IV p. 168 von Menedemos und Asklepiades erzählt 1 ). Die 
Areopagiten zogen sie vor Gericht, veovg övrag xal nevo^evovg, um 
ihnen dieselbe peinliche Frage zu stellen: xal oT exelevoav juexa- 
Ttejucpfifjvai riva xcbv fxvXw^gwv. elftovxog 6' exetvov xal elnovxog Sri 
vvxxog exdoxfjg xaxiovxeg elg xöv ^ivXöjva xal äXovvxeg ovo dga%/uäg 
äjucpoxegoi Xajußdvovoi , ftavjudoavxeg ol AgeojiayTxat, diaxoolaig dga%- 
juäig exl/u7]oav avxovg. 

Die Geschichte von Plautus ist nichts als eine Variante dieser 
von niemandem geglaubten Anekdoten; entstanden nicht als freier 
Mythus, sondern in Anlehnung an eine Textstelle, aber entstanden 
in Fortwirkung desselben Motivs, das jene und gleichartige griechische 
Geschichtchen erzeugt hat. 

Von Ennius erzählt Hieronymus nach Sueton, er habe gelebt 
parco admodum sumptu contentus et unhis antillae ministerio. Die 
ancilla figurirfc in der hübschen Geschichte, die Cicero von Ennius 
und Nasica erzählt; daher wird sie stammen. Daß es die einzige 
war, sagt Cicero nicht; die una ancilla ist, wie das pistrinum, ein 
Requisit des genügsamen ßlog: Demetrios ev ö/ucovvjuoig erzählte von 
Chrysipp: rjgxeTxo ygatöko juovq) (Diog. L. VII 185) 2 ). Das Motiv 
ist homerisch : Soneg 6 Aaegxrjg, ygrjl ovv äjucpinöXq) (Teles p. 40. 25 H.). 
Die Anekdote über Ennius ist nur eine Variante, diese Geschichten 
stehen in einer Herkunftslinie, gleichviel ob sie von griechischem 
oder römischem Boden stammen. 



1) Vgl. v. Wilamowitz Antigonos S. 87. 

2) Vorher: evtot de cpaoi yeXcoxi ovoxs^svta avxov xskevxfjoai' ovov ya@ xa 
ovxa avxcji (payovxog elnovxa xfj ygal didovvai äxgaxov imggo(pfjoai xq> oveo vjisq- 
xayxaoavxa xeXevxfjocu. [Vgl. Vahlen Ennius 2 S. XII. Aelius Stilo über den Ver- 
trauten des Servilius Geminus im 7. Buch der Annalen : Gell. XII 4, 5.] 



Entstehung der Anekdoten. Naevius 77 

Eine Bestätigung dafür, daß zu der ganzen Erfindung über 
Plautus' Leben einzelne Stellen seiner Komödien den Anlaß gegeben 
haben, liefert die Geschichte von der Einkerkerung und Befreiung 
des Naevius, die Gellius im Zuge des Varroexcerptes als Parallele 
mitteilt. Naevius habe, wie Plautus in der Mühle, so im Gefängnis 
zwei Komödien geschrieben, Hariolum et Lcontem, cum ob assiduam 
maledicentiam et probra in principes civitatis de Graecorum poetarum 
more dicta in vincula Iiomae a triumviris coniectus esset ; dann hätten 
ihn die Volkstribunen befreit, cum in his fdbulis delicta sua et petu- 
lantias dictorum, quibus multos ante laescrat, diluisset. Die jzaQQrjoia 
des Naevius wie sein Gefängnis sind durch Fragmente und durch 
die Stelle des Miles bezeugt, die von den Alten ohne Zweifel richtig 
gedeutet worden ist; daß er nicht im Gefängnis gestorben war, war 
bekannt. Daß er aber in vinculis Komödien geschrieben habe, ist 
so unglaublich wie daß entschuldigende Verse in diesen Komödien 
Anlaß zu seiner Befreiung gegeben hätten x ). Das Wahre daran 
sind die Verse, die auf seine Haft anspielten und vermutlich ent- 
schuldigend oder versöhnlich klangen; mit ihrer Hülfe füllte man 
die Lücke der Überlieferung aus und construirte die Vermittelung 
zwischen Haft und Freiheit. Auch hier lag ein sehr berühmtes 
Muster vor, die gerichtlichen Verfolgungen denen Aristophanes in- 
folge seiner Angriffe auf Kleon ausgesetzt war, für deren Kenntnis 
auch den alten Erklärern nichts zu Gebote stand als die von der 
Sache handelnden Stellen der Acharner und Wespen. Daraus sind 
im ßiog drei Processe gemacht worden; in den Scholien finden sich 
Ausdrücke, die den von Naevius gebrauchten genau entsprechen 2 ): 
ixco/ucodtjoe ydg rag xe xXrjQcoxäg xal xeiQoxovi]xäg ägxdg xal KAecova 
(schol. 378) : ob assiduam maledicentiam et probra in principes civi- 
tatis de Graecorum more dicta; xovg BaßvAcovtovg, iv olg nolXovg 
xaxtbg eljiev (ib., schol. 503 öid xo iv xoTg Baßvloovioig — ecQtjxevai 
xaxä jtokkcov xov 'ÄQiGxocpavrjv): petulantias dictorum quibus multos 
ante laeserat. Es war gewiß gegenüber den Stücken des Naevius 
so berechtigt, Vermutungen über das Tatsächliche zu versuchen, wie 
vor denen des Aristophanes; Naevius selber mag in seinen beschwich- 
tigenden Versen das Vorbild vor Augen gehabt haben, die Verse im 

[1) Marx Ber. d. Sachs. Ges. 1911 S. 71 sondert diese Haft von der im 
Miles erwähnten (wodurch der antiken Interpretation der Milesstelle das Fun- 
dament genommen wird) und deutet das in vincula a triumviris coniectus auf eine 
custodia libera, in der Naevius habe dichten können wie Sokrates und Dracontius.] 

2) Vgl. Platonius p. 3 Kaibel; überhaupt Hermes XXIV 67. 



78 II Leben des Plautus 

Anfang der Wespen 54 sq. und gegen Ende 1284 sq. Aber wie die 
alexandrinischen Gelehrten die Processe des Aristophanes mit ge- 
ringem Glück aus den Komödien erschlossen, so wären die Tat- 
sachen, die die Erklärer des Naevius später aus seinen Andeutungen 
zu gewinnen meinten, für athenische Verhältnisse eher denkbar als 
für das Rom des hannibalischen Krieges. 



Von den Nachrichten über den ßlog des Plautus ist nicht viel 
übrig geblieben; sehen wir wie es mit unserer Kenntnis der %qovoi 
steht. Ritschi (de aetate Plauti, Parerga Kap. II), dessen Ansicht 
noch heute so gut wie unbestritten ist, hat so geschlossen: Plautus 
hat vor 557 schon viele Stücke aufgeführt (Cic. Brut. 73); er hätte, 
der Zeit nach, P. und Cn. Scipio auf der Bühne angreifen können, 
die 542 gefallen sind (Cic. de rep. IV 10, 11); sein Lebensgang 
beweist, daß er erst spät zu dichten begonnen hat, etwa als Dreißig- 
jähriger (Varro bei Gellius III 3) ; den Pseudolus, a. 563, hat er als 
mindestens Sechzigjähriger gedichtet (Cic. de sen. 50): also ist er 
um 500 geboren, seit etwa 530 mit Komödien hervorgetreten. 

Diesen Combinationen stehen gegenüber die festen Daten von 
Aufführungen 554 und 563, das Todesjahr 570 (o. S. 69 f.). Während 
hiernach die produktive Tätigkeit des Plautus mit dem Ende des 
zweiten punischen Krieges beginnt, wird sie, wenn Ritschi richtig 
combinirt, diesem 6 Jahre vorausgeschoben. Wer sich die Dinge 
anschaulich zu machen weiß wird gestehen, daß dieser Unterschied 
für das Verständnis der ganzen ersten Periode der römischen Litte- 
ratur ungemein wichtig ist. 

Das Aufführungsjahr des Stichus gibt natürlich keinen terminus 
post quem. Aber es ist eine bekannte Tatsache daß, soweit über- 
haupt sichere Indicien sich nachweisen lassen, c die Abfassungszeit 
fast aller unserer heutigen plautinischen Dramen in das letzte und 
vorletzte Decennium des Dichters fällt" (Ritschi Parerga S. 117). 
Die ältesten Stücke sind, soweit irgend eine Anspielung sich ver- 
werten läßt, der Miles, der nach v. 210 gegen das Jahr 550, und 
die Cistellaria, die nach v. 202 vor das Jahr 553 zu setzen ist; den 
methodischen Fehler, aus v. 412 der Menaechmi zu schließen, das 
Stück sei vor dem Jahre 438 verfaßt, wird nicht so leicht wieder 
jemand begehen 1 ). Ritschi hat sich das so zurechtgelegt, daß eben 

1) Vgl. Hüffner de Plauti com. exemplis att. p. 48, der überhaupt die 
Sache richtig beurteilt. — Es wäre verfehlt, den Rudens wegen v. 631, wo 



Chronologie des Plautus 79 

<iie Stücke aus der letzten Periode des Dichters erhalten geblieben, 
die aus der früheren teils verloren gegangen teils der sicheren Be- 
zeugung ihres Ursprungs verlustig gegangen seien. Das ist an sich 
sehr denkbar, aber annehmbar nur, wenn äußere Belege vorhanden 
sind, daß Plautus vor dem Jahre 550 überhaupt gedichtet hat; wenn 
nicht, so ist die einzig erlaubte Folgerung, daß die Zeit, in der 
Plautus für die Bühne produktiv war, wie am Ende durch das 
Jahr 570, so am Anfang annähernd durch das Jahr 550 begrenzt ist. 

Die äußeren Belege hat Ritschi in der Abhandlung de aetatePlauti 
nachzuweisen versucht. Der Fehler seiner Argumentation liegt darin, 
daß er Cicero, in dessen Schriften sich alle dahin gehörigen Äuße- 
rungen finden, eine zu genaue Kenntnis von den Lebensverhältnissen 
des Plautus zutraut und eine zu genaue Ausdrucks weise, wenn er 
von solchen Dingen redet. Cicero sagt Brut. 73 multas fabulas do- 
cuerant ante hos consules (a. 557) Plautus et Naevius. Erstens nimmt 
er Plautus mit Naevius, dessen ganze Produktion sicher vor 553 
liegt, zusammen; zweitens kennen wir mindestens 3 Stücke des Plautus, 
die vor 557 liegen. Auch angenommen, es wäre sonst kein Stück 
aus der Zeit vor 557 nach 550 als solches bekannt gewesen, würden 
doch die uns bekannten völlig ausreichen, den Ausdruck des Cicero 
zu rechtfertigen, der nur im annalis des Atticus in der Rubrik der 
res illustres nachsah, ob vor 557 Aufführungsjahre plautinischer 
Stücke verzeichnet wären. Hieraus also lernen wir nicht, daß Plautus 
vor 550 ein Stück aufgeführt habe. 

Cicero ließ de rep. IV 10 den Aemilianus sagen: Periclem violari 
versibus et eos agi in scaena non plus decuit quam si Plautus noster 
voluisset aut Naevius P. et Cn. Scipioni aut Caecilius M. Catoni male- 
dicere. Wenn hier Cicero wirklich die beiden im Jahre 542 gefallenen 
Scipionen im Sinne hatte, so hat er diese gewählt, um für Plautus 
und Naevius 1 ) Männer einer weit zurückliegenden Zeit anzuführen; 

Capua als das italische Hauptemporium für den Handel mit Kyrene bezeichnet 
ist, vor die Vernichtung der politischen Existenz von Capua (a. 543) verlegen 
zu wollen; die Bedeutung des Ortes für den Handel war nach jener Katastrophe 
nicht vermindert. Daß es für den Epidicus (der den Bacchides voraufliegt) ein 
Indicium gibt, das ihn etwa in die Zeit des Stichus rückt, habe ich Vindic. 
Plaut, p. 6 bemerkt. 

1) Wie hier und Brut. 73, so stehen Plautus et Naevius zusammen auch 
Tusc. 1 3 Livius fabulam dedit C. Claudio M. Tuditano cos. anno ante natum 
Ennium; qui fuit maior natu quam Plautus et Naevius; sero igitur a nostris 
poetae vel cogniti vel recepti. Wenn man den Zusammenhang bedenkt, der 
nur beweisen soll daß das Epochenjahr des Livius das älteste ist, so sieht man 



80 II Leben des Plautus 

er hat aber sicherlich nicht sich vorher umgesehen, ob Plautus auch 
wirklich, wie Naevius ohne Zweifel, schon vor 542 Stücke aufgeführt 
hatte; der annalis des Atticus war damals noch nicht geschrieben. 
Es scheint mir aber unabweisbar zu sein, daß wie bei Caecilius an 
den alten Cato, so Cicero bei Plautus und Naevius, wenn er P. Scipio 
nennt, an den großen Publius denkt und gedacht wissen will. Daß 
er dessen Oheim Gnaeus hinzufügt, geschieht weil er den zwei 
Dichtern zwei Scipionen gegenüberstellen will und für den älteren 
Naevius, obwohl dieser ja den Africanus in der Tat angegriffen hat, 
einen älteren Namen wählt. Ohne Zweifel folgt aus dieser Stelle 
für die Lebenszeit des Plautus gar nichts. 

Aber wenn Plautus den Pseudolus im Jahre 563 als Greis ge- 
dichtet hat, so ist ja damit schon so gut wie erwiesen, daß seine 
Produktion vor dem hannibalischen Kriege begonnen hat. Diese 
Folgerung wäre unwidersprechlich; aber ich bestreite, daß aus den 
Worten im Cato maior: quam gaudcbat hello suo Punico Naevius, 
quam Truculento Plautus, quam Pseudolo folgt, Cicero habe gewußt, 
daß Plautus ein hohes Alter erreicht habe. Wir wissen ohnedies, 
daß der Pseudolus in Plautus' letzte Lebenszeit gehört; aus jenen 
Worten folgt nur daß auch der Truculentus hineingehört. Cicero 
fand die Aufführungsjahre beider Stücke in der Zeit kurz vor 
Plautus' Tode verzeichnet; der Dichter alter Zeit am Abend seines 
Lebens ist senex; Cicero gab der Tatsache, daß Truculentus und 
Pseudolus späte Stücke des Plautus seien, in Catos Munde, dem 
Dialogstil entsprechend, einen lebhaften Ausdruck. Es folgt aus 
der Stelle auch, daß Naevius sein Epos in seiner letzten Zeit dichtete; 
von Naevius wissen wir auch, daß er in höherem Alter gestorben 
ist, würden es aber aus dieser Stelle nicht lernen. Von Livius 
(vidi etiam senem Livium) findet Cicero es angebracht zu beweisen, 
daß er alt geworden, auch aus der Chronik, die ihm das erste Auf- 
führungsjahr und das Todesjahr an die Hand gab; daß er es auch 
für Plautus beweisen konnte, folgt aus seinen Worten nicht. 

Wir müssen sagen: nach unserer Kenntnis fällt die Produktion 
des Plautus in die Jahre 550—570. Plautus ist der Nachfolger des 
Naevius, er setzt sein Werk fort, indem er die von Naevius bevor- 
zugte dramatische Gattung, wie später Pacuvius die andere, zu einer 
in sich ruhenden Kunst erhebt, deren Stil den ganzen Mann fordert. 



daß nicht das mindeste Bedenken besteht, qui fuit auf Livius zu beziehen; mit 
der vermeintlichen Interpolation schlägt man dem Satze ein Bein ab. 



Chronologie des Plautus gl 

Zeitlich steht er dem Ennius näher, der im Jahre 550 nach Rom 
kam; aber er steht zwischen beiden, die epochemachende Arbeit 
des Ennius an der römischen Sprache und Verskunst berührt ihn noch 
nicht, und Ennius hat nur schwache Versuche gemacht in das von 
Plautus beherrschte Gebiet einzudringen. Caecilius steht unter dem 
Einfluß des Plautus wie des Ennius, der volle Sieg der ennia- 
nischen Richtung auch auf diesem Felde tritt erst in der Kunst 
des Terenz zutage. 

4 

Wir wissen und die Alten wußten über Plautus nicht mehr als 
uns seine Komödien und sie die größere Zahl der erhaltenen lehrte, 
außer den Notizen, die sie aus den Archiven der Magistrate entnehmen 
konnten und uns zum kleinen Teil überliefert haben. Nur eine 
Möglichkeit gibt es noch, etwas Positives über die Person des Dichters 
zu erschließen, diese gewährt sein Name; denn der römische wie 
der griechische Name muß, wenn er richtig befragt wird, wenigstens 
über den bürgerlichen Stand, oft auch über den äußeren Lebens- 
gang seines Trägers Auskunft geben. 

Daß Plautus aus Sarsina gebürtig war, wird aus den Akten 
über die Aufführungen seiner Stücke ersichtlich gewesen sein, denn 
es war für die Bezeichnung seiner Person und ihres Rechtsstandes 
in einem öffentlichen Dokument wesentlich 1 ). Als Sarsinate war 
er Vmber (Festus p. 238 Vmber Sarsinas) 2 ), nicht, wie er als Pisau- 
renser Ariminenser Spoletiner hätte sein können, römischen oder 
latinischen Rechts; er kam als peregrinus nach Rom und mußte 
wenigstens zunächst als solcher dort leben. Seinen Namen erfahren 
wir durch ihn selbst: er nennt sich in seinen Prologen Plautus, im 
Mercatorprolog gibt er den Genetiv seines Namens Macci Titi, die- 
selbe Form stand, wie ich oben (S. 34) nachgewiesen habe, im Prolog 
der Commorientes, Accius wiederholte sie in seiner Erörterung über 
die Echtheitsfrage. Hieß der Mann nun T. Maccius Plautus? Daß 



1) Ob Livius aus Tarent war ist nicht gewiß, der Geburtsort des Frei- 
gelassenen kümmerte die Behörden nicht; Terenz trug in seinem Sklavennamen 
die Bezeichnung der Heimat. 

2) Most. 770 quid? SarMnatis eequast, si Vmbram non habes? sondert er, 
zum Zweck eines Wortwitzes, die Volksstämme wie Polybius II 24, 7 oi xov 
'AjisvvTvov xaroixovvxeg "Ofißooi aal Zagoivätoi (bei Hannibals Einfall in Italien). 
Die Bevölkerung des Grenzortes und seiner Umgebung hatte einen von der 
übrigen umbrischen Nation abweichenden Charakter entwickelt. 

Leo, Plautiniscfae Forschungen 2. Aufl. 6 



82 U Leben des Plautus 

er nicht M. Accius hieß, darüber will ich kein Wort verlieren 1 ): 
aber mir scheint die Frage nicht richtig gestellt zu sein mit dem 
Dilemma f T. Maccius Plautus oder M. Accius PlautnV. 

Wenn das Zeugnis des Ambrosianus die Sache erledigte, so 
hieße der Dichter T. Maccius Plautus. Im Katalog des Plinius und 
bei Fronto (p. 162N., hier mit dem Schreibfehler Accius) heißt er 
Maccius Plautus 2 ). Wahrscheinlich also hat ihn Probus T. Maccius 
Plautus genannt, vermutlich hat er diesen Namen in den Titeln der 
von ihm gefundenen Texte auch gefunden. Aber damit ist freilich 
die Sache nicht erledigt. 

Außer im Genetiv Macci Titi kommt der Gentilname in den 
Prologen oder sonst in älterer Zeit nicht vor. Den Vers des Asi- 
nariaprologs, in den man, nachdem Marcus abgetan war, Maccius 
einzusetzen versuchen mußte, hat Bücheier (Rhein. Mus. XL1 1 2) 
aufgeklärt, indem er die Überlieferung Maccus vorlit barbare als 
richtig nachwies und zugleich den richtigen Weg zur Auffassung des 
Namens wies. Er nahm an, daß Plautus als Schauspieler den Spitz- 
namen maccus getragen, dann das Bürgerrecht erhalten und nun 
den vollen Namen T. Maccius Plautus angenommen habe. Dagegen 
hätte ich nichts einzuwenden, wenn er sich T. Maccius oder T. Plautius 
genannt hätte; aber der dreifache Name ist bedenklich. 

Die Führung eines festen Cognomen neben Individual- und 
Gentilnamen war lange Zeit ein Vorrecht des Adels 3 ), das sich erst 
allmählich die vornehmen Plebejer aneigneten, das bis ins 7. Jahr- 
hundert hinein den Freien der niederen Stände vorenthalten war. 
Es genügt hier auf die litterarischen Persönlichkeiten Roms in der 

1) Auch Cocchia (Riv. di filol. XIIJ S. 97 ff.) kommt über leere Reden nicht 
hinaus, außer in dem letzten Abschnitt S. 147 — 157, den Hülsen widerlegt hat. 
[Vgl. Cocchia L'origine del gentilizio Plautin o usw., Atti dell' Accad. di Napoli 
XX, 1899; und überhaupt Marx Zeitschr. f. österr. Gymn. 1898 S. 389 ff.] 

2) Varro de 1.1. VII 104 hat der Florentinus Maccius in Casina (v. 267), 
aber daß das völlig gegen Varros Citirweise verstößt, hat Ritschi Parerga S. 26 
bemerkt. Varro nennt [außer VII 77 apud Plautum in Parasito pigro] entweder 
Plautus ohne Nennung des Stückes oder das Stück ohne Nennung des Dichters 
(den Dichter wohl immer in V. VI, vereinzelt VI 73 in Astraba plautine F; apud 
Plautum in Menaechmis de re r. 114, 16.) Der Stelle VII 104 geht voran (von 
98 ab): apud Plautum — apud eundem — apud Ennium — apud Ennium — 
apud Pacuvium — in Aulularia — Enni — Plauti — Caecili — Lucili — eiusdem 
— Porci — Enni — eiusdem 3 mal, dann zwischen zwei Citaten mit corrupten 
oder fehlenden Namen der fragliche Maccius, dann in Colace. Man sieht, daß 
es mit Macci nicht getan ist. 

3) Mommsen Rom. Forsch. I 55 ff., Rom. Staatsr. III 209 ff. 



Namen des Plautus 83 

älteren Litteraturperiode hinzuweisen. Die Prosa ist in den Händen 
der Vornehmen, des Q. Fabius Pictor, L. Cincius Alimentus, M. Por- 
oms Cato ; auf dem Felde der Poesie erscheinen die dreinamigen 
Freigelassenen, L. Livius Andronicus, P. Terentius Afer, die den 
Sklavennamen als Distinktiv ihres bürgerlichen Standes tragen. 
Aber die Römer, Latiner und peregrini, die in der Poesie einen 
Namen haben, heißen Cn. Naevius, Q. Ennius, M. Pacuvius, L. Accius, 
C. Lucilius bis L. Afranius und L. Pomponius, mit unbekannten Vor- 
namen die Atilius Titinius Turpilius. Der einzige dreinamige römische 
Dichter vor T. Quinctius Atta ist T. Maccius Plautus l ) — wenn er je 
im Leben so geheißen hat wie ihn drittehalb Jahrhunderte später 
die Gelehrten nennen. 

Wir wollen zunächst fragen, was die sicheren Namen des Plautus 
zu bedeuten haben. Er hieß nach seinem eigenen Zeugnis Titas, 
Plautus und Maccus. 

Sein Vater, von dem wir nicht wissen wie er hieß, hatte ihn 
Titas genannt. Als er heranwuchs, erhielt der Plattfuß (noch in 
der Heimat nach Festus p. 238) den Spitznamen plautus. Als er 
nach Rom gekommen war und dort auf der Bühne bekannt wurde, 
erhielt Titus den zweiten Beinamen maccus. Nun war er im Besitz 
eines Individualnamens und zweier Spitznamen. 

Hieß er denn von seinem Vater her nur Titus oder Titus Titi? 
Wir kennen das außerlatinische italische Namensystem zu wenig, 
um darauf eine bestimmte Antwort geben zu können. Aber der 
Fall des Plautus mag mit zum Beweise dienen, daß die Einnamig- 
keit in Italien ursprünglich gewesen und nur durch allmähliche Ent- 
wicklung, namentlich durch die Bedürfnisse der öffentlichen Beur- 
kundung, und durch römischen Einfluß die Vielnamigkeit überall, 
schon vor der Latinisirung, zu voller oder halber Herrschaft gelangt 
ist. Die wenigen umbrischen Inschriften mit Namen zeigen, wie die 
faliskischen und übrigen mittelitalischen, keine Einzelnamen; aber 
auf oskischen sind sie nicht ganz selten (Zvet. 77. 117. 134, anders 
griechische 98. 131) und für Rom und Latium ist die Ansicht Varros 
simplicia in Italia fuisse nomina, die er, wenn das Referat im Traktat 
de nominibus richtig ist, nur mit Romulus Remus Faustulus belegte, 
zu Ehren gekommen durch die ältesten Inschriften mit Manios med 
fhefhahed Numasioi, Dvenos med feked. Es ist nur wahrscheinlich, 



[1) Marx a.O. S. 891 bemerkt, daß Hübner Rom. Epigr. (Müllers Handb. T 2 ) 
S. 671 mir in dieser Beobachtung vorangegangen ist.] 

6* 



84 II Leben des Plautus 

daß in dem bis zum hannibalischen Kriege von der Latinisirung 
noch fast unberührten umbrischen Grenzort Sarsina das System der 
Einzelnamen noch nicht verschwuuden war. 

So kam ein umbrischer Titus nach Rom, der sich durch seinen 
Beinamen Plautus von den tausend anderen Titi der niederen Be- 
völkerung unterschied. Als er seine Stücke aufführte, konnte er 
sich in den Prologen, die dem Publikum die Person des Dichters 
bekannt machen oder ins Gedächtnis rufen sollten, nicht mit seinem 
Hausnamen nennen, der nichts Unterscheidendes hatte, wohl aber 
Plautus oder, da er als beliebter Schauspieler diesen Namen erhalten 
hatte, Maccus. Wenn ihn aber die Lust anwandelte, auch einmal 
seinen wirklichen, ihm von Geburt gehörigen Namen vors Publikum 
zu bringen, so mußte er dem Titus ein Zeichen beifügen. Dafür 
standen ihm seine beiden Beinamen zu Gebote; in zwei uns bekannten 
Fällen wählte er den in Rom empfangenen Namen und nannte sein 
Stück den Mercator des maccus Titus. 

Accius machte daraus keinen T. Maccius, sondern behielt den 
Genetiv Macci Titi bei. Später aber, als die Führung des vollen 
dreifachen Namens auch in den niederen Ständen zur allgemeinen 
Sitte geworden war, hielt man es für selbstverständlich, daß das 
Macci Titi der Prologe und des Accius den Genetiv von T. Maccius 
bedeute; an der Umstellung der Namen im Verse konnte man keinen 
besonderen Anstoß nehmen: von Cornelius Lucius bis Cascellius Aulus 
fehlt es nicht an Beispielen dafür 1 ). So hat Plinius, der seinen 
Autoren nur je zwei Namen gibt, den Dichter Maccius Plautus 
genannt, und der Bearbeiter der einen antiken Ausgabe, von der 
wir ein Exemplar besitzen, ihm den vermeintlichen vollen Namen 
T. Maccius Plautus gegeben, während der andere Herausgeber sich 
mit Plautus begnügte. 

Wir können sonach, wie ich meine, nicht mit Bestimmtheit 
sagen, daß Plautus je den Namen T. Maccius geführt hat; wir können 
nicht einmal behaupten, daß er römischer Bürger geworden sei. 
Aber die allgemeinen Umrisse seines Lebensganges und seines bürger- 
lichen Verhältnisses lehrt uns der Name, etwas Specielles der Bei- 
name Maccus. Den konnte er nicht in seiner Eigenschaft als Dichter, 
sondern nur in der als Schauspieler erhalten; Varros in operis arti- 
ficum scaenicorum erhält also eine tatsächliche Bestätigung. In seiner 



1) Wie Pacuvi Marci in der Grabschrift bei Gellius, so Maeci Luci Pilo- 
timi CIL. VI (4) 33919» (CLE. 848). 



Folgerungen 85 

späteren Zeit ist Plautus nicht mehr Schauspieler gewesen; das 
geht aus Bacch. 214 nullam aeque invitus specto, si agit Pellio hervor; 
und schon im J. 554 hat Pellio den Stichus aufgeführt. Es ist also 
sehr wohl möglich, daß er als Schauspieler begonnen und sich zur 
poetischen Produktion durchgearbeitet, dann aber die schauspiele- 
rische Tätigkeit aufgegeben und sich auf die poetische beschränkt 
hat. Wenn dies, wie es der Fall ist, sich mit großer Wahrschein- 
lichkeit aus den bekannten Tatsachen ergibt, so ist es weiter wahr- 
scheinlich, daß der Beiname Maccus nicht im allgemeinen Plautus 
als Bühnenheld und Possenreißer bezeichnen sollte, sondern daß er, 
wie der Name besagt, in der italischen Volksposse als Atellanen- 
spieler berühmt geworden ist. Darauf mag sich Horazens quantus 
sit Dossennus edacibus in parasitis beziehen, darauf, was mich wich- 
tiger dünkt, Poen. prol. 54 Plautus patruus pultiphagonides 1 ). So 
wäre es auch erklärt, daß er als Dichter die Bühne verließ und 
seine Stücke den Palliatenspielern übergab, deren Kunst er nicht 
geübt hatte 2 ;. 

Doch ist mit diesen Umrissen das was in Plautus' Leben das 
Wichtigste ist noch nicht berührt. Gewiß war er in Rom ein Fremder 
niederen Standes, vielleicht hat er es nie über eine sorgenfreie Existenz 
hinaus zu bürgerlichem Ansehen gebracht, denn noch gab es keinen 
tonangebenden Kreis vornehmer Römer, der einen Lebensberuf wie 
den des Plautus respektirte. Aber er hat es in seiner Jugend zu 
einer freien, auf die Kenntnis der griechischen Sprache und der 
klassischen und modernen attischen Komödie gegründeten Bildung 
gebracht, in deren Besitz er dichtete, es ist ihm gelungen, dem 
Umbrer von der gallischen Grenze, in die Tiefen der lateinischen 
Sprache hinabzusteigen und ihr Gold zu heben, ihren Vers zu ver- 
vielfältigen und zu schmeidigen, ihren Geist mit dem der anderen 
Sprache zu vereinen. Ein Talent wie das des Plautus konnte nur 
in beständiger Arbeit, durch unzählige Versuche zu der Meister- 
schaft des Stiles ausgebildet werden, die es erreicht hat. 



1) Vgl. Pomponius* Patruus. — Cure. 150 fite causa mea ludii barbari. 
Rud. 535 quid si aliquo ad ludos me pro mandueo locem? Quapropter? Quia 
pol clare crepito dentibus, vgl. Varro de 1. 1. VII 95 a quo in Atellanis Dos- 
sennum vocant Manducum. 

[2) W. Schulze hat zwar (Lat. Eigenn. S. 298) unstreitig nachgewiesen, 
daß der Name T. Maccus Plautus möglich ist. Aber die Dreinamigkeit ist für 
so alte Zeit (Schulzes Belege sind jung) nicht plausibel gemacht, und aus den 
Namen in den Prologen folgt sie keineswegs.] 



86 II Leben des Plautus 

Diese Erwägung allein schafft den Handelsmann und Müllers- 
knecht aus der Welt, den um Geld Spielenden, um Geld Reisenden, 
um Geld Mahlenden, um Geld Schreibenden, an den Horaz glaubte, 
als er sich die Fehler seiner Dichtung durch das arge gestit enim 
nummum in loculos demittere erklärte. In den Jahren, die man mit 
jenen Surrogaten der Lebensbeschreibung gefüllt hat, hat Plautus 
griechisch gelernt, griechische Dichter gelesen, lateinische Verse 
gemacht, Übersetzungen versucht und verworfen, allmählich sich 
einen Stil erobert, seinen Geist hineingelegt, den Geist des fremden 
Kunstwerkes hineingefaßt. Vielleicht unter Entbehrungen und Ent- 
täuschungen; aber die antike Litterarhistorie hat die unglückliche 
Richtung genommen, sich um die vergessenen Irrgänge und Fehl- 
schritte eifriger zu kümmern als um den Weg und das Ziel. 

Ein Dichter wie Aristophanes, von dessen Leben wir auch nicht 
viel mehr wissen als von dem des Plautus, steht in vollem Leben 
vor uns, denn seine Werke zeigen sein Wesen in allen Kammern 
und seine Entwickelung auf allen Stufen. Plautus dichtet nicht, er 
dichtet nur um; darum zeigen seine Werke keine innere Entwicke- 
lung, Miles und Cistellaria sind zeitlich nahe beieinander, Trucu- 
lentus und Trinummus. Aber in seinem Stile tritt uns doch eine 
volle Persönlichkeit entgegen, in ihm hat sich gestaltet was in dem 
Menschen wirkte und lebte. Wer sich hier in das Leben eines 
Geistes zu vertiefen und mit ihm zu leben weiß, der wird nicht 
weiter viel nach seinem ßlog fragen. 



111 
Plautus und seine Originale 



i 

Die landläufige Beurteilung des Plautus tut ihm zu viel und 
zu wenig. Seine Komödien sind nicht sein, und sie waren schöner 
und besser ehe er sie sich zu eigen machte; aber sein Stil ist ge- 
wachsen, wenn auch aus fremdem Lande verpflanzt, doch im eigenen 
Erdreich. Er hat die Kunst, die in der ersten Epoche der römischen 
Litteratur die neuen Litteraten gewonnen haben, zur freiesten und 
reichsten Entfaltung gebracht, um so freier und reicher da er sie 
in seiner Person auf eine Stilgattung beschränkt hat. Es ist nicht 
mehr aber auch nicht weniger als die Übersetzungskunst. 

Naevius und Ennius haben Anspruch auf den Dichternamen, 
aber Livius und Plautus, Caecilius und Terenz wenigstens nicht in 
dem Sinne den wir wie die Griechen in den Namen poeta legen. 
Die Verwechselung war den Römern von Anfang an geläufig, sie 
haben kein Wort für den Übersetzer, er ist poeta, das Stück Mer- 
cator Macci Tili: graece haec vocatur Empor os Philemonis; oder, wie 
Terenz sich ausdrückt, Synapothnescontes Diphili comoediast, eam 
Commoricntes Plautus fecit fabulam: ükavrog ejzorjoev. Aber doch 
Demophilus scripsit, Maccus vortit barbare 1 ). Die Römer haben nun 
auch angefangen zu dichten; daß sie wiederdichten was die Griechen 
ihnen vorgedichtet haben, macht keinen Unterschied. Aber Plautus 
war sich doch bewußt, wenn er seinen Pseudolus sagen ließ: quasi 
poeta, tabulas cum cepit sibi, quaerit qaod nasquamst gentium, reperit 
tarnen, facit illud veri simile quod mendaciumst, daß er damit, wie 
die Worte nicht sein waren, auch nicht seine Tätigkeit zeichnete. 
Antiphanes durfte so sprechen: navxa Sei evqeiv, övo/uata xatvd, 



1) Vgl. Donat z. prol. Andr. 9 (scribü Terentius, qui verba adhibet tantum; 
facit Menander, qui etiam argumentum componit). Der Archais t Bassulus 
OLE. 97 : Menandri paucas varti scitas fabulas, und dann ipsus etiam sedulo finxi 
novas. Vgl. Plin. ep. VI 21. 



§g III Plautus und seine Originale 

xaiva Jigäy/uara, xatvovg Xoyovg, xäjieira rä dicpxy/ieva irgoxegov, rd 
vvv jzagovra, xr\v xaraorgocp^v, ri]v eloßobjv, Plautus hatte es leichter. 

Diese Verwechselung steht dem im Lichte was die römischen 
Dichter in Wahrheit geleistet haben. Es ist das Größte was der 
römischen /uijuyjois gelungen ist; Panaetius und Posidonius werden 
es besser gewürdigt haben als unsere Literarhistoriker. 

In der Person des Livius Andronicus, wie in seinem Namen, 
stellt sich, an der Schwelle dieser Entwicklung , vordeutend die 
Vereinigung dar, die die römische Kultur mit der griechischen ein- 
gehen sollte. Er hat den "Weg gebahnt, indem er die Kunst des 
Übersetzens erfand, für Rom und die Welt 1 ). Einen Stoff zu über- 
tragen, wie die Landwirtschaft des Mago, dazu bedurfte es keiner 
Kunst. Aber die griechische Poesie umzudichten, ohne daß auch 
nur der Begriff der Umdichtung in fremde Sprache existirt hätte, 
umzudichten in eine Sprache, die weder für die Form noch für den 
poetischen Ausdruck andere als die ursprünglichsten Mittel hatte, 
das war ein großer und zukunftschwerer Gedanke; seine Aus- 
führung vorbereiten erforderte eine mächtige und frei schaffende 
Arbeit. Der halbgriechische Schulmeister Andronicus verdient unsere 
Bewunderung, nicht die Geringschätzung, die ihm die auf seiner 
Straße weitergeschrittene Nachwelt gar bald hat zuteil werden 
lassen. Er hat die Formen der griechischen Dialogverse frei nach- 
geschaffen, genau in dem Geiste der Umformung, in dem er oder 
doch seine Nachfolger die Materie der attischen Dichtung behandelt 
haben. Seine Versgebilde waren so angemessen der römischen 
Rede und ihrem Geiste, daß sich die poetische Kunstsprache fast 
zweier Jahrhunderte in ihren Schranken bewegt hat. Aber er hatte 
Sinn für das Recht und die Macht der ursprünglichen Form; den 
Hexameter ließ er liegen und beugte die homerische Rede unter 
das italische Maß 2 ). Sodann die Sprache; sie dichtete und dachte 
noch für keinen Dilettanten, Form und Inhalt mußten gestaltet 
werden. Wir werden hier nicht dem Andronicus allein zuschreiben 
wollen was die Talente einer Generation geleistet haben; aber ihm 
muß doch ein großer Teil von dem zufallen was bei Plautus, dem 
jüngeren Zeitgenossen, in der Vollendung auftritt. Es ist dasselbe 

1) Hermes XXIV 78. 

2) Daß seine Übersetzung des Epos vor die der Dramen fällt ist möglich, 
aber mir nicht wahrscheinlich; nach meiner Ansicht ist die Technik der Saturnier 
des Livius und Naevius durch die der Dialogverse beeinflußt. Das Drama ver- 
langte jährliche Produktion, das Epos erschien nach langer Arbeit. 



Erfindung der Übersetzungskunst durch Andronicus $X) 

Verhältnis wie in der Bildung der metrischen Formen: Naevius und 
Plautus behalten die Dialogverse des Andronicus bei, aber sie 
gestalten neu die Fülle der lyrischen Maße 1 ). Gleich zu Anfang 
muß die Sprache des Lebens, die noch durch keine Kunst discipli- 
nirt war, ohne analogistische Strenge in Schreibung und Flexions- 
formen gefügig gemacht worden sein ; die Möglichkeiten der poetischen 
Wortbildung mußten erst versucht und erwogen, die griechischen 
Namen latinisirt werden (wobei Andronicus die vorhandenen italischen 
Namen aufnahm), die Bedeutungen der Wörter mußten in ihren Ab- 
stufungen erkannt, ihre Fähigkeit freiere und mannigfaltigere Färbung 
anzunehmen ausgebildet, ein poetischer Wortschatz für Epos und 
Drama aus der Tiefe geschöpft und für die Komödie die Ausdrucks- 
weise des besseren Umgangstones beobachtet und, wie die Formen, 
von der tieferen Schicht geschieden werden. Die Gedanken mußten 
sich den Satz zu Willen machen und die hypotaktischen Satzformen 
zu geschmeidiger Fügung zwingen. Zum Ausdruck neuer Gedanken 
und Gefühle, deren Elemente nur im römischen Geiste schlummerten, 
mußte die Sprache erweckt werden. In Form wie Inhalt konnte 
sich ja der Schöpfer dieser neuen Kunst an die Originale anlehnen; 
durch ihren Inhalt die römische Anschauung zu bereichern war das 
Motiv der ganzen Bewegung; aber es ist doch eine große Erscheinung, 
wie selbständig und im Römischen wurzelnd die Entwickelung sich 
vollzog. Gräcismen gibt es in der altrömischen poetischen Sprache 
überhaupt nicht. 

Das Epos gab in Erzählung und Rede die einfacheren Formen 
der Satzbildung an die Hand ; die kurzen Verse des nationalen Maßes 
beförderten die Einfachheit des Ausdrucks, denn Vers und Satz gehen 
ursprünglich zusammen; so hat das Gedicht im altertümlichen Verse 
auch sprachlich ein altertümlicheres Ansehen. Das Drama verlangte 
mit der größeren Lebendigkeit und Mannigfaltigkeit seines Stoffes 
eine freiere Gestaltung der Sprache. 

Von der angedeuteten Art waren die Vorbedingungen für jede 
Übertragung der griechischen Poesie. Wie sich der einzelne Über- 
setzer zu den Originalen verhielt, das können wir in ganzen Werken 
erst an Plautus, und auch da nicht durch direkte Vergleichung sehen. 
Ob er immer gleichmäßig verfuhr, lehrt uns leichter die Betrachtung 
der Stücke. Ob das Princip seiner Kunst in ihm selbst ruhte oder 
überkommen war, ob seine Produktion eine Phase in einer stetigen 



1) Rhein. Mus. XL 166. 202. 



90 III Plautus und seine Originale 

Entwickelung der römischen Übersetzungskunst bedeutet, diese 
wichtigste Vorfrage zu beantworten haben wir nur die Reste der 
älteren Gedichte. 

Wir besitzen von Epos und Drama des Andronicus ungefähr je 
40 Verse *) ; das ist ein geringes Material. Die Bruchstücke der 
Odyssee können wir am Original messen. Dem Titel scheint er die 
griechische Form selbst gelassen zn haben, aber der Held wie das 
göttliche Personal trägt italische oder italisirte, das übrige mensch- 
liche Personal latinisirte Namen: Camena Moria Moneta, Satumus 
Mercurius Latona, Codes y Laertius, flektirt Calupsonem Circae usw. 
Wie weit sich Form und Ausdruck vom Original entfernen, zeigt 
jeder Vers; ob die Übersetzung durch eigenen Stil einen einheit- 
lichen, altrömischer Art gemäßeren Eindruck hervorbrachte, reichen 
die Reste zu erkennen nicht aus, aber ebensowenig zu modern 
voraussetzungslosen, absoluten Urteilen wie man sie zu hören gewohnt 
ist, die, soweit sie berechtigt sind, auf jede beginnende Kunstübung 
zutreffen. Ich will nur versuchen, einige für Art und Vermögen des 
Übersetzers charakteristische Erscheinungen zu finden. Ein größeres 
Stück von etwas gehobenem Ausdruck ist frg. 22 Bahr, narnque 
nulluni peius macer at homonem quam de mare saevom: vires quoi sunt 
magnae, topper confringent importunae tmdae 2 ), nach ß 138 ov ydg 



1) Die Odyssee ist in der älteren und in der Archaistenzeit grammatisch 
verwertet worden. Die Tragödien zu antiquiren hat schon Naevius das Seinige 
getan: Danae und Equos Troianus hat er neu bearbeitet. Schon Cicero las 
sie nicht mehr; wenn er sagt non dignae qtiae iterum legantur, so möchte ich 
daraus nicht schließen, daß er sie einmal gelesen hat; wohl aber Varro (de 
1. 1. VII 3). Die Archaisten brachten sie wieder auf. Fragmente hat mit Tragö- 
dientiteln nur Nonius, ohne Titel nur das Fragment p. 197, 31, das aber zur 
Komödie zu schreiben, die bei Nonius nicht vorkommt, bedenklich wäre ; Festus 
nur ohne Titel, wenigstens frg. ine. 2 sq. und 8 aus Ateius Philologus (so p. 162 
richtig ergänzt von Reitzenstein Verr. Forsch. 91) ; außerdem ein Vers bei 
Priscian I p. 231 als Anhängsel eines Odysseecitats. Komödie hat nur Festus, 
und zwar mit Titeln, 2 Fragmente, eines aus Cincius; ine. 2, aus Ateius Philo- 
logus, könnte zur Tragödie gehören, schwerlich zur Odyssee; v. 3 und frg. 
ine. 3 hat beide wie mir scheint mit Recht L. Müller Livi et Naevi fab. rel. 
p. 29. 45 sq. dem Livius abgesprochen, v. 3 kann man ergänzen (ornati) orna- 
mmto incedunt gnöbili ignobiles, d. h. (wie Bothe schrieb) gnobilid. Die Komödien 
wurden gleich durch Naevius völlig in den Schatten gestellt und von den 
Archaisten nicht wieder hervorgezogen. 

2) Auf das Metrum lasse ich mich hier nicht ein und citire nur einen 
verständlichen Text. Daß ich die Saturnier für italische Verse halte und nicht 
für das metrische Kauderwelsch, das jetzt modern ist in sie hineinzulesen, 



Andronicus als Übersetzer 91 

eyo') ye xi (prjjul xaxonegov aXXo &akäoor]g avöga ye ovy%evai, e! xal 
IxaXa xagxsgög eirj. Der Übersetzer hat ovy/jvat confundere durch 
zwei Verba gegeben, die parataktisch aneinandergereihte Sätze be- 
herrschen 1 ), macerat und confringcnt, beide nach Art ungeübter Über- 
setzer nicht das Bild wiedergebend sondern die Wirkung umschreibend ; 
confringent hat er aber aus dem vorhergehenden xaxoToi ovvEggrjxxat 
tcoXeeogiv (137), wir könnten also die Übersetzung doch erst beur- 
teilen, wenn wir auch den vorigen Vers hätten. Ferner, die Unsitte 
schlechter und auch guter Übersetzer, die Hauptwörter des Originals 
durch Adjektiva herauszuputzen, finden wir hier schon in der Wiege 
der Kunst: saevae und imporümae sind zugesetzt; aber auch hier 
finden wir, dal.) Andronicus seinen Stoff nicht aus der Luft griff: 
importunae ist aus v. 231 entnommen: Xinv yäg aeixeUayg edajuäo&rjv 
xvjuaoiv ev noXloTg. Auch topper ist zugesetzt. Ohne Zweifel hat 
Andronicus den Ausdruck der Stelle ohne poetischen Gewinn ver- 
breitert. Andere Zusätze zeigen, daß er absichtlich einen römisch 
feierlicheren Schritt annahm; der Calypso setzt er hinzu Atlantis 
filia, die Muse umschreibt er diva Monetas filia, noxvia "Hgrj sancta 
paer Saüirni — regina 2 ). So gibt er aber auch aVaf exdegyog 
AnoXhov durch fdius Latonas, fteocpiv /üh'jotcüq dxdkavxog durch vir 
summus adprimus, ohne viel zu wählen. Doch wie in frg. 22 hat 
er offenbar oft einen poetischen Ausdruck gesucht; er gibt (frg. 17) 
'Odvoofjog Xvxo yovvaxa xal qnlov qxog wieder Vlixi cor frixit prae 
pavore, ein anderes Bild statt des homerischen; aber freilich kann er 
auch hier im folgenden Verse den Ausdruck erweitert haben 3 ). Die 
einfache Anaphora des Originals hat er fortgelassen frg. 23 (Mercu- 
rius cumqae eo filnts Latonas: fjffi Egiovvrjg'EgjUEtag, tjX'&ev de äva£ 
Exdegyog AtzöXXojv), das xmT öXov xal juegog wie den anschaulichen 
Ausdruck frg. 3 (niea puera, quid verbi ex tuo ore supera fugit : xexvov 
ejuov, noTov oe Enog q>vyEv sgxog ööovxcov;); daß er dagegen frg. 4 
die unpassende Apostrophe hineingebracht hätte, ist nicht glaublich 4 ). 

brauche ich wohl nicht zu sagen. [Der Saturnische Vers, Abh. d. Gott. Ges. d. 
Wiss. N. F. VIII 5, 1905. Auf diese Abhandlung verweise ich auch für die 
einzelnen Stellen.] 

1) Bei Festus steht viret cui sunt, man brächte etiam gern hinein, aber et 
quoi geht doch nicht. 

2) Vgl. Zander versus Italici antiqui zu trg. 15. 

3) Frg. 18 kann kaum zur Odyssee gehören. 

4) neque tarnen te oblitus sum, Laertie noster paßt nur mit seinem Verbum 
in et, nach Person und Situation eher in £ (144) oder v (205); auch an v 339 
oder v 47 kann man denken. — Die Hexameter bei Priscian berücksichtige ich 



92 III Plautus und seine Originale 

Der Anfangsvers zeigt in der Wahl des etymologisch entsprechenden 
Verbums insece, das zwar nicht verschollen (Cato wendet es an), 
aber gewiß nur für hohen Stil geschickt war, sicheren Takt; der 
Ausdruck wurde für Ennius vorbildlich (Gellius XVIII 9). Ob Livius 
wirklich in dieser Weise Vers für Vers übersetzt oder das Original 
auch frei behandelt und gekürzt hat, ist leider nicht auszumachen; 
die einzige Stelle die einen Anhalt geben könnte, Festus 352 
(frg. 28), ist gar zu unsicher 1 ). 

Ahnliches Wählen des poetischen Ausdrucks beobachten wir in 
der Tragödie; v. 38 lacteam immulgens opem ist sehr gesucht und 
gewiß nicht Imitation der griechischen Wendung (Vergil Aen. XI 
572 teneris immulgens ubera labris), v. 37 und 5 sehr zierlich; flos 
Liberi v. 30, olvog av&eog öodtov, ist als stehender Ausdruck ge- 
blieben: Plaut. Cist. 127 Cas. 640 Cure. 96. 99 Pacuv. 291 Lucr. 
III 221 2 ). Wirklich vergleichen können wir nur an einer Stelle, 
v. 16 mit Sophokles Aias 1 266 3 ). Der Vers ist nur leicht verdorben 
und sicher emendirt: praestatur laus virtuti, sed midto ocius verno 
gelu tabescit; so hat Andronicus die Worte übersetzt: <pev, tov ftavov- 
rog cos Ta%eid ug ßgorolg x^Q^ diaggei xal tzqoöovo dkloxerai. Er 
mag sowohl den Ausruf im vorigen Verse als die Beziehung auf 
den Toten im nächsten gebracht haben; aber zweierlei liegt vor: 
die xÜQ c s na * er S ar nicht sinngemäß übersetzt, dagegen schwer- 
fällig und gegen die Absicht des Dichters, der das Positive nicht 
betonen wollte, in einen eigenen Satz umgesetzt; sodann hat ihn 
die leicht übertragende Wendung ra%Eia diaggeT, deren bildliches 

natürlich nicht, frg. 31 gehört in die Komödie (ine. 1 Ribb.): aff'atim edi bibi 
lusi, die Sardanapalische Weisheit, ko&ie mve naTCe. 

1) Havet de Sat. p. 306 scheint mir darin recht zu haben, daß topper 
citi ad aedis venimus Oircae nur in den Zusammenhang von h 445 sq. paßt. Das 
Folgende (simul dona eorum portant ad navis, multa alia in isdem inserinuntur) 
stimmt besser zu v 70 sq. als zu p 16 [vgl. d. Sat. Vers 47 Anm. 6: £262 sq.]; 
vorher muß ein Vers mit topper ausgefallen sein (alya v 71 [£ 263]). Unerklär- 
lich bleibt die Mehrzahl der Schiffe. 

2) Dagegen technisch der Schaum: Cato agri c. 11,2, Columella, Plinius, 
so wohl Caecil. 190. 

3) Wenn der Aegisthus nach Aeschylus gearbeitet wäre, so müßten wir 
auch da vergleichen können; aber ihm liegt dieselbe jüngere Tragödie zu- 
grunde, die Seneca im Agamemnon hinzugezogen hat, vgl. Strauß in der auf 
S. 26 Anm. 2 angeführten Abhandlung S. 36 ff. Die Übereinstimmungen beweisen 
genauere Übertragung. Frg. 8 ist wohl zu schreiben quin, quod parere vos maiestas 
mea procat, toleratis templo (leto)que hanc deäucitis? r hebt sie aus dem heiligen 
Bezirk und führt sie zum Tode'; vgl. Sen. Ag. 951. 986. 997. 



Andronicus. Naevius' Komödie 93 

Element durch das verbundene tiqoöovg dklaxerai wieder aufgehoben 
wird, dazu angeregt ein poetisches Bild zu suchen und mit anschau- 
lichem und gewähltem Ausdruck durchzuführen. Darin zeigt sich 
zwar keine Tendenz zu gewissenhafter Übertragung, aber poetische 
Anlage, der der Übersetzer offenbar frei und sorglos Raum läßt. 
Es ist die Richtungslinie, in der sich alle Folgenden bewegen. 

Naevius nahm einen kühnen und raschen Flug, der Campaner 
und Soldat, wo der Halbgrieche und Schulmeister mühsam voran- 
geschritten war. Er wollte seinem Volke ein Epos von eignem 
Fleisch und Blut geben und die Kunstform der Tragödie mit 
römischen Sagen und Taten beleben. Die Geschichte ist über ihn 
weggeschritten, durch Ennius gelangte das Hellenentum in der 
römischen Litteratur zum endgültigen Siege, aber sein Name ver- 
dient neben Vergil genannt zu werden, vielleicht dem letzten der 
ihn zu würdigen wußte. In ihm vereinigten sich zwei Personen, 
der frei schaffende Dichter und der nachdichtende Bearbeiter fremder 
Stücke, wie sie die Bühne verlangte. Daß er auch auf diesem 
Gebiete mehr wollte als Livius, zeigt seine Behandlung der gleichen 
Tragödienstoffe (oben S. 87 A. 1); in der Komödie sind es drei Punkte 
an denen wir den energisch durchgreifenden Neuerer erkennen. Wir 
haben das Zeugnis des Terenz, daß er mit einem Original Teile 
eines anderen verband, um Stoff und Handlung zu häufen; daß er 
der erste war, ist ex silentio wenigstens ein wahrscheinlicher Schluß. 
Zum andern suchte er den Ton der attischen 7iagg7]oia, und zwar 
der alten Komödie, auf der römischen Bühne einzuführen (S. 77); 
das war nur möglich wenn er sich vom Original unabhängig machte 
und in freier Rede erging. Drittens brachte er Elemente römischen 
Lebens in seine Bearbeitungen attischer Komödien hinein, und zwar 
nicht nur wie wir es aus Plautus kennen in beliebiger Mischung mit 
dem attischen Stoff; der Hariolus muß geradezu auf römischen 
Boden versetzt gewesen sein; denn wo sonst könnte eine Person 
des Stückes auf die Frage quis heri apud te? antworten: Praenestini 
et Lanuvini hospites. Er hat ohne Zweifel die togata vorgebildet 
und, wie es scheint, schon einzelne togatae wie einzelne praetextatae 
geschrieben 1 ). 

Talent und Neigung führten ihn zur Komödie ; als comicus war 
er bei Sueton bezeichnet (Hieronymus). Daß wir mehr Komödien 
von ihm kennen als Tragödien, würde an sich nichts beweisen; aber 



[1) Vgl. Kiessling-Heinze zn Horaz A. P. 285. | 



94 HI Plautus und seine Originale 

es beweist in diesem Falle, da die Überlieferung nicht zufällig ist: 
Varro und Festus lassen seine Tragödien fast unbeachtet, wie auch 
Iulius Romanus; ohne Nonius wären sie so gut wie verschollen 1 ). 
Die Komödien aber sind in beiden Perioden der römischen Gelehr- 
samkeit gleichmäßig herangezogen worden. Als Komiker hat Naevius 
den Anstoß gegeben, dem Plautus gefolgt ist, die Gattung als solche 
selbständig zu machen; die Tragiker folgten erst nach Ennius. 

InLivius Naevius Ennius tritt der Charakter der römischen Poesie 
als einer Übersetzerkunst darin vor allem hervor, daß sie tun was 
dem Attiker ein sokratisches Paradoxon ist: rov amov ävdgog elvai 
xcojjLCödiav xal igayqydiav emoraoftai noieiv xal rov reyvij rgaycodo- 
noibv övra xal xoojurpdojioibv elvai. Plautus macht in der Geschichte 
der römischen Litteratur eben dadurch Epoche, daß er die Komödie 
und den Komiker von der Tragödie und dem Tragiker, dem Epos 
und dem Epiker sondert und zunächst die Komödie zu einer im 
Dichter verkörperten und auf sich angewiesenen Kunst macht; enel 
ovöe rä doxovvra eyyvg äXXrjkayv elvai ovo juijurjjuara dvvavrai ol 
avrol äjua ei) /tiijueloftai, ofov xoj/ucodiav xal rgaycodiav noiovvreg. Von 
außen drängte das wachsende Bedürfnis der Bühne zu dieser Ent- 
wicklung, aber sie vollzog sich auch mit innerer Notwendigkeit. 
Von Plautus an verlangt der Stil seinen Mann, Plautus Caecilius 
Terenz sind sowenig als Übersetzer wie Aristophanes und Menander 
als Dichter von Tragödien zu denken. Ennius war der letzte, der 
die drei Gattungen in seiner Person vereinigen durfte; an ihm sahen 
es die Zeitgenossen deutlich, daß der Epiker und Tragiker von der 
Komödie seine Hand lassen sollte. Volcacius spricht das Urteil 
aus, das die anderen bestätigen, indem sie seine Komödie 2 ) so un- 

1) Trag. frg. ine. 1. 4. 6. 8. 10 hat Ribbeck schwerlich mit Recht der 
Tragödie zugewiesen. Varro VII 107 beginnt die alphabetische Reihe erst mit 
(Jlmtidinm, in ihr sind Komödie und praetextata ineinander geordnet; vorauf 
geht Hesiona, das einzige Tragödien« tat. Hier zeigt sich deutlich, daß Varro 
die Stücke jener beiden Gattungen excerpirt und aus der Tragödie nur gelegent- 
lich eine Glosse nachgetragen hat. ßüchelers Aesiona (Rhein. Mus. XXVII 475) 
erklärt diese Vereinzelung nicht. 

2) Sie ist verschollen bis auf 4 Citate des Nonius (2 Titel). Den Vers bei 
Diomedes p. 400 (com. v. 5 R.) hat L. Müller mit Evidenz den Annalen zu- 
geschrieben ; zu lesen wird sein quin quod do nolite morare sed aeeipite (a nie), 
die Ergänzung von Bährens. [Hieran zweifle ich jetzt wegen der den Annalen 
fremden Synalöphe, die man durch die Ergänzung in den Vers bringen müßte. 
Vahlens Polemik (Ber. d. Berl. Akad. 1899 S. 270ft.) und seine Lösung mit drei- 
facher Änderung (V. 424) sind nicht überzeugend; er bleibt auch dabei, von 
Varro und Festus ohne Titel citirte Verse der Komödie zuzuweisen.] 



Die Trennung der Gattungeu durch Plautus 95 

erwähnt lassen wie die Tragödie des Naevius. Die Ausbildung, die 
der tragische Stil durch ihn gefunden hatte, veranlaßte den Pacu- 
vius, dem Beispiel des Plautus zu folgen. Die metrischen Formen 
zwar waren für Tragödie und Komödie ausgeglichen; aber auch die 
Schauspielkunst folgte der Dichtung oder ging ihr, nach dem Muster 
der Techniten, voran und sonderte sich in tragische und komische. 
Von Pellio darf man noch bezweifeln ob er nur Komödie spielte, 
von Turpio nicht mehr 1 ). 

Dem andern Impuls aber, der von Naevius ausging, die Komödie 
zu einer römischen Gattung zu machen, ist Plautus nicht gefolgt, 
ja er hat, wenn auch auf der Bahn des Naevius, einen Schritt zurück- 
getan. Er hat die Stimme des Genius, der ihn zum Dichter machen 
wollte, überhört und ist Übersetzer geblieben, sehr zum Schaden 
der römischen Litteratur; man darf sagen daß er der Mann gewesen 
wäre, eine togata mit mehr römischem Blut zu schaffen als später 
Afranius, der sich Menanders Pallium als Toga aptirte. Aber 
Handlung und Charakter, Kostüm und Scenerie des Griechen, die 
er beibehielt, mit souveräner Freiheit zu behandeln hatte er von 
Naevius gelernt. An einzelnen Beispielen es direkt nachzuweisen 
gestattet unser Material nicht; wir wollen daher die Stellen, an 
denen dies für die Dramatiker neben und nach ihm möglich ist, 
und die Entwickelung, die sich da erkennen läßt, noch mit einem 
Blicke streifen. 

Ennius hat was ihm an der schöpferischen Produktion des 
Naevius lebensfähig schien und der römischen Nobilität erfreulich 
war beibehalten: den römischen Stoff des Epos und die praetextata; 
jenen goß er in die griechische Form und verdunkelte so das Werk 
des Vorgängers, diese kannte keine andere Form als die der Tra- 
gödie. Aber der Gedanke, die attische Tragödie vor ihr verschwinden 
zu lassen, lag ihm gänzlich fern, das Ziel das er bewußt erstrebte 
war die Herrschaft des modernen hellenischen Geistes in der 
römischen Kultur, die er sich berufen fühlte mit heraufzuführen. 
Darum stellte er auf der tragischen Bühne Euripides in die erste 
Linie. Wie er die Aufgabe löste, seinen Geist und seine Rede zu 



[1) Plato Pol. III3W) a dir ovös toi {moxQtrai xco/ucodoTg ts xal rgaycpöoTg 
ol avToi. Dagegen Cicero Or. 109 sed et comoedum in tragoediis et tragoeämn in 
comoeäiis aäniodum placere vidinms , besondere Virtuosenieistimg, wie der Zn- 
sammenhang zeigt. Irrtümlich schol. Luc. p. 58 sq. Rabe Tlwlog xal 3 Aqiot6- 
ötjfiog vjioxQixai jreoKpavFig' vjiexqivovto ovr fv raig xoaycodiaig y.al raTg xcofico- 
diaig xal fteovg. Vgl. A. Müller Griech. Bühnenaltert. 188.] 



96 III Plautus und seine Originale 

romanisiren, liegt in einer Reihe charakteristischer Beispiele vor Augen, 
die oft behandelt worden sind; am deutlichsten in den Fragmenten 
der Medea. Eine durchgreifende Änderung, die für die Anlage der 
Tragödien bestimmend ist, zeigt die Behandlung der lyrischen Partien. 
Alle sicheren Beispiele gesungener Verse in den Tragödienfragmenten 
des Ennius sind aus Monodien ; alle sicheren Chorverse der Originale 
sind in Dialogverse übertragen. In der Medea sind die Trimeter 
1069 sq. in Daktylen übersetzt, die leidenschaftliche Rede als Lied 
gegeben (frg. 13); die Parodos und das dochmische Chorlied 1251 
im Dialogmaß (frg. 4. 14). Es ist sehr wahrscheinlich daß Ennius 
wie Plautus nur Monodie und Wechselgesang einzelner Personen, 
also auch des Chorführers x ) gekannt hat, daß der älteren römischen 
Bühne überhaupt der Chorgesang unbekannt war; die Stellung des 
Chors in der Handlung wurde dadurch bewahrt 2 ), die Übersetzung 
freilich mußte in den wichtigsten Partien das Original wesentlich 
umgestalten. In die Aulische Iphigenie hat Ennius einen Soldaten- 
chor eingeführt, der in Septenaren spricht (v. 183 sq.). Für die 
grjoetg wählt Ennius mit Vorliebe den Septenar: in der Medea sind 
die beiden ersten großen Reden Medeas (214 sq. und 364 sq.) wie 
die des Iason (522 sq.) aus Trimetern trochäisch geworden (frg. 5. 
8. 11). Für den Stil besonders bezeichnend ist die rhetorische Er- 

1) Frg. 16, wohl aus Eur. v. 431, hat Ennius vielleicht der Chorführerin 
im Singgespräch mit Medea gegeben, vgl. Eur. v. 386 sq. 

2) Die Stellung des Chors in der römischen Tragödie verlangt unserer 
neuen Kenntnis vom griechischen Theater gemäß nach Grysar (Wiener Sitz.- 
Ber. XV, 1855, 384 ff.) und 0. Jahn (Hermes II 227) eine neue Behandlung. Daß 
das Auftreten des Chors auf demselben Terrain mit den Schauspielern keine 
Änderung der griechischen Art bedeutet, wissen wir jetzt. Pacuvius und Accius 
haben sicher lyrische Chorverse, aber die Art des Vortrags ist dadurch nicht 
bestimmt. Livius VII 2 weiß nichts von Chorlied; Diomedes p. 491, 27 und 
Donat praef. And. p. 39, 1 W. (vgl. de com. c. 3, 1) beweisen der eine nicht für 
römischen, der andere nicht für alten Gebrauch. Daß Plautus comoediae choros 
exemplo Graecorum inseruit (Rhein. Mus. XXVIII 419), beweist nichts für die 
Vortragsweise, es betrifft die advocati im Poenulus so gut wie die Fischer im 
Rudens, die Worte spricht nur einer, wohl auch für die grex oder caterva am 
Schlüsse. Chorgesang auf der Bühne ist nicht vor Cicero und Horaz bezeugt. 
Bei Seneca finden wir die äußerste Consequenz der in Euripides' späten Stücken 
begonnenen und dann fortgeführten Entwicklung, durch die der Chor von der 
Handlung gelöst und endlich räumlich von den Handelnden getrennt Zwischen- 
aktslieder singt. [Vgl. Bethe Proleg. z. Gesch. d. Theaters 248 ff. und zu diesem 
und anderem meine Bemerkungen Monol. im Dr. S. 40 Anm. 2: genauer De trag. 
Rom. obs. crit. (Progr. Gott. 1910) p. 12 sq. — Lindskog Studien zum ant. Drama 
II 32 ff., dazu Rhein. Mus. LH 511.] 



Ennius als Übersetzer 97 

Weiterung und Ausschmückung in frg. 9, die Ersetzung des gegen- 
ständlichen Bildes durch eine figura frg. 1 1 x ), die poetische Auf- 
stutzung des einfachen exXvov <pcoväv durch die Worte fluctus verbo- 
rum aures aucupant frg. 4. Im Eingang des Liedes v. 1251 setzt 
er Iuppiter statt JHa, paraphrasirt die jra/ucparjg dxrlg mit breiten 
Worten und drängt dagegen xarlder 1 I'öete rdv ökojuevav yvvaixa 
tzqIv cpoiviav TExvoig TtQooßaXeTv #££>' avroxrövov so zusammen: in- 
spice hoc facinus: priusquam fiat prohibessis scelus. Gleichfalls ver- 
kürzt ohne Bemühung, den schönen und gewählten Ausdruck des 
Originals wiederzugeben, sind frg. 2. 7 ; gänzlich mißverstanden die 
nicht leicht zu verstehenden Verse 215 sq. in frg. 5. Mehrere dieser 
Erscheinungen finden sich auch in den berühmten Eingangsversen, 
z. B. egcon fivjuöv EXTilayeTo' 'Idoovog durch doppelten Ausdruck, 
der beidemal nicht trifft, wiedergegeben: animo aegra, amore saevo 
saucia. Aber diese Verse lehren uns etwas Wichtigeres, um dessen 
willen ich sie hersetzen muß: 

utinam ne in nemore Pelio securibus 
caesa accidisset abiegna ad terram trabes, 
neve inde navis incohandi exordium 
coepisset, quae nunc nominatur nomine 
Argo, quia Argivi in ea delecti viri 
vecti petebant pellem inauratam arietis 
Colchis, imperio regis Peliae, per dolum. 
nam numquam e. q. s. 

Vergleichen wir dies mit dem Original: 

eW &odeV 'Agyovg fii] diamdoßcu oxdqjog 
K6A%cov ig alav xvaveag Zvfxjikrjydöag, 
/urjd iv vdjiaioi IlrjXtov tieoeTv jzote 
T,jur]$E7oa tzevxi], ju^d' eqetjucoöcu %igag 
ävdgcov ägioxECOv, <n to Ttdy%qvGOv digag 
ÜeUo, jU£T7]h%V ov ydg xte 2 ) 

so finden wir zunächst, daß Ennius nur 3^2 Verse übersetzt und zwar 
in 7 Versen, von denen einer das ITsXia erläutert, zwei bis drei die 



1) ^Egcog ö" rjvdyxaosv Tog~oig dcpvxtocg tov(xov ixocbocu defiag wiedergegeben 
durch tu me amoris magis quam honoris servavisti gratia. Eumen. frg. 1 eine 
Sentenz wie Epid. 59 statt ijiiora^ac Xeyeiv ojzov dixrj oiyäv #' 6/uoicog. 

2) Ennius hat sich die herrliche Wirkung entgehen lassen, mit der Euri- 
pides den Nachsatz statt mit neuem Verse nach der Cäsur mitten im Verse 
beginnen läßt. 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 7 



98 HI Plautus und seine Originale 

Etymologie des Namens Argo geben und betonen daß es das erste 
Schiff gewesen. Dies letzte wie die Andeutung der Vorgeschichte 
mochte Ennius seinen Zuschauern zu liefern nötig finden; nach 
Quellen dafür braucht man nicht zu suchen. Aber daß er die Ety- 
mologie des Namens gibt, ist auffallend. Es zeigt ja, so schlecht 
es zum jiaftrjTixov dieses Eingangs paßt, daß er sich in den trockenen 
Stil der späteren Euripideischen Prologe wohl eingelebt hatte; aber 
das allein konnte ihn doch nicht dazu veranlassen, den zum Ver- 
ständnis nicht erforderlichen Zusatz zu machen; dazu kommt die 
Seltenheit der von ihm vorgebrachten Etymologie. Die gangbaren 
sind die vom Erbauer und von ägyog, die beide in unseren Pariser 
Scholien stehen und sich in allen Nebenquellen finden *) ; dazu 
kommt aber in einem anderen Excerpt des vollständigeren Commen- 
tars im Etymologicum magnum s. Agyd) die Etymologie fj ou ev 
"Agyei rfj noXei xareoxevdod'7} , cbg c Hyrjoavdgog 6 lorogixög (nicht 
e Hyrjoi7i7iog lorogeT), bestätigt durch Tzetzes zu Lykophr. 883: es ist 
die Etymologie der Ennius folgt, und damit ergibt sich der wahr- 
scheinliche Schluß daß er sie von einem Erklärer hat. Dies be- 
stätigt sich durch die Abweichung im Anfang. Wie kam er nur 
dazu, die Wirkung der schönen Rede so kümmerlich abzuschwächen 
und von den beiden ersten Versen nichts als die Namen übrig zu 
lassen? Dies Rätsel löst das Scholion, das im Vaticanus (Schwartz 
p. 138) und im Parisinus (p. 140) steht: enatvelxai de fj eioßoh) öiä 
rb na$r\Tix(bg äyav e%eiv xal fj ene^egyaola c jLirjö y ev vdnaioi xal rä 
e£fjg (A), 6 de Tijua%ldag rbv rgöjiov äyvofjoag noir\xixbv bvxa rq) 
voregq) Jtgwrcp cprjol xe%grJG$ai — ' ngoregov ydg (pr]oi cpvvai rä devdga, 
effl ovtcog xaxaoxevao^r\vai xr\v 'Agycb. Vgl. schol. 167 2 ). Die schlechte 
schematische Erklärung, die hier zurückgewiesen wird, die vielleicht, 
wie der Anfang des Scholions andeutet, gleich als Tadel gegen Euri- 
pides gefaßt war, hat gewirkt: Ennius will nicht mit den Symple- 
gaden beginnen und zum Pelion zurückschreiten, sondern die natür- 
liche Folge der Begebenheiten einhalten, da hat in der ausführ- 
licheren Erzählung das diajirdo^at keine passende Stelle mehr. Seine 
Übersetzung ist also durch Grrammatikermeinung beeinflußt, er hat 
schon gearbeitet wie später Valerius Flaccus und Germanicus 3 ). 
Die Zeit des Hegesander von Salamis ist nicht zu bestimmen, auch 



1) Die Stellen bei Schwartz schol. II p. 140. 

2) Vgl. über den Anfang der Phoenissen schol. 4 p. 247. 
[3) Vgl. De trag. Rom. p. 4 sq.] 



Ennius und Terenz als Übersetzer 99 

nicht mit Sicherheit die des Timachidas l ) ; es läßt sich aber auch 
nicht behaupten, daß sie die Urheber der von ihnen angeführten 
Meinungen seien. 

Cicero sagt einmal von Ennius' Medea und Pacuvius' Antiopa 
(die er übrigens nicht ihrer speciellen Eigenschaften wegen, sondern 
als typische Beispiele anführt), sie seien ad verbum e Graecis ex- 
pressae (de fin. 14); da paßt ihm der starke Ausdruck, daß der Aus- 
druck nicht paßt weiß er sehr gut. In demselben Jahre (Acad. 
post. 10) sagt er von Ennius Pacuvius Accius und r multi alii 3 , daß 
sie non verba sed vim Graecorum expresserunt poetarum. Damit 
hat Cicero ohne Zweifel ausgedrückt was Ennius wollte und ver- 
suchte. Aber seine römisch scharfgespannte Sprache und seine 
hellenistische Rhetorik reichten nicht aus, Euripides mit freier Kunst 
zu reproduciren; und ihn mit mühsamer Vertiefung lateinisch heraus- 
zuarbeiten, der Gedanke lag ihm fern. Als Übersetzer war er doch, 
trotz der Herrschaft über eine freier gewordene Sprache, nur ein 
Nachfolger des Andronicus. 

Pacuvius können wir an keinem Originale messen, Accius an 
einigen Versen der Bacchae und Phoenissae; er hat den Eingang 
der Phönissen viel schöner übersetzt als Ennius den der Medea. 
Die Tragödie entwickelte, gleichzeitig mit der aufblühenden Rede- 
kunst, einen prächtigen und sehr stark von der Rhetorik inficirten 
Stil; die rhetorischen Elemente bei Ennius und seinen Nachfolgern 
verdienen eine besondere Behandlung. 

Über die Entwicklung der Komödie zwischen Plautus und Terenz 
erfahren wir einiges durch die plautinischen und terenzischen Pro- 
loge. Die palliata wurde dem römischen Publikum zu fein, zu 
attisch; es sehnte sich nach Plautus zurück, omnes res gestas esse 
Athenis autumant, quo vobis Mae graecae videantur magis. Es ist 
bezeichnend daß man die Casina wieder hervorholte. Terenz kämpft 
gegen eine Gruppe von Dichtern, die das Verarbeiten zweier Stücke 
ineinander perhorrescirt, also genaue Wiedergabe eines Originals 
verlangt: ihm ist die neglegenlia der Früheren lieber als istorum 
obscura diligentia; Luscius macht aus guten griechischen Stücken 
schlechte lateinische durch genaue Übersetzung, bene vortendo et 
easdem scribendo male 2 ); er führt selbst als Empfehlung für seine 

1) v. Wilamowitz Herakles 1 147. 

2) Dies (prol. Eun.) an den Megalesia 593 ; darauf an den ludi Romani 
desselben Jahres (prol. Phorm.) : qui ita dictitat, qiias antehac fecit fabulas tenui 
esse oratione et scriptwra lein-, so hatte Luscius an den Apollinarischen Spielen 
geantwortet. 



1 00 III Plautus und seine Originale 

Bearbeitung der Scene des Diphilus an verbum de verbo expressum 
extulit. Eine solche Forderung, was man gibt so zu geben wie es 
der attische Dichter gewollt hat, erkennt er also auch als berechtigt 
an, wenn er auch keineswegs wörtlich übersetzt; der Fehler, den er 
dem Thesaurus des Luscius vorwirft (prol. Eun. 10 sq.), ist eine Ver- 
setzung von Reden des Originals. Wie entschieden er die attische 
Farbe, im Gegensatz zu Plautus, beibehält und die Ethopöie wahrt, 
ltegt am Tage; -aber die Schule, gegen die er kämpft, verlangt 
einen stärkeren Respekt vor dem Original. Es ist wahrscheinlich 
Caecilius, der solche Regeln aufgestellt hat 1 ). Daß Caecilius im 
Anfang seiner Laufbahn mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, 
lehrt der zweite Prolog zur Hecyra: sie gingen vermutlich aus dem 
Gegensatze gegen Plautus und seine Art hervor. Daß Caecilius in 
argumentis poscit palmam (Varro) besagt einmal daß er die besten 
Stücke übersetzte; denn wie Ennius den Euripides so bevorzugte 
er den Menander ; zum andern daß er die Composition des Originals 
unverändert beibehielt. Das eine lehren die Titel, das andere die 
bekannte Stelle des Andriaprologs : qui cum hunc accusant, Naevium 
Plautum JEnnium accusant, quos hie noster auetores habet. Die Andria 
ist a. 588 gegeben, der Prolog ist für eine spätere Aufführung ge- 
dichtet' 2 ). Caecilius ist a. 586 gestorben 3 ) ; wie sein Andenken geehrt 
ward, zeigt der Prolog zur Hecyra. Da sich Terenz auf ihn nicht beruft, 
so konnte er sich nicht auf ihn berufen. Also hat Caecilius nicht 
c contaminirt\ Caecilius hat die Entwicklungsphase eingeleitet, die 
den Anfang vom Ende der palliata bedeutet. Er hat die Handlung, 
Terenz die Charaktere in treuer Nachbildung des Originals attikisirt, 
Terenz die Sprache zum Ton des feinsten Umgangs erhoben; so 



1) Für Caecilius kann ich auf Ribbeck Gesch. d. röm. Dichtung I 127 ff. 
verweisen. Terenz im Verhältnis zu seinen Vorlagen hat ausführlich und 
sorgfältig behandelt Nencini de Terentio eiusque fontibus (Turin 1891). Das 
neugefundene Fragment des "Eavröv n/Ltcogov/Lisvog (Reitzenstein .Rostocker ind. 
lect. 1890/91 p. 8), das an ein bekanntes anschließt (140 K. = v. 61 sq.), zeigt 
daß Terenz "AAfloi mit his regionibus übersetzt (und also die Lokalisirung 
des Stücks in einem bestimmten Demos aufgehoben) und ro /bia^agicoratov, 
aoTixtov fortgelassen hat. [Wilamowitz N. Jahrb. II 526. Vgl. Koehler De 
Heaut. Ter. compos. (Leipzig 1908) p. 2.] 

2) Daran kann kein unbefangener Leser zweifeln. Der Prolog ist weder 
für ein Anfangsstück noch von einem Anfänger und er ist geschrieben nachdem 
der Verfasser mit diesem oder einem anderen Stücke (Hecyra a. 589) traurige 
Erfahrungen gemacht hat. [Vgl. Anal. Plaut. II 21. Jacoby Hermes XLIV 368.] 

3) Diese Nachricht ist zuverlässig, die Terenzanekdoten nichts weniger. 



Terenz und Caecilius als Übersetzer 101 

wurde die palliata eine würdige Lektüre des Scipionenkreises, aber 
das Publikum wollte derbere Kost, wie Naevius und Plautus sie 
geboten hatten. Durch die Häufung des Stoffes rettete Terenz die 
Gattung nicht; ja als Afranius das Lustspiel auf römischen Schau- 
platz verlegte, aber genau in der menandrischen Form und Weise 
blieb, fiel die Toga dem Mantel und ihr das ganze griechisch-römische 
Spiel nach und die italische Volksposse trat an sejne Stelle. 

Aber zur wörtlichen Übersetzung selbst der Partien des Originals, 
die für das römische Publikum nichts Fremdartiges haben konnten, 
ist es nie gekommen. Für Terenz ist es vielfach im Donatcommentar 
bezeugt. Für Caecilius gibt uns Gellius (II 23) eine unschätzbare 
Auskunft in 3 Reden Original und Nachdichtung, und damit den 
einzigen sicheren Maßstab für die ganze Übersetzungstechnik der 
alten palliata. Der Monolog des Alten in Trimetern zu Anfang 
des Stückes ist ein canticum geworden mit freiester Gestaltung und 
auch Erfindung des Inhalts; für das Gespräch mit dem Nachbarn 
sind die Trimeter des Originals beibehalten, aber ridiculus magis 
quam personae aptus atque conveniens videri maluit sagt Gellius 1 ); 
in der Eede des Sklaven sind nur Fetzen Menanders und der Ton 
zu hoch gegriffen, der komische Charakterverfehlt, di toni, quantum 
stupere atque frigere quantum que mutare a Menandro Caecilius Visus 
est ruft der enthusiastische Verehrer der altrömischen Dichtung aus; 
und doch, wenn man Caecilius allein liest, lepide et venuste scriptae 
videntur, prorsus ut melius posse fieri nihil censeas. Wir dürfen 
uns nicht verhehlen, daß die charakteristischen Züge, die sich 
für Caecilius aus jenen Versen ergeben, ganz entsprechend bei 
Plautus wiederkehren; wenn uns einmal aus den Gräbern das 
Leben der via xcojucodla erblühen sollte, würden wir gewiß in der 
Hauptsache urteilen müssen wie Gellius. Nur freilich, in ser- 
monibus Plautus poscit palmam: argumenta und ijftr] haben Cae- 
cilius und Terenz durch treue Wahrung des Originals, der eine in 
der Handlung, der andere in der Charakterisirung, besser gegeben 
als man es in der palliata gewohnt war; aber die vis comica der 
Sprache erforderte einen eigenen Genius, hier ist Plautus schöpferisch 
und das feurige Leben seines Dialogs würde auch neben Menander 
bestehen. 



1) Die Verse sind eine Nachahmung von Plautus' Asinaria v. 894 — 904. 



102 HI Plautus und seine Originale 

2 

Die Reste des Livius Ennius Caecilius gestatten mehr direkte 
Vergleichung mit den Originalen als die Masse der plautinischen 
Stücke und selbst der terenzischen. Was diese Vergleichung für 
die Phasen und die durchgehenden Eigenschaften der altrömischen 
Übersetzungskunst ergibt wollte ich vorausschicken, um der Rechnung 
mit Unbekannten, wie sie bei Plautus nötig ist, eine Grundlage zu 
geben. Wo wir das Original nicht neben die Bearbeitung halten 
können, sind nur zwei Arten der Untersuchung möglich, entweder 
die Bearbeitung zu analysiren oder durch Combination Eigenschaften 
des Originals zu erschließen; welche von beiden Methoden oder ob 
beide anzuwenden sind, kann nur in jedem Falle durch das Material 
bestimmt werden; die zweite wird uns öfter dazu führen müssen, 
auf das Gebiet des griechischen Dramas abzuschweifen. Zu unter- 
suchen ist Stoff und Form, das attische Material und die attische 
Technik in ihrer römischen Umbildung zu bestimmen. Dabei ist 
es gut sich bewußt zu bleiben, daß man nicht immer scharfen Schnitt 
zwischen Griechischem und Römischem machen kann; wie an allen 
Punkten dieser von außen befruchteten Kultur gibt es auch hier ein 
Mittelgebiet zwischen dem Übernommenen und dem Selbstgewachse- 
nen, alles was der römische Geist durch den griechischen angeregt 
nach dessen Analogie hervorgebracht hat. Den Gegenstand erschöpfen 
zu wollen wäre Torheit; es kann sich nur darum handeln, auf ver- 
schiedenen Wegen dem Ziel um einige Schritte näher zu kommen. 

Wir wissen aus allem Bisherigen, daß wir für Plautus die freieste 
Bewegung dem Original gegenüber anzunehmen haben. Die Wahl 
der Metra ist ganz frei, ebenso ob eine Scene als Rede oder Canti- 
cum behandelt wird; danach aber ändert sich auch die Art der 
Behandlung, die Breite oder Knappheit des Tones. Ob die Öko- 
nomie des Originals beibehalten ist, Scenen und Figuren ab- oder 
zugetan sind, steht nicht von vornherein fest; daß vom attischen 
Stoff eine Menge fortgeblieben und römischer zugetreten ist, unter- 
liegt keinem Zweifel; den Stücken sieht man ohne weiteres an, daß 
sie in sehr verschiedenen Graden der Treue die Farbe des Originals 
bewahren. Alles in allem muß man in jedem Falle, den man be- 
urteilen will, ebensowohl den Beweis verlangen daß eine Wendung, 
Anspielung, Vorstellung griechisch wie daß sie römisch sei; von 
vornherein ist, wenn ein Zweifel erlaubt ist, für keines von beiden 
die Präsumption. Wenn z. B. Stasimus mit dem juävrjg des Kottabos 



Römisches und Griechisches. Gräcismen 103 

(Trin. 1011) *) oder Pseudolus mit dem Eristiker Sokrates (Pseud. 465) 
verglichen wird, so ist ja kein Zweifel möglich; aber auch das 
scheinbar rein Griechische kann täuschen : wenn z. B. Cure. 285 als 
opulenti, denen man auf der Straße begegnen kann, aufgezählt werden 
strategus tyrannus agoranomus demarchus comarchus, so bedarf es 
keines Beweises, daß tyrannus und comarchus so bei keinem Attiker 
stehen konnten, so wenig wie der dietator Athenis Atticis Pseud. 416; 
wenn Labrax Rud. 761 Feuer an den Altar legen will und sagt: 
Volcanum adducam, is Venerist advorsarius, so hieß es sicherlich bei 
Diphilos anders: er ging wie Helios den Hephaestos herbeizuholen, 
nicht weil er der Aphrodite Feind ist, sondern weil er sie zu über- 
listen und zu fassen weiß 2 ). 

Vor der Jagd nach Gräcismen in der Syntax wird wohl eine 
besondere Warnung nicht nötig sein. Sie war früher üblich und 
hat keine Beute ergeben; auch was man noch geneigt ist, als 
griechische Construction anzusehen, wird sich aus den anderen ita- 
lischen Dialekten mehr und mehr als italisch ausweisen 3 ). Die 

1) Vgl. Athen. XI 487. Robert Arch. Jahrb. II 179 ff., Böhm de cottabo 
p. 25. [G. Körte Abh. Gott. Ges. XII 1 S. 37 ff.] 

2) Daß Plautus Cist. 48 die Hecale, die für die Komödie mindestens noch 
keine typische Figur war, in seine Übersetzung eingeführt hätte, ist undenkbar; 
oder wo finden sich sonst bei ihm Einlagen aus hellenistischer Poesie? 

3) Als Beispiele führe ich einige Genetivstructuren an. In der Regel 
werden als genetivus graecus geführt (Dräger I 492, Kühner II 346) die Con- 
struetionen einiger Verba, die in der litterarisch geschulten Prosa nur den 
Accusativ zu sich nehmen, wie das häufige verum credere. Diese Constructionen 
sind nicht zu trennen von den bekannten juristischen (vgl. Reisig-Haase S. 585 
Landgraf), die sich selbst als ursprünglich erweisen und durch tab. Bant. 24 
pru medicatud manum aserum eizazunc egmasum als italisch erwiesen werden. 
Als ich Vind. Plaut, p. 8 die beiden Verse Poen. 641 boni de nostro tibi nee 
ferimus nee damus (nach quid boni) und Most. 1017 mecum ut ille hie gesserit, 
dum tu hinc abes, negoti? (nach quod negoti } vgl. Truc. 383) als richtig nach- 
wies, vergaß ich die meist falsch behandelte Stelle, die sich durch jene beiden 
aufklärt, Ter. Phorm. 709 ante brumam autem novi negoti incip&re. Später be- 
schränkt sich diese Verbindung auf das Participium, wie schon Truc. 145. 323 
rei male gerentes, so Cicero negoti gerentes, sui negoti bene gerens, sui iuris retinens, 
religionum colentes. [Petron. 46 destinavi ülum artificii docere, aut tonstrinum 
aut praetorem aut certe causidicum, sehr zweifelhaft. Vgl. übrigens E. Löfstedt 
Philol. Comm. zur Peregr. Aeth. S. 107 ff.] Der Genetiv folgt, wie im Griechischen, 
aus der Natur des Genetivs in adverbialer Verbindung, es ist natürlich daß er 
sich vor dem Accusativ allmählich zurückziehen und bei dem halbnominalen 
Participium eine Zuflucht suchen mußte; wahrscheinlich war die Sprache in 
noch früherer Zeit viel reicher an solchen Genetiven; später haben sie sich 
unter dem Schutze des griechischen Gebrauchs in der Dichtersprache wieder 



j[04 Hl Plautus und seine Originale 

Sprache ist frei und geht ihren stolzen Gang. Aber es muß freilich 
in einer auf dem Griechischen beruhenden Übersetzungslitteratur 
Gräcismen leichterer Art geben, solche die den Geist der Sprache 
unberührt lassen. In einer Bühnensprache , die sich an eine vor- 
handene reich ausgebildete anlehnt, müssen neben dem Umgangston 
des eigenen Lebens auch fremde Wendungen heimisch werden oder 
versuchen es zu werden. Daß man in beiden Sprachen, wenn man 
nicht verstanden hat oder sich wundert, quid est und xi eoxtv sagt 
ist natürlich, und dieser Ausdruck ist immer lebendig geblieben. 
quid verbis opust? xi bei keyeiv; (z. B. Eur. Andr. 920) ist so ein- 
gewurzelt, daß es auch wohl als selbstgewachsen anzusehen ist. Aber 
wenn wir Cas. 490 lesen sein quid nunc faciasl und Pers. 154 sed 
sein quid faeias? so führt die Seltenheit der Wendung darauf, sie 
aus dem stehenden ä§ ohfi o ÖQäoov 1 ) herzuleiten. So erinnert 
Capt. 558 fit quod tibi ego dixi an xovx ekeTv^ ovycb 'Xeyov (Arist. 
Ach. 41 Pac. 64), Rud. 415 quid hoe bonist? an xovxl xi eoxe xö xaxöv; 
(Ach. 156 Pac. 181 [Men. Sam. 147. 160 Perik. 332]) 2 ), Cas. 198 nos 
sumus an avxal y&Q eojuev (Aristophanes und Piaton). 

Man kann es wohl einen Gräcismus nennen, wenn Simia dem 
Ballio sagt (Pseud. 980) ut vestiMs, es perfossor parietum, denn 
dieser Ausdruck gibt dem Römer nicht die anschauliche Vorstellung 
wie dem Griechen xoL%a)Qv%og*). So versucht er ßcojuohoxog wieder- 
zugeben (Rud. 140) tu qui fana ventris eausa cireumis, Jiaxqakoiag 
und jurjxQaXoiag Pseud. 367 verberavisti patrem atque matrem nach 
einer Serie substantivischer Schimpfnamen. Plautus übersetzt sonst 

eingefunden. Ein anderes Beispiel habe ich Mil. 1274 hergestellt: ne tu eius 
mir er e mulier em (ne tu melius die Handschriften, d. h. tum, nach der im Miles 
üblichen Corruptel, eiius). Auch der finale Genetiv des Gerundiums figurirt 
als Gräcismus (Dräger II 834). Diesen hat zwar Plautus nicht, aber Terenz 
Ad. 270 ne id adsentandi magis quam quo häbeam gratum facere existumes. Auch 
hier liegt weder ein Gräcismus noch eine allmähliche Entwicklung, wie Wölfflin 
(Philol. XXV) sie construirt hat, sondern eine ursprünglich italische, in der Kraft 
des Genetivs ruhende Construction vor; das beweisen die umbrischen Sätze 
tab. Ig. VI a 8 verfale pufe arsfertur trebeit oerer peihaner (vgl. 19) und VI b 48 
sururo stiplatu pusi oerer pihaner, deren zweiter zeigt, daß auch in den ersten 
beiden die Genetive nicht von den Nomina abhängig sind; vgl. Bücheier p.86; 
dagegen VI a 20 oerer pehaner paca. Es bedürfte eher einer Erklärung dafür, daß 
sich diese Construction bei Plautus nicht findet als daß sie sich bei Terenz findet. 

1) Cobet V. L. 101. 

2) Asin. 50 quid istuc novist? priap. 83 B. quid hoc novist? Ter. Eun. 1029 
perii, quid hoc autemst mali? Anders Merc. 165 quid istuc est mali? 

3) Naevius com. 17 praemiatores nocturni: Äconodwcu. 



Griechische Wendungen und Wörter 105 

xcuqos abwechselnd mit tempus oder occasio (Bacch. 673 sq. Pers. 
724 sq.), einmal durch Copulation der beiden synonyma (Pseud. 958); 
Asin. 278 nam si huic sese occasioni tempus supterduxerit hatte offen- 
bar" der KatQog im Original Flügel: t)v 6 KaiQog ötacpvyfj. Hier ist 
die Übersetzung nicht sehr glücklich; sie kann auch ganz mißlingen, 
wie Cas. 319 quam tu mi uxorem? quasi venator tu quidem es: dies 
atque noctes cum carte aetatem exigis: der Wortwitz tritt erst heraus, 
wenn man xvvrjyhrjg für venator setzt, xvvr\y£xr\g xig ovvdiaxQißcov 
et xvvl 1 ). Plautus wendet morbus schon häufig in übertragener 
Bedeutung, vom Seelenleiden an; aber ein Bild wie Trin. 72 nam 
si in te aegrotant artes antiquae tuae — , omnibus amicis morbum tu 
incuties gravem, ut te videre audireque aegroti sient wird für ihn doch 
erst durch den griechischen Gebrauch von vooeiv hinreichend erklärt 2 ). 
Soll man annehmen, daß das attische Sprichwort etz* äjuyöxEQa 
xa&evdeiv, das Menander nach unserer Kenntnis zweimal anwendet 
(frg. 402 K. und Ter. Heaut. 342) 3 ), den Römern so geläufig war, 
wie es aus Pseud. 1 23 sq. hervorzugehen scheint, wo in einem Wort- 
witz damit gespielt und dann die richtige Fassung als pervolgata 
bezeichnet wird? Gewiß war dem Publikum das Sprichwort neu; 
daß die Übersetzung {De istac re in oculum utrumvis conquiescito. 
Oculum anne in aurem? At hoc pervolgatumst minus) ein Grä- 
cismus ist, geht auch hier aus der Paronomasie hervor, die erst 
durch die griechischen Wörter gebildet wird: A. jzeqI xovd' erf 
äfJicpoTEQa xäfievde xcbjujuaxa. B. d@' ovyl xcbxa; A. rode ovvr}$Eg eox 
äyav. Wenn der Dichter des Persa den betrogenen Kuppler mit 
den Worten verspotten ließ (v. 846) Meinest qui fuit quondam fortis? 
öd' ioxlv boxig 7]v näkm nox äkxijuog ; so konnte er auf dieselbe 
Wirkung zählen, wie wenn Aristophanes Plut. 1002 (1075), den er 
nachahmt, dem Jüngling die Spottrede gibt ndlai nox fjoav äAxijuoi 
Mdrjotoi: in der Übersetzung des Plautus mußte das Wort unter 
den Tisch fallen. Wem in der attischen Komödie über ein Dutzend 
mal xäXXoxQia öeitzveIv begegnet ist, wundert sich nicht, dieselbe 

1) Vgl. Poen. 648 cum praeda hie hodie incedet venator domum: canes com- 
pellunt in piagas lepide lupum A, Lycum statt lupum P. Ostermayer de hist. 
fab. p. 5. Vgl. Aristaen. II 20 kvxog xav&v, c5 Avxcov. 

2) Vgl. Diphilus frg. 24 K. at xgioeis fjpcov vooovoi. 

3) Und der Sokratiker Aeschines (Poll. II 84). In Rom erscheint es wieder 
bei Cicero und dem jüngeren Plinius, Otto Sprichw. 47. Bei Menander frg. 402 
schreibt H. Weil en äfxcpoxeQav qTv (überliefert iv und iva) fjuilxlrjQog yj xaXrj 
jiiükei xaftevdrjosiv, was mit dem Scherz des Pseudolus gut zusammentrifft. — 
Daß auch der Pseudolus vielleicht von Menander ist, will ich nicht betonen. 



106 HI Plautus und seine Originale 

Wendung Pers. 58 (quasi mures semper edere alienum cibum) und 
Capt. 77 (quasi mures semper edimus alienum cibum) anzutreffen; hier 
zeigt freilieh das Vorkommen in zwei Stücken, daß auch dem römischen 
Publikum mit der Zeit eine solche Wendung geläufig werden mußte, 
aber dem attischen war sie nicht nur ein alter Bekannter, sie war 
ihm auch die Parodie eines Euripidesverses und die Sache aus dem 
täglichen Leben vertraut. Solche Erwägungen überzeugen bald, 
wie nötig es der römische Bearbeiter hatte, römische Anspielungen 
und lateinische Wortspiele einzuflechten. Die Stelle der Captivi 
gibt ein sicheres Beispiel. Der Parasit beginnt v. 69: iuventus 
nomen indidit Scorto mihi, eo quia invocatus söleo esse in convivio, 
das ist ganz attisch: Antiphanes bei Athenaeus VI 238 e xaXovoi ju 
ol vsojxegoi diä xavxa jzdvxa oxtjjzxöv (frg. 195 K.) und vorher v. 7 
öetTtveiv äxh]xog juvia, der äxXrjxog mit dem äXXoxoia demvcbv zu- 
sammen bei Alexis (Athen. IV 165 a) im deXnvov elg KoQivfiov eXficbv 
XaiQecpcov äxXrjxog' — ovxco xi xäXXoxQt io&ietv eoxlv yXvxv (frg. 210 K.). 
Dann aber ganz plautinisch: scio absurde dictum hoc derisores dicere, 
at ego aio rede, nam 'scortunf in convivio sibi amator, talos quom 
iacit, 'scortunf invocat. estne invocatum an non est? est planissume; 
verum hercle vero nos parasiti planius, quos numquam quisquam neque 
vocat neque invocat Daß dies freie Erfindung ist, zeigt das Spiel 
mit invocatus, das sich auf äxXrjxog nicht übertragen läßt; woraus 
auch hervorgeht, daß der Spitzname Scortum Plautus' eigene Er- 
findung ist 1 ). 

Die griechischen Wörter, die bei Plautus vorkommen, brauchen 
nicht aus dem Original zu sein, wie direkt z. B. Capt. 882 sq. beweist. 
Vielmehr ahmt durch ihre Anwendung Plautus wie nur in irgend 
einem Ding das römische Leben nach; daß er nur Sklaven und 
Personen niederer Schicht griechische Brocken in den Mund legt, 
nur Trin. 187 und Bacch. 1162 alten Herren, aber nie einem ge- 
bildeten Jüngling, habe ich anderswo bemerkt 2 ). Wenn Diniarchus 
Truc.78 den Namen etymologisirt: suom nomen omne ex pectore ex- 
movit meo, cpq6vr\oiv, nam cpQovr\oig est sapientia. so steht das auf 
einem andern Brett, die Bemerkung kommt gerade dem Gebildeten 



1) Auch im Persa folgt gleich der plautinische Witz v. 60 atqiie eis cogno- 
mentum erat cktris Capitonibus. d. h. nicht Capitones wie andere vornehme Leute 
a maioribus (55 sq.), sondern Duricapitones. Die alten Kritiker haben natürlich 
richtiger verstanden als die neuen, die diesen Edelstein ausbrechen, und üssing 
richtiger als diese. 

2) Hermes XVIII 566; zu Pseud. 700. 



Die Personennamen 107 

zu; daß sie von Plautus herrührt, lehrt der Augenschein x ), ob auch 
das Wortspiel von ihm ist, könnte man erst entscheiden, wenn man 
wüßte, ob der Name <T>Qovrjoiov , wie es gewiß möglich ist 2 ), aus 
dem Original stammt. 

Die plautinischen Namen sind ein langes Kapitel, zu dem ich 
nur ein paar Bemerkungen machen will. Daß die römischen Komiker 
die Namen der Originale in der Regel nicht beibehalten 3 ) zeigt 
sogar Terenz, der doch lauter Namen hat, die bei Menander oder 
Apollodor vorkommen könnten 4 ). Die plautinischen Namen können 
zum großen Teil bei keinem Attiker vorkommen, das Personen- 
verzeichnis weniger Stücke ist frei von Namen, die aus der neuen 
Komödie nicht stammen können 5 ). Dies gilt von den handelnden 
Personen 6 ). Die gelegentlich im Dialog angeführten Namen sind 
in der Regel gut attisch, sowohl wenn Verwandte 7 ) oder sonst mit 

1) Sie zu athetiren sehe ich, mit Vahlen Hermes XVII 276, gar keinen 
Grund. Auffallend ist überhaupt nur, daß Plautus (pgövijoig mit sapientia über- 
setzt. Cicero tut dasselbe de fin.V58, wo er Piatons (pgöv?]oiv xai äktjftelg dög"ag 
übersetzt sapientiam verasque opiniones, nicht ohne Berechtigung, denn Piaton 
vertauscht die Begriffe (Sympos. 202 a /usra^v ooyiag xai dfxa&iag, dann juezat-v 
(pQovrjoecog xai äfiafttag). Im Timaeus übersetzt Cicero (pgövtjoig § 35 sapientia, 19 
intellegentia (sonst — vovg) , 51 prudentia. Xenokrates (vgl. Heinze S. 5) und 
Aristoteles (vgl. Eth. Nicom. 1098 1> 24; 1103*6; Z 6 sq. Rhet. 1366* 20) sondern 
scharf, dann bekanntlich die Stoa (Cic. de off. I 153 illa sapientia, quam oocplav 
Graeci vocant — prudentiam quam Graeci cpgovrjoiv dicant, vgl. Madvig de fin. 
p. 89; Zeno vgl. Schlemm de fönt. Plut. de aud. poet. et de fort. p. 73 sq. 85 sq.). 
Epikur p. 64, 18 Us. Ennius sagt correcter sophiam, sapientia quae perhibetur, 
Afranius Sophiam vocant me Grai, vos Sapientiam, vgl. Cic. Tu sc. V 7. Also eine 
Erklärung verlangt die plautinische Übersetzung des Wortes : sie liegt eben in 
der großen Wertschätzung der cpQÖvrjoig in allen jüngeren Systemen der Ethik ; 
der frühere Müllerknecht der Legende hätte wohl prudentia geschrieben. 

2) $Qovr]oig auf attischem Grabstein I G. III 3421. 

3) Während die Namen der Tragödie am Stoffe haften. Wo später die 
Bukoliker nicht an Daphnis 1 und Menalcas' Namen gebunden sind, halten sie 
es wie die Komödie. 

4) Persius 5, 161 sq. Vgl. Nencini a. O. 80 sq. 152 sq. 

5) Sehr selten ist in dieser ein Name wie IIvQyöfte/uig (Euphron 3 p. 320 K.). 

6) Ausgeschlossen ist natürlich nicht, daß auch Namen geblieben sind, 
z. B. Bacchides; Lycus im Poenulus, s. o. S. 105 A. 1, Gelasimus im Stichus 
s. v. 630. Der Alte im Aig iganarcov hieß Arj/iisag (nach Fulgentius, frg. 123). 

7) Aul. 779 Antimachus (aber Megadorus ist ein gemachter Name, Eunomia 
vielleicht nicht, da Evvopog in Athen häufig ist), Asin. 344 Stratonis f. 751 
Glauci f., Bacch. 250 sq. Archidemides (auch Eun. 327, s.u. Asin. 865 Archidemm), 
262 Pelago ist Ephesier wie der bei Alexanders Einnahme von Ephesos ge- 
tötete Pelagon (Arrian 1 17, 12), Rud. 1164 Daedalis, Poen. 1060 Demarchus, 



108 ÜI Plautus und seine Originale 

den handelnden in Beziehung stehende l ) Personen genannt werden, 
als wenn Namen aus dem Leben stehen geblieben sind 2 ) oder zu 
komischer Wirkung Namenlisten gegeben werden 3 ) ; meist auch die 
Namen stummer Personen 4 ). So haben Pseud. 187 sq. die Hetären 
zwar redende Namen (Hedytium 5 ), Aeschrodora, Xystilis, Phoenicium), 
aber wahrscheinlich aus dem Original: die ganze Scene des Kupplers 
ist darauf gebaut und für Hetären sind redende Namen im Leben 
ganz gebräuchlich 6 ), wie für Sklaven in der Komödie 7 ). Unter 
den Namen nun, für die man in den Originalen gut attische voraus- 

Amph. 365. 614 Davus, Men. 408 sq. Moschus; doch 1131 Teuximarche, ein sonder- 
barer Name wie Alcesimarchus (Cist., vgl. Alcesimus in der Casina) und Calli- 
marchus (s. u.), den man in Sicilien suchen möchte, da Messenio und Moschus 
der Sklave und Vater des Siciliers in den Menächmen sind. Cure. 64 Cleobula, 
Archestrata; 636 der Vater Periplanes von Plautus mit komischer Absicht 
neben die Tochter Planesium und den Sohn Therapontigonus gesetzt? 

1) Capt. 335 Menarchus, Asin. 116 Archibulus. 433 sq. Stichus, Dromo, Philo- 
damus, dadurch wird Exaerambus noch bedenklicher. 

2) Pers. 824 sq. Bacch. 912 Most. 1149, vgl. Hermes XVIII 558 ff. 

3) Asin. 865 ait sese ire ad Archidemum, Chaeream, Ghaerestratum, Cliniam, 
Chremem, Cratinum, Diniam, Demosthenem, Trin. 916 sq. Gallias — Callippus — 
Callidemides — Callinicus, endlich da ihm keine weiteren einfallen Callimarchus 
(s. o.), dann wieder Chares — Charmides. 1020 sq. redende Namen. 

4) Aul. 398 Capt. 657 Rud. 657 wie andere Sklavennamen zu beurteilen. 

5) Vgl. Wölfflins Archiv IX 163. 

6) Athenaeus XIII 583 d sq. aus Aristophanes und seinen Fortsetzern, 
p. 587. 567. So bei Plautus Anterastilis Gymnasium Palaestra Erotium Philae- 
nium Philematium Philocomasium u. s. w., im Mercator Pasicompsa (v. 517 ex 
forma nomen inditumst) gebildet wie IIaoi(p(Xr}, während alle gangbaren Namen 
mit Tzaai- Verbalbildungen sind. [Menanders 'AßQorovov], Auch AxqotsXsvxiov 
wäre möglich zu erklären (Mil. 803 u. s.), aber was ist Acropolistis Lemniselenis 
Milphidippa (und Milphio)? 

7) Donat. Andr. 1 3, 21 und aus derselben Quelle Helladius bei Photius 
bibl. 279 p. 532 (auch emo rov ysvovg, e£ im&excov und äad rov xqotzov) ; schol. 
Theoer. 5, 2 schol. luven. 6, 351. Gripus r^incov 6 yguisvs Leonidas Tarent. 
(A. P. VII 504, 12), vgl. Latris, cui nomen ab usust Prop. IV 7, 75, JDipsas, ex 
re nomen habet Ov. am. I 8, 3. Unkenntliche Namen auch hier wie Sceledrus 
Syncerastus Toxilus Trachalio Milphio Strobilus [dieser jetzt im Komödien- 
fragment Hibeh pap. I 24, vgl. Hermes XLI 629], Tranio Ggavicov s. Wilamowitz 
Aristot. und Athen II 176, und überhaupt S. 175 ff. (Ballio S. 177, Axionikos 
frg. 1 p. 412 K.). Citrio (der Koch) Xvtqicov zu Cas. 720. Für Mägde gilt das- 
selbe. Casina Kaoivrj zu xaoia Zimmt wie Kgoxcoriov, MvQQivr), nicht zu Kdoog 
(Fleckeisen Jahrb. 103, 638, das ist für eine plautinische Magd kein Name, 
wenn auch im Curculio die Amme Archestrata und im Truculentus Archylis 
vorkommt, beide im Text, nicht als Person). Lucris (Persa) Aoxqig (mit latei- 
nischem Wortspiel, v. 624 sq.) und Lucrio (Mil.) Aoxqicov. 



Die Personennamen 109 

setzen muß, den Namen der senes adulescentes matronae, erscheinen 
bei Plautus zwar zu einem Teil gut attische, besonders für die alten 
Herren (Charmides Antipho Simo Nicobulus Philoxenus Gorgines etc.) *), 
sonst aber in bunter Mischung solche die zwar gut gebildet sind, 
aber wenigstens in Athen nicht vorkommen 2 ), solche deren Formation 
zu verteidigen man sich alle Mühe geben muß (z. B. Periplecto- 
menus) und endlich kühne Neubildungen, alle teils als redende 
Namen teils ohne kenntliche Absicht. Er gefällt sich ganz wie die 
adligen Griechen in Bildungen mit ijuiog 3 ): Argyrippus Pamphilippus 
Plesidippus Stratippocles Dorippa Milphidippa, in Bildung vornehmer 
Namen wie Periphanes Stratophanes Pleusicles Agorastocles Philo- 
polemus Phanostrata, seine Jünglinge heißen Pistoclerus und Chaeri- 
bulus, seine Soldaten nicht Thraso oderPolemo, sondern Pyrgopolynices, 
Bombomachides, Therapontigonus Platagidorus, seine Parasiten Arto- 
trogus und Miccotrogus. Über einzelne Namen ist nicht zu rechten; 
aber daß dies Schwelgen in neuen und absonderlichen Bildungen 
nicht menandrisch sondern plautinisch ist, ist nicht zu bezweifeln, 
es verhält sich zur Namengebung der vea xco/ucpöla wie die plau- 
tinische Polymetrie zur Einfachheit der menandrischen Metra. Der 
Versuch, diese Bildungen aus der Anlehnung an unteritalisch-sici- 
lische Namengebung zu erklären, wäre aussichtslos; eine Urkunde 
wie das Verzeichnis der Strategen von Taormina (I Gr. XIV 421), un- 
gefähr aus der Zeit der plautinischen Komödie 4 ), zeigt in der Fülle 
ihrer Namen gar keine Verwandtschaft mit jenen 5 ). Wie Plautus 
zu einer solchen Namengebung kam, dafür gibt es nur eine Er- 
klärung, aber diese klärt auf was an den Namen auffallend und 
rätselhaft ist. Es ist genau die Art der alten Komödie 6 ) mit ihren 



1) rogyivtjg s. de PI. Vidul. p. 9. 

2) z. B. Megaronides Blepharo Philolaches Artemona und viele der Art. 

3) Vgl. v. Wilamowitz Arist. und Athen II 29. 

4) Bormann Marb. Progr. 1881. Rizzo in der Rivista Etnea 1893 S. 183 ff. 

5) Der massaliotische 'EQ(.wx<ux6£av$og in Aristoteles Poetik 1457 a 34 (arab. 
Übers.), den Diels Ber. d. Berl. Akad. 1888 S. 52 als komische Bildung, Wila- 
mowitz Arist. und Athen II 29 A. 39 als wirklichen Namen erklärt, gestattet trotz 
des ra TiolXä zcov Maooahcozwv keinen weiteren Schluß. — IG. XIV 868 (Cumae) 
Osiva^d^ij adeXcpco *J$r]vccov 'JvoTitrjg KsSvicov: da ist nur A&tivtcov gangbar, 
Keövioov wie Aqiöxioov Efinediwv, 'Jvomrjg ein BkenaTog oder Aegfiag, Oeiva[A,äl;r)g 
wie nXrjg'utizog , attisch Agfxaxsvg. Aber die Namen sind nicht auffallender als 
in manchen attischen Inschriften. 

6) Die plautinischen redenden Namen mit den wilden Namenbildungen 
der Epistolographen [vgl. Sondag de nominibus apud Alciphronem propriis, 



ÜO III Plautus und seine Originale 

AixaiÖTtohg und &eidi7imdr]g, <&doxXecDV und BöeIvkIecjov, EveXnidf]g 
und nsifthaigos , und auch dort stehen die neuen und Phantasie- 
namen mit den Namen des Lebens wie Adjua%og, XgejuvXog und 
Sav&iag zusammen; dort sind auch die TioajuevocpalvLJZJioi und Fegr)- 
w&eodcoQoi, und überhaupt die kühnen Wortbildungen, die auch bei 
Plautus neben den Namenbildungen stehen. Plautus hat seine Namen 
frei bilden wollen wie die äq%aia xco/uwöia, das hat ihn auch zu 
falschen Bildungen verführt; es ist sehr bezeichnend, daß der Mann, 
der sich in seiner Sprache schöpferisch fühlte, es auch in der fremden 
sein wollte, in die er sich so tief versenkt hatte; aber dem Wort- 
bildner gehorcht nur die Muttersprache 1 ). 

3 
Dies sind alles Einzelheiten, die sich mit leichter Mühe häufen 
lassen ; das zu tun ist nicht meine Absicht. Die Analyse jeder Scene er- 
gibt dergleichen, und wenn einmal jemand versuchen will, einen er- 
klärenden Commentar zu plautinischen Stücken zu schreiben, statt der 
üblichen Conglomerate von sehr schätzbaren sprachlichen und metri- 
schen Sammlungen mit Trivialerklärung, so wird solche Analyse über- 
all die Hauptaufgabe sein. Jeder Verstehende weiß, daß der Reiz, 
den Plautus ausübt, zum großen Teil in diesem Ineinanderspielen 
griechischer und römischer Farben liegt. Man muß den Reiz lange 
auf sich haben wirken lassen, ehe man versuchen darf die Elemente 
zu sondern, aus denen er hervorgeht. Dann aber darf man sich 
nicht an die Einzelheiten halten, wenn man über Tasten und Un- 
sicherheit hinauskommen will. Es müssen Gruppen von Erscheinungen 
zusammengefaßt werden, die dann für das Einzelne den Maßstab 
geben. Man kann sich wohl fragen, ob es richtiger ist, zuerst das 
römische Element, das ja doch nur aufgesetzt und angefügt ist, ab- 
zustreifen, so daß von selbst das Griechische übrig bleibt, oder 
zuerst den griechischen Kern nachzuweisen, so daß das Römische 

Bonn 1905] zusammenzubringen würde in die Irre fuhren; ein Zusammenhang 
besteht da nicht, wenigstens keiner aus gemeinsamer Wurzel. 

[1) Zu diesem Abschnitt über die Namen, auch zu den einzelnen oben be- 
sprochenen Namen, vgl. K. Schmidt, die griechischen Personennamen bei 
Plautus, Hermes XXXVII 173. 353. 608. Sein Resultat ist, daß die Namen, 
soweit sie nicht aus der Komödie stammen, im Leben vorkamen und daß 
die komischen Bildungen, auch soweit sie von Plautus herrühren, aus italisch- 
griechischem Volkswitz, nicht aus der alten Komödie herzuleiten sind. — Die 
Verschiedenheit der plautinischen Namengebung von der Menanders steht uns 
jetzt deutlicher als vordem vor Augen.] 



Mischung von Griechischem und Römischem \\\ 

von selbst abfällt. Ich brauche nicht zu wiederholen, daß weder 
auf dem einen noch auf dem andern Wege ein reinliches Resultat 
herauskommen kann. Aber auf dem ersten wird man überhaupt 
zu keinem Ziele gelangen. Das sicher Römische ist meistens sofort 
erkannt, aber daß das Übrige dem Original gehört ist damit nicht 
erwiesen, und eben da das Römische zugesetzt ist, entfernt man es 
ohne eine Handhabe für den Grundstock zu gewinnen. Diesen 
nachzuweisen muß man zuerst versuchen, hier ist sicherer Boden, 
da das Original griechisch ist; aber mit der Aussonderung dessen, 
was sich unmittelbar als griechisch zu erkennen gibt, ist es hier 
auch nicht getan. Das dunkle Mittelgebiet erhellt sich erst, wenn 
es gelingt, das scheinbar Neutrale in eine bestimmte Beleuchtung 
zu rücken. Ich will, um dies zu versuchen, zunächst einige Gruppen 
griechischen Stoffes herausheben und danach die Form des Dramas 
in Betracht ziehen; besprechen kann ich natürlich auch hier nur 
Beispiele, aber typische. 

Das Material, das sich ohne weiteres als griechisch zu erkennen 
gibt, ist hauptsächlich in einer Hinsicht belehrend. Plautus findet 
es zwar öfter nötig, der mythologischen Anspielung eine Erklärung 
anzufügen, die das Original augenscheinlich nicht gekannt hat (z. B. 
Aul. 556, Epid. 604, Merc. 690), etwa wie Ennius im Eingang der 
Medea; aber er scheut sich keineswegs auch Entlegenes zu über- 
nehmen 1 ), das dem attischen Hörer vertraut war, aber stofflich 
wenigstens am Sinne des römischen vorübergleiten mußte, doch 
darum nicht ohne Wirkung. Den fremden und fremdartigen Cha- 
rakter dem Stücke abzustreifen war nicht die Absicht des Palliaten- 
dichters, vielmehr dem Fremden das Heimische beizumischen, dem 
Publikum in raschem Wechsel bald das eine, fremde, bald das 
andere vertraute Gesicht zu zeigen und so die seltsame Wirkung 
auf den Zuschauer hervorzubringen, daß er ein drittes Gesicht mit 
den Zügen der beiden vor sich zu sehen meint. Eine ähnliche 
Wirkung übt aus freiem Impulse Shakespeare, wenn er Plutarch 
dramatisirt oder Theseus in englisches Hofkostüm bringt, eine ähn- 
liche unsere Romantiker, wenn sie ihre phantastischen Erfindungen 
in dem Rahmen des vertrauten Kleinlebens spielen lassen. Die 

1) Kießling Anal. Plaut. I 14, II 9; z. B. Bacch. 275, Epid. 490, Men. 143, 
Rud. 489. Das tadelt Euanthius de fab. 3, 6 adde quod nihil abstrusum ab 
eo ponitur aut quod ab historicis requirendum sit, quod saepius Plautus facit et 
eo est obscurior multis locis. Bei Terenz ist schon eine Anspielung wie Heaut. 1035 
si ex capite sis meo nattis, item ut aiunt Minervam esse ex Iove sehr vereinzelt. 



|12 Hl Plautus und seine Originale 

palliata mußte sterben als sie dieses ihr Lebensprinzip aufgab und 
attisch wurde wie Terenz. 

Das mythologische Material ist von Ostermayer 1 ), das sonstige 
auf Religion und Kultus bezügliche von Schuster 2 ) vorgelegt, von 
diesem auch einiges besprochen worden was zwar römisch erscheint 
aber das ursprünglich Griechische durchscheinen läßt. Auf einige 
persönliche Anspielungen, die Plautus hat stehen lassen, habe ich 
Hermes XYIII 559 hingewiesen 3 ). Schwieriger ist es, in den An- 
spielungen auf das Rechtsleben zu sondern was auf griechischer 
und was auf römischer Rechtsanschauung beruht 4 ). Sowohl dieses 
Gebiet als das des militärischen, des häuslichen, des städtischen und 
ländlichen Lebens und alle ähnlichen verlangen neue und zusammen- 
hängende Untersuchungen auf die Mischung ihrer griechischen und 
römischen Bestandteile hin. Ich beabsichtige mit meinen Beispielen 
nur einige Wege zu zeigen, die wie ich meine zum Ziele führen. 

Wenn nicht Namen oder Sachen sich ohne weiteres als griechisch 
darstellen, so gibt es nur eine Möglichkeit, den Ursprung aus dem 
Original direkt zu erweisen, aber das Material beschränkt diese 
Möglichkeit so sehr, daß man die Fälle an den Fingern herzählen 
kann, die Fälle nämlich in denen ein Bruchstück der attischen 
Komödie sich mit plautinischen Versen deckt 5 ). In jedem andern 



1) De historia fabulari in comoediis Plautinis, Greifswald 1884, vgl. Kese- 
berg quaest. Plaut, et Ter. ad religionem spectantes, Leipzig 1884. 

2) Quomodo Plautus attica exemplaria transtulerit, Greifswald 1884. 

3) Ebenso auf die Gewohnheit der attischen Komödie, die Illusion zum 
Zweck der komischen Wirkung zu zerstören. Dergleichen hat Terenz gestrichen, 
Plautus beibehalten, was Euanthius de fab. 3, 8 tadelt: et item (mirabile in Terentio) 
quod nihil ad populum facit actorem velat extra comoediam loqui (vgl. 4, 5), quod 
vitium Plauti frequentissimum. [Monol. im Dr. 80. 117.] Die tadelnden Seiten- 
blicke, die in diesem Abschnitt auf Plautus fallen, sind ebensoviel Zeugnisse 
für sein Festhalten am Original. 

4) Ein Beispiel werde ich S. 123 ff. ausführen. Es ist nicht zu verwundern 
und nicht nur in der Dürftigkeit der Überlieferung über das ältere römische 
Recht begründet, daß die Einordnung der juristischen Plautusstellen in die 
Rechtsgeschichte so viele unlösbare Probleme stellt. [Die Untersuchung ist 
wesentlich gefördert worden, besonders von 0. Fredershausen (De iure Plautino 
et Terentiano cap. I, Diss. Göttingen 1906; das 2. Kapitel wird im Hermes XLVII 
erscheinen) und J. Partsch (Römisches und griechisches Recht in Plautus Persa, 
Hermes XLV 595); beide führen die übrige neuere Litteratur an.] 

5) Ostermayer p. 4 führt einiges an, doch trifft nicht alles zu. Anderes 
Kock, besonders nach Toeppel (Progr. Neubrandenb. 1857); vgl. Pseud. 884 und 
Alexis 172,5; Men, 103 und Euangelus III p. 376 K.; selbst solche Fälle sind 



Mischung von Griechischem und Römischem 113 

Falle muß sich die Zugehörigkeit zum Original indirekt herausstellen. 
Da uns die vea xcojucodta nicht zur Hand ist *), müssen wir die Be- 
ziehungen in den Kreisen der Litteratur suchen, aus denen sie her- 
vorgewachsen ist oder die sie selbst mit Nahrung versehen hat oder 
mit denen sie in äußerer Verbindung steht; wir sind damit auf die 
Tragödie und Aristophanes, auf die erotische, auf die populär-philo- 
sophische Litteratur hingewiesen. Wo die Fäden von einem dieser 
Gebiete zu Plautus führen, da können wir sicher sein, daß sie über 
die vea zu Plautus führen. Es sind dieselben Wege, auf denen es 
gelungen ist, Kallimachos in der sophistischen Erotik, die hellenistische 
in der römischen Elegie wiederzufinden. 

Es ist bekannt und im Zusammenhang der attischen Kunst mit 
dem Leben tief begründet, daß die Komödie des Menander und 
Philemon in der Erfindung und Führung der Handlung, in der Welt- 
und Lebensanschauung, deren Spiegel sie ist, mehr in der euri- 
pideischen Tragödie als in der alten Komödie wurzelt 2 ). Zwar ist 
schon im Altertum richtig beobachtet worden, daß die letzten Stücke 
des Aristophanes den Stil der jüngeren Komödie vorbereiten, aber 
ein Stück wie die Helena des Euripides steht der Komödie, die 
wir aus Plautus und Terenz kennen, näher als selbst der Plutos. 
Wo Plautus an Euripides erinnert, da haben wir festen Boden 
unter den Füßen. 

Palaestra (Rud. 185) hadert in ganz euripideischem Stil mit den 
Göttern, die sie trotz ihrer evoeßeia in solches Unglück gestürzt 
haben, indem sie das Dilemma aufstellt: entweder habe ich gesündigt, 
dann will ich das Unglück ertragen; oder ich bin odxpgcov xal 
Kdxcbv dxiJQarog, dann sind die Götter zu tadeln; der letztere Fall 
aber trifft zu (als Übergang findet sie nachher den Ausweg, daß 
sie für die Schuld ihres Herrn mitbüßen muß, v. 198). Zu tadeln 
sind die Götter nicht nur wegen der Ungerechtigkeit, sondern weil 
niemand die Guten von den Schlechten unterscheiden kann, wenn 
die Götter beide unterschiedslos behandeln: v. 190 



unsicher, da glückliche Wendungen sich in der attischen Komödie forterben; 
vgl. Trin. 339 (Philemon) und Menander frg. 14 K. 

[1) Was wir seit 1907 von Menander besitzen, gibt zwar Licht nach allen 
Seiten, aber auch keine unmittelbare Anknüpfung an plautinische Texte.] 

[2) Was Süss Rhein. Mus. LXY 441 ff. und sonst dagegen sagt, beruht auf 
Mißverständnissen. Niemand leugnet den Zusammenhang der via mit der 
äQxaia. } 

L e o , Plautinische Forschungen 2. Aufl. 8 



114 HI Plautus und seine Originale 

hancine ego partem capio ob pietatem praecipuam? 
nam hoc mi haud laborist, laborem hunc potiri, 
si erga parentem aut deos me impiavi; 
sed id si parate curavi ut caverem, 
tum hoc mihi indecore, inique, inmodeste 
datis, di. nam quid habebunt sibi signi 1 ) impii posthac, 
si ad hunc modumst innoxiis honor apud vos? 

Der Gedanke daß es leicht ist die Echtheit des Goldes zu prüfen, 
aber nichts schwerer als den echten Freund vom unechten zu unter- 
scheiden, steht bei Theognis 1.19 sq.: ei de cpiXov voog ävögbg evl 
oxrjiJeooi heXrjd"r] ipvdgbg ecüv, Söhov <$' ev (pgealv rjxog £%r], xovxo 
fieog xtßörjXöxaxov Jtoirjae ßgoxoioiv, xal yvcbvai jzdvrcov xov% ! ävirjgo- 
xaxov. Das ist im attischen Skolion zu dem Wunsche gewendet: 
effl §£fjv ÖTioiog xig rjv exaoxog xo oxrjftog die26vx\ ejieaa xbv vovv 
ioidovxa, xXeioavxa nahv, ävöga cpilov vojlu£eiv ädolco cpgEvc 2 ). Schon 
Theognis schreibt diese Erschwerung des menschlichen Lebens dem 
Gotte zu 3 ); aber Euripides, im Hinblick auf beide Lieder, verlangt 
daß der Gott dem Menschen einen yagaxxrjg auf den Leib präge 
Med. 516: d> Zev, xi di] xgvoov jliev og xißdrjlog fj XExjutfgi äv&göb- 
noiotv cbnaoag oacpfj, ävdgcbv d' oxco %grj ™ v xaxöv dietdevai, ovdelg 
XaqaxxrjQ efxnecpvxE ocbjuaxi; und ein andermal (Hipp. 925 %gfjv ßgo- 
xoioi xcbv cpilcov XEX/Lirjgiov oacpeg xi XEToftm xal didyvcootv (pgevcbv), 
daß sich die Gerechten und Ungerechten durch die Sprache scheiden 
sollen 4 ). Einen bestimmten yagaxxrjg aber empfiehlt er den Göttern 



1) sibi igni OB, sibigni B, die Emendation ist ganz sicher. Zum Ausdruck 
vgl. Amph. 421 signi die quid est, 787 vide sis signi quid siet. Lucr. V 918 nil 
tarnen est signi mixtas potuisse creari. Cato r. r. 88, 2 id signi erit. Cic. pro 
Cael. 38 quid signi? Quint. decl. min. p. 90, 21 R. quid signi, quid argumenti 
istae lacrimae habent? 

2) Vitruv III in. Socrates — memoratur prudenter doctissimeque dixisse, 
oportuisse hominum pectora fenestrata et aperta esse, uti non occultos haberent 
sensus, sed patentes ad considerandum. utinam vero verum natura sententiam 
eius secuta explicata et apparentia ea constituisset ; si enim ita fuisset, non solum 
laudes aut vitia animorum ad manum aspicerentur, sed etiam diseiplinarum scien- 
tiae etc. Lukian Hermot. 20. 

3) Cic. de amic. 62 tadelt die Menschen : in amicis eligendis neglegentes 
esse nee habere quasi Signa quaedam et notas, quibus eos qui ad amicitias essent 
idonei iudicarent, nach Theophrast, vgl. Heylbut de Theophr. libris n. q?d. 
p. 27; es folgt et iudicare difßcile est sane nisi expertum, experiendum autein est 
in ipsa amicitia, vgl. Aristot. efch. Eudem. 1237 b 12 sq. 

4) Vgl. Elektra 367 sq. 



Euripideisches : Tadel der Götter, Weltverbesserung 115 

und tadelt ihren Unverstand Herakl. 656 : et de fteoig rjv £vveoig xal 
oocpia xar' ävögag, didvjuov äv fjßav ecpegov cpavegov yagaxxr]g" &Q e - 
räq oooioiv pha, xal ^avovteg elg avyäg ndhv äliov öiooovg äv eßav 
diavkovg, ä övoyeveta d' änlovv äv el%e £oäg oiddiov xal rcod' fjv 
rovg ie xaxovg äv yvcbvat xal rovg äyaftovg — * vvv d' ovöelg ogog 
ex ftewv xQrjöTÖig ovöe xaxoig oayrjg 1 ). Im Rudens sehen wir wie 
Diphilus diesen Gedanken gewendet hat : die Unschuldigen würden 
sich von den Frevlern durch ihr besseres Glück unterscheiden, wenn 
die Götter emeixeig, dixaioi, oaxpgoveg wären 2 ); dem alltäglichen 
Denken genähert, ohne das sophistische Phantasma, doch der genaue 
Reflex der euripideischen Anschauung von Welt und Menschen. 

Das Motiv ist auf ein anderes Gebiet gewendet, aber ganz im 
euripideischen Stil ausgedrückt (%gfjv) im Epidicus 382 sq., wo der 
Herzensspiegel als ein Instrument empfohlen wird, das einem ver- 
breiteten Übelstande abhelfen würde: non oris causa modo homines 
aequom fuit sibi habere speculum, ubi os contemplarent suum, sed qui 
perspicere possent cor sapientiae, ubi id inspexissent, cogitarent postea, 
vitam ut vixissent olim in adulescentia. Der Dichter des Originals 
ist unbekannt; auch der des Miles gloriosus, nur daß wenigstens 
der 'AkaCcbv nach Menander gedichtet ist 3 ). Im Miles findet sich, 



1) Hyperid. frg. 196 x a Q a ^ r VQ ovöels etzeoxiv im rov jtqoocojiov rfjg diavoiag 
roTg äv&Q(6jzoig. 

2) Eur. Phoen. 86 XQV &\ c * oo<pog neyvKag , ovx iäv ßgorov rov avrov alel 
övotvxfj xa&sordvai, frg. 900 (Athenag. p. 5 Schw.) wcpede ö\ elheo bot* iv ovQavö 
— Zsvg, (AT] rov avrov övoxvxfj xafiiordvcu. 

3) Die Verse um die es sich handelt sind nicht aus dem °AXa£cbv (s. u.). 
Daß der A.Xa£cbv nachmenandrisch ist, folgt aus dem Vorspiel. Der äXa£a>v 
wie der x6Xak~ sind alte Komödientypen, dieser als Parasit durch Antiphanes 
und Alexis, jener als Bramarbas durch Menander, wie das Leben sie neu her- 
ausbildete, neu gestaltet (Ribbeck Kolax S. 21 ff., Alazon S. 28 ff.). Menander 
hat den glücklichen Gedanken gehabt, äXa£cbv und x6Xa% zusammenzufügen, 
den Parasiten dem Bramarbas als Folie und Begleiter beizugeben, der ihm die 
tausendmal gehörten Prahlereien zur Freude des Publikums wieder entlockt. 
Diese Zusammenstellung hat Terenz aus dem KoXa^ in den Eunuchus herüber- 
genommen (III 1), im Alg eq~ajzaxwv war sie nur skizzirt (Ribbeck Kolax S. 26), 
im Miles ist sie breit ausgeführt. Eine Vergleichung des Miles mit dem 
Eunuchus muß jeden lehren, daß im *AXa£cbv ins Starke und Grobe gemalt ist 
was im K6Xa$ Maß und Feinheit hatte und daß diese Verschiedenheit dem 
Original gehört; woraus folgt daß der K6Xa% vor dem *AXd£cbv vorhanden war 
und daß dieser von einem Nachahmer Menanders gedichtet ist. Zum Überfluß 
aber sagt Menander selbst in der Rede des Gnatho II 2, daß die Erfindung neu 
ist (est genus hominum qui esse primos se omnium verum volunt nee sunt, hos 

8* 



116 III Plautus und seine Originale 

durch dasselbe aequom fuit eingeleitet, eine Stelle die mit der des 
Herakles überraschende Ähnlichkeit hat. Wie dort die Guten zwei- 
mal, die Schlechten nur einmal leben sollen, so wird es hier für 
eine bessere Welteinrichtung erklärt, wenn die Guten ein langes, 
die Schlechten ein kurzes Leben hätten: v. 725 sq. Die mensch- 
lichen Einrichtungen sind besser als die göttlichen ; wie die Markt- 
polizei darauf hält, daß die Waren nach ihrer Güte hoch oder niedrig 
im Preise stehen, so sollte man auch dem Leben der Menschen an- 
sehen, daß nicht alle von gleichem Werte sind: 

itidem divos dispertisse vitam humanam aequom fuit: 
qui lepide ingeniatus esset, vitam ei longinquam darent, 
qui improbi essent et scelesti, is adimerent animam cito, 
si hoc paravissent, et homines essent minus multi mali 
et minus audacter scelesta facerent facta, et postea, 
qui probi homines essent, esset is annona vilior. 

Nur durch den grobkomischen Schluß unterscheidet sich diese Diatribe 
von den ähnlichen euripideischen. Der Dichter hat gleich die Oppo- 
sition gegen das sophistische Besserwissen dem klugen Alten in den 
Mund gelegt: qui deum consilia culpet, stultus inscitusque sit, 
quique eos vituperet. Ich will schon hier darauf hinweisen, daß die 
Stelle ein Teil der großen Mittelscene des Miles ist, die in neuerer 
Zeit von mehreren Seiten verdächtigt worden ist; selbst wenn die 
Gründe besser wären, aus denen es geschehen ist, würden die be- 
sprochenen Verse ein starker Beweis für den Ursprung der Scene 
aus der attischen Komödie sein x ) ; freilich die diesen Ursprung nicht 
leugnen und doch athetiren haben leichtes Spiel, das man sie möge 
spielen lassen. 

Euripides schließt sein Projekt, indem er den erreichten Zweck 
hervorhebt und den Gegensatz des bestehenden Zustandes betont: 
xal read' rjv rovg re xaxovg av yvcbvai xal rovg äyafiovg' vvv de — 2 ), 
der Komiker malt im einzelnen die Folgen aus; auch diese Form 
ist Euripides bekannt: Phoen. 1015 et ydg laßcov exaorog ort övvatrö 
ng %qy}ot6v diekftoi rovro xelg xoivöv cpegoi naTQidi, xaxcbv äv ai 

consector — ego adeo hanc primus inveni viam), daß sie hier zum erstenmal 
auftritt. Hüffners Ansatz (p. 28) stimmt hiermit zusammen. 

1) Wer sich daran erbauen will, welches Verständnis die Tlautuskritiker' 
der Komödie entgegenbringen, lese die Anmerkung von Lorenz zu v. 735. 

2) Frg. 439 (psv epev, xo firj rä Tzgäyfiar av&Qcbjiots s%eiv (pcovr/v, iv 1 rjoav 
[irjÖev oi öeivol ksyetv. vvv <5' svgooiot oxofiaoi tdlfj^sorara xXsjitovoiv, wote /ui] 
öoxsXv a %Qrj doxelv. 



Weltverbesserung \ J 7 

ttoXeiq eXaaoovojv jteiqco/iaevcu zö Xomov evtvxoiev äv, im großen 
Fragment des Erechtheus v. 53 c5 naxqiq, e%$e ndvreg ot valovol oe 
ovro) qdiXoiev cbg eyd)' xal gqdlcog oixoljuev äv oe xovdkv äv 7iäö%ois 
xaxöv, vgl. Andr. 1279 sq. (pv ydg tzot äv Ttgägeiav ex fiecbv xaxcbg), 
frg. 978; sie kehrt bei Plautus wieder Aul. 478 nam meo quidem 
animo si idem faciant ceteri opulentiores, pauperioram filias ut indo- 
tatas ducant uxores domum, et miüto fiat civitas concordior usw., vgl. 
492 sq., Truc. 60 quos cum celamus si faximus conscios, qui nostrae 
aetati tempestivo temperent, — faxim lenonum et seortorum usw., und 
am Schlüsse des Miles: si sie aliis moechis fiat, minus hie moeehorum 
siet, magis metuant, minus has res studeant; und als Abschluß ähn- 
licher Diatriben Merc. 826 Pers. 73 Trin. 220, vgl. Men. 460 l ). 

Ein ähnlicher Vorschlag an die Götter zur Weltverbesserung 
sind Eur. Hipp. 616 sq. der Plan wie das menschliche Geschlecht 
ohne Weiber fortzupflanzen wäre, Suppl. 1080 sq. der Wunsch nach 
einer doppelten Jugend und doppeltem Alter, Ion 1313 der Tadel 
des Asylrechts der Frevelhaften, frg. 439 (s. 0.). In anderen Fällen 



1) Das oxtf/ua erscheint bei Theognis (432 st ö' *Aoxlr\mäbaig xovxo y s'Scoxs ftsog, 
läoftai xaxbxr\xa xal dxrjgäg qpgevag dvögcbv, izoXXovg äv (Moftovg xal fteydXovg ecpegov) 
und, wie bei Euripides, auch sonst in den Anfängen der attischen Rhetorik: 
Thuk. III 67, 7 äXX' r\v 01 rjye/Ltoveg , wojieg vvv vfieTg, xsqpaXaicboavxsg ngög xovg 
^v/ujiavxag diayvco/uag 7ioir}or)0$s } rjooov xig l^' ädtxoig sgyotg Xoyovg xaXovg t,Y]xr\OEi. 

Isokr. 20, 17 äv ovv Jtsgiaigfjxs xäg ovolag xeov vsavisvo/uivcov etg xovg noXixag , 

ajiavfr 00a ösT xovg xaXwg dixd^ovxag öiajigd^scds etc. [Andok.] 4, 41 xairoi et 
xa>v TtQsoßevovxcov exaoxog xä avxä sjtotrjosv, öXlyovg äv aoXsjbtiovg ei/exe xal noXXovg 
ovfxfxdxovg sxsxxrjofte. Dann wendet es Cicero an : de inv. II 5 quod si in ceteris 
quoque studiis a multis eligere homines eommodissimum quidque quam sese uni 
alicui eerte vettent addicere, minus in arrogantiam offenderent, non tanto opere in 
vitiis perseverarent , aliquanto levius ex inscitia labwar ent. pro Rose. Am. 149 
quod si omnes qui eodem loco nati sunt facerent, et res publica ex Ulis et ipsi ex 
invidia 7?iinus laborarent. in Catil. 2, 18 quod si maturius facere voluissent — , et 
locupletimibus his et melioribus civibus uteremur, dies letzte von persönlichen, 
nicht allgemeinen Verhältnissen. Später findet es sich oft, z. B. bei Vitruv in 
den Vorreden: III pr. 1 si enim ita fuisset (s.S. 114 A. 2), X pr. 2 utinam di 
immortales fecissent — namque non sine poena grassarentur imperiti etc. Seneca 
de clem. I 19, 4 utinam quidem eadem homini lex esset (quae apibus) et ira cum 
telo suo frangeretur nee saepius liceret nocere quam semel nee alienis viribus 
exercere odia. facile enim lassaretur furor etc. Colum. praef. 11 cuius praeeepta 

si antiquo more administrarentur, minus iacturae paterentur res rusticae. — 

Das Mittelglied zwischen Euripides und Plautus gibt Menander frg. 542 K. elheg 

xov ddixovvxa — rj^vvexo k'xaoxog fjfji&v xal ovvmgaxxov äXXrjXoig mxgcog, 

ovx äv im tiXsiov xo xaxov yjiaTv rjv^exo xo xwv novrjgcov , äXXä ijxoi ojzdvtoi 

otpodg* äv r\oav rj jzsjiavfievoi. 



118 HI Plautus und seine Originale 

empfiehlt Euripides Einrichtungen, die die Mensehen selber treffen 
sollten, wie im Verfolg derselben Rede Hipp. 645 %Qfjv <5' Eig 
yvvaixa tiqogtioXov /uev ov Jieqäv (Andr. 943 sq.), äcpftoyya $ avxäig 
ovyxaxoixi£eiv bdxr\ firjQCüv, Xv el%ov (jLrjxe JiQooqpcoveTv xiva fjaqx et; 
exeivcov (p&eyjua fte^aoftai ndhv, so frg. 388, 3 (xal XQfjv de xoTg 
ßgoxotoi xovd' ehai vöjuov — ), 402 (vöjuot yvvcuxwv ov xalcbg xeivxai 
jieqi — ), 449 (i%Qfjv ydiQ rj/uäg — ), oder er tadelt nur den be- 
stehenden Zustand: Andr. 693 oi/uoi, xaff'Ekkdd' cbg xaxcbg vojui£exai' 
öxav xQonaTa Jiokejulcov oxijorj oxQaxog, ov xcbv tzovovvxojv xovQyov 
f\yovvxai xöde, aXV 6 oxQaxrjyög xrjv öoxrjoiv aqvvxai, dg eig juex' äXXwv 
juvqiojv ndkliov öoqv ovdev tcMov öqwv evog e%ei nXeioj koyov. Der 
Übeln Einrichtung, Sitte, Anschauung der Menschen gegenüber 
bedarf es nicht der Anklage gegen die Götter; da kann der Welt- 
verbesserer als Gesetzgeber auftreten und den Menschen die wahre 
und naturgemäße Einrichtung empfehlen, die aber dem vöjuog 
gegenüber stets paradox erscheinen und nie befolgt werden wird. In 
dem einen wie in dem andern Falle, in der Verbesserung der Welt- 
ordnung wie des menschlichen vojuog, ist die einseitige sophistische 
Beleuchtung, die der Redende dem vorliegenden Moment der Hand- 
lung gibt, um seine Argumentation ins Allgemeine zu erheben, für 
Euripides charakteristisch 1 ); gerade dadurch wurde diese Form für 
die Komödie besonders verwendbar. Die Verhältnisse des Lebens, 
die sie abspiegelt, veranlassen den, der unter ihnen leidet oder zu 
leiden glaubt, zu der gleichen Art von Ausfällen gegen das Be- 
stehende und Plänen zur Besserung wie die tragischen Helden, die 
ihr Dichter dem Leben des Tages und der alltäglichen Empfindungs- 
weise nähert. Wo es sich um menschliche Verhältnisse handelt, 
die das allgemeine Empfinden berühren, unterscheidet sich die 
Komödie wenig von Euripides; wo speciell auf die komische Hand- 
lung zugespitzte Fälle allgemein behandelt werden, tritt natürlich 
der komische Charakter des Gedankens deutlicher zutage. Es 
ist niemand den, aus der Situation heraus empfunden, die Rede 
der Medea über das von der Sitte bestimmte Frauenschicksal nicht 
mit ihrer einfachen Wahrheit ergriffe (230): ndvxcov <5' 6V eox 

1) Sophokles frg. 103 (Ak^trjg) zeigt genau dieselbe Anschauung und die- 
selbe Redeform ; Meineke hielt es für euripideisch ; wenn das Lemma bei Sto- 
baeus richtig ist, so gibt das Fragment einen merkwürdigen Beleg für den 
Einfluß, den Euripides auf Sophokles in dessen späterer Zeit (denn in sie müßte 
man den HXrjtrjg verlegen) geübt hat. Ein anderes ist die Hinweisung auf vö- 
/ut^a ßaQßaQixd Oed. Col. 337 sq. 



Menschliche Einrichtungen 119 

e'fjujwya xal yvcbjurjv e%ei yvvcuxeg sojuev äfifacbxaxov cpvxov bis zu 
dem Schlüsse: avr\q <5' öxav xolg evdov ay$v)xai gvvcov, el-co juokä>v 
e'jiavöE xagdlav äorjg, fjjuiv d 1 ävdyxrj tzqos ftiav ipvyr]v ßteneiv, und 
Klytämestra (Elektr. 1032 sq.) erweckt eine Art von Mitgefühl 
durch ihre Klage über dieselbe Ungerechtigkeit der Welt: öxav 6' 
vnövxog xovft äjuaQxdvf] nooig xävdov Jiagcooag Mxxqol, /MjUEio&at 
fteXei yvvrj xbv ävÖQa yaxzqov xxäoftat cpikov ' xamix iv fifjuv 6 ipöyog 
ÄajujzQvvexai, oi d' aXxioi xcbvd' ov xkvova ävÖQeg xaxcbg 1 ). Damit 
vergleiche man die Klage der alten Syra über das ihrer Herrin 
vermeintlich zugefügte Unrecht, im Mercator, d. h.'dem "Ejunogog 
des Philemon, v. 817: 

ecastor lege dura vivont mulieres 

multoque iniquiore miserae quam viri. 

nam si vir scortum duxit clam uxorem suam, 

id si rescivit uxor, impunest viro; 820 

uxor virum si clam domo egressast foras, 

viro fit causa, exigitur matrimonio. 

Es ist, in die Lebensverhältnisse der Komödie umgesetzt, genau die 
euripideische Klage. Und nun folgt der Vorschlag zur Abhülfe in 
Form des Wunsches 2 ): 

utinam lex esset eadem quae uxorist viro; 

nam uxor contentast, quae bonast, uno viro: 

qui minus vir una uxore contentus siet? 825 

und mit komischer Spitze die Ausmalung der Folgen 3 ): 

ecastor faxim, si itidem plectantur viri, 
si quis clam uxorem duxerit scortum suam, 
ut illae exiguntur quae in se culpam commerent, 
plures viri sint vidui quam nunc mulieres. 

Diese Rede gehört auch zu den Partien, die in neuerer Zeit mehr 
als ein Verdammungsurteil getroffen hat 4 ). Daß der Inhalt ihre 



1) Ähnlich in der Danae (Naevius frg. 6): desubito famam tollunt, si quam 
solam videre in via. 

2) Vgl. S. 117 Anm. 

3) Vgl. S. 117. 

4) Ussing p. 346 ('sive Plautus haec scripsit sive poeta paulo posterioris 
aetatis'), Ribbeck einend. Merc. Plaut, spicil. p. 13, Langen Plaut. Stud. p. 312. 
Wie Langen unter Berufung auf seine Beitrage p. 148 sq. den Ausdruck in se 



|20 m Plautus und seine Originale 

Echtheit beweist, brauche ich nicht weiter zu beweisen; die sprach- 
lichen Anstände sind so nichtig wie möglich. Das einzige Argument, 
auf das, wie es scheint, die Athetirenden selbst Gewicht legen, 
ist die Stellung der Yerse in den Handschriften an vermeintlich 
falscher Stelle. Auf dieses Argument muß ich eingehen und den 
Leser bitten, mir in die Interpretation der Scene zu folgen. Die 
alte Syra ist von ihrer Herrin fortgeschickt worden um deren Vater 
herbeizuholen; sie kehrt zurück v. 803: era quo me misit, adpatrem, 
non est dornt, rus abiisse aibant. nunc domum renuntio. Wie sie 
eintreten will, kommt Eutychus, ihr alumnus, vom Umherlaufen 
ermüdet heim, Syra erzählt ihm daß die Mutter eine Dirne beim 
Vater im Hause getroffen habe, er geht hinein und fordert die Alte 
auf dasselbe zu tun: sequere me. Diese bleibt aber auf der Bühne 
und spricht die Verse von der Übeln Lage der Frauen. Hieran hat 
Bothe Anstoß genommen und die Verse 817 — 829 nach v. 804 ein- 
gesetzt; da hat Ritschi sie beibehalten, und seitdem wird nur noch 
die Frage, ob sie nach v. 804, nicht mehr ob sie an ihrer hand- 
schriftlichen Stelle passend seien, als offen behandelt. Ussing argu- 
mentum so: c illic, postquam Syra Eutychum secuta abiit, versus ferri 
non posse apparet (vgl. Langen PI. Stud. 312); und der Schablone 
entspricht es freilich, daß auf das sequere me Syra sofort dem Herrn 
nachgeht; meist wird zwar in solchem Falle der Befehl mit sequor 
entgegengenommen, aber nicht immer. Ein Fall, in dem der Befehl 
nicht gleich befolgt wird, liegt Epid. 305 sq. vor: Periphanes geht, 
um dem Epidicus das Geld zu geben, ins Haus mit den Worten 
sequere tu intro, Epidicus antwortet i numera, nil ego te moror und 
spricht den Monolog v. 306 — 318, ehe er mit den Worten ibo intro, 
argentum accipiam a damnoso sene dem Alten nachgeht. Ähnlich 
Aul. 696. Hier wie dort spricht freilich der Bleibende ausdrück- 
lich aus, daß er noch nicht hineingeht, während Syra weder sagt 
daß sie zuerst nicht folgt noch nachher daß sie folgt; aber während 
es keine Erklärung hätte, wenn Epidicus oder Lyconides einfach 
nicht gehorchten, braucht man sich nur Person und Spiel an- 
schaulich zu machen, um zu sehen daß der Dichter mit guter 



culpam commerent für unplautinisch erklären kann, ist mir ebenso unverständlich, 
wie seine Behauptung, viro fit causa sei 'eine ziemlich ungeschickte Wendung' 
oder Ritschis von Ribbeck und Langen (denn wie könnte er sonst von den c von 
Ribbeck angeführten sprachlichen Bedenken' reden ?) wiederholte Behauptung, 
die Stellung von miserae v. 818 sei c unplautiniseh\ 



Philemon 121 

Absicht Syra nicht ohne weiteres gehorchen läßt. Syra ist ein 
uraltes Weibchen, so ist sie beim ersten Auftreten charakterisirt: 
v. 670 sagt die Herrin sed anum non video consequi nostram Syram. 
atque eccam incedit tandem. quin is ocius? Darauf Syra: nequeo 
mecastor, tantum hoc onerist quod fero, und auf die Frage quid 
onerisl weiter: annos octoginta et quattuor; et eodem accedit servitus 
sudor sitis. Dann muß sie wieder laufen und kommt ermüdet 
zurück. Die Ethopöie der neuen Komödie und das Spiel, das ihr 
entspringt und auf das sie rechnet, chargirt eine solche Rolle in 
den Äußerlichkeiten der Charakterisirung 1 ). Die alte Syra humpelt 
und hüstelt über die Bühne; der junge Eutychus springt, entsetzt 
über die Nachricht, ins Haus, da springt ihm die Alte nicht nach, 
sie verschnauft und spricht, ev rj&ei, ihr Sprüchlein, durch die 
Eröffnung die sie dem jungen Herrn gemacht hat neu dazu angeregt. 
Mit dieser Betrachtung in solcher Fassung erst findet der Akt 
wirksamen Abschluß. Aber auch dieses dem Leben abgelauschte 
Motiv von der Alten, die aufgefordert ins Haus zu gehen es zwar 
zu tun bereit ist, aber vorher eine allgemeine Betrachtung anstellt, 
ist von Euripides vorgebildet, an einer Stelle, die mit der des 
Mercator wahrlich Ähnlichkeit hat. Die alte Dienerin Medeas, 
Ttakatbv ol'xcov xxfjjLia, antwortet der Aufforderung des Chors ällä 
ßäod viv öevQo tzoqevoov olxcov sfco, die er dringlicher wiederholt, 
öTievöov nqiv ti xaxwaai rovg el'oa>, mit den Worten (184) dgaoco 
xdö' ' äroLQ cpoßog ei neioco deonoivav ejuyjv ' ixoyßov de %6lqiv rrjvd' 
emdooGco, obwohl es gefährlich ist ihr jetzt zu nahen. Dies sind 
sachliche Bedenken, mit denen sie sich entfernen könnte, wenn sie 
täte was die Sache erfordert; aber sie bleibt und redet von der 
Torheit der Menschen, die den Fröhlichen Musik machen, und 
weist nach daß es viel geratener wäre, die arge Trauer des Her- 
zens durch Lied und Saitenspiel zu beschwichtigen: genau wie die 
Alte im Mercator zuerst die üble Einrichtung beklagt und dann 
bespricht wie man sie bessern müßte. Das ist Philemon; und ich 
halte es nicht für Zufall, daß die Betrachtung Medeas über das 
Weiberlos sich unmittelbar an die Rede der Alten anschließt. 

Den Schluß des Mercator bildet eine ähnliche Phantasie- 
bestimmung: immo dicamus senibus legem censeo. annos natus sexa- 
ginta 2 ) qui erit si quem scibimus — scortarier, cum eo nos hac lege 



1) Vgl. Men. 753 sq. Ter. Eun. 336. 

2) Die Altersgrenze der 60 Jahre ist attisch wie römisch. 



122 HI Plautus und seine Originale 

agemus usw. Im Trinummus klagt Megaronides v. 199 sq. über das Un- 
wesen der scurrae, die die Leute mit ihren Lügen verlästern, und 
schließt mit der Betrachtung (217): quod si exquiratur usque ab stirpe 
auctoritas, unde quicque auditum dicant, nisi id appareat, famigeratori 
res sit cum damno et nialo, hoc ita si fiat, publico ßat bono, pauci 
sint faxim qui sciant quod nesciunt, occlusioremque habeant stultilo- 
quentiam 1 ). Ähnlich kommt dem alten Philto im Trinummus v. 547 
der Gedanke eines Deportationsortes für Verbrecher: sed iste est 
ager profecto, at te audivi loqui, malos in quem omnes publice mitti 
decet, sicut fortunatorum memorant insulas, quo cuncti qui aetatem 
egerint caste suam conveniant; contra istoc detrudi maleficos aequom 
videtur, qui quidem istius sit modi 2 ). 

Es läge dem Umstände gegenüber, daß sich in Mercator und 
Trinummus je zwei Belege finden, nahe anzunehmen, daß gerade 
Philemon diese Art, Verbesserungen der Welt- und Lebensein- 
richtung vorzuschlagen, von Euripides übernommen und ihre Form für 
die Komödie durchgebildet habe. Bei Euripides entspringt sie der 
sophistischen Betrachtungsweise zusammen mit dem tiefen Anteil, 
den er an den Dingen des menschlichen Lebens und den Leiden 
der Menschen nimmt; sie ist in der Tragödie dem an Euripides 
noch nicht gewöhnten Hörer ein fremd klingendes Element. Der 
Komödie gehört jede Art der Lebensbetrachtung an; aber jene 
Form ist übernommen und von einzelnen Dichtern schematisch 
durchgebildet worden. Von Menander ist vielleicht das Original der 
Aulularia 3 ) und damit die Diatribe des Megadorus 478 sq. über das 
Heiraten von indotatae. Sie ist nicht in Form des Gesetzvor- 
schlages gebracht, sondern eingeleitet durch si idem faciant ceteri, 
aber der Abschluß v. 492 sq. entspricht ganz dem Schema, und 
als} komisches Gesetz ist die Annahme, daß es so geschehen sollte, 
gefaßt v. 488 neque lex neque sutor , 489 quo Mae nubent divites 
dotatae, si istud ius pauperibus ponitur?^) Über Philemon hinaus 



1) Sehr verschieden ist es, wenn es von derselben Kategorie von Leuten 
Pseud. 428 heißt si meo arbitratu liceat, omnes pendeant. 

2) Ter. Phorm. 978 non hoc publicum scelus hinc asportarier in solas terms 1 

3) Hüffner de PI. com. exeinplis atticis p. 63 sq. [Geffcken Studien zu 
Menander (Hamburg Wilh. Gymn. 1898), Wilamowitz N. Jahrb. 1899 S. 517 f. 
Legrand Rev. des 6t. gr. 1902 S. 357 ff. Bonnet Mel. Havet S. 29 ff.]. 

4) Vgl. Aul. 747 si istuc ius est Rud. 978. Eur. Or. 566 ei yäg yvvaixeg 
sig tob" rj^ovaiv d'Qaoovg — 935 ei yaQ ägoevcov <povog eozai yvvcul-lv ooiog — 
Alk. 683. 



Mittlere Komödie. Juristisches unrömisch 123 

aber führt der Persa 1 ), den Wilamowitz 2 ) auf einen Dichter der 
mittleren Komödie zurückgeführt hat. Hier findet sich das Schema 
ganz ausgebildet in der Rede des Parasiten v. 62 sq. : neque quadru- 
pulari me volo, neque enim decet sine meo periclo ire aliena ereptum 
bona, neque Uli qui faciunt mihi placent, und nach der vorsichtigen 
Einschränkung 65 nam publicae rei causa quicumque id facit magis 
quam sui quaesti, animus induci potest eum esse civem et fidelem et 
bonum das Gesetz v. 68, dessen Einleitungsvers verloren gegangen ist: 

si legirupam qui damnet, det in publicum 
dimidium; atque etiam in ea lege ascribier: 
ubi quadrupulator quempiam iniexit manum, 
tantidem ille illi rursus iniciat manum, 
ut aequa parti prodeant ad tris viros, 

mit der stehenden Form des Nachworts: 

si id fiat, ne isti faxim nusquam appareant, 
qui hie albo rete aliena oppugnant bona. 

Man könnte gegen die Beweiskraft dieser Verse einwenden, daß sie 
augenscheinlich römische Rechtsverhältnisse betreffen und nur mit 
Vorbehalt dem Original zugeschrieben werden können. Auf diese 
Einwendung in einem Falle einzugehen scheint mir notwendig; und 
dieser Fall ist geeignet, auch auf andere Licht zu werfen. Welchen 
Rechtsvorgang stellt sich denn Plautus vor? Zunächst eine Popular- 
klage 3 ), die in Form der legis actio per manus iniectionem statt- 
findet. Die Möglichkeit einer solchen Klage zu leugnen wäre nicht 

1) Und, um das vorwegzunehmen, Antiphanes frg. 190, 14 K. xi ovv oyekog 
xwv vrjoiagx&v ion; See (oder edsi) vo/lio) xaxaxXsTöai xovxo, üiaQanofxjirjv noeXv xeov 
l/tivcov (überliefert drj für ösT, Athen. VIII 343 a, doch eoxi drj vofico xaxaxfaToai 
trifft den Gedanken nicht) und besonders Alexis frg. 276, dessen Anfang (Athen. 
I 28 e) rjövg (y') 6 Bgö/Litog ' xrjv axeketav Asaßiov jzoicov xbv olvov elodyovoiv iv&dds 
von Kaibel nach Casaubonus schön emendirt ist: %qv\v dxelsiav Asoßioig noisTv, 
im folgenden aber: og äv slg eteqclv Xrjcp&fj <5' anooxikkwv nohv xav xva.'&ov, legav 
syyQacpcov xrjv ovoiav ist richtig im Parisinus iyyQoxpco überliefert: der Redner 
fühlt sich gleich als Antragsteller. 

2) Ind. lect. Gott. 1893/94 p. 13 sq. Chrysopolim Persae cepere urbem in 
Arabia kann in der Tat nichts anderes bedeuten als ßaodevg xad'sTXe Xqvoo- 
tioXiv xfjg 'AQaßtag. [Vgl. Monol. im Dr. S. 46 f. Anm., J. Partsch Hermes XLV 596.] 

3) Das beweisen v. 65 sq.; Ps. Asconius p. 110 und 208 (delatores criminum 
publicorum) würde für Plautus nichts beweisen. Die Festusglosse (Paul. 259 
quadriplatores dicebatitur qui eo quaestu se tuebantur, ut eas res yersequerentur 
quarum ex legibus quadrupli erat actio) ist ein Scholion zum Persa, wie eo 
quaestu se tuebantur zeigt. 



124 HI Plautus und seine Originale 

statthaft; und sie ist jetzt bezeugt durch die Haininschrift von 
Luceria sei quis arvorsu hac faxit, [ceiv]ium x ) quis volet pro ioudi- 
catod n. (L) manum iniect[i]o estod, wenn auch nur für eine latinische 
Colonie, so doch sicher nach römischem Recht 2 ). Daß die manus 
iniectio, die von dem Beklagten soll erwidert werden können 3 ), 
ordnungsmäßig (Graius IV 29) in iure stattfinden soll, kann nach dem 
Wortlaut so verstanden werden; aber den so eingeleiteten Proceß 
sollen die tres viri entscheiden, es ist also ein Kriminalproceß. 
Dieselbe manus iniectio zum Zweck krimineller Bestrafung findet 
sich Truc. 761 iam her de apud — magistratus faxo erit nomen tuom, 
post id ego te manum iniciam quadrupuli, venefica, suppostrix puerorum, 
aber ohne Nennung der tres viri 4 ). Die kriminelle manus iniectio 5 ) 
oder der vom Prätor instruirte Kriminalproceß 6 ) machen den Juristen 
gleich große Schwierigkeiten. Dazu kommt, daß auf Grund der 
Plautusstelle für die tres viri eine sonst unbekannte Competenz 
construirt werden muß 7 ). Es kommt ferner dazu, daß ein solches 
öffentliches Denuntiantenwesen, wie der Parasit es voraussetzt, für 
das Rom des 6. Jahrhunderts unbezeugt und ganz unwahrscheinlich 
ist; die Quadruplatoren kommen überhaupt nicht vor Cicero wieder 
vor. Das alles erfordert eine Erklärung. Stellen wir uns vor, 
welchen Inhalt die Verse in einer attischen Komödie haben konnten. 
Da springt gleich ins Auge, daß die äjiaycjoyrj durchaus der öffent- 
lichen Klage und dem Kriminalproceß angehört, daß sie in Fällen 
stattfindet, die das Staatsinteresse berühren, z. B. wenn ein änjuog 
Handlungen verrichtet die nur einem emu/uog zukommen, daß der 
xaxovgyog direkt ins Gefängnis abgeführt und in vielen Fällen 
summarisch von den evdexa abgeurteilt wird. Die evdexa aber, die 
das Gefängnis beaufsichtigen und die Todesurteile vollstrecken, sind 
die den Dreimännern parallele Behörde. Ferner leuchtet es ein, 
daß diese quadruplatores nichts sind als die attischen ovxocpdvrat 



1) So Mommsen C. I. L. IX 782. 

2) Bruns Z. f. Rechtsgesch. XII 127 ff. 

3) Wie unrichtig es ist, wenn Kariowa Legisactionen S. 193 meint 'die 
empfohlene manus iniectio contraria wird keine reine Erfindung des Plautus, 
sondern irgendeinem wirklichen Gesetz entlehnt sein', geht aus meiner Er- 
örterung hervor. 

4) Doch vgl. Asin. 131 ibo ego ad tres viros vostraque ibi nomina faxo 
erunt. Aul. 416. 

5) So Demelius Z. f. Rechtsgesch. I 365. 

6) Bruns Z. f. Rechtsgesch. XII 139. Mommsen R. St. II 599. 

7) Mommsen R. St. II 599 A. 1. [Strafr. 180 A. 1.] 



Juristisches 1^5 

(vgl. Ussing); wenn wir diese an die Stelle von jenen setzen, so 
weht uns gleich die Luft der attischen Komödie an und wir wissen 
aus welchen Verhältnissen des öffentlichen Lebens heraus die Er- 
findung gemacht ist, die Plautus mit römischen Namen umkleidet 
hat; der Sykophant und Parasit aber sind gerade in der Komödie 
Charaktere derselben Sphäre 1 ), oft in einer Person vereinigt, wie 
vor allen Phormio zeigt; Saturio sagt also: ich mag es nicht treiben 
wie andere meines Gewerbes. Wenn Plautus etwa gelesen hat: 
XQfjv d', fjv xaxovQyov ovxocpdvTrjg dnaydyr\ } xal xbv dTzayö/uevov röv 
ändyovx dndyeiv eäv, öjicog In Taotg Tiagicoot ngög rovg evÖExa 2 )^ so 
war die Übersetzung, die er gegeben hat, wie sie attisch-römisch 
schillert, seinem Stil gemäß 3 ); er hat änayooyf} mit manus iniectio 
parallelisirt, die evdexa mit den tres viri wie die Sykophanten mit 
den quadruplatores : nun ist alles Einzelne römisch und das Ganze 
doch kein römisches Bild, dem Zuhörer halb fremd halb vertraut 4 ). 
Es ist ein Zug von echter Naivität in dieser Art der Übertragung; 
vor der Reflexion eines verfeinerten Geschmacks mußte dieser Stil 
verschwinden. Andererseits fühlt sich Plautus in einem solchen 
Falle, wenn er sich auf das Gebiet des öffentlichen Lebens wagt, 
nicht ganz sicher; sehr bezeichnend sind die Worte, mit denen er 
den Parasiten diesen Gegenstand abbrechen läßt: sed samne ego 
stultus, qui rem curo publicum, ubi sint magistratus, quos curare 
oporteat? (vgl. 65 sq.). Das ist in der Tat rein römisch und gibt 
uns einen Fingerzeig dafür, daß dergleichen Diatriben, die öffentliche 
Schäden besprachen und auf Abhülfe drangen, öfter in der attischen 
Komödie vorgekommen sein mögen als Plautus geraten fand in 
römischer Parallele dem Publikum vorzuführen 5 ). 

An einer anderen Stelle scheint Plautus ausdrücklich anzudeuten, 
daß er die Bestimmung selbst erfindet: Capt. 492 nunc barbarica 
lege certumst ins meum omne per sequi: qui consilium inier e, quo nos 
victu et vita prohibeant, is diem dicam, inrogabo multam, ut mihi 



1) Menander 223, 16 nqdxxzi 6' 6 xokal; ägtora ndvtcov, devrega 6 ovxotpavxrjg. 

2) Alexis frg. 78, 6 ov äv <5' idy jzqcozov Ttivrjza xai vsov nagä Mixtoovog 
ey%eXsis wvovfiisvov, djidyeiv Xaßofxsvov sig xo ösoficotiJQiov. 

3) Truc. 761 sq. (s. S. 124) stehen, wie es scheint, evdeig~tg und djiaycoyrj bei- 
einander (Aristot. nol. 'A&. 52, 1), diese vielleicht, wie venefica noch andeuten 
mag, mit scherzhafter Übertreibung <paQjuaxeiag. [Vgl. Mommsen Strafr. 189. 8G0.] 

[4) Zu dieser Erörterung vgl. Fredershausen de iure PI. et Ter. 69 f., Partsch 
Hermes XLV 598 ff.] 

5) Vgl. Herrn. XXIV 67. 



126 HI Plautus und seine Originale 

cenas deeem meo arbitratu dent, cum cara annona sit. Aber auch 
hier spricht dafür, daß im Original Entsprechendes stand, der Um- 
stand daß wieder ein Parasit es ist der mit Gesetzen hantirt; und 
abermals der Parasit entwirft Men. 45t sq. den Plan zu einer neuen 
Einrichtung der Volksversammlung: nur die weder laden noch 
geladen werden sollen in die contio gehen. Sehr ähnlich angelegt 
ist die Diatribe des Lysidamus in der Casina v. 563 sq. (Diphilos) 
über die Mühewaltung als advocatus 1 ). 

In ein anderes Gebiet gehört es, wenn euripideische Personen 
Vorschriften der Lebensweisheit geben, sei es aus der Meinung des 
Dichters oder mit der Färbung, die aus Charakter und Situation 
hervorgeht; wie Andr. 1279 sq. (nicht um Geld heiraten), Hipp. 
252 sq. (%QYJv ydg juergtag eig älkrjlovg (pdiag ftvriTovg ävaxlQvaofiat) 2 ). 
Die euripideische Weise, den ßlog zu betrachten und zu zergliedern, 
in Lehren und Anspielungen auf jede Art von Lebensverhältnissen 
und die Wechselwirkung von Leben und menschlichem Gemüt 
einzugehen, kehrt mit geringerer Vertiefung, aber breiter und aus- 
geführter in der plautinischen Komödie wieder. Das ist natürlich 
nicht Plautus und römische Denkweise; es ist die neue Komödie, 
die einmal selbst im neuattischen Leben mit dem geschärften Sinn 
für die Eigenheiten von Welt und Menschen steht, zum andern 
als Gattung unter der Einwirkung der euripideischen Tragödie steht, 
zum dritten in ihren Vertretern von der modernen Ethik beeinflußt 
ist, die eine Fortsetzung desselben Stromes ist, der die Lebens- 
anschauung des Euripides befruchtet hat 3 ). Daher finden sich 
natürlich directe Übereinstimmungen mit Euripides sowohl wie mit 
der Moralphilosophie. Hermione sagt Andr. 938 xi yaQ fi ixQV v 
nootv (pvMooeiv, f\ jioiqyjv oocov }jC eder, sie wiederholt in ihrer Angst 
was die Männer, die außerhalb des Hauses Unterhaltung suchen, 
ihren eifersüchtigen Frauen zu sagen pflegen; es ist genau die 

1) Ein Reflex dieser komischen Gesetzgebung findet sich auch in der 
Elegie: Properz III 14 über den vö/uog Aaxcovixog, v. 21 lex igitur Spartana vetat 
seeedere amantes ei licet in triviis ad latus esse suae — at nostra ingenti vadit 
circumdata turba — quod si iura fores pugnasque imitata Laconum, carior hoc 
esses tu mihi, Borna, bono, auch mit der für Tragödie und Komödie typischen 
Form des Abschlusses. Der Weg ist derselbe , den die erotischen Motive aus 
der Komödie in die Elegie genommen haben (s. u.). Properz erinnert an Kritias 
(eleg. 2), aber da liegt nicht seine Wurzel. 

2) Über die Auffassung der Rede Wilamowitz S. 199. 

3) sjisl nai XeXdlrjxs nsgl rov jid&ovg (pdoaoqpcorsQov (6 Mevavögog) Plutarch 
7t. sQcorog bei Stob, floril. 63, 34. 



Lebensweisheit. Freundschaft 127 

Litanei des Menaechmus v. 120 quando ego tibi ancillas, penum, 
lanam, aurum, vesteni, purpuram bene praebeo nee quiequam eges, 
malo cavebis si sapis, virum observare desines *), die nachher der Vater 
seiner Tochter wiederholt 787 quotiens monstravi tibi, viro ut morem 
geras, quid ille faciat ne id observes, quo eat, quid verum gerat, 801 
quando te auratam et vestitam bene habet, ancillas, penum recte 
praebet, melius sanam est, mulier, mentem sumere. Um zu belegen, 
wie sich die verschiedenen Ströme der Einwirkung noch bei Plautus 
erkennen und sondern lassen, weise ich auf die Rolle hin, die bei 
ihm die Freundschaft unter Altersgenossen, die exaiQixrj cpdia des 
Aristoteles spielt. Sie ist der alten Komödie noch fremd, wenigstens 
Aristophanes hat sie noch nicht aus dem Leben in die Kunst über- 
tragen; dafür sind Peithetairos und Euelpides sehr bezeichnend; 
Vorbildungen späterer Komödienpaare, aber eigentlich ohne (pdla, 
sind Lysistrate und Kallonike und in höherem Grade Chremylos 
und Blepsidemos. Als Motiv der Handlung hat die jüngere Tra- 
gödie die Freundschaft verwendet und ausgebildet, zumal Euripides. 
Bei ihm gilt xotvä xä xoov cpiXoov wie in der neuen Komödie 2 ), zu 
deren bewegenden Elementen es gehört, daß der Freund vom 
Freunde jede Hülfe, Geld und Taten, erwartet. Als Beispiel von 
Übereinstimmung im einzelnen führe ich an Bacch. 385: ita esse 
arbitror, homini amieo qui est amicus ita uti nomen possidet, nisi 
deos ei nil praestare, wie Eur. Or. 1155 ovx eoxiv ovdev xqslooov ?] 
(piXog öacpY\<Zy ov nXovxog, ov xvgavvlg, 806 juvqio)v kqeloocov djuaijucov, 
mit dem euripideischen opticus cpiXog 3 ). Während der Blüte der 
mittleren Komödie stand der platonische egeog im Mittelpunkt des 



[1) Vgl. Kroll Rhein. Mus. LXIV 55.] 

2) Parodirt Cure. 333 sq. 

3) c Der Freund ist, nicht n,ur den Namen trägt' (Eur. Or. 454 ovofia yäg, 
e'gyov <5' ovx e'xovoiv) , vgl. Trin. 620 nimium difficilest reperire amicum , ita ut 
nomen cluet (vgl. 496), Cas. 615 nunc tu mi amicus es in germanum modum, vgl. 
Pompon. v. 145 R. ut si quis est amicus amici, gaudet si cui quid boni evenit, cui 
amicus est germanitus (über die Stelle s. u., vgl. Ter. Ad. 957 germanus pariter 
animo et corpore), Merc. 744 und Trin. 241 qui amat quod amat; vgl. Wilamo- 
witz zu Herakl. 56. Andr. 376 qdIXcov yag ovdev i'dtov ottivsg ylXoi og&cog necpvxao\ 
dXXä xoivä xQVf jtata ' Menand. frg. 367 K. tovff izatQÖg eouv ovreog. Antiph. 
frg. 212, 6 ovtcog eraiga. Philem. 22 xäv SovXog fj rig, ovdev fjztov, Seojiora, ävd'Qco- 
nog ofixog iotiv, äv äv&Qcojtog fj, Menand. 761 cog %agiev (ojzdviov citirt Galen 
falsch) Iöt' äv&Qcojzog, öxav avdocojzog #. So mulier quae mulier Varro bei Nonius 
p. 67, 16 und Petron 42, vgl. Bücheier Rhein. Mus. XLVIII 631. Ähnlich Pro- 
perz II 34, 7 hospes in hospitium Menelao venu adulter. 



128 m Plautus und seine Originale 

philosophischen Denkens, in ihrer letzten Zeit entwickelte Aristoteles 
die Theorie der <pdia (eth. Nicom. VIII. IX) und Menander und 
Philemon lasen Theophrasts Schrift wie sie erschien 1 ). Wenn es 
im Truculentus v. 1 73 heißt certe hercle quam veterrimus, tarn homini 
optimust amicus, so entspricht genau Cicero de amic. 67 amicitia 
veterrima quaeque, ut ea vina quae vetustatem ferunt, esse debet sua- 
vissima 2 ). Auf einen aus der Ethik bekannten Satz spielt Calidorus 
an Pseud. 390 pauci ex multis sunt amiei, homini qui certi sient: 
Aristoteles gestattet nur wenig Freunde 3 ). Desgleichen Dordalus 
im Persa v. öl 4 tibi ibidem das ubi tu tuom amieum adiuvas, 
Megaronides Trin. 23 amieum castigare ob meritam noxiam — utilest 
et condueibile, die Diatribe über die falschen Freunde Bacch. 540 sq. 
und vieles derart. Die Hauptsache aber zu der Bedeutung, die die 
Jugendfreundschaft für die neue Komödie besitzt, tat das Leben, 
und zwar in diesem Falle das öffentliche Leben. Bald nach der 
Schlacht beiChaeronea führte der Staat die Ephebenordnung ein 4 ), nun 
sind es die gleichen Jahrgänge, die in zweijährigem gemeinsamem 
Soldatenleben sich aneinander schließen, die ovvecprjßoi die im Leben 
wie in der Komödie zueinander halten. Von Philemon kennen wir 
einen Zvvecprjßog (wenn in dem einzigen Citat der Singular richtig 
überliefert ist), von Menander und mehreren anderen Zvveq^rjßot^). 
Wie energisch sich die Komödie des gegenwärtigen Lebens be- 
mächtigt, zeigt Philemon am deutlichsten: in den drei Stücken, 
die Plautus von ihm übernommen hat 6 ), treten solche Freundes- 

1) Heylbut de Theophr. libris tieqi yiUag reconstruirt vornehmlich aus 
Cicero und Plutarch. 

2) Es folgt multos modios salis simul edendos esse gleich Aristot. eth. Nicom. 
1156 b 27, also aus Theophrast; und auf dasselbe Sprichwort geht Cas. 538 (Di- 
philus). — Antiphanes frg. 333 (Paraphrase) al veai qptXiai avayxmcu pdv, ai ök 
izaXaiai ävayxcuoxsQcu. 

3) p. 1171 a 14 ov ylvovxai (piXoi JioXXoi xaza xr\v exaioixrjv (pdlav aya- 

nrjxov de xal SXiyovg svqsiv xoiovxovg. 1158 a 10 noXXoXg 6' elvat <piXov xaxä xr]v 
xeleiav (pdlav ovx, ivdexsxat, wotieq ovds sgäv tioXX&v äpa. Die Stoiker empfehlen 
noXvcpdia. Vgl. Heylbut p. 7. — Eur. Suppl. 867 cpiXog t 1 aXrid'rjg f\v cplXoig 
TtaQovol X8 xai (A,t] aagovoiv wv ägitifzög ov JtoXvg. 

4) Wilamowitz Aristot. u. Athen I 189 ff. 

5) Lukian. dial. meretr. 4, 1 mvovoi Jtaga xeo ovveqprjßü) IJafijUEvsi avxog xs 
xai JZiftixr}, 5 xeov ovvscprjßcov ijiixi/xrjodvxcov avxcp. 7, 1; 12, 1. 

6) Für die Mostellaria habe ich dies Hermes XVIII 560 wahrscheinlich 
gemacht oder vielmehr den so gut wie vorhandenen Indicienbeweis vervoll- 
ständigt, indem ich den Namen des Dichters v. 1149 nachwies. Auch auf die 
auffallende Ähnlichkeit von Mostellaria und Trinummus in der Führung der 
Handlung und der Erfindung der Hauptfiguren habe ich dort hingewiesen. 



Freundschaft. Philosophiren 129 

paare auf, in zweien sind sie ausdrücklich als ovvecprjßoi bezeichnet: 
Merc. 61.2 aequalem et socialem, Trin. 326 amico atque aequali 1 ); 
desgleichen in den Bacchides (Menander, vgl. Terenz in A. 1) und 
im Epidicus (102 cum Chaeribulo in cedit aequali suo); die Freunde 
im Pseudolus sind nicht Synepheben, Charinus ist Karystier 2 ). Hier- 
nach wird kein Zweifel sein, daß es ins Original gehört, wenn bei 
Plautus von Freundschaft geredet wird. 

Die plautinischen Personen philosophiren viel und in ver- 
schiedener Weise, philosophari heißt bei ihm entweder in scharfer 
Dialektik oder in moralischen Sprüchen reden. Capt. 284 salva 
res est, philosqphatur quoque iam, non mendax modost, Pseud. 974 
salvos sum, iam philosophatur: die Stellen sind einander ganz ähnlich, 
Philocrates hat auf die Frage, ob der Vater noch lebt, geantwortet 
das könne man nicht wissen, er habe gelebt als sie von Hause 
gingen; Simia sagt dem Kuppler, der auf die Frage ob er jemanden 
hier kenne geantwortet hat, er kenne sich selbst: nur die wenigsten 
Leute kennen sich selbst; beides argutiae. die darin beruhen daß 
ein Begriff gepreßt wird, und zwar mit Anspielung auf bekannte 
Weisheitslehren: omnem erede diem tibi diluxisse supremum, yvcodi 
oavTov (vgl. Stich. 124, Pseud. 262). Tn demselben Sinne wird 
sapienter angewendet Pers. 639 3 ). Pseudolus schließt v. 687 eine 
längere Betrachtung mit den Worten sed iam satis est philosophatum; 
er hat, angeregt dadurch daß das zufällige Erscheinen des Harpax 
ihn, da er schon des Weges sicher zu sein glaubte, erst auf die 
richtige Bahn gebracht habe, erörtert wie der Welt nur klug scheint 
wer Glück hat und wie die Menschen auf falschen Wegen nach 
ihren Zielen streben, beginnend mit dem sprichwörtlichen centum 
doctuni hominum consüia sola haec devincit dea, Fortuna*"), dann: 
atque hoc verumst: proinde ut quisque fortuna utitur, ita praecellet 
atque exinde saper e eum omnes dieimus; bene ubi quoi seimus consilium 
aeeidisse, kontinent catum eum esse declaramus, stidtum autem illum quoi 
vortit male, wie Euripides Heraklid. 746 oldjueofra yag xbv evrvxovvra 
navx emoraoßat xalox;, in ganz ähnlicher Wendung Cicero pro Rab. 



1) Ter. Heaut. 417, vgl. Ad. 465, 494 sq. Afran. v. 256. 367 (Nomus p. 235). 

2) Wilamowitz Antig. S. 140. 

3) Vgl. omnes sapientes Merc. 376. Rud. 1246. 

4) Menander frg. 482. 483 K. Anderes Otto Sprichw. d. Römer S. 143. [Bei 
Quintilian VI 3, 97 hergestellt (vgl. Haupt op. III 453) der Spruch felicüas est 
quam vocant sapientiam; Ribbeck Com. 3 p. 140 vergleicht das menandrische 
Monostichon (497) tov svxvxovvxa xal yooveTv vo t ut£o{iev.] 

Leo, Plautinischo Forschungen 2. A.nil. 9 



130 HI Plautus und seine Originale 

P. I hoc plerumgue facimus ut consilia eventis ponderemus et cui bene 
quid processerit multum illum providisse, cui secus nihil sensisse 
dicamus und an Lentulus ep. I 7, 5, im Brief des Oppius und 
Baibus ad Att. IX, 7 A; Alkiphron III 44, 3 ovdev ydg ev äv&Qco- 
notg yvd)jLtf], ndvxa de tv%y}, xal %avxr\g 6 xv%tov rjövg eoxi xal vofü&xai, 
Apul. met. VII 2 ext. — Merc. 145 fragt Charinus: die mihi, an boni 
quid usquamst quod quisquam uti possiet sine malo omni, aut ne 
laborem capias cum illo uti voles? (das tausendmal variirte xrjg aQerrjg 
lögcbra) und Acanthio antwortet: nescio ego istaec, philosophari nurn- 
quam didici neque scio. So philosophirt der Jüngling 1 ) Trin. 223 sq., 
ob amori oder rei operam dare besser sei ad aetatem agundam, 
Truc. 60 sq., daß man Eltern und Verwandten seinen Lebenswandel 
nicht verheimlichen, der Alte Merc. 549 sq., daß man sich in der 
Jugend plagen und im Alter pflegen solle, Rud. 1235 sq. daß unrecht 
Gut gefährlich sei (und Gripus antwortet: speetavi ego pridem comicos 
ad istunc modum sapienter dieta dicere usw.), das Mädchen Pers. 
549 sq. von vitia und virtufces die die Stadt verderben oder schirmen 2 ), 
so der Sklave in Captivi, Rudens, Trinummus. Auch hier steht 
Philemon voran. Im Trinummus gibt der alte reiche Philto, das 
rechte Gegenbild zu den Dikaeopolis und Strepsiades, die ein Jahr- 
hundert früher auf der komischen Bühne auftreten, ein Typus wie 
er jetzt wohl in Athen vorkommen mochte, überfließend von philo- 
sophischer Bildung (v. 380 multa possum doeta dieta et quamvis 
faeunde loqui, historiam veterem atque antiquam haec mea senectus 
sustinet), seinem Sohn eine Fülle moralischer Lehren (301 sq., vgl. 
485 sq.). Die Klage über die Verschlechterung der öffentlichen 
Moral ist künstlich durch das ganze Stück verflochten; Megaronides 
beginnt damit, Philto hebt im Canticum 284 sq. neu davon an, und 
sehr hübsch ist es wie als Gegenstück gegen Ende der Komödie 
der Sklave dasselbe Lied singt, v. 1028 sq. 3 ) 

Stoischen Anklang 4 ) zeigen die Stellen Capt. 271 proxumum 
quod sit bono quodque a malo longissume, id volo (cf. Stich. 120), 
Trin. 485 semper tu hoc facito cogites, id optumum esse, tute uti sis 



1) Turpilius im Canephorus (Menander?) haut facile est venire Uli ubi sitast 
sapientia: spissum est iter, apisci haut possis (posse Non.) nisi cum magna miseria. 

2) Vgl. Herakl. Krit. G. G. M. I p. 104. [Diog. L. VI 13, Heinze zu Hör. 
ep. I 1, 60.] 

3) Vgl. Merc. 838 sq., gleichfalls Philemon. 

4) Vgl. Theognetos bei Athen. III 104 b tcdv yäg ex rfjs noixtXrjg oroäg Xo- 
yagicov dvaTiejtXrjöfievog vooeig. 



Philosophiren. Typen und Charaktere 131 

optumus, si id nequeas, saltem ut optumis sis proxumus, epikureischen 
z. B. Merc. 6 quos pol ego credo humanas querimonias non tanti 
facere 1 ), vgl. Cas. 348 2 ); sehr vieles derart wäre anzuführen, was 
ich nicht streifen mag, da mit Einzelheiten hier nicht viel getan 
ist und der Gegenstand eine besondere Behandlung von einem 
in der abgeleiteten philosophischen Litteratur Beleseneren sehr 
verdient. 

Die Schilderungen des Lebens, bestimmter Gesellschaftskreise 
und Lebensarten, typischer Charaktere und Seelenstimmungen 
entstammen denselben Quellen : die Tragödie hat sie vorgebildet, die 
Ethik ausgebildet, aus dem modernen Leben, wie es sich in Athen 
und keineswegs schon in Rom gestaltet hat, strömt der Komödie 
reicher Stoff zu. Charakterisirungen von Menschengattungen wie 
die synkritischen des genus lenonium und der trapezitae Cure. 494 sq., 
der puellae und pueri Truc. 154 sq. 3 ), der scurrae in Trinummus 
Stichus Pseudolus Miles (994sq.) 4 ) sind auf der Bühne von Euripides 
ausgegangen: Hec. 254 die örjjurjyoQoi, Tro. 424, Or. 895, Heraklid. 292 
die mjgvxeg (xo yäg yevog roiovrov), die äftXr)Tat frg. 282 (ovdev 
xäxiöv iojiv äMr/rcbv yevovg); nach ihm ergeht sich die mittlere 
Komödie darin: Antiph. frg. 159 (jiaiöaycoyot — jualm — jurjTQayvgrm 
— l%$vonCo'kai in Klimax), Anaxilas frg. 22 (die Hetären), sehr oft 
werden die Fischhändler als yevog abgehandelt. Gewiß stammt die 
Schilderung der falschen Freunde Bacch. 540 — 551, obwohl sie im 
Ambrosianus fehlt, von Menander her; die notatio des Liebenden 
im vielathetirten Prolog des Mercator (18 sq.) ist ganz attisch, 6 
yäg igaorrjg roiovrög ug eoüv olog — , vgl. Trin. 236 sq. Cist. 120 sq. 
Ter. Eun. 59 sq. u. a. Die Schilderung des guten Gesellschafters 
und des Junggesellenlebens im 3. Akt des Miles steht in erster 
Linie als Blüte attischer Ethopöie, deren Ursprünglichkeit durch 
die Übertragung nur wenig alterirt ist. Ich weise hier absichtlich 
nur auf ein paar von modernen Kritikern verdächtigte Partien hin; 



[1) Menand. Epitr. 544 olei rooavxrjv tovg &eovg äyeiv oxoXrjv, coote ro xaxov 
xal täyafiöv xa& y/UEgav ve/usiv kxaotco; vgl. Vollgraff Xagtreg S. 66 ff.] 

2) Merc. 225 und Rud. 593 miris modis di ludos faciunt honiinibus mirisque 
exemplis somnia in somnis dämmt, vgl. Cic. de nat. deor. 111 93 sed quo modo 
eidem (Stoici) dicitis non omnia deos persequi, eidem voltis a dis immortalibus 
hominibus dispertiri ac diridi somnia ? ideirco Juxec tecum, qnia vestra est de som- 
niorum veritate sententia. 

3) Vgl. Alkiphr. I 34, 3 sq. 

4) Vgl. Ter. Hec. 469. 

9* 



132 Hl Plautus und seine Originale 

im übrigen bedarf es keiner Aufzählung 1 ). Aus reicher und philo- 
sophisch geschulter Beobachtung werden die typischen Charaktere 
durch die Handlung gezeichnet, der Junggesell Periplectomenus, 
der Witwer Antipho (Stich. 58 sq. 108. 543), der alte Philosoph 
Philto, der verliebte und der solide Jüngling, der Stadt- und Land- 
sklave (Most., Cas., Rud. vgl. 1024), der philosophirende Sklave 2 ), 
der direkt von Euripides herstammt usw. Daß das Trinkgelage im 
Stichus sowenig wie das im Persa von Plautus selbst herrührt, 
lehrt die Betrachtung der Sitte sofort; es genügt auf v. 693 quibas 
divitiae domi sunt — batiocis bibunt, at nos nostro Samiolo poterio 
zu verweisen und auf Tib. IT 3, 47 at tibi Jaeta trahant Samiae 
convivia testae. 

Unmittelbaren Zusammenhang des Originals mit der Tragödie 
erweisen die Stellen, die trotz der Übertragung tragische Diktion 
erkennen lassen; und es sind deren nicht wenige, ja Plautus hat 
eine bewußte Meisterschaft in der Imitation des paratragödischen 
Stils erlangt, und in der Einleitung zum Donatcommentar, der unter 
dem Einfluß der peripatetischen strengen Stilscheidung steht, die 
durch die Alexandriner in die römische Dichtererklärung gelangt 
ist, wird er darum getadelt 3 ). Das nagargaycodelv der alten Komödie 



1) Die Schilderungen von Personen nach auffallenden körperlichen Eigen- 
schaften (Asin. 400 macilentis malis, rufulus aliquantum, ventriosus, truculentis 
oculis, commoda statura, tristi fronte, dann: non potuit pictor rectius describere 
eius formam, Capt. 647 Poen. 1112 Pseud. 1218 Merc. 639, dazu Rud. 313 Pseud. 
659; Ter. Hec. 440 Heaut. 1061, nachahmend Novius v. 60) sind ganz im Stile 
des individualisirenden Zeitalters der neuen Komödie, vgl. Hieronymos und 
Dikaearch bei Clem. AI. protr. 2, 30 p. 23 St. Vordem Ar. Flut. 266 und zuerst 
Od. x 246. Interessant ist es, mit diesen Skizzen die stehenden Angaben der 
Biographen zu vergleichen (z. B. Zenon bei Diog. L. VII 1, Euphorion bei Suidas 
syevexo rtjv löeav /LieMxQovg, nolvoaQxog, xaxooxelf)g) und die wirklichen Signale- 
ments der Zeugen in den Testamenten von Arsinoe (Mahaffy Fl. Petrie pap. I 
n. 11, 15 sq. und weiter). [Robert Die Masken der neueren att. Korn., 25. Hall. 
Winkelmannsprogr. 1911 S. 54 fF.J 

[2) Onesimos in den 3 EmzQS7iovrsg.] 

3) Euanthius de fab. 3, 5 tum illud est admirandum (in Terentio) quod et 
morem retinuit, ut comoediam scriberet, et temper avit affectum, ne in tragoediam 
transüiret. quod cum aliis rebus minime öbtentmn et a Plauto et ab Afranio et 
Appio (?) et multis fere magnis comicis invenimus; für Terenz wird das Lob oft 
in den Scholien ausgesprochen, wie der umgekehrte Tadel gegen Aristophanes 
im Gegensatz zu Menander erhoben wird von Plutarch (ovyxQ. p. 853) und gegen 
Euripides oft in den Scholien bewahrt ist oder abgewehrt wird. Ich will hier 
bemerken, daß es mir einfacher und richtiger scheint, in der vjco&eoig zur 
Alkestis p. 215 Schw. zu corrigiren r.6 dgäfid foti öarvQiy.wteQov ort Fig xagav 



Parodie der Tragödie 133 

will wirklich parodiren, entweder den tragischen Stil als solchen, in Aus- 
druck 1 ) oder Versart, oder bestimmte Stellen einzelner Dichter; erst 
in seinen letzten Stücken läßt Aristophanes seine Personen gelegent- 
lich ohne parodistische Absicht im Stil der Tragödie reden, dann in 
Fülle die /xeotp Bei Plautus kommen beide Arten vor, die parodirende 
selten und natürlich nicht immer kenntlich 2 ), die bloße Erhebung 
des Stils zum tragischen Ausdruck oft und deutlich. In der Casina 621 
und im Amphitruo 1053 stürzt beidemal eine Magd in verzweifelter 
Aufregung über das innen Gesehene und Erlebte aus dem Hause; 
Bromia im Amphitruo ernsthaft erschreckt und geängstigt, Pardalisca 
in der Casina aber in Spiel und Verstellung 3 ). Ähnliche Situationen 
sind in den erhaltenen Tragödien gar nicht selten (z. B. Her. 909), 
und der Amphitruo hat ein tragisches Vorbild gehabt, das uns 
verloren ist; aber die Scene der Casina scheint mir mit deutlichem 
Hinblick auf den Phryx im Orestes gedichtet zu sein. Ein Athener 
zur Zeit des Diphilus mußte an jenes Bravourstück erinnert werden, 
wenn eine Sklavin aus dem Hause stürzte, um Schutz zu suchen 
vor der Rasenden, die drinnen mit dem Schwerte tobt: gladium 
habet, insectatur omnes domi per aedes (662). Man lese nur: 
nulla sum, nulla sum, tota tota occidi, 
cor metu mortuomst, membra miserae tremunt, 
nescio unde auxili, praesidi, perfugi 
mi aut opis copiam comparem aut expetam: 
tanta factu modo mira miris modis 
intus vidi, novam atque integram audaciam usw. 
Agyeiov £iq)o<; ex davdiov necpevya - alai, nä (pvycx), t~evai; — 
aial qpovicüv na§ecov ävöjucov re xaxcbv äjisg edgaxov edgaxov ev 
döjuoig Tvgävvcov. Ähnliche Beden in anderer Situation führen die 
schiffbrüchigen Mädchen Rud. 204 sq. 220 sq., auch in tragischem 
Ton (aus derselben Scene die oben S. 11 3 f. besprochene Stelle), vgl. 
Ennius trag. 75 sq. Natürlich wurden dergleichen Scenen, wie auch 



xal rjöovrjv xaxaoxQsyei Tiaga xo xgayixöv (xoig xgayixoTg die Handschrift), worauf 
eine ausführlichere Fassung folgt (nicht aal), als, wie Schwartz getan hat, eine 
verteidigende Bemerkung aus schol Or. 1691 zu ergänzen; zum Ausdruck z. B 
schol. Andr. 107 (jtaoä x?)v loxoQiav) 330 (naga xä xafteoxwxa) 362 {naga xov xaiqbv 
xal xä nQooayjia). 

1) Ein schönes Beispiel Ar. Pac. 124—149. 

2) Einzelnes vgl, Ribbeck trag, fragm. p. 269 sq. Cist. 639 sq. 

3) Wie die matrona Men. 828 sq. wirklich den Wahnsinn zu sehen glaubt, 
Tyndarus Capt. III 4 es heuchelt. 



134 HI Plautus und seine Originale 

die Freudenausbrüche und anderes derart, typisch und man muß 
sich hüten zu identificiren; für Scenen wie Capt. IV 2 und Stich. 112 
ist Odyss. \p das erste Vorbild, doch ohne daß die Dichter sich 
dessen noch bewußt sein mußten; aber an ähnliche Scenen der 
Tragödie erinnern stark z. B. die Wahnsinnsscenen in Menächmen 
und Mercator (Herakles, Alkmeon) 1 ), der Abschied von der Heimat 
im Mercator 830 (Teukros); Sosias parodirt Amph. 216 sq. die 
Schlachtbeschreibungen der Boten in der Tragödie (vgl. Eur. 
Heraklid. 830 sq.). Dagegen darf man dem tragischen Stil nicht 
zurechnen was nur in höherem Ausdruck vorkommen kann, wie die 
Dankgebete an die Götter, die Begrüßung der Götter bei der Heim- 
kehr, die Begrüßung der Heimat; dergleichen ist so gut ßiog wenn 
es in der Komödie wie wenn es in der Tragödie steht, z. B. die 
Begrüßung der Heimat Bacch. 170 Stich. 649 (beides Menander) 
und Menand. 13. 349, Eurip. Her. 523 Or. 356 frg. 817 2 ). Um sich 
dem tragischen Stil zu nähern muß der Ton absichtlich erhoben 
werden, wie im Schwur der Alkmene 831; eine Schwurscene wie 
ßud. 1338 sq. ist nicht Parodie von ähnlichen wie der Choephoren, 
Iph. Taur. 743 sq., auch das Opfergebet Menand. 292 nicht, so wenig 
wie das der Acharner; eine Parodie des Gebets wie Thesm. 331 sq. 
ist nicht im Stile der via. Daß die feierliche Anrede des Pseudolus 
v. 703 io io, te te, turanne, te te cgo, qai imperitas Psendolo, quaero 
etc. parodistisch gemeint ist, wird ausdrücklich gesagt v. 707 ut 
jparatragoedat camufex ; sie erinnert an Anreden wie oe tov oocpiorrjv, 
tov mxQcos vneqmxQov — tov TivQog xlemriv keyco (Prom. 943) oder 
oe tyjv oxw&qwtiov xal nooei $vjuovjuevf]v (Med. 271; vgl. Suppl. 110 
Hei. 546 Bacch. 912) 3 ). Einzelne Wendungen sind vielleicht nur 
zufällig gerade aus der Tragödie zu belegen 4 ), wie Mil. 268 ibo 

1) MaivofAEvog des Diodoros, Diphilos, vgl. Bergk Rhein. Mus. XXXIV 328. 
[2) Zwischen Komödie und Tragödie Aristeides im neuen Fragment der 
Afj/biot.] 

3) Die tria gaudia (Pseud. 704) hat Accius in einem Stück der jungen 
Tragödie (Pelopiden) v. 513 et te ut triplici laetarem bono. Mit der gehäuften 
Betonung der Dreizahl sucht eine ähnliche Wirkung Lucr. V 93 sq. [Anal. 
Plaut. III 10 sq.] 

4) Cas. 510 nostro omine it dies, iam victi vicimus als Abschluß, nach 509 
nostra omnis lis est. So Seneca Agam. 869 vicimus victi Phryges, aber auch 
sonst: Livius XXVI 41, 9 [Prop. III 11, 16, wo Rothstein anführt Nonn. Dion. 35, 24 
ovxaosv ovxrj'&sioa. Vgl. Capt. 653 capti ceperunt, Hör. ep. II 1, 56. Von auf- 
fallender Ähnlichkeit, doch wohl zufällig, ist Cure. 112 canem esse hanc quidem 
magis par fuit, sagax nasum habet und Aesch. Ag. 1093 eoixev svqlq fj £m/ nwog 
ölxrjv elvcu.] 



Parodie der Tragödie 135 

odorans quasi canis venaticus mit Soph. Ai. 6 xvvbg Aaxaivr\g ojg 
ng evQivog ßdoig oder Asin. 147 mater tu, eadem era es mit Soph. 
El. 597 xat o eycoys deojzönv y jurjreQ' ovx ekaooov elg fjjuäg vejuco 
oder Bacch. 426 hoc etiam ad malum accersebatur malum mit Eur. 
Ale. 557 xal jigög xaxoloiv aklo xom av r\v xaxöv (in ähnlichem 
Zusammenhang, da es sich auch hier um üble Nachrede handelt; 
die Wendung selbst ist häufig), dann et discipulus et magister per- 
hibebantur improbi mit Phoen. 94 zusammentrifft, wo auch derPädagog 
befürchtet /u-i] — ejuol juev eX^j] (pavXog cbg dovXcp yiovog, ool <5' cbg 
äväoorj x ). 

Daß sich die Rede, ohne parodistische Absicht, dem Charakter 
oder der Handlung folgend, zu dem Ton erhob der in der Tragödie 
Unterhaltungston ist, war für die mittlere Komödie charakteristisch; 
erst allmählich konnte .sich der Stil der neuen Gattung ausgleichen 
und vollenden, wie es in Menander geschehen ist ; in comoedia turpe 
tragicum (Cic. de opt. gen. or. 1) — interdum tarnen et vocem comoedia 
tollit 2 ). Bei Plautus findet sich dieser gehobene Ton oft genug. 
Auf die virgo im Persa hat Wilamowitz hingewiesen (ind. lect. 1893/94 
p. 25) 3 ). Im Amphitruo spricht Alcmena durchaus in tragischem 
Ton (II 2. III 2. 3) 4 ), Amphitruo und die Götter nicht, und keines- 
wegs die Matronen der anderen Stücke; den Unterschied mag man 
nicht sowohl an den zänkischen dotatae als an Figuren Menanders 
wie Eunomia in der Aulularia und den Frauen im Stichus oder 
an Philippa im Epidicus ermessen 5 ). In den Captivi verfallen 

1) Mit dem versteckten Geständnis der Kreusa im Ion (330 sq.) hat eine 
nicht zufällige Ähnlichkeit der Anlage die Erzählung der Halisca in der 
Cistellaria (IV 2) und der omöloyog des Antipho im Stichus (IV 1). Aus der 
Situation folgt die Ähnlichkeit von Mil. 597. 1137 Trin. 146 und Eur. Phoen. 265. 

2) Wie leicht der scheinbare Stil von Fragmenten in die Irre führt, will ich 
an einem Beispiel zeigen, ov ol fteol (pdovoev äjioftvfloxei vsog klingt ganz 
tragisch; der Zusammenhang war: quem di düigunt adukscens moritur, dum 
valet sentit sapit: hunc si ullus deus amaret, plus annis decem, plus iam viginti 
mortuom esse oportuit: terrai odium ambulat, iam nil sapit nee sentit, tantist 
quantist fungus putidus. Das ist so komisch wie möglich. 

3) Pers. 646 fragt Dordalus quis fuit (der Vater)? die nomen, das Mädchen 
antwortet quid illum miserum memorem qui fuit? nunc et illum miserum et me 
miseram aequomst nominarier. So Iph. Taur. 499 ool S' ovo/ua noXov e&eW 6 
yevvrjoag jrarrjQ; Orest: ro per dtxcuov dvozvxeTg xakotjueW av. Hör. ep. I 7, 92. 

4) Und zwar mit dem vollen Ethos des ernsten Spiels. Eine Stelle von 
wahrerem Gefühl und reinerer Wirkung als v. 935, trotz der komischen Rolle 
Juppiters, wird auch in der Tragödie nicht oft zu finden sein. 

5) Ernstlich Verliebte, wie Selenium im Anfang der Cistellaria, sprechen 



136 m Plautus und seine Originale 

Hegio und Tyndarus vielfach in tragischen Stil, der Handlung 
entsprechend, deren singulare Art der Prolog hervorhebt und sie 
zugleich dagegen verwahrt, Tragödie zu sein; das ist wohl die Absicht 
von v. 62. Tragisch redet Philto im Trinummus x ) besonders II 2; 
v. 291 lacrumas haec mihi quom video eliciunt, quia ego ad hoc genus 
hominum duravi. quin prius me ad plures penetrdvi? Die Verse zeigen 
durch die Worte hoc genus hominum, daß sie nicht einen zufälligen 
Anklang an Hesiod enthalten: jurjxei eneix clocpeXkov eycb nefxnroiot 
jueretvat ävögäoiv, äXK f\ TtQoode ftavelv fj sneua yersofiai 2 ). Auch 
Lysiteles steigert sich zu tragischer Rede in der Scene III 2, wie 
Charinus im Mercator. Dem Stil des Philemon war überhaupt wie 
es scheint solche Steigerung eigen; ein Beispiel will ich noch 
anführen. Stasimus, der zwar nicht sehr ehrliche aber treue Sklave, 
bricht Trin. 617 in die Worte aus: 

o ere Charmides, quam absenti hie tua res distrahitur tibi! 
utinam te rediisse salvom videam, ut inimicos tuos 
ulciscare, ut mihi, ut erga te fui et sum, referas gratiam. 
Sind nicht Klage und Wunsch von der Art, daß sie wörtlich von 
Eumaios gesprochen werden könnten? Es ist unverkennbar daß 
der attische Dichter die Beziehung wollte. Genau dasselbe trifft 
auf eine Stelle der Mostellaria zu : Grumio, der vilicus, eine Figur 
von der Gattung des Eumaios, spricht nach dem Zanke mit dem 
ungetreuen Tranio, der des abwesenden Herrn Gut vergeudet, v. 77 
pro di immortales, obsecro vostram fidem, 
facite, huc ut redeat noster quam primum senex, 
triennium qui iam hinc abest, prius quam omnia 
periere, et aedes et ager; qui nisi huc redit, 
paueorum mensum sunt relictae reliquiae. 
<bg $ avrcog Evjuaiog ejzevtjaro naoi fteöioi voorrjoat ^OdvoYJa nokvcpQova 
ovöe dojuovde. Auch das ist Philemon; und es ist wohl möglich, 
daß der Anschluß an die Odyssee eben aus dem Bestreben hervorgeht, 

auch bei Menander wohl im höheren erotischen Ton, wie er der Elegie eigen 
ist. Cist. 115 sine trahi, cum egomet trahor. 

1) Philtos ernsthafte Ermahnung v. 485 sq. erinnert in Ton und Inhalt 
an Menander frg. 538, zuletzt xoivbv zov r 'Aidt]v eo%ov ol jidvrsg ßgoroi wie aequo 
mendicus atque ille opulentissimus censetur censu ad Acheruntem mortuos. 

2) Ter. Ad. 444 ubi etiam huius generis reliquias restare video, vivere etiam 
nunc Übet. Ad. v. 302 hocine saeclum, o scelera, o genera sacrilega (dann o 
hominem impium) ist genera für genus, wenn es richtig ist, nur durch die 
Attraktion des Plurals zu erklären. 



Tragischer Ton. Alte Komödie 137 

den Ton zu steigern ohne tragisch zu werden; denn die Odyssee 
steht ja nach der peripatetischen Theorie der Komödie gleich. Die 
leidenschaftliche Freude hei Wiedererkennungsscenen wird dadurch 
z. B. auch der tragischen Sphäre entzogen. 

Hier lassen sich am besten ein paar Bemerkungen über die 
Anklänge an Stücke der alten Komödie anknüpfen. Es ist die 
einfache und natürliche Auffassung, Übereinstimmung der äqyaia 
mit Plautus in Compositum und Charakteren sowie in einzelnen 
Wendungen auf die Originale zurückzuführen. Stich. 630 nunc 
ego nolo ex Gelasimo mihi fteri te Cataqelasimum ist dasselbe 
Wortspiel wie Acharn. 606 xäv Fehl xäv Kaxayehi 1 ). Poen. 994 sq. 
erinnert unverkennbar an den Pseudartabas der Acharner (998 
doni volt tibi dare hie neseio quid, Ach. 102 jze/btipeiv ßaodea cpnolv 
vjuTv xQvoiov). Stich. 503 certumst amicos convocare, ut eonsulam 
qua lege nunc med esurire oporteat und Poen. 794 nunc ibo, ami- 
cos eonsulam, quo me modo suspendere aequom censeant potissimum 
(dazu Merc. 4b3) ist in ähnlicher Sache dasselbe angoobox^Tov an- 
gewendet wie Acharn. 755 ävÖges Tigoßovkoi rom engazTov xä noh, 
oticus lä^ioTa xal xdxior äTtoloiue&a. Aul. 465 hat Euclio auf den 
Haushahn Verdacht, daß er den Schatz aus der Erde kratzen 
wollte: credo edepol ego Uli mercedem gallo pollicitos coquos, si id 
palam fecisset; mit ähnlichem Argwohn verfolgt Philokieon seinen 
Haushahn Vesp. 1 00 tov äXexjgvova ft tos f]d' äy eonegas zcpi] 
oxp e£eyeiQ£LV avrov ävajzejzeiojuevov , nagä töjv vjievdvvcov eyovra 
XQijjuara. Alle oder fast alle angeführten Stellen sind aus Stücken 
Menanders, und so mag es gleich gesagt werden, daß der Sklave, 
der seiner Herrin gute Nachricht bringt, ein in der Komödie im 
Plutos 641 sq. (in der Tragödie Euripides Heraklid. 784 sq.) aus- 
gebildetes Motiv ist und die Scene Stichus II 2 ein Abkömmling 
dieser Erfindung 2 ); desgleichen Capt. IV 2, und hier ist eine genauere 
Übereinstimmung in einer Einzelheit: Karion fordert die Herrin ehe 
er erzählt auf Wein zu bringen (644): raxecog tclxecds <psg' olvov co 



1) Und von Plutarch in der ovyxQioig angeführt (p. 853 c ) imo rov yelcoxog 
eis rskav äqpi^of.iaL, angeführt als Beleg für niedrigen Wortwitz, der bei Aristo - 
phanes so häufig wie bei Menander selten sei — und wie bei Plautus häufig, 
können wir hinzufügen. [Plutarchs Angabe können wir jetzt bestätigen: 
vielleicht der einzige Wortwitz in den neugefundnen Stücken, und zwar ein 
o%fjfAa im gesteigerten Redeton (vgl. Cic. Verr. II 4, 10 ereptio non emptio) ist 
Epitr. 102 ov% svgeotg xovx' koxlv aXX* dq?aioeoig.] 

[2) Vgl. recoQy. 43 sq.] 



138 HI Plautus und seine Originale 

dsojioiv \ Iva xavxr] mrjg ' — (bg dyaftd ovÄArjßdrjv änavxd ooi (pegco, 
so bestellt Ergasilus Capt. 843 sq. vorher ein Mahl in breiter Aus- 
führung, dann 869 tantum ego nunc porto a portu tibi boni (Stich. 339 
(boni) multo tanta plus quam speras). Einige weitere Einzelheiten: 
der Eingang des Poenulus hat in Situation und Worten Ähnlichkeit 
mit Ran. 579 sq. (Poen. 145 si tibi lubidost aut voluptati, sino: suspende 
vinci verbera, auctor sum, sino, Ran. 584 old' oW öxi ftv^ioT, xal 
dixalwg avxö dgqg, xäv ei jue xvnxoig, ovx äv ävTemoijul ooi) , die 
Scene Pers. I 3 mit Av. 1579 sq., wo Peithetairos den Herakles 
durch die Vorbereitungen zur Mahlzeit lüstern und gefügig macht 
wie Toxilus den Saturio (auch der Gruß mit geheuchelter Über- 
raschung Av. 1586 wie Pers. 101). Wie Saturio sich der Vorfahren 
rühmt, deren Hantirung er treibe (Pers. 53 veterem atque antiquom 
quaestum maiorum mcum servo atque obtineo et magna cum cura 
colo, nam numquam quisquam meorum maiorum fuit, quin parasitando 
paverint ventres suos, pater avos proavos abavos atavos tritavos etc.), 
so der Sykophant in den Vögeln v. 1452 nannwog 6 ßlog ovKocpavxeTv 
eoxl juoi. Ganz auffallend ähnlich ist die Häufung der von dem 
Geschmähten beifällig aufgenommenen Schimpfwörter Pseud. 359 sq. 
und Wolken 909 sq. Nur äußerlich ähnlich ist es, zeigt aber doch 
nicht zufällig dieselbe Form, wenn der Türhüter in den Fröschen 
die Sklaven ruft (608) o Aixv?,ag %(h JExeßkvag %<h Tlagdoxag, %a)QeTxe 
ösvqI xal judy/o^e xovxcot und Demones im Rudens (657) Turbalio, 
Sparax, ubi estis? — sequimini hac — proripite hominem pedibus 
huc, Hegio Capt. 657 Colaphe, Cordalio, Corax, ite istinc, ecferte 
lora; den historischen Zusammenhang dieser Stellen zeigt die 
absichtliche Wahl fremd und schrecklich klingender Namen hier 
wie dort ; vgl. frg. ine. 29. Plautus gibt uns das Mittel direkt zu 
erkennen, was für die Geschichte der Komödie von nicht geringer 
Wichtigkeit ist, daß die Continuität zwischen äg^aia und vea nicht 
unterbrochen worden ist 1 ). Zumal die Motive des Plutos kehren 
in vielfacher Anwendung in der plautinischen Komödie wieder, wie 
die Wirkung des Kokalos auf die via im ßlog des Aristophanes 
bezeugt ist; auch das Verhältniß, in dem der Plutos zur vea steht, 
ist den Grammatikern bekanntlich nicht entgangen (ßlog, jzeqI xwju. 
V [Kaibel p. 18, 30 adn.]: vecoteqICei ^ard xo nMojua). Die Ex- 
position wird durch das Gespräch zwischen Herrn und Diener 
wie im Plutos so in Pseudolus Poenulus Asinaria, auch Curculio 



1) Andere Stellen führt Frantz de com. att. prologis p. 41 an. 



Anklänge an die alte Komödie 139 

gegeben 1 ); die beiden alten Freunde und Biedermänner, von 
denen der eine den andern wegen einer vermeintlichen Ver- 
schuldung zur Rede stellt, ist von Philemon im Trinummus genau 
der Scene des Plutos 335 sq. nachgebildet' 2 ;, wie die beiden Alten, 
die sich gegenseitig in Dummheit überbieten (besonders im Epi- 
dicus; vgl. Menander frg. 17) in den Ecclesiazusen vorgebildet sind. 
Gleichfalls im Trinummus sind die Charaktere des Lysiteles und 
Lesbonicus Wiederholungen der Aristophanischen Erfindung des 
owcpQcov und xaiaTtvycov; hier sind wir im Stande zu sagen, daß 
wahrscheinlich zwischen Aaaalfjg und 0i]oavQog diese Gegenüber- 
stellung wiederholt worden ist von Alexis (KovQig, frg. 108); von 
Menander im Hypobolimaeus (dazu frg. 615), den Adelphoe, vgl. 
Caecilius Asotus (v. 14 tun iam callebis, ille festus desidet?), Pom- 
ponius Sarcularia (v. 162 alter amat potat prodigit, patrem suppilat 
semper) 3 ). Schon bei der geringen Kenntniß, die wir von der 
Dichtung des Aristophanes haben, ist es sehr lehrreich, die Ver- 
schiedenheit der Zeit und Kunst an Philemons neuer Behandlung 
des schönen Motivs zu beobachten 4 ). Im Mercator erinnern einzelne 
Stellen an Aristophanes, wie v. 589 si domi sum, foris est animus, 
sin foris sum, animus domist an Acharn. 398 6 vovg /uh etjoj — 
avrög d' evdov b ), die Absage des Charinus an sein attisches Vaterland 



1) S. Kap. IV. 

2) Vgl. Eur. Alk. 1008 tpiAov Jigog ävdga xpi] Ksysvv i?*ev&eQ(og t "Aö/Lirjzs, /uofA,q?äg 
ö* ov% vjzo ojiXayxyoig e%uv otycövza. — Ar. Eth. Nicom. 1162 b 5 sq. 

3) Hör. ep. II 2, 183 sq. 

4) Später erscheint es in der Rketorenschule : Sen. contr. II 4, Calpurn. 
Place, decl. 30. Der äocozog des Aristophanes blieb gewiß bei seinem zgöjzog, wie 
der Pheidippides der Wolken, aber Lesbonicus bessert sich zum Schluß, wie Philo- 
laches in der Mostellaria (auch Philemon), Clitipho im Heautontimorumenos 
(Menander; anders in Adelphoe, Eunuchus, Bacchides), Diniarchus im Trucu- 
lentus usw. Hier liegt, aber tiefer als es für den ersten Anblick scheint, ein 
für die Entwicklung der Komödie wichtiges Moment. — Aristoteles Eth. 
Nicom. 1121 b 11 (6 äocozog) zv%cbv ejzi^islslag slg zö /usoov xal zö ösov acptnow 
äv yj (5 1 aveXevfteQia äviarog soziv. Es ist bei Philemon und Menander keine 
Charakteränderung (was es bei Aristophanes wäre), sondern eine Rückführung 
des Abgewichenen slg xo \xsoov. Plutarch qu. conv. VII 8 p. 712 c rä de 7ioög 
szatoag — dtaxöjzzszcu ococpQoviofxoXg zioiv rj /Liszavoiaig zcov vecov. 

5) Im Miles fragt der Herr v. 964 nuptan est an vidua? Palaestrio ant- 
wortet et nupta et vidua, jener fragt quo pacto potis nupta et vidua esse eadem? 
Das ist doch genau svdov soz' EvQiJiid?]g ; ovx svdov svdov soziv, sl yvcofxrjv s%sig. 
ncog svdov slx* ovx svdov; Palaestrio verwendet die aristophanisch-euripideisehe 
(z. B. Alk. 142. 521) Figur wieder 1014 et celas et non celas, 1019 vel adest 



J 40 Hl Plautus und seine Originale 

836 sq., freilich in ganz anderem Stil, an die Auswanderer Peithetairos 
und Euelpides (Av. 33 sq.). Es scheint mir nicht dem Zufall zu- 
geschrieben werden zu können, daß einige der Stücke, die auf 
Menander und Philemon zurückgehen, mit den Resten der alten 
Komödie mehr Berührungspunkte als andere zeigen. 

4 
Die neue Komödie hat in immer steigendem Maße ihre Erfin- 
dungen aus dem Verkehr der attischen Jugend mit den Hetären 
geschöpft, die in das neue Athen aus allen Teilen der hellenischen 
Welt zusammenströmten w T ie zur Zeit der äg/alu die Sophisten. 
Diese Entwicklung der Komödie, durch die der erotische Stoff kreis 
für sie der wichtigste geworden ist, hat Menander vollendet: fabiüa 
iucundi nullast sine amore Menandri (Ovid. trist II 369) l ). Wie 
wenig diese Verhältnisse auf das Rom des kannibalischen und, 
philippischen Krieges passen, ist ohne weiteres klar; hier, in der 
Schilderung des ßlog der Hetären und Epheben, hatte der römische 
Überarbeiter am wenigsten Gelegenheit und Möglichkeit, den Stoff 
durch Angleichung an das vom Publikum täglich Erlebte umzu- 
gestalten und gleichsam zweisprachig zu machen, wie etwa das Leben 
und Treiben der komischen Sklaven 2 ). So sind die plautinischen 
Hetären am unzweideutigsten attisch geblieben. Von' den 21 plau- 
tinischen Stücken sind nur 6 oder 7 3 ) ohne Hetären, die kandelnd 



vel non. — Pseud. 653 liegt der Witz in dem Spiel mit dem Namen Harpax 
und dem Adjektiv cigjiag~. So Vesp. 83 ov <pdög~£vog, ejceI xaxajivyoov eoxIv o ys 
$äo£evog. — Men. 303 sq. und Pseud. 349 vgl. Vesp. 165 sq. 

1) Plutarch n. sgojxog bei Stob, floril. 63, 34 [IV 444 Hense] xcbv Msvävdgov 
ögafxdxcov o/Ltakwg änavxow ev ovvexxixov ioxiv 6 kgoog olov nvsvfxa xoivbv öiane- 
qwxcbg. dazu quaest. conv. p. 712 c . Ebenso die Epigramme der Turiner 
Herme I Gr. XIV 1183 [ov q?§6vog r\\v oxfjoai ovv "Egcoxi (pllo) os , MEvavd[gs, ov 
Ccocov y'] exskeig ogyia xsgjzvä fisov' [dfjlog S" 1 el\ (pogscov aiel $eöv, und das zweite: 
[cpaidgov §]xalgov "Egcoxog ogqg — [qptjoiv <5'* ä]v&gcojiovg IXagöv ßiov eJ-edida^a, 
[ijUJiXiyoag] oxrjvrjv dgd/uaoi näoi ydfxoyv. 

2) Polybios gibt für römisches Hetärenleben von der Art hellenistischer 
Städte einen terminus post quem, der etwa anderthalb Jahrzehnte nach Plautus' 
Tode fällt: XXXII 11, 4 ol fikv yäg eig igco/LiEVOvg xcöv vecov ol <5' sig exaigag 
et;EXE%vvxo, tioXXoi <5' Eig dxgodjuaxa xal jiöxovg xal xrjv ev xovxoig TioXvxEXsiav, xayscog 
fjgjiaxöxsg ev xw IlEgoixcö üiolEfxco xtjv xwv 'Ellr}V(x>v slg xovxo xö /usgog svx^gsiav. 

3) Amphitruo Aulularia Captivi Casina Stichus Trinummus; Vidularia 
würde man ohne weiteres hinzurechnen , wenn nicht frg. 16 wäre. [Liebes- 
geschichten behandeln alle jetzt bekannten menandrischen Stücke ; "Hgcog 
2a(Aia rsoogyög haben keine Hetären.] 



Die erotische Komödie. Lukian 141 

auftreten, von den 6 terenzischen nur eines (Phormio), ohne Liebes- 
geschichten nur die eine, in deren Prolog und Nachwort ausdrücklich 
daraufhingewiesen wird (Captivi, v. 54 sq. 1029 sq.): neque in hac 
subigitationes sunt neque ulla amatio — huius modi pancas poetac 
reperiunt comoedias; dieser Hinweis rührt ohne Zweifel vom Dichter 
selbst her und ist eine merkwürdige Spur von Reaktion gegen die 
erotische Komödie, sei nun das Original noch aus dem 4, Jahr- 
hundert 1 ) oder, wofür mir auch dies zu sprechen scheint, beträchtlich 
später 2 ). 

Die Liebes- und Liebschaftsgeschichten der Komödie erscheinen 
wieder in der erotischen Litteratur der archaisircnden Atticisten 
und der späteren Sophistik; in sehr verschiedener Weise. Lukian 
in den Hetärengesprächen gestaltet frei die Motive und Charaktere, 
die ihm aus der Komödie vertraut sind; einzelne Gespräche, wie 
das 3. und 7.. sind angelegt wie bekannte Komödienscenen, das 9. 
macht fast den Eindruck einer dialogisirten vtzo&eois, das 13. ver- 
wendet das Motiv von Menanders Mioovf.ie.vog (Ribbeck Alazon 36) ; 
aber die Absicht des Schriftstellers war es gewiß nicht, vorhandene 
Scenen zu reproduciren oder gar Stellen vorhandener Stücke zu 
paraphrasiren 3 ). Es ist falsche Methode, in diesen Schriften nach 

1) Hüffner de Plauti com. exemplis att. p. 42. 

2) Vgl. Wilamowitz ind. sehol. Gotting. 1893/04 S. 13, Dieterich Nekyia 
S. 138. — Zeichen einer ähnlichen Reaktion oder bewußten Abweichung von 
den ausgebildeten Typen zeigt außer den Captivi die Hecyra Apollodors: der 
in seine Frau verliebte Jüngling, der neugierige Sklave, der statt als Vertrauter 
eingreifen zu dürfen, immer fortgeschickt wird und nichts erfährt, die Hetäre 
die ihrem treulosen Liebhaber zur Frau verhilft (Don. 198 cotiatvr Terentius 
advcrsiim famam socritm honam rcjierire), das ist alles neu und, soweit unsere 
Kenntnis reicht, antimenandrisch. Bacchis hebt beständig ihre Abweichung 
vom Hetärentypus hervor; Menanders 'EjiiTQEJiovrsg, eine fabula simüis argu- 
menta (Apoll. Sid. ep. IV 12, 1), hatte gewiß andere Charaktere. Der von 
Nencini p. 50 sq. wiederholte Versuch, die Hecyra dem Menander zuzusprechen, 
mußte mißglücken. [Hier bedarf es nun keiner Vermutungen mehr, s. Staven- 
hagen Hermes XL V 576 ff.] 

3) Noch weniger als in den Hetärengesprächen in einer der andern Schriften 
mit Komödienmaterial, die P. Schulze quae ratio intercedat inter Lucianum et 
comicos Graecorum poetas (Berlin 1883) p. 15 sq. und Bolderman stud. Lucian 
(Leiden 1893) p. 69 sq. besprechen, ohne. Gesichtspunkte für die Vergleichung 
mit der neuen Komödie zu gewinnen. Z.B. die Rede des Simon im 3 AXe>crgvd>v 
(29) ist gewiß im Gedanken an den menandrischen Typus des Geizhalses ge- 
schrieben, aber anzunehmen daß die Situation einer bestimmten Komödie ent- 
nommen sei, berechtigt nichts. Wie Lukian die Komödie verwendet, kann man 
an der Ruderscene im Kaxajrlovg sehen (19 sq.); sie soll gewiß an die Frösche 



142 HI Plautus und seine Originale 

Versen und versificirbaren Sätzen zu suchen und wo dergleichen 
leicht herausspringt anzunehmen, daß Stellen der Komödie zu Grunde 
liegen. Im Gegenteil, im Text versprengte Scheinverse (Citate 
lassen sich doch von solchen unterscheiden) können als Beweis gelten, 
daß da wenigstens keine Komödie verborgen ist; denn Verse ein- 
fließen zu lassen ist den griechischen und römischen Rhetoren 
späterer Zeit unverwehrt; aber wenn sie paraphrasiren wollten, so 
wußten sie das metrische Gefüge zu lösen und nicht nur durch die 
Stellung, sondern auch durch die Wahl der Wörter unkenntlich zu 
machen 1 ). Aus der Farbe des Ausdrucks, aus Figuren und Situa- 
tionen ist nichts weiter zu schließen als daß der Schriftsteller die 
Komödie kennt 2 ) ; auf bestimmte Scenen und Stellen bestimmter 
Stücke ist überhaupt auf keine andere Art ein Schluß möglich als 
aus der Vergleichung mit der wirklichen Komödie, mit Fragmenten 
der attischen oder mit Plautus und Terenz. Das Material ist be- 
schränkt und mit negativen Schlüssen muß man vorsichtig sein; aber 
das Material reicht aus, um bei Schriften von einigem Umfang das 
allgemeine Verhältnis des Autors zur Komödie zu bestimmen; denn 
die Stücke der vea xcojucpdla sind typisch nach Stoff und Form, wer 
27 recte norit, der kennt eine Menge andere, die an jenen hängen, 
an denen jene hängen. Klar tritt das Verhältnis hervor in den 
Hauptvertretern der erotischen Epistolographie. Alkiphron hat eine 
wahre Fülle von Wendungen und Motiven, die direkt mit Plautus 
und Terenz zusammentreffen 3 ); er war ohne Zweifel selbst in der 
Komödie belesen. Daß es dieselben Stücke sind, die der römische 
Dichter bearbeitet hat, folgt aus der Übereinstimmung nicht ohne 



erinnern, hier sind es nicht die Personen, sondern die Situation, die nachgeahmt 
ist; aber was könnte man danach reconstruiren ? [Vgl. Legrand Les dialogues 
des courtisanes compares avec la comedie, Rev. des 6t. gr. 1907 S. 176 ff., 1908 
S. 39 ff.] 

1) Vgl. Kaibel Galeni protr. p. 54 sq. Schriften wie- die Excerpte des 
Photios aus Helladios oder die Orthographie Capers stehen natürlich auf einem 
andern Brett. Auf die massenhaften Verse im Donatcommentar habe ich Rhein. 
Mus. XXXVIII 323 hingewiesen. 

2) Es muß freilich Komödie sein und nicht wie etwa Alkiphr. I 39. Dies 
miserable Zeug konnte ein Kenner der Komödie für xoofiixov und überhaupt 
für attisch halten. 

3) Einiges hat richtig verglichen W. Volkmann studia Alciphronea p.23sq., 
besonders (p. 24) Ale. I 36 mit Pseud. 274 sq. ; das meiste aber trifft niclrt zu, 
da er den Fehler macht Worte zu vergleichen, nicht den für die Situation 
charakteristischen Tnhalt der Worte. [Vgl. Legrand Daos S. 63.] 



Epistolographen. Elegie 143 

weiteres; wohl aber zweierlei: daß bei Alkiphron entnommenes 
Komödienmaterial vorliegt und daß bei Plautus einfache Über- 
setzung vorliegt. Dagegen Aristaenetos kennt die Komödie gar nicht l ), 
wohl aber die Elegie; in den paar Briefen, die Komödienmotive ent- 
halten (besonders in der zweiten Hälfte des 2. Buches), sind die Motive 
aus dritter Hand, der Ausdruck ist nirgend der Komödie nach- 
geahmt und nirgend spüren wir den vertrauten Hauch des attischen 
Spieles 2 ). Dasselbe gilt von den Briefen des Philostratos. Wo 
einmal ein Bild oder Wort tatsächlich der Komödie entstammt, da 
ist es diesem Sophisten aus einer anderen Quelle zugeflossen, die 
sich auch angeben läßt. Es ist die Elegie 3 ). 

Die Liebesgeschichten sind von den Komikern dem Leben ent- 
nommen und als Stoff und Triebräder der Handlung verwendet 
worden; die Typen der Hetäre und des Liebhabers wurden in 
hundert Formen dramatisch gestaltet, ihre Erlebnisse und Beziehungen 
in tausend Motiven geformt und umgeformt. Typen und Motive sind 
dann in die hellenistische Poesie, vor allem in die Elegie hinüber- 
geströmt und haben dort in neuen Kunstformen eine neue Periode 
reicher und frischer Entwicklung gefunden; jeder Dichter der ein 
Dichter war hat sie aus seinem Geist und dem Leben, das ihn um- 
gab, erneuert; wie sie aus dem Leben stammten, hat die Dichtung 
sie lebendig bewahrt. Daß. dieses Band die neue Komödie mit 
der hellenistischen Elegie verknüpft, das erfahren wir aus der römi- 
schen Elegie. In ihr finden sich so zahlreiche Anklänge an die 
römische Komödie, daß der Zusammenhang nicht geleugnet werden 
kann; man kann nur fragen, wie der Zusammenhang zu erklären 
sei. Es ist aber kein Zweifel, daß Tibull Properz Ovid jede andre 
Lektüre eher als die der plautinischen Komödien getrieben haben, 
kein Zweifel daß die Übereinstimmung der erotischen Poesie mit 
Plautus nur auf die gemeinsame Quelle zurückgehen kann und damit 

1) Die von Kock Rhein. Mus. XL1II 35 ff. angeführten Stellen sind so 
falsch beurteilt wie die Hermes XXI 380 ff. und in der Fragmentsammlung 
hergestellten l adespota\ 

2) Das Citat aus dem Anfang der Wolken II 12 beweist ja wohl nicht 
dagegen. 

3) Aristaenetus schreibt den Alkiphron und Alkiphron den Lukian aus, 
vgl. zuletzt Reich de Alciphronis Longique aetate, Königsberg 1894 (nicht er- 
schöpfend über Lukian und Alkiphron Bolderman a. a. 0. p. 36 sq.); es bedarf 
keines besonderen Beweises, daß beide von Reminiscenzen aus den Dichtungen 
selbst voll sind. — [Vgl. Heinemann Epistulae amatoriae quomodo cohaereant 
,cum elegiis Alexandrinis, diss. Argent. sei. XIV 1910.] 



1 44 111 Plautus und seine Originale 

sogleich für Plautus den Ursprung solcher Stellen aus dem Original 
beweist. Dagegen kannten Properz und Ovid und ohne Zweifel 
auch Tibull die attische Komödie, und in keinem einzelnen Falle 
ist die Möglichkeit in Abrede zu stellen, daß der römische Elegiker 
den attischen Komiker selbst gelesen hat. Nur wenn man die Ver- 
zweigung derselben Motive durch die erotische Litteratur der Griechen 
und Römer ins Auge faßt und sie an dem engen Zusammenhang 
zwischen griechischer und römischer Elegie mißt, den uns die ero- 
tischen Epigramme deutlich machen, wird man es als die einzig 
natürliche und in der Sache begründete Erklärung erkennen, daß 
die römischen Elegiker die mit der römischen Komödie zusammen- 
treffenden Motive von den griechischen Elegikern und diese sie aus 
der attischen Komödie entnommen haben 1 ). 

Auf die Anklänge, von denen ich rede, ist meines Wissens nur 
in Commentaren gelegentlich aufmerksam gemacht worden. Huschke 
zu Tib. I 3, 83 — 88 hat an die große und sicher nicht zufällige Ähn- 
lichkeit dieser Verse mit Ter. Heaut. 285 sq. erinnert 2 ); ein paar 
Verse des Originals sind in den Bembinusscholien erhalten (frg. 142) 3 ). 

[1) Hierzu Gott. Gel. Anz. 1898 S. 745 ff., Rhein. Mus. LV G04ff., De Hör. 
et Archil. 1900. — Wilamowitz Die griech. Litt, des Altert. S. 140 f. (etwas 
gemildert 3. Aufl. 214 f.) hat die Existenz einer hellenistischen Elegie von der 
Art der römischen in Abrede gestellt und die römische Elegie aus dem Epigramm 
hergeleitet; gleichzeitig hat Jacoby Rhein .'Mus. LX 38 ff. die gleichen Thesen 
ausführlich zu erweisen gesucht. Sein Aufsatz bringt viel neue Gesichtspunkte 
und hat die Forschung belebt. Von der Unhaltbarkeit beider Thesen habe ich 
mich durch weitere Untersuchung überzeugt und gedenke seinerzeit darauf 
zurückzukommen, Hier begnüge ich mich auf die neuesten Arbeiten hinzu- 
weisen, in denen, wie mir scheint, die wichtigsten Beweise gegen Jacoby teils 
geliefert teils angedeutet sind: Pohlenz Die hellenist. Poesie und die Philosophie 
(Xagirsg 1911 S. 76 ff., besonders 108 ff), P. Troll De elegiae romanae origine 
(Gott. Diss. 1911), R. Bürger Jahresber. für Altert, wiss. CLIII (1911.11) S. 135 ff., 
Reitzenstein Hermes XLVII 81 f. und sonst in diesem Aufsatz. Eine Übersicht 
über die seit der 1. Auflage dieses Buches erschienenen Schriften findet man bei 
Heinemann in der S. 143 A. 3 angeführten Abhandlung und in Bürgers Bericht.] 

2) Ähnlich wiederholt sich das Motiv in der Heroepistel v. 37 tortaque 
versato ducentes stamina fuso feminca tardas fallirmis arte moras (Hero und die 
Amme); so Properzens Arethusa IV 3,41 und selbst Cynthia 1116,15. Die 
römische pudica unter ihren Mägden, Lucretia bei Livius I 57 und Ovid. fast. 
II 741 sq., hier mit den Zügen der Elegie v. 771 sie sedit, sie culta fuü, sie 
stamina nevit,, neglectae collo sie iacuere comae. Vgl. Verg. Aen. VIII 411, 
Val. Fl. II 138. Menaechm. 797 inter anciüas seder e iubeas, lanam carere. 

3) Sie zu athetiren ist gar kein Grund, am wenigsten der von Nencini de 
Ter. eiusque fontibus p. 72 angeführte, daß die Schilderung des Terenz speci- 
fisch römisch sei. Darauf daß der Ausdruck J£ hrag^ov sHQF^aro (die Herrin) 



Anklänge der Elegie an tlie Komödie \ 45 

— Zu Tib. I 5, 43 {fade tenerisque lacertis devovet et flavis nostra 
puella comiSj vgl. 8, 24 sq.) hat schon Scaliger die Verse des Afranius 
angeführt (380 R.) aetas et corpus tenerum et morigeratio, haec sunt 
venena formosarum mulförwn, und es ist mir danach sehr wahr- 
scheinlich, daß es bei Menander oder einem andern Attiker eine 
gleichfalls den sinnlichen Zauber hervorhebende Stelle gab, nicht 
den sittlichen wie die von Ribbeck angeführte, die im übrigen über- 
einstimmt (frg. 646 K.) ev Igt aXrjftks cpifaqov, Evyvcbucov tqojzos ' rovrq) 
xaTaxQarsiv ävdgog eI'w&ev yvvt], vgl. Ovid medic. 43 (evyvcb/ucov 
TQOTiog ist nicht morigeratio, vgl. vielmehr Poen. 300 sq., doch scheinen 
die Verse eher von der Ehefrau zu reden, vgl. Eur. Andr. 207). — 
Das Motiv von Tib. I 8 (non ego celari possum quid nutus amantis 
quidve ferant miti lenia verba sono), das von Catull c. 6 und von 
Properz I 9 (vgl. III 8, 18), von allen sehr individuell behandelt ist, 
kennen wir aus Antiphanes bei Athen. II 38 b (frg. 235 K.) xQvycu, 
<Peidla, äjiavra xaXXa Tis bvvaa av tzXtjv övoiv, olvöv te nivcov eis 
EQcmä t 8jU7ieod)v, äjLupoTEQa /LirjvvEi ydg anb rcbv ß^E/ujudrcov xal 
xcbv Xoycov ravß', cqote xovs äpvovjuEVOvs /udhora tovtovs (ravra) 
xaxacpavEls noel 1 ). — Catulls otio exultas sagt der alte Menedemus 
dem verliebten Sohn (Heaut. 1 09) nulla adeo ex re istuc fit nisi ex 
nimio otio (Truc. 141); Prop. II 23, 1 7 necposcet garrula quod te astrictus 
ploret saepe dedisse pater stellt genau das Verhältnis desMercatorprologs 
(46 sq.) dar, vgl. Heaut. 99 sq. — Prop. I 2 nudus amor vgl. Most. 289. 

— Der Wunsch Tib. IV 5, 13 vel serviat aeque vinctus uterque tibi 
vel mea vincla leva kehrt mit derselben Alternative wieder Ter. 
Eun. 91 utinam esset mihi pars aequa amoris tecum ac pariter fieret, 
ut aut hoc tibi doleret itidem ut mihi dolet aut ego istuc dbs te factum 
nihili pender em, d. h. bei Menander; die Stelle war berühmt und 
klingt in der Elegie vielfach nach (Catull. 76, 23, Tib. I 2, 63, Ovid. 
met. XIV 24, Rufinus A. P. V 88, vgl. V68) 2 ), auch bei Aristaenetus 3 ). 

dein Tibulls gravibus pensis affixa (die Dienerin) näher kommt als Terenzens 
Übersetzung, will ich kein Gewicht legen. 

1) Asklepiades A. P. XII 135, Kallimachos epigr. 43, Rufinus A. P. V 86. 
Lukian de dea Syria 17 sQcorog de äcpaveog jioXXol orj/urjia, oqyd'aX^oi fe äo&eveZg 
xal (pcovrj xal xqoiyj xal SdxQva, Ciris 242 Ov. met. IX 535 Stat. Ach. 309, besonders 
Apul. met. V 25. Danach das der Elegie geläufige Bild des Liebenden, der 
sich betäuben will, unter den Zechern: Meleager A. P. XII 49 t,u>Qon6%ei Svosgcog, 
Alkiphr. I 35, Tib. I 2, Prop. III 17; 25, 1, Hör. epod. 11 (denn dies Gedicht ist 
eine Elegie in Epodenform [De Hör. et Arch. 9 sq.]). 

2) Vgl. Phil. Unters. II 36, wo ich auch Ovid. met. XIV 24 verbessert habe. 

3) I 16 (hg ravrtjv, "Egwg, ßsßXrjxag xtjr t^v/r/v, ovxcog Totf ßoXfj xrjv ifir/v 
xaxaxo^evoov eQO)fisvr]v. 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 10 



146 III Plautus und seine Originale 

Wie in der erotischen Poesie die in der attischen Komödie 
angeschlagenen Töne fortklingen und gelegentlich zu einer Sym- 
phonie anschwellen, will ich an einem auch sonst interessanten 
Beispiel zeigen. * 

Ovid hat nach einigen Versuchen im hellenistischen Stil den 
trockenen Ton des Lehrgedichts verabschiedet und den Römern in 
der Liebeskunst eine neue Spielart der Gattung gegeben, die sich 
zum alten Stil verhält wie die Komödie zur Tragödie, wie die 
Metamorphosen zum Epos, ein Gedicht das die ausgesungene 
neoterische Lehrdichtung in der Elegie neu hat aufleben lassen: 
wenn es nur schlüpfrig gewesen wäre, hätte Augustus es nicht mit 
seinem Hasse verfolgt. Daß Ovid keinen Vorgänger hatte, ergibt 
sich aus der Aufzählung erotischer Schriften (v. 413 sq.) und poetischer 
artes (v. 471 sq.), die Ovid im zweiten Buche der Tristien gibt; 
hätte er einen andern Verfasser einer ars amatoria nennen können, 
so wäre es sein Haupttrumpf gewesen; der Schluß ex silentio ist 
sicher 1 ). Dagegen beruft er sich darauf daß Tibull <T6) auch 
Liebeslehren erteilt habe (v. 447 sq.) und ebenso Properz (v. 465). 
Wenn man diesem Fingerzeige nachgeht, so sieht man leicht, daß 
Ovid in der ars amandi Motive verarbeitet, die in der Elegie vor- 
gebildet und zum Teil schon sehr ausgebildet waren 2 ); die inventio 
des Werkes stammt fast ganz aus dieser Quelle. Ovid selbst hat 
früher in seinen Elegien Abschnitte der Liebeskunst behandelt: am. 
I 4, II 5. 19, und vieles angerührt, was er später in der Liebeskunst 
wiederholt 3 ). Von Tibull lag ihm nicht nur 16 und 8, 55 sq., 
sondern ein wirklicher Abriß der Liebeskunst in I 4 vor 4 ), den er 
in den Tristien nicht erwähnt, da er Knabenliebe betrifft, der aber 

1) Die pornographische Litteratur, die Athenaeus V p. 220 * anführt (Phi- 
laenis vgl. VIII p. 335), darf man nicht unter das rechnen was für Ovid in 
Betracht kam, trotz der Stellen verwandten Geistes in der ars amandi. Den 
Ausdruck igcorixi} re%vr] wendet Piaton an (Phaedr. 257 a ). Zenons sgcoTixr} re%vr] 
bei Diog. L. VII 34, vgl. v. Arnim Stoic. frg. III 180 n. 717. 719. Eine wirkliche 
Liebeskunst Xenophon Mem. III 11. 

2) Vgl. Ribbeck Gesch. d. röm. Dichtung II 263, der auch die Komödie 
erwähnt. 

3) Vgl. am. 15 und art. II 619 sq. III 807; am. I 9 und art. II 233 sq.; 
am. I 11 II 7. 8 und art. I 351 sq. 375 sq.; am. III 2 und art. I 143 sq. usw. Aber 
ep. Sapph. 45 sq. ist Nachbildung der ars. 

4) Vgl. Tib. I 4, 59 sq. und Ov. art. II 273 sq. Der alles duldende Lieb- 
haber Tib. 12, 29 sq. 4, 49 sq., Prop. I 1 und Ov. art. II 187 sq., vorgebildet von 
Piaton (Symp. 183 a ); ähnlich doch in andrer Situation PI. Merc. 860 sq. 



Liebeskunst 147 

die elegische Behandlung des Stoffes am deutlichsten aufzeigt 1 ); 
von Properz die Gedichte I 1.0 (Cynthia me docuit semper quaecum- 
que petendo, quaeque cavenda forent, vgl. III 3, 49) und die Lehren 
der Kupplerin TV 5 2 ), vgl. Tib. I 5, 59 sagae praecepta rapacis, Ov. 
am. I 8. Schon diese Übereinstimmung der tibullischen und pro- 
perzischen Motive beweist den Ursprung aus der griechischen Elegie ; 
direkte Beziehungen zwischen der Liebeskunst und Philodems Epi- 
grammen hat Kaibel nachgewiesen ind. schol. Gryph. 1885 p. 10. 13; 
direkt der Elegie entstammen bei Aristaenetus die Liebeslehren des 
erfahrenen Jünglings an den unerfahrenen 3 ), der älteren Hetäre an 
die jüngere Schwester 4 ), vgl. die Lehren des Philetas bei Longus 
II 7 5 ). Aber an die ältere Quelle führen die Anweisungen der 
Mutter an die beginnende Hetäre in Lukians Gesprächen VI 3 sq. 
und VII; es ist dasselbe Motiv, das die Elegie so oft verwendet, 
auch die erhaltenen Komödien zeigen ausdrücklich woher es stammt. 
Most. I 3 (Philemon) belehrt die alte Scapha ihre Philematium, 
Poen. I 2 (wahrscheinlich Menander) die Hetäre ihre jüngere oder 
minder kluge Schwester, Asin. I 3 (Demophilus, ein Nachahmer 
Menanders 6 )) die Kupplerin den Liebhaber, und oft wird, wie im 
Truculentus, von feststehenden Lehren der Liebestheorie, die man 
als Liebhaber kennen und wissen müsse, in ähnlichen Gesprächen 
gehandelt, auch ohne daß sie ausdrücklich unter den Gesichtspunkt 
der Belehrung geschoben werden. Die Liebeslehre als solche aber 
ist in der Komödie ein ausgebildeter Begriff. Der Truculentus 
beginnt: non omnis aetas ad perdiseendum sat est amanti, dum id 
perdiseat, quot pereat modis; Most. 170 sapit scelesta multum: ut 



1) v. 75 vos me celebrate magistrum, 79 me Veneris praecepta ferentem, 84 
cum mea ridebunt vana maqisteria. Vgl. Lydia 56 mea culpa magistra prima foret. 

2) Dazu vgl. III 8, 25. 26 und Lachmann Prop. p. 262. [A. L. Wheeler Class. 
Philol. V 28 ff.] 

3) Aristaen. I 4 ext. ov de xovxcov ajzeioog exi, dir eaov xal judvftave xal 
ovvauiolavoov igcoxixq) didaoxdlco • xovxo ydg xo (xd'&rjfia nag* ovxivovv Ttoiov/xai 
Seivömzog slvat, wie Ovid und Tibull. 

4) I 14 all' eywye nalaiä ovvovaa noQvodidaoxdlco xfj ädelcpfi xai xoTg exetvrjs 
sgaoraig xaxa jtQÖcpaoiv o^iilovoa ovösv e'öo^a dvo/ua{)>rjg usw. Der ganze Brief 
wie Prop. IV 5 (53 sq.) u. a. ; II 1 aus Alkiphr. II 1,6, nachher xal ixegojg Se 
(idv&ave' ov ydg oe xal ötacpogcog ijrexStSdoxsiv oxvxjoco (der ngoaycoyog an die 
Hetäre; vgl. Philostr. ep. 22). 

5) ovx ddlöaxxog sqcoxojv Diodorus A. P. V 121, 5. 

[6) Vgl. Demaenetus Asin. 64 sq. und Micio Ad. 879 sq., unten S. 156 A. 3 
Jachmann Xdgixsg 276 A. 1.] 

10* 



148 HI Plautus und seine Originale 

lepide res omnes tenet sententiasque amantum, vgl. 279; Asiu. 220 
haecin te esse oblitum, in ludo qui fuisti tarn diu? Merc. 577 scio pol 
te amare, quom istaec praemonstras mihi. Die alte Hetäre in der 
Mostellaria, der von ihrem früheren Glänze (v. 199 sq.) nichts ge- 
blieben ist als der Schatz von Erfahrungen, mit denen sie nun die 
Sentimentalität der Herrin ins Praktische zu kehren sucht (vgl. 
Cist. I 1, Ter. Hec. 11), die Mutter die von dem Erwerb ihrer 
Tochter lebt (Asinaria, Cistellaria, Lukian), das sind offenbar ur- 
sprünglich die Trägerinnen und Lehrerinnen dieser Lebensweisheit, 
und es ist wohl möglich, daß Philemon diesen Typus ausgebildet 
hat 1 ). In der Elegie lebt er fort, wie wir sahen, aber meist tritt 
hier natürlich der Dichter an die Stelle der Komödiencharaktere, 
und in dieser Form hat Ovid den Gegenstand zusammengefaßt und 
poetisch vollendet. Der Typus der Hetäre, die in der Kunst 
Meisterin ist, ist bei Ovid (rem. 385) und Properz (IV 5, 43) Me- 
nanders Thais; diesen Typus, für den uns Phronesium das Muster 
ist, hat ohne Zweifel Menander vollendet, aber er bedeutet die 
Praxis, nicht die Theorie 2 ). 

Ich habe bei dieser Erörterung die plautinischen Scenen und 
Verse bereits als attisch behandelt; den Beweis will ich nachliefern, 
indem ich einige Stellen aus diesem Gebiet, teils aus der Elegie 
teils aus der späteren erotischen Litteratur, als dem Original ge- 
hörig nachweise. 



1) Lysiteles im Trinummus (Philemon) entwickelt seine Theorie v. 666 sq., 
der Sittsame der die Eigenschaften des s'goyg an deu Fingern herzählen kann. 
Der Liebhaber über den k'gcog Cist. II 1. 

2) In dieselbe Richtung gehört die Parasitenkunst, für die Menander das 
Muster gedichtet hat: Eun. 261 sq. Lukians Dialog oxi xe^vr] fj jzagaoirixtj setzt 
das voraus. Danach hat man zu beurteilen die Horazische Kunst des Erb- 
schleichers (sat. II 5), des scurra (ep. I 18). Wie geläufig der Begriff geworden 
ist, zeigt Ter. Hec. 203 in eodemque omnes mihi videntur ludo doetae ad malitiam; 
ei ludo, si ullus est, magistram hanc esse satis certo scio. An Alexis' 'Aooyroöidd- 
oxakog erinnert mich Wilamowitz. — Auch das Motiv der remedia amoris 
(Kalliin. epigr. 46), das der Elegie so sehr geläufig ist (Tib. II 3, 13 Prop. I 1, 
25; 5, 28 II 1, 57 IV 7, 69 u. s., vgl. Verg. ecl. 10, 60 Ov. her. 5, 143 met. I 523, 
Longus II 7, 7 egeotog yäg ovdsv (pdg/uaxov etc.), erscheint schon in der Komödie: 
Cist. 76 confidam fore, si medicus veniat qui huic morbo facere medicinam potest. 

Die Motive, die Ovid in der ars verwendet, im einzelnen nachzuweisen und 
durch Analyse des Gedichts seine 'Quellen* zu erschließen, wäre eine Arbeit, die 
für Elegie und Komödie etwas ergeben würde. [R. Bürger De Ovidi carminum 
amatoriorum inveutione et arte, 1901, p. 47 sq. A. L. Wheeler Class. Phil. V, 
1910, S. 440 ff. VI 56 ff.] 



Liebeskunst. Die Hetäre 149 

An kein Stück sind bei Lukian und Alkiphron die Anklänge 
häufiger als an den Truculentus *) ; kein Wunder, da der Typus der 
herzlosen und beutegierigen Hetäre in keinem Stück vollkommener 
durchgeführt ist; daneben steht die Asinaria, in deren Original die 
Scenen T 2. 3 in offenbarer Abhängigkeit vom Original des Trucu- 
lentus gedichtet sind. Lukian dial. meretr. 14, 1 kann man aus 
Plautus glossiren: vvv jue änoxleieig, a> Mvgxdh], vvv öxe Tievrjg eye- 
vöjLifjv öid os (Truc. 139 u. a.), öre de ooi xä xooavxa exöjui^ov, egco- 
jiievog, ävi)g, deojxoxyg, ndvx fjv eydo (Truc. 162 u. a. Asin. 204 sq.). 
enel Ö 1 eyd) fiev avog rjdi] äxgcßcog, ob de xbv Bi&vvov ejujxogov 
evgrjxag egaoxrjv (Truc. 81), ujioxXelojuai /tiev eya> xal ngo rcbv fivgcdv 
eojyxa öaxgvcov (Truc. I 2 II 3 IV 2) 2 ), 6 de xa)v vvxxcbv cpdeixai 
- xal xvetv (pfjg an avxov (Truc. 186 etc.). Im übrigen ist die 
Situation des Gesprächs nicht die des Truculentus; dagegen 7, 3 
entspricht die Scene Truc. 645 sq., 12, 2 in der Hauptsache Truc. 
248; die Geschichte des Deinias im Toxaris 13 sq. erinnert im 
ganzen wie in vielen einzelnen Zügen an den Truculentus: 15 ovvot- 
xiat xal äygoi (Truc. 174 sunt mi etiam fundi et aedes, vgl. 186. 21.4) 3 ), 
16 xal av&ig f\ äßga xal ygajLijudxia xal fiefupig öxi jui] noXkov %q6vov 
äqoixexo (Truc. 1 75 sq. 352 sq.), 13 ä%gi av laftcooiv eg xd öixxva 
e t ujxeoovxeg (Truc. 37 si inierit rete piscis, vgl. Asin. 215 sq.), 15 
(Alkiphr. III 50, 2j die ante parta Truc. 62. Die unermüdlich 
fordernde Hetäre (vgl. Ov. art. I 421 sq.) und der solange das Ver- 
mögen reicht unermüdlich schenkende Liebhaber 4 ) spielen eine 

1) Irn Liede der Astaphium v. 95 — 112 scheint es mir deutlich daß Plautus 
den Gedanken des Originals ins Barbarische vergröbert hat. Die jungen Leute 
stehlen den Hetären ihren Hausrat und vertilgen ihre Vorräte, zum Entgelt 
plündern die Hetären ihre Liebhaber. Das kann schwerlich in einer attischen 
Komödie gestanden haben; in das Rom des antiochischen Krieges paßt es 
hinein: fit pol hoc et pars spectatorum scitis pol haee vos me haud mentiri (v. 108). 
Der Gedanke des Originals, den Plautus umgebogen hat, wird derselbe sein, 
den die alte Syra im Anfang der Hecyra ausführt: nemo illorum quisqtiam, 
scito, ad te venu, quin ita paret sese, abs te ut blanditiis suis quam minimo pretio 
suam voluptatem expleat. hiscin tu, amabo, non contra insidiabere? 

2) Ov. art. III 587 et duro dicat tibi ianitor ore: 'non potes'. exclusam te 
quoque tanget amor. Truc. 752 sagt Astaphium non potest, 758 Diniarchus abiit 
intro, exclusit. 

3) Ausgeschrieben von Alkiphron III 50 (der ganze Brief nach Lukian), 
vgl. Reich S. 12 ff., anders doch nicht überzeugend Bolderman S. 39 ff. Daß 
eine Komödie benutzt ist (Kock Rhein. Mus. XLIII 36) folgt erst aus Plautus. 

4) deinde, M consumpto restabit munere pauper, die alias Herum naviget 
lllyrias Prop, II 16, 9. 



150 HI Plautus und seine Originale 

große Rolle in Alkiphrons Briefen, vgl. noch I 6. 36 II 25. Den 
Brief I 36 hat Volkmann qu. Alciphr. 24 richtig mit Pseudolus I 3 
verglichen 1 ), die Fiktion des Briefes aber ist die des Truculentus 
(I 2 V 5, vgl. § 1 und v. 902 sq.) und der Asinaria (v. 196 sq.) 2 ). 
I 6 xcojuätovoi yaQ ngög avxrjv r\ tiqoq ftäkaxTav veolaia xal ällog 
äXko öcoqov änocpegei, ?] de eloöexexai xal ävaloT Xagvßöewg diM]v. 
Die Hetäre als Charybdis kennen wir aus dem großen Fragment 
der Neottis des Anaxilas (frg. 22, 18 K.) fj de <Pqvvt] ti)v Xdqvßdtv 
ov 1 /! noQQW jzov noiel xöv %e vavxkrjQov laßovoa xaxajiejiwx avxw 
oxdcpei, das Bild kehrt wieder Truc. 350 sed aestuosas sentio aperiri 
fores, quae obsorbent quidquid venu intra pessulos und (Menander) 
Bacch. 471 (meretricem) acerrume aeshiosam: obsorbet ubi quemque 
attigit, ebenso das Bild ohne Namen Alkiphr. III 33, 2 f\ Innonoq- 
vog — ökov oe avxolg äyqölg xaxajxiovoa 3 ). — Wie Phronesium so 
ist die Zofe Astaphium der vollkommene Typus ihrer Gattung; 
Truc. 114 sq. und IV 2 spiegelt wieder Alkiphr. I 35, 1 — xb nolld- 
xig fjjuäg im rag fivqag cpoixäv xal xoig Tzejujiojuevoig Tiqög xovg evxv- 
%eoxeqovg r^icbv fteqanawidioig äjzodvqeo&ai 4: ), vgl. Tib. II 6, 45 sq. 
Diniarchus sagt v. 94 cum ea quoque etiam mihi fuit negotium: ein 
von Ovid vielbehandeltes Motiv: am. II 7. 8 art. I 375 sq., vgl. 
Aristaen. ep. II 7 u. a. 5 ). 

1) v. 274. 286. 306. 312; auch §2 xai av%^r\qav k'xco xrjv xecpaAtjv mag man 
bei so viel Übereinstimmung mit v. 220 vergleichen. 

2) Mit Asin. 198 sq. (200 quom a pistore panem petimus, vinum ex oeno- 
polio, si aes habent dant mercem etc.) vgl. Lukian meretr. dial. 7, 2 säv 6 oxvxo- 
xöfiog ahfj %6 diÖQaxtiov, sgov/iiev üzqoq ccvxöv aQyvQiov phv ovx s^o/uev, ov dk rcov 
iXmdcov öXlyag tkxq t^iojv Xaße; Asin. 528 an te id expectare oportet, si qiäs pro- 
mittat tibi te facturum divitem, si moriatur mater sua? und Lukian ib. jzeQijusivov, 
qjrjoofiev, eot' äv Aa%r]q 6 KoXvxxevg änad'dv^. 

3) Aus der Komödie auch Horaz quanta laborabas Charybdi; etwas anders 
Philostr. ep. 50 eXxeig (as oltio xwv d/bijLidxcov xal ovgeig ^irj '&eAovxa, wojisq xovg 
nlkovxag r\ XaQvßSig dvsQQÖcpei. Vgl. Cic. de or. III 163 Charybdin bonorum, 
Sidon. Apoll, ep. IX 6, 2 sumptuositas domesticae Charybdis. Die verbreitete 
Vorstellung hat zur rationalistischen Erklärung der Charybdis als femina vora- 
cissima (Serv. Aen. III 420) geführt, vgl. Reifferscheid quaest. Suet. p. 467, der 
dies nicht richtig auf Suetons Hetären buch zurückführt. Skylla die Hetäre 
bei Alkiphr. I 18, 3 wie bei Anaxilas v. 15. Vergleichungen andrer Kategorien 
Gefräßiger mit Charybdis führt Kock zu Ar. Eq. 248 auf; die hier von Aristo- 
phanes zuerst angewendete von habgierigen und verschwenderischen Politikern 
ist durch Cicero wieder berühmt geworden: de har. resp. 59, Philipp. II 67. 

4) Der Brief trifft im folgenden auffallend mit Tib. I 2 und dem dasselbe 
Motiv behandelnden horazischen Petti nihil me zusammen, s. o. S. 145 A. 1. 

5) Einiges andere aus dem Hetärenleben: die frühere Dürftigkeit Asin. 



Die Hetäre. Der Liebhaber. svgrjjLiata 151 

Wie in der sophistischen Erotik die Hetäre, so tritt naturgemäß in 
der Elegie der Liebhaber in den Vordergrund. Daß der Mercator- 
prolog gut attisch ist, zeigen gleich die ersten Worte: non ego item 
facio ut alios in comoediis vi vidi Amoris facere, qui aut nocti aut 
die aut soli aut lunae miser las narr ant suas 1 )-, das Motiv, von Euri- 
pides bevorzugt (Med. 57, Ion 870, El. 59, Andr. 91, Iph. T. 42), von 
der Komödie aufgenommen 2 ;, ist in der Anwendung auf den Lieb- 
haber aus Properz haec certe deserta loca und Vergils Alexis sattsam 
bekannt, vgl. Kallim. frg. 67, Alkiphr. I 8, 1 t« noXXä rctig avgaig 
diaXakrjoag und Aristaen. I IG 3 ). 

Auch der Eingang des Persa trägt das Zeichen seines Ursprungs : 
qui amans egens ingressus est princeps in Amoris vias superavit 
aerumnis suis aerumnas Herculei, weniger in dem mythologischen 
Vergleich, als in der Bezeichnung des ersten armen Liebhabers 4 ) 
als £vqfti]s einer besonderen Liebesspecies. Die Litteratur der 
EVQtjjuaxa ist neuerdings vielfach, zuletzt von Wendung de peplo 
Aristotelico p. 1 sq. öl sq. im Zusammenhang behandelt worden; wir 
übersehen ziemlich deutlich, wie seit Ephoros einerseits und Aristo- 
teles andrerseits das Material in der peripatetischen und gramma- 
tischen Litteratur weitergegeben und vornehmlich von epikureischen 5 ) 
und stoischen 6 ) Philosophen im Sinne ihrer Theorien von der mensch- 
lichen Lebensentwicklung verwendet worden ist. Daneben geht ein 
Bach der Überlieferung, der dünner, fließt aber bis an die Quelle, 



141 sq. und Lukian dial. 6, 2; die Kopfschmerz heuchelnde Truc. 632, Ov. am. 
II 19, 11, vgl. Tib. I 6, 36. Über Most. 274—281 und Hör. epod. 12 vgl. Hermes 
XVIII 562 ; das Motiv vom getöteten Gastfreund, auf dessen gleichartige Ver- 
wendung durch Philemon und Horaz ich dort aufmerksam gemacht habe, ist 
in Euripides Hecabe vorgebildet (709 sq.). Mit Horaz mag man außerdem ver- 
gleichen Epid. 107 (Hör. c. II 4), Pers. 229 (Hör. c. IV 10). 

1) Dann eine Wendung aus der Götterlehre, vgl. S. 131. Dann die jucoqo- 
loyia der Liebenden (vgl. Pers. 50 Amoris vitio, non meo, nunc tibi mwologus 
fio, Poen. 435 sq. Cist. 283 sq. 512 sq.), Menand. frg. 85 K. und besonders Meleager 
A. P. V 181. 

2) Theognetos 1, 9 p. 364 K., vgl. Frantz de prol. com. Att. p. 46 sq. 
[3) Gott. Gel. Anz. 1898 S. 747.] 

4) Auch der pauper amator der Elegie stammt aus der Komödie. 

5) Norden Fleckeisens Suppl. XIX 414 ff. 

6) Über Posidonius Wendling Hermes XXVIII 341. Für die in diesem 
Aufsatz besprochene fu^rjoig in der römischen Kultur ist ein hervorragendes 
Beispiel die von Bosch behandelte und mit Wahrscheinlichkeit dem Posidonius 
zugewiesene Rückführung des römischen Landrechts auf die solonische Gesetz- 
gebung. 



152 HI Plautus und seine Originale 

die sophistische Speculation, zu verfolgen ist, und selbst darüber 
hinaus; er durchzieht die poetische Litteratur und nimmt den Weg, 
den wir nun schon öfter haben verfolgen können, von der Tragödie 
in die Komödie, von da in die Elegie, wobei die Wechselwirkung 
mit der wissenschaftlichen Litteratur immer wieder erneuert wird. 
Schon Aischylos hat aus der Prometheussage den Erfinder Prome- 
theus (v. 461 sq.) entwickelt l ), ihm folgt Euripides (Suppl. 201 sq.) 
und in engem Anschluß an die Sophisten Kritias in dem Fragment 
von der Erfindung der Gesetze und Götter 2 ). Mit der Voraussetzung, 
daß jede Gewohnheit oder im Leben häufig auftretende Erscheinung 
ihren Urheber haben müsse, der den Dank oder Fluch der Mensch- 
heit verdiene, spielt schon Euripides Hipp. 407 (s.u.); dann lebt sie 
in der Komödie: das nagaoiretv hat Zevg 6 cpiXiog erfunden (Diodor 
frg. 2) oder doch Tantalos Aibg necpvxcbg (Nikolaos frg. 1), und 6 
ngcbrog evgcbv räXXörgia deinveiv ävrjg drjjuonxög rjv ng (Eubulos 72), 
wie der drjjuorixog Solon nach Philemon die Bordelle erfunden hat 
(danach ist es Geschichte: Athen. XIII 569 d ). Großes Unglück hat 
auf die Welt gebracht oong reyyr\v ngcbrog xaredettge rcbv fiecbv 
(Antiph. 123), Dank verdient 6 ngcbrog evgwv juerd Xvyyoviov negi- 
Jiarelv (Alexis 1 48) 3 ) ; 6 ngcbrog evgcbv xojuyjog f)v rgayr/juara (Alexis 
185; vgl. 27. 267). Das Braten hat äv&gconog ng ovx äßeXregog er- 
funden (Athenio frg. 1); 6 ngcbrog evgcbv diargocprjv nrcoxcb re%vr}v 
noXXovg enorjoev äfiXlovg (Menand. 14). Die juarrvr] haben die Maze- 
donier erfunden oder ndvreg 61 fteoi (Machon 1). Die Erfinder 
nützlicher Kenntnisse treten selbst auf, rühmen sich oder werden 
gerühmt in Anaxandrides' Nereus, Euphrons 'AdeXcpot (Athen. IX 379;, 
im Eunuchus (v. 247 hoc novomst aucupium, ego adeo hanc primus 
inveni viam), vgl. Baton frg. 4. Dann geht auch diese Denk- und 
Redeform in die Elegie über: Eubulos (r) 'Agagcbg) frg. 41 rig rjv 
6 ygäipag ngcbrog ävftgcbncov äga rj xrjgonXaorijoag "Egcoff vno- 
nregov; dasselbe Motiv mit derselben Pointe (Eros sitzt fest und 
fliegt nicht), doch sicher nicht mit Eubulos als nächstem Vorbild, 



[1) Vgl. Husung Quaestiones Aeschyleae, Greifsw. 1911.] 

2) v. 41 ovzco de jtqcotov oio/uai neloal riva $vr)Tovs vo^siv daiftövcov sivm 
yevog. Vgl. Norden a. a. 0. 415. 

3) Diese Stelle hat dadurch eine nahe Ähnlichkeit mit dem Eingang des 
Persa, daß sie auch den Prolog beginnt, s. Frantz de prol. com. Att. p. 36. 
So tritt der Liebhaber in der Cistellaria mit der Behauptung auf, daß Amor 
die Henkerkunst erfunden habe (v. 203), fügt aber hinzu: hanc ego de me con- 
iecturam domi facio, ne foris quaeram. 



F.vorjfxaxa in Komödie und Elegie - |53 

hat Properz II 12 1 ). Daß in der hellenistischen und römischen 
Poesie die Chalyber als die ersten Erfinder der Eisenwaffe gelten 
statt der Kyklopen oder Daktylen 2 ) oder auch der %aX>tE'w\ y^erj, 
die TtQCüTot xaxösQyov eyjxXxevoavxo judyaioav (Arat. 131), verdanken 
sie der Elegie des Kallimachos (XaXvßcov djg änokono yevog, yeioftev 
ävTeXXovxa xaxov (pvrov ol' jlllv etpijvav: Catull. 66, 48), der auch in 
den Airia vieles aus diesem Gebiet zu poetischem Gemeingut ge- 
macht hat; Parthenius 3 ) (öXotro) öortg etz äv&Qcojiovg et-voev alya- 
verjv, Tibull I 1 ferreus ille fuit primus qui protulit enses, Prop. 
IV 3, 19 occiäat immerita qui carpsit ab arbore Valium et struxit que- 
rulas raaca per ossa tubas. Anderes bei Properz II 6, 27 (quae manus 
obscenas depinxit prima tabellas etc. a gemat, in terris ista qui pro- 
tulit arte iurgia), Tibull I 1, 39; 7, 29; 10, 45 II 1, 39. 51 und zumal 
in Liebessachen I 4, 59 at tua, qui Teuerem docuisti vendere primus, 
quisquis es, infelix urgeat ossa lapis*). So fragt der Liebende in 
der Lydia v. 53 ausus egon primus castos violare pudores? und fährt 
fort: istius atque utinam facti mea culpa magistra prima foret — 
Veneris furatus gaudia primus (primum die Hdss.) dicerer atque ex 
nie dulcis foret orta voluptas. Hierdurch werden wir zum Persa 
zurückgeführt: qui amans egens ingressus est princeps in Amoris vias, 
eine genaue Parallele zu den beiden zuletzt angeführten Stellen. 
Das Original des Persa ist aus der demosthenischen Zeit, in der 
auch Eubulos dichtet. Später finden wir in den Menächmen eine 
ähnliche Wendung, v. 451 qui illum di omnes perduint qui primus 
commentust — contionem habere 5 ), und in derselben Form der Ver- 
wünschung in zwei Fragmenten der römischen Komödie: Naevius 
v. 18 R. üt illum di perdant qui primus holitor cepam protulit 6 ) und 

1) Die Pointe als Epigramm A. P. V 212 (Meleager) 268 (Paulus Sil.), also 
sicher vorproperzische Elegie. Vgl. Aristophon frg. 11 K. — Paus. IX 35, 6 oarig 
de r\v äv$Q(bjicov 6 yv/iiväg Tigcorog Xdgizag tjroi JiXdoag rj ygarpfj /ui/nr]odftsvog, ov% 
olov te eylvexo jzvfl'eod'ai /bis. 

2) Vgl. Plin. VII 197. 

3) Meineke An. AI. 268. 

4) Ovid fast. IV 109 primus amans Carmen vigüatum nocte negata dicüur 
ad clausas concinuisse fores: die Erfindung der Eloquenz. 

5) Es folgt der Vorschlag zur besseren Constituirung der Volksversamm- 
lungen, s. o. S. 126. 

6) primum ist überliefert, emendirt von Bothe, Müller PI. Pros. 591 und 
Bergk op. I 386; Tibull I 1, 39 fictilia antiquus primum sibi fecit agrestis pocula, 
II 1, 51 u. dgl. trifft nicht zu, da die Person nicht betont wird. Vgl. z, B. 
Verg. buc. 8, 24 Panaque qui primus calamos non passus inertes: primum im 
Mediceus (s. o. Lyd. 59). 



154 HI Plautus und seine Originale 

in der Boeotia (p. 33 R.) ut ühim di perdant, primus qui horas 
repperit quique adeo primus statuit hie Solarium 1 ). Diese drei Stellen 
haben dieselbe Form der Verfluchung wie die angeführten Stellen 
der Elegie 2 ), dieselbe hat Eubulos (72, 3 Sang de — ovußoläg 
ijzgägaro — cpvyäg yevoixo), in sehr witziger Parodie Menander selbst 
(154 i^cbXrjg änoloiff öong noxe 6 ngcbxog fjv y^uag, eneiff 6 öevxegog, 
sW 6 xgixog etc.) und vor ihnen bereits Aristophanes (Lys. 946 
xdxior änoXoify 6 ngcbxog eyjrjoag juvgov); und der Kreis schließt 
sich uns nach Form und Materie, wenn wir wahrnehmen, daß diese 
Verfluchung eines gedachten Erfinders von Euripides ausgeht: 
Hipp. 407 (bg ökoixo jtayxdxcog fjxig Tigög ävdgag ijg^ax' aloyyveiv 
Xe%rj TigcbxYj $vgaiovg 3 ). 

Auch die Amoris viae kehren wieder Trin. 667 atque ipse Amoris 
teneo omnis vias, und so sagt Properz I I, 17 nee meminit notas ut 
prius ire vias, der Sohn des llögog, selbst Jiögtjuog, äei rtvag tzMxcdv 
jLiYjxavdg^). Wenn so der erste (und zweite) Vers des Persa sicher 
dem Original gehören, so ist hier wieder recht deutlich zu sehen, 
wie Plautus in freier Bewegung den Gedanken der Vorlage stofflich 
ausführt; denn die gleich folgende Aufzählung der Heraklestaten 
ist sein Zusatz: er läßt Herakles den aper Aetoliciis bezwingen, 
natürlich aus eigner Reminiscenz, die ihn täuscht. 



1) Daß Ritschi im Unrecht war, als er die von Gellius angeführte Stelle 
der Boeotia einer späteren Zeit zuwies (Parerga 208) und daß die Sonnenuhren 
aus dem Original stammen, hat Ostermayer p. 57 sq. bemerkt. Zu beweisen 
ist es aus Alkiphr. III 4, wo der Parasit sich in gleicher Weise beschwert, daß 
er hungern müsse weil das cogoloyiov noch nicht die sechste Stunde zeige. 

2) Dazu Prop. II 18, 27 Uli sub terris flant mala multa 2)uellae, guae menüta 
suas vertu inepta comas. 33, 27 a jjereat quiemnque meracas repperit uvas 
corrupitque bonas neetare primus aqaas. I 17, 13 a pereat quicumque rates et vela 
paravit primus. 

3) Von anderer Art bei ähnlichem Ausdruck Soph. Ai. 1193. 

4) Plat. Symp. 203. — Den clavus Cupidinis Asin. 156 kann ich nicht 
nachweisen, doch vgl. Hegesippos bei Athen. VII 290 v. 24 wo? tyjv ävgav 
hxri^ex' axavrjg, 7iQoojcs7iaxxaXevfA,£vog. [Amor mit dem Hammer in der Pilaster- 
verzierung der linken Schmalseite des Neumagener Grabturmes 17 a : Hettner 
Illustr. Führer durch d. Prov. mus. in Trier 1903 S. 19. — Eros der Schmied 
Anakr. frg. 47]. Trin. G67 sq. und 11 1, Cist. II 1 (o. S. 148) negi fycoxog, vgl. 
Athen. XIII c. 13 sq. Stob, floril. 64 u. a. Ein menandrisches Motiv erotisch 
gewendet Ov. am. II 12, 9: Bacch. 930 (sine classe sineque exercitu); vgl. Bacch. 
1000 und Lukian 10, 3 (ovds xo %aiQsiv jtQooeygatps). Die lex amatoria (Asin. 
IV 1) Tib. I 6, 69 [Prop. III 20 b . Vgl. Gott. Gel. Anz. 1898 S. 746, Rhein. Mus. 
LV 604J. 



Der Liebhaber J 55 

Noch einige Einzelheiten, die durch die Übereinstimmung plau- 
tinischer Wendungen mit späterer Erotik das plautinische Gut den 
Originalen zuweisen. Der halbverführte Ephebe will den Ort fliehen, 
ubi ego capiam — pro galea scaphium — pro hasta talos — ubi mi 
pro equo lectus detur, scortum pro scuto accubet (Bacch. 69 sq.) : so 
von Achilles Ovid her. 3, 117 tutius est iacuisse toro, tenuisse puellam 
— quam manibus clupeos et aeutae cuspidis hastam et galeam presset, 
sustinuisse eoma. In der folgenden Scene sagt der Pädagog v. 111 
Lycurgus mihi quidem videtur posse hie ad nequitiam adducier, ebenso 
in einer der Menanderepisteln Alkiphrons, I 29, 3 : xal Bcmyibog 
ovo' äv twv gxv$q(jü7iot(xtcov reg än6o%oiTo 1 ). — Die Dirne im Tru- 
culentus kündigt mit folgenden Worten an, daß sie den Wider- 
strebenden bezwingen werde, v. 317: verum ego illum, quamquam 
violentust, spero immutari pote blandimentis, oramentis, ceteris mere- 
trieiis: vidi equom ex indomito domitum fieri atque alias beluas. Wer an 
equom (für equidem) zweifelt, muß den Stier oder Löwen oder aliam 
beluam dafür einsetzen; das Gleichnis ist der Elegie ganz geläufig: 
tempore lenta pati frena docentur equi (Ov. art. I 472), indomitis 
gregibus (equarum) Venus adflat amores (Tib. II 4, 57) 2 j. — Die 
Komödie zeigt uns was die attischen Jünglinge sich auf offener 
Straße erlauben durften; römischen Polizeiverhältnissen entsprechen 
die Verse des Persa 568 sq. venient ad te comissatam — noctu occen- 
tabunt ostium, exurent fores 3 ) sowenig wie das tibullische dum 
frangere postes non pudet (I 1,73); das $vQoxo7ir}om ist aus der 
attischen Komödie sehr bekannt (Ar. Yesp. 1254, Antiph. frg. 195, 6; 
239, 3, Aristophon 4, 5, Diphilus 128, Ter. Ad. 88 sq.); exurent fores 
(vgl. Turpil. v. 200) erklärt uns jetzt Herondas 2, 63 rj &vQrj xarrj- 
gaxrai vrjg olxlrjg juev, rtjg rekeco tqitijv jutofiöv, xd vjzsq'&vq 1 bnxd. 
Für die comissatio und das Txaqayilavoid^vQovy die keiner sonstigen 

1) Am Schluß desselben Briefes : xav jlwi xviojtiog ng zigog avrov rj öiacpogä 
ysvrjrai , der/oei (xe im xfjg oxrjvrjg vjio XQEjLtrjrög rivog ?} ^stövkov mxQwg loido- 
QeToftai, vgl. Most. 1149 sq. und die dazu Hermes XVIII 560 angeführte Stelle 
Machons, der ich Ar. Pac. 146 und Cic. ad fam. VII 11, 2 hätte hinzufügen können. 

2) Tib. II 1, 67 Citpido (inter) inäomitas equas, Ov. am. I 2, 15 asper equus 
duris contunditur ora hipatis. Ovid pflegt den Stier daneben zu nennen (vgl. 
auch trist. IV 6, 1 sq.), so Properz II 34, 47 sq., TI 3, 47 ac veluti primo taurus 
detreetat aratra, post venit adsueto mollis ad arva iugo, sie primo iuvenes trepi- 
dant in amore feroces, dehinc domiti posthac aequa et iniqua ferunt — nach 
Kaliimachos (epigr. 45, 3), vgl. Rufinus A. P. V 21. Longus II 7, 4 syvcov de eyco 
xal ravQov sQao&svxa. Tigerinnen und Löwinnen Lygd. 6, 13. 

3) Vgl. Prop. II 6, 1 sq. 



156 HI Plautus und seine Originale 

Belege bedürfen 1 ), gibt der Anfang des Gurculio das schönste Bei- 
spiel. Dem bei Tibull unmittelbar vorhergehenden (I 1, 71) neque 
amare decebit dicere nee cano blanditias capite entspricht Merc. 305 
tun capite cano amas, senex nequissume? 2 ) der näfav /LieiQaxievo^svog 
7ZQ€oßvrr)g (Alkiphr. II 2, 1). Er ist aus der Elegie und Horaz (epod. 
5, 57) genügend bekannt, der in Bacchides (Menander) Mercator 
(Philemon) Casina (Diphilus) Cistellaria (Menander) Asinaria 3 ) aus- 
gebildete Typus; man vergleiche nur Cas. 113 mit Tib. I 2 89 sq. 
Die Matrone, die den Wegen ihres Eheherrn nicht traut, sagt 
Merc. 669 reveni ut illum perseqaar qui me fügit. Es ist zwar nicht 
die ursprüngliche Wendung (vtfmog dg (pikeovra (pvyd)v (pevyovra 
diwxei, s. Hesiod. frg. 219 Rz.), die aus Sappho (I, 21), Kallimachos 
(epigr. 31 xovjaög egwg Toiöode' rd ydg cpevyovxa önjüxetv olde), Theo- 
krit (6, 17; 11, 75, dazu Hiller), Catull (nee quae fugit seetare), 
Horaz (sat. I 2, 108) und andern (s. Kaibel Philod. epigr. p. VIII) 4 ) 
bekannt ist 5 ), aber ihre komische Anwendung. Apollo flieht und 
Daphne setzt ihm nach. 

Auf die anderen stehenden Rollen dieses Kreises, besonders 
den Parasiten und miles gloriosus, will ich hier nicht eingehen, um 



1) Sowenig wie "Axqyjxoq xai "Eocog f.C fjvayxaoav , wodurch das Gespräch 
Aul. 737 sq. bestimmt ist; über den Ursprung des Motivs aus der Tragödie s. u. 
und Meineke com. IV p. 694 sq. 

2) Menand. 509 u. a., Laber. 137 ineipio adulescenturire et nescio quid 
nugarum facere. Andere Anklänge derart: Cure. 192 tun meam Venerem vitu- 
perasf und PL frg. ine. 27 Venus venturast nostra, vgl. Verg. ecl. 3, 68 parta meae 
Veneri sunt munera, Lucr. 4, 1185 nee Veneres nostras hoc fallit [Usener Götter- 
namen S. 298]. — Epid. 137 quia amor mutavit locum vgl. Prop. I 1, 36 neque 
adsueto mutet amare locum, vgl. IV 8, 28 ; dazu Ter. Eun. 972 neque agri nee urbis 
odium me umquam pereipit: ubi satias coepit fieri, commuto locum. — Cas. 617 
aut quid ego umquam erga Venerem inique fecerim, cui sie tot amanti rni obviam 
eveniant morae das tibullische Motiv I 2, 79 mim Veneris magnae violavi numina 
verbo etc. — Men. 354 munditia inlecebra animost amantium vgl. Ov. art. III 133 
munditiis capimur. 

3) Verwandt der gegen die Liebschaften der Söhne nachsichtige Vater: 
Asin. 64 (vgl. Bacch., Epid., Pseud.), von Menander ausgebildet (Ter. Heaut. Ad.), 
von Euripides vorgebildet: Hipp. 464 frg. 951. [Vgl. 0. Koehler De Heaut, Ter. 
compos., Leipzig 1908, S. 16 A. 1.] 

[4) Kaibel notirt nicht, daß Philodem (A. P. XII 173 ov yäg stoi/na ßoifko/uai) 
und Xenophon, den er anführt (Hier. 1, 30 ov yäg tcov hol/.icov rjöszai 6 "Egojg 
EcpiEuevos) , an den oben variirten Hesiodvers denken: vr\moc, og xd y exoifta 
fajioöv dvstoiua dicoxei.] 

5) Ter. Hec. 343 nam qui amat cui odio ipsust, cum bis facere stulte dueo : 
laborem inanem ipsus capit et Uli molestiam adfert. 



Der Liebhaber 157 

ein Ende zu finden, zumal Ribbeck (Alazon, Kolax) auf das in 
Betracht kommende Material zur Genüge aufmerksam gemacht hat 1 ). 



Ich will nun an einigen Beispielen zeigen wie auch die Form 
der plautinischen Komödie in der Continuität des attischen Dramas 
steht. Es handelt sich hierbei in der Regel nicht um die Treue der 
Übertragung im einzelnen; und in den meisten Fällen wird über- 
haupt nicht leicht jemand bezweifeln, daß Plautus das dramatische 
Motiv de,r Vorlage beibehalten hat, so selten es möglich ist, indirekt 
zu beweisen daß er es getan hat. Die innere Wahrscheinlichkeit 
überhebt uns des Beweises. Eine Erfindung zum Beispiel, wie im 
Rudens die schiffbrüchigen Mädchen I 2, denen Mitleid und Zu- 
neigung der Hörer zufliegen, und dann die Parallelscene II 6, in der 
die schiffbrüchigen Bösewichter die entgegengesetzten Gefühle er- 
regen, oder wie im Trinummus, wo die ersten Scenen angefüllt 
sind mit den Klagen der würdigen Bürger über die Verschlechterung 
der Sitten und gegen Ende der Sklave dasselbe Thema skurril be- 
handelt (S. 130), solche Erfindungen können nur innerhalb einer 
auf der Höhe stehenden Kunstübung gedacht w r erden, nicht in der 
zweiten Generation einer importirten Dichtung; daß Plautus die Con- 
ceptionen des Diphilus und Philemon so empfunden hat wie er sie 
wiedergibt, ist Ruhm genug. 

Um Fälle zu finden, in denen sich der attische Ursprung eines 
Motivs beweisen läßt, müssen wir uns in der Regel an die Tragödie 
halten. Die alte Komödie verwendet überhaupt noch keine künst- 
lichen Mittel des dramatischen Aufbaues; und ob die mittlere es 



1) Über den Parasiten vgl. aus Alkiphron I 21, 2 mit Men. 456; III 6, 2 
mit Cure. 896 (ähnliches III 45, 2 und oft, wie Capt. 88 u. a.); III 49, 1 mit 
Capt. 80 sq. und Men. 104 sq.; III 62, 3 und 63 (der Adressat heißt IJivaxo- 
ojroyyioog, das ist zwar eine greuliche Form aber der Bedeutung nach Peniculus, 
Men. 78); III 7, 5 mit Capt. 90 (Plautus hat die porta Trigemina eingesetzt; 
richtig beurteilt von Lobeck Aglaoph. p. 1033;. Dagegen ist in der jbteXhr} 
des Libanios IV p. 216 — 227 R. {jiaQaotxog zov xgecpovrog avxov (pdooocprjoavTog 
savrov nQooayyslXsi) kein Anklang an die Komödie, so sehr man dergleichen in 
der Beschreibung des ßtog nagaoitixög p. 219, 17 — 222, 1 erwarten sollte. Auch 
die andere Parasiten rede (IV p. 150 sq.) zeigt wie frei Libanios in der Er- 
findung und Ausführung sich von den Mustern hält, aus deren Sphäre er seine 
Stoffe nimmt. Der Parasit der Rhetorenschule hat auch sonst (Quintil. decl. 
min. 252. 296. 298 u. a.) keine komischen Züge. Auch Lukians IJagdotrog hat 
von der Komödie nur den Typus. 



1 58 III Plautus und seine Originale 

getan hat können wir nicht beurteilen. Mit der euripideischen 
Tragödie aber und auch der jüngeren sophokleischen steht die 
Ökonomie der plautinischen und terenzischen Komödie im engsten 
Zusammenhang; es gilt hier wieder, daß euripideische Motive bei 
Plautus ohne weiteres den Dichter der attischen Komödie dartun 1 ). 
Die ävayvcoQiotg ist aus der Odyssee, wo sie das herrschende 
Motiv ist, in die Tragödie übergegangen (Aristot. poet. c. 16); aus 
äußerem Zeichen wie dort geschieht sie in den Choephoren, ob- 
wohl Aristoteles diese Erfindung höher klassificirt. Geschwister er- 
kennen sich wieder in den drei Elektren, in der taurischen Iphi- 
genie, im Chryses, Ehegatten in der Helena; Mütter ihre Kinder, 
mit sehr verschiedenem Pathos, in Sophokles' Oedipus, Mysern, Tyro. 
Diese Erfindung, die auf die Wiedererkennimg des frühverlorenen 
Sohnes durch die Mutter hinausläuft, hat Euripides in vielen Bei- 
spielen durchgebildet, im Kresphontes, der gefangenen Melanippe, im 
Ion, in Antiope und Hypsipyle; Eltern finden den Sohn im Alexan- 
dros, der Vater den Sohn in der Auge (v. Wilamowitz Anal. Eurip. 
189), im Aigeus und der falschen Erkennungsscene des Ion; nicht 
in dieser sondern in dem Suchen und Finden der Mutter und des 
Sohnes klingen die herrlichsten Töne des natürlichen Gefühls, es 
ist eins der Motive, an deren Gestaltung Euripides' innerste Seelen- 
stimmung beteiligt war. Auch hier hat Euripides nicht nur der 
jüngeren Tragödie (wie allein die Angaben des Aristoteles zeigen 
und die Stücke des Pacuvius, besonders Atalanta und Medus, und 
des Accius (Pelopidae, Phinidae) bestätigen), sondern auch der 
Komödie seinen Stempel aufgedrückt 2 ). Die Conflicte der teren- 
zischen Stücke außer Phormio lösen sich sämtlich durch ävayvcb- 
Qioig, unter den 21 plautinischen werden neun (denn die Casina 
muß zugerechnet werden) durch dies Motiv bestimmt; in zweien 
erkennen sich Geschwister wieder (Men. 3 ) Cure, auch Epid.), im 
Epidicus ein altes Liebespaar (vgl. Helena), in den übrigen finden 
Eltern ihre Kinder, aber freilich, dem Charakter der Komödie ent- 



[1) S. jetzt Alope und Auge in den 'EmrQeaovTss: Bodin und Mazon Extraits 
de Men. S. 21, Fischl Hermes XLIII 311, Körte Men. S. XXII; van Leeuwen 
Men. 2 S. 13, Stavenhagen Hermes XLV 582.] 

2) Aristophanes: vit. p. XXVIII 69 D. eygaye KobxaXov, h w elodyei (pftogav 
xai dvayvcoQia/uov xai rälka jrdvra a e^rjXcoos MevavSgog. Vgl. schol. Aristid. 
p. 458, 21 D. 

3) Die Erkennung der Zwillinge ist in der Atalanta vorgebildet (Pacuv. 
v. 61 sq.), wenn wir auch nicht wissen auf welche Weise. 



avayvwQioic \ 59 

sprechend, fast immer der Vater (im Poenulus der Oheim) ; nur in 
der Cistellaria hören wir den Nachklang des euripideischen mütter- 
lichen Pathos 1 ). Durch die zögernde Aufnahme der stürmischen 
Begrüßung in Poenulus und Curculio werden wir lebhaft an die 
beiden Scenen des Ton 508 sq. und 1337 sq. erinnert 2 ). Mit dieser, 
der eigentlichen Erkennungsscene des Ion, hat die des Rudens in- 
sofern auffallende Ähnlichkeit, als hier 1 1 29 sq. wie dort der eine 
Teil den Inhalt des Behälters mit den Wahrzeichen einzeln an- 
geben muß um Glauben zu finden, freilich hier das verlorene Kind, 
dort die erkennende Mutter. Es ist sicher kein Zufall, daß die drei 
Stücke des Philemon keine ävayvcooioig haben, dagegen alle drei 
des Diphilus und von den wahrscheinlich menandrischen Poenulus 
und Cistellaria, wie alle vier von Terenz ausgewählten. Gewiß war 
es Menander, der der arayvcogiotg die bevorzugte Stellung in der 
Komödie gegeben hat ('S. 158 A. 2) 3 ). 

Eng mit der dvnyvowioig hängt wenigstens in der Tragödie das 
in der Betörung des fröhlichen Festes begangene stuprum zusammen, 
so in der Auge und im Ion. auch im Aeolos (Antiphanes 18). In 
der Aulularia ist die Tat Gereris vigiliis (v. 795), in der Cistellaria 
an den Dionysien (v. 156) im Rausch begangen 4 ;, im Truculentus 
vini vitio (828), vgl. Ter. Ad. 470 und eine Reihe von Stellen der 
Komödie, die Meineke IT p. 094 anführt, vgl. pall. ine. frg. 47 R. 
(= adesp. 1274 K.), in der Auge am fest/um Minervae (Meineke 
com. V p. 57j, im Ion gleichfalls am Dionysosfest (v. 550 sq.). Wie 
der Jüngling in der Aulularia entschuldigt sich Herakles frg. 265 
vvv (Y olvog ££;?cfT)](jf //'* ojiwkoyö) de of adtxtfr, to d ädixrj/bi' iysrer 
ov% exovoiov : ego me iniuriam fecisse filiae fateor ttme, Gereris vigiliis, 
per vinum afque impalsit adulescentiae (794, cf. 738 sq.), so Xuthos im 
Ion, 545 juo>Qia ye. rov ve.ov (553 xdroivov övra). 

Das Motiv der Schutzflehenden ist seit Aischylos oft nicht nur 
als Hauptmotiv, so daß sich um den Altar der Bühne von Anfang 

1) Rud. 1202 quid compic&r? uxor complexa collo retinet füiam. nimis 
paene inepta atque odiosa eins amatiost. aliquando osculando meliust, uxor, 
pausam fieri. Heaut. 879 sq. 

2) Aus der gleichfalls sich verzögernden, ja mißglückenden dvayvcogtoig in 
Goethes Iphigenie hätte sich niemals eine komödienhafte Gestaltung des Motivs 
entwickeln können. Das möge man vergleichen und beherzigen. 

[3) Die neuen Bruchstücke bestätigen es, soweit die Handlung erkennbar 
ist: "Hqcos 'EmTQETzovreg ITsQixeiQOfiFvij Fecjoyog. — Vgl. P. Hoffmann De 
anagnorismo, Bresl. Diss. 1910.] c 

[4) Tn den 'EmtQfxorTfg an den Tauropolien.] 



1($0 tll Plautus und seine Originale 

bis zum Ende die Handlung concentrirt, sondern auch als wichtiges 
Nebenmotiv verwendet worden, wie von Euripides in Andromacha 
Ion Helena Orestes. So hat Diphilus die mittlere Partie des 
Rudens (III. Akt) durch die sehr bewegte und figurenreiche Hand- 
lung ausgefüllt, daß die beiden Mädchen auf den Altar der Hera 
flüchten, der Kuppler sie herunterreißen will, Demones auf Tracha- 
lios Bitten sie schützt, bis der Liebhaber kommt und den Kuppler 
abführt, alles mit Charmides als schadenfrohem Zuschauer. Labrax 
der Kuppler will die Mädchen mit Gewalt entführen (760. 783. 
796) wie der Herold in den Herakliden (67. 267) und Aischylos 
Hiketiden (876 K.), Kreon im Ödipus auf Kolonos (818) x ), er will 
Feuer an den Altar legen (761 sq.) wie Lykos Her. 244, Hermione 
Andr. 257 2 ), Demones stellt Posten vor den Altar und hält den 
Bösewicht mit Gewalt zurück; die allgemeine Ähnlichkeit mit der 
oft wiederkehrenden Tragödiensituation liegt vor Augen. Aber es 
besteht außerdem eine auffallende Übereinstimmung mit der Mittel- 
scene des Ödipus auf Kolonos, v. 720 — 1043. Auch Kreon be- 
mächtigt sich zweier Mädchen; wenn er auch nicht beide vom Altar 
reißt, werden doch beide aus seinen Händen befreit; Labrax wird 
weder an die Mädchen heran noch von der Stelle gelassen (815 sq.), 
auch Kreon soll wider seinen Willen zurückgehalten werden (909). 
An Parodie wird man freilich nicht denken dürfen, so leicht es 
Diphilus gewesen sein muß, durch ein paar bezeichnende Wendungen 
an Sophokles anzuklingen 3 ); es ist das Portwirken des Motivs in 
der Ausbildung, die es in einem berühmten Stück erhalten hat, um 
so bemerkenswerter, als solche Wirkung in der Eegel von euripi- 
deischen, selten von sophokleischen Stücken ausgeht 4 ). 

Der Rudens hat eine zwar innerlich einheitliche, aber äußerlich 
zweigeteilte Handlung. Der erste Teil gruppirt sich um die Schiff- 
brüchigen, die Mädchen und den Kuppler mit seinem Kumpan, der 

1) In der jungen Tragödie Periboea: Pacuv. v. 298 tu, mulier, tege te et 
tuta temjplo Liberi (vgl. Rud. 707. 454), v. 304 quamquam aetas senet, satis habeam 
virium ut te ara arceam. Auch Demones ist senex. 

2) Die Scholien bemerken dazu ort s&og r\v jzvq jigoocpegeiv tolg elg ßcofiov 
xaraqpevyovoiv. Vgl. Ar. Thesm. 726 sq. [Hermes XLIV 144.] 

3) Z. B. sagt Labrax v. 788 ego recessero ; verum, senex, si te umquam in 
urbe offendero, numquam hercle quisquam me lenonem dixerit, si te non ludos 
pessumos dimisero und Kreon v. 1086 ovökv ov lus/tuirov evftad 1 cov sqsTq Efxoi, oi'xoi 
de xwtä eloofAsoW ä XQ^l nosTv. 

[4) Vgl. Dieterieh Pulcinella S. 9 ff., F. Schmidt De supplicum ad aram 
confugientium partibus scaenicis, Königsb. Diss. 1911.] 



Schutzflehende. Rudens und Hekabe 161 

zweite Teil um Gripus und seinen Fischzug; die Einheit der Hand- 
lung liegt darin, daß das Ganze auf die Lösung von Palästras 
Schicksal, die Wiedergewinnung der verlorenen Tochter des alten 
Demones hinausläuft. Diphilus hat nun die beiden Teile nicht 
einfach nebeneinandergestellt, wie wir es im Miles und Poenulus 
sehen und tadeln, sondern ihre Verbindung künstlich motivirt. Ple- 
sidippus hatte einige Freunde aus der Stadt mitgebracht, die ihm 
helfen sollten den Kuppler dingfest zu machen; mit diesen war er 
an den Strand gegangen (157) und dann, von Trachalio geholt, 
allein auf den Schauplatz am Venustempel zurückgekehrt. Jetzt, 
im Begriff den Kuppler abzuführen, erinnert er sich der advocati 
und sagt zu Trachalio v. 85*5 abi sane ad litus curriculo, Trachalio, 
iube Mos in urbem ire obviam ad portum mihi — ; post hur. redifo. 
Bei der Ausführung dieses Befehls beobachtet Trachalio den Gripus, 
wie er den ans Land gespülten Koffer findet (1019 at ego inspec- 
tavi c Mtore), und hindert ihn die Beute zu entführen. In der 
Tragödie ist die Zerlegung einer 7igä£ig onovdaia xal reXeia in zwei 
durch die innere Einheit zusammengehaltene Abschnitte eine echt 
euripideische Form, berühmte Beispiele sind Herakles, Andromache, 
Hekabe. Am Rudens läßt es sich recht deutlich demonstriren wie 
die Erfindung der plautinischen Komödie von Euripides beeinflußt 
ist. Die zwei Abschnitte der Hekabe 1 ) sind durch folgendes Motiv 
äußerlich in Verbindung gesetzt. Hekabe befiehlt, nachdem sie 
den Bericht über Polyxenas Opferung gehört hat, einer Dienerin 
an den Strand zu gehen und Wasser zur Leichenwaschung zu holen 
(609): ab (V av kaßovoa revxog, aqyaln hhqi, ßäyjao' eveyxe devgo 
TtovTiag älog, d)g naTSa lovTQoTg jolg navvoiaioig sjurjv Xovoco. Dort 
findet die Dienerin die ans Land gespülte Leiche des Polydoros 
(698 for' äxraig vir xvqo) ftakaooimg), sie bringt sie der Herrin; so 
ist der Übergang zum zweiten Teil des Stückes vollzogen. Die 
Identität der Motivirung springt ins Auge, es kann nicht anders 
sein als daß Diphilus sich mit Bewußtsein an die euripideische Er- 
findung angelehnt hat 2 ). 



1) Schol. 80 yiyverm durlovr ro jtw9oc rrjc rgayqydiac Tirj /tisv IToXv^sv?}r 
(jfivQOfievrjg, jzfj dz TIoXvdwQov. 

2) Von anderer Art ist die Zweiteilung der alten Komödie, die wie Plutarch 
es ausdrückt (Luculi. 39) rä fih> jrgana nohxeiag xal orgar^yiag , rä d' voteqo, 
jTÖTOvg xal demva xal /novovov/J xcb/itovc: xal la/middag xal Tiatdiav äjraaav enthält. 
Diese Form haben Persa und Stichus, vgl. v. Wilnmowitz ind. schol. Gott. 
1893/94 p. 22. 

Leo, PJautinische Forschungen 2. Anfl. 11 



162 III Plautus und seine Originale 

Die Mittelhandlung des Rudens wird eingeleitet durch ein 
Motiv, das wie die dvayvwQiotg aus Homer stammt, von Stesichoros 
in der Orestie, von Aischylos in Persern und Choephoren (und 
danach von Sophokles in der Elektra 1 ), von Euripides in der Hekabe 
und taurischen Iphigenie angewendet worden ist 2 ), durch die Er- 
zählung eines nächtlichen Traumes, dessen Inhalt sich dann in den 
Ereignissen der Handlung erfüllt. Demones erzählt in einem 
Monolog seinen Traum der letzten Nacht, wie er ein paar Schwalben 
in ihrem Nest gegen die Angriffe eines Affen verteidigt habe. Er 
beginnt v. 593: 

miris modis di ludos faciunt hominibus: 
ne dormientis quidem sinunt quiescere: 
velut ego hac nocte quae praecessit proxuma 
mirum atque inscitum somniavi somnium, 

und schließt: 

nunc quam ad rem dicam hoc attinere somnium. 
numquam hodie quivi ad coniecturam evadere. 

Daran schließt sich sofort die Lösung des Rätsels durch die Er- 
eignisse, wie an den Traum der Atossa das Unglück des Xerxes. 
wie der Traum der Hekabe die beiden in der Tragödie vor Augen 
tretenden Schicksalsschläge vordeutet. Das ist also ganz im Stil 
der Tragödie, eins der Motive, die für die Komödie besonders 
geeignet waren, weil die Situation so recht aus dem griechischen 
Leben gegriffen ist 3 ). Das Motiv wiederholt sich im Mercator, mit 
einer auffallenden Übereinstimmung. Auch hier erzählt ein senex, 



1) Robert Bild und Lied 169 ff. Wilamowitz Hermes XVIII 21«. 

2) Der Handlung des Alexandros liegt der Traum der Hekabe voraus, er 
kam im Prolog vor; vgl. Cic. de div. I 42 (Ribbeck frg. trag. p. 235), und 44 
der Traum des Tarquinius in Accius' Brutus (p. 283 R.), auch eine dramatische 
Erfindung, während der von Alexandros episch ist wie die herodotischen des 
Astyages und der Agariste. 

3) Schon Aristophanes im Eingang der Wespen hat das Motiv angewendet ; 
Alexis frg. 272, vgl. Laberius v. 69. In anderer Weise der Traum des Kupplers 
im Curculio, den er bei Asklepios geträumt hat; der .steht auf einer Stufe mit 
dem bösen Opfer des Kupplers im Poenulus. Sonst vgl. Alkiphr. III 59, Amph. 
739 sq. Luscius Lanuvinus insanum scripsit adnlescentnhim cervam videre fugcrc 
et sectari canes et eam plorare, wäre ut subreniat sibi (Ter. Phorm. prol.): das 
gehört wahrscheinlich in eine Traunierzählung derselben Art wie in Kudens 
und Mercator. 



Traum. Rudens und Mercator 163 

der alte Demipho, seinen Traum, auch in ihm spielt ein Affe eine 
Rolle, er beginnt und schließt mit fast denselben Worten (v. 225): 

miris modis di ludos faciunt hominibus 
mirisque exemplis somnia in somnis danunt. 
velut ego hac nocte quae praeteriit proxuma 
in somnis egi satis et fui homo exercitus, 

und nach der Erzählung: 

hoc quam ad rem credam pertinere somnium 
nequeo invenire; nisi capram illam suspicor 
iam me invenisse quae sit aut quid voluerit. 

Hier, wo es sich um ein ohne Zweifel der attischen Komödie eignes 
Motiv handelt, ist es methodisch wichtig, die Übereinstimmung zu 
erklären. Der einzige der meines Wissens die Frage aufgeworfen 
hat, Marx im Greifswalder Programm von 1892/93 p. IX, beant- 
wortet sie dahin, daß Plautus den Traum im Mercator auf eigne 
Hand und zwar mit wenig Glück dem Muster des Rudens, also des 
Diphilus, nachgedichtet habe 1 ). Hieran ist vollkommen richtig, daß 
die Erzählung im Mercator die schlechtere von beiden ist, die im 
Rudens kurz, treffend und witzig, die andere breit und unübersicht- 
lich, die Anspielungen erzwungen und ohne Anmut. Diese Erzählung 
als mangelhafte Nachahmung anzusehen und auf Plautus' Rechnung 
zu setzen hätte an sich nichts Bedenkliches. Aber man muß zu- 
geben, daß die Erzählung mit dem Traummotiv selbst steht und fällt: 
entweder fand Plautus in beiden Originalen den Traum vor, dann 
fand er auch beide Erzählungen vor; oder er hat eine von beiden 
Erzählungen selbst erfunden, dann hat er da auch das Motiv er- 
funden. Die übrigbleibende Möglichkeit, daß er in einem Falle 
die im Original vorhandene Traumerzählung durch eine andere er- 
setzt habe, erledigt sich durch ihre Unnatürlichkeit, denn man müßte 
annehmen daß er die vorhandene bessere durch eine schlechtere 
ersetzt hätte. Nun ist ja die Möglichkeit nicht einfach abzuweisen, 
daß Plautus, wie Accius im Brutus, in dem einen von beiden Stücken 
das Motiv selbst angebracht haben könnte. Aber die Sache liegt 
so, daß dieses Stück der Rudens sein müßte. In den beiden Traum - 
scenen steht die Güte des Motivs im umgekehrten Verhältnis zur 



[1) Marx hat seine Ansicht näher begründet Sitz. Ber. der Wiener Akad. 
1899 n. 8. Vgl. Kellermann De Plauto sui irnitatore, Comm. Ien. VII, 1903, 
p. 193 sq.] 

11* 



164 III Plautus und seine Originale 

Güte der Erzählung: so passend der Traum im Mercator angebracht 
ist, so unorganisch im Rudens. Zum ersten: das Motiv gehört an 
den Anfang des Stückes; bei Tagesanbruch kommt Atossa, Hekabe, 
Iphigenie, kommen die Sklaven in den Wespen von ihrem Lager 
und erzählen das eben Geträumte; oder die Bewegung, die durch 
den merkwürdigen Traum und seine Sühnung im Hause entsteht, 
wird alsbald bemerkbar, wie durch die Choephoren (die Erzählung 
selbst erst 523 sq.) und die Meldung der Chrysothemis; oder die 
Person, die geträumt hat, teilt doch bei ihrem ersten Auftreten den 
nächtlichen Eindruck mit, wie Klytämestra. So erscheint nach der 
in der Sache begründeten Regel vollkommen richtig Demipho im 
Mercator gleich nach der Anfangsscene und gibt einen breiten sym- 
bolischen Rahmen für die gesamte Handlung des Stücks. Dagegen 
im Rudens haben wir Demones schon einen Akt hindurch auf der 
Bühne gesehen und es ist ein wunderlicher Eindruck, wie er nun, 
ganz beschäftigt mit der Vision der Nacht, von neuem auftritt. Das 
führt auf die zweite Unzuträglichkeit: die letzte Nacht im Hause 
des Demones war keine Traumnacht: pro dl immortales, tempestatcm 
quoius modi Neptunus nobis nocte hac misit proximal detexit ventus 
villam, so fängt das Stück an. Man denke sich die Traum erzählung 
am Anfang des Stückes, wohin sie eigentlich gehörte, und wird 
empfinden wie unnatürlich sie da wäre. Hieraus folgt: für den 
Mercator ist die Scene erfunden, im Rudens ist sie nachgemacht: 
die Erzählung ist feiner geworden, das Motiv ist übel angebracht: 
der Zweck des Nachahmers war eben, die Erzählung zu verfeinern; 
daß das Motiv die Erfindung eines ganzen Stückes bestimmen muß 
und ohne das nicht an seiner Stelle ist, hatte der Dichter nicht 
bedacht. Diese Nachahmung nun dem Plautus zuzuschreiben sehe 
ich gar keinen Grund; das Original bedurfte eines Auftretens des 
Demones zur Vorbereitung der folgenden Scene; wenn Plautus 
die Unzulänglichkeit der Erzählung im Mercator empfand, so hätte 
er sie ja anders gestalten können. Das Original des Mercator war 
von Philemon, das des Rudens von Diphilus; erfunden hat das 
Motiv, in Nachfolge der Tragödie, für seinen "Ejuttoqos Philemon, 
aufgenommen hat es und dafür eine bessere Geschichte erfunden 
und gestaltet Diphilus; die Verbesserung ist ihm gelungen wie sie 
es mußte, aber dem Schicksal des Nachahmers, der durch die vor- 
liegende Erfindung des Vorgängers beengt ist, ist er doch verfallen 1 ). 

1) Im Mercator leistet Lysimachus dem Demipho denselben Dienst wie in 
der Casina Alcesimus dem Lysidamus : hier Diphilus, dort Philemon. In beiden 



Hudens und Mercator. Helena 165 

Der gleiche Wortlaut gehört also auch den Originalen an; daß 
Plautus seine frühere Übersetzung verwendete, ist natürlich x ). Wie 
die Komödiendichter unbedenklich ihren Vorgängern Gedanken und 
Verse entnahmen, ist genugsam bekannt; für die römische Über- 
tragung genügt es auf Trin. 791 sq., Mil. 250 sq. und Phorm. 704 sq. 
zu verweisen, wo wieder Philemon voransteht 2 ). 

Noch auf eine Einwirkung will ich hinweisen, die das in der 
Erfindung reichste und modernste, in der Ausführung glänzendste 
Stück aus Euripides' letzter Zeit, die Helena, auf die Komödie 
geübt hat. Sie enthält neben großen Motiven und starkem Pathos 
komödienhafte Elemente, wie die grade durch die Farbe des 
niederen Lebens stark wirkende Scene zwischen Menelaos und der 
alten Dienerin, eine im späteren Sinne komödienhaft verschlungene 
Handlung und in der Überlistung des Theoklymenos ein sorgfältig 
durchgeführtes Intrigenspiel, wie es der neuen Komödie eigen ist. 
Wer die Brücke sucht, die von Euripides zur via führt, kann getrost 
von der Helena aus seinen Weg nehmen; wobei es natürlich nur 
ein glücklicher Zufall ist, wenn in einer bestimmten Komödie sich 

Stücken zwei Ehepaare, die Variation der Handlung gestatten. Man vergleiche 
nur Cas. II 3 mit Merc. IV 2. 3. In den Kkr)Qov{ievoi trat der jugendliche Lieb- 
haber auf, den Plautus weggelassen hat, während er den des "E^Tzogos bei- 
behielt; die Ähnlichkeit war also in den Originalen ohne Zweifel erheblich 
größer, denn hier wie dort will der Vater dem Sohn die Geliebte vorenthalten 
und hier wie dort steht in der Mitte des Stückes der Alte am Ziel seiner 
Wünsche. Der Eingang der Casina hat große Ähnlichkeit mit dem der 
Mostellaria (gleichfalls Philemon). Überhaupt verdient genaue Behandlung das 
Verhältnis der plautinischen Stücke zueinander in der Anlage und wichtigen 
Motiven ; wie die Übereinstimmung von Curculio und Poenulus, von Pseud. II 4 
und Epid. I 2, wie in der Asinaria nicht nur der Truculentus (oben S. 149, doch 
vgl. zu v. 127), auch (11 3. 4) Pseudolus und (815. 851 sq. 885) Menaechmi nach- 
geahmt sind. Dergleichen geht ohne Zweifel stets auf die Originale zurück. 
Heaut. 99 sq. (besonders 110 sq.) ist mit Merc. 46 sq. so augenscheinlich ver- 
wandt, daß nur die Wahl ist, Terenz von Plautus oder Menander von Phile- 
mon abhängig zu denken; wie zu wählen ist, ist mir nicht zweifelhaft. 

1) Hat doch selbst Aristophanes, als er den Frieden dichtete, die Acharner 
wo er konnte benutzt, vgl. Pac. 293 (Ach. 269) 529 (Ach. 189 sq.) 557 (Ach. 266) 
582 (Ach. 885 sq.) 633 (Ach. 374) 1174 (Ach. 112); und wie sollte er nicht das 
ältere Stück wieder vornehmen, wenn er ein neues mit so ähnlicher Tendenz 
und Hauptfigur dichtete? 

2) Diphilus fand in der Hekabe, nach deren Muster der Rudens aufgebaut 
ist, auch den Traum vor; und man würde die Einführung des Motivs hieraus 
vielleicht erklären dürfen (doch ist der Zusammenhang des Traumes mit der 
Handlung in Hekabe und Rudens von sehr verschiedener Art), wenn der Mer- 
cator nicht wäre. 



166 III Plautus und seine Originale 

der Reflex der einzelnen Tragödie spiegelt. Die Scene kurz vor 
dem Schluß, v. 1390 — 1450, in der Helena, geführt von Menelaos, 
begleitet von den Dienern die ihr die Opfergaben des Theoklymenos 
vorantragen, vom König, mit der Absicht ihn zu verraten und dem 
verkleideten Gatten zu folgen, scheidet und nun in vielen Worten 
mit der Gefahr spielt und in dem Zuschauer das schauerlich wol- 
lüstige Gefühl verschärft, daß die Entscheidung auf der Schneide 
schwebt, diese Scene hat auffallende Ähnlichkeit in der Anlage mit 
der im Miles gleichfalls dem Schluß unmittelbar voraufgehenden 
Abschiedsscene IV 8. Philocomasium wird von dem verkleideten 
Liebhaber, auch einem vavxh]Qog, zum Schiffe gebracht und von 
den Gaben begleitet, die der übertölpelte Herr ihr mitgibt; das 
Schlußgespräch führt nicht das Mädchen, sondern Palaestrio. Mit 
derselben Zweideutigkeit wie Helena 1420 fjd' fjjueQa ooi t\]v ijurjv 
dei&i x&qiv sagt Palaestrio v. 1366 hodie maxume scies, immo hodie 
me tuom factum faxo post dices magis; wie Theoklymenos v. 1427 
auf einmal den Vorschlag macht, der alles zu zerstören droht: 
ßovkei ^vvegycov ambg ixjiejuipco oxokov ; und Helena abwehrt: fjxiora, 
jui] dovkeve ooTg dovkoig, äva£, worauf er sich fügt, so Pyrgopolynices 
v. \ 368 via reprimor quin te manere iubeam, worauf Palaestrio alle 
Mühe hat ihn davon abzubringen: cave istuc feceris, dicent te men- 
dacem etc. ; das komische Motiv ist beidemal dasselbe, daß Helena 
wie Palaestrio in zweideutiger Ergebenheitsbezeugung zuviel getan 
haben. Dann kommt durch einen der Diener, die die Gaben ge- 
tragen haben, in beiden Stücken die Meldung von der vollendeten 
Überlistung und die Klagen des Betrogenen (Hei. 1 5 12 sq. Mil. 1 428 sq.). 
Die Ähnlichkeit der beiden Scenen liegt sowohl in der Anlage als 
besonders in der listig zweideutigen Führung des Gesprächs von 
seiten des Betrügenden, dem tölpelhaft gutmütigen Eingehen von 
seiten des betrogenen Machthabers. Der Betrug in der taurischen 
Iphigenie, deren Handlung ähnliche Elemente enthält, ist durch die 
heroische Charakterrsirung der Personen und die Behandlung des 
Dialogs über das der Komödie zugängliche Niveau erhoben; das 
Motiv des Betruges und damit die Elemente der Situationskomik 
ganz aus dem herrlichen Stoff herauszuschneiden und den Conflict 
der Handlung unter den dem Griechen und Barbaren gemeinsamen 
Bedingungen der einfachen Menschlichkeit zu lösen hat erst Goethe 
vermocht. 

In den Zusammenhang, von dem ich hier handle, gehören auch 
die Prologe. An diese knüpfen sich aber so viele Fragen, die 



Helena und Miles. Zustutzung attischer Stücke 167 

ausführliche Behandlung erfordern, daß ich es vorziehe was ich über 
die Prologe zu sagen habe in einem eigenen Kapitel vorzubringen. 

6 
Wir haben bisher Plautus in seiner reproducirenden Tätigkeit 
beobachtet. Wie er mit dem übernommenen Gut der attischen 
Komödie frei geschaltet hat, das im einzelnen zu ermitteln ist Sache 
der dem Dichter Schritt für Schritt nachgehenden Interpretation. 
Specifisch Römisches und individuell Plautinisches leuchtet fast in 
jeder Scene aus der griechischen Umgebung heraus. Die breite 
Ausspinnung des einem Canticum zugrunde liegenden Gedankens, 
der etwa in einem kurzen Monolog des Originals einfach ausge- 
sprochen worden war 1 ), die derb witzige Weiterführung eines fein 
und attisch beginnenden Dialogs, dergleichen ist leichte Beute in 
jedem plautinischen Stück. Aber Plautus hat sich nicht auf die 
freie Wiedergabe des zubereiteten Stoffes in der fertigen Form 
beschränkt, er hat fortgelassen 2 ) und zugesetzt, zusammengestrichen 
und erweitert, er hat auch, wie Horaz ihm vorwirft, nicht nur die 
Charakterzeichnung verstümmelt oder übertrieben, sondern auch 
mancher attischen Komödie den sicheren und aufrechten Gang ge- 
lähmt. Es ist bare Willkür, die vorliegende Gestalt von Casina 
und Stichus nicht für die plautinische zu halten, so sicher sie nicht 
in der originalen Gestalt vorliegen ; sie sind das Gegenbild zu Miles 
und Poenulus. Kein Zweifel daß die plautinischen Komödien die 
besten sind, deren Form Plautus gelassen hat, wie sie dem Geiste 
des Meisters entstiegen war, und denen er nur in der Ausführung 
von Spiel und Rede die bunten Züge seines zwischen griechisch und 
römisch schillernden Stiles aufgeprägt hat, Komödien wie Bacchides 
Aulularia Mostellaria Rudens; kein Zweifel daß wir an Casina 
und Stichus nur die Scherben von Diphilus und Menander haben, 
eine Farce und ein unorganisches Conglomerat sentimentaler und 
lustiger Scenen an Stelle von Werken des geschlossensten Stils; 
kein Zweifel auch daß Poenulus und Miles den Forderungen des 
attischen Urteils an die Composition einer Komödie ins Gesicht 
schlagen. Aber wer will uns sagen, daß die Überfüllung plautinisch 
sei, die Verdünnung und Verzerrung nicht, da wir doch vom Nach- 
lasse des Dichters nur einen Teil besitzen und schon aus diesem 

[1) Vgl. Monol. im Dr. S. 75 ff.] 

2) Ter. Ad. 9 eum Plautus locum reliquit integrum, 13 locum reprensum 
qui praeteritus neglegentiast ; in einer Komödie des Diphilus. 



Ißg III Plautus und seine Originale 

sehen, wie er den Geschmack seines Publikums von allen Seiten 
versuchte und Stücke so ganz verschiedenen Geistes wie Amphitruo 
und Asinaria, Captivi und Persa unterschiedslos umdichtete. 

Für die Casina ist es in Prolog und Epilog direkt bezeugt, daß 
Plautus selber aus der Komödie eine Posse gemacht hat: v. 65 
Plautus noluiL Ob er im Stück des Diphilus alle Elemente dazu 
gefunden hat, wage ich freilich nicht zu bejahen; es scheint mir 
sehr möglich, daß er nur die Losung von Diphilus und die Ver- 
kleidung anderswoher genommen hat; erst bei dieser Annahme 
kann man sich, wie ich meine, eine genügende Entwicklung der 
Liebesgeschichte des Euthynieus und der ävayvwgioig vorstellen 1 ). 
Im Stichus ist mit der Rückkehr der Brüder, d. h. mit dem zweiten 
Akt, die Handlung zu Ende, und das Stück enthält außer der Ver- 
söhnung mit dem Schwiegervater und der Verhöhnung des Parasiten, 
also außer Accedentien der Heimkehr nur noch die Vorbereitungen 
zum Pestmahl und das Pest der Sklaven, das den Schlußakt füllt. 
Die Scenen des dritten und vierten Aktes sind im Sinne der Con- 
ception Menanders, da sie den veränderten Charakter der beiden 
Brüder vorführen; wie die Handlung weiterging, sind wir nicht im- 
stande zu sehen; aber daß Menanders Komödie nicht diesen Schluß 
gehabt hat, würde auch ohne die unorganische Verbindung mit dem 
Ganzen, die es genugsam beweist, der Stil des Schlußaktes beweisen, 
dessen Art direkt den fröhlich festlichen egodoi der alten Komödie 
entstammt und der Art Menanders, die wir doch einigermaßen 
kennen, fremd ist. Wie ein Stück der jüngeren Komödie aussah, 
dem ein solches Schlußgelage organisch zugehörte, zeigt uns der 
Persa 2 ), und die Vergleichung der beiden ähnlichen Schlüsse muß 
jeden der sehen kann belehren, daß der des Persa ursprünglich, 
der des Stichus zugesetzt ist. Aber nicht aus eigenen Mitteln des 
Plautus, er ist so attisch wie möglich. Jedes dem Persa im Cha- 
rakter verwandte Stück, das eine Heimkehr von der Reise enthielt, 
konnte einen solchen Schluß liefern; Plautus hatte nur die Ver- 
bindungsfäden zu durchschneiden, neue Fäden, ihn mit Menanders 
'AdeXcpoi zu verbinden, hat er diesem Schlußakte nicht eingeknüpft. 
Wohl aber geht eine Scene vorher, die das Gelage der Sklaven 
mit der übrigen Handlung in äußerlichen Zusammenhang bringt. 
Es ist das Gespräch des Stichus mit seinem Herrn v. 419—453, in 



1) Vgl. S. 207 f. 

2) Vgl. Wilamowitz ind. schol. 1893/94 p. 22. 



Casina. Stichus. Contamination 169 

dem Stichus sich Urlaub für den übrigen Tag erbittet, das Päßchen 
Wein zum Geschenk erhält und die cena ankündigt, die er mit 
Sangarinus und Stephanium gemeinsam veranstalten will; dann geht 
er auf den Markt und erscheint erst zur cena wieder. Das Gespräch 
schließt mit einem Monolog des Stichus (436 — 453), während dessen 
Epignomus auf der Bühne bleibt, wie man v. 458 wahrnimmt, mit 
Befremden, denn man mußte denken daß er v. 435 ins Haus ginge; 
dies ist ein äußeres Kennzeichen der Eindichtung. Plautus hat das 
Gespräch eingefügt, um den letzten Akt, den er anfügen wollte, 
vorzubereiten; v. 446 sq. gibt er denselben Hinweis auf die Fremd- 
artigkeit der attischen Sitte wie im Prolog der Casina 07 sq. Bei 
Menander konnte v. 454 unmittelbar an 418 anschließen. Eine 
andere Eindichtung ist in der Scene des Parasiten I 3 kenntlich. 
Gelasimus leitet sie mit den Worten ein* v. 193 haec verba sitbujunt 
me ati mores barbaros discam atque ut faciam praeconis compendium 
itaque attctioncm praedicem, ipse ut venditem. Diese Einleitung kann 
nicht anders verstanden werden als daß die nun folgende Auktion 
römische Erfindung ist, nicht nur Umkleidung griechischer Verse 
mit römischer Farbe. Daß im Original etwas anderes stand, was 
Plautus auf diese Weise ersetzte, ist ja möglich, aber keineswegs 
mit Sicherheit anzunehmen; Crocotium konnte gleich nach v. 192 
an Gelasimus herantreten. Ja, das Motiv der Einlage ist schon da- 
gewesen: v. 171 nunc si. ridiculum hominem quaerai quispiam, 
venalis ego sum cum ornamentis omnibus. Diese Verse haben Plautus 
die Anregung gegeben, v. 193—235 einzudichten; wir sehen deutlich 
wie er gearbeitet hat 1 ). 

Aus dieser Komödie Menanders also hat Plautus durch Schneiden 
und Flicken ein Stück hergestellt, das mit zu wenig Körper auf zu 
dünnen Füßen steht. In anderen Fällen ist er nur darauf ausgegangen, 
den Stoff seiner Vorlage durch andern Stoff zu erweitern und eine 
so große Fülle von Handlung zu vereinigen wie es der Rahmen 
des Schauspiels gestatten wollte. Im einen wie im andern Falle 
hat er das getan was eine Partei unter den Litteraten der folgenden 
Generation dem jungen Terenz nicht mehr gestatten wollte und mit 
dem Schmähwort contamiuare bezeichnete. Terenz hat uns über 
sein Verfahren in Eunuchus und Adelphi aufgeklärt, so daß wir 
seiner Arbeit folgen können ohne erst durch Analyse die Vorfragen 



1) [Eingehender Nachr. d. Gott. Ges. 1902 S. 375 ff.] Vgl. zu Captivi 
152 — 166, Asinaria 127 u. a. 



170 HI Plautus und seine Originale 

lösen zu müssen. Er hat die Vereinigung der fremden Bestandteile 
mit seiner eigentlichen Vorlage so vollkommen vollzogen, daß wir 
die Fugen ohne seine Angaben nicht würden erkennen können und 
auf die Analyse verzichten müßten. Dies gelang ihm, weil er 
erstens die widersprechenden Elemente aussonderte und zweitens 
die Teile mit überlegter und ausgebildeter Kunst aneinanderpaßte. 
Plautus hat auch etwas wie die organische Vereinigung der Bestand- 
teile versucht, aber mit kunstlosen Mitteln; und da er einander 
widersprechende Motive sowohl als Charaktere beibehalten hat, 
konnte die Vereinigung nicht gelingen. Die Entwicklung, die hier 
von Plautus zu Terenz vorliegt, ist so wichtig für die Geschichte 
des römischen Dramas, daß es gut ist, an den sicheren Beispielen 
der Art des Plautus näher nachzugehen. Die sicheren Beispiele 
liefern Poenulus und Miles gloriosus 1 ). 

Ich betrachte es als ein völlig gesichertes Resultat der zahl- 
reichen Untersuchungen, die in neuerer Zeit über den Poenulus 
geführt worden sind, daß das Stück aus zwei griechischen Komödien 
zusammengearbeitet ist 2 ); genauer ausgedrückt, Plautus hat in den 
Kagxrjdoviog (denn den Titel des Stückes, das den Grundstock 
bildet, bezeugt der Prolog) hineingearbeitet Scenen eines andern 
Stückes, das auf einer ähnlichen Erfindung aufgebaut war. 

Die vTtö'&eoig des KaQyr)d6viog (a) war folgende. Ein junger 
Mann liebt ein Mädchen, das mit seiner Schwester bei einem Kuppler 
dient. Die Mädchen sind noch rein, aber der Tag ist gekommen, 
an dem sie Hetären werden sollen, der Tag der AcpQodtoia. Dies 
zu vereiteln denkt der Liebhaber mit seinem Sklaven auf einen 
Plan. Dem Sklaven verrät ein Sklave des Kupplers, daß die 
Mädchen freie Karthagerinnen sind, mit ihrer Amme räuberisch 
entführt und vom Kuppler gekauft. Der Sklave des Liebhabers 
weiß, daß sein Herr als Knabe aus derselben Stadt entführt ist; 
aber die Mädchen als frei in Anspruch zu nehmen fehlt es an Zeugen. 
Da erscheint ein karthagischer Reisender, der sich als Oheim des 



1) Weitere Untersuchung wird auch andere Stücke, z. B. den Pseudolus, 
den sicher c contaminirteil , einreihen. [Dies ist geschehen von J. W. Bierina 
Quaestiones de Plautina Pseudolo, Groningen 1897; dazu Nachr. d. Gott. Ges. 
1903 S. 347 ff. Anders Karsten Mnemos. 1903, Ant. Schmitt De Pseud. PL exemplo 
attico, 1909. Übrigens s. unten S. 185.] 

2) Überzeugend nachgewiesen ist es erst von Langen Plautinische Studien 
S. 181 ff. [Vgl. Wilamowitz N. Jahrb. 1899 S. 519, Karsten Mnemos. 1901 S. 363 ff. 
Legrand Rev. des et. gr. 1903 S. 358 ff. Jachmann Xagirsg 1911 S. 249 ff.] 



Poenulus 171 

Jünglings ausweist. Der Sklave schlägt vor, der Karthager solle 
den Vater der Mädchen spielen und sie so befreien; das führt zur 
ävayvcoQLoig, der Karthager ist in der Tat der Vater der beiden, die 
nun dem Kuppler entrissen werden. 

Das Stück, das Plautus hinzunahm (6), hatte ungefähr folgenden 
Inhalt. Ein junger Mann liebt eine Hetäre, die mit ihrer Schwester 
bei einem Kuppler dient. An Geld fehlt es ihm nicht (wie in Cur- 
culio und Pseudolus), aber der Kuppler hält ihn hin um größere 
Summen von ihm zu erpressen (prol. 98 sq.). Daher zettelt der 
Sklave des Liebhabers einen der complicirten Überlistungspläne an, 
durch die auch in andern Stücken Kuppler zu Falle gebracht werden. 
Ein Landsklave, der zufällig in der Stadt ist, dem erst kürzlich zu- 
gezogenen (v. 94) Kuppler unbekannt, wird als Soldat ausstaffirt 
und läßt sich, mit einer Summe Geldes versehen, vom Kuppler auf- 
nehmen, der sich dadurch eines furtum schuldig macht. Die Aus- 
führung dieser List füllte das übrige Stück aus, den Abschluß mögen 
wir uns ähnlich dem des Persa denken. 

Der Poenulus verläuft folgendermaßen. Der Schauplatz ist 
Kalydon 1 ). Agorastocles klagt dem Milphio seine Liebe {a oder &), 
dieser entwickelt seinen Plan (b). Die beiden Hetären erscheinen, 
in ihrem Putz, bereit zum Opfer zu gehen und dort Liebhaber zu 
locken (b). Agorastocles wird mit seinen Annäherungsversuchen 
zurückgewiesen; sein Verlangen nach Ausführung des Planes steigert 
sich, er wird auf den Markt geschickt Zeugen zu holen, während 
Milphio ins Haus geht den Collybiscus zu instruiren (b). Lycus 
kehrt vom Opfer zurück und führt den miles, den er zum Frühstück 
geladen, den Liebhaber der Anterastilis, in sein Haus (a oder b). 
Agorastocles erscheint mit Zeugen, der Plan wird durchgeführt bis 
zum Ruin des Kupplers, der sich aus dem Staube macht, um Bei- 
stand zu suchen (fr). Syncerastus, der Sklave des Lycus, bringt 
die Opfergeräte aus dem Tempel zurück und verrät Milphio das 
Geheimnis der Schwestern (a). Hanno erscheint, erkennt zuerst 
den Neffen, dann, infolge von Milphios neuem Plan, die Amme 
der Töchter und erfährt, daß sie heute Hetären werden sollen; die 



1) Nach v. 372 soll Adelphasium civis Attica werden; die Seene gehört 
in b. Aber v. 621 (auch b) sind die advocati Aetoli cives. Venus ist v. 1181 
Calydonia, dies ist aus a. Im Prolog ist Kalydon der Schauplatz (72. 94). Es 
ist wahrscheinlich, daß Plautus den Schauplatz des KaQxqöoviog für seinen 
Poenulus angenommen, aber v. 372 auszugleichen vergessen hat, daß also b in 
Athen spielte; so Langen S. 185, 



172 III Plautus und seine Originale 

Töchter erscheinen und sprechen in diesem Sinne. Nach der äva- 
yvcoQioig Ui) tritt der miles aus dem Hause des Lycus, erzürnt daß 
dieser sich nicht sehen läßt (s. o.). Er wird über den Sachverhalt 
aufgeklärt und beteiligt sich an dem Schluß, dem Gericht über den 
zurückgekehrten Kuppler (a 6). 

.Wer sich gegenüber dieser Composition über die Vermischung 
der Motive sollte hinwegsetzen wollen, würde doch die zu Anfang 
und Ende des Stückes gänzlich verschiedene Beschaffenheit und 
Lebenslage der Schw r estern *) aus keiner Absicht des Dichters er- 
klären können. Sie kann auch auf keine Weise einer späteren 
Einlage oder Umdichtung zugeschrieben werden und ist nur erklär- 
bar aus der Unbekümmertheit dessen, der die Composition gemacht 
hat, um durchgeführte Handlung und Charakterzeichnung, äußerlich 
erklärlich nur durch die Verbindung ähnlicher aber verschieden 
gedachter Erfindungen. 

Ich habe durch die Buchstaben angedeutet, wie sich die Ele- 
mente der beiden Stücke auf den Poenulus verteilen; im ganzen 
bildet das zweite Stück die erste, das erste die zweite Hälfte des 
Poenulus, der Eingang könnte beiden gehören und der Schluß ist 
auf die Verbindung beider zugeschnitten ; außer dem Anfang kann 
man nur das erste Auftreten des Kupplers und die Figur des miles 
zunächst nicht mit Bestimmtheit dem einen der beiden Originale 
zuteilen. 

Es ist aber nicht nur der Schluß, der, wie es unvermeidlich 
war wenn der Kuppler noch einmal auftreten sollte, die beiden 
Hälften verbindet, sondern Plautus hat noch einigemal in der zweiten 
Hälfte die auseinander fallenden Teile der Handlung wenn auch 
nicht zu verschmelzen so doch zu verknüpfen versucht. Dahin ge- 
hören v. 909 (ita paratumst) und v. 919 (satine prius quam unumst in- 
iectum telum, iam instat alterum?) 2 ), aber sie machen übel ärger; 
beide beruhen auf der Fiktion, daß Milphio von dem glücklichen 
Erfolge des gegen Lyeus ausgeführten Streichs noch nichts erfahren 
habe, er der Erfinder und architectus doli, der mit seinem Herrn 
auf der Lauer liegt und im natürlichen Verfolg der Scene III 2 
alles zuerst erfahren müßte. Aber eben weil er das neue Motiv 
einführen wollte, hat der Dichter ihn nicht mit Agorastocles (v. 7 1 1 ) 
wieder heraustreten, ihn auch nicht von dem wieder ins Haus ein- 



1) Laugen S. 183 f. 187. 

2) Auch v. 879 sq. passen in die Situation b besser als in a. 



Poenuius 173 

getretenen Herrn (v. 808) belehren lassen; sondern Milphio erscheint 
zu Beginn des neuen Aktes mit den Worten (817) exspecto quo pacta 
meae techinae processurae sient und klärt dann in einer für diesen 
Stand der Handlung mindestens unerwarteten Weise nochmals die 
Zuschauer über die Beweggründe seines Angriffs gegen den Kuppler 
auf: studeo hanc lenoncm perdere, qiü meum erum miserum maceraf, 
is me auiem porro verberat. Dann kommt Syncerastus und er be- 
lauscht ihn. Daß die Fiktion gar nicht gut erfunden ist liegt auf 
der Hand: sie war aber das nächstliegende Mittel, die Teile zu 
verbinden; und wenigstens daß Plautus sie in dieser und den folgen- 
den Scenen eingehalten hat 1 ), soll man ihm nicht zum Vorwurf 
machen. Von v. 961 an ist das leno addicetur tibi cum tota famüia 
völlig vergessen, während doch 1 280 sq. wieder auf sein Verschwinden 
zurückgegriffen werden muß. 

Hier sehen wir deutlich, wie Plautus verfahren ist: IV 1 — V4 
gehören dem Kaqi^boviog und sind nur schlecht und recht mit dem 
ersten Teil verknüpft. Wir würden es danach gar nicht unglaub- 
lich finden, daß Plautus einfach, wie Langens Ansicht ist 2 ), den 
Ausgang der einen (b) und den Anfang der andern (ä) Komödie 
gestrichen und 817 — 822 zur Verbindung der Teile eingeschoben. 
1 280 sq. die Rolle des miles hinzugefügt hätte. Aber die Mög- 
lichkeit liegt vor und muß ins Auge gefaßt werden, daß auch 
der erste Teil nicht rein und unvermischt aus der andern Komö- 
die übernommen ist, daß Motive des Kagyj]d6viog in ihn hinüber- 
greifen. 

Hier muß die Untersuchung an der Scene ansetzen, die nicht 
mit Sicherheit zu b gerechnet werden kann; es ist der 2. Akt, das 
erste Auftreten des Lycus und die Unterhaltung mit Antamonides. 
Man darf natürlich nicht von den Übereinstimmungen ausgehen, 
sondern nur erwarten durch Unzuträglichkeiten etwas zu lernen ; so 
gehört es in die Umgebung des ersten Teiles, daß der Kuppler 
nur zwei Hetären besitzt (v. 498, Langen S. 185), aber das könnte 
Plautus ausgeglichen haben. Im Kagxrjdöviog wie in dem hinzu- 
genommenen Stück wurden 'AqpQoöioia gefeiert; sich darüber zu 
wundern sehe ich gar keine Veranlassung. In Menanders Kolax 
wurde auch ?/ rfjg Tlavd/jjuov 'AcpQodhrjg soqtjj gefeiert; er hat auch 



1) Wie sie auch in der Parallelfassung v. 923—929 eingehalten, ja mit 
ausdrücklicheren Worten weiter durchgeführt ist, 

2) S. 186. 



174 HI Plautus und seine Originale 

'AcpQodioia gedichtet 1 ), *Adwviä£ovoai 2 ) , Aiovvoid^ovam, llavvv%is 
sind Titel der neuen Komödie, die Hetärenfeste werden in der ab- 
geleiteten Litteratur sehr häufig erwähnt 3 ), ein Hetärenpaar oder 
Hetäre mit Dienerin, mit dem Schmuck beschäftigt oder von der 
Toilette kommend, wird in diesen Stücken in der Regel aufgetreten 
sein. Plautus hat vermutlich aus mehreren Stücken der Art, die 
ihm vorlagen, eins auswählen können, dessen Stoff zu den J Acpqo- 
dioidCovoai im KaQ%Y}dovio<; am besten paßte. Der vom Opfer 
zurückkehrende Kuppler kann daher in dem einen Stück so gut 
wie in dem andern seine Stelle gehabt haben, wie auch der in die 
jüngere Hetäre verliebte Offizier, ob er nun das Mädchen erst eben 
im Tempel gesehen hatte (wie man aus 467 sq. 497 sq. den Ein- 
druck gewinnt) oder sie schon länger kannte (wie 1288 sq. 1305. 
1322 vorausgesetzt ist). 

Aber es liegen verschiedene Indicien vor, die die Scene 449 sq. 
bestimmt nach der einen von beiden Seiten weisen, Der mit den 
beim Opfer gebrauchten Gefäßen (847. 863) aus dem Tempel zurück- 
kehrende Syncerastus gehört notwendig in den Kag^doviog und 
zieht das hübsche Motiv, daß der Herr im Ärger über die Bosheit 
der haruspices vom Opfer weggeht und sich die exta nach Hause 
bringen läßt, nach sich in dasselbe Stück. Daß der Sklave im 
Original die exta, nicht die vasa allein nach Hause zu bringen hatte 
(v. 491. 617), ist nicht unwahrscheinlich, vielleicht hat Plautus das 
geändert, da er inzwischen den Scherz angebracht hatte, daß Colly- 



1) Das Fragment 85 alk' ozav igcovza vovv syeiv zig d^iol, Jiagä zivt zävör/- 
tov ovzog oyjerm; würde sogar sehr gut in den ersten Teil des Poenulus passen 
(v. 140. 153. 198. 204 und sonst, z.B. 435 sq.); aber der Gedanke ist freilich zu 
allgemein, um einen Schluß zu gestatten. 

2) Diphilus frg. 43, 38 ov dk vvv a 1 äya), tioqveTov Sozi, jiokvzsXcög AScona 
äyovo' szaiga /usW higcov ttoqvcov, 3 Adcoviä£ovGou waren die Mädchen im Theseus 
(Athen. X p. 451>>). 

3) Vgl. Machon bei Athen. XIII p. 579 e Jtgog zyv rva&cuvav AiyiXog xfoi&eic 
Ttozs km ösiutvov, (hg Xeyovoi, zoXg 'Acpgodioloig etc. Philostr. epist. 47 /.«/($' 'Azztxy 
(rig streu doxeTg), zag yäg jzavvvxiSag xal zag eogzag xal r« Msrardgov dgapaza 
ovx äv Ttoze rjyvorjoag (vgl. Meineke Menandri et Phil. rel. p. 59). Lukian dial. 
mer. 14, 3 hat der Liebhaber an den 3 A<pgodiota der Göttin eine Drachme 
geopfert; Alkiphr. II 1, 3 zä 3 A<pgoöiata ttovco za xaz' hog , vgl. § 8. Die Alma 
I 33, 2 'Alepa <5' r\v xani zr\v navvvyiba Jtäoai, wojieg r\v elxog, jzagfjfAEV, vgl. II 3, 4, 
Lukian 1, 1; 7,4; Aiovvoia Alk. I 39, 1; Lukian 11, 2 hat der Jüngling die 
Hetäre an den Dionysien zuerst gesehen, wie in der Cistellaria (Menander, 
Meineke Men. et Phil. frg. p. 209). Vgl. Athenaeus XIII p. f)74. Eubulos 
Vg&ävtjs (frg. 75 K.). Turpilius v. 185 sq. 



Poenulus 175 

biscus v. 803 von der Mahlzeit nascht, die v. 017 noch nicht im 
Hause war (803 dam lenonis familia dormitat, extis sum satur (actus 
probe). Ich meine auch, daß das sehr gut motivirte Auftreten des 
Syncerastus besser wirken würde, wenn nicht zwischen IT und IV 2 
die gedehnte Handlung des 3. Aktes stünde, und daß nach der 
Ökonomie des Originals die Scenen II und IV 2 aufeinander paßten; 
doch darüber läßt sich streiten (Langen S. 189). Daß aber die 
beiden Scenen in dieselbe Erfindung gehören, das beweisen die 
Stellen über die verschiedenen Vorzeichen, die sich dem Kuppler 
und den beiden Mädchen aus ihren Opfern ergeben haben. Dat! 
der Haruspex den beiden Schwestern verkündet hat, sie würden in 
wenigen Tagen die Freiheit erlangen (1205 sq.), ist offenbar für die 
Scene der avayvdiQioiq erfunden (id cgo nisi quid di mit parentes 
(axint, qui sperem haud seio) ; und so bringt Syncerastus es vor, als 
Gegensatz gegen den üblen Erfolg seines Herrn (847 hostiis erus 
nequivit propitiare Venerem suo festo die und frieret rices nostrae primis 
hostiis Venerem placaverc extemplo) : dieser aber berichtet ausführlich 
über die Sache 449 sq. So gehört diese Scene unweigerlich mit der 
zweiten Hälfte des Stückes von Ursprung zusammen ; wahrscheinlich 
wird es dadurch, wenn auch nicht gewiß, daß der miles eine Figur 
des Kagxqdoviog war 1 ). Erscheint dort ein ähnliches Verhältnis zu 
Anterastilis gehabt zu haben wie Agorastocles zu Adelphasium. Die 
Vermutung Franckens 2 ), daß im Original auch jene ein Paar wurden, 
gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit; und die Analyse der über- 
lieferten Schlüsse läßt dieser Möglichkeit auch für Plautus Raum 3 ). 
In dem Aufbau des ersten Aktes zeigen sich Sonderbarkeiten, 
die vielleicht auch auf die Verbindung der beiden Stücke zurüek- 



1) S. im folgenden Kapitel über den Prolog. 

2) Mnemos. IV S. 170 ff. 

3) Man kommt mit einem doppelten Ausgang, wie ihn zuletzt Langen 
Plaut. Stud. 344 construirt, dessen Erörterung viel Richtiges enthält, nicht aus. 
Wir haben es zunächst mit zwei Nachdichtungen zu tun, einmal den Versen 
1355 — 1371, die das Stück abschließen sollen ; ihr Verfasser hat auch die Verse 
1328—30; 1349. 50; 1353 für seine Zwecke interpolirt. Sodann die Verse 1372 — 

1397 sind gedichtet, um 1315 — 1354 zu ersetzen, also vorn an 1314, hinten an 

1398 anzuschließen. Der sich daraus ergebende relativ ursprünglichste Schluß 
(wie ihn Langen a. a. O. abdruckt) schließt an 1354 die Verse 1398—1422 an; 
aber auch diese enthalten Unzutreffendes und sind schwerlich wie sie vorliegen 
von Plautus gedichtet. Der echte Schluß vermutlich ging verloren; was bei 
dem In- und Übereinandersehieben verschiedener Versuche, wie die Über- 
lieferung es aufweist, nicht verwunderlich ist. 



176 HI Plautus und seine Originale 

zuführen sind. Agorastocles klagt dem Milphio seinen Liebes- 
schmerz; die ganze Exposition aber, die uns zur Einführung in die 
der Handlung zugrunde liegenden Zustände gegeben wird, besteht 
aus den Versen 154 — 158: at ego hanc Vietnam dico Adelphasium 
meam, lenonis huius meretricem maiusculam, und dazu: differor eupi- 
dine eius, sed lenone istoc Lyeo, illius domino, non lutumst lutulentms. 
Darauf nach ein paar Scherzen gleich Milphios Überlistungsplan. 
Wir verlangen aber im Verlauf des Stückes gar sehr zu wissen, 
welchen besonderen Anlaß die heftige Feindschaft des Agorastocles 
gegen Lycus hat; wir hören nur v. 548 me amanfem ludificatur tarn 
diu, 1097 hunc leno ludificatur, vgl. 818, sonst nur (772, 879, 
vgl. 752), daß er der inimicus capitalis des Lycus ist, propter 
amorem. Überhaupt bleibt es unklar, wie wir das Verhältnis des 
Agorastocles zu Adelphasium auffassen sollen ; er hat Geld in Fülle, 
hat ihr oft die Freiheit versprochen, hält aber sein Versprechen 
nicht, wie sie ihm vorwirft und Milphio zugibt (v. 359 sq. 374). 
Wir erfahren nun freilich aus dem Prolog v. 98 sq., daß Lycus das 
Geld des Agorastocles nicht nehmen will, um ihn zu schrauben. 
Aber es war durchaus nötig, daß das in der Exposition zur Sprache 
kam; man kann sich das an dem sehr ähnlich erfundenen Curculio 
besonders deutlich machen (v. 61 sq.). Auch für die Charakterisirung 
der Adelphasium als Hetäre ist es sehr wichtig, daß sie den Lieb- 
haber schlecht behandelt, eben um ihn den Absichten des Kupplers 
geneigter zu machen. So aber versteht man das nicht. Wie sie 
spröde tut, scheinbar in ernstlicher Verstimmung (335 sq.), winkt er 
ihr mit einigen Goldstücken; man gewinnt den Eindruck, daß der 
Liebhaber zu den geizigen gehört und auf Mittel sinnt, wie er die 
Geliebte sich aneignen könne, ohne das Geld für sie auszugeben. 
Plautus hat die Motivirung, die im Original vorhanden war, fort- 
gelassen, ohne Zweifel aus einer äußeren Veranlassung. Die Stelle, 
an der man sie erwarten muß, ist nach v. 1 58 *). Statt dessen setzt 
hier unmittelbar der Überlistungsplan des Milphio ein, der den 
dritten Akt, d. h. die aus b in den KaQxrjdoviog eingelegte Hand- 
lung vorbereitet. Daß der Plan hier nicht an seiner ursprünglichen 
Stelle steht, wird sich uns aus der Betrachtung der Prologe mit 
Sicherheit ergeben 2 ). Somit ist es nicht Vermutung, sondern Gewiß- 
heit, daß Plautus in die Exposition des KaQyjjdovtog die des anderen 

1) Vgl. Langen S. 192. 

2) Diese Erörterung im nächsten Kapitel muß ich den Leser bitten hier 
mit in Betracht zu ziehen. 



Poenulus 177 

Stückes eingearbeitet hat; die Fuge ist um v. 155; der eingelegte 
Abschnitt reicht zunächst bis v. 189. 

Die weitere Entwicklung des ersten Aktes bestätigt dieses 
Resultat. Nachdem Milphio seinen Plan entwickelt hat, erklärt 
Agorastocles (v. 190), er wolle in den Venustempel gehn und die 
Hetären sehen; Milphio hindert ihn daran, v. 193: hoc primum 
agamus quod consilium cepimus, dbeamus intro, ut Cöllybiscum vilicum 
hanc perdoceamus ut ferat fallaciam. Agorastocles gehorcht und 
geht hinein. Milphio aber bleibt, obwohl er im Plural gesprochen 
hat, ohne Motivirung draußen und spricht ein paar Verse als Mono- 
log, die der Handlung oder Charakterisirung nicht das mindeste 
hinzutun; da treten die beiden Mädchen auf, und wie es an sich 
ganz in der Ordnung ist, ruft Milphio seinen Herrn wieder aus dem 
Hause. Dieser hat, wie wir v. 415 hören, in der Zwischenzeit dem 
Collybiscus die 300 Goldstücke gegeben; infolgedessen kann er nun 
aufs Forum gehn und Zeugen holen. Milphio kündigt v. 424 noch 
einmal an, daß er tun wolle was er v. 1 94 sq. vorgehabt hatte, und 
geht nun ins Haus. Dies ist eine Anordnung, die der natür- 
lichen Entwicklung der Dinge, wie wir sie in der plautinischen wie 
terenzischen, d. h. in der neuen Komödie gewohnt sind, widerspricht. 
Agorastocles mußte nach v. 189 auf der Bühne bleiben und nach 
v. 409 das Geld holen und aufs Forum gehen. Den Schluß der 
ersten Scene muß Plautus aus einem äußerlichen Anlaß so wunder- 
lich unzweckmäßig gestaltet haben; dieser Anlaß muß derselbe 
gewesen sein, der auf den ersten Teil der Scene gewirkt hat, die 
Verbindung der Exposition von /; mit der des KaQxrjdoviog. Aus 
dem Original stammt im Ausgang der Scene, wie ich vermute, das 
Herausrufen des Agorastocles; das ist ein hübsches und wirksames 
Motiv, das beizubehalten Plautus beabsichtigt haben mag als er die 
Umgebung gestaltete wie wir es sehen. Wenn wir diesem Finger- 
zeig nachgehen, so finden wir, daß der erste Akt des Plautus 
folgendermaßen entstanden ist. Im Anfang des KaQyrjdovtog klagte 
der Jüngling dem Sklaven seine Liebe wie im Curculio und Pseu- 
dolus. Das zweite Stück fing mit einem Monolog des Sklaven an, 
einer Einleitungsrede die im Inhalt der sehr ähnlich gewesen sein 
mag, die wir jetzt IV 1 lesen; dann erschienen die Mädchen und 
der Sklave rief seinen Herrn vor die Tür. Wenn Plautus diese 
beiden Anfänge verbinden wollte, so mußte er den Herrn vor dem 
Auftreten der Mädchen ins Haus treten lassen; das hat ihn vielleicht 
darauf geführt, den Überlistungsplan so früh anzubringen, der in 

L e o , Plautinische Forschungen 2. Aufl. 12 



178 HI Plautus und seine Originale 

keinem der beiden Stücke so im ersten Anfang gestanden haben 
kann und im Stücke ?;, zu dem er gehört, sicherlich erst um v. 415 
vorgebracht wurde. Plautus hat also die Verbindung zwischen dem 
Anfang des Kagxrjdövios und dem Auftreten der Hetären aus b in 
zwei Stücken selbst hergestellt; das eine, etwa v. 155—189, haben 
wir oben ausgesondert; das zweite reicht von v. 190 — 202. Ich 
bitte die Scene daraufhin nachzulesen. Auf die berechtigte Frage, 
warum Plautus, die Richtigkeit dieser Annahmen vorausgesetzt, 
nicht einfach den Anfang von b beibehalten habe, ist zu antworten, 
daß er den Poenulus mit dem Anfang des Kag/^doviog beginnen 
wollte; ferner daß er den dialogischen Anfang der Prologrede vor- 
zog. Diese hat er dann für den Monolog IY 1 verwendet. 

Plautus hat, wie wir sehen, an Anfang, Mitte und Ende seines 
Poenulus versucht, die beiden Handlungen, die er aneinanderfügte, 
zu einer Einheit zu machen. Da aber die Mittel, die er anwendete, 
nur in adiectio, detractio und permutatio bestanden, da er den Stoff 
nicht umschmolz und die Fugen nicht verkleidete, konnten freilich 
die Teile nicht zum Ganzen zusammenwachsen 1 ). 

Den Miles hat Plautus einem griechischen *AXa£d>v nachgedichtet, 
aber er hat aus einem andern Stücke das Motiv der durchbrochnen 
Wand und der Übertölpelung des Sceledrus aufgenommen; daß 
dieses zweite Stück eine Handlung für sich ausmachte, daß die 
Falle in die der miles im AXa^cov gelockt wird jenem fremd war, 
wie ungefähr dort die Handlung zu Ende ging, erfahren wir aus 
den Spiegelungen, die das unbekannte attische Original in die 
orientalische Novellenlitteratur geworfen hat 2 ). 

Wie der Stoff der beiden Stücke auseinandergeht, daß dem 
Ala^cbv die Akte I IV V angehören, dem andern Stücke II, ist mit 
Sicherheit zu erkennen 3 ). Aber wie Plautus gearbeitet, wie er die 



1) Wie dann die erste Überlieferungsperiode dem Stücke mitgespielt hat, 
zeigt außer den Schlüssen (oben S. 175) am deutlichsten die Scene III 1, in der 
sich die kürzere und jüngere Fassung, unter die ältere verteilt, reinlich aus- 
scheidet: v. 543 — 546; 567—575. — [Diese Untersuchung hat weitergeführt und 
die Behandlung des ganzen Problems der c Contamination' wesentlich gefördert 
G. Jachmann Xdgtrsg (1911) S. 247 ff.] 

2) Zarncke Rhein. Mus. XXXIX 1 ff., vgl. Lohmeyer Guil. Bles. Alda p. 23. 

3) Lorenz Einleitung 31 ff., F.Schmidt Fleckeisens Jahrb. Suppl. IX 323 ff., 
Ribbeck Alazon 72 ff., Langen Plaut. Stud. 313 ff. — Ussing S. 222 stellt die 
Tatsache einfach in Abrede; er scheint aber die Argumente nicht genügend 
gewürdigt zu haben. 



Poenulus. Miles gloriosus 1 79 

Teile zu verbinden gesucht hat, muß erst die weitere Analyse er- 
geben; die Schwierigkeiten die hier vorliegen sind ungelöst und am 
wenigsten gelöst durch die Negirung des Objekts, d. h. die Athetese 
des wunderschönen dritten Aktes. 

Das Vorspiel (I) hängt organisch mit IV V zusammen, äußerlich 
und innerlich: äußerlich, denn der miles kehrt v. 947 nach Erledigung 
seiner Geschäfte vom Forum zurück, vordem ist öfter an seinen 
Aufenthalt dort erinnert worden, der Parasit ist ttqoocojzov jtqotgl- 
nxov, aber sein Verschwinden wird motivirt v. 948 und an seine 
Stelle tritt nun Palaestrio; innerlich, denn das Vorspiel gibt die 
Charakterisirung des Helden, und zwar nicht nur als eines eitlen 
Prahlers sondern auch als törichten Weiberjägers (58 sq.), und damit 
die Vorbereitung auf das Hauptmotiv des 'AAaCcov (775 sq.). Der 
Prolog Palaestrios gibt die Situation an, die der ganzen Composition 
zugrunde liegt, leitet aber dann nur die Handlung des folgenden 
Aktes ein; das ist unverfänglich. Er folgt auf die Anfangsscene, 
das ist gut attisch l ) ; da der 9 AAa£ cor mit einem Vorspiel begann, so 
hatte in ihm der Prolog diese Stelle, die Vorbereitung auf die 
dem Ala^wv fremde Handlung (138 sq.) gehört also dem Plautus. 
Er hat wie im Poenulus sein Stück mit dem Anfang des Titelstückes 
eröffnet. 

Im vierten Akte wird das Grundmotiv des zweiten, der geheime 
Gang durch die durchbrochene Wand, völlig fallen gelassen. Erreicht 
war im zweiten Akte die Entfernung des custos, die Freiheit des 
Verkehrs, aber noch nicht die Befreiung. Freilich bedurfte es keiner 
neuen List : nach der Überlistung des Sceledrus, bei der Abwesen- 
heit des Herrn konnte Philocomasium einfach mit ihrem Liebhaber 
entfliehen. Aber dem Herrn mußte dieselbe Überzeugung bei- 
gebracht werden wie dem Diener, erst dann war die komische 
Wirkung vollständig; dies durchzuführen ohne durch Wiederholung 
der gleichen Situation lästig zu werden, wird der attische Dichter 
schon Wege gefunden haben. Der Herr mußte selbst dem Mädchen 
zur Flucht verhelfen, wie in den Bacchides der Alte selbst dem 
Chrysalus das Geld bringt, um das er betrogen wird. Daß das 
Original einen solchen Abschluß fand, wird durch eine ihm ent- 
stammende arabische Novelle wahrscheinlich 2 ). Danach hatte jener 
Schluß große Ähnlichkeit mit dem Schluß unsres vierten Aktes. 



1) S. folgendes Kapitel. 

2) Zarncke S. 23 ff. 

12* 



180 in Plautus und seine Originale 

Da nun im 4. und 5. Akt alles organisch ineinandergreift, so findet 
wahrscheinlich hier dasselbe Verhältnis wie im Poenulus statt; die 
beiden attischen Komödien, die dem Miles zugrunde liegen, hatten 
übereinstimmende Motive auch der Handlung, und Plautus wählte 
grade deshalb das eine zur Ergänzung des andern. Daß der *AXa- 
£cdv von einem Nachahmer Menanders gedichtet ist habe ich oben 
nachgewiesen (S. 115 A. 3). 

Die Erfindung des 4. Aktes sieht nicht nur von dem des 2. 
völlig ab, sie hat auch nur dann Sinn, wenn die Befreiung auf 
anderm Wege als unter Zustimmung des Herrn nicht möglich war; 
also sie steht in Widerspruch mit der Existenz des geheimen Durch- 
gangs. Plautus hat das zweimal nicht bedacht, v. 869, wo die neue 
Aktion noch nicht begonnen hat, und v. 1 090, wo er zur Belustigung 
des Publikums das hübsche Motiv einführt, daß Philocomasium mit 
Acroteleutium in der Tür des Nebenhauses steht und zuhört. Auch 
die Zwillingsschwester kommt vor (974. 1102), aber ganz ohne für 
die Handlung etwas zu bedeuten 1 ). Aber die eigentlichen Schwierig- 
keiten liegen im dritten Akt, der die Verbindung zwischen beiden 
Handlungen bildet und ebenso zweifellos echt attisch ist und einem 
der beiden von Plautus zugrunde gelegten Stücke angehört wie er 
voraussichtlich, als Mittelstück, Veränderungen erfahren hat, die von 
der einen Handlung zur andern überleiten sollten. 

Nach der Entfernung des Sceledrus kehrt der Alte c in die 
Senatsverhandlung zurück 5 (v. 592), die nach v. 480 begonnen hat 
und v. 485 unterbrochen worden ist; die Verhandlung findet natür- 
lich, da das Publikum sie anhören soll, vor dem Hause statt, und 
Palaestrio tritt heraus um zu sehen ob die Luft rein ist (596 sq.). 
Dann wird aber nicht verhandelt, sondern nur constatirt, daß die 
drinnen gepflogene Beratung gelten soll (v. 612 — 615); und daß das 
ernst gemeint und die Sache damit abgetan war, geht aus v. 738. 
749 hervor, wo der Alte Anstalten macht auf den Markt zu gehn. 
Dann aber beginnt Palaestrio v. 765 mit den Worten igitur id quod 
agitur primum praevorti decet seinen neuen Plan zu entwickeln oder 
vielmehr die Anstalten zu der Falle zu treffen, die er dem miles 
legen will, Bestimmungen die nicht vorher beraten waren und deren 
Zweck den andern unbekannt ist, die Palaestrio gibt als imperator, 
der Gehorsam zu verlangen hat. Das streitet nicht mit 596 sq., 



[1) Zumal die Mutter vorhanden ist: 975. 6, 1107, 1184, 1315: das ist ein 
doppeltes Motiv.] 



Miles gloriosus 181 

denn das lange Zwischengespräch (616 — 764) konnte dazu führen, den 
Tagesbefehl an Stelle der Beratung zu setzen; aber 612 sq. streitet 
sowohl mit 596 sq. als mit 765 sq. *), ohne daß doch irgendwo eine 
Eindichtung oder Parallelfassung ausgesondert werden könnte 2 ). Ja, 
die auf 61 2 sq. unmittelbar folgenden Verse (618 Pleusicles zu Peri- 
plectomenus: me tibi istuc aetatis homini facinora puerilia obicereusw.) 
passen sehr gut zu der Vorstellung, daß die Beratung zu Ende und 
dem Alten seine Rolle bereits zugeteilt ist 3 ); so daß man während 
der ganzen Unterhaltung unter diesem Eindruck steht, sich v. 738 
über die Absicht des Alten sich zu entfernen nicht wundert, eher 
v. 765 über das Zurückgreifen auf 596 sq. Es wird hierdurch klar, 
daß die ganze Partie 612 — 754 innerlich einheitlich und aus einem 
Gusse ist, also den Zusammenhang hat, den der attische Dichter 
ihr gegeben hat 4 ). Schmidt, Ussing, Langen hatten ganz recht, 
wenn sie dergleichen für eine Lösung des Rätsels hielten, gleich 
den ganzen Abschnitt hinauszuwerfen. Aber soll man gegen eine 
solche Athetese noch Gründe anführen ? 5 ) Der eine reicht aus, daß 
das Stück Dittographien hat, also zum alten Bestände gehört. 

Da nun v. 596 sq. und 765 sq. den 4. Akt vorbereiten, also 
sicher von Plautus herrühren, so erhebt sich die Frage, ob man eine 
solche Composition der Scene, wie sie vorliegt, Plautus zutrauen 
darf? Mir scheint es nicht unglaublich, daß er so gearbeitet hat. 
Er konnte die Beratung fallen lassen, um sie nachher wieder auf- 
zunehmen. Aber freilich ist es nur glaublich unter der Voraus- 
setzung, daß die aQiorsla des alten Ephesiers nicht in ursprünglichem 
Zusammenhang mit dem Gegenstande des 4. Aktes steht, das heißt 
daß sie nicht zum 3 AXaC(ov gehört. Dann muß Plautus die Scene 
für sich übersetzt und die Verbindungen mit dem 3 AAa£obv an- 
und eingefügt haben ; dabei konnte ihm der Widerspruch unter- 
schlüpfen. 

Einen wie mich dünkt sicheren Beweis, daß wir hiermit auf 



1) F. Schmidt S. 338 ff. 

2) Vgl. Ribbeck zu v. 611. 

3) Wie F. Schmidt S. 340 ff. richtig bemerkt. 

4) Ich muß den Leser bitten, die Verse wiederzulesen. Ähnliches gibt es 
bei Plautus, z. B. die Diatriben des Philto im ersten, des Stasimus im zweiten 
Teil des Trinummus, des Megadorus in der Aulularia ; aber ein solches Stück 
neuattischen Lebens wie dort wird uns doch weder bei ihm noch bei andern 
zum zweitenmal geboten. 

5) Von Langens sprachlichen Bedenken S. 323 ff. ist keines durchschlagend. 



182 HI Plautus und seine Originale 

dem rechten Wege sind, gibt uns der Schluß der Scene, v. 805 sq. 
Es ist allerdings, wie von vielen ausgeführt worden ist, ganz außer 
Zusammenhang mit der folgenden Handlung, wenn Palaestrio den 
Pleusicles auffordert, die Philocomasium nach der Rückkehr des 
miles vom Forum ja nicht bei ihrem Namen zu nennen, sondern 
Dicea, als die fingirte Zwillingsschwester. Durch die folgende An- 
weisung, er solle nur jetzt erst den Alten drin seine Rolle spielen 
lassen, dann werde er an die Reihe kommen, die der Folge der 
kommenden Handlung entspricht, wird Pleusicles und der Zuschauer 
über die Frage weggehoben, was das zu bedeuten habe. Aber wir 
fragen doch wieder: was hat es zu bedeuten? Die Situation, die 
hier vorausgesetzt ist, kann nur eine sein: wenn der miles nach 
Hause kommt, so wird er Pleusicles und Philocomasium im Hause 
des Periplectomenus beieinander sehen; dann soll Pleusicles sich 
hüten, sie Philocomasium zu nennen. Der miles soll also von der 
Wahrheit der Lüge in derselben Weise überzeugt werden wie 
Sceledrus v. 520 sq. So gewiß eine solche Situation durch die 
Handlung des 4. Aktes ausgeschlossen wird, so genau paßt sie auf 
den Verlauf des Stückes, dem der 2. Akt entnommen ist. Alle 
Variationen der Geschichte gipfeln darin, daß der Geprellte selber 
sich von der Existenz der Doppelgängerin überzeugt. 

Diese Verse stammen also aus dem Original des zweiten Stückes; 
sie können auf keine Weise später eingedichtet sein; sie sind durch 
v. 810. 811 schlecht und recht mit der Umgebung verbunden; die 
Umgebung ist eben so gewiß ein Teil der ursprünglichen plau- 
tinischen Composition. Dieser Sachverhalt gestattet nur eine Er- 
klärung: die Scene III 1 stammt als Ganzes aus dem zweiten Stück; 
aus diesem hat Plautus sie übersetzt und dann die Verbindung mit 
IV durch die Verse 596—611; 765—804; 810.811 hergestellt. In 
jenem Stück wurde an die drinnen gehaltene Beratung das große 
Gespräch angeschlossen, wie wir es 612 — 764 vor uns sehen, und 
nachdem die Redseligkeit des Alten erschöpft war, von Palaestrio 
noch einige wichtige Verhaltungsregeln gegeben; zu diesen gehörte 
die Stelle, die Plautus hat stehen lassen, am Schlüsse wie die 
andre (612) am Anfang. 

Daß Plautus so gearbeitet hat, ist nicht erfreulich aber wichtig 
zu wissen. Es gilt zunächst nur für den Miles, der notorisch früher 
verfaßt ist als die übrigen datirbaren Stücke. Im Miles gibt es 
aber, und zwar in der Umgebung von III 1, in derselben kritischen 
Partie die die Fugen der plautinischen Eindichtung aufweist, noch 



Miles gloriosus 183 

eine gleichfalls von vielen bemerkte Unebenheit, die auch den 
gangbaren Erklärungsversuchen widerstrebt 1 ). 

Der völlig besiegte Sceledrus erklärt v. 576 — 584, er wolle sich 
der drohenden Strafe entziehen: nam iam aliquo fugiam (natürlich 
nicht nach Hause) et me occultdbo aliquot dies, dum haec consüescunt 
htrbae atque irae leniunt. Periplectomenus beobachtet seinen Ab- 
gang und sagt: wir können jetzt ruhig beraten, Palaestrio ist bei 
mir, Sceledrus nunc autem est foris (d. h. Philocomasium kann bei der 
Beratung zugegen sein, vgl. 591). Damit steht es in direktem 
Widerspruch, daß Palaestrio nach der Beratung v. 816 den Sceledrus 
aus dem Hause rufen will und daß Sceledrus auch wirklich zu 
Hause ist. Er hat sich im Keller betrunken, er ist sogar Keller- 
meister, und sein Gehülfe Lucrio verhandelt mit Palaestrio. Lucrio 
fürchtet sich dann auch vor der Strafe und läuft auch davon : fugiam 
hercle aliquo atque hoc in diem extollam malum (861); Palaestrio 
findet es sehr verständig, daß Philocomasium, da der Wächter 
"schlafe^, auch den subcustos durch einen Auftrag entfernt habe. 

Es ist ganz richtig 2 ), daß der subcustos eine in die Handlung des 
Miles, wie sie bis dahin vorliegt, überflüssigerweise hineingebrachte 
Hinderlichkeit ist. Aber es mag gelten, daß nach Sceledrus auch 
noch ein anderer Wächter unschädlich gemacht werden mußte. 
Nicht wegzudeuteln ist der Widerspruch der Situation. Was soll 
es denn heißen, daß Sceledrus c nach einigem Herumtreiben sich 
eben besonnen hat, das Angenehme mit dem Sicheren zu verbinden 
und sich durch irgendeine Hintertür zu den Weinkrügen begeben 
hat ? Solche Argumentation (ich führe sie an weil sie typisch ist) 
würde zutreffen, wenn uns Herr Sceledrus seine unglaubhafte Ge- 
schichte erzählte ; aber wenn ein Dichter eine Situation motivirt, so 
motivirt er sie, und wenn er das Gegenteil meint, so sagt er es. 
Wenn der Dichter den Sceledrus weglaufen läßt, so ist er nicht 
zu Hause; und wenn Sceledrus weggelaufen ist, so klopft nicht 
Palaestrio, der das als Hauptsache wissen muß, an die Tür um ihn 
herauszurufen. Wenn Plautus so etwas getan hat, so soll man es 
nicht beschönigen; der Dichter des Originals hat es sicher nicht 
getan. 

Ebenso übel ist die Wiederholung des Motivs. Am Schluß der 
einen Scene läuft Sceledrus aus Furcht vor Strafe fort, am Schluß 



1) Die Schwierigkeiten sind richtig hervorgehoben von F. Schmidt 379 ff. 

2) F. Schmidt S. 380. 



1&4 III Plautus und seine Originale 

der andern Lucrio, beide fast mit denselben Worten, ohne daß in 
dieser Parallele die mindeste komische Wirkung liegt. Das eine 
wie das andere führt auf denselben Punkt: die beiden Erfindungen 
schließen sich aus. Die Alternative ist diese: entweder bleibt Sce- 
ledrus zu Haus, dann ergibt sich nachher die Lucrioscene; oder 
Sceledrus läuft davon, dann gibt es auch keine Lucrioscene. 

Nun ist ja der nächstliegende Gedanke, daß Widerspruch und 
Parallelmotiv durch Retraktation des plautinischen Stückes ent- 
standen seien. Für eine Aufführung sollte die Lucrioscene ge- 
strichen werden, was ohne weiteres geht; man konnte v. 812 direkt 
an 870 anschließen lassen. Am Schluß des 2. Aktes hatte Plautus 
den Sceledrus nach Hause gehn lassen; hier mußte durchgreifend 
geändert werden, denn Sceledrus mußte unschädlich gemacht sein: 
v. 581 — 584 und 593 würden vom Regisseur herrühren, der sich 
nach v. 859 sq. gerichtet hätte ; der Herausgeber oder Redaktor 
hätte die ursprüngliche Fassung von 576 sq. nicht mehr zur Ver- 
fügung gehabt, also die sekundäre aufgenommen, dagegen die ge- 
strichene Scene stehen lassen. An sich wäre dieser Hergang nicht 
unmöglich; zweierlei spricht dagegen. Erstens ist der Ausgang des 
2. Aktes in sich geschlossen und gut, man müßte also in gesundes 
Fleisch schneiden; zweitens ist sein Zusammenhang zwar an einer 
Stelle gestört, aber diese beweist den entgegengesetzten Vorgang. 
Nach v. 584, nachdem Sceledrus seinen Entschluß zu fliehen aus- 
gesprochen hat, fügt er hinzu: verum tarnen, de wie quidquid est, ibo 
hinc domum. Dies ist, wie Ribbeck erkannt hat, ein aus der Um- 
gebung fallender Vers ; er ist augenscheinlich zur Ausgleichung mit 
der Lucrioscene, in der Sceledrus daheim erscheint, zugefügt. Dies 
ist wahrscheinlich zum Zweck der Aufführung geschehen ; sicher 
ist diesem Verse gegenüber die Umgebung das Ursprüngliche; daß 
sie nicht plautinisch sei, ist damit sehr unwahrscheinlich. 

Aber man kann direkt und positiv beweisen. Nach III 1 schläft 
Sceledrus in der Trunkenheit und Lucrio wird zur Flucht veranlaßt; 
damit ist der Wächter des Mädchens und sein Gehülfe aus dem 
Wege geräumt. Vor III 1 wird Sceledrus zur Flucht gebracht, 
damit ist der Wächter unschädlich gemacht. Es sind zwei parallele 
Erfindungen, die jede ihren Zweck erfüllen. Die Überlistung des 
Sceledrus, die den 2. Akt ausfüllt, gipfelt natürlich und glücklich 
in seiner Flucht. Hier wird die Handlung des von Plautus hinzu- 
genommenen Stückes verlassen, am Schluß von III 1 wird in die 
neue Handlung eingelenkt. Die parallele Scene gehört dem 3 AAa£c6v 



Miles gloriosus 185 

an : dort war der Kellermeister dem Mädchen als Wächter gesetzt, 
er betrank sich (was der Dichter motivirt haben wird) und sein 
Gehülfe wurde zur Flucht gebracht. So klärt sich das Verhältnis 
auf, in dem die beiden Scenen zueinander und zu den beiden 
Originalen stehen. Damit aber ist es bewiesen, daß beide Scenen 
von dem herrühren, der die beiden Originale in eine Fassung zu 
vereinigen suchte, das heißt von Plautus. Zur Verbindung brauchte 
er dem Original in der ersten Scene nichts hinzuzutun, in der 
zweiten wahrscheinlich die Verse 867 — 869. Aber das Unvereinbare 
in beiden Fassungen ließ er unverändert nebeneinander 1 ). 

Dies sind die kunstlosen Anfänge des Verfahrens 2 ), das wir bei 
Terenz in hohem Maße verfeinert wiederfinden, das auch in der 
Verfeinerung keine hohen Anforderungen an das poetische Genie 
dessen stellte, der aus zwei vorhandnen Stücken ein neues machen 
wollte, aber doch einen ausgebildeten Kunstverstand verlangte. 
Plautus hat, neben einer so hoch gesteigerten Kunst des stilmäßigen 
Ausdrucks, die eigentlich dramatische Fähigkeit, die aus dem Leben 
oder aus überlieferten Motiven heraus ein Kunstwerk bildet, nicht 
entwickeln können; er hat nicht einmal die Schwierigkeiten der 
Kontamination' überwunden. Ob Naevius das besser machte, können 
wir nicht wissen; daß er mehr wollte wissen wir wohl (oben S. 93). 
Aber es war nicht anders und konnte nicht anders sein, als daß die 
römischen Poeten, wenigstens die ersten Generationen hindurch, 
zur dramatischen Kunstform nur ein äußerliches Verhältnis gewannen. 
Sie hatten das complicirteste Gebilde, wie es aus vielen Phasen 

[1) Vgl. Niemeyer Miles 1901 S. 13. Über Job. Franke de Militis gloriosi 
Plautinae compositione, Leipzig 1911, urteilt richtig C. Bardt Wochenschr. f. 
kl. Phil. 1911 S. 902 ff.] 

[2) In den Nachr. der Gott. Ges. 1911 S. 254 ff. habe ich (nach Kakridis 
Rhein. Mus. LVIl 463) die Contamination des Amphitruo nachgewiesen. Die 
von Wilamowitz (Ber. d. Berl. Akad. 1911 S. 485) erhobenen Bedenken haben, 
wie mir scheint, das Gewicht der vorgebrachten Gründe nicht vermindert. Eine 
Komödie von der Betörung Alkmenes mit der folgenden Verwirrung konnte 
sehr gut durch die Erscheinung des Gottes zu Ende geführt werden. Um An- 
stöße an einzelnen Stellen handelt es sich nicht, sondern um solche die das 
Gefüge des Stückes angehn und derengleichen bei Aristophanes überhaupt nicht 
vorkommen. Die dramaturgischen Unebenheiten bei Aristophanes, wie sie 
Wilamowitz an den Wespen zeigt, sind nicht von der Art, daß sie, bei Plautus 
angesetzt, auf den Gedanken an Contamination führen könnten. Hier ist 
keine Gleichheit Aristophanes-Plautus, die einen Schluß auf Plautus 1 Original 
gestattete. Meine Berufung auf Moliere ist natürlich kein Enthymema sondern 
ein Paradeigma.] 



185 m Plautus und seine Originale 

tiefwurzelnder Entwicklung hervorgegangen war, ganz und fertig 
übernommen, nicht als ein schwer zu Passendes, dem man sich, da 
es nun einmal nicht aus dem eignen Leben entsprossen war, erst 
allmählich theoretisch oder durch Versuchen einfacherer Formen zu 
nähern gehabt hätte, sondern als ein Gegebenes, dessen sich für 
das eigne Volk zu bemächtigen es nur der Überwindung der Sprache 
bedurfte. Es ist undenkbar, daß sie mit solchen Vorbedingungen 
der fremden Kunst mit innerer Freiheit hätten gegenüberstehen 
können, mit so großer Freiheit sie auch das Material des Werkes 
und selbst seine Form behandelten; es mußte zum Schaden des 
Werkes geschehen, wo sie an seiner Kunstform rüttelten; sie anders 
als übertragend nachzubilden durften sie nicht wagen, ehe nicht 
durch die kunstmäßige Durchbildung der 'Contamination*, wie sie 
bei Terenz erscheint, wenigstens eine Vorstufe überwunden war. 
Nun hat sich der Sinn für die griechische Form so fein entwickelt 
wie wir es bei Terenz finden, und wie nun die togata einsetzt, ist 
sie im Stande, neuen Stoff in die alte Form zu gießen. 

Horaz spricht über Plautus mit der Einseitigkeit des Vorkämpfers 
einer neuen Zeit; aber wenn man es auf die Stücke beschränkt die 
es angeht, so muß man ihm recht geben: non astricto percurrit 
pulpita socco, securus cadat an recto stet fabula talo. Dagegen steht 
Varros Urteil, das man uneingeschränkt gelten lassen kann: Plautus 
in sermonibus poscit palmam. Beide müssen sich im Urteil einer 
fernerstehenden Zeit zusammenfinden. Alles was in Plautus' Komö- 
dien der dramatischen Schöpferkraft entsprungen ist, ist nicht sein 
eigen; die Schritte, die er als Dramatiker versuchte, waren Fehl- 
schritte. Aber seine Größe liegt nicht nur in der Behandlung des 
Dialogs. Er ist ein Sprachgewaltiger und dadurch auch ein Kunst- 
gewaltiger. Er hat einen eignen, von seiner Persönlichkeit untrenn- 
baren Stil ausgebildet, der immer frisch und ganz, immer er selbst, 
immer Geist und Leben ist, den man als einen Vertrauten begrüßt, 
wo man sich in seinen Kreis begibt. Die Komödien, die wir von 
ihm haben, sind eine bunte Reihe, des verschiedensten Wesens, wie 
sie unmöglich einem Kopf entspringen konnten; ernste und lustige, 
stille und bewegte, moralische und frivole, Dichter so verschieden 
wie Diphilus und Demophilus, Menander und der Dichter der 
Captivi. Jede Komödie hat, wenn auch nicht jede rein, den Cha- 
rakter ihres Ursprungs bewahrt ; aber über alle ist die Beleuchtung 
eines Geistes ausgegossen und nimmt uns gefangen auch wo der 
Reiz des dramatischen Motivs versagt oder die künstliche Fügung 



Würdigung 1&7 

gelöst, das ganze Holz des attischen Baues gespalten und geleimt 
ist. Diese Wirkung liegt nicht nur in der Sprachbehandlung, sie 
liegt vor allem in der genialen Freiheit und tatsächlich ursprüng- 
lichen und in Rom selbst gewachsenen Kunst, mit der die römischen 
Lichter der griechischen Färbung aufgetragen, die widerstrebenden 
griechischen und römischen Elemente unter einen bunten und 
schillernden aber einheitlichen Stil zusammengefaßt sind. Man ver- 
gleiche nur, um diese dramatische Litteratur zu würdigen, eine 
andere gleichfalls auf fremder Kunst aufgebaute, etwa unsere eigene 
vor Lessing. Plautus, und vor ihm Naevius, ist der Gefahr ent- 
gangen das römische Leben zu gräcisiren; er hat das Spiegelbild 
des attischen Lebens wahrhaft romanisirt. So wird seine Kunst 
auch dann noch dauern, wenn einmal die freundliche Erde uns 
seine Originale wiederschenken wird und wir, um deren Eigenschaften 
zu erkennen, nicht mehr die verschlungenen Wege werden zu gehen 
brauchen, die ich den Leser habe führen müssen. Zu der Bedeutung 
eines bloßen Sprachdenkmals werden die plautinischen Komödien 
niemals sinken. 



IV 

Die Prologe 



Die bisherigen Untersuchungen über die plautinischen Prologe 
haben nur die c prologi', die Anfangsreden, ins Auge gefaßt; es ist, 
besonders von Ritschi und Dziatzko, nachgewiesen worden, daß eine 
Reihe dieser Reden Eindichtungen und Veränderungen zum Zwecke 
späterer Aufführungen erlitten hat, es ist vielfach für die den 
Stücken nur äußerlich vorgesetzten Reden die Frage aufgeworfen 
worden, ob sie überhaupt in einer ursprünglicheren Fassung von 
Plautus selbst herrühren. Die allgemeine Ansicht wird wohl 
heute dahin gehen daß , wie es von Dziatzko x ) ausgesprochen 
worden ist, die mit den Stücken organisch zusammenhängenden 
prologi von Plautus aus dem Original übertragen sind, während an 
der Echtheit der übrigen jeder Zweifel für erlaubt gehalten wird; 
auch dies nicht ohne Grund, wie der Prolog zur Casina ohne weiteres 
lehrt. Einige auffallende Eigenheiten jener ersten Gruppe von Pro- 
logen, die eine Person des Stücks oder ein übermenschliches Wesen 
spricht, besonders das Widerspiel zwischen Vorredner und Person, 
hat Trautwein 2 ) richtig erörtert. Besonders aber hat W. Frantz 3 ) 
für eine ganze Reihe der Prologe, und zwar aller Gattungen, den 
direkten Zusammenhang mit den Formen des attischen Dramas 
nachgewiesen und die Geschichte des Prologs in der Komödie auf 
festen Boden gestellt. Die bestimmten Gesetze, die Euripides in 
der Prologbildung befolgt hat, hat v. Arnim 4 ) erschlossen und damit 
den sichersten Anhalt für die historische Erklärung der folgenden 



1) Über die plautinischen Prologe. Allgemeine Gesichtspunkte. Beilage 
zum Jahresbericht der Luzerner Kantonsschule 1866/67. 

2) De prologorum Plautinorum indole atque natura, Berlin 1890. 

3) De comoediae atticae prologis, Straßburg 1891. 

4) De prologorum Euripideorum arte, Greifswald 1882. 



Das Wort 189 

Entwicklung gegeben 1 ). So ist wohl der Versuch berechtigt, über 
Ursprung und Bildung der plautinischen Prologe selbst ein zusammen- 
hängendes historisches Urteil zu gewinnen. 

Wir haben uns gewöhnt, wenn wir von der römischen Komödie 
sprechen, das Wort Prolog im terenzischen Sinne zu brauchen. Nun 
haben von den 15 plautinischen 'Prologen'' 7 oder 8 (der zur Vidu- 
laria gehört wahrscheinlich dazu) das mit den terenzischen gemein, 
daß sie völlig vom Stücke selbst gelöst sind; nur von zweien ist 
mit Sicherheit zu sagen, daß sie wie die terenzischen den Inhalt 
des Stücks nicht erzählen (Asin. Trin.) ; polemische Ansätze zeigen 
zwei, in deren einem die Polemik sicher nachplautinisch ist (Cas. 
Men.). Kein einziger der plautinischen Prologe trifft mit den posi- 
tiven Merkmalen der terenzischen zusammen; dagegen sind alle 
Spielarten des Prologs, die das Drama entwickelt hat, in den 
21 plautinischen Stücken vereinigt, nur eine Spielart, eben die der 
c prologi', ist nach oben hin nicht anzuknüpfen. Oder haben die 
Stücke, die keine Einleitungsrede haben, keinen Prolog? 

Das Wort Prolog 2 ) hat eine doppelte Geschichte, eine in der 
Sprache des Lebens und Verkehrs, eine in der der theoretischen 
Wissenschaft; die Sache hat eine vielfache. Wo aber die Geschichte 
des Worts anfängt, deckt es natürlich die Sache in ihrem damaligen 
Stande. Als Thespis dem tragischen Chor den Sprecher hinzutat, 
da konnte der Sprecher nach dem Belieben des Dichters entweder 
imoxQiveoftai, das heißt dem Chor folgen, wie in Aischylos' Persern, 
Hiketiden, Prometheus Xvöjuevog, oder nqoloyi^Eiv, dann begann das 
Stück mit einer Rede, wie wir es von den Phönissen des Phry- 
nichos wissen und an Aischylos' Sieben, den drei Stücken der Orestie, 
den Karern sehen. Diese Bedeutung, nur nicht c Rede vor dem 
Chor 3 , sondern Anfangsrede, hat das Wort im Leben behalten, wie 
Aristophanes Ran. 1119 sq. zeigt; unter den nQoXoyoi, dem Tiganov 
7fjg rQaycpöiag jLiegog, werden dort nur die Anfangsreden verstanden 
(rd TtQooijuia drjkovoxi schol. R.), trotz der verschiedenen für den 
gesprochenen Anfang des Dramas längst ausgebildeten Formen; die- 
selbe Bedeutung hat das Wort in den vno'&soeig der Tragödien, in 

1) Ein Gesaratbild der Geschichte des Prologs, von dem ich mich freilich 
in vielen Stücken entfernen werde, entwirft mit guter Einsicht Ph. Fabia les 
prologues de Terence (1888) S. 60 ff. [Legrand Daos S. 490 ff.] 

2) Das Wort selbst gibt keine bestimmte Auskunft über seine Bedeutung, 
es kann sowohl das dem Xoyog Vorhergehende (vgl. Rohde Rhein. Mus. XXXVIII 
263) wie den vorhergehenden Xoyog bezeichnen. 



190 IV Die Prologe 

denen nicht nur nQokoyi&i f\ *AvbqoiiayY\, sondern auch nQokoyt&i 
6 Tzatdaycoyög 'Oqegtov, fj AvxiyovYj, selbst im Rhesos 6 xoqog 1 ). 
In dieser Bedeutung des prooemium finden wir das Wort bei den 
Römern wieder, aber erst bei Terenz: in prologis scribundis operam 
abutitur, im Gegensatz zur fabula, nicht mehr als Anfangsrede, 
sondern als 'Vorrede des Stücks ; und daneben in persönlicher Aus- 
prägung: orator ad vos venio ornatu prologi. Daß nicht Terenz 
zuerst das Wort so anwendet 2 ), zeigt die Angleichung der griechischen 
Präposition an die lateinische Quantität: es ist ein älteres Lehnwort. 
Den Prologredner, der sich umkleiden muß um seine Rolle im Stück 
zu spielen, finden wir auch Poen. 123. 126, in zwei Passungen der 
Stelle, die vielleicht beide jüngeren Ursprungs sind. Ob er aus 
der griechischen Bühnenpraxis stammt, ist nicht nachzuweisen, da 
jeder die Rolle spielen konnte und er also im Technitenpersonal 
als eigne Figur keine Stelle hat, wie der in einigen Prologen (Asin. 
Poen.) mit ihm verbundene xfjQv^ der wie auf der alten Bühne 
(Acharn. 11) so in den ftiaooi den Anfang des Spiels verkündet. 

Dagegen nach Aristoteles' Definition ist der Prolog juegog oXov 
TQaycodiag rö nqb %oqov naQobov*), das heißt für die euripideische 
Tragödie 4 ) und, mit Exceptionen die nicht schwer wiegen, auch für 
die sophokleische ist der Prolog die Exposition. Aristoteles hat 
also dem in der jüngeren Tragödie durchgeführten Kunstgesetz 
durch seine Sonderung und Definition theoretischen Ausdruck ge- 
geben. Mit der jüngeren Tragödie hängt aber die neue Komödie 
in ihrer Entwicklung so eng zusammen wie mit der alten Komödie ; 
ja weit enger in allem was die Handlung angeht. Man sollte also 
doch wohl, wenn man die Prologe der römischen Komödie unter- 
suchen will, den Begriff des nQoloyog zunächst einmal nicht im 
vulgären sondern im aristotelischen Sinne fassen. 

Euripides hat es als festes Gesetz befolgt, daß die Tragödie 



[1) Schol. Dion. Thr. p. 451, 33 H. TiQoXoyog Sozi agoavaqpcbvrjotg rcov Sia rov 
dgäftarog eioäyeofiai fieXXovzoov.] 

2) Menaechm. 13 antelogium. 

3) Rhet. III 14 könnte man zweifelhaft sein, ob bei der Vergleichung von 
TtQooifiiov mit TigoXoyog und TtgoavXiov das Wort TigöXoyog im vulgären oder theo- 
retischen Sinne angewendet ist (vgl. c. 12, 1413 ^ 27); aber die Worte 1415» 19 
xav (it] ev&vg wojzsq EvQimörjg, aXK ev x($ TigoXoycp yi nov (obwohl i/noi jzatrjQ 
tjv üöXvßog offenbar irrtümlich citirt wird) zeigen den Gegensatz des aristo- 
telischen nQoXoyog gegen die euripideischen Proömien. 

4) v. Arnim p. 84 sq. 



Euripides und Aristophanes 191 

mit einer Rede, meist einem Monolog, beginnt 1 ), daß (mit Aus- 
nahme von Bakchen und Hiketiden, wo der Grund der Abweichung 
auf der Hand liegt) in einem folgenden Dialog die Vorgeschichte 
und gegenwärtige Situation zu Ende geschildert oder, wenn das im 
Monolog bereits geschehen, der Zuschauer in die Stimmung ein- 
geführt wird die im Kreise der Tragödie herrscht, endlich daß die 
Handlung nie vor dem Einzüge des Chors beginnt. Sophokles folgt 
in Trachinierinnen und Philoktet wenigstens so weit der euripi- 
deischen Art, daß er mit einer orientirenden Rede, aber nicht 
dialogisch, beginnt 2 ); den Ödipus auf Kolonos aber exponirt er 
wieder, wie die drei älteren Stücke und Elektra, durch Wechsel- 
gespräch. Die Erfindung dieser Form muß man dem Aischylos zu- 
schreiben, in dessen Prometheus sie erscheint, von den verlorenen 
Tragödien in den Phrygern (vit. Aesch.); denn sie hängt innerlich 
zusammen mit der Hinzufügung des zweiten Schauspielers. Die 
Handlung beginnt auch bei Sophokles in der Regel nicht vor dem 
Eintreten des Chors 3 ). Bei Aristophanes dagegen ist in den 
Stücken der älteren Zeit die Handlung in vollem Zuge 4 ), wenn der 
Chor auftritt; in den jüngeren, von den Yögeln an, ist die oft bunte 
und bewegte Scenenfolge vor der Tiägodog nur die Yorbereitung der 
Handlung oder doch der Haupthandlung, wie Thesmophoriazusen 
und Frösche besonders deutlich zeigen. Dem entspricht die ver- 
schiedene Anlage der Exposition 5 ); zwei der älteren Stücke 
(Acharner, Wolken) beginnen mit Monologen, die mit scharfem 
und anschaulichem Witz in die Situation versetzen, wahren Prologen, 
denn ihnen folgt gleich die Handlung; die drei anderen mit Dia- 
logen der typischen beiden Sklaven, deren einer nach einigen 
Wechselreden das Gespräch unterbricht, um den Zuschauern zu er- 

1) Von der aulischen Iphigenie muß man absehen, da wir die Intention 
des Dichters nicht kennen. Die Anapäste widersprechen seiner Technik, aber 
die Rede, die das Stück eröffnen konnte, ist vorhanden. [Monol. im Dr. S. 25.] 

2) Wie es scheint, auch im Aigeus (frg. 19). 

3) Im Aias beginnt sie mit dem Erwachen des Helden, von dem Tekmessa 
berichtet, im Philoktet mit dem Auftreten des Helden, im Ödipus auf Kolonos 
mit dem Auftreten des Chors; Antigone tritt zwar mit dem fertigen Entschlüsse 
auf und beginnt damit die Handlung sofort, aber Kreons Rede nach der Paro- 
dos greift gleichsam vor diesen Anfang zurück. In Elektra und Trachinierinnen 
überdauert die Exposition das erste Lied, aber das ist bei Euripides mehrfach 
der Fall. Im Ödipus Tyr. beginnt die Handlung mit Kreons Ankunft. [Kaibel 
Elektra S.64ff.] 

4) In den Acharnern so gut wie zu Ende, vgl. Frantz p. 5. 

5) Frantz p. 6 sq. 



192 IV Die Prologe 

aählen worum es sich handelt: cpige vvv xaTzinay xdlg fteaTcug xov 
Xoyov 1 ): neben einer kunstmäßigen Form eine ursprünglich auto- 
schediastische und die Illusion keck zerstörende. Ähnlich sind 
noch die Vögel exponirt, nur daß hier gleich die Träger der Hand- 
lung auftreten, wie in den folgenden Komödien, die sämtlich durch 
das Gespräch der Hauptpersonen selbst in die Handlung einführen, 
nur daß die Ekklesiazusen zu Anfang die euripideische Prologrede 
parodiren. Die Entwicklung, die Aristophanes durchgemacht hat, 
liegt vor Augen; er hat einerseits, in offenbarer und bewußter 
Opposition gegen Euripides, die Eingangsreden gemieden und die 
in der Tragödie kunstmäßig durchgebildete, in der Komödie nur 
rudimentär vorhandene Form der dialogischen Exposition auf- 
genommen, anderseits het er von der jüngeren Tragödie und auch 
von Euripides gelernt, die Exposition der eigentlichen Handlung 
gegenüber selbständiger zu gestalten. 

So können wir die Prologformen der Tragödie bis 406 v. Chr., 
die der Komödie bis 388 verfolgen; nach 200 Jahren können wir 
dann mit Plautus wieder einsetzen. Daß in der Zwischenzeit, in 
der jusorj und vea, die Wege des Euripides und auch des Aristo- 
phanes verfolgt worden sind, zeigen die Fragmente ; sowohl mono- 
logische als dialogische Anfänge in großer Zahl haben Dziatzko und 
Frantz nachgewiesen, dieser besonders auch von Euripides her- 
geleitete Motivirungen, nicht nur Parodien. Das Fortleben der 
euripideischen Proömien in der neuen Komödie würde der Witz 
der Gnathaina bei Machon (Athen. XIII 580 a ) zu beweisen aus- 
reichen: icbv oojv dga/udrcov yäg ejujuekajg sig avzbv alel rovg tiqo- 
Xoyovg efißakkofiev (nämlich elg röv kdxxov, coore xpv^Qov yiyveo&ai), 
wo nQoXoyog gebraucht ist wie von Aristophanes in den Fröschen, 
Daß wir aber damit die ganze Entwicklung übersehen, dürfen wir 
nicht annehmen, und was bei Plautus als griechisch nicht zu belegen 
ist braucht darum noch nicht römischen Ursprungs zu sein. 

Der Mannigfaltigkeit der plautinischen steht die Einförmigkeit 
der terenzischen Prologe gegenüber, das Produkt einer neuen Ent- 
wicklung, die 25 Jahre nach Plautus' Tode vollendet ist. Ihre An- 
fänge finden wir in den plautinischen Prologen, deren Echtheit 
vorausgesetzt; die Fortsetzung der Entwicklung, die zwischen Plautus 
und Terenz liegt, fällt von selbst dem Caecilius zu 2 ); wir dürfen 

1) Frg. adesp. 613 K. s. unten S. 245 A. 1. 

[2) Aus einem Prolog scheint zu sein Caec. 181 msanum: auspicium aliter 
histrionium est atque ut magistratus publice cum auspicant.] 



Jüngere Komödie. Die terenzischen Prologe 193 

nach dem Prolog zur Hecyra sagen, daß Ambivius Turpio teil an 
ihr hatte. Die Entwicklung stellt sich kurz gesagt darin dar, daß 
die Stücke zwar dialogisch exponirt sind, aber doch Prologe haben ; 
das heißt man verwarf die vorausgeschickten Inhaltsangaben, behielt 
aber die im Bühnengebrauch eingelebte, dem Publikum vertraute, 
für die Einführung des Stückes und litterarische Zwecke dienliche 
Figur des prologus bei. Die feste Form des euripideischen Prologs 
beginnt durchaus mit der vorbereitenden Erzählung; die feste Form 
der terenzischen perhorrescirt diese Erzählung: im Prolog der Adelphi 
lehnt Terenz es ab (v. 22 sq.), das argumentum fabulae anzugeben 
und verweist auf die Anfangsscenen, d. h. auf die Exposition selbst. 
Dasselbe geschieht im Prolog zum Trinummus und in der Haupt- 
sache in dem zur Asinaria; das Bezeichnende für Terenz ist die 
Consequenz mit der das Princip durchgeführt ist, denn von einem 
solchen kann man hier wie bei Euripides reden; daß die Prolog- 
erzählungen zu seiner Zeit noch nicht überhaupt abgekommen waren, 
zeigt Andr. prol. 6 non qui argumentum narret, Terenz hat sogar 
fast ausschließlich solche Stücke zur Bearbeitung gewählt, die rein 
dialogische Exposition haben; die euripideische Form hatte Menanders 
Hvdgia, aber Terenz hat statt ihrer Exposition die dialogische der 
üeQivMa gewählt, mit Umgestaltung der einen Dialogperson (Don. 
z. prol. 13, s.u.); bewahrt hat er die euripideische Form nur in 
seinem letzten Stück, den Adelphi, in deren prooemium er besonders 
darauf hinweist, daß die Exposition weder in der Anfangsrede allein 
enthalten ist noch bloß durch Erzählung gegeben wird: senes qui 
primi venient, ei partem aperient, in agendo partem ostendent. Der 
'prologus' des Terenz ist in der Tat nur velut praefatio quaedam 
fabulae (Euanth. de fab. 4, 5), eine den Inhalt des Stücks nicht 
berührende Vorrede mit bloß äußeren Angaben und Polemik gegen 
litterarische Gegner, in Form und Inhalt vom Stück gelöst, wie sie 
von Euripides bis Plautus immer entschiedener der Form nach sich 
gelöst hatte und doch inhaltlich mit dem Stück verbunden geblieben 
war 1 ); daneben die entschiedene Durchführung des Grundsatzes, 
daß durch die Handlung selbst exponirt werden muß. So ist die 
Prologform des Terenz das Gegenteil von dem was sie scheint, der 
Ausdruck seiner künstlerischen Überzeugung, daß die exponirende 
Prologrede verwerflich ist 2 ). Wir sehen eine bestimmte künstlerische 

1) Dem Terenz folgt Afranius im Prolog der Compitalia (doch vgl. v. 277. 
298) und wie es scheint Pomponius (v. 182), Laberius (v. 55). 

2) Don. Andr. 1 1, 1 in hac scaena haec virtus est, ut argumenti narratio 
Leo, Plautinischo Forschungen 2. Aufl. 13 



194 Iv D ie Prologe 

Richtung, wie sie auch in einer Übersetzungsütteratur eingeschlagen 
werden konnte, der plautinischen Willkür oder Sorglosigkeit in Zu- 
lassung der verschiedensten Formen entgegentreten ; eine Richtung, 
deren Vollender Terenz ist, wenn auch nicht ihr Urheber: in argu- 
mentis Caecilius poscit palmam 1 ). „ 



Das Entscheidende für die Prologform des einzelnen Dramas 
ist also nicht, ob ein c prologus D auftritt, sondern ob das argumen- 
tum in einer besonderen Rede vorausgeschickt oder der Zuschauer 
durch den Dialog der handelnden Personen in die Handlung ein- 
geführt wird. Nach diesem Gesichtspunkt zerfallen die plautinischen 
Stücke in zwei große Abteilungen, deren eine außer den 'prolog- 
losen Curculio Epidicus Mostellaria Persa Stichus (der Anfang der 
ßacchides fehlt) auch Asinaria Trinummus (Vidularia Pseudolus) 
enthält, die andere alle übrigen mit 'Prologen 3 verschiedener Art 
und Stellung. Um für die Beurteilung dieser den Maßstab zu ge- 
winnen, müssen wir die erste Kategorie untersuchen; denn hier ist 
zunächst kein Zweifel, daß die plautinische Exposition der des 
Originals entspricht. 

Epidicus, Mostellaria und Persa haben (wie nach dem 'Prolog' 
die Casina) in der Eingangsscene die beiden Sklaven, die uns aus 
der alten Komödie so wohlbekannt sind; in Epidicus und Mostellaria 
ist der eine von beiden jigocamov jiQorauxov, wie im Phormio, also 
nur der vorbereitenden Scene wegen erfunden. Der Persa beginnt 
mit zwei kurzen Monologen, denen die Begrüßung folgt, Epidicus 
gleich mit der Begrüßung, Mostellaria in heftigem Gespräch. Um 
mit der Mostellaria zu beginnen, so gibt die erste Scene alles was 
für das Verständnis der Handlung nötig ist; wir erfahren, daß durch 
Tranios Schuld verführt der junge Sohn des Hauses in Abwesen- 
heit des Vaters Geld und Gut vertut; Tranio ist auch bereits, 
durch sein Auftreten und den Gegensatz, vollkommen charakterisirt. 
Dennoch beginnt nach dieser Scene die eigentliche Handlung noch 
nicht. Tranio geht zum Hafen, um einzukaufen ; es folgt ein Mono- 
log des Philolaches, der nur dazu dient, den wohlerzogenen, jetzt 
zu aller Torheit verführten Jüngling zu charakterisiren, der doch 

esse actio scaenica videatw. Phorm. id enim est artis poeticae ut cum narrationi 
argumenti detur opera, iam tarnen res agi et comoedia spectari videatur. 

[1) S. unten S. 200. 238 f. Vgl. Reitzenstein Hermes XXXV 622 ff., Süß 
Rhein. Mus. LXV 442 ff.] 



Die Stöcke ohne 'Prolog'. Mostellaria, Persa, Stichus 195 

gegen die Anwandlungen der Reue noch nicht verhärtet ist; wir 
sehen dann (I 3) , wie ihn der Anblick der Hetäre wieder voll- 
ständig betört, und erleben nach der Ankunft eines zweiten Liebes- 
paares (I 4) den Anfang eines Gelages am hellen Morgen; denn 
Grumio war vor Tag in die Stadt gekommen, Philematium macht 
Morgentoilette, Callidamates kommt xcjojud^cov , mit der Absicht 
freilich, den Tag durchzuzechen (313). Da erscheint Tranio und 
sofort beginnt die Handlung, die sich nun unaufhaltsam abwickelt. 
Die Scenen bis II 1 (347 Verse) sind nichts als eine breitangelegte 
Exposition, die uns zunächst die Vorgeschichte, dann die Charaktere 
der beiden Hauptfiguren, endlich den Zustand kennen lehrt, dem 
der Vater durch seine Rückkehr ein Ende macht, eine vollkommen 
durchdachte Einführung, eine trefflich wirkende Folie für die Hand- 
lung selbst. Es ist eine Exposition, die von den jüngeren aristo- 
phanischen, besonders Thesmophoriazusen und Fröschen, sowohl die 
Form als die Breite der Anlage hat; von Euripides zwar nicht die 
Form, aber das künstlerische Princip: die Toilettenscene und das 
Gelage haben denselben Zweck wie die Teichoskopie der Phönissen, 
Teukros in der Helena, das Lied des Ion. Irgend ein Moment, 
das nicht die Handlung ungezwungen aus sich selbst entwickelte, 
hat das Stück nicht; es bedurfte also keines besonderen Proömiums. 
Gleich die Mostellaria aber kann uns lehren, daß die neue Komödie, 
trotzdem der Chor fortgefallen war, sich vom aristotelischen Begriff 
des TiQoloyog nicht entfernt hatte. 

Bei äußerer Ähnlichkeit zeigt der Persa in einem Hauptpunkt 
verschiedene Anlage. Auch hier gibt das Sklavengespräch der ersten 
Scene die vollständige Einführung in die Handlung; aber die Hand- 
lung selbst beginnt unmittelbar danach. Der Monolog des Parasiten 
steht zwar noch dazwischen, doch er ist nur eine typische Ein- 
führung der Person, mit der dann gleich Toxilus die Intrige be- 
spricht; die Stelle, an der Saturio, wie der Parasit in Captivi und 
Menaechmi, der Erzählung oder Schilderung wesentliches hinzutun 
könnte, ist (v. 77) abgetan mit nunc huc intro ibo, visam hesternas 
reliquias. Die Darstellung des wüsten Treibens der Gesellschaft 
ist in diesem Stück Schluß und Krone der Handlung; eine Voraus- 
setzung, die außerhalb der Handlung mitgeteilt werden müßte, ent- 
hält das Stück nicht. 

Der Stichus exponirt breit und charakterisirend , durch das 
Gespräch zuerst der beiden Schwestern, dann der Schwestern mit 
dem Vater. Dann folgt Gelasimus und seine Selbstauktion, eine 

13* 



196 IV Die Prologe 

Scene die nur der Belustigung dient. Man gewinnt am Schluß von 
I 2 (v. 150) den Eindruck, daß durch die Herbeirufung des Gelasi- 
mus die Handlung eingeleitet werden solle; aber diese Herbei- 
rufung ist gar nicht motivirt (vgl. 266) und bei dem Charakter der 
Panegyris und ihrer Gesinnung gegen den Parasiten (vgl. 397) sehr 
auffallend. Die eigentliche Handlung beginnt mit dem Auftreten 
des Pinacium (II 1), aber freilich um für dieses Stück so gut wie 
zu Ende zu sein. So viel lehrt uns die Exposition deutlich, daß 
sie die Handlung kunstgemäß einleitete und alles enthält w r as für 
das Verständnis der Handlung nötig war. 

In der Eingangsscene des Curculio treten Herr und Diener auf, 
eine Zusammenstellung, die in der Tragödie vorgebildet ist (Sophokles 
Elektra und Trachinierinnen, Euripides Andromache, aulische Iphi- 
genie), die aber durch Aristophanes' Plutos in höherem Grade für 
die Komödie typisch geworden ist als die beiden Sklaven, vgl. Asi- 
naria Poenulus Pseudolus Rudens Aulularia (Andria) Eunuchus *). 
Durch das Gespräch im Anfang des Curculio erfahren wir die Vor- 
bedingungen der Handlung in der Weise, daß der Herr dem Diener 
erzählt, daß das Haus, sein Nachbarhaus, einem Kuppler gehöre 2 ), 
daß er mit einem der Mädchen des Kupplers einen Liebeshandel 
habe, daß der Kuppler ihn mit seinen Forderungen beständig hin- 
halte, daß er den Parasiten fortgeschickt habe um Geld zu besorgen : 
alles Dinge, die Palinurus längst wissen muß (vgl. v. 14); wie denn 
auch v. 230 sq. der Kuppler und Palinurus in freundnachbarlichem 
Verhältnis stehn. Dies ist ein Motiv, das lediglich dem Zwecke 
der Exposition dient, ein Notbehelf, dessen Unwahrscheinlichkeit 
der dramatische Dichter hinnimmt eben um den erzählenden pro- 
logus zu vermeiden, an dessen Stelle als anderer Notbehelf die 
TZQoocona TtQoxaTixd treten (s. u.). Sophokles läßt so den Orestes 
dem Pädagogen das Orakel erzählen, das diesem nicht unbekannt 
sein kann ; im Philoktet entgeht er sehr geschickt der Gefahr, den 
Odysseus Dinge reden zu lassen, für die während der Fahrt Zeit 
vollauf war: mit dem Plan, der ihm im Sinne liegt, darf er dem 
Neoptolemos erst kommen da die Tat drängt und für langes Be- 
sinnen kein Raum bleibt; ähnlich in der Antigone. Aber im Ein- 
gang von Aristophanes' Plutos ist es so unwahrscheinlich wie in 

1) Als Motiv in der Erzählung Parmenos Hec. 144 sq. Vgl. Pomponius 
(Novius) v. 142 sq. 

2) Vgl. de PI. Vidul. p. 4 sq., Frantz p. 21 ; pall. ine. frg. 58 R. villa est 
patrui, hie ager est ubi stas, pone versum Mac mare est. 



Stichus, Curculio. Komödien mit dvayvcogioig 197 

Elekfcra, Andria und Curculio, daß der Vertraute von dem was ihm 
der Herr erzählt nichts gewußt haben sollte 1 ). Die beiden folgenden 
Scenen dienen zur Ausmalung der Situation und führen Planesium 
ein, deren Schicksal den Hauptinhalt der Handlung ausmacht. 
Auch die folgende Scene, das Auftreten des Kupplers und seine 
Gespräche mit Palinurus und dem Koch, dient noch der Exposition 
und führt nur durch den vordeutenden Traum der Handlung näher; 
sonst ist sie, wie im Stichus, eine retardirende Belustigungsscene, 
auf die unmittelbar mit dem Erscheinen des Curculio, wie dort des 
Pinacium, die Handlung selbst einsetzt. Die Handlung nun gipfelt 
in einem Moment, zu dessen Vorbereitung in der Exposition nichts 
getan ist, in dem ävayvcoQtojuog des Geschwisterpaars, Planesium 
und Therapontigonus (V 2) ; wenigstens Planesium hätte bei ihrem 
ersten Auftreten (I 3) von ihrer Herkunft berichten können, über 
die sie wohl unterrichtet ist, aber es fällt kein Wort darüber vor 
v. 528 (der Kuppler). Euripides 2 ) hat die Tragödien mit ävayvco- 
Qioig entweder so exponirt, daß zuerst die eine der lange getrennten 
Personen ihre Schicksale mitteilt, dann die andere (taur. Iphigenie, 
Elektra, vgl. Helena) oder daß ein Gott die Vorgeschichte erzählt 
(Ion) 3 ). Sämtliche plautinischen Komödien mit ärayvcogioig werden 
durch die Prologrede einer von der Handlung gelösten Person ein- 
geleitet, sei es der prologus (Capt. Cas. Men. Poen., vgl. Vid.), sei 
es eine dämonische Figur (Rud. Cist.); die einzigen Ausnahmen 
bilden Curculio und Epidicus, den ich deshalb ans Ende dieser Reihe 
gestellt habe. Dasselbe was für diese beiden gilt aber für fast 
sämtliche terenzischen Stücke; Terenz hat, mit einer Ausnahme, 
lauter Stücke mit ärayvcogtoig zur Bearbeitung gewählt, wieder mit 
offenbarer Absicht, um auch durch Überraschung zu wirken; daß 
er mit guter Überlegung keine Inhaltsangaben vorausschickt, wird 
dadurch um so deutlicher. Seine Stücke entwickeln sich in ruhigem 
oder (wie es in den donatischen praefationes heißt) turbulentem 
Fortschreiten bis zur Wiedererkennung, wie der Curculio. Ob Plautus 



1) In der ersten Scene des Poenulus ist das Motiv verdunkelt (oben 
S. 176); in den Menaechmi (II 1) ist das Bedenkliche so geschickt umgangen 
wie im Philoktet, durch die Charakterisirung des Messenio wie dort durch die 
des Neoptolemos. Für den Curculio ist zu beachten, daß Palinurus nach 
dem Auftreten Curculios verschwindet und nicht eigentlich eine Vertrauten- 
rolle spielt. 

2) v. Arnim p. 85. 

3) Vgl. Antiphanes Neoxxig (frg. 168). ["Hgcog, IIsQixeiQouivr].] 



198 IV Die Prologe 

dieselbe Absicht zuzuschreiben ist, die bei Terenz deutlich vorliegt, 
ist eine andere Frage, die ich unten beantworten werde; wir ver- 
missen, an Terenz und das moderne Lustspiel gewöhnt, bei der 
Lektüre des Curculio nicht die fehlende Vorbereitung; anders beim 
Epidicus. 

Der Epidicus hat eine kunstgerechte Exposition in zwei Scenen: 
in der ersten berichtet der mit dem jungen Herrn zurückkehrende 
Sklave dem Epidicus die Reiseerlebnisse, die diesen sehr nah 
berühren; in der zweiten tut Epidicus hinzu was er während der 
Zeit zu Hause ausgerichtet hat *) : damit weiß der Zuschauer welcher 
Knoten sich geschürzt hat. In der folgenden Scene nimmt Epidicus 
es auf sich, dem Stratippocles aus der Verlegenheit zu helfen, da- 
mit beginnt die Handlung. Die Handlung ist ziemlich verwickelt, 
aber dem aufmerksamen Leser knüpfen sich die Fäden allmählich 
wohl zusammen 2 ). Epidicus hat dem Stratippocles während dessen 
Abwesenheit ein Mädchen vom Kuppler dadurch freigekauft, daß 
er den Alten überredet hat, es sei die Tochter, die er in seiner 
Jugend erzeugt und mit der Mutter verlassen iiat. Stratippocles 
kehrt zurück mit einer Kriegsgefangenen, die er gekauft hat ohne 
sie bezahlen zu können, Epidicus erschwindelt das Geld durch einen 
neuen Betrug und erkennt schließlich in der so Zurückgekauften 
die verlorne Tochter des Alten gerade in dem Moment, da durch 
verschiedene Umstände, zuletzt durch das Erscheinen der_einst ver- 
lassenen Mutter des Mädchens, alle seine Listen ans Licht gekommen 
sind und er sich selbst verloren gibt. Diese Handlung aber ist in 
der Weise entwickelt, daß man über den wichtigsten Punkt der 
Vorgeschichte, nämlich wie Periphanes sich von Epidicus hat dahin 
bringen lassen, die Dirne für seine Tochter zu halten, bis gegen 
Ende im Unklaren bleibt; um so auffallender als es derselbe Um- 
stand ist, der dem Epidicus die Wiedererkennung möglich macht. 

1) In den 3 Versen 46 — 48 sagt Epidicus schon worum es sich handelt, 
dem Publikum, nicht dem Thesprio, dem er es verschweigen will (59); die Verse 
darum zu streichen ist bedenklich , denn sie sind deutlicher gefaßt als 87 sq., 
die wie mir scheint die Kenntnis des Umstandes, daß Stratippocles unmittelbar 
vor dem Feldzuge den Epidicus beauftragt hatte, das Mädchen vom Kuppler 
freizukaufen, schon voraussetzen wollen. 

2) Die viel behandelten Anstöße betreffen Einzelheiten und Schäden der 
Überlieferung, kein einziger berührt das innere Gefüge der Handlung. S. Langen 
Plaut. Stud. S. 137—148. [Inzwischen hat Dziatzko Rhein. Mus. LV 104 ff. durch 
Vergleichung mit Menanders rscogyog nachgewiesen, daß Plautus die Geschwister- 
ehe am Schluß des Stückes abgeschnitten hat.] 



Epidicus ] 99 

Epidicus sagt v. 87 ego miser perpuli meis dolis senem, ut censeret 
suam sese entere filiam, das ist alles und für den an den Stil des 
alten Dramas gewöhnten Leser verwunderlich genug. Weiteres er- 
fahren wir 169 sq.: Apoeeides fragt den Periphanes, warum er 
sich schäme, genere natam bono pauperem domum ducere uxorem, 
praesertim eam qua ex tibi commemores hanc, quae domist, filiam 
prognatam; auch hier wundern wir uns mit Recht, von der bevor- 
stehenden Verbindung mit einer Frau zu hören, über deren unver- 
mutetes Wiedererscheinen nach langen Jahren der Trennung Peri- 
phanes im Laufe des Stückes (IV 1) aufs höchste überrascht wird. 
Auch sonst spricht Periphanes (III 3) nur von der filia, Epidicus 
nur von der fidicina, pater suam natam quam esse credit (353), ea 
tarn domist pro filia (357). Nach der Wiedererkennung mit Philippa 
sagt Periphanes auf die Frage quare filiam credidisti nostram? nur 
(598) servos Epidicus dixit mihi und fügt hinzu, er selbst habe sie 
ja nach der Geburt nicht wieder gesehen. Nun ist ja Periphanes 
als ein dummer alter Bramarbas charakterisirt und wir müßten uns 
wohl damit zufrieden geben, daß er dem Epidicus einfach auf sein 
ehrliches Gesicht hin geglaubt hätte; obwohl gerade das Plautus 
gewiß hervorgehoben hätte. Aber die Sache liegt ganz anders. 
Wie Epidicus (634 sq.) die Telestis wiedererkennt, fragt er: 'kennst 
du mich nicht? non meministi me auream ad te adferre natali die 
lunulam atque anellum aureolum in digitum? Epidicus ist also in 
Periphanes' Auftrage bei Philippa und ihrer Tochteff in Theben 
gewesen und hat dem Mädchen, wir wissen nicht ob offen in ihres 
Vaters Namen, einen Schmuck gebracht. Also war Epidicus der 
einzige, der die beiden Frauen von Angesicht kannte (v. 600) ; also 
war es natürlich, daß der Alte ihm glaubte, als er ihm die falsche 
Tochter brachte; also brauchte auch Periphanes, wenn er sich 
entschlossen hatte die Philippa zu heiraten, da er ihren Aufenthalt 
wußte, sie nur kommen zu lassen. Es genügt aber nicht, daß wir 
das nachträglich erfahren; es wird v. 598 und 169 vorausgesetzt 
und mußte also bekannt sein *), auch abgesehen davon, daß es ganz 
gegen die Art, sei es des Plautus sei es der neuen Komödie, ist, 
an Epidicus diese geschickte Benutzung seines Vorteils nicht hervor- 
zuheben. Ich schließe daraus mit Sicherheit, daß das Stück einen 
'Prolog' gehabt hat, in dem die Reise des Epidicus nach Theben 

1) Man könnte daran denken, daß in den Lücken nach v. 355 die nötigen 
Angaben einst gestanden hätten; aber genaue Betrachtung der Stelle zeigt, 
daß dort dafür kein Raum ist. 



200 IV Die Prologe 

und seine darauf gegründete List erzählt war. Diese Erzählung 
konnte Epidicus selbst, es konnte sie der c prologus 3 geben. Der 
Monolog I 2 hätte zur einer solchen Rede gestaltet werden können; 
Epidicus hätte vor dem Gespräch mit Thesprio eine solche Rede 
halten können: beide Möglichkeiten schließt die vorhandene Gestalt 
des Stückes aus. Also bleibt nur die dritte, daß der prologus vor 
dem Stücke auftrat und die Vorgeschichte erzählte. Denn daß im 
Original der Monolog I 2 eine genauere Erzählung enthalten und 
Plautus diese in seinem canticum fortgelassen hätte, ist ganz un- 
wahrscheinlich. Der Verlust eines 'Prologs 5 aber hat nichts unwahr- 
scheinliches; die zwei übrig gebliebenen Verse des Pseudolusprologs 
zeigen es augenfällig. 

Die Asinaria wird vollkommen exponirt durch die dem Anfang 
der Thesmophoriazusen sehr ähnliche Scene zwischen Herrn und 
Diener und den darauf folgenden Monolog des Demaenetus. Mit 
I 2 beginnt die Handlung, die sich ganz aus ihren eigenen Voraus- 
setzungen entwickelt. Das Stück bedurfte keines 'Prologs ; darum 
sagt der prologus: quod ad argumentum attinet, sane brevest 1 ) und 
spricht kein Wort vom Inhalt. Das Stück bedurfte keines Prologs 
zur Inhaltsangabe: warum denn tritt ein prologus auf? nunc quid 
processerim huc et quid mihi voluerim dicam: ut sciretis nomen huius 
fabulae. Die dann folgende Ablehnung, das argumentum zu geben, 
ist wichtig und wohl ungewohnt; sie wird mit Nachdruck vorgetragen 
und erfordert eine Pause; darum hebt der prologus neu an: nunc 
quod me dixi velle vobis dicere dicam: huic nomen graece Onagost 
fabulae. Das ist das Geschäft des prologus, auch wenn den Inhalt 
zu erzählen unnütz ist. Er beginnt mit gutem Omen, kündigt das 
Stück an und empfiehlt es kurz. Der Prolog trägt alle Zeichen 
der Echtheit und Ursprünglichkeit; der Name Maccus v. 11 reicht 
allein aus ihn gegen den Verdacht nichtplautinischen Ursprungs zu 
schützen 2 ); der einzige Vers der fehlen dürfte wäre v. 5. Aber das, 
worauf er sich zuspitzt und wozu er da ist, konnte im Original nicht 
stehen, er gehört also nur der römischen Bearbeitung an. Es ist 
die Vorstufe und Vorbildung der terenzischen Prologe: die Emp- 
fehlung v. 13 inest lepos ludusque in hac comoedia, ridicula res est 
zeigt, aus welchen Anfängen die litterarischen Erörterungen der 
terenzischen Prologe erwachsen sind. 

1) Ascon. zur Pisoniana p.2 argumentum orationis huius breve admodum est. 

2) Oben S. 82. 



Asinaria. Trinummus 20 1 

Der Trinummus beginnt mit einem Monolog des Megaronides, 
nicht eigentlich euripideisch, da er nichts erzählt, sondern nur mit 
v. 25. 26 auf die folgende Scene vorbereitet; es ist ein Anfang wie 
der der Ekklesiazusen (trotz der euripideischen Parodie) und des 
Plutos, während der Anfang der Adelphi den euripideischen ähn- 
licher ist. Das folgende Gespräch der beiden Alten gibt die voll- 
ständige Exposition, indem es uns sowohl über die Situation als 
über das Geheimnis des Stückes, das einem Teil der Handelnden 
verborgen bleibt, aufklärt. Ein zweiter Monolog des Megaronides 
schließt diese Scene ab; der folgende des Lysiteles dient allein der 
Charakterisirung, wie in der Mostellaria, und im wesentlichen auch 
das folgende Gespräch des Lysiteles mit seinem Vater. Hier aber 
wird die Handlung selbst eingeleitet, da aus der Werbung des 
Lysiteles die Verwicklung entsteht. Die Handlung hat keine Voraus- 
setzungen, die nicht durch die Exposition bekannt geworden wären; 
sie bedarf also keines 'Prologs 5 . Aber auch dieses Stück hat ein 
prologisches Vorspiel, und auch in diesem wie zur Asinaria wird 
die Erzählung des Inhalts abgelehnt : sed de argumento ne expectetis 
fäbitlae: senes qui huc venient, ei rem vobis aperient, mit demselben 
Ausdruck, den wir bei Terenz finden, nur daß dieser hinzufügt in 
agendo partem ostendent. Auch zum Trinummus folgt unmittelbar 
die Angabe des Originals, des Dichters, des Übersetzers, des Titels, 
auch hier wie vor der Asinaria mit dem si per vos lieet. Aber die 
Mitteilungen werden nicht wie dort vom prologus gegeben, sondern 
eine dämonische Figur, Luxuria, spricht völlig im Stil des prologus, 
nachdem sie in einem kurzen Zwiegespräch mit ihrer Tochter Inopia 
wie diese ihre Rolle gewahrt hat. Sie lehnt nicht lediglich die 
Erzählung des Inhalts ab, sondern erklärt vorher, daß in dem Hause 
dort, in das sie ihre Tochter hineingeschickt, ein Jüngling wohne, 
der sein väterliches Gut vertan habe und nun statt mit Luxuria 
mit Inopia wohnen müsse : vor allem aber berichtet sie, daß Plautus 
ihr den Namen Luxuria gegeben und Inopia ihr zur Tochter be- 
stimmt habe. Was diese Worte bedeuten: mihi Plautus nomen 
Luxuriae indidit und hanc mihi gnatam esse voluit Inopiam, darf 
nicht bezweifelt werden; sie bedeuten nicht, daß Plautus die 
Figuren und also die Scene erfunden habe, sondern (wie der erste 
Vers zeigt, nach dem der Sinn des zweiten sich richtet) daß er die 
Namen gebildet habe, d. h. er hat für Tgvcpij und ^Anoqla die 
lateinischen Namen gegeben. Schon daraus folgt, daß das Vorspiel 
aus dem Original stammt und zugleich zeigt sich deutlich, daß 



202 IV Die Prologe 

dieser Stelle erst Plautus die dem Stil des prologus entsprechende, 
die Illusion negirende Form gegeben hat, wie die zweite Stelle 
gleicher Art 1 ), in der die Notizen über das Original der Komödie 
und die beiden Dichter mitgeteilt werden (18 sq.), sich als Einlage 
ohne weiteres kund tut — freilich nicht als eine nachplautinische. 
Wie jene Verse im Original gefaßt waren, das mag uns das Muster 
jenes Vorspiels zeigen, das Zwischenspiel des Herakles: ftagoefre 
Nvxrog Trjvft OQcbvxsg exyovov Avooav , yegovTeg, xäjue rrjv ftecöv 
Mtqiv 7 Iqiv. Denn an dieses Muster ist mit mehr Recht zu denken 
als an das Zwiegespräch der Götter vor Alkestis und Troades 2 ). 
Ein anderes Beispiel aber zeigt uns, wie die Form jenes Zwischen- 
spiels auch für den Prolog der Tragödie verwendet worden ist. 
Wie Iris die Lyssa ins Haus des Herakles treibt, Luxuria die Inopia 
in das des Lesbonicus, so im Eingang von Senecas Thyestes die 
Furie den Schatten des Tantalus ins Haus des Atreus; über Euri- 
pides' Thyestes lernen wir daraus leider nichts, denn Seneca bildet 
seine Prologe absichtlich anders als die Vorgänger, wohl aber für 
das Fortwirken des Motivs in der Tragödie. Im Original stand 
also das Vorspiel ; aber daß auch dort der Inhalt nicht vorher er- 
zählt wurde, verbürgt uns die Exposition und Anlage des Stückes 
selbst. Welchen Zweck hatte also das Vorspiel? keinen andern als 
im Herakles das Zwischenspiel: den Zweck Stimmung zu machen, 
den Sinn der Zuschauet 1 gespannt auf das Schicksal des Helden zu 
richten, ihnen zu sagen von welcher Art das Schicksal ist und sie 
erwarten zu lassen in welchen Taten und Ereignissen es sich voll- 
ziehen wird. Ins Komische übersetzt würde das Vorspiel von Tgvcpr) 
und 'Ajiogia genau denselben Zweck erfüllen. Die plautinische 
Luxuria hebt sich und ihre Wirkung freilich selber auf; ich werde 
unten zeigen, daß sie das bis zu einem gewissen Grade im Original 
auch getan haben kann, aber sicher nicht so grob wie in der plau- 
tinischen Bearbeitung, die gerade hierdurch zeigt, daß sie nicht vom 
Urheb er der Erfindung herrührt 3 ). Es scheint mir ausgeschlossen, 

1) Vgl. Trautwein S. 23 ff. 

2) Frantz S. 57. 

3) Inopia wird einfach ins Haus geschickt: Mae sunt aedes, i intro nunc- 
iam. Aber durch die Haustür kann sie unmöglich eintreten, denn da wohnt 
jetzt Callicles und ist der erste, der heraustritt. Sie geht natürlich ins Hinter- 
haus, durch eine Seitentüi*, und ich zweifle nicht daß es auf der Bühne noch 
nachträglich von bedeutender Wirkung sein muß , wenn v. 194 auf die Frage 
ubi nunc adulescens habet? Callicles auf die Seitentür zeigt und sagt posticulum 
Jioc recepit. 



Trinummus. Stücke mit Trolog\ Captivi 203 

daß der Prolog Form und Inhalt, wie sie vorliegen, durch nach- 
trägliche Überarbeitung erhalten hätte; allein die Arbeit des Über- 
setzers macht beide verständlich, v. 18 sq. können nicht gesondert 
von v. 8 sq. beurteilt werden; der Anlaß aber, warum Plautus das 
Vorspiel des Originals veränderte, liegt in v. 18 sq. vor: es sind 
dieselben Notizen fürs Publikum, die den ganzen Inhalt des Asinaria- 
prologs ausmachen. 

In welche Reihe die 'Prologe* zu Pseudolus und Vidularia ge- 
hören, kann ich erst nachweisen nachdem ich die übrigen besprochen 
habe; zunächst schließen sich die gleichfalls von der Handlung ge- 
lösten Vorreden an; es sind die zu Captivi Casina Menaechmi 
Poenulus Truculentus. 

Die Erfindung dieser 5 Stücke stimmt in einem Punkt überein, 
wenn sie auch von Plautus sehr verschieden behandelt sind. Alle 
fünf spitzen sich in der Handlung auf ein Moment zu, auf das der 
Zuschauer durch die Exposition der handelnden Personen nicht 
oder nicht ungezwungen vorbereitet werden konnte. Sonst sind sie 
nicht in gleicher Weise aufgebaut; die Prologe (im aristotelischen 
Sinne) beginnen, nach Ablösung des vom Stücke sich selbst lösenden 
'prologus 3 , in dreien mit Monologen euripideischer Art, in Casina 
und Poenulus dialogisch. Auch hier kann ich es nicht vermeiden, 
mit wenigen Worten auf die Analyse der einzelnen einzugehn. 

Captivi, Menaechmi und Truculentus sind (von den 'Prologen' 
noch abgesehen) ohne Zweifel im wesentlichen Reproduktionen der 
Originale. Die Captivi beginnen mit dem Monolog des Parasiten, 
der in der typischen Weise sich und sein Handwerk charakterisirt ; 
ihm droht Gefahr durch die Gefangenschaft seines jungen Gönners: 
dies gibt den Anlaß, kurz die Situation zu erklären, v. 92 — 101. 
Die Gefangenen stehen während dessen auf der Bühne, wie Orest 
in Eumeniden und Orestes, Hekabe in den Troades. Durch die 
zweite Scene, das Gespräch des Hegio mit Ergasilus, erfahren wir 
nur den einen Umstand hinzu, daß der gefangene Sohn Hegios sein 
einziger ist (v. 147), ohne das Ethos empfinden zu können, das in 
dem Worte liegt. Sonst dient die Scene nur zur Einführung Hegios 
und zur Schilderung der Stimmung in den beiden Gegenbildern des 
Vaters und des Parasiten mit ihrer belustigend gegensätzlichen Auf- 
fassung des Unglücks. Der Handlung werden wir keinen Schritt 
näher geführt, denn der Gang zum Bruder (v. 126), der nachher 
wichtig wird, unterbleibt vorläufig (194): die vorher ausgesprochene 
Absicht ist nur eine schwächliche Motivirung für Hegios Auftreten ; 



204 IV Die Prologe 

wenn nicht der Dichter die innere Unruhe des Alten auch durch 
dieses Mittel ausmalen wollte und für die Wirkung des Motivs auf 
die Kunst des Schauspielers rechnete. Mit der folgenden Scene, 
der Unterhaltung der Gefangenen, beginnt die Handlung. Die Ex- 
position (I 1 . 2) ist also vollkommen nach der Art der euripideischen 
Prologe durchgeführt. Nun liegt aber der Angelpunkt der Hand- 
lung in der Doppelnatur des Tyndarus, von der wir nichts ahnen 
bevor v. 759 Hegio sagt perdidi unum filium, puerum quadrimum 
quem mihi servus surpuit. Die Absicht des Dichters aber geht so 
offenbar darauf, gerade während der Handlung bis v. 750 den Zu- 
schauer dies empfinden zu lassen, daß der Sohn des Hegio seinen 
Herrn befreit und seinem Vater das Herzeleid antut, für seinen 
Herrn durch seinen Vater leidet, daß der Vater das Ziel seiner 
Sehnsucht mit Händen greift während er in Zorn und Schmerz ver- 
geht, so offenbar ist diese Absicht des Dichters, daß kein Zweifel 
sein kann, er hat den Zuschauer sowohl über den Verlust des Kindes 
wie über dessen Anwesenheit im Hause des Vaters aufgeklärt. Im 
Stück handelt aber keine Person, die das hätte tun können. Tyn- 
darus kennt seine Herkunft nicht (vgl. 1023) und der Dichter hat 
sehr wohl getan, ihn völlig im Ungewissen zu lassen; Hegio könnte 
nur über den Raub, nicht über die Rückkehr des Sohnes Auskunft 
geben. Der Natur des Stoffes und der festen Technik des Dramas 
folgend mußte der Dichter die Vorgeschichte durch eine der Hand- 
lung fernstehende Figur erzählen lassen; Euripides würde zu diesem 
Zweck einen Gott eingeführt haben, wie im Prolog des Ion; der 
Komödiendichter hätte einen "EXey%og oder 3 Ayjq, Arcturus oder 
Auxilium verwenden können; bei Plautus finden wir den prologus. 
Dieser zeigt zuerst dem Publikum die beiden Gefangenen, wie 
Poseidon Tro. 36 zrjv d' äftMav rrjvd'' et reg elooQäv fielet, ndqeoxiv 
"Exäßrj xeijuevfj nvköw naQog, dann bringt er gleich die Hauptsache 
vor: Hegio est huius pater; und wie der zum Sklaven seines Vaters 
geworden, das will er erzählen. Die Erzählung bis v. 23 (rationem 
habetis, quo modo unum amiserit) enthält den in der Exposition nicht 
gegebenen aber zju wissen nötigen Teil der Vorgeschichte; im 
folgenden (24 — 51) wird einerseits dasselbe erzählt was Ergasilus 
dann kürzer berichtet und ausführlicher berichten konnte (23 — 34), 
aber es wird so erzählt, daß es in dem Verhältnis des Tyndarus zu 
Hegio gipfelt, wie wenn durch die Erzählung nur dieser Umstand 
recht hervorgehoben werden sollte (vgl. zu v. 46 sq.); dann wird 
die Handlung, die sich im Stück entwickeln soll, vorausgesetzt, in 



Captivi. Menaechmi. Amphitruo 205 

der Weise der euripideischen Eingangsreden, die von übermensch- 
lichen Wesen gesprochen werden 1 ). Dann die Empfehlung des 
Stückes 2 ). Hier ist, wie deutlich zu sehen, nichts was nicht dem 
Original gehört oder gehören kann. 

Auch die Menaechmi werden durch den typischen Monolog des 
Parasiten eingeleitet. Für die Handlung erfahren wir durch ihn 
nur, daß der epidamnische Menaechmus ein reicher und wohl- 
lebender, durch die folgende Scene (I 2), in der Menaechmus hinzu- 
tritt, daß er ein Mann von lockeren Sitten ist; wie er zu seinem 
Reichtum gekommen, erfahren wir durch das Stück überhaupt nicht, 
nur daß er eine dotata zur Frau hat. Die Scene I 2 wie die folgende 
mit Erotium dienen, gleich den entsprechenden der Mostellaria, sonst 
nur der breiten Ausmalung, doch knüpfen sie durch den Mantel- 
diebstahl und die Vorbereitung des prandium einzelne Fäden der 
folgenden Verwicklung an. Dann (II 1) erscheint der andere Menaech- 
mus, der dem vorwitzig fragenden Messenio kurz, um den Frager 
abzuweisen, die oft gehörte Antwort gibt, daß er seinen verlorenen 
Zwillingsbruder suche; mehr erfahren wir nicht, die näheren Um- 
stände erst in der Erkennungsscene am Schluß. Jene Scene (III) 
gehört noch zur Exposition, der Suchende tritt auf nach dem Ge- 
suchten, wie in der taurischen Iphigenie, Elektra, Ion; die Hand- 
lung beginnt mit der ersten Verwechselung, II 2. Nun hätte der 
Dichter wohl auch dem ersten Menaechmus, der sich seiner Ent- 
führung erinnert, d. h. nach dem Plan der Erkennungsscene erinnern 
muß (v. 1112), bei seinem ersten Auftreten Worte in den Mund 
legen können, die mit denen des andern zusammen einen modernen 
Leser genügend vorbereitet hätten; aber der Stoff ist entschieden 
von der Art, die nach der Technik des Euripides und der Komödie 
eine Einleitungsrede verlangt und diese nur von einer außerhalb 
der Handlung stehenden Figur erhalten kann. Die bestätigende 
Analogie, in Ähnlichkeit und Verschiedenheit, gibt der Amphitruo, 
das mythologische Gegenstück der Menaechmi, der Stoff an dem 
Hermippos und Piaton die Verwechselungskomödie der Aidvjuoi vor- 
gebildet haben. Dort führen Götter die Handlung und können 
freilich ihre Vorbedingungen angeben; aber auch dort geschah es 
nicht allmählich im Verlaufe des Stücks, sondern in einer Einleitungs- 
rede (Piaton Nv$ juaxQa), auf deren auffallende Ähnlichkeit mit dem 



1) v.Arnim S. 86. 

2) Oben S. 200. 



206 TV Die Prologe 

prologus Mercurs im (nachalexan drisch en) Ämphitruo Prantz S. 40 
aufmerksam gemacht hat ; so daß wir auch die prologartigen 
Zwischenreden des Ämphitruo älterer Erfindung zuschreiben dürfen. 
Das Original der Menaechmi hatte also sicher einen c Prolog' und 
eben so sicher einen, den entweder ein überirdisches Wesen oder 
der prologus sprach; daß den erhaltenen der prologus spricht, ist 
also innerlich und äußerlich motivirt. Er ist weitschweifig und 
witzelnd, aber erzählt gerade die Dinge ausführlich die vor der 
Handlung zu erfahren not tut; auf die Handlung geht er nur, und 
zwar auf ihre Einleitung, mit ein paar Worten ein (69 sq.). 

Die Handlung des Truculentus besteht in der Überlistung der 
drei Liebhaber; sie beginnt erst mit dem Auftreten der Phronesium 
v. 352 (II 4), aber ihre Anfänge, besonders wie Diniarchus von 
Astaphium wieder angelockt wird (I 2), greifen stärker als in einem 
der übrigen Stücke in die Exposition hinüber. Diese beginnt mit 
dem Monolog des Diniarchus, der vom Liebhaber handelt und die 
Person durch den Typus illustrirt, wie die Parasitenprologe vom 
Parasiten. Wir hören über ihn und Phronesium, den miles und 
das untergeschobene Kind (77 sq.), dann durch Astaphium und ihr 
Gespräch mit dem Truculentus über Strabax und das Ereignis der 
letzten Nacht (v. 246) genug, um den Verlauf des ganzen Stückes 
zu verstehen; die Exposition wird von der Figur der Astaphium 
beherrscht, die in einer Reihe zierlicher Scenen auf ihr Vorbild, 
das Urbild der vollkommenen Hetäre, hindeutet. Aber die Ent- 
wicklung, die gegen Ende des Stücks (770 sq.) die Geschichte des 
Diniarchus nimmt, ist gar nicht vorbereitet; die Ausführung ist von 
der Art, daß man sich wohl zum Schluß die Sache notdürftig zu- 
sammenreimt, sie aber während der Handlung nicht versteht; offen- 
bar ist die Kenntnis der Vorgeschichte vorausgesetzt. Besonders 
über die beiden Verlobungen der Tochter des Callicles erhält man 
nur dunkle Andeutungen (771. 825. 848). Es handelt sich um ein 
geheim gebliebenes stuprum von der oben S. 159 besprochenen 
Art; es ist ganz klar, daß das Original eine Vorrede gehabt hat. 
Auch hier ist die Erfindung von der Art, daß keine Person des 
Stückes volle Auskunft geben konnte, nur über die eine Hälfte, 
das Verhältnis zu seiner früheren Braut, Diniarchus, über die andere, 
die Unterschiebung des Kindes, Phronesium und ihre Helferinnen; 
so daß auch hier im Original die Einleitung nur von einer dämo- 
nischen Person oder dem prologus gesprochen werden konnte. Die 
erhaltene Rede des prologus ist im Anfang von Plautus selbst frei 



Truculentus. Casina 207 

gestaltet ; der vermißte Teil der Vorgeschichte fehlt durch Schaden 
der Überlieferung, er stand in der Lücke nach v. 17. 

Casina und Poenulus haben beide dialogische Exposition; beide 
Stücke haben auch das gemein, daß sie nicht ein griechisches 
Original einfach reproduciren, sondern nachweislich von Plautus um- 
geändert sind, Casina durch Weglassen einer Hauptperson und eines 
Hauptmotivs der Handlung, Poenulus durch Verbindung mit Teilen 
eines andern Stückes. Die Möglichkeit ist also für beide Stücke 
in Betracht zu ziehen, daß durch die Änderungen auch ihre An- 
fangsscenen betroffen worden sind. Von der Casina läßt sich in- 
dessen ohne weiteres sagen, daß die Exposition die des Originals 
ist. Die erste Scene mit dem Redegefecht des Stadt- und Land- 
sklaven hat bei aller Verschiedenheit des Stoffes eine so starke 
Ähnlichkeit mit der Eingangsscene der Mostellaria, in der Gegen- 
überstellung der beiden Charaktere und in Einzelheiten 1 ), daß die 
Nachahmung des einen attischen Dichters durch den andern, also 
doch w r ohl des Philemon durch Diphilus, unzweifelhaft scheint; die 
erste Scene der Casina war also die erste der KXy\qovixevoi. Über 
den bevorstehenden Kampf um das Mädchen unterrichtet das Ge- 
spräch zur Genüge (v. 96. 1 06 sq.), der folgende Monolog der Cleo- 
strata über die Verliebtheit des Alten (150 sq.), das Gespräch mit 
Myrrhina über die Person der Casina (193 sq.); dann wird der alte 
Liebhaber durch seinen Monolog charakterisirt, gleich danach beginnt 
die Handlung, für deren Verständnis der Zuschauer wahrlich keiner 
andern Vorbereitung als der im Stück gegebenen bedurfte. Über 
Casina mehr zu wissen, als daß sie eine hübsche Dirne ist, war für 
diese Handlung ganz überflüssig. Unklar bleibt, warum der Sohn 
so entschieden sie dem Chalinus zu geben wünscht; freilich tritt 
der Sohn nicht auf, da Plautus seine Rolle gestrichen hat, aber es 
wäre leicht gewesen, einer der andern Personen die Aufklärung 
über die Absichten des jungen Mannes in den Mund zu legen. 
Daraus daß Plautus das nicht getan hat folgt, daß er eine Inhalts- 
angabe vorausgeschickt hat, d. h. daß der erhaltene 'Prolog 5 in der 
Hauptsache von Plautus herrührt 2 ). Er hat also den prologus be- 

1) Vgl. v. 103 und Most. 8; v. 120 sq. und Most. 18 sq. 

2) In der Tat kann, von der Überarbeitung des Einzelnen abgesehen, 
wenn man v.5— 20 als Einlage aussondert, der ganze Prolog plautinisch sein. 
Besonders kommt es auf die Beurteilung der didaskalischen Verse 31 — 34 an; 
da scheint es mir aber einleuchtend, daß die witzige oder witzelnde Ein- 
führung des Namens Plautus y. 34 (cum latrante nomine) nach v. 11 sq. (sütdiose 



208 TV Die Prologe 

müht, obwohl sein Stück keinen Prolog brauchte ; das ist der erste 
Fall derart der uns begegnet, und, um das vorwegzunehmen, der 
einzige Fall derart. Die Lösung dieser Schwierigkeit gibt uns nun 
grade der Prolog, zusammen mit der Nachrede des Stückes (1012 sq.), 
an die Hand. Wir erfahren, daß Casina ein von der Mutter aus- 
gesetztes Kind ist, das ein Sklave des Lysidamus der Mutter ab- 
genommen und seiner Herrin gebracht hat; wir erfahren weiter, 
daß der Nachbar, Alcesimus, der Yater des Kindes ist und daß 
Euthynicus, der Sohn des Lysidamus, der sie liebt, sie auch heim- 
führt. In welcher Weise der avayvoiQiofxog stattfand, welche Rolle 
Euthynicus dabei spielte, wissen wir nicht; aber sicher griff der 
Sklave, der das Kind ins Haus gebracht hatte, hier in die Hand- 
lung ein; denn wie Euthynicus' Abwesenheit durch einen Witz 
motivirt wird (64 sq.), so die des Sklaven v. 37: in morbo cubat; 
er trat also im Original auf so gut wie Euthynicus. Aber weder 
er noch Cleostrata noch Alcesimus oder Myrrhina konnte die Vor- 
bedingungen der ävayvcoQioig genügend aufklären, d. h, die Hand- 
lung, die wir durch Prolog und Epilog kennen lernen, bedurfte 
einer Erzählung der Vorgeschichte, die wiederum nur eine außer- 
halb der Handlung stehende Figur geben konnte. Das Stück des 
Diphilus brauchte einen 'Prolog', also hatte es einen; das Stück 
des Plautus brauchte keinen, aber es hat einen, und zwar einen 
der dem Stück des Diphilus gilt; also ist der erhaltene Prolog dem 
des Originals nachgebildet 1 ). 

expetere vos Plautinas fabulas) ganz ihren Sinn verliert, sie ist nur verständlich 
als komische Verbeugung des Dichters oder seines Schauspielers bei der ersten 
Ankündigung. Daraus folgt, daß Plautus dem Stück den Namen Sortientes 
gegeben hat und Casina der jüngere Titel ist; nicht umgekehrt, wie Ritschl 
eben aus dem Prolog folgerte. — Dafür daß v. 67 sq. von Plautus herrühren, 
genügt es auf Stich. 446 sq. zu verweisen. 

[1) S. o. S. 168, Plaut. Cant. 104 ff., Monol. im Dr. 54. In den Ausführungen 
von Legrand Rev. des fit. gr. 1902 S. 376 ff. (Daos S. 594), Ant. Schmitt De Pseud. 
Plaut, exemplo att., Straßburg 1909, S. 60 ff., W. Süß Rhein. Mus. LXV457ff. 
sind die Grundlagen der Untersuchung, nämlich erstens Plautus' eigne Angaben 
über seine Verkürzung des Originals und dessen ursprüngliche Führung (wobei 
es nicht auf Worte, sondern auf den ganzen Tenor ankommt) und zweitens das 
Verhältnis des Prologs zum plautinischen Stück, außer acht gelassen. Wider- 
legt ist also von meinen Aufstellungen nichts. Aber in zwei Punkten muß 
man weiterkommen. Erstens: wie wurde bei Diphilos Lysidamus um seinen 
Erfolg gebracht? Darauf verlangt Skutsch Rhein. Mus. LV282 mit Recht eine 
Antwort. Das v. 589 eingeleitete, 620 ff. ausgeführte Motiv wird mit v. 758 
ohne weiteres fallen gelassen; es ist nicht mehr die Rede von der wütenden 



Casina. Poenulus 209 

Die Composition des Poenulus habe ich oben 8. 170 ff. analysirt 
und mußte dort bereits die Sonderbarkeiten der Exposition be- 
rühren. Die erste Scene zeigt uns das typische Gespräch zwischen 
dem Herrn und dem Diener, dem jener seinen Liebesschmerz er- 
zählt (152 sq.) Wie ungenügend diese Erzählung ist und wie wenig 
sie das Verhältnis des Agorastocles zum Kuppler aufklärt, kann 
man sich, wie S. 176 bemerkt, an der Eingangsscene des Curculio 
recht deutlich machen. Unmittelbar an diese Verse schließt sich 
der Plan an, den Milphio ohne Nachdenken und Vorbereitung fertig 
vorträgt (v. 163 — 189); dann beginnt Agorastocles sofort mit der 
Ausführung (193 sq.), Milphio spricht einen kurzen Monolog ohne 
Inhalt, dann erscheinen die Mädchen. Die folgende Scene ist eine 
die Situation breit ausmalende Scene wie die entsprechenden der 
Mostellaria und andrer Stücke; danach (I 3) fahren Herr und Diener 
in der Ausführung des Planes fort; der Kuppler erscheint in einer 
gleichfalls dem Curculio ähnlichen Scene, der miles wird eingeführt, 
dann folgt die Überlistung. Wir können jetzt sagen, daß und in 
welchem Punkt sich diese Exposition von sämtlichen anderen unter- 
scheidet. Unter den Stücken des Plautus sind 1 1 Intrigenstücke : Asi- 
naria Bacchides Captivi Curculio Epidicus Miles Mostellaria Persa 
Poenulus Pseudolus Trinummus, mit wenigen Ausnahmen (Capt. 
Cure. Trin.) ist der erfinderische Sklave der Träger der List. Die 
List wird angezettelt Asin. II 2, Bacch. II 3, Capt. II 1, Cure. 113, 
Epid. II 2, Mil. II 2, Most. II 2, Pers. I 3, Pseud. I 5, Trin. III 3. In 
den meisten dieser Stücke beginnt die Handlung grade mit der 
Erfindung des Überlistungsplanes, in Asin. Bacch. (Cure.) hat sie 
kurz vorher begonnen, im Trinummus wird die List erst nach dem 
ersten Teil der Handlung erforderlich, in Epid. Most. Pseud. macht 



Casina. Das Verkleidungsmotiv tritt v. 769 unvermittelt auf. Dieser Plan 
stammt von den beiden Frauen her ebenso wie der von der rasenden Casina 
(687 era atque liaec dolum ex proximo hunc prottilerunt) ; aber es ist kein Über- 
gang vorhanden. Vielleicht darf man daraus schließen, daß die Raserei das 
Motiv des Diphilos ist, das zur Herbeiführung des dvayvcoQtofiog benutzt wurde, 
und die Verkleidung (759 — 1011) das von Plautus hinzugefügte. Zweitens: 
Casina ist die Tochter nicht nur des Alcesimus, sondern gewiß der Myrrhina; 
eine Verwicklung der häufigen, jetzt auch in der Perikeiromene vorliegenden 
Art. Myrrhinas Anwesenheit bei den Vorbereitungen zur Hochzeit aber wird mit 
großer Beflissenheit herbeigeführt und geschildert. Hier war die Gelegenheit, 
daß die Mutter darauf geführt wurde, ihr Kind wiederzuerkennen. Auch dies 
spricht dafür,, daß ein Teil der auf die Losung folgenden Handlung dem Original 
angehört. Nach v. 758 mag Euthynicus zurückgekehrt sein.] 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 14 



210 IV Die Prologe 

sich der Sklave schon in der vorhergegangenen Scene anheischig, 
den rettenden Gedanken zu finden ; aber auch wo er gleich fertig 
vorgetragen wird, wie in Captivi und Persa, beginnt nicht das Stück 
damit 1 ). Das ist, wie wir nun wissen, nicht etwa zufällig oder 
willkürlich, es ist in der Natur der Sache begründet. Die Intrige 
ist das Gerüst der Handlung; bevor aber die Handlung aufgebaut 
wird, muß der Zuschauer mit ihren Vorbedingungen bekannt sein; 
mindestens eine Scene, die bis zum Auftreten einer neuen Person 
reicht, sei es Dialog oder Monolog, soll dieser Vorbereitung dienen 
und von den Elementen der Handlung selbst völlig rein gehalten 
werden. Dieses Gesetz der Komödie haben wir bisher in allen 
Fällen befolgt gefunden und wir werden kein Stück finden in dem 
es verletzt ist, außer dem Poenulus; dadurch wird die oben als 
Vermutung vorgetragene Ansicht zur Gewißheit: nicht Menander 
oder wer sonst der Verfasser des Kag^rjödriog war hat das Gesetz 
verletzt, sondern Plautus, als er die Handlung eines andern Stückes 
mit der Exposition des KaQ%r]d6viog zu verbinden suchte 2 ). 

Die ävayvd)Qioig auch dieses Stückes ist von der Art, daß weder 
Syncerastus oder die Mädchen noch Hanno oder Agorastocles ihre 
Vorbedingungen vollständig mitteilen konnte; so erfahren wir denn 
v. 900 das erste über die karthagische Abstammung des Agora- 
stocles; das Auftreten Hannos ohne Vorerzählung würde die beab- 
sichtigte Wirkung völlig verfehlen. Also auch der Kagx^dovioc 
hatte eine von der Handlung gelöste Vorrede. Der erhaltne Prolog 
hat zum Schluß doppelte Fassung, und auch an anderen Stellen, in 
der ersten wie in der zweiten Hälfte, sind geänderte und ein- 
gedichtete Partien mit Sicherheit nachgewiesen; daß aber das argu- 
mentum nicht von Plautus herrühren sollte, ist auf keine Weise 
wahrscheinlich zu machen. Unmittelbar vorauf geht ihm die didas- 
kalische Notiz (53. 54), die zwar verstümmelt aber ganz gewiß ur- 
sprünglich ist. Die Erzählung der Vorgeschichte ist sehr richtig 
disponirt: die Geschichte des Agorastocles v. 59 — 78, aus der wir 

1) In der jüngeren Tragödie finden wir das komische Motiv, die durch 
den Zwang der Umstände plötzlich gebotene Erfindung eines rettenden An- 
schlags, in Pacuvius' Periboea (v. 284 sq.). 

2) Von einem verlornen Stück des Plautus, den Commorientes, wissen wir 
daß er eine Anfangsscene fortgelassen hat: im ersten Teil der 2vva.7zo&vfio- 
xovtes des Diphilus stand die Scene Ter. Ad. III, die hat Plautus gestrichen; 
Terenz sagt, die Scene sei in prima fabula gewesen ; es ist aber nicht glaublich 
daß sie zur Exposition gehörte, die Handlung wird mit ihr begonnen haben, 
wie bei Terenz, 



Poenulus. Däraonenprologe: Aulularia 211 

auch den Ursprung seines Reichtums erfahren; die Geschichte der 
Mädchen v. 84 — 103, die auch den Kuppler und miles einführt; die 
Nachforschungen Hannos und seine Ankündigung v. 1 04 sq. Die 
Erzählung enthält über den Kuppler zwei Bemerkungen, die die 
Handlung ergänzen (94. 98), und eine wichtige Ergänzung der 
Charakterisirung des Hanno selbst, v. 106 — 111, über seine Methode 
beim Suchen der Mädchen, sehr hübsch und stilgerecht und 
schwerlich spätere Erfindung, schwerlich auch eigene Erfindung des 
Plautus, vermutlich ein Motiv das er hat unter den Tisch fallen 
lassen, als er das Stück zustutzte. Die Erzählung bezieht sich nur 
auf den KaQ%Y}d6viog und die ihm nachweislich gehörigen Personen 
und Motive, nicht auf die des hinzugenommenen Stückes; darauf 
lege ich kein Gewicht, da nicht von der Überlistung des Kupplers 
zu reden nötig war, sondern von den Bedingungen der ävayvcoQioig. 
Aber es ist ohnedies deutlich, daß wir die plautinische Bearbeitung 
der Vorrede des KaQyv)dovioc, vor uns haben. 

An dem plautinischen Ursprung der übrigen 'Prologe (Amph. 
Aul. Cist. Merc. Mil. Rud.) besteht kein berechtigter Zweifel; daß 
sie aus dem Original stammen, ist mit wenigen Worten nachzu- 
weisen *). Aulularia und Rudens haben gemein, daß ihre Einleitungs- 
reden von göttlichen Wesen gesprochen werden, die der Dichter 
durch gefällige Erfindung äußerlich an die Handlung angeknüpft 
hat; sie stehen der besprochenen Reihe am nächsten oder vielmehr 
gleich. Die Handlung der Aulularia beginnt II 1 mit der Werbung 
des Megadorus, in deren Verfolg das stuprum ans Licht kommen 
muß; die vier Scenen der Exposition (zwei Dialoge zwischen Euclio 
und Staphyla und je ein Monolog) deuten die Vorgeschichte nur 
an, vor allem charakterisiren sie den Geizhals; sowohl die Vor- 
geschichte des Schatzes als das stuprum (erst IV 7 tritt Lyconides 
auf) mußten berichtet werden, von einem Gott oder 'prologus^ 2 ). 
Die Handlung des Rudens beginnt nach schöner Exposition I 3 mit 
dem Auftreten der Schiffbrüchigen; die ärayvcogtoig wird v. 106 
schon angekündigt, aber sie verlangt die Erzählung der Vor- 

1) Über den Mercatoiprolog S. 151. 131. Auch das Verhältnis des Heau- 
tontimorumenos zu ihm beweist die Echtheit (S. 164 A. 1). 

2) Vgl. Schuster quomodo PI. att. exempl. tränst. 26. Antiph. frg. 206, 3 
und Aul. 386. Lar familiaris im Original der rjgcos der Familie, der vor dem 
Hause steht? Kallim. epigr. 24 und Kaibel 841 (a. 149 p.Chr.), HerodotVI69, 
vgl. Petersen Ath. Mitt. 1886 S.294. [Usener Götternamen 251 A. 10, Wilamo- 
witz Choephoren S. 226.] 

14* 



212 IV Die Prologe 

geschiente wie in allen ähnlichen Fällen. Die Rede des Areturus 
enthält Momente, die im Stücke selbst hätten angebracht werden 
können, aber offenbar nach der Intention des Dichters im Prolog 
stehn, Momente die teils für die Charakterisirung wichtig sind 
(Demones ist kein politischer Flüchtling, Charmides ein Landes- 
verräter), teils Nebenzüge ganz ursprünglicher Art (43 eam vidit 
ire e ludo fidicinio domum, amare occepit vgl. Phorm. 80 sq.): so 
gewiß der erste Teil attisch ist 1 ), so gewiß das argumentum. Die 
direkte Abkunft dieser allegorischen Prologfiguren, des "Ekey/og, 
'Arjg, <P6ßog in der vea 2 ), denen die KaXhyeveta in den zweiten 
Thesmophoriazusen , Aognla im Herakles des Philyllios 3 ) vorauf- 
gehen 4 ), von den euripideischen Prologgöttern ist oft besprochen 5 ). 
In dieselbe Reihe tritt die Rede des Auxilium in der Cistellaria 6 ) ; 
nur die Anlage der Exposition ist verschieden. Das Stück hat 
ein Vorspiel, in dem ein Bild des Hetärenlebens vorgeführt aber 
auch die Handlung exponirt wird. Die zurückbleibende Kupplerin 
erzählt dann, nicht ohne Motivirung (v. 120 — 122), aber in euripi- 



1) Marx Greifsw. Progr. 1892/93. 

2) Meineke Men. et Phil. p. 284. Rutilius Lupus II 6 p. 15 H. ["Ayvota in 
der IlEQixeiQOfiEvrj,"HQcog fteog in dem nach ihm benannten Stück, vgl. S. 211 
A. 2 und Hermes XLIII 127; zum ^dopa vgl. Hermes XLIII 127 und Körte Men. 
p. L; Dionysos (nach Kaibel Nachr. d. Gott. Ges. 1899 S. 551, ein andrer nach 
Reitzenstein Hermes XXXV 623) in dem Straßburger Prolog, vgl. Weil Et. de 
litt. S. 20 ff. Eros und Aphrodite in den Spielereien des Papyrus von Ghorän 
ß. C. H. XXX 141.] 

3) Frantz p. 14. 

4) Und wahrscheinlich Nv£, nach Chorikios (adesp. 819 K.) el xcopcoöiav 
sjirjyysllofjLYjv, slofjyov av ev ei'ösi yvvaixög sxarsgav (Tag und Nacht), ooojieq ztjv 
Nvxra zajv xco/uixcov zig. — Remeligo bei Afranius v. 277, richtig erklärt von 
Ph. Pabia rev. de phil. 1894 S. 139 ff. und Priapus bei demselben v. 402: Macr. 
VI 5, 6 qui in prölogo ex persona Priapi ait 'nam qmd vulgo praedicant aurito 
me parente natum y non ita est\ 

5) Zuerst in richtigen Zusammenhang gebracht und mit allen verfügbaren 
Beispielen der Komödie belegt von Dziatzko Luz. Progr. S. 9 ff. 

6) Wir haben eine deutliche Spur, daß die römischen Dichter solche 
Prologe gelegentlich vor ihren Übertragungen attischer Tragöden auftreten 
ließen. Daß Amph. 41 ut alios in tragoediis vidi, Neptunum Virtutem Victoriain 
Martern Bellonam, commemorare quae bona vobis fecissent (Mercurius spricht als 
prologus) nicht anders zu deuten ist, hat Ladewig in Fleckeisens Jahrbüchern 
1869 S. 473 ff. richtig bemerkt, vgl. Schuster in der S. 211 A. 2 angeführten Abh. 
S. 53; nur sind die praetextatae vor 570 zu dünn gesät als daß man die An- 
spielung auf sie beschränken dürfte. Die Stelle dem Plautus abzusprechen 
liegt aber kein Grund vor. 



Dämonenprologe: Rudens, Cistellaria 213 

deischer Weise aus der Illusion fallend 1 ), was ihr von der Vor- 
geschichte des ävayvcoQiojuog, der die Verwicklung des Stückes lösen 
soll, bekannt ist; sie hat das Kind gefunden und weitergegeben; 
aber woher es gekommen, ist ihr nicht bekannt. Das fügt, nach 
ihrem Abgang, Auxilium als prologus hinzu; und da er einmal in 
dieser Rolle steht, erzählt er dazu auch gleich die Geschichte des 
Liebespaares (188 nunc quod relicuom restat volo persolvere). Danach 
beginnt die Handlung. Diese Folge zweier jigohoylCovreg ist ein 
singulärer Fall; die Monologe zu Anfang des Stücks, denen ein 
Prolog voraufgeht, sind von andrer x^rt, da hier auch die Kupplerin 
aus der Rolle fällt. Aber es ist doch im Grunde nur die Ver- 
teilung der dirjyrjoig zwischen zwei Personen, wie in den euripi- 
deischen Tragödien mit avayvwgioig zuerst der eine, dann der andere 
Teil auftritt und das Seinige berichtet. Die Vorgeschichte ist ver- 
wickelt, es bedurfte der Erzählung nach dem für solche Art der 
Erfindung feststehenden Gebrauch, obwohl in einer folgenden Scene 
(II 3) der Zuschauer in den Zusammenhang nochmals ausführlich 
eingeweiht wird; ja wir sehen aus v. 125—132 (126 — 129, die im 
Ambrosianus fehlen, gehören nicht in den Zusammenhang), daß bei 
einer Aufführung die Person des Auxilium gestrichen worden ist. 
Aber darum der ursprünglichen Composition oder dem Plautus die 
Scene abzusprechen dreht das Verhältnis um; man darf sagen, daß 
eine solche aus der Analogie fallende Erfindung nur in der lebendigen 
Bewegung und Entwicklung der Kunstform entstehen konnte. Es 
ist etwas anderes, daß Plautus im Poenulus die vorhandene Form 
zerstört hat. Dagegen, daß er oder gar ein Nachfolger die Figur 
des Auxilium erfunden haben sollte, spricht auch, daß dieser f Gott' 
(v. 150) kaum eingeführt und seine Erfindung gar nicht motivirt 
wird: nam mihist Auxilio nomen, das ist alles, während doch ein 
Gott Auxilium wie etwa Boijfteia gar sehr der Erklärung bedurfte 
und der Gedanke, daß die Dinge allzu verwickelt lägen und ohne 
göttliches Eingreifen sich nicht glücklich lösen könnten, sich leicht 
und gefällig ausführen ließ. Eine solche Ausführung, wie Menander 
sie seinem "Eley%og in den Mund gelegt hat, fehlt vermutlich weil 
Plautus sie weggelassen hat, der Erfinder des Motivs hat die 
Motivirung gewiß nicht weggelassen. 

Auch der Miles hat eine singulare Form, die mit der Cistellaria 
gemein hat daß der 'Prolog 3 nach dem Vorspiel gesprochen wird 

1) Frantz S. 58, 



214 IV We Prologe 

und nach dem Prolog gleich die Handlung anfängt; die Verschieden- 
heit liegt darin, daß das Yorspiel des Miles zwar die Handlung vor- 
bereitet, aber nur durch die Charakterisirung der Hauptfigur 1 ), der 
ein tcqöocotzov jzqowtixov beigegeben ist; daß nicht eine Doppel- 
erzählung, sondern eine, und zwar von einer Person des Stückes 
gegeben wird, die die ganze Vorgeschichte zu erzählen imstande 
ist, anders als die lena in der Cistellaria. Palaestrio ist völlig pro- 
logus, um gleich danach führend in die Handlung einzutreten; wenn 
seine Rede am Anfang des Stückes stünde, so unterschiede sich die 
Exposition von den euripideischen nur dadurch, daß sich unmittel- 
bar an den Monolog die Handlung anschließt. Wie sie nach dem 
Anfang eintritt, ist dieser Prolog wie der der Cistellaria mit Recht 
auf die Form der aristophanischen zurückgeführt worden, die in 
Rittern Wespen Frieden Vögeln erscheint; die Erzählung des koyos 
mit Unterbrechung der Illusion nach einem dramatisch begonnenen 
Dialog findet sich hier wie dort, verschiedene Technik zeigt sich 
darin, daß in der neuen Komödie die erste Scene zu Ende geführt 
und die Erzählung völlig von ihr gelöst wird, so völlig wie die 
euripideischen 'Prologe', nur daß diese am Anfang stehen. Daß 
der prologus nach dem Anfang häufiger war als wir es sonst wissen, 
bezeugt die donatische praefatio zum Phormio (p. 347, 1 W.) nam 
officium prologi ante actionem (überliefert narrationem richtig cod. 
Riccard.) quidem rei semper est, verum tarnen et post principium fabulac 
inducitur, ut apud Plautum in Milite glorioso et apud ceteros magnae 
auctoritatis veteres poetas, d. h. auch bei andern Dichtern als Plautus. 
Ein Beispiel besitzen wir noch an der Octavia, in der die Amme 
nach dem ersten Liede der Heldin einen richtigen prologus spricht; 
dieser Dichter ahmt hierin wahrscheinlich Senecas Phaedra nach, 
deren Prolog auch auf das erste Lied des Hippolytos folgt, das 
noch nichts exponirt, sondern nur in dem morgendlichen Auszuge 
zur Jagd die Gestalt des Helden vorführt. So mag im Original 
jener Notiz auch an Rhesos und aulische Iphigenie und vielleicht 
andere Tragödien späterer Zeit gedacht worden sein 2 ). 

Der Miles unterscheidet sich von allen bisher besprochnen 
Stücken mit voraufgeschickter Erzählung in einem Punkt: er bedarf 
zwar einer solchen Orientirung des Zuschauers vor der Handlung 
und keine Person ist geeigneter sie zu geben als Palaestrio; aber 

1) Oben S. 179. 

[2) Dazu Alexis frg. 108 und M.ena > nder8"HQcog,Il€QixeiQOfÄsvrf und vielleicht 
0d<7ia, s. o. S. 212 A.2. — Euripides Andromeda? vgl. Monol. im Dr. S.30A.3.] 



Prolog nach dem Vorspiel. Prologe Handelnder. MiL, Merc, Amph. 21.5 

Palaestrio kann sie vollkommen geben, sei es im Monolog sei es 
im Gespräch mit einem anderen: daß er aus der Rolle fällt und 
zum 'prologus 3 wird, ist in dem Verhältnis der Vorgeschichte zur 
Handlung nicht begründet, wie wir es in allen übrigen Stücken 
mit erzählendem prologus hierin begründet fanden. Es ist also nicht 
das argumentum , sondern die Ankündigung des Stückes, die bei 
Plautus in der didaskalischen Angabe gipfelt, die zu dieser Ge- 
staltung der Figur geführt hat. Dazu kommt freilich, daß der 
prologus nun auch die Zuschauer, wie der Gott im Amphitruo, vor 
dem Irrtum zu warnen hat, den die scheinbare Doppelnatur der 
Philocomasium in der gleich folgenden Handlung erregen könnte, 
von der doch Palaestrio als Person noch nichts weiß; aber diese 
Erweiterung des Prologs rührt von Plautus selber her (oben S. 179). 
Im Mercator dagegen ist es lediglich die Ankündigung des Stücks, 
die den Dichter bewogen hat, den Charinus nicht einfach in der 
von Euripides ausgebildeten Form mit der ihm nachgebildeten 
Motivirung als handelnde Person seine Vorgeschichte erzählen zu 
lassen : et argumentum et meos amores eloquar und dann graece haec 
vocatur etc. Wie also der prologus der Asinaria nur den Zweck 
hat, das Stück anzukündigen, so sind diese beiden Prologe um der 
Ankündigung willen zu prologi geworden. Es wird aber gleich 
hier deutlich und zeigt sich in vielen Fragmenten der Komödie, 
daß das Princip dieser freien Behandlung der Prologperson nicht 
von Plautus herrührt, sondern dem Stil der Komödie eigen ist: das 
non ego item facto ut alias in eomoediis vi vidi Amoris facere (vgl. 
Amph. 41) ist die monologische Umbildung der Fragen des Xanthias: 
Ema> n xcov eicD&ÖKjov, o) deonoxa; Dies bestätigt der Prolog des 
Mercurius, der als handelnde Person, aber gänzlich im Stil des pro- 
logus auftritt, ohne Titel und Autor anzugeben, wohl aber mit einer 
Erörterung über das Stück, die nur aus dem Original stammen kann; 
über das Vorspiel des Trinummus s. o. 1 ). 

1) Eine merkwürdige Fortsetzung des Prologstils durch eine mitten im 
Stück die Illusion zerstörende Erzählung (nicht zur Selbsteinführung der Person, 
wie des Menelaos in der Helena, der Iris und Lyssa im Herakles, der Parasiten 
im Stichus und Persa), die wie etwas selbstverständliches einsetzt, finden wir 
in der Hecyra (Apollodors) v. 361 sq. (III 3): Pamphilus kommt aus dem Hause 
und fängt an zu erzählen, allein auf der Bühne: tiequeo mearum rerum initium 
ullum invenire iäoneum, unde exoräiar narrare quae necopinanti accidtmt 
erzählt nicht yfj xs xovgavcp, obwohl er eine Einleitung derart macht, sondern 
den Zuschauern. Über das Original bemerkt hier Donat nichts als daß er zu 
v. 380 den griechischen Text anführt. Aber v. 816 sq. wiederholt sich in einem 



216 IV Die Prologe 

Der Mercator steht darin allein, daß seine Handlung gleich 
nach der Prologrede beginnt, obwohl Acanthio jigorauKÖg ist; man 
kann seine Nachricht, daß Demipho das Mädchen gesehen hat, 
nicht anders denn als Beginn der eigentlichen Handlung beurteilen; 
so finden wir hier zum erstenmal, daß prologus und Prolog im 
aristotelischen Sinne sich decken. Die Handlung des Amphitruo 
beginnt nicht mit dem Auftreten des Sosias, sondern nach dessen 
Monolog und den Zwischenreden Mercurs mit der Begegnung der 
beiden v. 292 ! ). 

Pseudolus und Vidularia haben wir zurückstellen müssen, da 
die prologi beider Stücke nur verstümmelt erhalten sind, von dem 
des Pseudolus nur 2 Verse. Dieses Stück hat eine reiche Exposition, 
die durch das Gespräch zwischen Herrn und Diener eingeleitet und 
nachher von beiden mit Ballio zusammen fortgesetzt wird; da- 
zwischen die große Ballioscene, die wie so viele zweite Scenen nur 
der Ausmalung dient. Der folgende Monolog des Pseudolus (I 4) 



Monolog der Bacchis genau dieselbe Form der Erzählung, hier ohne jede Ein- 
leitung ; und hier bemerkt Donat (zu V 4, 10, v. 825) in graeca haec agnntur, 
non narrantur (zu v. 1 reliqua pars argumenti per (btovcoötav narratur). Terenz 
scheint die Scene 816 sq. nach dem Muster von III 3 zum Monolog gestaltet 
zu haben. [So läßt Menander den Moschion in der IIsQixeiQo^svrj (287 ff.) und 
wahrscheinlich (denn den großen Monolog des Demeas habe ich wohl irrtüm- 
lich für eine Prologrede gehalten) Demeas in der Sa^ia erzählen, auch Onesi- 
mos Epitr. 462 ff. Zwar werden Demeas und Onesimos durch den Affekt zur 
Erzählung getrieben (wie Pamphilus Hec. 364), aber sie erzählen ausdrücklich 
dem Publikum: Sam. 54. 114 Epitr. 466. Vgl. Monol. im Dr. S. 73. 79.] Über 
die Zwischenreden im Amphitruo s. u. 

1) Die Entwicklungsphase, die man construiren würde auch wenn sie 
nicht überliefert wäre, nämlich daß Prolog und Exposition sich decken, liegt 
in Senecas Tragödien vollendet vor. Jedes Stück beginnt mit einer Rede, auf 
die unmittelbar das erste Chorlied folgt, und zwar einer Rede der Hauptperson 
in Troades Medea Oedipus Hercules Oet., nicht der Hauptperson aus leicht er- 
sichtlichem für beide gemeinsamem Grunde in Hercules und Agamemnon (da 
mußte der Dichter seine Figuren erfinden, Juno und den Schatten des Thyestes). 
Nur der Thyestes beginnt mit einem Gespräch dämonischer Figuren (S. 202), 
dem der Chor folgt, und Phaedra mit einem Liede des Hippolytos, dem das 
Gespräch Phaedras mit der Amme folgt. Beide Scenen der Phönissen würden, 
als Anfänge von Tragödien gedacht, gegen Senecas Stil sein. Über die Octavia 
S. 214, über die 5 Akte Senecas S. 231. — Im Mercator hat Charinus bei seinem 
zweiten Auftreten (III 1) ein canticum , in dem einiges von der dem Prolog 
gehörigen Erzählung vorkommt (341 sq., 357 sq.), ähnlich wie Epidicus im canti- 
cum v. 87 sq. einen Teil der Vorgeschichte mitteilt (S. 199,); dort sowenig wie 
hier können diese Andeutungen die Prologrede ersetzen. 



Mercator. Pseudolus. Vidularia 217 

zeigt uns den Träger der Handlung noch ganz unsicher über das 
was geschehen soll : mit dem Auftreten der beiden Alten (I 5) be- 
ginnt die Handlung, die durchaus keine anderen Voraussetzungen 
hat als die bisher gegebenen und dann vor unsern Augen sich ent- 
wickelnden. Das Stück bedarf eines Prologs, einer außerhalb der 
dramatischen Exposition stehenden Inhaltsangabe sowenig wie 
Mostellaria Persa Stichus, wie Asinaria und Trinummus. Doch hat 
es einen prologus gehabt: exporgi meliust lumbos atque exsurgier: 
Plautina longa fabula in scaenam venu, das ist der Rest; der Prolog, 
aus dem er stammt, war wenigstens in dieser Passung nicht von 
Plautus, das zeigt der Ausdruck Plautina fabula (Cas. 1 2) ; es wurde 
Ruhe geboten und das Stück angekündigt, ob mit oder ohne Inhalts- 
angabe ist nicht zu sagen. Wenn aber Plautus selbst einen Prolog 
zum Pseudolus geschrieben hatte, so war er von der Art des zur 
Asinaria, eine Ankündigung des Stücks ohne Inhaltsangabe, da 
das Stück sich selbst exponirte. 

Der Prolog zur Vidularia scheint einer der merkwürdigsten zu 
sein; aber man kann ihm leider nicht beikommen. Die Vidularia 
hatte doppelte dvnyvcoQioig und bedurfte notwendig der orientirenden 
Erzählung von seiten eines Gottes, wie im verwandten Rudens, oder 
des von der Handlung gelösten prologus, der in der Tat auftritt. 
Auch was wir von der Exposition erkennen zeigt, daß sie die Vor- 
erzählung voraussetzte. Nun beginnt der Prolog, allerdings nach 
einem unkenntlichen Anfang, der auch sonst zu Zweifeln Anlaß 
gibt, mit offenbar polemischen Worten und einer Danksagung für 
erteiltes Lob; dies ist die einzige Stelle eines plautinischen Prologs, 
die an den stehenden Inhalt der terenzischen erinnert. Dann folgt 
die didaskalische Ankündigung, mit der auch singulären Bezeichnung 
des Plautus als poeta noster, 6 diddoxaXog fjjucbv, die aber doch 
deutlich zeigt, daß der Prolog von Plautus selbst geschrieben ist; 
wie denn in den beiden folgenden Versen auch über den Dichter 
gewitzelt zu werden scheint. Dann zu unserer Überraschung: credo 
argumentum velle vos cognoscere : intellegetis potius quid agant quando 
agent, wie zu Asinaria und Trinummus, besonders aber Adelphoe. 
Es folgen noch 5 Verse, die nun doch schwerlich, abgesehen davon 
daß das Erhaltne nur schwer so zu deuten wäre, nachträglich noch 
die Vorgeschichte geben; man müßte denn quid agant so erklären, 
daß sich die Ablehnung nur auf das bezöge was im Stück vor- 
kommt, nicht auf das was die Personen früher erlebt haben, den 
ähnlichen Stellen gegenüber ganz ohne Probabilität. Es ist, wie 



218 IV Die Prologe 

man sieht, so gut wie sicher, daß Plautus diesem einen Stück, das 
eine Vorerzählung verlangte, zwar einen prologus voraufgeschickt, 
aber in terenzischer Weise trotzdem das argumentum nicht erzählt 
hat. So tritt dieser Prolog in mehr als einer Hinsicht als ein Vor- 
läufer der terenzischen auf und es ist zu bedauern daß wir die 
Entstehungszeit des Stückes nicht kennen. 

3 

Die Analyse der Expositionen der plautinischen Stücke hat 
uns gelehrt, daß das in der neueren Tragödie entwickelte Kunst- 
gesetz, nach dem die Exposition bis zum ersten Auftreten des Chors 
reicht, von der neuen Komödie nach dem Wegfall des Chors nicht 
fallen gelassen, sondern reiner durchgebildet worden ist. Es ist nun 
keine äußere Scheide zwischen Exposition und Handlung mehr, um 
so deutlicher müssen in der Ausführung selbst die vorbereitenden 
Scenen von den eigentlichen Vorgängen gesondert werden. Zu den 
Mitteln der Vorbereitung aber gehörten nicht nur Monologe der 
handelnden Personen, sondern auch von der Handlung getrennte 
c Prologe° im engeren Sinne. 

Die Analyse der einzelnen plautinischen Prologe hat uns durch- 
weg gelehrt, daß wir die Einleitungen in die Materie des Stückes, 
wo sie sich bei Plautus finden, auch für das Original anzunehmen 
haben, und zwar durchweg in derselben Form wie bei Plautus, in 
die Handlung eingeordnet oder, wo eine handelnde Person die 
Vorgeschichte nicht ausreichend geben kann, von ihr gelöst. Dies 
hat sich bei den sicher überarbeiteten Vorreden gezeigt wie bei 
denen, deren ursprüngliche Fassung höchstens in Einzelheiten 
alterirt ist. 

Ich habe bei dieser Untersuchung nur das Verhältnis der Pro- 
loge zur Handlung ins Auge gefaßt, da ich mich für die einzelnen 
charakteristischen Eigenschaften der Prologe und ihre Überein- 
stimmung mit den griechischen zumeist auf die einzelnen Nach- 
weisungen von Frantz berufen kann. Ich will aber nun ein wich- 
tiges Argument nachholen, das im allgemeinen beweist, daß die 
von der Handlung gelösten Prologe sowenig wie die übrigen römische 
Erfindung sind. 

Die Komödie spielt in Athen 1 ); sie bedarf daher keiner Be- 
zeichnung des Ortes, die im Anfang des Stückes zu geben für die 



1) Auch die des Machon (frg. 1 xoTg *AxtihoTs f)(uv) % 



Der Schauplatz und die Prologe 219 

Tragödie natürliches, von Euripides 1 ) in bestimmte Form gebrachtes 
Gesetz ist. Wo eine specielle Ortsangabe, wie rj nvv^ avrrjl, nötig 
ist, da gibt auch Aristophanes sie zu Anfang; wo das Lokal 
phantastisch ist (Vögel, Frösche), überläßt er der Phantasie es zu 
bezeichnen; der Anfang des Plutos ist gar nicht zu lokalisiren: die 
Wandernden sind kaum von Apollon gekommen (vgl. 44. 357), noch 
in einsamer Felsgegend (69) und nun zu Hause (228). Solche An- 
forderungen der alten Komödie an die Illusionsfähigkeit der Zu- 
schauer sind der strafferen Form der vea fremd; aber sie sagt so- 
wenig wie Aristophanes f hier ist Athen 02 ). Wenn aber die Handlung 
nicht in Athen ist, so ist die Ortsangabe nötig und erfolgt gleich 
zu Anfang mit derselben Notwendigkeit wie bei Euripides, in den 
mythologischen Stücken der jueo?] (z. B. Antiphanes' Ganymedes, 
frg. 73) wie bei Menander, dessen Avoxokos'm <Pvh) spielt (frg. 127) 3 ). 
Diese Sätze sind so einleuchtend, daß es kaum der Bemerkung 
bedarf, daß sie sich an den plautinischen Stücken ohne erzählende 
Vorrede bewähren. Diese spielen (mit Ausnahme des Curculio, 
auf den ich nachher komme) sämtlich in Athen; in allen wird 
Athen oder Attisches gelegentlich erwähnt, aber nur in Epidicus (26) 
und Mostellaria (66) zu Anfang: Persa 1 51, Stichus 448, Pseudolus 202, 
Asinaria 793, Trinummus 1103 4 ). Ebenso haben die Stücke mit 
erzählenden "Prologen , die in Athen spielen, in den Prologen keine 
Ortsangabe; den athenischen Schauplatz auch dieser Stücke erfahren 
wir nur gelegentlich: Casina 652 (vgl. 82), Mercator 945, Aulu- 
laria 810; nur der prologus zum Truculentus, als Beweis der Regel, 
beginnt: perparvam partem postulat Plautus loci de vostris rnagnis 
atque amoenis moenibus, Athenas quo sine arehitectis conferat 
(vgl. v. 90). 

Sämtliche Stücke dagegen, die nicht in Athen spielen, haben 

1) Klinkenberg de Eur. prol. arte p. 100. 

2) Dagegen natürlich gelegentlich hxav{F iv 'Aftyvcug (Philein. 91) u. dgl. 

3) Vgl. Heniochos' IloXetg (II p. 433 K.). In Korinth spielt Diphilos' "Ep- 
jioQog [und Menanders Üsgi^sigo/Lievr}, vgl. Capps Four plays of M. S. 144], in 
Rhodos frg. adesp. 336 K v nicht in Athen der IJolvjzgdyjbtcov des Diphilos, der 
Arjkiog des Philostephanos (Kock III p. 393), wie es scheint die Mioov/asvt] des 
Phoenikides, vgl. Posidipp. frg. 29. Wie der Avoxolog Menanders so spielte 
der 'Eavzov uficogov/uevog in einem Demos; in welchem, wissen wir jetzt durch 
das von Reitzenstein entdeckte Fragment (oben S. 100 A. 1): xoX rwv r, AXf]ot xcoqicov 
xexzrjixevog xakltoxov sl Diese Angabe hat Terenz, wie oben bemerkt, fort- 
gelassen. 

4) Bacchides 563. 



220 IV Die Prologe 

c Prologe 51 ), und sämtliche Prologe geben den Ort an: Amphitruo 
(haec urbs est Thebae) Miles (hoc oppidum Ephesust) Rudens Qmk 
esse nomen urbi Diphilus Gyrenas voluit), diese zu Anfang des 
argumentum-, in den Menaechmen wird die Angabe durch einen 
Witz von dieser ihrer Stelle in die Erzählung selbst verschoben: 
omnes res gestas esse Athenis autumant, ego nusquam dicam nisi ubi 
factum dicitur, dann 72 haec urbs Epidamnus est; ebenso in der 
Erzählung ohne besondere Motivirung in Captivi Poenulus Cistellaria. 
Allein von der Vidularia ist es wahrscheinlich daß die Angabe 
fehlte. 

Dies ist der Tatbestand. Wenn wir ihn auf die Originale über- 
tragen, so finden wir, es ist der zu erwartende und sachgemäße. 
Nicht minder, wenn Menander in Rhodus oder Alexandria gespielt 
wurde, so wußte es keiner anders, als daß er Athen zu sehen bekam, 
und erwartete Aufklärung nur wenn er an einen andern Ort geführt 
werden sollte. Es ist wunderbar genug, daß in diesen Prologen 
Rom wie eine hellenistische Stadt behandelt wird und sein Publikum 
wie eines dem die Heimat dieser Stücke und der geistige Primat 
Athens geläufig sein muß. Ist es denn denkbar daß Plautus so 
verfahren wäre, wenn er diese Prologe selbst erfunden hätte? 
bestand denn für die Anschauung seines Publikums ein Gattungs- 
unterschied zwischen Athen und den übrigen Griechenstädten wie 
für die Anschauung der hellenistischen Welt? war denn dem Römer 
der plautinischen Zeit Athen vertrauter alsEphesus oder Epidamnus? 2 ) 
Das einzige Mal, wo Plautus in einem Prolog die Ortsangabe in 
Worten behandelt die dem Original fremd sein müssen, handelt 
es sich gerade um Athen (Truculentus: Athenas quo sine architectis 
conferat), nicht um Epidaurus oder Theben. Es ist einleuchtend, 

1) Dies kommt für die meisten nach Hüffners richtiger Bemerkung (de PI. 
com. exempl. att. p. 24) daher, daß es sich um geraubte Kinder handelt, die 
nicht nach Athen gebracht werden sollten; solche Stücke bedurften aber der 
dvayvcoQioig wegen des prologus. 

2) Daß Athen für den Römer der plautinischen Zeit eine Stadt wie andere 
war, würde durch die bei Plautus übliche Bezeichnung Athenae Atticae gut 
illustrirt werden, wenn man wirklich annehmen dürfte, daß dadurch Athen 
von Städten gleichen Namens hätte unterschieden werden sollen. Aber von 
den 4 o^cbvvfioi des Oros, den 5 des Philon, den 8 des Stephanus Byz. (s. v.) 
könnten nur die Aiäöes (vgl. vita Arati p. 52, 23 Westerm.) als zu Plautus' Zeit 
existirender Ort in Frage kommen; und vor der Verwechselung mit diesem 
bedurfte es wohl keines Schutzes. Auch ehrendes Beiwort kann Atticae nicht 
sein; wie es aufzufassen ist wüßte ich nicht zu sagen, 



Der Schauplatz und die Prologe. Curculio. Namen 221 

daß nicht er und überhaupt kein römischer Dichter die Sitte, daß 
der Schauplatz bezeichnet werden muß nur wenn er nicht in Athen 
ist, auf die römische Bühne eingeführt hat. Wir haben hier den 
sicheren Beweis, daß wenigstens die in den prologi mitgeteilten 
argumenta aus den Originalen stammen. 

Hiernach können wir die obige Erörterung über die dialogisch 
und ohne prologus exponirenden Stücke in einem wichtigen Punkt 
ergänzen. Ich habe nachgewiesen, daß der Epidicus ursprünglich 
einen Prolog gehabt hat; für den Curculio, der sich durch die 
ävayvcoQioig gleichfalls von den übrigen Stücken, deren Voraus- 
setzungen in der Handlung selbst gegeben sind, unterscheidet, mußte 
ich die Frage offen lassen, da die Entwicklung des Stückes an sich 
keinen Anstoß bietet und durch die terenzischen geschützt scheinen 
kann. Jetzt ist die Frage entschieden. Der Curculio spielt in 
Epidaurus 1 ), das erfahren wir zuerst, ganz gelegentlich, v. 341.; 
dies ist für das Original undenkbar und nach aller Analogie auch 
für Plautus; der Curculio hat also einen prologus gehabt, höchst 
wahrscheinlich auch in der plautinischen Bearbeitung, er ist verloren 
gegangen wie der des Epidicus. 

Nur bemerken will ich, daß die Namen der Personen in der- 
selben Weise genannt oder verschwiegen werden wie in der alten 
Komödie, ganz anders als in der Tragödie. Die Namen Dikaiopolis 
und Chremylos, Trygaios und Euelpides hören wir nur gelegentlich 
mitten im Stück, Pheidippides und Philokieon, Namen von komischer 
Bedeutung, werden zu Anfang mitgeteilt, auch erklärt. So wird 
Pyrgopolynices im Vorspiel genannt, Tyndarus und Philocrates, die 
Menaechmi wegen der Verwechselung in den Prologen, aber andere 
Prologe nennen keine Namen (Cas. Mil. Poen. Trin.), wie auch oft 
die Exposition und mehr vorübergeht ohne daß wir die Namen 
wichtiger Personen erfahren. Nur zu Aulularia, Rudens, Truculentus 
wird der Besitzer des Haupthauses der Bühne im Prolog genannt, 
gewiß nach attischem Vorgang (Frantz S. 21) 2 ). 

1) Nicht weit liegt die Stadt Caria, das ist das eine Rätsel; dazu kommt 
das andere, daß das Asklepiosheiligtum in der Stadt liegt, eine Unmöglichkeit 
für ein attisches Stück. Wilamowitz vermutet, daß der Schauplatz des Ori- 
ginals die An siedlung um das iegov war und daß der Parasit nach Epidauros 
geschickt wurde, um das Geld zu holen; daß Plautus dies für sein Publikum 
verwirrende Verhältnis umgeändert und die Stadt Caria hinzuerfunden hat. 
Dies scheint mir eine einfache Lösung des doppelten Rätsels zu sein. 

[2) "Ayvoia nennt keine Namen, aber im Straßburger Prolog (oben S. 212 
A. 2) v. 16 2(ooMvrjg xal Ai]f^eag,] 



222 IV Die Prologe 

Das wichtigste Bedenken, das man, abgesehen von einzelnen 
sachlichen Anstößen, aus denen Ritschi die Tatsache der Über- 
arbeitung mehrerer Prologe erschlossen hat, wieder und wieder 
erhebt, ist der stilistische Charakter dieser Reden; und es soll nicht 
bestritten werden, daß die Schauspieler, so oft ein Stück nach 
Plautus' Tode wieder auf die Bühne gebracht wurde, Anlaß hatten, 
dem Prolog durch Verbreiterung der Diktion und Erfindung banaler 
Witze neuen Reiz zu geben. Aber eine eigne Kategorie von Prolog- 
schreibern erfinden, denen man die des Plautus unwürdige Rede- 
weise der Prologe zutrauen dürfe, ist vergebene Mühe. Im einzelnen 
Falle dürfte es schwer sein zu ermitteln, ob Plautus die leichte 
Waare seinem Publikum nicht bieten mochte. Im ganzen steht 
es fest und ist auch von Prantz (S. 14. 60) richtig hervorgehoben, 
daß gerade die Inhaltserzählungen der alten Komödie die Weit- 
schweifigkeit und Witzelei der plautinischen Prologe zeigen. Der 
aristophanische Sklave, der xoig fisaxaig xbv Xöyov berichtet, verfällt 
sofort in den autoschediastischen Charakter der direkt ans Publikum 
gerichteten Reden. Pac. 50 iycb de xbv loyov ye roloi naidioig xal 
xdtoiv ävÖQioiGi xal xolg ävögaoiv xal xoig vjiEQxdxoioiv ävögaoiv (pgdoco 
xal xoig vtzeqyjvoqeovolv exi xovxoig juäka: das ist nicht bündiger oder 
witziger als die viel beanstandeten plautinischen Stellen. Für die 
fieorj und via kam die Redseligkeit der euripideischen Muster hinzu. 
Der Prolog des Heniochos (frg. 5) zeigt ganz die Breite der 
plautinischen Demonstrationen: iycb <5' övojua xo /jlev xa& ixdoxrjv 
avxixa tet-co, owanaoat d* Eiol navxobanal jioÄEig, ai vvv dvofjxalvovoi 
nolvv r\br) %qovov. xd% äv xig vtioxqovoeiev ö xl tzox ivödÖE vvv 
Eiol xävEQoixo' TtaQ 1 ejuov TZEvoExai 1 ). Für die gröbste Forni des 
Witzes naod ngooSoxiav, die mit dem ävaxoXov&ov verbunden ist 
(ovÖev ycLQ äxoÄovftov avxco keyei), citirt Demetrius n. eqju. 153 
Menanders nqokoyog xrjg MEootjviag. Plautus hat diesen Stil ohne 
Zweifel vergröbert, aber nicht erfunden. Einen andern Beweis gibt 
uns der Amphitruo, dessen Prolog zwar überarbeitet, aber in den 
sicher ursprünglichen Partien mit derselben Breite wie die übrigen 
gleichen Stils angelegt ist. Dieses Stück ist bekanntlich von Zwischen- 
reden der beiden Götter durchsetzt, die immer auf die bevorstehende 
Entwicklung aufmerksam machen. Diese Zwischenreden sind nichts 
als Fortsetzungen des Prologs, sie sondern sich durch ihren Stil 



1) Antiph. frg. 268 ovx saxtv ovdev keyöfisvov (xatcQwg, öxe 6 Xeycov vjtordrtsi 
xöig Xöyoie rä ^gay/uara könnte aus solchem Zusammenhang sein. 



Stil der Prologreden 223 

deutlich von der Umgebung, und dieser Stil ist der des Prologs 
und aller ähnlichen Prologreden. Daß die Zwischenreden zur 
ursprünglichen Anlage des Stücks gehören, daß sie also dem Original 
gehören, daß auch ihre Stileigenheit zur ursprünglichen Conception 
gehört, all dies sind notwendige Folgerungen; und damit ist dieser 
Prologstil für das attische Original so sicher bezeugt wie wenn die 
Fragmente vorlägen. Eine andere Stileigenheit der Prologe bezeugt 
Theon progymn. p. 91 Sp.: imqxoveiv dt: dirjyrjoei eoti tö xaiT 
exaorov jaegog rrjg dirjyrjGECog yvajjurjv tmkeyeiv' to de toiovtov ovd 
loTOQtq TiQETiov eotIv ovte tzoIitixco Xoyco, v^EOTgcp Se kol oxrjv-fj fiäXXov 
ETiirrjÖEiov. öiö xal nagä roig rotovroig noir\Taig etiitcXeIotov eotiv, 
d)g nagä MevölvÖqw noXXaypv fiev aXkaypfti xal ev ägyjj ök tov te 
Aagdaviov xal tov ZEvoXoyov 

ävögog TiEvrjrog vlog EXTEdgaju/UEVog 

ovx i£ vjiagyovTcov ögcbv f\oyyvEXO 

tov Trarsga julxg' e%ovxgl' naiÖEvÜEig yäg ev 

tov xagnbv EvSvg äjiEÖidov xahov 1 ). 

6 yäg TE^EVTaiog OTiyog m nEgiTTOv ngooxEaai ih]gc6jUEVog /uovor tov 
nagä twv üsclt-cdv etkuvov. Es ist nicht zufällig, daß Theon Stellen citirt, 
die ev ägyj] tov dgdjuaTog stehen, denn das ist der Ort für Erzählung 
in der Komödie. Die plautinischen Prologe nun kennen solche 
sentenziöse enKpcovijjuaTa so gut wie die menandrischen: Cist. 191 
is amore proiectieiam illam deperit, quae dudum flens hinc abiit ad 
matrem suam, et Ufa hunc contra, qui est amor suavissimus (dann 
anhebend: ut sunt humana, nihil est perpetuom datum), Mil. 100 is 
amabat meretricem — et üla illum contra, qai est amor cultu optumus: 
Amph. 493; auch in den von der Handlung gelösten prologi: Capt. 21 
hie nunc domi servit suo patri nee seit pater; enim vero di nos quasi 
pilas homines habent. 43 reducemque faciet liberum in patriam ad 
patrem, imprudens: itidem ut saepe iam in multis locis plus insciens 
quis fecit quam prudens boni Truc. 15 sed relicuom dat operam 
ne sit relicuom, poscendo atque auf er endo, ut mos est mulierum: 
nam omnes id faciunt, cum se amari intellegunt. Auch hier also 
haben wir es mit einer Eigenheit der attischen Prologerzählung 
zu tun. 



1) Frg. 354. x<*Q ir °s m ^ Camerarius einzufügen reicht nicht ans, da nach 
Theons Worten eine wirkliche yveoftrj zu erwarten ist; eine solche auszudrücken 
ist auch das Tmperfekt nicht geeignet. 



224 TV Die Prologe 



Wir sind jetzt so weit, daß wir die Frage ernstlich aufwerfen 
müssen, ob das attische Drama Prologe in der Art der plautinischen 
zu Captivi und Poenulus gekannt hat. Die Untersuchung hat uns 
gelehrt, daß diese Prologe nur eine Weiterbildung der euripideischen, 
in der vea und bei Plautus fortgepflanzten Götterprologe sind, diese 
wie jene bestimmt das mitzuteilen was zu wissen oder zu combiniren 
der Gesichtskreis der in der Handlung stehenden Menschen nicht 
gestattet. An sich betrachtet ist es keineswegs kühner, diese Weiter- 
bildung auf griechischen Boden zu verlegen als sie der römischen 
Bühne zuzutrauen. Es scheint aber ein Zeugnis zu geben, das 
diese Frage von vornherein zugunsten der Römer entscheidet 1 ). 

In Euanthius' Traktat de fabula folgt auf die Ursprungs- und 
Entwicklungsgeschichte ein Abschnitt (c. 3), in dem mit Bezug auf 
Terenz und sein Verhältnis zu Menander und den übrigen römischen 
Komödiendichtern, besonders Plautus, wichtige Einzelheiten der 
Ökonomie und des Stiles behandelt werden. Eine dreifache Be- 
merkung bezieht sich auf den Anfang der Stücke (3, 2): tum etiam 
Graeci prologos non habent more nostrorum, quos Latini habent. 
deinde fieovg äno jufjxavfjg, id est deos argumentis narrandis machinatos, 
ceteri Latini ad instar Graecorum habent, Terentius non habet, ad 
hoc jtQoranxd jzQÖoama, i. e. personas extra argumentum accersitas, 
non facile ceteri habent, quibus Terentius saepe utitur, ut per harum 
inductiones facile pateat argumentum. Daß der Grammatiker von 
dem Seinigen hinzutut, zeigt die letzte Bemerkung, deren Unrichtig- 
keit, was den negativen Teil angeht, auf der Hand liegt. Die zweite 
ist richtig, aber es fehlt ihr die eine Hälfte, daß Terenz auch keine 
erzählenden Prologe hat 2 ). Der erste Satz hat durch die Über- 
lieferung gelitten. Daß Reifferscheid mit Unrecht quos Latini habent 
gestrichen hat, bedarf für den der die ganze Stelle betrachtet keines 
Beweises; aber es ist richtig daß in nostrorum quos Latini habent 
der Relativsatz das Pronomen aufhebt oder umgekehrt. Keinesfalls 

1) Vgl. Dziatzko Luzerner Progr. S. 14. 

2) Richtig ist es ausgedrückt Don. z. Hec. 1 1, 1 novo genere hie utraque 
jigoratixä jigöocoTza indueuntur. nam et Philotis et Syra non pertinent ad argu- 
mentum fabulae. hoc autem maluit Terentius quam aut per prologum narraret 
argumentum aut fteov ano tir\xavr\<; induceret loqui. Vgl. zu Andr. I 1, 1 haec 
scaena pro argumenti narratione proponitur, in qua fundamenta fabulae iaciuntur, 
ut virtute poetae sine officio prologi vel ftecov ano fxrixavfjg et periocham comoe- 
diae populus teneat et agi res magis quam narrari videatur. 



Ist der prologus griechisch? Teile der Komödie 225 

ist es gestattet, aus diesen Worten zu schließen, der Grammatiker 
habe bezeugt, daß es bei den Griechen keine von der Handlung 
und ihren Personen gelöste prologi gegeben habe oder gar daß er 
den personificirten prologus habe bezeichnen wollen *), in welchem 
Falle es überdies prologum heißen müßte. Welchen Inhalt der 
Satz gehabt hat, kann nicht wohl bezweifelt werden. Die terenzische 
Prologform ist ja nicht ausschließlich terenzisch, das beweist der 
Prolog der Asinaria; daß sie von Caecilius angewendet wurde, ist 
sehr wahrscheinlich ; daß diese Form wenigstens in den uns vor- 
liegenden Fällen nicht die des Originals ist, haben wir gesehen: 
der 'Ovayog bedurfte keines Prologs und hatte wahrscheinlich keinen, 
die Originale des Terenz bedurften fast alle erzählender Prologe. 
Der Grammatiker hat die Prologe bezeichnet, die nur die An- 
kündigung des Stückes und Persönliches enthalten, das heißt die 
Terenzische Form, die auch bei anderen, aber nur bei Lateinern 
vorkam. Möglich daß er nostrorum gleich Terentianorum setzte, 
aber auch dann muß ergänzt werden quos (etiam alii) Latini habent. 
Es gibt, soviel ich sehe, keine Überlieferung, aus der hervor- 
ginge, daß in der peripatetischen Theorie die aristotelische Lehre 
von der Einteilung des Dramas mit Bezug auf die via xcojuwdla 
weitergebildet worden wäre. Die aristotelische Einteilung setzt den 
Chor voraus, sie paßt also nicht für die neue Komödie. In dem 
von Bernays zu Ehren gebrachten Coislinianischen Traktat 2 ) sind 
die Teile der Komödie dieselben wie im 12. Kapitel der Poetik 
die der Tragödie: nqoXoyog %oqixov emeiooölov ei-odog, auch die 
Definitionen stimmen im allgemeinen; von den Abweichungen 3 ) ist 
die eine (egodos rö im teXel XeyöjUEvov rov %oqov) sicher nicht, die 
andere (ypoixov das /ueXos, orav E%r\ jUEyefios Ixavov) schwerlich 
aristotelisch; daß Aristoteles in dem Abschnitt über die Komödie 
die Einteilung mit den Definitionen wiederholt hätte, ist an sich 
unwahrscheinlich und der Abschnitt vermutlich entstanden wie es 
Bernays für den von den Bestandteilen der Komödie handelnden 



1) Dziatzko a. a. 0. Fabia S. 85. Fabias Meinung, daß hier nur von der 
Person, erst später (4, 5) vom Inhalt des Prologs die Rede sei, beruht auf einem 
Mißverständnis. Hier wird von den Verschiedenheiten der römischen von der 
griechischen und der terenzischen Komödie von andern römischen gehandelt, 
dort von den Teilen der Komödie. 

[2) Kaibel C. G. F. p. 50, Die Prolegomena tzsqI xcofucodtas (Abh. d. Gott. 
Ges. N. F. 114) S.53ff.] 

3) Vgl. Consbruch in der gleich anzuführenden Abhandlung S. 223. 231 ff. 
L e o , Plautinische Forschungen 2. Aufl. 15 



226 W D * e Prologe 

nachweist 1 ). Aber mit Bestimmtheit darf man schließen, daß es 
eine aristotelische Einteilung, die auf die nacharistophanische Komödie 
gepaßt hätte, nicht gab. Genau dieselbe Einteilung findet sich in 
den verschiedenen Fassungen der Komödienprolegomena des Tzetzes 
(Kaibel S. 21, 68; 28, 125) und im Traktat des Venetus Dübner 
p. XXVIII unten (Westermann biogr. S. 1 59), in jenen dem Dionysios 
Krates Eukleides zugeschrieben, d. h. von Tzetzes aus dem von 
einem spätem Eukleides compilirten Traktat entnommen, in dem 
Dionysios, vielleicht der Euripidesscholiast, und Krates, vielleicht 
der Mallote (Wachsmuth S. 59 ff.), für die Einteilung der Komödie 
citirt waren 2 ). Wir finden also in bester und in später Zeit nur 
die Bestimmung der Teile der Komödie, die aus denen der Tragödie 
entwickelt ist und für das chorlose Schauspiel nicht paßt. Aristoteles 
hat offenbar keine Einteilung für die Komödie seiner Zeit gegeben ; 
von Theophrast aber sollte man es erwarten. Doch könnte eine 
theophrastische Einteilung nimmermehr die Einleitungsrede als be- 
sonderen Teil der Komödie bezeichnen, sie könnte nur eine vom 
%oqixov unabhängige Definition der Exposition und der übrigen 
Hauptabschnitte des chorlosen Dramas geben. 

Es gibt aber eine Theorie von den Teilen des Dramas, die den 
Chor nicht in Betracht zieht; es ist die Lehre von den 5 Akten. 
Wo sie im Zusammenhang vorgetragen wird, bei Euanthius de 
fab. 3, 1, wird davon ausgegangen, daß die Komödie sich aus 
bloßem Chorgesang allmählich zu einer fünfteiligen Handlung ent- 
wickelt habe : comoedia vetus ab initio chorus fuit paulatimque per- 
sonarum numero 3 ) in quinque actus processit; dann sinkt die Be- 



1) Aristot. Theorie des Dramas S. 153 ff. 

2) Consbruch in den Commentationes in honorem Studemundi S. 213 ff., 
besonders 223 ff. 

3) Das Mißverständnis, die Fünfzahl der Akte auf die Fünfzahl der Schau- 
spieler zurückzuführen, findet sich auch 2, 2 in der sonst auf peripatetischer 
Grundlage ruhenden Entwicklungsgeschichte: et ad ultimum qui primarum par- 
tium, qui secundarum partium tertiarumque, qui quarti loci atque quinti actores 
essent distributum et divisa quinquepartito actu est tota fabula. Ahnlich, wohl 
nach demselben Traktat, Ps.-Ascon. in Caecil. 48 p. 119. Vgl. Bergk Gr. Litt.- 
gesch. III 86. Das Zeugnis für die regelmäßige Anwendung einer größeren 
Schauspielerzahl, während die Dreizahl officiell und in litterarischer Anwendung 
bleibt, ist darum nicht schlechter. Diomedes p. 490 sq. enthält kein Zeugnis, 
er folgert nur aus Horaz (über 491, 20 sq. s. u. S. 229 A. 4). Daß in der neuen 
Komödie fünf und sechs Schauspieler verwendet wurden (wie in den Fröschen 
vier) liegt klar vor Augen. Wer es leugnen will, muß nicht nur ein Stück 



Die 5 Akte 227 

deutung des Chors und in der neuen Komödie wird er zuerst nicht 
mehr eingeführt, dann sogar keine Stelle mehr für ihn gelassen. 
Zunächst haben die Dichter, weil das Publikum das Interesse an 
den Chorliedern verloren hatte, die Chöre zwar entfernt, aber locum 
eis relinquentes: das hat Menander getan; postremo ne locum quidem 
reliquerunt, quod Latini fecerunt comici, unde apud Mos dirimere 
actus quinquepartitos difficüe est. Dieser wunderlich vulgarisirten 
Überlieferung 1 ) steht parallel die des ßlog Agiorocpdvovg^. XXVIIID. 
ndhv de exXsXomoxog xal iov %0QY}yeTv röv IIXovxov ygdxpag elg rö 
dvanav soften xä oxrjvixd nQoocona xal jbtersoxevdoftat 2 ) sTuygaopec 
c %oqov*, (pftsyyöjuevog iv exstvoig (?), ä xal oqcduev rovg vsovg ovroog 
smy^dopovxag £r)Xcp 'ÄQioToojdvovg. Wie nach Eccles. 729 und 876 
%oqov im ßavennas steht, nach Plut. 770 xoaudnov %oqov in Rav. 
und Ven., so wird hier berichtet, daß auch die Menanderhand- 
schriften solche Notate hatten, durch welche die alten ensiooöia ab- 
gegrenzt wurden 3 ). Dies ist eine Äußerlichkeit; das wesentliche 

wie den Rudens in Anlage und Ausführung dem Plautus, sondern auch Heauton- 
tiinorumenos und Phormio dem Terenz zuschreiben. 

1) Vgl. praef. Ad. 1, 4 W.; praef. Eun. 1, 5 vult poeta noster omnes quinque 
actus velut unum fieri. 

2) Euanth. 3, 1 hac de causa , non ut alii existimant alia. — Vgl. Don. 
praef. Andr. 2, 3 est igitur attente animadvertendum ubi et quando scaena vacua 
sit ab omnibus per sortis, ita ut in ea chorus et (velg) tibicen öbaudiri possint; quod 
cum viderimus, ibi actum esse finitum debemus agnoscere. 

[3) Über x°Q°v lm Jernstedtschen Fragment, dem Menanderbuch, den 
papyri von Ghorän und anderes daraus Erschlossenes s. Hermes XLIII 166. 308 
XLVI 292, Monol. im Drama, Index s. xoqov und Intermezzo, A. Körte Hermes 
XLIII 39. 299, Bethe Ber. d. Sachs. Ges. 1908 S. 209, Legrand Daos S. 421 ff., 
Skutsch Hermes XLVII 141, Flickinger Class. Phil. VII 24. Auch in einer 
Tragödienhandschrift, dem von Crönert Archiv f. Pap. forsch. III 1 publicirten 
und der Medea des Neophron zugewiesenen Papyrus, hat sich x°6°v gefunden, 
und zwar unmittelbar vor einer Anrede Medeas an den Chor: gelesen von 
Eitrem , Notes on some greek lit. papyri (Christiania V. S. Forh. 1906, 10) 
S. 6, bestätigt von Bell bei Mekler Philol. LXX 498. Vgl. Flickinger S. 33. — 
Ich fasse die Hauptpunkte zusammen und ergänze einiges. Aristophanes hat für 
Ekklesiazusen und Plutos (vgl. Nub. 888) Chorlieder zum momentanen Gebrauch 
als Zwischenaktslieder verfaßt, die er der Aufbewahrung nicht wert hielt. Es 
war ein Symptom für das Absterben des komischen Chors und beforderte es zu- 
gleich. Dichter der mittleren Komödie folgten Aristophanes' Beispiel. Uns tritt 
zuerst bei Alexis der Zwischenaktschor entgegen, der als solcher ausdrücklich 
eingeführt wird (Hermes XLIII 308), eine Schar von Betrunkenen die um Tages- 
anbruch durch die Straßen schwärmt; ebenso in Menanders IleQixeiQOfievr], im 
Jernstedtschen Fragment (Hermes XLIII 166), in den Bacchides (Hermes XLVI 
292). Es ist der alltägliche, der uralte xeo/uog, in den der Komödienchor wieder 

15* 



228 IV Die Prologe 

ist, daß die Einteilung in Akte auf der aristotelischen Einteilung 
beruht: es sind nqoloyoq, e£odog und die ijieioodia, die Abschnitte 
sind die Stellen an denen das %oqlxov einzutreten hätte. Die 



einmündet (Hermes XLHI167, Bethe S. 221 f.). Man kann zweifeln ob, wie 
Bethe ausführt, es stets dieser xco/uog ist, der entsprechend der alten Parodos 
nach dem ersten Akt herankommt und dann die übrigen Zwischenakte aus- 
füllt; wobei die Einheit des Chors gewahrt wird, aber nicht leicht verständlich 
ist, wie ein von der Handlung völlig ausgeschlossener Chor das ganze Stück 
hindurch für die Zwischenakte verfügbar bleiben konnte; oder ob der Dichter 
gelegentlich eine mit der Handlung lose verbundene Schar als Zwischenchor 
verwendete: eine Hochzeitgesellschaft, jugendliche Zechgenossen, Diener und 
Dienerinnen ( c mehr als zehn' Mägde der Bacchis im Heautontimorumenos ; das 
Auftreten der Küchengesellschaft Aul. 279; die Vorbereitung des Gelages 
Persa 752 u. a.). Eine andere, aber eng verwandte Art des Intermezzos erscheint 
nach dem ersten Akt der Mostellaria (Philemon): auch hier sind es Hco^id^ovreg^ die 
ein lyrisches Zwischenspiel aufführen, aber handelnde Personen, deren Reden 
zum Stück gehören (Hermes XLIII 310). Dies stammt sicher aus dem Original. 
Vielleicht ist auch das Sklavenduett Most. 858 unter diesen Gesichtspunkt zu 
stellen. Die den Römern gegenüber entstehende Frage, ob sie den Zwischen- 
chor gekannt haben, ist durch den Vers Bacch. 107 beantwortet (Hermes XLVI 
292): hier wird wie bei Menander, durch die Überlieferung verdunkelt, 
der herankommende Schwärm angekündigt, vor dem sich, wie bei Menander, 
die handelnden Personen zurückziehn (vgl. über Heaut. 166 ff. Skutsch und 
Flickinger a. a. 0.). Möglich daß in anderen Fällen, als die Bühnensitte 
verloren gegangen war, solche Ankündigungen ganz gestrichen wurden ; 
sicher, daß die Ankündigung eines Chors sonst nirgend vorhanden ist, wie 
auch keine dem xoqov entsprechende Textnotiz. Im allgemeinen sind die 
Aktschlüsse von der Art wie ''Etzlxq. 201 2afi. 271 und in den Papyri von 
Ghorän, wo nur die Notiz den Chor andeutet. Dagegen ist Pseud. 573 aus- 
drücklich gesagt, daß der tibicen die Pause durch sein Spiel füllen wird. Hier 
geht Pseudolus ins Haus und kommt nach der Pause wieder heraus; einige 
andere Schlüsse sind von gleicher Art, vgl. Monol. im Dr. 50 A.6, wo Cist. 630 
hinzuzufügen ist. Zweimal in solchem Falle erscheint als Zwischenspiel eine 
Soloscene: Cure. 461 der choragus, eine Zwischenperson ihrem Wesen nach, 
Capt. 461 der Parasit. Hierher gehört vielleicht der puer Pseud. 767 und 
Capt. 909 (Monol. im Dr. 59, vgl. Prescott Harv. stud. XXI S. 31 ff.). Man 
muß diesen Monologen gegenüber die Frage aufwerfen, ob sie plautinische 
Einlagen an Stelle des x°Q°v sind, wie die Rede des Choragus ohne Zweifel 
von ihm herrührt. Aber daß die Form griechisch ist, kann man nicht be- 
zweifeln. Die gesprochene Zwischenrede und das Zwischenspiel des Flöten- 
bläsers sind zwei getrennte Endpunkte der Entwicklung, die sich vollzog , als 
die Technitenbühne auch den Zwischenaktschor abstreifte. 

Die ganze Frage betrifft nicht eine Äußerlichkeit, sondern geht an das 
Leben des antiken Dramas. Das ernste wie das heitere Spiel verlangte Musik 
in den Handlungspausen; die Tragödie hat nie auf Lied und Tanz verzichtet, 
die Komödie sich erst spät mit dem bloßen Flötenspiel begnügt. Es war nicht 



Die 5 Akte 229 

Ökonomie eines Stückes der neuen Komödie muß sich nach dieser 
Auffassung nach denselben Principien gliedern wie die Tragödie; 
und in dieser Theorie findet der erzählende prologus als eigner 
Teil des Stückes keinen Raum, auch in ihr ist der nqoXoyoq, der 
erste Akt, die Exposition, nicht das prooemium. Wir kennen die 
Theorie zunächst in der Anwendung auf Terenz in den donatischen 
Präfationen, dessen Prologe einfach abgesondert werden, da sie mit 
der Materie des Stückes gar nichts zu tun haben; zu dieser An- 
wendung hat Varro den Grund gelegt, wie der Schluß der praefatio 
zur Hecyra zeigt 1 ). Varro sagt selbst, daß die Akteinteilung so 
gut griechisch wie römisch ist; damit gelangen wir für diese Theorie 
ohne weiteres in die beste Zeit griechischer Gelehrsamkeit. In 
dieselbe führt uns die Lehre des Horaz. Varro bezeichnet in den 
Büchern vom Landbau häufig die Teile der Materie mit Anspielung 
auf das Dramatische als actus 2 ); Cicero ist das Bild geläufig 3 ). 
Es ist offenbar die herrschende Theorie 4 ). Der griechische terminus 



nur die traditionelle Gewöhnung der Form, sondern ein tiefes Bedürfnis, aus 
dem einmal die Form hervorgegangen war. Das zu stark gespannte Pathos 
will sich an Hauptpunkten der Handlung lösen, und die dauernde fröhliche 
Erregung begehrt nach einem ideellen Stimmungsausdruck, um sich auszuruhen 
und zu erneuern ; nur keine leeren Pausen, wie die 'Zwischenakte' jetzt. Wer 
eine unsrer Aufführungen griechischer Tragödien erlebt hat, wird das Bedürfnis 
durch den Mangel schmerzlich empfunden haben; und dem Erfolg der Lauch - 
stedter Menanderaufführung kamen Musik und Tanz der Zwischenakte wesent- 
lich zu Hilfe. Man darf Menander und auch Plautus nicht spielen wie Moliere 
in der Comedie francaise, wo das Zwischenspiel ein Aufklopfen mit dem 
Stocke ist.] 

1) Docet autem Varro, neque in liac fabula neque in aliis esse mirandum, 
quod actus impares scaenarum paginarumque sint numero, cum haec distributio 
in verum discriptione , non in numero versuum constituta sit, non apud Latinos 
modo, verum etiam apud Graecos ipsos. 

2) Z. B. II 5, 2 narra isti, inquit, eadem, qui sermones sint habiti et quid 
reliqui sit, ut ad partes paratus veniat; nos interea secundum actum de 
maioribus attexamus, in quo quidem, inquit Vaccius, meae partes {partes Rolle, 
vgl. Mil. 811 ut nunc etiam hie agat ac tu tum partes defendas tuas). 

3) Philipp. II 34 non solum unum actum sed totam fabulam confecissem. ad 
Q. fr. I 1 ext. tamquam poetae boni et actores industrii solent, sie tu in extrema 
parte et conclusione muneris ac negotii tui diligentissimus sis, ut hie tertius annus 
imperii tui tamquam tertius (actus) perfectissimus atque ornatissimus fuisse videatur. 
pro Marc. 27 haec igitur tibi reliqua pars est, hie restat actus (pars (asqog, s.o.). 
Andere Stellen Ussing Plaut, proleg. p. 166. 

4) Mar. Vict. p. 78 K. prologos et primarum scaenarum actus trimetris com- 
prehenderunt. — haec per medios actus varie; rursus in exitu fabularum quad/ratos 



230 IV ^ie Prologe 

für actus ist juegog 1 ): Marc. tiq. eavröv XII 36 — otov ei xcojucoddv 
anohüEi xfjg oxrjvrjg 6 nagahaßdov oxgaxtjyog ixogr\y6g Nauck). äXX 
ovx elnov xd tzevxe jusorj, aXXä xd xgia. xaXcbg elnag' ev juevxol reo 
ßlqj rd xgia okov xd ögä/ud ioxi 2 ). XI 1 ovx ojotieq etil oqxyj- 
aewg xal VTtoxQiOEOjg xal xcbv toiovtcov äxeXrjg yivExai f\ oh\ nqd^ig y 
lav xi iyxöyjfj' akV im navxbg /usQovg nXfJQsg xal djigoodeeg iavxfj 
xö TiQOXE'&ev noisl. Arrian Epict. 124, 1 6 ol de (ev xQaycoöiatg) ßaodeTg 
äQ%ovxcu juev an dya&cbv' oxEipaxe dcbjuaxa' Eixa tieqI xqixov r) xhagxov 
jbLEQog' ico Ki&aiQcbv, xi ju' idE%ov; Heron (s. u.) II 9, 2 — Iva jutjöev 
xcbv 7iQO£iQtjju£va)v — juEQog xov nlvaxog (paivYjxat. Wir finden den 
Ausdruck angewendet auf Komödie und Tragödie, Pantomimos und 
Marionettenspiel. Es ist klar, daß die Beziehung speciell auf die 
Komödie bei Euanthius täuschend und nur durch den ganzen Zuschnitt 
dieses Traktats auf die Komödie veranlaßt ist. 

Horaz verlangt die 5 Akte für die Tragödie; damit ist erwiesen, 
daß die Theorie für die Tragödie bestimmt und wahrscheinlich, daß 
sie von ihr ausgegangen ist, obwohl sie den Chor höchstens als 
Symbol des Zwischenakts beachtet. Einen großen Schritt in die 
alexandrinische Philologie hinein führt uns die vnov^Eoig zur An- 
dromache, in der nach dem nooXoyog und dem fiQrjvog der An- 
dromache gelobt wird die QYjotg der Hermione ev xco öevxeqco jueqel 
(v. 147 gleich nach der Parodos): damit ist der terminus juegog für 
Aristophanes von Byzanz bezeugt, wenn auch nicht die Fünfzahl 
als Postulat. Zeitlich vielleicht noch höher hinauf, aber aus der 
litterarischen Gelehrsamkeit in die Praxis des Bühnenlebens, führt 

locarunt. [Diom. 491,20 membra comoediae (d.h. xd pegy) diversa sunt, definito 
tarnen numero continentur a quinque usque ad decem. Vgl. Plaut. Cant. S. 112.] 

1) Die Nachweise für /uegog verdanke ich Wilamowitz , der hierher auch 
zieht Plut. Pericl. 5 dkl" 1 "Icova fiev wotisq xgayixrjv didaoxakiav dg'iovvxa xtjv aQsxrjv 
exeiv xi Jidvtcog xal oaxvgixdv fiegog ieoftev. pars neben actus s. S. 229 A. 2. 3. 
Kießlings Herleitung von actus aus der Terminologie der Agrimensoren (zu Hör. 
A. P. 189) kann nicht gelten, der terminus ist von actus ngä^ig nicht zu trennen; 
s. 0. Marc. XI 1 y\ oh\ nqa^ig — im navxbg fuegovg. Welchen Weg das Abstraktum 
zur concreten Bedeutung nahm, zeigt Ter. Hec. 39 primo actu placeo c im Anfang 
der Aufführung'; vgl. Lucan. II 77 primo caedis in actu, Variante ietu. Quint. 
V 10, 9 fabulae ad actum scaenarum compositae. Suet. Ner. 24 in tragico quo- 
dam actu. 

2) Wie hier der dritte Akt die Blüte des Lebens, so bezeichnet er bei 
Cicero (S. 229 A. 3) den rühmlichsten Teil der Amtsführung; vgl. Varro rer. 
rust. III 16, 2. Es gehört wohl zur Theorie von den 5 Akten, daß der dritte 
die Höhe des Stückes bildet und die 4 andern sich zu gleichen Teilen um ihn 
her gruppiren, 



Die 5 Akte 231 

die Schilderung des Puppenspiels Nauplios, die Heron von Alex- 
andria in der ÄvrojuaroTtotrjux}] c. 22 aus Philon von Byzanz (s. be- 
sonders c. 20, t Schmidt) entnimmt 1 ). Das Spiel hatte 5 Bilder d. h. 
Akte 2 ) (1. Vorbereitung der Fahrt. 2. Aufbruch. 3. Fahrt und Sturm. 
4. Nauplios' Feuerzeichen. 5. Schiffbruch, Tod des Aias) und es 
ist mehr als wahrscheinlich, daß sich hierin nicht nur die Theorie, 
sondern auch die Praxis der hellenistischen Tragödie spiegelt 3 ). 
Damit ist die Möglichkeit gegeben, daß die 5 Akte in der Tat eine 
Entwicklungsphase des Dramas selbst bedeuten, in der es sich auf 
3 ETietooöta als Regel beschränkt und eine symmetrische Gliederung 
mit parallelen Abschnitten gegeben hätte. Denn mit einer aus 
der Beobachtung des klassischen Dramas entnommenen Lehre haben 
wir es nicht zu tun, da Sophokles und Euripides nach Abzug der 
%0Qixa oft 6, auch 7 Auftritte haben; und es ist nicht zu verwundern, 
daß sich in den Scholien zu Tragödie und Komödie nirgend eine 
Spur der Lehre oder ihrer Terminologie findet, obwohl sie so viel 
älter ist als Didymos. Bei Seneca aber finden wir durchweg, mit 
einziger Ausnahme des Oedipus (der 6 Akte hat), die Einteilung 
in 5 Akte, wobei die Prologrede als Akt gilt, auch im Oetaeischen 
Hercules 4 ). Ebenso hält es, im Anschluß an Seneca, der Dichter 
der Octavia. 

Von den letzten Stücken der alten Komödie haben die Ekklesia- 
zusen 6, der Plutos 7 Akte. Ob die neue Komödie unter dem 
Kunstgesetz der 5 Akte stand, das direkt zu entscheiden haben wir 
kein Material 5 ) ; es könnte nur aus der Beschaffenheit der lateinischen 
Bearbeitungen gefolgert werden, keinesfalls aus Varros Ansetzung 
der Fünfzahl für Terenz. Die terenzischen Stücke hat Varro, und 
nach ihm die Commentatoren, in je 5 Abteilungen zerlegt 6 ); für 
die plautinischen ist es seit den Herausgebern der Renaissancezeit 
vielfach versucht worden. Einige lassen sich ungezwungen in 5 Akte 
teilen, andere aber mindestens ebenso ungezwungen in 6 oder 7 Akte. 

1) V. Prou les theätres d'automates en Grece, in Memoires presentes par 
divers savants ä l'academie (1881) 1884, IX 1 p. 117 sq. [Über die freilich sehr 
ungewisse Zeit Philons s. W. Schmidt p. X A., LXX.] 

2) V. Prou p. 152. 215. 

3) Weil Journ. des Sav. 1882 p. 418. üssing Plaut, proleg. p. 165. 

4) Dies würde sich allerdings durch den Anschluß an die Horazische 
Lehre ausreichend erklären. [Hierzu Rhein. Mus. LH 510.] 

[5) Auch nicht nach dem Menanderfunde.] 

6) Die Schwierigkeit der Teilung wird zum Eunuchus hervorgehoben, 
praef. 1, 5, 



232 IV Die Prologe 

Dazu kommt, daß wir nicht berechtigt sind, die plautinischen 'Prologe, 
wie es Varro mit den anders gearteten terenzischen gehalten hat, 
einfach abzuziehen; die einzigen sicher fünfaktigen Dramen des 
Altertums, Senecas Tragödien, zählen die Prologrede als Akt. All 
dies mag davor warnen, eine Regel zu überspannen, die zwar Varro 
auf Terenz angewendet hat, für deren Anwendbarkeit auf Plautus 
es aber weder Gewähr noch Zeugniß gibt 1 ). 

Diese Erörterung ist zu einer Digression von der Frage ge- 
worden, die uns hier beschäftigt; für diese Frage kommt nur in 
Betracht, daß auch die Lehre von den 5 Akten, die den Chor 
ignorirt, den Prolog nicht als Rede, sondern im aristotelischen Sinne 
als Exposition faßt, also für den 'Prolog', den wir auf griechischem 
Boden suchen, kein Zeugnis gibt. Mit dieser Lehre verbunden 
erscheint in sämtlichen donatischen Vorreden sowie in beiden 
Traktaten de comoedia eine andere, nicht eine bloße Anwendung 
der aristotelischen Einteilung, sondern eine neue Terminologie auf 
Grund neuer Auffassung: Euanth. 4, 5 und Don. 7, 1 comoedia per 
quattuor partes dividitur, prologam protasin epüasin catastrophen; 
dann werden in beiden Fassungen die Ausdrücke erklärt; in jeder 
einzelnen Vorrede werden die Teile nach demselben Schema 
charakterisirt. Zunächst ist zu sagen, daß die beiden Auffassungen 
von den Teilen der Komödie, die 5 Akte und die 4 Teile, sich 
gegenseitig ausschließen, was keiner weiteren Erörterung bedarf; 
es ist bloßer Unverstand der Terenzcommentatoren, daß sie beide 
miteinander verbunden haben. Was uns hier vor allem interessirt, 
ist daß der nQokoyog die Reihe eröffnet, ohne daß er doch im 
aristotelischen Sinne gemeint sein könnte; und daß die Einteilung 
griechischen Ursprungs ist, zeigt die Terminologie. Aber dieser 
TtQoXoyog vor der jzqotclois ist ein Gaukelbild; nach den Definitionen 
der Traktate und den Erklärungen der Vorreden beginnt das Stück 
mit der jiQotaoig. Einerseits würde jeder das argumentum erzählende 
Prolog zur Ttgoraoig gehören, andrerseits würde eine Gliederung 
wie jene vierteilige auf kein Stück ohne Prologrede passen, also, 
um es kurz zu sagen, die Gliederung paßt nur auf Komödien, die 
sämtlich prologi und zwar von der Materie des Stückes gänzlich 
gelöste prologi haben, das heißt ausnahmslos nur auf Komödien 
mit Prologen in der terenzischen Form. Daraus ergibt sich mit 
Sicherheit, daß der nqoloyog lediglich zum Zweck der Terenz- 

[1) Weiteres: Monol. im Dr. 50 ff.] 



TtQoXoyog JiQÖxaoig STtlxaoig xaxaoxgo<pr/ 



233 



erklärung der nqoxaoig vorgesetzt worden ist. Es folgt schon hieraus, 
daß die Teilung der Komödie in JiQÖxaoig enixaoig xaxaoxQocpy) vor- 
handen war, ehe sie in die Terenzerklärung eingeführt wurde; aber 
mit den varronischen Bestandteilen der Traktate hat sie nichts zu 
tun, sie auf Varros Vermittlung zurückzuführen hindert schon der 
sichere Zusammenhang der Einteilung nach 5 Akten mit Varro; 
vielmehr gibt die Lehre einen zuverlässigen Anhalt, Nicht varronisches 
vom varronischen Gut zu sondern. Das mit diesem System zu- 
sammenhängende jiQooamov nqoxaxixov, d. h. das zur JiQÖxaoig ge- 
hörige, das in die moderne Terminologie übergegangen und uns 
dadurch geläufiger ist, kommt auch nur bei Donat und Euanthius 
vor. Wir haben sonach kein Mittel, das Alter der Theorie zu 
beurteilen, als die termini. Geläufig ist nur xaxaoxgocptj : Sophokles 
ßiov boxe negaoiv rjdrj xal xaxaoxQocprjv xiva, Polybius xaxaoxgo(p}]v 
xfjg ölrjg xaxaoxevfjg xal xrjg devxegag ßvßlov 1 ), von der Komödie 
Antiphanes akkä jzdvxa Sei svqeiv — xr\v xaxaoxQoeprjv, xrjv eioßoArjv 2 ), 
vom Marionettenspiel Heron xal ovxco xleioftevxog (xov mvaxog) 
xaxaoxgocprjv el%ev 6 juv&og, und in der alexandrinischen Terminologie 
xö dgäjua xcojuixwxegav e%et xr\v xaxaoxgocprjv. Aber daß das Wort 
peripatetisch ist, finde ich nicht. Weniger deutlich sind ngoxaoig und 
enixaoig. Die Erklärungen des Euanthius und Donat sind freie 
Paraphrasen einer griechischen Definition: 



c. 4, 5 
ngoxaoig primus actus 3 ) initium- 
que est dramatis 



emxaoig incrementum proccssus- 
que turbarum ac totius, ut ita dixe- 
rim, nodus error is^) 



c. 7, 4 



ngoxaoig est primus actus 3 ) fa- 
bulae, quo pars argumenti explica- 
tur, pars reticetur ad populi ex- 
pectationem tenendam 

emxaoig involutio argumenti, cuius 
(1. qua eius) elegantia conectitur (vgl. 
nodus erroris) 



1) Auch III 48, 8 ai xaxaoxQoqpai xcov dga/naxcov , vgl. 47, 8 xaxaöXQoqprj 
und e^odog. 

2) eioßoXrj vgl. tzsqI vyovg c. 38, 2, schol. Heph. p. 168, 17 Consb., schol. 
Ran. 1219. 

3) primus actus ist der prima dictio (Don.), praefatio fabulae (Euanth.), 
dem Prolog, entgegengesetzt (s.u.); schwerlich wie prol. Hec. 39 primo actu 
placeo. 

4) Vgl. praef. Andr. p. 37, 19 W. periculumque Charini et Pamphili et totus 
error in fäbulis (inenodabilis Rabbow) usque ad eum finem est ductus, dum Athenas 
veniens Andrius quidam Crito rem aperiat et nodum fabulae solvat. Vgl. 



234 IV Die Prologe 



xaraorQocpYj explieatio fabulae, 
per quam eventus eius approbatur. 



xaxaoTQoyrj conversio rerum ad 
iucundos exitus, pate facta cunctis 
cognitione gestorum. 

znuzaoig (Steigerung) und xaraorgocp^ sind c. 4, 5 richtiger übersetzt 
als 7, 4, dafür gibt Euanthius von nqoxaaig nur eine materielle Um- 
schreibung; Donats pars reticetur etc. bedeutet daß nqoxaoig gefaßt 
ist als der Anfang des Stückes, in dem der Dichter jigoxeivec xr\v 
VTiofteoiv xa&äjieQ alviyjua r\ Ttgoß^rj/ua. Und das ist in der Tat die 
einzige der vielen Bedeutungen des Wortes 1 ), die anwendbar ist. 
So passend nun auch nqoxaoig wie emxaoig, jedes einzeln, die Sache 
bezeichnen mag, so ungehörig ist ihre Zusammenstellung: emxaoig 
ist in andrer Übertragung gebraucht als jigoxaGig, die Wörter bilden 
keinen Gegensatz oder vielmehr einen scheinbaren, wie TiQÖXoyog 
und ejiikoyog einen wirklichen; das ist ein Wortspiel, wie es in einer 
ernsthaften Terminologie guter Zeit nicht vorkommt. Alt ist diese 
Dreiteilung schwerlich; daß sie nicht peripatetisch ist, zeigt schon 
die terminologische Anwendung des Wortes jiQoxaoig in andrer 
Bedeutung als der in der aristotelischen Logik und Rhetorik ihm 
zukommenden. 

Die Traktate geben aber auch Definitionen des ersten ihrer 
vier Komödienteile, des ngoloyog : Euanthius kurz, 4, 5 est prologus 
velut praefatio quaedam fabulae, In quo solo licet praeter argumentum 
aliquid ad populum vel ex poetae vel ex ipsius fabulae vel ex actoris 
commodo loqui 2 ), Definition und Zusatz speciell auf Terenz zu- 
geschnitten; Donat ausführlicher und mit einer gleichfalls sonst 

p. 35, 15 protasis siibtilis, epitasis tumultuosa (protasis turbulenta Ad. und Hec), 
catastrophe paene tragica, et tarnen repente ex his turbis in tranquülum per- 
venitur. Vgl. Scheideniantel quaest. Euanth. 30 sq. 

1) In der Rhetorik bedeutet es, ausgehend von der aristotelischen jiqö- 
xaoig, die mit der logischen identisch ist (rhet. 1359 a 8), allmählich jeden Satz, 
vgl. Rufus I p. 469 Sp., schol. Hermog. VII p. 713 sp. W. Eine rhetorische An- 
wendung gibt es, die man leicht verführt werden kann hierherzuziehen. 
Lollianus (Walz VII p. 33) teilt das TtQooifiiov dreifach : nqoxaoig xaxaoxevt] ßdoig, 
danach Hermogenes n. svg. I 5 vierfach: JiQoxaoig naxaoxevr) djzödooig ßdoig (vgl. 
schol. VII p. 21. 69 nqoxaoig ioxi xo ev dq%jj nqoxeivö^evov xov Xöyov), und ebenso 
die Widerlegung: nqoxaoig vnotpoqd ävxmqoxaoig Xvoig (p. 207 Sp.). Die nqoxaoig 
als erster Satz des nqooipiov ist also der wirkliche Anfang der Rede, und die 
hadrianische Epoche wäre ein probabler Zeitansatz; aber eine kleine Über- 
legung zeigt, daß dieser terminus für die Exposition der Komödie eine Albern- 
heit wäre. 

2) 3, 8 et item (mirabile in Terentio) quod nihil ad populum facit actorem 
velut extra comoediam loqui, quod Vitium Plauti frequentissimum. 



System des TiQoXoyog bei Donat 235 

unbekannten Einteilung und Terminologie (7, 2) : prologus est prima 
dictio, a Graecis dicta jiQcoxog koyog vel (Rabbow, ut codd.) ante- 
cedens veram fabulae compositionem elocutio, (6 tzqö xov ÖQdjiiaxog 
koyog) 1 ). eins speeies sunt quattuor: ovoxaxixog commendaticius , quo 
poeta vel fabula commendatur, emxt/ufjxixog relativus, quo aut adver- 
sario maledictum aut populo gratiae referuntur, ÖQajüLaxixög argu- 
mentatives^ exponens fabulae argumentum, juixxog mixtus, omnia haec 
in se continens 2 ). Hier haben wir eine Theorie des Prologs von 
griechischem Ursprung, die ihn durchaus als Einleitungsrede auffaßt. 
Die Definition sondert ihn sogar von der vera fabulae compositio; 
aber da in diesen Traktaten Alles mit Rücksicht auf Terenz zu- 
gestutzt ist, ist diese Definition mit Mißtrauen zu betrachten; die 
Umschreibung jzocbxog koyog aber besagt, daß die dialogische Ex- 
position nicht unter den Begriff bezogen wird 3 ). Daß uns hier 
nicht die ganze Erörterung der Vorlage mitgeteilt wird, zeigt die 
Vorrede des Phormio p. 346, 23 W.; dort wird mit richtigerer Wort- 
erklärung eine zum Teil abweichende Ansicht vorgetragen, die 
augenscheinlich aus dem Zusammenhang des im Traktat Mitgeteilten 
stammt: nqokoyog correpte änb xov jtqoUyeiv dicitur, non produete 
änb xov ngcbxov Myaiv. nam officium prologi ante actionem quidem 
rei semper est, verumtamen et post principium fabulae inducitur, ut 
apud Plautam in Milite glorioso et apud ceteros magnae auctoritatis 
veteres poetas^). Die Grundanschauung ist dieselbe, nur die Ein- 
leitungsrede ist jzQÖÄoyog, aber da die Sache auf Terenz keinen 
Bezug hat, ist sie im Traktat fortgelassen. Es wird dadurch be- 
stätigt, daß diese Prologtheorie mit ngöxaoig imxaoig xaxaoxgo<prj 
nichts zu tun hat; sie ist vom Verfasser der Vorlage beider Traktate 
aus einem andern Lehrbuch hinzugenommen, nachdem er jene Drei- 
teilung durch den ngokoyog ergänzt hatte. Nach welchem Princip 
sind nun die 4 Arten des ngokoyog zusammengestellt? ovoxaxixog, 
inixijurjxixög, dgajuaxixog, juixxog. Hierin ist gar kein Princip. Wenn 
ovoxaxixog und emxifxrjxixog zusammentreten, so bezeichnen sie den 
Inhalt nach speciellen Beschaffenheiten; daneben ist dga/uaxixög sinn- 
los, wohl aber könnten noch eine Reihe andrer den Inhalt bezeich- 



[1) Ergänzt von Rabbow, in FC die Lücke bezeichnet.] 

2) Die termini sind zum Teil verschrieben, aber sicher hergestellt. 

3) Nur scheinbar ist die Verwandtschaft mit der aristotelischen Definition 
der jiaQodos (jigwtr} Xet-ig ökov xoqov). 

4) S. oben S. 214. 



236 IV Die Prologe 

nender Kategorien wie Dankprolog, Ankündigungsprolog 1 ) daneben- 
treten. Freilich wird dgajuaTixög so erklärt wie wenn es den Inhalt 
bezeichnete, es wird mit argumentative übersetzt und exponens 
fabulae argumentum erklärt. Das ist aber unsinnig, es würde 
griechisch zwar nicht vjzo&ertxög (wie man die in der editio prin- 
ceps gelassene Lücke früher ergänzt hat) aber e^f]yr]Tix6g oder 
dirjyrjjuauxög heißen; dgajuanxög kann zwar auch ein erzählender 
Prolog heißen, aber nur mit Rücksicht darauf, daß die Erzählung 
von einer handelnden, vom Dichter oder seinem Repräsentanten 
verschiedenen, zum Drama gehörigen Person gegeben wird: dgajua- 
xixög (%agaxTY]g) 6 xe%cogiojuevog tov Tioirjrixov ttqoowtzov , vno de 
rcov Tzageioayo/uevcjQv tiqoocojiojv Aeyöjuevog (schol. Dion. Thr. p. 450, 
5 H.). Die Kategorie ngoloyog dgajuanxög widerspricht also nicht 
der Gesamtdefinition, d. h. sie braucht nicht dialogischen Prolog zu 
bezeichnen, aber sie sondert die von Personen des Stückes ge- 
sprochnen Prologe, wie die enripideischen und eine Reihe der plau- 
tinischen, von den nicht von einer handelnden Person gesprochenen. 
Welche Kategorie enthält nun diesen Gegensatz? offenbar der 
ovoranxög, quo poeta vel fabula commendatur , der Prolog dessen 
Aufgabe es ist das Stück zu empfehlen, womit natürlich die Er- 
zählung des Inhalts verbunden sein kann; wie wenig das dem Be- 
griff widerspricht, mag der Prolog der Captivi lehren (v. 53 sq., vgl. 
Asin. 13). Nun gibt es aber auch Prologe, die zwar von einer 
handelnden Person gesprochen werden, aber doch, wie wenn die 
Sprecher außerhalb des Stückes stünden, sich mit empfehlenden 
Worten ans Publikum wenden, wie z.B. in den Wespen und 
mehreren plautinischen : das sind die juixtoi. Hiermit sind in der 
Tat alle bekannten Prologreden untergebracht; nur die terenzischen 
sind zwar sämtlich auch ovoranxoi und sämtlich nicht dgajuauxoi, 
aber da ihr Hauptinhalt durch jene Benennung nicht bezeichnet 
ist, so mußte dem Terenzerklärer eine Kategorie, für ihn die 
wichtigste, fehlen. Deshalb erfand er den imri/wr]rix6g: dieses Wort 
bezeichnet den Inhalt aller terenzischen Prologe 2 ). Daß diese 

1) Eugraphius zum Anfang der Andria (p. 3, 8 W.) hat eine Dreiteilung, 
in der der Ruhe gebietende Prolog vorkommt, mit demselben Rechte: omnis 
prologus triplici inducitur causa, vel ut argumentum fabulae possit exhibere vel 
poetam populo commendare vel ut a populo audientiam postulet; aber Terenz 
dichte seine Prologe aus keiner dieser 3 Ursachen, sondern propter hunc (ad- 
versarium) prologum semper inducit, ut eins maledictis respondeat. 

2) Die Übersetzung relativus, die durch referuntur gestützt zu werden 



System des iiQoXoyog bei Donat 237 

species zugesetzt ist geht auch daraus hervor, daß das speeielle 
emrijurjrixog nicht wie das allgemeine ovorauxog einen Gegensatz 
zu ÖQafxaxlxog bildet. So ist aus einer dreifachen Reihe auch hier 
eine vierfache geworden» Entscheidend für die Richtigkeit dieser 
Beweisführung ist die Kategorie /ucxrög. Es ist beispiellos und der 
Schärfe antiker Systematisirung zuwider, daß das /uixröv eine 
Mischung aus dreien, d. h. eine nach ihren Teilen undeutliche 
Mischung (omnia haec in se continens) bezeichnet; so häufig die 
Kategorie ist, stets ist sie die dritte in der Reihe wie das /lifoov. 
Um ein paar hier naheliegende Beispiele anzuführen: schol. Dion. 
Thr. p. 450, 13 H. noujoecog yagaxrfJQeg tq£lq' dü]y7]juaTix6g dga/ua- 
nxög juixrog 1 ) (bei Diomedes p. 482 das dritte yevog xoivov vel 
jmxtov) ; Euanth. 4, 4 comoediae motoriae sunt mit statariae mit mixfac 
(zu Ad. prol. 24) 2 ). In keiner der zahlreichen Vierteilungen, die 
Usener zusammengestellt hat 3 ), findet sich das jluxtov, es würde 
ebenso deplacirt sein wie das /neoov in den %(iQaxTfJQeg des Dio- 
medes (p. 433) jLiaxgog, ßga%vg, /ueoog, ävih]Qog (Usener S. 607); alle 
diese Systeme bestehen, wie es die Natur der Sache mit sich bringt, 
aus vier gesonderten Kategorien. Wie häufig aber die Neigung zu 
Vierteilungen durch Erweiterung eines dreiteiligen Systems befriedigt 
wurde, ist bekannt (vgl. S. 234 A. 1). 

Wir haben hieraus die Tatsache gewonnen, daß in einer 
griechischen Gliederung der Prologe solche Prologe figuriren, die 



scheint , ist auffallend , da sie weder den Begriff deckt noch überhaupt ohne 
den Beisatz verständlich ist. quo aut adversario maledi&um aut popnlo gratiae 
referuntur ist richtig und nicht mit Reifferscheid maledicitur zu schreiben, 
denn Terenz betont immer, daß er nur durch den Widersacher gereizt erwidert. 
Aber die Danksagung muß doch im Namen mit enthalten sein und Reiffer- 
scheid hat wohl recht, wenn er sTtiTifArjrtxdg rj evxoLQcoxrjxtxog oder dergleichen 
voraussetzt. Es wird aber dadurch nur um so deutlicher wie schlecht die 
Kategorie erfunden ist, denn 'tadelnd oder lobend' kann wohl eine species 
heißen, aber nicht 'tadelnd oder dankend', dann doch besser 'empfehlend oder 
dankend' {quo poeta eommendatur aut populo gratiae referuntur). Vielleicht war 
dies die ursprüngliche, vom Urheber des Traktats erweiterte Form, denn in 
den terenzischen Prologen wird nie gedankt, wie in dem zur Vidularia. 

1) Fortunatianus p. 126 H. noioxrjxog (characterum elocutionis) quot sunt 
genera? tria: ÖQafxaxixov , Sirjyfj/Liaxixov , juixxov (vgl. p. 86. 87 sq. u. a.). Nur 
scheinbar weichen die Definitionen bei Hephaestion jisql Tzoir^iaxog hiervon ab. 

2) Vgl. prol. Heaut. 36; dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für Über- 
tragung aus dem Griechischen. 

3) Sitzungsber. d. Bayer. Akad. 1892, 602 ff.; über die Stellen die uns hier 
beschäftigen S. 621 ff. 



238 TV Die Prologe 

nicht von einer handelnden Person gesprochen werden, also in 
Person oder Namen des Dichters auftreten. Man könnte noch die 
Frage aufwerfen, ob die Dämonenprologe in diese Klasse gehören 
können; es ist aber klar, daß diese unter die dgajuanxol gehören, 
denn es sind ngooama, die der Dichter erfindet und einführt. Nur 
Prologe in der Art des Prologs der Captivi und ihre Weiterbildungen 
können zu den dgajuanxoc einen Gegensatz bilden. Prologe solcher 
Art hat es also in der griechischen dramatischen Litteratur, d. h. in 
der neuen Komödie, gegeben 1 ). 

In der Tat ist es ohne Zwang nicht anders aufzufassen, wenn 
von Demetrius n. eg/u. 153 parallel nebeneinander 6 jzagd Hdxpgovi 
or/TOQEVCOV BovXiag und nagd Mevdvögco 6 ngoXoyog rrjg Meoorjvlag 
angeführt werden; wer würde (ich meine welcher antike Schrift- 
steller), wenn er die Person, nicht den Inhalt bezeichnen wollte, 
vom ngoXoyog des Ion oder der Acharner sprechen? Persönlich 
wendet das Wort auch Lukian an: rwv Mevdvögov ngoXoycov elg 6 
'EXeyxog, d) ngoXoywv xal daijuovcoi> ägiors *EXey%e, was doch nur 
möglich ist, wenn ngoXoyog auch ohne von einer benannten Person 
getragen zu sein persönliche Bedeutung hat 2 ). 

An Menanders 'EXeyxog, den Lukian citirt um den Prolog seiner 
Schrift negl xrjg djtocpgddog zu sprechen, haben wir ein gutes Beispiel 
des juixiöv yevog. Die Grundzüge des menandrischen Prologs lassen 
sich erkennen 3 ). 9 EXey%og erklärt seine Existenz und Eigenschaft; 
er ist der alles wissende und auch alles erzählende Gott (4), er 
klärt die Zuschauer über die Vorgeschichte des Stückes auf, dann 
entfernt er sich: oga öncog oacpcbg ngodiddtjfjg rovg dxovovrag — 
ravra juova ebidw xal GCKpcbg Ttgoöifjyrjodjuevog llecog dnu&i exjioÖcov, 
rd de äXXa fjfuv xardkme. In der Erzählung spricht er vom noir\i/i]g 



1) Denn sie nach Chorikios rev. de phil. I p. 213 rjv ovxoi {ol juT/uot) ovvrjftrj 
noiovvxai Ttgog rä tiearga öerjoiv, ikagwg äxovoai rov Xoyov nur auf die Mimen 
zu beziehen würde den Zusammenhang der Überlieferung, die diese Prologe an 
Terenz anschließt, aufheben. 

2) Dagegen Aristot. rhet. III 1413 b 27 iv %(ö TigoXoyw rcbv Evosßcov bedeutet 
natürlich den Teil des Stücks, und auch Quintil. XI 3, 91 bezeichnet nur die 
Rede als solche : — cum mihi comoedi quoque pessime facere videantur, quod, 
etiamsi iuvenem agant, cum tarnen in expositione mit senis sermo, ut in Hydriae 
prologo (wie Charinus im Mercatorprolog v. 46 sq. den Vater, 71 den Großvater 
agirt, auch dies zum Beweise der Echtheit), aut mulieris, ut in Georgo, incidit, 
tremula vel effeminata voce pronuntiant. Vgl. Fabia les prol. de Te>. 137 ff. 

3) Vgl. Dziatzko S. 9 ff. Fabia les prol. de Ter. S. 81. 



Attischer prologus 239 

ovxog 6 ejuog (7, wie die Parabasen, der Prolog der Vidularia und 
die terenzischen), 6 ejus TtQoeioJiejuymg vjuTv (9, 6 xbv Xoyov rovde 
ovyyqdxpag 7), er rühmt den Dichter entweder oder erklärt daß das 
Lob unnötig sei (4 jurjre d' ejus Ttqbg avrovg eTiacvsarjg, a) (piXxais 
"Ehey%£, ixyytE rd exeivco nqooovxa 7tQ0Exykr\g avrcog, dies zweite nur 
auf Lukians Schrift bezüglich, aber durch das erste veranlaßt); er 
ist also einerseits vom Dichter erfundene dramatische Figur, andrer- 
seits nicht minder ovoranxog als es der in der Person des diddaxakog 
redende Chor der Parabase ist. 

Unter den Fragmenten der jueoi] und vea sind eine ganze Reihe, 
die nicht nur augenscheinlich einer Prologrede, sondern auch zum 
mindesten dem jluxtov yevog angehören; so die Stellen aus dem 
Prolog von Heniochos TloXeig, Anaxandrides Nygevg, Menanders 
AvoxoXog 1 ). Nicht anders wüßte ich unterzubringen Phil em. 143 K. 
yalenov y" dxQoart]g dovverog xafirjjuevog' \mb ydg dvolag ovy eavrbv 
jueju(peTai f Worte die den bekannten Stellen der plautinischen Prologe, 
solchen die gerade späteren Bearbeitern zugeschrieben zu w r erden 
pflegen, genau entsprechen. Durchaus nur Gvorarixög, aber vom 
Dichter selbst oder in seinem Namen gesprochen, ist, wie längst 
gesehen 2 ), der Prolog der Qaig, aus dem Plutarch (de aud. poet. 19 a ) 
die Verse anführt, die beginnen: ejuol jlisv ovv äeiöe rotavTrjv, $ed. 
In der Tat bedurfte der Dichter der chorlosen Komödie irgend 
eines Ersatzes für die Parabase. Es ist nicht glaublich, daß die 
Unpersönlichkeit der tragischen Kunstform, die sich Spiel und Stil 
der neuen Komödie unterworfen hat, das der Komödie an sich 
anhaftende persönliche Element, die unmittelbare Einwirkung des 
Dichters auf das Publikum, bis auf den letzten Rest aufgesogen 



1) ["Ayvoia Epitr. 47—51. Auch der Straßburger Prolog (oben S. 212 A. 2) 
gehört hierher.] Nicht hierher gehört das berühmte Fragment aus Antiphanes 
IToitjoig, das aus der Handlung selbst stammt; auch nicht das aus der v AXxr\oxi<; 
(29 K): hier spricht nicht die Muse zum Dichter, sondern eine Person des 
Stücks zum Intriganten, wie Mil. 195 sq., Bacch. 693 und oft. Sehr wahrschein- 
lich ist die Vermutung von Frantz (S. 66), daß Athenaeus' Bemerkung über 
die Sklavenköche des Poseidippos (Athen. XIV 658 f ), aus der man die Zeit 
der Menaechmi hat bestimmen wollen, aus dem Prolog der *AjzoxXsio[.i€vr) stammt, 
die er p. 659 c citirt. 

2) Dziatzko S. 9. Die Auffassung von Fabia S. 78 wird durch den Wort- 
laut des Fragments widerlegt. Frantz S. 68 spricht die einleuchtende Ver- 
mutung aus, daß aus diesem Prolog die Anekdote bei Athen. 594 d hervor- 
gegangen sei, Menander habe auf das Lob einer Hetäre in einem Stück des 
Philemon ävriyQaysv <x>s ovdsfxiag ovarjg XQV ar V^» 



240 IV Die Prologe 

hätte 1 ). Viele einzelne plautinische Stellen 2 ) und attische Fragmente, 
die schwerlich alle aus Prologen stammen, zeigen, daß der Verkehr 
des Dichters mit den Zuschauern gelegentlich die Illusion durch- 
brach: er mußte aber eine Stelle im Aufbau seines Stückes haben, 
die ihm gewohnheitsmäßig gestattete, Gunst und Beifall zu erbitten 
und durch persönliche Äußerungen das Interesse seiner Athener an 
seiner Kunst und Entwicklung wach zu halten. Für diesen Zweck 
bildete sich die Anfangsrede der Komödie aus; notwendig war ihr 
der persönliche Inhalt sowenig wie der Parabase, ja die Rede 
selbst war nicht notwendiger Bestandteil, aber sie stand stets bereit 
dem Dichter zur Hand und konnte von ihm mit beliebiger Form 
umkleidet werden. Diese Freiheit des Dichters spiegeln uns die 
plautinischen Prologe wieder, und es ist wohl zu beachten, daß 
die ins einzelne gehende litterarische Polemik, wie sie sich in den 
Parabasen der Wespen und des Friedens findet, im jungen Athen 
die Form der Vorrede annehmen mußte. 

Dazu kommt die Schlußrede, deren Anfänge uns einerseits Ion 
und Phönissen (und Oedipus Tyr.) zeigen, andrerseits in den ans 
Publikum gerichteten Schlußworten Wespen, Friede, Lysistrata 3 ). 
Bei Plautus hat das persönliche, oft eine Betrachtung an die 
Handlung knüpfende, stets zum Beifallklatschen auffordernde Schluß- 
wort der Schauspieler oder der cantor (wie stets bei Terenz 
plaudite oder valete et plaudite), in Captivi und Cistellaria ist es 
der caterva, in der Asinaria der grex zugeschrieben, ohne Be- 
zeichnung, aber in pluralischer Rede Bacchides und Casina; die 

1) Auch der Chor ist aus der neuen Komödie keineswegs spurlos ver- 
schwunden, auch wenn man nicht seine Spuren in den advocati des Poenulus, 
den piscatores des Rudens, den lorarii der Captivi und Menaechmi sucht. Nicht 
nur die Kunstform hat er auch über sein Grab hinaus bestimmt. Seine Teil- 
nahme am Gespräch der Handelnden, die sich in Zustimmung und Widerspruch, 
in der Betrachtung über das Gesprochene, im Suchen des Gedankens, in der 
Anwendung der Lebensregel auf das Leben äußert, hat ihren Niederschlag 
gefunden in den Zwischenreden, die eine stehende Erscheinung solcher Scenen 
der neuen Komödie geworden sind, die den Stoff zu allgemeineren Betrach- 
tungen enthalten. Chorartig sind z. B. die Zwischenreden des Palaestrio 
Mil. III 1, des Charmides Trin. IV 3, des Palinurus Cure. 175 sq. 187 sq., des 
Euclio Aul. III 5. [Monol. im Dr. S. 68, und anderes dort.] 

2) Euanth. de fab. 3, 8. 

3) Lys. xqoxov ö" d/uä uioirj xoQUKpe'krixav (vgl. Asin. Capt. Merc), Pac. o5 
X<xiqst£, %aiQE% ävdgeg, xav ^vveTtrjo^e poi, JtXaxovvtag edeofte, wie die Einladungen 
und Aufforderungen am Schluß von Pseud. Rud. Stich. Porph. Hör. A. P. 154 
l vos valete et plaudite^, quae consummatio et comoediae et tragoediae est. 



Schlußrede. Prologe des Philemon 241 

Schlußverse des Epidicus aber (hie is homost qui libertatem malitia 
invenit swi. plaudite et valete. lumbos porgite atque exsurgite) 
spricht nach dem Vetus der poeta, freilich Verse ganz ohne 
individuelle Färbung. Daß aber auch diese Schlußrede, die auch 
persönlichen Inhalt gestattete, nicht römische Erfindung ist, zeigt 
nicht nur Menand. frg. 887 K. egägavTeg emxQor^aare , sondern be- 
sonders das Schlußwort des Augustus: et de näv e%ei xaXwg, reo 
Tzatyvicp 1 ) dore xqoxov xcu Jidvreg vjuetg juerä %aQag xTVTzrjoaie (frg. 
adesp. 771 K.), was natürlich nur der jueorj oder vea angehören 
kann 2 ). 

Zur Bestätigung meiner Beweisführung aus den Stücken selbst 
werden diese direkten Zeugnisse, so viele ihrer vorhanden sind, 
genügen; sie zeigen uns in der theoretischen Tradition und in den 
Resten der Dichtung sichere Spuren des Prologs der nur Prolog 
ist und erweisen, wie die Analyse, auch solche plautinische Prologe 
als Nachbildung. Römisch bleibt also nur die letzte Entwicklung, 
die Terenz oder, wie wir vermuten müssen, Caecilius dem Prolog 
gegeben hat, deren Anfänge wir in den Prologen zu Asinaria und 
Vidularia vor uns sehen. 

5 
Ich habe bisher vermieden, die Prologe den Dichtern der 
Originale zuzuschreiben, wie es ja auch kein Zweifel ist, daß die 
unpersönlichen Prologe bereits von Plautus gemäß ihrer Bestimmung 
für sein Publikum und römische Bühnenverhältnisse frei wieder- 
gegeben wurden und dann zu Überarbeitung und Nachdichtung 
geradezu einluden. Jetzt aber, da wir an der Ursprünglichkeit der 
Prologformen selbst nicht mehr zu zweifeln haben, wird auch die 
Frage erlaubt sein, ob wir für die Entwicklung der attischen Komödie 
und ihrer Dichter etwas aus den Prologen lernen. Die drei Stücke 
des Philemon zeigen drei Spielarten des Prologs: die dialogische 
Exposition, und zwar mit einer nur der Exposition dienenden Figur 
(jiQooooTiov TZQOTanxöv), in der Mostellaria; eine Einleitungsrede der 
Hauptfigur von der direkt aus Euripides stammenden Art und gleich 



1) naiyviov, quae lusimus. Vgl. Euphron 1, 35 sxeivo dgäfia , tovto S' soxl 
Ttaiyviov. 

2) Auf den Schluß bezieht Meineke IV p. 282 das Fragment Menanders 
(616) r\ <$' svjzarsQSia qpdöyekcbg re Ttagfievog NIhtj jus& tj/licqv svfxsvr^g stioit' äsi 
(wie das euripideische c5 fisya osfivr} Nlxri), minder wahrscheinlich auf den 
Prolog V p. CCLXXXI. 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 16 



242 IV Die Prologe 

in der folgenden Scene mit Acanthio (der nachher nicht wieder 
erscheint) der Beginn der Handlung im Mercator; ein gleichfalls 
aus euripideischer Anregung erwachsenes allegorisches Vorspiel im 
Trinummus, der einer Einleitung nicht bedarf, ein Vorspiel um des 
Vorspiels, nicht um der Belehrung willen. Wir finden also bei 
Philemon zwei an Euripides angelehnte Formen, daneben die 
sophokleisch-aristophanische , die auch im Persa erscheint, dessen 
Original älter ist als die übrigen datirbaren; wir finden in der 
Mostellaria die nur für die Exposition erfundene Person, ihr steht 
die Erfindung des nur die Botschaft bringenden Acanthio nahe. 
Die beiden Stücke des Diphilus (die Vidularia lasse ich hier wegen 
der problematischen Natur des Prologs beiseite) haben Prologreden, 
Rudens den göttlichen TiQoXoyog^ der sonst für Diphilus nicht bezeugt 
ist, in der Erfindung ganz entsprechend dem 9 Ayjq Philemons und 
dem "EXey%og Menanders, nicht der KaXhyeveta und Aogma oder 
dem &6ßog. Von dem Prolog der Casina, der mit der bestimmten 
Absicht des Schauspieldirektors, das Publikum anzureden, um- 
gearbeitet worden ist, läßt sich am wenigsten sagen ob er die 
ursprüngliche Form bewahrt hat; aber daß die KXrjQovjuevot einen 
Prolog gehabt haben, der mit antiker Terminologie zu reden entweder 
ovoranxög oder juixrog war, ist sicher. Die beiden plautinischen 
Stücke des Diphilus bestätigen also trefflich die ipvxQorrjg seiner 
Prologe, über die sich Gnathaina aufhält (S. 192). Von den beiden 
sicher menandrischen Stücken fehlt den Bacchides der Anfang, der 
Stichus aber hat dialogische Exposition, wie sie für Menander auch 
aus Fragmenten nachzuweisen ist v ). Der KaQ%r}d6vLog ist für Menander 
nicht mehr mit Sicherheit anzuführen, seit wir von einem gleich- 
namigen Stück des Alexis wissen (frg. 100 K.); mit mehr Zuversicht 
die Cistellaria und damit die merkwürdige Exposition dieses Stückes, 
die aus Vorspiel und Doppelprolog besteht; für Menander spricht, 
freilich beides nicht durchschlagend, sowohl die Erfindung des 
Auxilium als daß der AAa£(ßv, der gleichfalls ein Vorspiel vor der 
Prologrede hat, von einem Nachahmer Menanders herrührt 2 ). Die 
Aulularia hat den göttlichen Prolog, der uns am besten aus dem 
menandrischen "Ehey%og bekannt ist. Die anderen Stücke, in denen 
man unsichere Indicien menandrischen Ursprungs gefunden hat 
(Curculio Pseudolus), will ich nicht hierherziehen; sie würden sich. 

[l)"HQcog, wahrscheinlich K6Xa£ (Nachr. d. Gott. Ges. 1903 S. 682) 'Em- 
TQ&wvtss Ki&aQiorrjg, unsicher JIsQixeigo/usvr}.] 
2) Oben S. 115 A. 3. 



Prologe des Philemon, Diphilos, Menander 243 

wie man sieht, der bekannten Reihe wohl einfügen und das Bild 
der Mannigfaltigkeit, das die menandrischen Prologe geben, heller 
nicht weiter machen. Gerade Captivi Menaechmi Poenulus Trucu- 
lentus, die wir der unpersönlichen Prologe wegen gern ihren Dichtern 
zuweisen würden, sind unbestimmbar; Captivi und Menaechmi ge- 
hören zu den jüngeren Stücken, aber der Poenulus ist vielleicht 
von Menander (s. o.), der Truculentus, wie man sagen darf, entweder 
von Menander oder einem Nachahmer. Wesentlich können wir 
unsere Kenntnis von Menanders Technik der Exposition aus Terenz 
ergänzen; nicht was die Prologreden angeht, denn die hat, wo sie 
vorhanden waren, Terenz durch seine Prologe, wie wir sahen, 
ersetzt. Aber während die beiden Apollodorischen Stücke jiQooama 
TiQoranxd haben, hat ein solches von den menandrischen des Terenz 
nur die Andria; und hier erfahren wir durch Donat (prol. 13) 1 ), 
daß in Menanders Andria der Alte einen Monolog zu Anfang hatte, 
der in euripideischer Weise die Exposition gab, während in der 
Perinthia die Exposition zwar dialogisch war, aber der Dialog 
zwischen Mann und Frau; ob die Frau in der Perinthia nur hier 
vorkam, können wir nicht wissen; es ist aber sehr wahrscheinlich, 
daß sie auch sonst eine Rolle spielte, sowohl nach Analogie der 
übrigen Komödienmütter als auch weil Terenz, der die ganze Rolle 
aus der Perinthia nicht übernahm und die Mutter allein zum Zweck 
der Exposition einzuführen nicht für angemessen hielt, sie mit dem 
libertus vertauscht hat 2 ). Wir können also für Menander kein 
einziges jzqoocojzov Ttgorarixör nachweisen, d. h. eine nur zum Zweck 
der Exposition, sei es um zu erzählen (Epidicus, vgl. Mercator) oder 
sich erzählen zu lassen (Phormio Hecyra Andria), also nur um die 
monologische Erzählung an die Zuschauer zu dramatisiren , oder, 
die vollkommenere Form, um durch das Gespräch die Situation 
oder den Hauptcharakter hervortreten zu lassen (Mostellaria, Miles) 
erfundene Figur 3 ). Andere Beispiele finden sich auch bei Plautus 
nicht; Leaena im Curculio gehört sowenig dahin wie Scapha in 
der Mostellaria, Agathon in den Thesmophoriazusen und Herakles 
in den Fröschen. Die Mutter der Gymnasium in der Cistellaria 
gehörte wesentlich zur Handlung. Palinurus im Curculio verschwindet 
zwar nach dem Eingreifen des Parasiten in die Handlung, aber 

1) Vgl. Nencini de Terentio eiusque fontibus p. 24—31. 

[2) Vgl. Jacoby Hermes XLIV 362 ff.] 

[3) Jetzt liegt, wie es scheint, im "Hqws ein Beispiel vor : Hermes XLIII 
126.] 

16* 



244 !V Die Prologe 

nicht anders als Saturio im Persa, sein Teil an der Handlung ist 
beträchtlich größer als der des Acanthio im Mercator oder des 
Parasiten im Miles, an dessen Stelle Palaestrio tritt. Auch das 
tiqoocdtiov tzqotcitixov, so vielfach es auch in der Tragödie (Prometheus, 
Antigone Elektra, Alkestis Troades) l ) und selbst in der alten 
Komödie, wie in den Sklavendialogen des Aristophanes, vorgebildet 
ist, ist doch in der neuen Komödienform, deren Charakteristisches 
in der Herbeiholung einer der Handlung fremden Person zum 
Zweck der Exposition besteht 2 ), erst eine Erfindung der letzten 
Periode des Euripides: wir sehen sie vor uns im Teukros der Helena; 
und der geheimnisvolle Zauber, der das Auftauchen und Ver- 
schwinden des umhergetriebenen und nun dem Ziele nahen Recken 
umgibt, konnte wohl über die Willkür der Einführung (die doch 
auch an der Io des Prometheus ein großes Beispiel hatte) täuschen. 
Philemon hat das euripideische Mittel angewendet und andere, wie 
Apollodoros, nach ihm; Menander scheint es vermieden 3 ) und, wo 
er nicht Personen des Stückes selbst im Dialog einführte, die 
monologische Einleitungsrede vorgezogen zu haben 4 ). 

Der nur als prologus erscheinende, den Dichter oder seinen 
Vertreter darstellende Prolog, der lediglich die Komödie vorführt 
und in die Komödie einführt, ist, wie wir gesehen haben, eine 
Frucht des in der Komödie liegenden persönlichen autoschediastischen 
Elements; aber er bedurfte, dem kunstmäßig stilisirenden Charakter 
der neuen Komödie gemäß, einer Anlehnung an vorhandene Kunst- 
form: diese bot der Euripideische Götterprolog, von dem schon 
Aristophanes in den zweiten Thesmophoriazusen die Brücke zu den 
Dämonenprologen Philemons und Menanders geschlagen hat. Der 
Gott, der wissend und aufklärend das Stück begleitet, steht im 
gleichen Verhältnis zum Gedicht wie der Dichter. Andrerseits hat 



1) Phoen. hypoth. r\ djto xcov reixecov 'Avriyövrj ftecogovoa fisgog ovx soxi 
ögäfzarog: der Grammatiker will wohl nur (sehr mit Unrecht) sagen, daß die 
Scene für die Handlung überflüssig sei. 

2) Die Definition bei Euanthius de fab. 3, 2 (personae extra argumentum 
accersitae) wird in den Präfationen und zum Anfang von Phormio und Hecyra 
in verschiedenen Wendungen wiederholt, zum Teil mit Hinzufügung der fehlenden 
Bestimmung (Hec. 1 1, 1 ut sit per quam argumenti obscuritatem spectator effugiat, 
vgl. praef. 190, 9), dasselbe ist gemeint aber falsch ausgedrückt praef. And. 
p. 37, 1 (quae semel inducta in principio fabulae in nullis deinceps fabulae parti- 
bus adhibetur, vgl. zu Andr. I 1,1). 

[3) Oben S. 243 A. 3.] 

[4) Prologrede handelnder Person wahrscheinlich im rewgyog.] 



Autoschediastischer Charakter des Prologs 245 

das unmittelbare Verhältnis des Trygöden zum Publikum, das nie 
ganz unterbrochen worden, seine Wirkung auf alle Prologe erstreckt; 
auch wenn eine handelnde Person in den Stoff einführte, konnte 
sie während der Erzählung jederzeit aus ihrer Rolle fallen, bei 
Menander wie bei Aristophanes; der Dichter auch der im strengen 
Stil geschlossenen Komödie überschritt unbedenklich die Schwelle, 
vor der Euripides haltgemacht hatte. Das lehrt uns nicht nur 
Plautus sondern auch die Fragmente. Aus Plautus sehen wir, daß 
auch diese, die zur Handlung gehörenden Prologpersonen, wie die 
dämonischen, voraussagten was zunächst im Stücke selbst geschehen 
würde (nur in Cistellaria Trinummus Mercator wird nichts voraus- 
gesagt, im Miles ist die Stelle 1 38 sq. ein Produkt der 'Contarnination'); 
nur in dem Bericht über die Vorgeschichte wird die poetische 
Wahrscheinlichkeit streng eingehalten: da sagt der an der Handlung 
Beteiligte nur was er erlebt hat und wissen kann, das Verborgene 
berichtet nur der Gott oder der prologus. Der prologus aber be- 
richtet wie wenn er die Menschen kennte, um die sichs handelt, 
und mit ihnen lebte, nicht rein erzählend, sondern mit dem Rest 
dramatischen Lebens, der dieser doch dem Drama gehörenden 
Form anhaften konnte. Auch dies ist ein Zeichen continuirlich 
entwickelter Kunstform. 

In einem Punkt aber weichen die römischen Prologe ohne 
Zweifel von denen der Originale ab, nämlich in der Mitteilung 
dessen was Plautus nomen comoediae nennt. Etwas Ähnliches kann 
es in Prologen des griechischen Dramas nie gegeben haben l ). Das 
Publikum kümmerte sich um die Ankündigung, die im jigodycov 
und gewiß auch sonst stattfand, und vor der Aufführung rief der 
Herold nur uoay d> Oeoyvi rov %oqov. Verkündigung des Titels 
unmittelbar vor der Aufführung ist vom 2. Jahrhundert n. Chr. an 
bezeugt 2 ). Auf der römischen Bühne fand eine solche Verkündigung 
nicht statt; der praeco der plautinischen Prologe gibt nur das Signal 
des Anfangs {face nunciam tu, praeco, omnem auritum poplum) 3 ), 



[1) Meineke IV p. 654 frg. anon. 203 (613 K.), vollständiger schol. Dion. 
Thr. p. 355 Hilg. rjdt] de leg~oo rov Xoyov xov dga/Liazog xai xr\v didaoxaMav. Der 
Vers ist c aus einem metrischen Argument, das der Grammatiker vor seinem 
Menander fand' (Wilamowitz Hermes XXXVII 322); gewiß nicht aus einem 
Prolog.] 

2) Rohde Rhein. Mus. XXX VIII 264 sq. 

3) In den Techniteninschriften erscheinen oalmyxrrjg und xr\qv^ , vgl. 
Pollux IV 87 sq. 91. 



246 IV Die Prologe 

weder vor- noch nachher ist Raum für andere Mitteilung als die 
etwa im Prolog gegeben wird. Dasselbe folgt aus dem Prolog des 
Heautontimorumenos v. 7 nunc qui scripserit et quoia graeca sit ni 
partem maxumam existumarem scire vostrum, id dicerem 1 ). Zugleich 
lehrt diese Stelle unwidersprechlich, daß überhaupt eine Ankündigung 
stattfand, aber in einer Weise, daß nur die es erfuhren die sich 
darum kümmerten; Terenz, der überhaupt ein litterarisches Interesse 
voraussetzt, das man einem modernen Publikum nicht zumuten 
dürfte, kümmert sich wieder nur um diese. Vor diesem Zeugnis 
fällt alles was der Tractat Donats und die Präfationen über die 
pronuntiatio tituli, eben aus der Bühnensitte späterer Zeit, zu berichten 
wissen. Ferner aber lehrt uns dieses Zeugnis die Unbeständigkeit 
verstehen, die uns an jenen Mitteilungen bei Plautus wie bei Terenz 
befremdet. In einigen Prologen ist von dem Titel und Ursprung 
des Stücks überhaupt gar nicht die Rede, sondern nur von seinem 
Inhalt (AululariaCaptivi Cistellaria), in andern wird nichts darüber mit- 
geteilt, wohl aber die Kenntnis ausdrücklich vorausgesetzt (Amphitruo 
Menaechmi Rudens Trinummus, Andria Eunuchus Adelphi); in 
andern wird nomen und argumentum verkündigt (Casina Mercator 
Miles Poenulus), in andern endlich nur das nomen (Asinaria Trinummus 
Vidularia, Phormio Heautontimorumenos Hecyra); das nomen ent- 
weder vollständig (1. griechischer Titel und 2. Dichter, 3. Übersetzer, 
4. lateinischer Titel, in dieser Reihenfolge Asin. Trin., 1.3.4.2 Cas., 
1.2.4.3 Merc.) oder unvollständig (1.3.4 wie es scheint Vidul., 
1 . 4 Mil. Phorm., nur 1 Heaut. Hec; Poen. ist an dieser Stelle ver- 
stümmelt). Der Asinariaprolog dient, nebst einer kurzen Empfehlung, 
lediglich dem Zweck dieser Mitteilung, die in Anlehnung an das 
Anfangssignal, natürlich mit Begrüßung und Abschied, gegeben 
wird. Es konnte also wünschenswert scheinen, das Publikum in 
dieser Weise zu unterrichten und zu diesem Zweck den prologus 
auftreten zu lassen, wünschenswert offenbar in älterer Zeit, in der 
noch keine litterarisch angeregten Kreise das Interesse für diese 
Aufführungen verbreiteten, eher als in der des Terenz, der über- 
haupt kein einziges Mal die Mitteilung vollständig macht. Schon 
dies spricht gegen die Athetese jener Stellen der plautinischen 
Prologe, für die aber auch sonst, nachdem wir die Ursprünglichkeit 
der Prologe selbst erkannt haben, nicht der Schatten eines Grundes 
mehr beigebracht werden kann. Die Stellen sind freilich sämtlich 



1) Ritschi Parerga 302. 



nomen comoediae 247 

erst eingefügt, aber nicht von Uberarbeitern, sondern von Plautus, 
bei der Übersetzung, in den Text des Originals; sie gehen sämtlich 
entweder dem argumentum unmittelbar voraus 1 ) oder sie stehen 
mit der Erklärung, das argumentum nicht erzählen zu wollen, 
unmittelbar zusammen. Das argumentum aber ist jedesmal dem 
Original nachgebildet; daher ist die äußerliche Einfügung der äußer- 
lichen Notizen kenntlich geblieben. Viel glaublicher wäre es, daß 
auch in andern Prologen die Notizen von Plautus angebracht aber, 
unverbunden wie sie waren, bei späteren Aufführungen und darum 
in unserer Überlieferung weggelassen wurden. Es reicht aber aus 
zu wissen, daß es völlig im Belieben des römischen Dichters stand, 
ob und wieviel er über die Titel und Autoren seiner Komödie 
selber berichten wollte. 



1) Die Verbindung wie in den aristophanischen vjio&soeis. Leider läßt 
sich mit keiner Sicherheit behaupten daß Plautus die Komödien schon in den 
aristophanischen Ausgaben oder ähnlich eingerichteten gelesen habe. 



V 

Auslautendes * und m 



i 

Das Lateinische hat in der Zeit, in der es uns zuerst lebendig 
entgegentritt, wie das Umbrische die Neigung besessen, Endcon- 
sonanten abzustoßen. Die Neigung ist offenbar auch in früherer 
Zeit nie so weit gegangen wie im Umbrischen, das durch sie 
allmählich einer wahren Verworrenheit des Formenbestandes verfallen 
ist, oder wie in der späteren lateinischen Volkssprache, die den 
romanischen Sprachen kaum einen Endconsonanten heil übermittelt 
hat; vielmehr handelt es sich, soweit wir sehen, in der bezeichneten 
Epoche um einen kleinen Kreis von Consonanten, der aber weite 
Gebiete des lateinischen Auslauts umspannt, um d nach langem, 
s nach kurzem, m nach kurzem und langem Vocal 1 ). Andere Er- 
scheinungen, wie dedro in Pisaurum 2 ), Mino und Maio in Praeneste, 
sind vereinzelt 3 ). Falls auch andere Auslaute den Keim der Zer- 
störung in sich trugen, so hat die neue Litteratur dem Proceß Einhalt 

1) Ritschis Ansicht von der weitgreifenden Consonanten Verwitterung im 
Lateinischen ist erledigt seit das Kürzungsgesetz der jambischen Wörter be- 
kannt ist. 

[2) dedero CIL. XIV 2891 (Praeneste), probave[r]o CIL. VI 1277, neu nach 
Hülsens Lesung 31585 (via Ostiensis); coraveron I 73 = XIV 2847, dedron in der 
stadtrömischen Inschrift Not. d. scavi 1890 p. 33, Bull, comun. 1892 p. 76 : 
M. G. Pomplio No. f. ded/ron Hercole (rechtwinkliges P und spitzwinkliges L). 
Wilamowitz erklärte (1. Aufl. S. 333) Pomplio für den in der formelhaften Ver- 
bindung zweier Pränomina mit einem Nomen bewahrten Dual. Ein zweites 
Beispiel hat W. Schulze Berl. phil. Wochenschr. 1896 S. 1365 in der Inschrift 
CIL. XIV 2891 Q. K. Gestio Q. f. Hercole dedero nachgewiesen, ein drittes derselbe 
Lat. Eigenn. S. 117: CIL. XI 6706, 5 T. C. Vomanio (Capena). Dazu vielleicht 
CIL. XIV 2847 — Metilio — magistere (Praeneste) und Not. d. Scavi 1907 p. 656 
(Vaseninschrift von Lavinium, publ. nach Hülsen von Paribeni, der an der 
Lesung der ersten Worte zweifelt) Q. A. Aidicio Q. f. T. Rebinio aidile moltatico 
(d.h. aere m.); vgl. Proskauer (s.u. S.253 A.3) S. 14. — Hülsen liest CIL. VI 
30898, ohne dies zu erwähnen, M. G. Pomp[i]lio(s) No(vi) f(üi).] 

3) Über das pluralische s s. u. Faliskisch mate, uxo, cupa. 



Auslautendes d. haud 249 

getan. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß die gute römische 
Umgangssprache die Wege des Umbrischen ging, und die Inschriften 
der Colonien können es nicht beweisen. Die Starrheit wie die 
Unbeständigkeit der plautinischen Sprache ist nur erklärbar, wenn 
sie den Sprachzustand des Lebens spiegelt, nicht das Latein der 
Freigelassenen und peregrini, aber das der gebildeten Stadtrömer 1 ). 
Auslautendes d nach langem Vocal ist wo die Litteratur be- 
ginnt zum Abfall reif; danach lauten die Ablative und Imperative 
wie die Accusative des Personalpronomens auf den Vocal aus. 
Bereits vorher ist das d des Perfects und Conjunctivs zu t geworden, 
es ist der erste Beleg für die bald durchgreifende Abneigung der 
Sprache gegen d im Auslaut nach langem Vocal 2 ). Hier hatte die 
Sprache die Wahl, feced und sied zu fece oder fecet, sie oder siet 
werden zu lassen; in Pisaurum schreibt man dat (Indicativ) und 
dede, in Praeneste dedi (CIL XIV 2863, neben nationu cratia und 
Diovo fileia), aber in der Dvenosinschrift steht mitat neben sied, auf 
der Ficoronischen Cista dedit neben fecid; dann vollzieht sich der 
Proceß, der die stimmhafte auslautende Dentalis zur stimmlosen 
werden läßt. Ähnlich steht es mit haud. Zwar geht dieses Wort 
seiner Natur nach proklitische Tonanschlüsse ein, bei denen Laut- 
verlust stattfinden konnte, während die Verbalformen gerade dem 
Satzauslaut angehören und zu engen Wortverbindungen nicht ge- 
eignet sind; zur Erklärung von hauscio, haudubium u. dgl. braucht 
man kein isolirtes hau vorauszusetzen. Aber in der Überlieferung 
geht die Verwendung von hau weit über das Gebiet des Ton- 
anschlusses hinaus (ubi tu hau somnum capias, hau verbum faciam 
u. dgl.) und der Abfall des d nach Diphthong bleibt für hau der 
einfache Erklärungsgrund, haud wurde neben hau bewahrt 3 ), denn 
das d tönte weiter vorVocalen, zumal im Wortanschluß wie haudaliter, 
haudequidem (Mar. Vict. p. 15, vgl. Caper de orth. p. 96); ja hau 
wurde so weit wieder aufgegeben, daß seine Spur nach Plautus in 

1) In dem Lobe der pura oratio des Terenz zeigt sich schon der Bildungs- 
stolz einer neuen Zeit und engerer Kreise, deren Ansprüchen er zu genügen 
strebte; darum war natürlich die Sprache des Naevius und Plautus nicht minder 
das reine Latein der Zeit. 

2) Nachdem in früherer Zeit ursprüngliches t im Auslaut zu d geworden 
war, vgl. J. Schmidt Pluralbild, der indog. Neutra S. 178. 

3) Ob hau eine Zeitlang vor Consonanten ausschließlich gesetzt wurde, 
ist natürlich aus den Handschriften, deren Zeugnisse für Plautus Habich obser- 
vationes de negationum aliquot usu Plautino (Halle 1893) p. 15 sq. zusammen- 
stellt, nicht auszumachen. — Merkwürdig ist hauccrederet in B Trin. 115. 



250 V Auslautendes s und m 

den Handschriften selten wird. In den Terenzhandschriften seheint 
es sich nicht zu finden, oder nur vereinzelt (vgl. Andr. 460 P6 M ), 
obwohl in der Inschrift der Claudia nicht lange nach Terenz zu 
lesen ist sepulcrum hau pulcrum pulcrai feminae; gleichfalls nur 
vereinzelt bei Vergil 1 ), öfter im Mediceus der Annalen des Tacitus 2 ). 
So stimmt es mit unserer Überlieferung nicht, daß nach Marius 
Victorinus 3 ) und Caper (s. o.) hau vor Consonanten stehen soll wie 
haud vor Vocalen; aber die Inschrift wie die Zeugnisse der Gram- 
matiker beweisen die Existenz der Form für weit auseinander- 
liegende Zeiten. Neben haud aber ist haut getreten, das die ganze 
handschriftliche Überlieferung der Litteratur durchzieht. Man wird 
den Vorgang so bezeichnen dürfen, daß haud, wenn es allein ge- 
sprochen wurde, haut gesprochen wurde und nun, wie siet überhaupt 
für sied eingetreten ist, so für haud eintrat, wenn nicht bei enger 
Wortverbindung das d vor Vocal erhalten blieb, wie in prodire, 
seditio, oder vor Consonant abgestoßen wurde. Andere Wörter mit 
auslautendem d nach langem Vocal gibt es nicht. Der Proceß hat 
sich aber weiter auf die Wörter erstreckt, die mit kurzem Vocal 
und d auslauten, und somit auf alle auslautenden J, die in der Zeit 
der Litteratur noch vorhanden waren; sie werden sämtlich in der 
Aussprache zu #, und es ist nur orthographische Gewöhnung, wenn 
das d weiter geschrieben wird, aput erscheint zuerst in der lex 
Iulia municipalis, schon im Monumentum Ancyranum die umgekehrten 
Schreibungen adque und aliquod: d ist mit t identisch geworden, 
beide bezeichnen denselben stimmlosen Auslaut. Das d ist (nicht 
in der Schrift, sondern in der Sprache) erhalten geblieben nur im 
nicht eigentlichen Auslaut, in Verbindungen wie adomnes, sedenim: 
für diese bezeugt es Velius Longus p. 70 4 ). Sonst lehren die 
Inschriften und die Vorschriften der Grammatiker selbst, daß man 
ohne die differenzirende Schule stets at quit quot geschrieben hätte, 
wie man es sprach. 

Von diesen Wörtern zeigt eines eine Schwäche des auslautenden 



1) Ribbeck prol. p. 425. 

2) Ritschi op. II 592. — OLE. 686 v. 4 hau parvis, vom Jahre 427. 

3) Dort ist haud — haut überliefert, aber Ritschis Emendation der Stelle 
ist zwingend. 

4) sed coniunctio, quamvis lex grammaticorum per t litteram dicat, quoniam 
d littera nulla coniunctio terminatur (wie nulla praepositio t lütera), nescio quo 
modo tarnen obrepsit auribus nostris et d litteram sonat, cum dicimus 'progeniem 
sed enim Troiano a sanguine duci audierat 9 . 



haud. apud 251 

Consonanten, die nahe an Verwitterung grenzt, apud macht bei 
Plautus nur in dem einen Falle Position, daß es mit dem (einsilbigen) 
Personalpronomen zusammentritt: apiitme, apütvos 1 ). Die Ausnahmen 
sind Rud. 532 qui apud carbones assident, semper calent und Epid. 422 
res magna amici apud forum agitur 2 ), wo als überliefert anzusehen 
sind die Hiate qui apud und amici apud, endlich Cure. 395 apud 
Sicyonem. nam quid id refert mea, keine Ausnahme wenn man 
das d als abgestoßen ansieht. Die scheinbar zweifelhaften Fälle 
erledigen sich leicht: Cure. 471 qui mendacem et gloriosum, apud 
Cloacinae sacrum, 684 pessume metui ne mi hodie apud praetor em 
solveret, Epid. 358 dedit mi ad hanc rem Apoecidem, is apud forum 
manet me, Truc. 281 sed quid apud nostras negoti, midier, est aedis 
tibi? So darf Mil. 135, wo überliefert ist apud suum patemum 
hospitem, lepidum senem, sicher nicht die Umstellung patemum suum 
als Emendation angesehen werden. Daß Plautus in der Tat apu 
kannte, lehrt der Vers Truc. 163 sed Wände, cum illuc quod apud 
vos nunc est apud me habebam 3 ). 

Diese Beschränkung auf aputme aputvos gilt auch für Terenz. 
Heaut. 575 apud quem expromere omnia mea oeculta, Clitipho, audeam 
hat Dziatzko richtig als trochäischen Septenar gemessen, desgleichen 
And. 254 mi äpud forum: uxor tibi ducendast, Pamphile, hodie, inquit, 
para, vgl. Ad. 154. 512 si apud forumst, 404 adortus iurgiost fratrem 
apud forum, 517 apud vülamst, 573 apud macellum, Heaut. 377 apud 
patrem. Überhaupt ist in der Komödie die einzige Ausnahme 
Pompon. 168 R. quidam apud forum praesente testibus mihi vendidit, 
wo aber quidem überliefert ist, Bücheier is quidem geschrieben hat 
und quidam dem Inhalt des Verses nicht angemessen scheint 4 ). 
Es gibt aber auch sonst in älteren lateinischen Versen kein Beispiel, 
daß apud durch Position iambisch wird 5 ); noch bei Lucrez ist, 

[1) Natürlich wegen der enklitischen Natur des Personalpronomens 
(s. u. S. 252). Aber die Fälle der Kürzung lassen sich nicht alle durch die 
Proklisis erklären. Vgl. Skutsch Vollmöllers Jahresb. IV 83, Sat. Viadr. S. 129. 
Wallstedt Stud. Plaut. (1909) S. 25.] 

2) Nicht Truc. 761 apud novos magistratus. 

[3) Diesen Vers hatte ich übersehen; er gibt zugleich den von Skutsch 
Sat. Viadr. S. 129 A. 1 verlangten Beweis.] 

[4) Ribbeck ed. III is quidem.] 

5) [Liv. Od. 16 apud nympham Atlantis filiam Calypsonem vgl. Sat. Vers 31.] 
Auf dem Monument des M. Caecilius, um die Mitte des 7. Jahrhunderts 
[augusteischer Zeit nach Hülsen CIL. VI 34072], der Saturnier hospes, gratum est 
quom apud meas restitistei seedes. 



252 V Auslautendes s und m 

wenn ich recht beobachtet habe, kein einziger Fall. Dagegen kennen 
wir durch Apuleius (apol. 39) einen Vers aus den Hedyphagetica 
des Ennius, der zwar wie das ganze Fragment nicht ohne Corruptel 
ist, aber in den letzten unverdächtigen Worten aput — apu bietet: 
Surrenti elopem fae emas glaucumque aput Cumas 1 ). Und der Vers 
des Lucilius 1216 ist bei Charisius p. 111 überliefert: sie apud sc 
longo aliud esse neque eadem valet ad te; der Anfang kann richtig 
sein und der Vers gelautet haben sie apud se longe est aliud neque 
idem valet ad se; dann v. 1217 tenet int(us apud se) nach Janus 
Dousa' 2 ). Die Glosse Corp. gloss. lat. II 21, 40 ape jiagd hat Bergk 
(s. A. 1) verglichen. 

Freilich gibt apu für den Abfall des auslautenden ä nach kurzem 
Vocal keinen ausreichenden Beweis, da es Tonanschluß eingeht. 
Dasselbe gilt für idquod — iquod, wie ecquis = equis, Amph. 793 
id quod verümst, Rud. 1335 Id quod domist, Epid. 507 (nach Ä) id 
quod audivi, dasselbe für quidquod = quiquod Trin. 413 quid quod 
ego defrudavi, für quidquid = quiquid Mil. 311 herele quidquid est 
miissitabo, Truc 253 quidquid est futurum*). 

Für auslautendes d ist also folgende Entwicklung kenntlich. 
Noch gegen Ende des 5. Jahrhunderts galten sied fectd lieetöd bovid 
pröd sed haud mit wirklichem d, wie %d ad apud ülud. Das d nach 
langem Vocal wurde abgestoßen oder verhärtet, die Verhärtung 
war bald nach dem Anfang, die Abstoßung bald nach der Mitte 
des 6. Jahrhunderts vollzogen; nur enge Wortverbindung wie prodire 
rettete das d, nur haud erhielt es im Satzanschluß vor Vocal, aber 
sicherlich stimmlos außer im Tonanschluß, d. h. es trat haut für 
haud ein. Die Nachbarschaft des stimmlosen Lautes hat die tönende 
dentalis nach kurzem Vocal gerettet. Wenn auch erst im Anfang 
des 8. Jahrhunderts t im Auslaut statt d inschriftlich bezeugt ist. 
so bestand es doch ohne Zweifel im Leben längst; und mit dem 
Ende der Republik gab es, wie wir sagen dürfen, kein wahrhaft 
auslautendes d mehr 4 ). 

1) Vgl. Bergk op. 1 p. 293, Vahlen z. St. 

[2) 1216 sie (item) c apud te aliud longe est, neque idem valet c ad te Marx.] 

3) Für quidquid besteht die Möglichkeit, es in zwei Wörter zu zerlegen 
und est zu kürzen. S. u. S. 261 A. 2. quisquis vgl. Stich. 686 Amph. 309. [Vgl. 
Skutsch Hgag S. 128 A. 3.] 

4) Ein interessantes Beispiel des Abwurfs gibt der am Rande einer Copie 
der Inschrift des Titusbogens (Senatus populusque Bomanus divo Tito Vespa- 
sianus) von gleicher Hand geschriebene graffito (C. I. L. VI 29849», Hülsen 
Rom. Mitt. 1894 S. 92) Roma capus mundi. Hülsen bemerkt dazu, capus zeige 



s und m: inschriftliche Zeugnisse 253 



Die Zeit, in der die Abstoßung des ablativischen und impera- 
tivischen d erfolgte, ist die Zeit, in der die Litteratur einsetzte und 
die ersten Dichter eine Schriftsprache vorbereiteten. Sie fanden 
das d wenigstens des Ablativs noch wirksam, ähnlich wie die jüngeren 
griechischen Epiker das Digamma, wie die jüngeren Dramatiker 
anlautendes oju in ojuixgog, f in £vv. Ob sie das d schrieben ist 
gleichgiltig ; sie konnten es vor Vocalen wirken lassen oder in der 
Synalöphe ignoriren, indem sie sich den schwankenden Lautzustand 
einer Übergangszeit für den Vers zunutze machten 1 ). 

Für .9 und m, die beiden anderen Consonanten, die im Auslaut 
ihres Lebens nicht sicher sind, reichen die Belege der Inschriften 
durch alle Zeit, aber allezeit reichlich für m 2 ), spärlich für s 3 ). 
Die pränestinische Inschrift C. I. L. XIV 2863 (Dessau Hermes XIX 
453 sq.) gibt nationu cratia (wie 1696 Caesaru) und Diovo fileia; 
die ganze Unsicherheit des auslautenden s in plautinischer Zeit zeigt 
M. Fourio C. f. tribunos militare de praidad Maurte (oder Fortune) 
dedet in Tusculum. Die beiden ältesten Scipionenelogien schreiben 
us (os) i$, aber in der Inschrift der Vorderseite Comelio nach der 
besonders aus Tusculum und Präneste wohlbekannten Schreibart 
der Grentilnamen; dagegen schreiben sie m im Auslaut überhaupt 
nicht, weder vor Vocal noch vor Consonant, außer Loucanam und 
Lueiom*). Das Verhältniß ist also umgekehrt, wir sehen daß zu 
Anfang des 6. Jahrhunderts m nicht gesprochen wurde, .<? in der 
Regel gesprochen wurde. Die etwas jüngere Haininschrift von 
Spoleto gibt s (nur quis und eins) und m beständig, ihrem offiziellen 
Stil entsprechend; aber in viel älterer Zeit zeigen die Fibula von 
Präneste (Manios) und die Dvenosinschrift (Dvcnos, cosmis; manom, 
einom), Inschriften zufälliger Entstehung und privaten Charakters, 
daß die Unbeständigkeit des Auslauts in den Scipionenelogien einen 
schwerlich vor der Mitte des 5. Jahrhunderts (dem auch die Münzen 

den Übergang von Caput zu ital. capo (vgl. Körting s. capum). Es ist vielmehr 
capu(d) mit s für d, weil der eine wie der andere Auslaut nicht gesprochen 
wird; wie derselbe Knabe Vespasianus geschrieben und Vespasiano gehört hat. 
Stich. 415 apus B. 

[1) Vgl. Gott. Gel. Anz. 1904 S. 363, 1911 S. 68 AJ 

[2) E. Diehl De m finali epigraphica, Fl. Jahrb. Suppl. XXV, 1999.] 

[3) Carola Proskauer, Das auslautende s auf den lateinischen Inschriften, 
Straßburg 1910.] 

4) omne Lwiccmam und Ludom Scipione wie Gnaivod patre. 



254 V Auslautendes s und m 

mit Romano u. a. und vermutlich die Becher mit pocolo angehören) 
eingetretenen Zustand bezeichnet. 

Dann setzt die Litteratur ein, von deren Versen wir tatsächliche 
und zusammenhängende Belehrung erwarten dürfen. Die Verse 
zeigen gleichfalls gegensätzliche Erscheinungen. Man kann die 
geltende Ansicht darüber in folgenden drei Sätzen formuliren. s ist 
unbeständig nur nach kurzem Vocal, m nach jedem Vocal; 5 ist 
unbeständig nur vor anlautendem Consonanten, m nur vor an- 
lautendem Vocal, während es vor Consonanten fest ist wie s vor 
Vocalen; s kann auch vor Consonanten bleiben, m kann vor Vocalen 
nicht bleiben. 

Die Richtigkeit dieser Sätze vorausgesetzt ist es aussichtslos, 
diese Gegensätze in der Ähnlichkeit lautlich erklären zu wollen; 
feine phonetische Unterschiede, um die es sich handeln muß, zu 
construiren geht nicht an x ) ; um so weniger als es sich um Sprach- 
erscheinungen handelt, die notorisch nicht endgiltig und vermutlich 
nicht urspünglich sind. Das Verhalten des s erfährt in der Folge 
eine vollkommene Änderung; von dem des m aber würden wir 
aus den ältesten Denkmälern, wie gezeigt, einen ganz anderen 
Eindruck gewinnen: dort kommt, wo es vorhanden und wo es fast 
verloren ist, der folgende Anlaut nirgend in Betracht. Man muß 
eingestehen, daß das Bild, das uns von diesen Dingen in der 
daktylischen Poesie vor Catull und in den Zeugnissen entgegentritt, 
keineswegs den Eindruck macht, den ursprünglichen Zustand wieder- 
zugeben 2 ). 

Die Grammatiker von Verrius Placcus (gr. lat. VII 80 K.) bis 
Velius Longus lehren, daß m vor Vocalen geschrieben aber nicht 
gehört, vor Consonanten auch gehört werde; Quintilian (IX 4, 39) 
führt aus Cato die Schreibung ohne m an, aber als Antiquität 3 ). 
Das 5, wie er erzählt (§ 38), schrieb Servius Sulpicius 4 ) nicht quofiens 

1) Über das Verstummen des m, nicht des s, handelt Gröber in den 
Commentationes Woelfflinianae S. 173 ff. 

[2) Vgl. überhaupt B. Maurenbrecher, Hiatus und Verschiebung im alten 
Latein, 1899, Kap. L] 

3) Daß Herausgeber dient setzten , auch wenn Cato die geschrieben hatte, 
war ihr gutes Recht. Quintilian gerät darüber in folgende papierne Ent- 
rüstung: quae in veteribus libris reperta mutare imperüi solent et dum librariorum 
insectari volunt inscitiam suam conßtentur. 

4) Quae fuit causa et Servio ut dixi (dixit Lachmann; Servio Sulpicio?) 
subtrahendae s litterae quotiens ultima esset aliaque consonante suseiperetur, quod 
reprehendit Luranius(?) f Messalla defendit (17,23 Messalla in libro de s littera). 



s und m: litterarische Zeugnisse 255 

ultima esset aliaque consonante susciperetur ; nur über die Schreibung 
wurde gestritten. Durch Cicero aber (Orat. 161) erfahren wir grade 
über diese Zeit, daß in seinem Alter subrusticum war, was für politius 
galt als er den Arat übersetzte: postremam Utteram detrahebant, 
nisi vocalis insequebatur. Das vermieden die poetae novi 1 ), und so 
erscheint es zuletzt in dem Jugendgedicht Catulls, das er als das 
älteste an den Schluß seiner Sammlung setzte, da er es nicht unter- 
drücken wollte. Cicero führt als Beispiel optimus an; ob § 153 
den Schluß gestattet daß er auch an s nach langem Vocal dachte, 
wird später noch zur Sprache kommen. 

Wir kennen also die Zeit genau, in der s wieder fest geworden 
ist, und es ist kein Zweifel, daß eine lange Zeit vorher es nur vor 
conson antischem Anlaut lose war. Ebenso sicher steht, daß das 
Verschwimmen des m vor vokalischem Anlaut in der Sprache des 
Lebens wie im Verse herrschte und daß m niemals die Beständigkeit 
wiedergewonnen hat, die s in der ciceronischen Zeit wenigstens im 
großstädtischen Umgangston erreichte. Aber wir sind durch diese 
Zeugnisse keineswegs berechtigt, den Zustand, der in Ciceros Jugend 
bestand, als den ursprünglichen anzusehen und was für das siebente 
Jahrhundert gilt ohne weiteres auf das sechste zu übertragen. Und 
doch wird es als selbstverständlich angesehen, daß die Zeit von 
Andronicus bis Ennius sich zur Aussprache des s und m und ihrer 
Verwendung im Verse genau so verhielt wie die folgende daktylische 
Poesie. Die Möglichkeit zum mindesten sind wir verpflichtet ins 
Auge zu fassen, daß uns auch in dem den Grammatikern und 
Cicero allein bekannten Zustande eine Entwickelungsstufe vorliegt, 
der eine andere in der Litteratur kenntliche voraufgeht. Zwischen 
dieser vorausgesetzten und der bekannten würde Ennius als der 
Urheber einer neuen Ordnung stehen oder als der Befestiger ins 
Schwanken geratener Erscheinungen. 

Eine Frage wie diese, die sonst zu müßiger Spekulation führen 
müßte, aufzuwerfen ist nur unter der Voraussetzung erlaubt, daß 
die Überlieferung auf die Frage hinführt. In unserm Falle besteht 
die Voraussetzung in beträchtlichem Maße. Die Überlieferung hat 
fast gegen jeden der oben aufgeführten Sätze Einwendungen zu 
machen. Ganz bekannt ist es für m, das unzähligemal vor an- 
lautendem Vocal nach der Überlieferung fest ist. Für s habe ich 



1) Für Lucrez sind besonders bezeichnend Verbindungen wie VI 195 pen- 
dentibus structa, 943 manantibus stülent. 



256 V Auslautendes 5 und m 

im Rostocker Programm von 1887 darauf hingewiesen, daß es auch 
vor anlautendem Vocal nach der Überlieferung lose sein kann ; ich 
will nun daran gehen die Frage zu erörtern (denn von einer Tat- 
sache zu sprechen liegt mir hier sehr fern) und zunächst den Be- 
stand der Überlieferung vorlegen. 

Es bedarf aber einer Vorbemerkung, die die Methode betrifft, 
und zwar nicht dieser allein sondern aller ähnlichen Untersuchungen. 
Wer, wie es in der Regel geschieht, jeder Stelle oder Gruppe von 
Stellen gegenüber nur fragt: hat Plautus so geschrieben? und je 
nach dem ja oder nein stehen läßt oder emendirt, der läßt einen 
wesentlichen Paktor außer Acht, die philologischen Anschauungen 
der Männer, aus deren Händen unsere Texte in der überlieferten 
Gestalt stammen. Es ist ein großer Unterschied, ob Plautus etwas 
geschrieben oder ob die Terentius Scaurus und Sisenna es für 
plautinisch gehalten haben; und doch führt in vielen Fällen nur 
die Brücke dieser Frage zu der Möglichkeit, jene aufzuwerfen. 
Daß nun in unserem Falle die Zeit, aus der unser Text stammt, 
es für möglich hielt daß Plautus auch vor anlautendem Vocal ein 
s nach kurzem Vocal im Auslaut fallen ließ, ist mit Sicherheit zu 
erweisen. Ob wir dieser Ansicht zu folgen haben, ist eine Frage, 
die unabhängig von jener beantwortet werden muß. 

Zunächst ein Zeugniß, das für die allgemeine grammatische 
Anschauung wichtig ist. Verg. Aen. III 229 ist überliefert rursum 
in secessu longo sub rape cavata. Bei Marius Plotius p. 448 heisst 
es nach der bekannten Regel, daß auslautendes s vor anlautendem 
Consonanten elidirt wird: cum vocali vero praecedente et iuncta (wie 
m non sola perit in metro, sed etiam vocalis quae eam antecedit) 
perit s, si in eam finiatur pars orationis et sequens pars orationis incipiat 
a vocali, ut Vergilius: rursus in secessu longo sub rupe cavata. Es 
ist ein Zusatz zu der bekannten Regel, hervorgegangen aus der 
Schreibung rursus für rursum, die der Grammatiker in seiner Aeneis 
fand ; das wesentliche ist für uns, daß er die Verschmelzung rursus 
in für möglich hielt 1 ). Hierzu kommen eine Reihe von Zeugnissen, 
die ich gegen Ende des Kapitels anführen werde, die, da sie das 
Weitergehende, die Synalöphe von langem Vocal -f- s betreffen, auch 
hierfür giltig sind. 



1) Priscian II 422 hält hospitio publicitus accipiar (Amph. 162) für einen 
äimeter hypercatalectus ; das ist nicht anders zu verstehen, als daß er zwischen 
publicitus und accipiar Synalöphe hat eintreten lassen. 



Ansicht der Grammatiker, ornatu haud bei Sisenna 257 

Ebenso hielt der Verfasser der Inschrift CLE. 77, 5 die Geltung 
von conditus in als Daktylus für möglich und schrieb demgemäß 
conditu in dem Pentameter natus sam Canonis, conditu in Illurico. 
So schlecht auch seine Verse sind, das Zeugniß ist vollgiltig 1 ). 

Es gibt aber auch für den Plautustext ein Zeugniß, das meines 
Erachtens ganz unzweideutig ist, aber nicht zur Geltung hat gelangen 
können, da Ritschi es falsch bezogen hat. Eufinus (gr. lat. VI 560) 
excerpirt eine Anzahl trivialer Bemerkungen über die Prosodie 
einzelner plautinischer Wörter aus den Commentaren des Sisenna 
und Scaurus; er citirt die Stücke, aber zu welcher Stelle die Be- 
merkung gehörte ist nicht immer deutlich. Keine Schwierigkeit 
macht nunciam (3 silbig), fuit (spondeisch); malai (3 silbig) kommt 
im Pseudolus nicht vor (vgl. Merc. 692), vielleicht gehört die An- 
merkung zu v. 98; auch latronem (producü metri causa) gestattet 
keine sichere Beziehung, es ist aber lehrreich, daß hier ein metrischer 
Fehler der Überlieferung wegen verteidigt wird. Dagegen die Notiz 
{Sisenna) in Captivis sie: hie ornatu s litteram metri causa amisit 
muß auf eine der beiden Stellen bezogen werden, an denen ornatus 
in den Captivi vorkommt, v. 447 

et tua et tua huc ornatus revenio ex sententia 
und 997 

sed eceum incedit huc ornatus haud ex suis virtutibus. 
Ritschi (Parerga p. 384) entschied sich, obwohl er die Bemerkung 
für beide Verse gleich unpassend fand, für den ersten, indem er 
annahm, Sisenna habe in seinem Exemplar die Schreibung ornatu 
gefunden und erklärt. Aber es handelt sich nicht um die Ortho- 
graphie, sondern um eine prosodische Erscheinung, die er erklären 
will und die der zweite Vers zeigt wenn man suis nicht pyrrhichisch 
oder durch Synizesis einsilbig, sondern als unbefangener Leser jambisch 



1) [CLE. 541, 5 conditus ego iaeeo misero genitore relicto späte Inschrift, ganz 
fehlerhafte Verse.] CLE. 253, 7 — ianus a militiis de supliee voto (8 Verse 
ohne metrische Abweichung), vom J. 246; [Eigennamen gestatten keinen Schluß, 
vgl. Mau, Rom. Mitt. XIX 263 zu der Inschrift Not, d. Sc. 1902 S. 212 mit dem 
Pentameter Lucretius hie Fronto dignus honore bono est. — Ferner aus CLE. II 
(1897): 1314, 4 rapta patri et matri raptaque dulcis aviae (spät, schlechte Verse ; 
c ex pentametro dulcis avo 9 Bücheier); 1417,5 fortunatus olim v[ixit] sibi, vixit 
amicis (3 gute Distichen); 1494, 1 vos ego nunc moneo, semper qui vivitis avare 
(3 Verse ohne metrische Fehler). 1438, 8 hausta qui nondum luce peremptus 
abiit: Bücheier nimmt, obwohl dreisilbige Pentameterschlüsse in dem Gedicht 
überwiegen, abiit wohl mit Recht = abit.] 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 17 



258 V Auslautendes s und m 

liest. Dann sind für ornatus haud nur 3 Silben übrig, und so hat 
Sisenna gemessen 1 ). 

Mit dieser Tatsache ist die Möglichkeit gegeben, daß in unserer 
Überlieferung Verse mit abgestoßenem .<? vor anlautendem Vokal 
vorkommen, die nachweislich im 2. Jahrh. n. Chr. so gelesen wurden 
und darum doch keine Gewähr geben, daß Plautus sie so geschrieben 
hat. Vielmehr muß der Beweis für plautinischen Ursprung auf 
anderem Wege als aus der bloßen Überlieferung erbracht werden. 
Aber zuerst gilt es natürlich die überlieferten Fälle zu finden. 

Wenn wir also zunächst der Auffassung Sisennas folgen und 
nach ähnlichen Erscheinungen suchen, die vermutlich er oder andere 
Commentatoren eben so erklärt und die Gebildeten der Zeit eben 
so gelesen haben, so finden wir dasselbe ornatu, ohne daß die 
Möglichkeit vorläge den Vers anders zu lesen, an zwei Stellen wieder, 
Mil. 897 

venire salvom gaudeo. lepide hercle ornatus incedis 2 ) 
und Poen. 577 

basilice exornatws incedit et fabre ad fallaciam. 

Hier hält freilich Studemund es für wahrscheinlicher daß cedit als 



1) So G. Hermann bei Ritschi a. a. 0. ( c denn obwohl Plautus gewiß nicht 
das s vor einem Vokal weggeworfen hat, scheint doch Sisenna das geglaubt 
zu haben. Und hieraus läßt sich erklären, warum er diese sonst so gewöhn- 
liche Wegwerfung gerade hier erwähnt hat. Freilich beweist das keine be- 
sondere Kenntnis der Metrik und Prosodie' usw.) Beide hielten Sisenna für 
den Historiker. 

2) incedis statt incedit verlangt der Zusammenhang; aber im übrigen wird 
die Stelle nicht richtig behandelt. Die Umstellung von v. 897 nach 899 ist 
scheinbar, weil dann ornata incedit (oder wie man sonst schreiben mag) auf 
et quo ornatu zu antworten scheint. Aber erstens hat Palaestrio schon v. 872 
(quam digne ornata incedit) seine Befriedigung darüber ausgedrückt, daß seine 
Vorschrift von v. 791 ausgeführt worden ; dort war auch der Singular am Platze, 
hier aber nach quas me iussisti adducere et quo ornatu wäre er es nicht; darum 
hat Haupt geschrieben lepide hercle ornatae incedunt, das ist aber wieder un- 
probabel. Ferner gehört venire salvom gaudeo zur Begrüßung (Epid. 395), salve 
und dergl. kann natürlich vorhergehen (Most. 448) , aber nicht eu noster esto : 
darauf kann nur ein weiteres Lob folgen. Damit ist die Ordnung des Dialogs 
in der überlieferten Folge gesichert, und damit auch ornatus. Das Wort bezieht 
sich nicht auf die Toilette, sondern, viel gewählter und zierlicher, übertragen 
auf die Erscheinung des alten Herrn mit den beiden hübschen Mädchen. Genau 
so Capt. 447 et tua et tua huc ornatus reveniam ex sententia, nämlich von Philo- 
polemus begleitet; übertragen auch Aul. 721. 



ornatus incedit 259 

daß incedit in A stand, und damit scheidet die Stelle aus der Zahl 
der beweiskräftigen aus. Aber genau von gleicher Art sind l ) 

Asin. 405 siquidem hercle Aeacidinis minis animisque ex- 

pletus incedit. 

Bacch. 1069 mi evenit ut ovans praeda onustws incederem. 

Merc. 600 triste incedit. pectus ardet, haereo. quassat caput. 
und der anapästische Vers Cas. 726 

lepide excuratws incessisti, 
in dem aber die Bildung des Anapästs so gut ist wie in den 5 
anderen schlecht 2 ). Dieser steht also auf gleicher Stufe mit Mil. 872 
(quam digne ornata incedit) Truc. 463 (vosmet iam videtis me ut 
ornata incedo) und besonders Aul. 47 ut incedit; vgl. Cure. 291. 
Wenn man jene 5 Verse einerseits mit diesen zuletzt angeführten 
und andererseits mit Pseud. 308 inanis cedis (AP), 955 ut trans- 
vorsus non provorsus cedit, Aul. 51 7 iam hosce absolutes censeas, cedunt 
petunt treceni, 526 ibi ad postremum cedit miles, aes petit, Cas. 446 
at candidatus cedit vergleicht, so sieht man freilich, daß die Über- 
lieferung jener Verse für Plautus selbst geringe Beweiskraft hat. 
Plautus hat cedere und incedere in gleicher Bedeutung; die Möglich- 
keit aber, daß im einzelnen Falle die übliche Form für die anti- 
quirte gesetzt worden, ist nicht abzustreiten. Daß es indessen, falls 
es geschehen, so oft gleichmäßig geschehen wäre, würde immerhin 
auf einen Rückhalt deuten, sei es in der Sprache des Lebens sei 
es in der Theorie. 

Auf festeren Boden führt uns der Vers Merc. 385 

eo ego, ut quae mandata amietts amicis tradam. immo mane. 
amicum B (s. u.). Ritschi hat op. II p. 399 sq. den Vers für corrupt 
erklärt erstens wegen des schlechten Daktylus; zweitens weil es 
heißen müßte quae mandata sunt: das bedarf keiner Widerlegung 
mehr; drittens weil mandata tradere ein unrichtiger Ausdruck sei: 
er ergibt sich aber als richtig unmittelbar aus dem übertragenen 
Gebrauch des Verbums Capt. 265 und Cure. 385; endlich weil die 
Ausführung der Aufträge nichts mit der Freundschaft zu tun habe: 
das beweisen die angeführten Verse sicherlich nicht, zum Gegen- 
beweis möchte ich aber z. B. auf Ciceros Briefe an Atticus oder 
pro Roscio Am. 111 hinweisen 3 ). Es bleibt nur der metrische An- 

1) Vgl. Studemund Verh. d. Karlsr. Phil.- Vers. S. 57. 

2) S. u. über Merc. 773, Bacch. 401. 

3) Ritschi conjicirt ut quae mandata mihi sunt administrem. Aber ad- 
ministrare heißt bei Plautus aufwarten. 

17* 



260 V Auslautendes s und m 

stoß. Daß aber der Vers gerade an der anstößigen Stelle richtig 
überliefert ist, beweist die Verbindung amicus amicis: sie gehört 
in die Reihe der Bezeichnungen naher Freundschaft, die ich oben 
S. 127, A. 3 besprochen habe; die Form des Ausdrucks, die überall 
Analogien hat 1 ), erfordert daß die wiederholten Wörter beieinander 
stehen. Und zwar steht bei Plautus durchaus das Subjekt voran: 
Cure. 332 ut decet velle hominem amicum amico und, mit derselben 
anstößigen Bildung wie im Mercator, Mil. 660 

16pidiorem ad omnis res nee qui amiews amico sit magis, 
wo kein Herumzupfen an der Überlieferung (nee magis quid amicus 
amico sint magis, doch qui und sit B 1 ) zu einer anderen Lösung 
führen kann als der mitgeteilten der Renaissancehandschriften 2 ). 
Ebenso Pomponius v. 145 R. 

ut si quis est 

amicis amici, gaudet si cui quid boni 

evenit cui amicus est germanitus. 
Daß Plautus und Pomponius sich des Ausdrucks in der volkstüm- 
lichen Form bedienen, lehrt Petron, dessen Phileros so redet (c. 43) : 
f rater eins fortis fuit, amicus amico, manu plena, uneta mensa, und 
Ganymedes (c. 44): sed rectus, sed certus, amicus amico, lehrt 
die stadtrömische Inschrift CLE. 999 hie est ille situs, qui qualis 
amicus amico quaque fide fuerit, mors fuit indicio (ähnlich 1000) 3 ). 
So mag es uns einen wichtigen Aufschluß in der Richtung geben, 
die wir suchen, daß sowohl Terenz Phorm. 562 schreibt sölus est 
Jiomo amico amicus*), als auch Accius v. 132 R. qui neque amico 
amicus umquam gravis neque hosti hostis fuit. Beide wagen nicht 
mehr was Plautus im Verse zuließ und später noch Pomponius dem 
volkstümlicheren Stil seiner Gattung gemäß sich erlaubte. 



1) Vgl. Kießling Rhein. Mus. XXIII 411 ff., Kellerhoff in Studemunds 
Studien II 58. Lorenz zu Mil. 658. 

2) Merc. 887 hieß wohl ursprünglich sta ilico, (nam) amicus (amico) ad- 
mnio multum benevolens, aber man kann den Vers nach der Überlieferung nicht 
für plautinisch halten. Merc. 499 amice amico operam dedi, Pers. 255 meo amico 
amiciter hanc commoditatis copiam danunt (Pacuv. v. 131 amico amiciter fecisti), 
Pseud. 673 hie amica amanti erili filio, Stich. 765 savium dare amicum amicae. 
Naevius com. v. 90 nümquam quisquam amico amanti amica nimis fiet fidelis. 
CLE. 689 innoces mansuetus mites letus, cum amicis amicus. 

[3) Vgl. Boll. Comun. 1899 p. 154 n. 64 (CIL. VI 33575). — CLE. 1680 
amic\m amico Bücheier zweifelnd.] 

4) amicus amico E (was nichts sagen will) und Donat im Lemma. 



amkus amico. Zerrissener Anapäst 261 

Es steht also fest, daß Plautus an beiden Stellen amicus amicis, 
amicus amico geschrieben hat. Nun stellt sich das Dilemma so: 
entweder er hat in dieser Wortverbindung das auslautende s nach 
kurzem Vokal fallen lassen oder er hat die Senkung so gebildet, 
daß die Schlußsilbe eines mehrsilbigen Wortes die erste der beiden 
Kürzen ausmacht. Der zweite Fall wäre dadurch besonders ver- 
schärft, daß, wie auch Ritschi bemerkt, in dem Verse eo ego ut quae 
mandata amicus amicis tradam. immo manc die so gebildete Senkung 
die wäre, in der regelmäßig die Diärese stattfindet. 

Die Zweifel an der Richtigkeit des von Hermann (Elem. 78) 
und Lachmann für daktylische, von Ritschi für trochäische Wort- 
formen aufgestellten Gesetzes, demzufolge im jambischen und 
trochäischen Verse die aus zwei Kürzen bestehende Senkung nicht 
so gebildet sein darf, daß eine oder beide Kürzen den Schluß eines 
mehrsilbigen Wortes bilden, sind wahrscheinlich noch sehr verbreitet. 
Gegen Lachmann hat u. a. Brix zu Capt. 321 im krit. Anhang, gegen 
Ritschi Müller Pros. Nachtr. S. 1.2 ff. Beispiele gesammelt. Die 
Verteidigung hat Klotz Grundz. S. 307 ff. ganz ungenügend geführt. 
Zunächst steht es fest, daß der Eingang des trochäischen Septenars 
die Bildung omnibus nöbis ut res dant se oder adde gradum appro- 
pera gestattet. Ferner hat Luchs nachgewiesen, daß ille quidem 
und anderes derart als ein Wort anzusehen ist; wie denn an der 
Zulässigkeit von propter amorem und dergl. nie gezweifelt wurde. 
Daß anderes in die gleiche Kategorie gehört, wird die weitere 
Untersuchung der Accentanlehnung ergeben; wie es z. B. sehr wahr- 
scheinlich ist, daß servos homo (Stich. 58) und illic homo auf einer 
Stufe stehen (s. Müller S. 13), desgleichen vre licebit (Pseud. 1182) 
und ilicet. Ferner hat Skutsch für eine Reihe von Wörtern, die 
auf kurzes e ausgehen, teils nachgewiesen teils sehr wahrscheinlich 
gemacht, daß sie der Senkung keine Silbe zutun; dahin gehört 
Trin. 935 atque cunila *), Stich. 67 inde vocatote. Ferner müssen die 
Fälle mit quisquis, quidquid schon deshalb aus diesem Zusammen- 
hang ausgeschieden werden, weil dieses compositum in seine Be- 
standteile zerfallen konnte, wie inschriftliche Zeugnisse 2 ) und noch 
für neronische Zeit der Vers Senecas Oed. 263 beweist. Von den 



1) Vgl. Lindsay Journ. of philol. XXI 205. 

2) leg. Rubr. I 36 q. q. Compendium für quic quid (so I 26), leg. Vipasc. 
v. 48 quo quo modo. [CIL. VI 11464.] Handschriftlich oft, vgl. Cure. 694 
Rud. 58. 357. 



262 V Auslautendes s und m 

übrig bleibenden Fällen 1 ) sind folgende auch aus anderem Grunde 
anstößig: der Senar Trin. 792 illum quem häbuit perdidit, alium post 
fecit novom hat unmöglichen Anfang und reicht für den Zusammen- 
hang nicht aus. Bedenklich wäre auch ohne die Bildung der 
Senkung die daktylische Messung von perdidit; denn daß die letzte 
Silbe für Plautus kurz sein konnte muß man bezweifeln 2 ). Ein 
Perfekt oder vokalisches Präsens in den Vers gestellt wie (Sen.) 
Herc. Oet. 981 et quidquid aliud restitit, ab Ulis tarnen (nach A) 
kommt, so häufig auch diese Versbildung ist (zahlreiche Belege bei 
Klotz Grundz. S. 257 ff), nicht vor. Dasselbe Bedenken gilt gegen 
Bacch. 411 perdidit assentatio*) und Truc. 810 mägis pol haec malitia 
pertinet ad viros quam ad mulieres. Trin. 308.9 ist perpulit Corruptel 
einmal in P, dann nur in D\ ebenso sicher ist verdorben Truc. 19 
auf erat , Cist. 53t persequar. Ein zweites metrisches Bedenken 
enthält auch Men. 405 idm amabo desine ludos facere, Rud. 763 idm 
her de tibi messis in ore ßet mergis pugneis (AP), Pers. 319 enim 
metuo ut possim in bubile reicere ne vagentur (s. u.) ; sehr bedenklich 
ist in solchem Falle die Unwirksamkeit der Position wie Pers. 1 90 
sed ita völo te cürrere ut dömi sis, Rud. 149 hominüm seeundum 
litus. ut meast opinio, vgl. Truc. 19 auf erat cum pulvisculo*). 
Poen. 344 quo die Orcus ab Acherunte fehlt ab in A (s. u. Rud. 223); 
Pseud. 848 hat A richtig esse nie; Rud. 1093 viden seclestus ut aucu- 
patur ist ut nicht überliefert. Bacch. 101 ist bene med accipis ad- 
venientem (vgl. Asin. 469) durch den Sinn der Stelle nicht indicirt. 
Cist. 777 tibi mea opera liberorum esse amplius. etenim non plaeet 
ist richtig enim für das unplautinische etenim eingesetzt. Aul. 157 
ist Ms legibus quam dare vis eedo unrichtig, bei Hypotaxis wäre si 
quam für den Gedanken unerläßlich. 

Die Fälle, die hiernach übrig bleiben, sind auch nicht alle un- 
anfechtbar, wie ich zu den einzelnen bemerken werde; ich setze 
alle her, nach Versarten (Senar, jambische und trochäische Lang- 



1) Die nach der Überlieferung erledigten lasse ich natürlich beiseite, be- 
diene mich aber auch nicht des törichten Arguments, daß eine Überlieferung 
leicht abzuändern sei. 

[2) Vgl. Jacobsohn Quaest. Plaut. 29.] 

3) Ter. And. 607 übi iUic est scelus qui me perdidit. perii. atque hoc con- 
ßeor iure die Handschriften (der Bembinus fehlt). 

4) Vgl. Stich. 701 und 718 und die Lösungen von Skutsch Plaut, und Rom. 
p. 151 und 46; beide sind unsicher, aber sicher daß beide Verse nicht hierher 
zu rechnen sind. Verse wie Merc. 600. 773 Bacch. 401 habe ich aus demselben 
Grunde hier nicht mit aufgeführt. 



Zerrissener Anapäst 263 

verse), Versstellen und Wortformen (daktylischen, trochäischen) 
geordnet 1 ). 

Senar: 2. Senkung 2 ): 

Bacch. 142 praesentibws illis paedagogus una ut siet. 

Men. 268 tu magnws amator mulierum es, Messenio. 

3. Senkung: 

Truc. 447 quam mihimet, omnia qui mihi facio mala. 
Es geht vorher midto Uli potius bene erit quae bene volt mihi : Müller 
Pros. Nachtr. S. 1.46 bemerkt richtig, daß mihi den Gegensatz zu 
Uli bildet und mihimet in den Relativsatz gehört (quam mihi, qui 
mihimet omnia facio mala). 

4. Senkung: 

Amph. 55 comoedia ut sit omnüws isdem versibus. 

Aul. 297 pumex non aeque est aridws atque hie est senex. 
Die Aussprache ardus (Seyffert stud. PI. p. 6) ist wohl bezeugt. 

Merc. 282 i et hoc memento dicere. numquid amplius? 

Most. 40 germana inluvies, rustiews, hircus, hara suis. 
rusticus ist in der Umgebung zu schwach; aber dasselbe gilt gegen 
rulhis. 

Pseud. 805 nemo illum quaerit qui optumtts et carissumust. 
Die vulgata ist jetzt optumus carissumust mit falschem asyndeton; 
zwei Superlative werden durch et oder atque verbunden: optumum 
atqüe aequissumum (Capt. 333 Epid. 725 Pseud. 389 Stich. 728; 
Cas. 375 Rud. 1029 Turpil. 56), optuma et scitissuma (Stich. 184), 
optumum et verissumum (Boeot. v. 5), pessumi et fraudulentissumi 
(Capt. 235), maxumam et gravissumam (Stich. 164), miserum et 
pessumum (Rud. 1321), pessime ac sacerrime (Turpil. 25), difßcülimum 
et carissimum (Eun. 926). 

Man würde den Verstoß gegen das Gesetz in der 2. und 
4. Senkung am leichtesten durch das griechische Gegenbild ver- 
teidigen mögen, da die Versanfänge dAA' ejumogos elvai, zoTg nevre 
xakdvroig und Schlüsse evvea jialdcov jurjreQa, devgo jtdXiv ßadiareov 
legitim sind; aber die Fälle unterscheiden sich von den anderen 
durch Häufigkeit zu wenig, als daß man eine beabsichtigte Ex- 
ception annehmen könnte. 

[1) Vgl. A. W. Ahlberg De proceleusmaticis iamborum trochaeorumque 
antiquae scaen. poesis lat., Lund 1899, p. 13 sq.] 

2) Vgl. Caecil. 76 (sed) ßius in me incedit sat hüara Schema. Pompon. 
amicus amici (s. o.). Mü. 507 s. u. 



264 V Auslautendes s und m 

5. Senkung: 

Capt. 94 nam Aetolia haec est, illic est capfcws in Alide 

sehr zweifelhaft wegen v. 330 filius mens illic apud vos servit capitis 
Alide, 573 hodie hinc abiit Alldem, Vgl. Rud. 763 messis in ore 
(s. o.), Pers. 24 A, Poen. 344 A, Trin. 658 P. Dazu kommt in der 
2. Senkung des versus Reizianus 1 ) 

Aul. 429 quia venimus coctum ad nuptias, quid tu, malum, 

curas. 
Jambischer Langvers: 2. Senkung 2 ): 

Asin. 469 nemo accipit. aufer te domum. abseede hinc, 

molestus ne sis. 
Stich. 769 qui Ionicws aut cinaedicust qui hoc tale facere 

possiet? 
4. Senkung: 

Rud. 304 nisi quid concharum capsimws, incenati sumus 

profecto. 
Es bedarf keiner besonderen Versicherung, daß eine solche Bildung 
der Diärese mit zerrissenem Anapäst ganz undenkbar ist. — Zur 
6. Senkung s. o. Pers. 319. 

7. Senkung: 

Asin. 430 dormitis interea domi, atque erus in hara haud 

aedibws habitat. 
Von dieser Versstelle gilt zwar nicht genau aber fast dasselbe von 
vornherein, aedibus s.u. Trin. 1127 Vidul. 58 3 ). 

Trochäischer Langvers: 2. Senkung: 

Rud. 1 130 estne hie viduks ubi cistellam tuam inesse aiebas? 

is est. 
Synkopirtes vidulus*) ist an sich denkbar, aber bei folgender Sach- 
lage doch sehr unwahrscheinlich: das Wort kommt 54 mal bei 



1) Cas. 749 gladiüm Casinam intus habere ait, qui me atque te interimat 
wahrscheinlich versus Reizianus (atque = ac). Unsicher das katalektische Kolon 
Pers. 854 satis sümpsimus supplici iam. 

2) Dazu, wie mir scheint sicher emendirt, Capt. 508 eo prötinus ad fratrem 
mei ubi sunt alii captivi: Pylades mei für inde abii mei\ die Anapäste (Skutsch 
Plaut, und Rom. S. 79) halte ich für trügerisch [vgl. Gott. Gel. Anz. 1911 S. 100.] 
Vgl. Mil. 1193, Ter. Phorm. 190. 

3) Falsch Poen. 239 negotium. 

4) Ygl. Spengel T. Macc. PI. S. 92, Müller Pros. S. 476, Sonnenschein zu 
Rud. 936. 999. 



Zerrissener Anapäst 265 

Plautus vor, davon 32 mal in Versschluß oder jambischer Diärese; 
das Verhältnis ist aber nicht wie bei periculum oder possiet, sondern 
innerhalb des Verses ist es sicher 16 mal dreisilbig, auch in den 
beiden lückenhaften Versen Rud. 1066. 1337. Das sind 48 Verse, 
die nur die dreisilbige Messung gestatten; von den übrigen 6 ist 
Rud. 936 anapästisch und gestattet die dreisilbige Messung, v. 999 
ist corrupt und die Emendation beweist die Dreisilbigkeit. v. 1 1 27 
cedo modo mihi istum vid(u)lum, Gripe. concedam tibi ist ein mög- 
licher, aber lahmer Vers. v. 1106 ist die Überlieferung quid ita 
(ista CD) ad vidulum pertinet (pertinent CD) servae sint istae an 
liberae? keineswegs sicher emendirt durch quid id ad vid(u)lum per- 
tinet, Plautus sagt in solcher Frage entweder quid istuc ad vos 
attinet? oder quid istuc ad vos? 1 ) Die Verschiedenheit der Be- 
deutung erläutert die eine Stelle, an der pertinere bei Plautus sicher 
steht 2 ), Merc. 252 hoc quam ad rem dicam pertinere somnium: elg 
tovto Q£7t£L (Ar. Plut. 51), jenes ri juoi JiQoorjxei; wie Rud. 1106 
pertinet ist Pers. 284 attinet der Frage quid id ad te? zugesetzt 
und hier die nachträgliche Anfügung noch deutlich durch die ver- 
schiedene Stellung : quid id a(d) te attinet A, quid id attinet ad te P. 
Ich meine Rud. 1106 auch die Schärfe des Ausdrucks herzustellen: 
quid id ad vidulum, servae sint istae an (fuerint) liberae? Denn 
frei sind die Mädchen weder in Athen noch Rom ehe sie rechtlich 
vindicirt sind, Tranio sagt auch nur esse oportet liberas (1104). End- 
lich v. 1142 hat Camerarius quid sit statt quidquid sit geschrieben, 
mit Recht, denn sölve vidulum ergo, ut, quidquid sit, verum quam 
primum sciam (denn so wäre zu interpungiren) würde besagen, daß 
Demones für sich etwas großes erwartet und auf alles gefaßt ist; 
darum handelt es sich aber noch nicht, sondern nur darum daß er 
als Schiedsrichter die Wahrheit constatiren will, also quid sit verum. 
So bleibt vereinzelt der Vers, um den es sich handelt, und somit 
für diesen nur ein Dilemma, kein tertium. — S. o. Poen. 344, 
Rud. 1039 3 ). 



1) Men. 722 quid id ad me, tu te nuptam possis perpeti an sis abitura a 
tuo viro? Poen. 1022. Bezeichnend Pers. 497 hat quid ad me* T. immo ad te 
attinent, 

2) Denn Truc. 810 magis pol haec malitia pertinet ad viros quam ad 
mulieres ist selbst zweifelhaft (s. o.), weicht übrigens auch in der Bedeutung 
von attinet ab. 

3) Ter. Phorm. 528 sie hunc deeipis? immo enim vero, Antipho, hie me 
deeipit (Lachmann zu Lucr. p. 116) ist anders zu beurteilen, s. u. 



266 V Auslautendes s und m 

3. Senkung: 

Capt. 321 ne patri, tarn etsi ünicus sum, decere videatur 

magis. 
Die Cäsur, möge man sie nach der 4. Hebung oder nach der 
5. Senkung ansetzen, ist falsch gebildet, auch wenn man unictts sum 
als ein Wort faßt; sie ist richtig (nach dem 5. Trochäus), wenn 
man mit Müller umstellt: ne patri, tarn etsi sum tinicus, decere. 
Pers. 190 und Men. 405 s. o. 1 ). 

Poen. 922 ero uni potius intus ero odio quam hie sim vobis 

omnibus. 
So AP, nur A mit dem solöken intro, das doch sehr nach einer 
metrischen Erleichterung der Stelle aussieht. Der Anfang des 
Verses nimmt ero (gleichviel ob ero uni möglich ist oder nicht) dem 
Ausdruck seine Schärfe und ist mit Recht von Guyet gestrichen 
worden. — S. o. Pseud. 1182. Rud. 763. 
5. Senkung: 

Mil. 721 censerem emori cecidissetve ebrites aut de equo 

uspiam AP. 
Pers. 14 similis est Sagaristionis. Toxilws hie quidem meus 

amicust. 
Trin. 1127 nam exaedifieavisset me ex his aedib^s, absque 

te foret. 
Vid. 58 hicine vos habitatis? hisce in aedibtts, huc adducito. 
vgl. aedibus Asin. 430. 

Bacch. 411 ei mihi, ei mihi, istaec illum perdidit assentatio. 
Wie bedenklich die Prosodie von perdidit ist, habe ich oben er- 
örtert. Ferner s. o. Cist. 610. 

Stich. 58 qui manet ut moneatur semper servos homo offi- 
cium suom. (s. o. S. 261) 
Pers. 663 nimiumst. octoginta. nimiumst. m\mmus abesse 

hinc non potest. 
nummus abesse hatte auch A. 

Epid. 573 quis istaec est quam tu osculum mihi ferre iubes? 

tua filia {AP). 
vgl. Cist. 292. 

Mil. 1370 dicant servorum praeter me esse fidelem neminem. 

1) Cas. 242 ecquid te pudet? ömnia quae tu vis. ubi in lustra iaeuisti? im 
Canticum; doch vielleicht Anapäste. 



Zerrissener Anapäst 267 

Es fehlt, wenn auch nicht grammatisch, so doch für die wirksame 
Deutlichkeit des Ausdrucks tibi oder ein Ersatz dafür. 

Mil. 660 lepidiorem ad omnis res nee qui sunicus amico 

sit magis; 
der eine der Verse von denen wir ausgingen. Über Pseud. 848 s. o. 
Der Vers Pers. 565 di immortales, nullus leno te alter erit opulentior 
gehört so wenig hierher wie Stich. 1 19 virginemne an vidaam habere, 
quanta mea sapientiast: der proceleusmaticus in der 6. Hebung ist 
häufig (Capt. 358 Cure. 547 Merc. 895 Amph. 442). Poen. 1045 
quaeris ddoptaticium, Mil. 192 facta, dömi fallacias und dergl. 1 ). 

Für die 6. Senkung gibt es kein Beispiel und nur eines für die 
vierte 2 ), das ich ans Ende wie an den Anfang stelle: 

Merc. 385 eo ego ut quae mandata ami^s amicis tradam. 

immo mane, 
ein Vers, in dem den Daktylus als Daktylus aufzufassen metrisch so 
unmöglich ist wie methodisch fehlerhaft ihn zu ändern. 

Das Resultat dieser Aufzählung brauche ich dem geneigten 
Leser nicht erst mitzuteilen. Es sind 28 Fälle des zerrissenen 
Anapästs, von denen noch 8 (außer den vorher ausgeschiedenen) 
anderen Anlaß zu Zweifeln geben; von den 28 fallen 20 fort, wenn 
wir annehmen daß s nach kurzem Vokal vor anlautendem Vokal 
von Plautus abgestoßen werden konnte; von den 20 Fällen sind 4 
unsicher, von den gegenstehenden 8 Fällen mit anderen Auslauts- 
konsonanten gleichfalls 4, so daß nur 4 bleiben gegen 16 mit s. 

Unter jenen 28 Fällen befinden sich 10, die den falschen Wort- 
schluß in der 5. Senkung des trochäischen Verses haben. Es ist 
mehrfach die Ansicht geäußert worden, daß die 5. Senkung in diesem 
Punkt mit derselben Freiheit wie die erste gebildet worden sei 3 ). 
Man kann dafür anführen, daß auch der Dimeter • 

Epid. 3 respice vero Thesprio 
dieselbe Bildung zeigt (vgl. Stich. 331); aber trochäische und jam- 
bische Dimeter, die überhaupt nur in gesungenen Partien vorkommen, 
zeigen auch in anderen Punkten Freiheiten, die den zweiten Kola 
der Langverse fremd sind. Dasselbe gilt vom trochäischen System, 
Aul. 728 öppido ego interii, palamst res. 

1) Afran 394 quanta voeiferatione fervitur, ei misero mihi. 

2) Pompon. v. 92 überliefert evannetur et mea ocius opera ut fiat fecero. 
Falsch Amph. 1048 in aedibiis. 

3) Vgl. Dziatzko zu Ter. Ad. 971, Seyffert Berl. phil. Wochenschr. 1891 
S. 926, Skutsch ebenda 1892 S. 1615 [Vollmöllers Jahresb. IV 81, Hgag S. 137 ff. J. 



268 V Auslautendes s und m 

Vgl. Cure. 138. Wahrscheinlich ist jene Annahme deshalb nicht, 
weil der Anfang des trochäischen Septenars, wie bekannt, nicht nur 
in der Zulassung des daktylischen und trochäischen, sondern auch 
des spondeischen und anapästischen Wortschlusses von der Bildung 
des übrigen Verses abweicht; Anfänge wie de magnis, effugias, im 
ersten Kolon legitim, sind im zweiten nicht weniger Ausnahme als 
an der entsprechenden Stelle des Senars. Daß nun von jenen 
10 Daktylen und Trochäen, die das zweite Kolon eröffnen, 7 auf s 
ausgehen und (was ja in diesem Falle nicht erforderlich wäre, um 
die Kürze der Silbe zu bewahren) vor anlautendem Vokal stehen, 
daß diese 7 im übrigen unbedenklich, von den anderen 3 zwei 
bedenklich sind, wäre ein wunderbarer Zufall; aber freilich kann 
es Zufall sein. Wir sind nun in der Lage, eine Art von Probe 
auf den Zufall zu machen, indem wir die zerrissenen Anapäste nach 
der ersten Hebung der trochäischen Verse mit denen nach der 
fünften vergleichen. Es sind folgende Verse, die ich doch der Er- 
gänzung wegen anführen müßte: 

Mil. 799 auribws utor (nur der Anfang erhalten). 

Stich. 114 omnibws os obturent, ne quis merito maledicat sibi. 
Vgl. zu Merc. 920. 

Aul. 781 noscere. filiam ex te tu habes. immo eccillam domi. 
ex te filiam habe ich nicht wegen des Daktylus, sondern wegen des 
Hiatus vermutet. 

Bacch. 981 optumus sum orator, ad lacrimas coegi höminem 

castigando. 

Men. 386 aeeipe dum hoc. iam seibo utrum haec me mage 

amet an marsuppium, 
vielmehr aeeipedum (Klotz Grundz. S. 311). 

Merc. 995 Eutyche, ted oro, sodalis eius es, serva ac subveni. 
te steht in den Handschriften, aber darum ist Eutyche te oro (Klotz 
S. 132) nicht weniger schlecht. Anders Cure. 599 und Pers. 666. 

Truc. 262 comprime sis eiram. eam quidem hercle tu quae 

solita es comprime. 

Most. 842 latius demum est operae pretium ivisse. recte 

edepol mones, 
wahrscheinlich auch A. 1 ) 

Mil. 1148 omnia dat dono, a se ut abeat, ita ego consilium 

dedi. 

1) Zweifelhaft Most. 131. 



Zerrissener Anapäst 269 

Poen. 834 omnia genera recipiuntur, itaque in totis aedibus. 
905 omnia memoras. quo id facilius fiat, manu eas 

adserat (AP). 
Stich. 336 omnia membra lassitudo mihi tenet. linguam 

quidem. 
97 quem aequiust nos potiorem habere quam te? 

postidea pater (AP). 
331 respice ad me et relinque egentem parasitum, 

Panegyris. 
526 omnium me exilem atque inanem fecit aegri- 

tudinum. 
Rud. 1100 omnia istaec ego facile patior, dum hie hinc a 

me sentiat 1 ). 
1359 omnia ut quidquid infuit, ita salva sistentur tibi. 
Capt. 558 Hegio, fit quod tibi ego dixi, gliscit rabies, cave tibi. 
Trin. 933 omnium primum in Pontum advecti ad Arabiam 

terram sumus. 
1156 filiam meam tibi desponsatam esse audio, nisi 

tu nevis. 2 ). 
Stich. 331 fehlt ad in P, mit Unrecht (Capt. 835 Cure. 114 Cas. 631 
Poen. 857 Pseud. 244 Trin. 1068 Truc. 257). 

Stich. 684 omnibus modis temptare certumst nostrum hodie 

convivium (s. u.). 
Pers. 563 verba quidem haud indocte fecit. ex tuo inquam 

usust. eme hanc (AP). 
Epid. 593 numquid ego ibi, pater, peceavi? si hercle te um- 

quam audivero. 
vgl. 677. 688. 

Poen. 512 sicine oportet ire amicos homini amanti operam 

dare? 
Stich. 135 3 ) vosne latrones et mendicos homines magni 

penditis? 
in vorne kann das r, verstummen. 

Trin. 880 multa simul rogitas, nescio quid expediam po- 

tissimum. 



1) ego istaec Bothe, vgl. Trin. 655. 

2) Mit SynalÖphe Mil. 220 ärripe opem auxiliumque ad hanc rem, Cist. 62 
indidem unde dritter facito ut facias stultitiam sepelibilem. 

3) Wohl auch Stich. 87 multa seid fackmda verba. ibo intro. sed aper- 
tast foris. 



270 V Auslautendes s und m 

Trin. 1010 adde gradum, adpropera. iam dudum factumst 

quom abiisti domo. 
Trin. 301 ist möglich semper ego usque ad hanc aetatem, 655 omnia 
ego istaec, 1070 hat A ipsus homo optimus, P ipso 1 ). Stich. 110 
quam illa fuit gestattet auch andere Messung 2 ). Cure. 161 eapse 
merum, Epid. 144 unde lübet und dergl. 

Von diesen 27 oder (um die unsicheren abzuziehen) 24 Versen 
zeigen nur 2 die Erscheinung, die in der 5. Senkung 7 von 10, an 
den übrigen Stellen 13 von 18 Beispielen zeigen. Wir dürfen danach 
mit einiger Sicherheit den Schluß ziehen, daß es sich in jenen 
20 Versen nicht um eine metrische, sondern um eine grammatische 
Erscheinung handelt; und das kann nur die eine sein, die Schwäche 
des auslautenden s nach kurzem Vokal auch vor Vokal. Während 
uns nun durch amicus amicis nur eine besonders charakterisirte, 
stilistisch zusammengeschlossene, formelhafte Wortgruppe bezeugt 
wäre, die auf andere Wortverbindungen keinen Schluß gestatten 
würde, ist in den übrigen metrisch gleichen Fällen nichts der Art 
zu bemerken. Auch die Verse mit onustus incederem und dergl. 
geben zwar einen typischen Fall, aber keine Wortverbindung, die 
unter besonderen grammatischen Bedingungen stünde. Von diesen 
Versen haben wir gesehen, daß in der Zeit, aus der unser Text 
stammt, Abfall des s angenommen wurde, ohne daß wir bei der 
leichten Vertauschung von cedere und incedere für Plautus selbst 
ohne weiteres dasselbe annehmen konnten; von der zuletzt be- 
sprochenen Gruppe ist es wahrscheinlich, daß man den 'zerrissenen 
Anapäst 3 gelten ließ, während Plautus ihn sicher nicht beabsichtigt 
hatte. So spricht die Gruppe der 20 Verse auch für die richtige 
Überlieferung der Verse mit incedere. 

Noch in einem anderen Falle coneurrirt eine metrische Möglich- 
keit mit der grammatischen, der wir nachgehen ; es ist der Fall, in 
dem die auf s ausgehende Silbe vollgerechnet einen mit der Hebung 
beginnenden proceleusmaticus hervorbringt 3 ). Unmöglich ist der 
proceleusmaticus Epid. 364 

deveniam ad lenonem domum egomet solws, eum ego docebo, 

1) Pseud. 973 qui ipsus sese noverit, dafür ipsu sese P, ipsus se A, das 
heißt doch wohl beide dasselbe. 

2) Terenz: Hec. (281.287). 380. Ad. 971 (zweimal omnibus); sonst noch 
Accius 501 horrido, honestitudo und Lucilius 894 Hymnis ego animum sie indueo 
[si Marx], 

[3) Vgl. Ahlberg in der S. 263 A. 1 augeführten Abhandlung.] 



Zerrissener Anapäst. Proceleusmaticus 271 

beispiellos an vorletzter Stelle des jambischen Septenars und den 
Vers zerstörend. Daß ego nach (363) nunc ego hanc astutiam institui 
und deveniam egomet notwendig sei, wird niemand behaupten; aber 
die Stellung cum ego, so selten nach Anfang, ist regulär im Anfang 
des Satzes 1 ), und dergleichen pflegt ein Fingerzeig für richtige 
Überlieferung zu sein. Dagegen Most. 933 hie quidem neque con- 
vivarum sonitus itidem ut antehac fuit (AP) ist die Betonung 
itidem ut, die entstehen muß ob man ns als Silbe beläßt oder ver- 
schmelzen läßt, nicht erträglich, und item gewiß richtig emendirt; 
das Fehlen von est ist zu erklären wie v. 1 59 eventus rebus omnibus, 
velut horno messis magna fuit, es wird aus fuit gleichsam antieipirt. 
Asin. 59 bene hercle facitis et a me initis gratiam steht es frei, et a 
als pyrrhichius zusammen zu nehmen 2 ). Von anderer Art sind 
folgende Verse: 

Poen. 1198 ingenium patm habet quod sapit -4P (Dimeter). 

Aul. 603 nunc erus me^ amat filiam huius Euclionis pauperis. 

Cist. 22 quia me coWtis et magni facitis. decet pol, mea 

Selenium. 
5 1 6 Iüno filia et Saturnus patruw-s et summus Iuppiter 

AP*). 

Bacch. 121.1 speetatores, vos valere volumus et clare 

applaudere. 
Diese 5 proceleusmatici müssen ihre vierte Silbe erst kürzen, zwei 
indem sie jambische Wörter, die noch dazu in Position stehen, 
pyrrhichisch behandeln, drei indem sie die Position von et nicht 
gelten lassen. Ob solche proceleusmatici statthaft sind, ist sehr 
die Frage. Ein Teil der in Betracht kommenden Verse erledigt 
sich ohne weiteres. Cist. 509 steht sdtin istuc tibi (nicht tibi istuc) 
in A wie P. Epid. 70 spricht gegen einen Anfang quia patrem 
prius se die Überlieferung der zweiten Hälfte des Verses; 202 ist 
ego quidem auch der Betonung wegen verdächtig (Luchs comm. 
pros. I 16). Trin. 338 quia sine omni malitiast, nicht (Klotz Grundz. 
S. 350) quia sine omni-, eben so wenig Bacch. 51 perii, harundo 



1) Kämpf de pron. pers. usu et eolloc. p. 22. 

2) Pacuv. v. 391 si Priamus adesset, et ipse eius commiseresceret, ist (bei 
Servius) falsch überliefert. 

3) summus pater (Bentley und viele nach ihm) verschlechtert den Aus- 
druck und hat an der Fassung von v. 514 in A keine Stütze, denn diese ver- 
schlechtert den Dialog. 



272 V Auslautendes s und m 

dlas verberat 1 ). Epid. 585 tarnen ero mdtris filia ist die Form tarnen 
für Plautus nicht beweisend, fast so wenig wie in anderen Fällen 
mihi, z. B. Stich. 609. Einige trochäische Septenare haben einen 
proceleusmaticus dieser Art zu Anfang; von diesen ist Men. 827 
(tibi aut adeo isti) corrupt oder doch durch die Lücke sehr zweifelhaft; 
Cure. 311 viden ut expdlluit und Epid. 152 dliqua ope exsölvar aber 
sind allenfalls durch das Privilegium des Versanfangs erklärt 2 ). 
Von den übrig bleibenden Versen sind Mil. 1118 dicas uxorem tibi 
necessum esse ducere, Cist. 577 tibi elocutast, ego continuo anum 
interrogo, Trin. 724 et capturum spölia ibi illüm qui meo ero advorsus 
venerit (wo das erste Kolon mit illum schließen muß) offenbar 
überladen, der letzte in ähnlicher Weise wie Epid. 126 peregre 
erum süom Stratippoclem. Dieser und die letzten übrig bleibenden 
Cas. 262 qui malum homini scutigerulo ddre lubet? quia enim ßio 
und Rud. 639 qui lubet male dieere? equidem tibi bona exoptavi 
omnia sind die einzigen, die allenfalls auf Verteidiger rechnen 
dürften 3 ); um so sicherer darf ich sagen, daß in der Gruppe 
der 5 oben aufgezählten Verse die proceleusmatici nicht zu ver- 
teidigen sind. Dagegen haben drei von ihnen et nach dem Worte 
in s, und es gilt ja als ein leichtes Mittel, die unbequeme Copula 
einfach zu streichen; ich habe das früher selbst getan ohne den 
wirklichen Stand des Asyndeton bei Plautus zu untersuchen. Hier 
trifft es sich nun so, daß Bacch. 1211 und Cist. 516 die Copula zu 
entfernen syntaktisch unmöglich, Cist. 22 keineswegs unbedenklich 4 ) 

1) Klotz Grundz. S. 353. Ein Vers ist eben nicht damit interpretirt daß 
man ihn meint scandiren zu können. [Zacher hat die Sache erklärt, aber nicht 
den Vers interpretirt; c ich bin gefangen' paßt durchaus nicht in den Zusammen- 
hang.] 

2) Nicht Epid. 714 äbi modo intro. ei, non illuc temer est Über die Verse 
mit suo, eos und dergl. s. Kap. VI. 

3) Alle drei haben den proceleusmaticus zu Anfang des 2. Kolons (s. o.). 

4) Zwei Verba, die von einer Conjunction oder einem Relativ abhängen, 
werden oft asyndetisch nebeneinander gestellt, wenn das zweite Verbum ent- 
weder einen Fortschritt des Gedankens, der Handlung bezeichnet oder zu dem 
ersten in Gegensatz tritt. Von einer Conjunction abhängig [ich ergänze die 
Beispiele, vgl. Anal. PL II 11 A. 2.]: Poen. 1100 ut te allegemus, filias dicas tuas — 
esse, Rud. 774 ut Mas serves, vim defendas, Capt. 436 (ne) tu te pro libero esse 
ducas, pignus deseras, Most. 663 nisi ut — percitem, eas emisse aedis — dicam, 
Trin. 749 ut adeam Lesbonicum, edoceam ut res se habet (P), Rud. 307 nam cum 
modo exibat foras, ad portum se aibat ire, 179 si ad saxum quo capessit, ea 
deorsum cadit, Stich. 336 dum percontor portitores, negant venisse, Cure. 329 
postquam tuo iussu profectus sum, perveni in Cariam, Amph. 1061 ubi parturit, 



Proceleusmaticus. Überlieferte einzelne Fälle 273 

ist. Das Resultat ist auch für diese 5 Verse, daß ein metrischer 
Ausweg nicht gegeben ist und die Erscheinung eine grammatische 
Erklärung verlangt; und diese kann nur eine sein 1 ). 

3 

Da es nun für etwa 30 Verse wahrscheinlich gemacht ist, daß die 

verschiedenen auffallenden Erscheinungen in dem Verhalten des s 

ihre einheitliche Erklärung finden, so werde ich jetzt die Verse 

aufzählen, deren Überlieferung, wenn sie richtig ist, keine andere 



deos sibi invocat, Capt. 80 quasi — cocleae in occulto latent, suo sibi suco vivont, 
vgl. Truc. 924 vin te amplectar, savium dem ? Ter. And. 213 si lübitum fuerit, 
causam ceperit (so zu verstehen), Ad. 144 cum placo, adversor sedulo et deterreo, 
Phorm. 341 dum tibi fit quod placeat, ille ringitur, Caec. 160 ubi domum adveni, 
adsedi, Titin. 52 ut res suas procuret, aedibus facessat, Cato agri c. 2, 2 si ei 
opus non apparet, dicit vilicus sedulo se fecisse; adversativ (wozu man auch diesen 
Satz aus Cato rechnen kann) : Bacch. 35 ut tu taceas, ego loquar (Mil. 926 u. a.), 
Poen. 729 si pultem, non recludet, Most. 59 quia numquam merui, tu meruisti et 
nunc meres; von einem Relativ abhängig: Mil. 690 quae me somno suscitet, dicat, 
Cure. 3 quo Venus Cupidoque imperat, suadet Amor (suadetque vulgo), Truc. 513 
quae me hie reliquit, eapse abiit (so emendirt, wie auch in einer Anzahl der 
übrigen Beispiele das Asyndeton früher nicht erkannt war), adversativ Men. 807 
quod ad hanc detulerat, nunc — refert. Dieses Asyndeton abhängiger Sätze ist 
italisch, genau so t. Ig. VI b 56 ape ambrefurent, termnome benurent. Später: 
Lucr. 957 quia semper aves quod abest, praesentia temnis, Seneca N. Q. V4, 3 quae 
-cum coacervata sunt, deinde extenuari sole coeperunt, Phoen. 258 quem deus dam- 
navit, abiecit pater, Tacitus ann. III, 21 postquam deflexit — adhaerebat, 54 si quis 
legem sanciat, poenas indicat (und nachher sin aecusare vitia volunt, dein — simul- 
tates faciunt), Quint. decl. min. 246 p. 7, 13 R. cum id ageres ut desererem, deser- 
torem poena sequatur; vgl. Pers. 6, 38 sq. Für sich ergänzende Synonyma, die 
Plautus im unabhängigen Satz so oft asyndetisch stellt, wüßte ich in einer 
abhängigen Verbindung wie quia me Colitis, magni facitis nur Stich. 206 qui 
multum miseri sint, laborent anzuführen [häufig in der Gesetzessprache auch in 
Nebensätzen, vgl. Altenburg De serm. ped. Ital. vetustissimo, Fl. Suppl. XXIV 
1898, S. 497]. S. u. zu Cure. 351. 

[1) Die zweite Kürze des aus Hebung und Senkung bestehenden proceleus- 
maticus ist in einer größeren Zahl einwandfreier Beispiele durch Jamben- 
kürzung entstanden, s. Skutsch Sat. Viadr. S. 136 ff., Ahlberg De procel. II 23 ff. 
Beide (auch Lindström Comm. Plaut. 1907 S. 4 ff. und sonst) vermischen die 
beiden Kategorien, die ich hier (nicht S. 323 der 1. Aufl.) auseinandergehalten 
habe. Es scheint mir einleuchtend, daß der eine Versictus, der 4 Silben zu 
tragen hat, die schwere Silbe an der zweiten Stelle leichter als an der vierten 
trägt. — Es ist ein Unterschied zwischen jambischen Wörtern , deren Länge 
noch beliebig gilt und solchen, deren Kürzung in der Sprache durchgeführt ist 
(ubi tibi quasi modo ego). Skutsch vermehrt meine Beispiele hauptsächlich 
durch solche der letzteren Art, von denen ich abgesehen hatte.] 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 18 



274 V Auslautendes s und m 

Erklärung zuläßt als das Schwinden des s vor anlautendem Vocal; 
die Verse mit ornatus incedit gehören ja auch bereits unter diesen 
Gesichtspunkt. Die Ordnung dieser Reihe muß grammatisch, nicht 
metrisch sein. Wo Vers oder Satz sonst zu Zweifeln berechtigt, 
werde ich es erwähnen und Verse, die eben so gut anders zu erledigen 
sind, gar nicht anführen. 
us der o-stämme: 

Asin. 586 atque Argyrippws una. opprime os, is est, subaus- 

cultemus. 

Bacch. 142 praesentibus illis paedagogws una ut siet. 
beide vor una, S. u. Capt. 479 imus una. 

Aul. 377 abeo ir&tus illinc, quoniam nihil est qui emam. 
Durch eine Emendation beide Vershälften zu glätten ist der Cäsur 
wegen unmöglich. 

Bacch. 90 ille quidem hanc abducet, tu nullws adfueris, si 

non lubet. 
Gegenüber der persönlichen Construction is nullus venu Asin. 408 
Rud. 143. 323, nullus creduas Trin. 606, quod nulla habet Mil. 786, 
neque hue quidem ullus venu Rud. 340, nulla erepitant Men. 926,. 
malus parcuit Naev. com. 69, nullus dixeris Ter. Hec. 79, tametsi 
nullus moneas Eun. 216 (vgl. Donat), mala erat Eun. 354 erscheint 
die adverbiale in nulluni ostenderis Rud. 1 135, nulluni esurit Cas. 795; 
bei adfueris ist doch nach lateinischem Sprachgesetz die überlieferte 
persönliche Construction entschieden wahrscheinlicher als die adver- 
biale, die man unter dem Zwang des Metrums einsetzt. Und sollte 
es Zufall sein, daß vor Consonanten stets nullus, nulla, in 2 Fällen 
vor Vocalen nulluni überliefert ist? 1 ) 

Bacch. 724 eüax, nimis hellus atque ut esse maxume optabam 

locus, 
vor atque s.u. Men. 152 Jiabeamus atque, auch Aul. 297. 

Der Vers Bacch. 331 sed divesne est istic Theotimus? etiam 
rogas? würde bei Verschiffung von Theotimus etiam cäsurlos sein. 
v. 625 consolandus hie mist, ibo ad eum bedarf bei anapästischer 
Messung der Verschleifung nicht. 

Bacch. 950 dolis ego prensus sum, ille mendicans paene 

inventus interiit 
so A, dejwensus P; die Emendation des Anfangs muß zweifelhaft 
bleiben, da der Vers in der Umgebung jambisch wie trochäisch sein 



[1) ill(e) quidem hanc abducet scheint mir kein guter Ausweg zu sein/ 



Überlieferte einzelne Fälle 275 

kann; mir scheint (in) dolis (Lambin) unumgänglich l ); aber der Schluß 

ist davon unabhängig. Durch interit für interiit bringt man entweder 

ein formal falsches Perfect 2 ) oder ein syntaktisch falsches Präsens 

hinein. Unter den zerrissenen Anapästen habe ich solche Verse 

absichtlich nicht angeführt: sie würden nur die Wage zu Gunsten 

der fraglichen Erscheinung sinken lassen. 

Capt. 417 nöx diem adimat. nam quasi servos me^s esses, 

nihilo setius 
vgl. Aul. 603 crus mens amat. 

Mil. 629 nam equidem haud sum natus annos praeter quin- 

quaginta et quattuor. 
Rud. 1382 quinque et viginti natus annos. habe cum hoc. 

aliost opus, 
letztere Stelle citirt Priscian mit der Stellung annos natus, vgl. 
Men. 446 plus triginfa annis natus sum, wo es wieder nahe lag 
.natus annis umzustellen. 

Pers. 24 hat A ergo edepol palles. saucius sum f actus in Veneris 
proelio, aber P gut f actus sum; s. o. Poen. 344 und Rud. 763, unten 
Trin. 658. Rud. 223 omnibus in latcbris P (Anap.), in fehlt in A. 
Einen anderen Vers, in dem sum f actus Schwierigkeiten macht, 
Pseud. 802 hominum avaritia cgo sum factus improbior coquos (mit 
der Verschleifung wäre es ein sehr schlechter Vers) habe ich 
emendirt: der Gegensatz zum folgenden non meopte ingenio erfordert 
einen allgemeinen Begriff (hominum vitio) 3 ). 

Rud. 1006 elleborosus sum. at ego cerritus. hunc non 

amittam tarnen, 
in A hat der Vers gleichfalls mit eil begonnen und hunc non emittam 
tarnen geschlossen 4 ). Vgl. Truc. 92. 

Rud. 1044 etsist ignotus, notus; si non, notus ignotissumust. 
eine Verbindung zusammengehöriger Begriffe wie amicus amico. 

[1) Kann denn dolis anders als instrumental , d. h. gegen den Sinn, ver- 
standen werden?] 

[2) Es gibt einige Beispiele von -it (zuletzt, aber nicht genügend, be- 
handelt von Feyerabend De verbis Plaut, personarum motum in scaena ex- 
primentibus, Marburg 1910 p. 7 sq.), und zwar außer exit im Versschluß oder 
an den gleich behandelten Stellen; aber an Contraction von -ieit ist schwer 
zu glauben.] 

[3) Lindsay irrt, wenn er avaritia statt hominum avaritia (was übrigens 
eine ganz schlechte Lesung wäre) mit C T ut vid* dem Senonensis zuschreibt; 
für diesen ist Übereinstimmung mit den übrigen Handschriften bezeugt.] 

[4) Wer den Gebrauch von at ego kennt, wird at nicht streichen.] 

18* 



276 V Auslautendes s und m 

Trin. 658 ita vi Veneris vinctus, otio capto in fraudem incidi. 
A hat aptus. Selbst wenn man die für Plautus kaum glaubliche 
Kühnheit der Übertragung, für die weder in den von Nonius p. 234 
angeführten Versen noch sonst ein Beispiel vorliegt, in einer Rede 
gesteigerten Tones hinnehmen will, fehlt dem Worte doch grade 
der Begriff, den der Gedanke verlangt und den capitis enthält: 
Grund genug bei captus zu bleiben, wie denn auch Ritschi selbst 
und Brix es zu halten wünschten, obwohl sie aptus in den Text 
nahmen. Freilich wäre mit captu die Cäsur von einer sehr seltenen 
Bildung (vgl. Meyer Abh. der bayr. Akad. 1884 S. 78), genau ent- 
sprechend Cure. 537, fast genau, mit nicht geringerer Härte, 
Capt. 1007 Rud. 660 (nicht 1119) Cure. 554: das spricht nicht für 
die Richtigkeit der Überlieferung; captus otio G. Hermann. 

Truc. 92 legatws hinc quo cum publico imperio fui 1 ). 
quo hinc Bothe; hinc huc ist regelmäßige Stellung (Bach p. 203), 
hinc quo oder quo hinc finde ich sonst nicht. — Für den nomin. 
singul. der u- Deklination gibt es kein sicheres Beispiel; über 
Most. 933 s. o., Amph. 1062 s. u. 

Pers. 555 perfidia et pecülatws ex urbe et avaritia si ex- 

ulant (AP) 
peculatus würde so seine richtige Quantität erhalten; depecülatui 
Epid. 520 in einer Gruppe eingeschobener Verse deutet aber doch 
darauf, daß die Herausgeber der uns überlieferten Texte ü annahmen, 
wie CLE. 134 vielleicht pecülio pauper, animo divitissimus gemessen 
ist; bei Plautus stets pecülium. Cist. 72 perfidiosus est Amor, ergo 
in me pecidatum facit gibt keine Entscheidung. — Auch für das us 
der consonantischen neutra ist sehr wenig anzuführen: 

Capt. 278 quöd genus illic est unum pollens atque honora- 

tissimum 
gibt wie alle Fälle mit illic keine Sicherheit; auch 

Rud. 149 hominüm seeundum litus. ut mea est opinio 
hat wenig Beweiskraft. Ahnlich steht es mit dem -us des Com- 
parativs: 

Merc. 898 qui illam habet, nequest quoi magis me velle 

melius aequom siet. 
Rud. 836 ist non decedam potius. illic astato üico unrichtig und non 



1) Asin. 599 ist emendirt. Pseud. 666 iübe sis te operiri, beätus eris si 
consudaveris. Capt. 562 et quidem Alcümeus atque Orestes. Falsch Mil. 271 
conservos atque P (qui A). 



Überlieferte einzelne Fälle 277 

zu streichen; Pseud. 758 sed properate. prius illic erimus quam tu. 
abite ergo ocius steht Uli zu Gebot. Rud. 1232 tantö melius, Uli 
obtigit qui perdidit ist so, wie es überliefert ist, auf keine Weise zu 
halten. Cist. 777 s.o. 1 ). 

Für Dat. abl. bus bleibt nach den besprochenen Fällen mit 
aedibus usw. nur 

Epid. 353 m&mbus his dinumeravi, pater suam natam quam 

esse credit, 
vgl. den anapästischen Vers Pers. 768 date aqudm manibiis, apponite 
mensdm, eine immerhin mögliche Messung. 

is der i stamme. 
Merc. 600 tristis incedit s.o. S. 259; Bacch. 797 bene navis agitatur, 
pulcre haec eonfertur ratis wird durch Men. 344 nunc in istoc portu 
stat navis praedatoria (wahrscheinlich auch -4), wo navis einsilbig 
ist 2 ), unsicher. Capt. 536 mihi res omnis in incerto sitast, quid 
rebus confidam meis? scheint mihi, das am Schluß von 535 über- 
liefert ist, nötig. Epid. 602 civis eam emit Atticus hat keine Be- 
weiskraft. 

gen. sing, der consonantischen Stämme. 
Asin. 505 an ita tu es animata, ut qui matr/s expers im- 

perio sies? 
509 höcinest pietatem colere, matns Imperium minuere? 
s. o. patris Poen. 1198. 

Stich. 432 tui frdtm ancillulam. eo condixi in symbolam. 
ancillam P; die Verschreibung in ancillulam ist nicht grade wahr- 
scheinlich; Rud. 74 ancillula i?, ancilla CD. 

Asin. 729 ego pes fui. quin nee caput nee pes sermoms 

apparet. 
sermoni wahrscheinlich richtig emendirt. Men. 437 tu facito ante 
solis occasum ut venias advorsum mihi ist sicher solem das richtige 
(auch Epid. 144 unrichtig solis E, Men. 1022 E). 

Pers. 353 neque ego inimicitias omnis plur/s existimo. 
neque für non sicher hergestellt; für pluris verweist SeyfFert (bei 
Scholl) auf plure bei Charisius p. 211, darüber s. u. 3 ) 
us der 1. pers. plur. 

1) Rud. 788 pröpius accedent CD, aber accedent propius AB. — Pompon. 92 

s. o. 

2) Nicht widerlegt von Solmsen Stud. zur lat. Lautgesch. 182. 

3) Cas. 218 leporis hodie, im wahrscheinlich anapästischen Verse, hat 
nichts Zwingendes. Cure. 664 ist überliefert quid dötis? egone? ut semper dum 
vivat med dlat, nicht empfehlenswert (nie g). 



278 V Auslautendes s und m 

Merc. 773 cur hie astamus? quin abiim/s? incommodi (AP) 
es folgt si quid tibi evenit, id non est culpa mea (wo A eine Variante 
hat, die vielleicht auf Correctur von 773 zurückgeht). 

Bacch. 230 mille et ducentos Philippos attulimits aureos 1 ). 

Capt. 479 salvete, inquam. quo imus una, inquam, ad pran- 

dium? atque illi tacent. 
vgl. (una) Asin. 586, Bacch. 142 (S. 273). 

Cure. 351 quid si abeamus ac decumbamus? inquit. con- 

silium placet. 
Man pflegt ac zu streichen, vgl. zum Asyndeton ( c minime probandum* 
Ussing) Cas. 422 eamiis nos quoque intro, hortemur ut proper et, aber 
im selbständigen Satz; copulirt im gleichen hypothetischen Frage- 
satz Cas. 357 quid si propius attollamus signa eamusque obviam? 

Men. 152 clam uxoremst ubi pulchre habeamws atque hunc 

comburamus diem. 
Die erste Hälfte ist verdorben überliefert 2 ). 

is der 2. pers. sing, und plur. 
Amph. 773 si haec habet pateram illam. an etiam cred?s 

id, quae in hac cistellula 
Die Streichung von pateram ist sehr wahrscheinlich. Epid. 656 
cetera haec posterius faxo seibis, ubi erit othtm P, fuerit K, vgl. 
Cas. 214. 

Pers. 833 agite sulfa's hunc ludificemus. nisi si dignust, 

nön opust 3 ). 
An überlieferten und sonst nicht zu beanstandenden Fällen 



[1) Man schreibt Phüippum, wie es v. 272 nach der Regel steht, aber 
daneben aureos?] 

2) [Vahlen op. acad. II 412 sq.: clam uxorem (est) tibi sepukrum habeam 
atque hunc comburam diem.] — Poen. 518 nee tibi nos obnöxii sumus istüc quid 
tu dmes aut oderis ist kein empfehlenswerter Vers, Bacch. 886 et ego te et ille 
maetamus infortunio gehört nicht hierher. Ennius schrieb nomus ambo Vlixem 
statt novimus (trag. v. 137). 

3) Poen. 1233 quid in iüs vocas nos? quid tibi debemiis? dicet Uli hat A 
de (oder i) . . e (oder i) tis Uli, Studemund ergänzt deicetis; Sinn gäbe, was da 
gestanden haben kann, discetis Uli. — Rud. 1296 ad Gripum ut veniat. non 
feretis istum ut postulatis hat keine Diärese (vgl. zu Cure. 526, Meyer Abh. bayr. 
Akad. 1884 p. 69); ich will nur die Möglichkeit von feretis istunc ins Auge 
fassen. — Capt. 636 quin quiescis? (i) dierectum, cor meum, ac suspende te ist 
die Einfügung von i unerläßlich, dreisilbige Messung von dierectum sehr be- 
denklich, die Stellung von cor meum, durch dessen Versetzung man quiescis 
dreisilbig erhalten kann, untadelig. 



Einzelne Fälle, -ilmst -ust 279 

treten aus dieser Übersicht 24 — 25 zu den früher ermittelten 28—30 
hinzu. Von jenen 10, von diesen 17 haben das us der o-Deklina- 
tion, 1 : 5 -bus, 4 : 2 is, 6:2 us des Plurals, 1 : 1 is der zweiten 
Personen, vereinzelt die anderen. Also einigermaßen häufig ist nur 
us der o-Stämme bezeugt. Im ganzen ist es wenig, ohne Zweifel 
viel zu wenig, um den empirischen Schluß zu ziehen, daß Synalöphe 
trotz schließendem s unter allen Umständen dem Plautus frei- 
gestanden habe. Einen solchen Schluß aus der bloßen Überlieferung 
zu ziehen würde allemal bedenklich sein; allgemeine sprachgeschicht- 
liche Erwägungen, wie die zuvor angestellten, können überwiegende 
Erscheinungen der Überlieferung beleuchten, aber nicht vereinzelte 
aufklären. Wir müssen halt machen und uns nach rein sprach- 
lichen, von der Überlieferung unabhängigen Erscheinungen umsehen, 
die nur durch den Abfall des auslautenden s vor Vokal grammatisch 
erklärbar sind. 

4 

Wie ist die Zweisilbigkeit von malus est, malus es, malum est, 
malum es aufzufassen? Eine einheitliche Erklärung darf man bei 
der Verschiedenheit des Auslautes nicht postuliren. Für die Aus- 
sprache -umst gibt es weder, soviel mir bekannt, inschriftliche, noch 
Grammatikerzeugnisse 1 ), dagegen eine Fülle handschriftlicher, die 
gut genug sind um jüngeren in schriftlichen gleich zu gelten. Es 
hat also sicher eine Zeit gegeben, in der das m blieb und das c 
verschwand; oder vielmehr, das m kann in dieser unerhörten Aus- 
lautsgruppe nicht stärker gehört worden sein als Verrius Flaccus 
und Quintilian es für die Stellung zwischen zwei Vokalen bezeugen, 
und der Aussprache entspricht die Schreibung -ust (etwa 20 mal 
in A) eher als -umst" 1 ). In der Tat handelt es sich also um Syna- 

1) [Vgl. Diehl De m finali epigraphica S. 117 ff. 0. Brinkmann De copulae 
est aphaeresi, Marburg 1906 S. 17 ff.: die Arbeit ist dadurch nützlich, daß 
sie das ganze Material in Tabellenform vorlegt.]. — Vel. Long. p. 80 ext. est 
etiam ubi vocales mbducebantur, si id aat decor compositionis aut metri necessitas 
exigebat, ut c adeo in teneris consuescere multum est y betrifft nicht das e sondern 
das xi. 

2) Palatini z. B. Cure. 263. 411 und oft; Bembinus Ter. Eun. 612. 959 
Hec. 457. CLE. 848 aus guter Zeit quod soriptust legas; 118 (zwischen Inter- 
amna und Minturnae am Liris) hospes resiste et nisi moleshist perlege, noli stoma- 
care. suadeo caldum bibas. moriun[d]iist. vale, vgl. 120 (aus dem ager Capenas) 
v. 2 redeudus tibi. 241 (Marsergebiet) mwiendust [1559, 16 itidest. Dazu Diehl 
S. 117: CIL. III 12013, 3 (s. I) accensust]. So auch die Gegenschreibung -timst 



280 V Auslautendes s und m 

löphe, die durch die Enklisis zur Krasis oder Ekthlipsis wurde. 
Die Schreibung necessu (s. u. A.) , honesta est (BD, -ust E) für 
necessum, honestum est findet sich auch (Gas. 344, Capt. 323) 1 ). 
Nirgend erscheint malums für malum es, obwohl es nicht unter 
anderen lautlichen Bedingungen steht als malum est; denn langes e 
darf man für es nicht ansetzen 2 ); es liegt aber in der Natur der 
Sache, daß das Neutrum mit der zweiten Person nicht häufig ver- 
bunden wird. 

Dagegen die Schreibung -ust für -us est bezeugen Inschriften 
republikanischer Zeit: vocitalust in der sententia Minuciorum, situst 
in der Inschrift des Protogenes, satiust in einer pränestinischen 
sors 3 ); die Vorschrift des Marius Yictorinus p. 22 cum fuerit scriptum 
^audiendus esf et 'scribendus esf et 'mutandus est* et similia gener is 
masculini, primam vocem integram relinquelis, ex novissima autem 
e et s detralietis; eine Fülle von handschriftlicher Überlieferung 4 ). 
Aber es ist klar und tritt auch in der ungrammatischen Erklärung 
des Grammatikers deutlich hervor, daß dies eine sekundäre Form 
ist. Welche Zwischenstufe zwischen -us est und -ust anzusetzen 
sei, ist in der Zeit, aus der unsere Überlieferung stammt, zweifel- 
haft gewesen. "Wir finden Poen. 959 monstratu est in A, monstratusst 
in P 5 ), dagegen Pseud. 717 allatusst in A (-ust in P); -u est in F 
(ohne A): Men. 451 commentu est, Poen. 513 succretu est C 6 ), vgl. 
Trin. 264 ignorandum est B, Truc. 487 laudandum est, Most. 751 
liquidum est, Mil. 88 Epesum est ; während das ausgeschriebene -us 



gleich -ust z. B. Merc. 936, in A Pseud. 309 Stich. 290 (aequiumst). Erleichterung 
der Aussprache ist -unst für -umst, 18 mal in A, in P z. B. Trin. 271 [Brink- 
mann S. 24]. Wichtig wird die Schreibung -ust gleich -umst für necessum, 
necessus; letztere Form ist für Plautus nicht nachweisbar. Mil. 1118 necessus 
CD, necessum B; Cas. 344 necessu est B, necessum est VE; Stich. 219 necessustA, 
necessum est P; und so ist Cist. 626 necessust gleich necessum est. 

1) CLE. 187, 2 (Benevent) meu est, 647, 2 (Rom) honu est. [Diehl S. 117.] 

2) Über es, ess vgl. Skutsch Forschungen S. 60 ff. (dort auch die neuere 
Litteratur), Bezzenbergers Beitr. XXI S. 36. ess in A Merc. 489, in PRud. 240; 
CLE. 1038, 5 in cineres versa ess tumuloque inclusa. [Vgl. Proskauer Das ausl. s. 
S. 192.] 

3) natust CLE. 98, 12 (Parma) spät, Theorost 925 (Rom) aus früher Kaiser- 
zeit (Nominativ statt Vokativ, vgl. Bücheier). 

[4) Diehl S. 121, Brinkmann S. 53 ff.] 

5) Pers. 540, Stich. 59 -usst CD, Most. 988 B*CD. Vgl. Pers. 371 dignust 
A, dignusst P für dignum est. 

6) Varro de r. r. 304, 2 solitu es (A), Tac. ann. XI 9 datu est. Pompon. 
v. 133 profectu est (Nonius). 



-ust. Nicht virtust 281 

est, wo -ust metrisch nötig ist (in P sehr häufig *), über A s. Index 
des apogr.), beide Auffassungen zuläßt, -us für -us es ist bekannt- 
lich die gebräuchliche Schreibung, wie -ust für us est-, dafür wüßte 
ich -u es nicht nachzuweisen 2 ) und nur einmal uss: Mil. 825 cui tu 
suppromas seho Z?, vor Vokal, mit derselben Berechtigung, mit der 
hocc erat verlangt und geschrieben wie gesprochen wird. 

Mit dieser Alternative, daß die Vorstufe von -ast -us entweder 
-usst uss oder -u est -a es ist, kommen wir an den Kern unserer 
Frage. Wo ist ein Mittel zur Entscheidung? Die allgemeine, von 
Ritschi Lachmann Corssen geteilte Ansicht spricht zugunsten von 
-us st. Die Möglichkeit, daß das e in der Enklisis verstummte, ist 
nicht zu leugnen 3 ); die Länge in suppromus elio erklärt sich auf 
beide Weisen; für die Quantität des Vokals in -ust gibt es kein 
sicheres Kriterium. Dagegen liefert die Beschaffenheit der in s 
auslautenden und mit est, es zusammenwachsenden Silben den sicheren 
Beweis, daß -ust und -us aus -u est und -u es entstanden sind. 

In der Tat ergibt sich dieser Schluß unmittelbar aus der Tat- 
sache, daß die Zusammenziehung nur stattfinden kann wenn der 
Vokal vor s kurz ist. Ritschi, der Aphäresis des e annahm, hatte 
ganz recht (Proleg. p. 109) Trin. 537 ut ad incitast redactus nach A 
(incitas redactus P, redactus est Nonius) gelten zu lassen, desgleichen 
virtust und rest, und die Seltenheit dieser Erscheinung auffallend 
zu finden, incitast ist nun verschwunden, aber virtust spukt noch 
und rest halten wohl viele für erlaubt, virtus est ist einmal so 
überliefert (Pers. 268 -4P), daß virtust dem Verse genügen würde 4 ). 
Überliefert ist ferner Amph. 101 nam cum Telobois est bellum Thebano 
poplo, Asin. 932 istoscine patrem aequom mores est liberis largirier? 5 ) 



1) Pseud. 309 mortuus est CD, mortus est B, mortuumst A; CIL. VI 8827 
de quo nil umquam döluit nisi quod mortuus est, 20153 mortus est (Bücheier zu 
CLE. 162). 

2) Truc. 619 odiose es. 

3) Aber natürlich nur bei Enklisis, so daß die Erklärung, s sei nach der 
Aphäresis vor anlautendem Consonanten gefallen, unmöglich ist. 

4) Auf Conjecturen wie die zu Truc. 110 (virtust), Mil. 1319 (impietast), 
Naev. praet. 6 (salust) brauche ich ja wohl nicht einzugehen; aber man mag 
daraus sehen, wie wenig die natürlich nicht unbekannte Tatsache bekannt ist. 
'virtust, de quo sine causa dubitat Buecheler Lat. Decl. p. 5' Ussing zu 
Pers. 267; er schreibt denn auch Amph. 101 Teleboist, vgl. zu Asin. 923. dies 
est Pseud. 165 (vgl. Usener Greifsw. Progr. 1866 S. 13) erledigt sich durch die 
anapä8tische Messung. 

5) Vgl. Vahlen Herrn. XVII 618. 



282 V Auslautendes s und m 

und Bacch. 1164 sogar quid opus verbist in B (opus verbis CD) 1 ). 
Das ist alles und erledigt sich von selbst 2 ). Es bleibt nur rest für 
res e$t, das ein einziges Mal in B geschrieben ist 3 ), Merc. 857 certa 
rest (res est CD) ; aber Stich. 473 certa res A (res est P), Mil. 267 
hominem capere certa res (caperest -4) 4 ), Capt. 488 una res, Rud. 172 
salva res 5 ), Ter. Eun. 361 alia res (res est Calliopius). Für diese 
Ausdrücke sind wir wieder so weit wie Bentley, der wußte daß 
salva res richtig ist; und danach ist es Cas. 895 manifesta res est, 
578 iamne ornata res est? (AP), Pers. 223 abi iam quando ita certa 
res est 6 ) viel probabler est zu streichen als rest zu schreiben 7 ). Es 
gibt also keine Auslautssilben mit langem Vokal, die mit est, es zu- 
sammenwüchsen. 

Die Grenze ist aber noch enger zu ziehen. Es gibt nicht nur 
kein pietast oder pariest, sondern auch kein equest oder lapist. 
Ebenso wie der lange Vokal hindert der ursprünglich doppelcon- 
sonantische Auslaut die Verschmelzung, penest Amph. 653 beweist 
nur daß penes weder in die eine noch in die andere Kategorie 
gehört; Asin. 330 tum igitur tu dives es f actus darf keinesfalls nach 
Analogie von divu's aufgefaßt werden. Andere Beispiele gibt es 
nicht. Ich finde die Tatsache nirgend verzeichnet; nur Bücheier 
Declin. S. 12 W. wendet gegen virtust ein, daß da das s mit dem 
Stammesauslaut schwinden würde 8 ). Auf die größere Festigkeit 
des ,9 von Dentalstämmen macht Havet S. 320 aufmerksam 9 ). 

1) Stich. 523 nimia est voluptast CD (n. e. voluptas est B, nimiast volup- 
tas A) Ter. Heaut. 973 quae istast pravitast Bembinus (pravitas Calliopius). 

2) Lucr. II 275 ist überliefert perspicuum nobisst invitis ire rapique, das est, 
das vor nöbis gehört, verstellt wie Öfter. 

3) Cure. 143 non ita res est, nam cönfido parasitum hodie adventurum (rest 
est B). Vgl. miserst B'CD 2 Merc. 884. 

4) Amph. 705 certa res \ hanc est obiurgare (obiurigarest Ritschi). Epid. 661 
magnast res B (magnasl), (res ma)gna A; Trin. 271 certa est res A, certunst P. 

5) salva res est Rud. 1037, Ter. Eun. 268 ; salva res est, sdltat senex Serv. 
Aen. VIII 110 (salva res — senex Festus32G mit größerer Lücke), wo Zander 
p. 6 auch rest schreibt (wie viele an vielen anderen Stellen). Vgl. Olsen quaest. 
PI. de verbo subst. p. 91. 

6) Ter. Phorm. 454 suus cuique mos: Bemb. zuerst mos est. 

7) Men. 587 aut ad populum aut in iure aut ad iudicem res est P ant dpud 
aedilem res est A. [Havet Rev. de phil. XXIX, 1905. S. 184 f. führt dieselben 
Belege für res (est) an und zieht aus ihnen den entgegengesetzten Schluß ; das 
wäre begreiflich, wenn es dergleichen sonst überhaupt gäbe.] 

8) Müller Pros. S. 366 c Ich glaube nicht, daß in dieser Frage der Stammes- 
auslaut irgend etwas zur Sache tut*. 

9) Ich hatte aus diesem Grunde im Rostocker Progr. 1887 S. 7 die Ver- 



Nicht rest, nicht equest. Auslautsilben 283 

Nun ist es widersinnig anzunehmen, daß nach einem unbe- 
ständigen s das e von est sollte verstummen können, nach einem 
festen nicht; und es bleibt nur die Lösung, daß der Prozeß des 
Zusammenschlusses sich nicht durch das Verstummen des ?, sondern 
durch das Verschwinden des s vollzieht 1 ). 

Demnach haben wir an zweisilbigem malus est, mahis es nicht 
nur einen sicheren Fall der in der lebendigen Sprache nach dem 
Belieben des Sprechenden erfolgten Abstoßung des auslautenden s 
vor Vokal, sondern auch ein Kriterium für die Arten einer Anzahl 
von Auslautssilben, deren s abgestoßen werden kann. Es sind die 
Formen natus 2 ), opus*), usus^), testis (darüber gleich), melius*), 
aedihis 6 ), eius"'), seeus 8 ). Für es ist natürlich der Kreis viel be- 



schleifung Bacchis immo zurückgewiesen. Spondeisches miles ist Aul. 528 über- 
liefert, cnppes Trin. 240, zweifelhaft miles Cure. 728, dives Asin. 330 {dives 
Araph. 170), hnpos Cas. 629, sospes Cas. 816; die Seltenheit der Fälle beweist 
stärker gegen die Anwendung der etymologisch möglichen Silbenlänge im Verse 
als die Überlieferung für. CLE. 263 somnio praemonitus miles haue ponere iussit: 
neben miles auch somnio. Ennius hat ann. 269 miles amatur wie ausns es hoc 
(v. 578), Lucilius 405. 490 miles Bibera wie es 1117. 1238. Titin. v. 9 R. (veles?) 
hat wohl Quicherat mit Recht beseitigt. 

[1) Lindsay im Jahresbericht 1906 S. 205 sagt: £ L/s Theorie erfordert 
Leugnung dieser Zusammenziehung, wenn ein langer Vokal dem Schluß-s voran- 
ging oder Schluß-s zu Plautus' Zeit ss bildete*. Lindsay insinuirt mir also, 
daß ich mein Hauptargument vorschütze, um eine c Theorie' plausibel zu machen. 
Abgesehen von der Treue des 'Berichts', wenigstens einmal will ich sagen, daß 
ich mir solche Art von Polemik verbitten darf.] 

2) Oben S. 280 ; bei Plautus ungezählt. Ennius ann. 129 datust, 252 para- 
tust; Accius 418 nullust, vielleicht Poroms Licinus (vit. Ter.) mortuost. 

3) onust Amph. 175, pondust Pers. 244, tempnst Trin. 432, opust sehr oft, 
Terenz Phorm. 1003 [auch Varro de 1.1. VIII 10 (opostF)], tempust Hec. 597 im 
Bembinus. 

4) Häufig nur usnst, sonst nur domust Amph. 362, quaestust Asin. 511 B 
(quaestus mihi est CD), arbitratust Rud. 1355 (arbitratns tungua = arbitratust 
lingua). fruetust Cas. 839 ist sehr zweifelhaft, omatust Men. 146 durch Um- 
stellung hervorgebracht (vgl. Ter. Eun. 546), voltust Epid. 560 nicht zu raten. 
Most. 933 sonitus ohne est. Terenz Ad. 480 ut captust servolorum Calliopius 
(servorum Bembinus). Das lucrezische necessust ist in seiner Vereinzelung recht 
bedenklich (V 376 necessumst s. S. 280 A.). 

5) Plautus oft; Terenz Hec. 568 levlust, Ad. 920 rectiust; Pomponius 3 
miseriust. 

6) Bacch. 581; Pseud. 418 (omnibust A, est omnibus P). 

7) eiust Rud. 1091; illüist (vgl. Aul. 35, Cure. 716, Mil. 987) Accius 268. 

8) aUrinsecust Rud. 1158, intust öfter, vgl. Rud. 1174. 



284 V Auslautendes s und m 

schränkter und schließt keine neutralen und u- Stämme ein 1 ). Ein 
vollkommen sicheres Kriterium gibt außerdem der Vers- und Kolen- 
schluß der männlich ausgehenden jambischen und trochäischen Verse, 
der vor der Schlußhebung reine Senkung erfordert. Es finden sich 
die Schlüsse malus sum oft, qualis sit, Amphitruonis sum (Amph.411), 
huius sunt (Mil. 1278), rebus iam (Epid. 39), melius iam (Truc. 189) 2 ), 
eamus tu (Stich. 622, vgl. Capt. 206), dicis tu, occidistis me (beides 
öfter), mentiris nunc, dagegen tempus fert nur bei Terenz (Ad. 839) 3 ) 
und usus sit nicht. Da es sich um zufälliges Auftreten handelt, er- 
gänzen sich die Erscheinungen gegenseitig; aber auch hier ist kein 
Fall wie hospt? sit. Hinzuzunehmen sind ohne weiteres die bei den 
Daktylikern vorkommenden Wörter mit abgestoßenem s; es sind, 
da im Hexameter viel häufiger der Fall der notwendigen Kürze 
eintritt, sämtliche Kategorien des kurzen Vokals zu belegen: aus 
Ennius' Annalen fatus, occasus, genus, omnibus, gravis, legionis, artu- 
bus, fiinditus, prius, magis, caedimus, dabis, sultis, aus Lucilius auch 
(ich führe die bei Plautus und Terenz selteneren Fälle an) munus 
(8. 12), amplius (6), legibus (48), fuissemus (28), primitus (199), aus 
Lucrez z.B. aliquoius (II 1079), retinemus (III 257). Ferner treten 
die plautinischen Anapäste hinzu, die sichere Kürzen wie servo(s) 
facti, hösti(s) venis, hoc dedecu(s) quo modo celem, rebu{s) seio, sxiperä- 
vimu(s) nuptiis nostris, onerdbi(s) scio, redditi(s) nobis und dergl. reich- 
lich liefern 4 ). Aber nirgend ist ein Fall wie kospe 1 sit zu ver- 
zeichnen. So ist denn auch Most. 501 deceptus sunt, hospes hie me 
neeavit isque me sowenig durch Verschmelzung von hospes hie zu 
erklären wie Bacch. 211 tanto hercle melior Bacchis. immo. immo 
hercle abiero zu halten ist (oben S. 822 A. 9) 5 ). Andere Fälle derart 
gibt es nicht. 

Den Reihen natus est, natu est, natust und natus es, natu es, 
natus gegenüber erhebt sich nun freilich die Frage, welcher Laut- 
vorgang eigentlich zu der Aussprache natust, natus geführt hat. 

1) Vgl. Cure. 407 cuiatis = cuiatis es ; Pseud. 1169 ülins = ülius es A. Terenz 
Eun. 273 tristis es zweisilbig (And. 702 nicht forti's). Truc. 949 ist überliefert 
lepidus ecastor mortalis est Strabax mi, perge obsecro, Guy et hat mi Strabax 
richtig gestellt. Novius 62 simile es, s. u. 

2) Vgl. minu Truc. 578. 

3) Vgl. Varro de 1. 1. X 84 opufuit F. 

4) Ebenso die Anapäste der Tragiker : quid nöcti(s) videtur Ennius, ampli- 
ficdti(s) dolorem Pacuvius, igni(s) chiet, sensimu(s) sonere Accius usw. 

5) Miles 249 miles in üno A, richtig P in uno miles. — Ter. Eun. 626 miks 
intendere Bembinus von erster Hand, richtig tendere. 



(s) vor Schlußhebung. Anapäste. Lautvorgang, -est gleich -is est 285 

Wenn Contraction vorliegt, so müssen die Vokale lang sein wie es 
die Silben sind; und ich wüßte wie gesagt keine für jedermann 
entscheidende Instanz gegen natüst anzuführen; denn daß Marius 
Victorinus, wie seine Vorschrift zeigt, den Vokal kurz sprach, ent- 
scheidet nicht. Aber bedenklich gegen eine solche Erklärung macht 
sowohl dies als die Schreibung in s st; widerlegt wird sie ferner 
durch die Schreibungen indieiost vocitatast dedicatast positast (CIL. I 
1012. 1479; X 3682. 4427, vgl. II suppl. p. 1186) 1 ) und die ent- 
sprechenden in der Verbindung mit es: Truc. 262 solitas AP, 
Cas. 1007 iratas A, Pers. 206 dignas, Rud. 467 accepturas (-a B), 
vgl. Trin. 454 tus sanus = tu es P (tu sanus = tu sann's A) 2 ). 
Andrerseits ist 'Aphäresis* für das Lateinische kein grammatischer 
Begriff. Die richtige Definition der Erscheinung ist, daß Synalöphe 
mit Enklisis verbunden einen Lautverlust herbeigeführt hat 3 ). Ana- 
log vollzieht sich der Anschluß des italischen en an vokalisch aus- 
lautende Flexionsformen: oskisch hort/in = hortet en, flismm = ßisnal 
em, umbrisch toteme (= totem) Iovine—tote em Iovine, vielleicht 
lateinisch Mim usw. 4 ). 

Ich habe hierbei nur die o- Deklination berücksichtigt; eine 
einfache Bestätigung geben die Adjektive in is. simile neben similis 
ist nichts als verschiedene Aussprache desselben Wortes 5 ), indem 
nach Abstoßung des s das kurze auslautende i zu e geworden ist, 
ein Vorgang über den ich unten ausführlicher sprechen werde. 
Diese Form in e erscheint in der Verbindung mit est. Diese Ver- 
bindung wird also nach Abstoßung des s eingegangen. Zunächst 
bezeugt eine Reihe solcher Fälle Nonius: p. 224 simile est pro 
similis est mit 3 Citaten (Naevius Novius Titinius); p. 198 eulest 
pro qualis est (Amph. 537 quäle est BD, qualis est E, 538 quälest); 
p. 227 tale pro talis (Titin. v. 106, im Verse steht mala est tali 
Setiae, aber L. Müller hat mit Recht tatest angesetzt); p. 218 pingne 



[1) Vgl. Diehl S. 118.] 

2) Vgl. tutes = tute es Mil. 1155. — Men. 614 miseres B l CD für misera es, 
Mil. 634 adolescentules (B 1 ) für -a es, Pseud. 188 amices B (-is CD) für amica 
es (A) sind nur vulgäre Schreibungen. 

[8) Vgl. Skutsch in Vollmöllers Jahresb. IV 82.] 

4) Rh. M. XXXVIII 19, Degering Beitr. zur hist. Synt. S. 13. Vgl. Bücheier 
Lex. Ital. s. en e in. — CLE. 211 cögitato te hominesse. Catull 63, 3i ani- 
magens V. 

5) Richtig Lachmann Lucr. S. 29, vgl. Bücheier Grundr. S. 18 ff. W., Rhein. 
Mus. XXIX 196; falsch Ritschi op. II 616 ff. 



286 V Auslautendes s und m 

est pro pinguis est (Novius) 1 ). Diese Anführungen machen noch, 
da sie einzelne Stellen betreffen, den Eindruck, als ob wir es mit 
vereinzelten Schreibungen zu tun hätten; in der Tat steht die Sache 
so, daß die plautinische Überlieferung, und das wird in diesem Falle 
Plautus bedeuten, gar keine andere Endung des mit est verwachsenen 
Adjektivs kennt als -e; es ist kein einziges Mal -ist überliefert 2 ), 
wie -ust so oft, sondern entweder (wie auch -us est in den meisten 
Fällen) -is est oder -e est oder -est, mit den geläufigen Corruptelen. 
Aul. 324, wo die Handschriften nundinalis est haben, gibt Festus 
nundinale est; Truc. 170 similis est CD, similest B; Merc. 451 com- 
munis est CD, communest B; Men. 1063 consimilis est B 2 in Rasur, 
consiliaest CD, in A ist -les oder -le zu lesen. Übereinstimmend 
ist überliefert simile est Amph. 442. 443. 601 Bacch. 6 Truc. 505. 
507, facile est Trin. 679, exorabile est Stich. 74 (-ist oder -est, d. h. 
-est in A). Rud. 977 bedeutet commune est der Handschriften 
communis est. Rein überliefert ist -est Amph. 538 (s. o.), verdunkelt 
ist es Merc. 1005 utibile si, Trin. 828 nobiles (is B), Stich. 765 prosti- 
biles 3 ). Mil. 1062 kann vilest und Asin. 8 brevest die geschlechtige 
Form bedeuten. Es ist nicht gestattet, Capt. 518 spcrabilist (-is est 
die Handschriften) oder Bacch. 440 septuennist oder Pers. 201 pecu- 
liarist zu schreiben. Ich wiederhole, daß wir die Tatsache vor uns 
haben, daß erst nach Abwerfung des s die Adjektiva des i-Stammes 
die Verbindung mit est eingegangen sind. 

Das uns in dieser Erscheinung bei Plautus eine Eigenheit der 
älteren Sprache entgegentritt, bestätigt das Verhalten der folgenden 
Dichter. Für Titinius und Novius, Hauptvertreter der ursprüng- 
lichen Latinitas, bezeugt Nonius denselben Gebrauch 4 ); der Vers 
des Caecilius 85 ist bei Festus geschrieben nam ista quidem noxa 
muliebrem et magis quam viri, das bedeutet muliebre est 5 ). Aber 
Terenz vermeidet die Contraction eines Adjektivs in -is mit est, er 



1) Capt. 439 fac fidelis sis fideli, dazu Nonius p. 512 fidele pro fideliter: 
PL Capt. fac fidele ; auch pingue est führt er als neutrum pro masculino an. 

2) Asin. 329 satis est DE richtig, satis st B. Pers. 580 A vielleicht potist, 
Stich. 454 potist P. 

3) Wölfflins Archiv IX 166. 

4) Pompon. 98 nunc roges quid fiat. restis vilis est, velet gulam (Nonius) 
haben die Handschriften Mies est: das deutet auf vilest, vielleicht vilest, ea, 
mit deutlicherer Paronomasie. 

5) Caecil. 33 ita celeris est (31 itane est immemoris?). [In dem ohne jeden 
Grund dem Ennius zugeschriebenen Verse (sed de cen ließe sich eher deuten 
sed de Caecilio) Enn. sat. 19 ist tristis est zweisilbig, c h. e. tristes? Vahlen.] 



•est gleich -is est 287 

hat zweisilbiges tristis est Hec. 352, zweisilbiges tristis es Eun. 273 *); 
ja er verbindet sehr selten ein solches Adjektiv mit est: Heaut. 45 
si lenis est, ad aliiim defertur gregem, 620 ncscio quid tristis est, 
1020 in einem zweifelhaften Verse similis est, im Versschluß 
Phorm. 558 vilis est, Ad. 276 mitis est und einigemal potis est; 
viel mehr Fälle werden nicht zu finden sein [Phorm. 623 liberalis 
est, Ad. 82 tristis es]. Dagegen setzt er est vor das Adjektiv: est 
similis Ad. 411 Heaut. 393 (1019) Phorm. 501; Eun. 304 quid tu es 
tristis quldve es alacris? Mir scheint diese Enthaltung sehr be- 
zeichnend für das Bestreben des Terenz, sich der reinen und un- 
anfechtbaren Sprachform zu bedienen. Als allgemeinen Gebrauch 
ansehen was bei ihm bewußte Feinheit ist darf man, auch wenn 
man Titinius und die Atellana ausnehmen wollte, nicht ohne weiteres; 
ein Vers des Turpilius (79) gibt Ehodiensis est im Werte von 4 Silben, 
ohne daß man sagen könnte wie er die Contraction gesprochen 
und graphisch ausgedrückt hat. Doch zeigt Terenz den Weg der 
folgenden Entwicklung. Die Verbindung der Adjectiva in -is mit 
est wird in der daktylischen Poesie lange Zeit hindurch vermieden. 
Daß sich bei Lucilius außer satis est, potis est nichts findet, kann 
Zufall sein. Aber Lucrez hat zwar satis est (VI 704), potis est, aber 
auf kein lebendiges Adjektiv in is folgt bei ihm est, weder levis est 
verwendet er noch faeilest oder facilist. Im Leben hat man sicher- 
lich noch / adlest = facilis est gesprochen und es war zwischen Um- 
gangssprache und Schriftsprache der Ausgleich in diesem Punkte 
noch nicht vollzogen worden. 

Anders als die Adjectiva verhalten sich nach der Überlieferung 
die Substantiva in is, wenn est an sie herantritt. Zwar ist, wie 
andere Wortformen in fe, über die ich unten sprechen werde, der 
Genetiv mercedis Aul. 448 mercede geschrieben, zwar nicht vor est 
überliefert (plus iam medico mercede opus est), doch war vor est 
seine ursprüngliche Stelle (niercedcst opus) 2 ). Aber Rud. 761 steht 
in A Venerist (Veneris est P) 3 ), Merc. 672 in B onerist (oneris est 
CD), Mil. 997 corporist, Mil. 240 lacti est = zweisilbigem lactis est 
(doch mit Verstümmelung des Wortlauts); und von den beiden 
einzigen Nominativen der Art, die in Contraction mit est vorkommen, 

1) Vgl. S. 284 A. 1. 

[2) Poen. 315 wird sordet richtig sein.] 

8) Vidul. frg. 4 Veneris est unsicher ob 3 oder 4 Silben. Truc. 259 sat 
mihi tuae salutis, nicht salutist A (satis mihi est tuae salutis P.) Most. 478 er- 
klärt sich die Überlieferung vielleicht besser aus scelerist als est sceleris. 



288 V Auslautendes s und m 

ist mercis est Pseud. 954 mereist geschrieben; Aul. 421 testis est. 
Terenz hat auch diese Verbindungen vermieden. Heaut. 82 drei- 
silbiges laboris est (Bembinus und Calliopius) bedeutet den Dativ 
wie Ad. 929 dreisilbiges uxoris est der Handschriften (Bembinus 
fehlt) 1 ). 



simüis ist über simili zu simile geworden. % im lateinischen 
Auslaut klingt nach e und wird zu e 2 ), da das lateinische Alphabet 
kein Y hat, das ihm so nötig gewesen wäre wie dem oskischen: 
mare, ovile, ante. Sobald das auslautende i jambischer Wörter kurz 
wird, so daß die Länge nur durch das Belieben des Dichters er- 
halten bleibt, tritt e für i ein, häufig geschrieben und wohl stets 
gesprochen: here quase nise sibe übe übe milie; so die Ablative bove 
(bovid) ove mare. Nur griechisch empfunden wurden cummi und 
Minoidi. Die inschriftlichen Beispiele sind natürlich nicht zahlreich, 
aber sie fehlen weder in alter noch in junger Zeit: aidile (CIL. VI 
31585 vgl. S. 248 A. 2, und sonst: Proskauer S. 17), tribunos militare 
{CIL. 1 63. 64 = XIV 2577. 8, Tusculum), Dite pater in der römischen 
Bleitafel CIL. I 818 = VI 140 [und Dite in der calenischen Eph. 
^pigr. VIII p. 135 3 ), hie fuerat simüis roseo Cupidine (vultu) CIL. VI 
35769, vgl. De trag. Rom. (1910) S. 7, unten Abschn. 6], suavei = 
snave (wie sonst sibei ttbei = sibe übe) in Protogenes Cloulii) suavei 
heieei situst mimus*). quisque steht für qaisquis im Senar in zwei 

[1) Phorm. 482 quantum metuist Dziatzko und Hauler nach Fleckeisen, 
quantum metus est Benib. gegen den Brauch des Terenz, aber quantus metus 
est (Call.) kann richtig sein: Engelbrecht Stud. Ter. 19. Eun. 546 quid hoc 
hominis Bemb., h. est Call. — Nov. 105 quaestuist (quaestui sit Nonius Hdss.) 
unsicher, auch die Form.] 

2) Wo es verstummt, verstummt es als e, nicht als i. 

[3) Dite als analogistisch der o-Deklination nachgebildeten Vokativ anzu- 
sehn (Proskauer S. 35) ist ein bodenloser Einfall, der nicht einmal durch andere 
-danebenstehende Vokative gestützt ist.] 

[4) suavei ist kaum anders zu erklären, vgl. CIL. VI 33444 Heimai sororei 
meai Antistianai ossa heic cübant; setzt man es = suaveis suavis (Proskauer 
S. 35. 201), so ist der Abfall des s gar nicht verständlich, und der Vers wird nicht 
anders. Das Urteil ist durch das wunderliche heieei und dadurch, daß aus den 
Worten leicht ein für die Zeit richtiger Vers zu machen wäre, behindert. — 
Die Meinung, der Abwurf des s sei von -os ~us auf andere Auslautsilben ana- 
logistisch übertragen (Proskauer S. 30 ff.) , ist einseitig und willkürlich. Daß 
in den Inschriften -o -u überwiegen, ist durch die Namentypen erklärt. Man 
kann bei einer solchen Untersuchung die Litteratur nicht ausschalten.] 



2. pers. pass. -ris -re 289 

afrikanischen Inschriften CLE. 133 quisqae praeteriens titülum scrib- 
tum legeris, metrisch als quisquis empfunden 1 ); aber quisque hat 
sich in gleicher Bedeutung, vielleicht schon früh 2 ), isolirt, vgl. z. B. 
Apoll. Sidon. ind. p. 475 und viele Inschriften wie CIL. VI 29945 
quisque lmic tumulo manus intulerit, sah et aqua desideret z ) neben 
ähnlichen mit quisquis, oft wie quisque legis titülum, moenia quis- 
que dolet, CLE. 723. 890. 913, 3. 983, 1 [1278, 6. 1316, 5. 1463, 1. 
1516, 15, vgl. 1553, 1 quisq.] (673 quisque vidcs twmdum: quisquis 
im Petropolitanus, der die Inschrift erhalten hat) 4 ). Derselbe Laut- 
vorgang hat zur Entwicklung von sequere, über sequeri, aus sequeris 
geführt. Die herrschende Ansicht, daß sequere = eneoo die ur- 
sprüngliche Form und sequeris eine sekundäre lateinische, durch 
Anlehnung an die 2. pers. act. zu erklärende Neubildung sei, ist 
meines Wissens zuerst mit allem Zweifel und Vorbehalt von Speijer 
mem. de la soc. de ling. 1884 p. 189 aufgestellt worden; jetzt wird 
sie in den Handbüchern als Tatsache mitgeteilt 5 ). Eine solche 
Umdrehung des Sachverhalts ist nur erklärlich durch die mangelnde 
Einsicht in das Verhalten des s im lateinischen Auslaut; die Ein- 
sicht ist einzig und allein aus den Texten zu gewinnen 6 ). Daß 
das Überwiegen von loqurre gegen loqueris bei Plautus und Terenz 7 ) 
beweise, -re überwiege 'noch 3 in der älteren Sprache, ist ein Irrtum. 
Wir haben in der älteren Literatursprache lediglich eine Ent- 
wicklungsphase der Formen in -ris vor Augen, in der -ris im Be- 
griffe war zu verschwinden und dem -re völlig hätte weichen müssen, 
wäre nicht die Kunstsprache und die stadtrömische Welt- und Ge- 

[1) Ebenso CLE. 1308 (Salernum) quisque huic tumulo possuit ardente 
lucernam, wo das e von quisque ausradirt ist, vgl. Bücheier.] 

2) quisque = quisquis bei Plautus ist vielleicht hiernach zu beurteilen: 
Asin. 404 quisque obviam huic occesserit; sonst öfter quemque, aber stets vor 
Vokalen. [Umgekehrte Schreibung quisquis P Pseud. 973. Vgl. Skutsch Fl. Suppl. 
XXVII 90: quisque von eigenem Recht neben quisquis.] quique s. zu Men. 549. 

[3) Vgl. Konjetzny W. Arch. XV 333, Proskauer Das ausl. s S. 148 ff.] 

4) CLE. 977, 1 aetate hie parva iaeeo, lacrimabile semper; [1829, 9 ist 
tellure = telluris (s. Bücheier) zweifelhaft (Cul. 396 gehört wohl tellmis zu aggere).] 
Umgekehrte Schreibung 1043, 3 te, Tellus, sanetosque precor pro coniugis (=con- 
iuge) Mane?, [1571, 4 mortis iuneti, 1482 mortis obisset] Anderes S. 302. 

5) Brugmann Grundriß II 1378, Stolz Hist. Gramm. I 346, Neue-Wagener 
Formenl. III 201. Lindsay S. 612. 

[6) Ich bemerke ausdrücklich gegen allen linguistischen Widerspruch, daß 
dies noch heute gilt. Vgl. übrigens Bechtel Nachr. d. Gott. Ges. 1899 S. 194^ 
Skutsch Vollm. Jahresb. IV 81, W. Arch. XII 199, Glotta I 312 ff.] 

7) Übrigens ist bei Terenz der Zustand noch 'älter', s. u. 
L e o , Plautinische Forschungen 2. Aufl. 19 



290 V Auslautendes s und m 

sellschaftssprache für seine Erhaltung eingetreten. Wenn wir nicht 
die Fibula von Präneste und die Dvenosinschrift hätten, so wären 
Fourio Cornelio Aprufclano die 'historisch* ältesten Schreibungen. 
Wer sich der lateinischen Sprache gegenüber, die auf einer so 
späten Stufe ihrer Entwicklung überhaupt bekannt wird, nicht be- 
wußt bleibt, daß das relativ älteste meist etwas junges ist, der wird 
von dem Begriff des Historischen keinen guten Gebrauch machen. 

Die Formen sequeris sequere, sequaris sequare sind in der Tat 
nur je eine Form, deren Verwendung in einer von beiden Er- 
scheinungsformen Plautus freisteht 1 ). In seiner Zeit war das s 
dieser Formen so gut wie verwittert, die Aussprache ohne s bereits 
so weit durchgedrungen, daß man auch e schrieb; für ihn ist die Form 
mit vollem Auslaut eine Seltenheit, er setzt die Formen in s nicht 
anders als die Ablativformen in d. Es war wie bei den Ablativen 
in diesem Falle irrelevant, ob das s geschrieben wurde, Plautus 
konnte Merc. 581 schreiben (überliefert atque statt et) 

nunc tu sapienter loquere et amatorie 
und loqueris meinen, oder loqueris schreiben (denn dem Gedanken 
entsprechen nur die überlieferten Worte), oder Bacch. 720 

quid tu loqueris? hoc üt futuri sumus. ubist biclinium? 
wie er im Auslaut des trochäischen Verses schreiben konnte men- 
tiris nunc (Amph. 344) gleich mentire 2 ). Das Bewußtsein von der 

1) Es ist auch überliefert mirari Pseud. 442 (P), fateri 488, sospitali 247, 
osculari Epid. 583 (B, vgl. fungari Asin. 813 D), wie Mil. 450 ibi = ibis, Men. 822 
und 823 exmigrasti, Most. 528 invocdbi (richtig invoca), Cist. 3 aperuisti, Cure. 367 
ventri (ventris Nonius^, Mil. 386 Palaestrioni somnium, wie in späteren Inschriften 
sich oft bei Verlust des s das i hält, z. B. CIL. XII 2037 (Vienna) murus com- 
muni y IX 2600,5 (Terventum, ein flamcn D. Traiani) aedüi, 2111 Iunoni, VI 
30112, 9 (CLE. 543) membra — evrpori [Boll. comm. XXX 1902 S. 84 (via Salaria) 

Travertincippus republikanischer Zeit frugi castu amabili ominibus. Anderes 

Proskauer 164 u. s.]. Ennius trag. 40 (55 V.) virginali modestia möchte man 
den falschen Daktylus aus der engen Wortverbindung erklären, wenn nicht 
auch der ersten Hälfte des Verses etwas fehlte; sati, nimi, poti s.u. Marius 
Vict. p. 9, 12 bezeugt den Genetiv nemini und sieht auch frugi als Genetiv an 
(Bergk Beitr. 78. 98). Was hiervon alt ist, muß eben als nach -e schwanken- 
des 4 angesehen werden. 

2) Cure. 41 obloquere sagt Phaedromus, fiat maxume antwortet Palinurus: 
der Herr hatte obloqueris gemeint, er tut so als ob er den Imperativ verstehe. 
Ebenso Pseud. 314 querere als quereris verstanden. S. u. zu Cist. 573. Ich 
brauche nicht besonders zu sagen, daß 2. pers. loquere und imper. loquere (-eoo) 
verschiedene Bildungen sind. — Truc. 299 vidcare P, videaris A, Trin. 480, 
fabulare P, fabularis A, Rud. 792 minitare A, minitaris B, minitares CD. 



-ris -re 291 

Existenz des s war also in Plautus' Sprachperiode so lebendig wie 
das von seiner Schwäche. So finden wir denn bei ihm ein halbes 
Hundert Verse 1 ) wie quid tüte tecum loquere? abscede ab ianua, 
aber daneben Amph. 369 dt mentiris etiam, certo pedibus, non tunicis 
venis, Mil. 1171 qudsique eins opulentitatem reverearis, et simul, 
Pers. 744 te quöque etiam ipsum ut lamenteris. occidi, Poen. 1088 
profecto uteris ut voles operam meam, Trin. 789 nonne ärbitraris eum 
adulescentem anuli (dazu Merc. 581, vgl. Amph. 702) und mit be- 
tonter Position machender Silbe Trin. 1 sequere hdc me, gnata, ut 
munus fungaris tuom, Capt. 963 eia, credo ego imperito piagas mini- 
taris mihi, Asin. 611 cur ergo minitaris mihi te vitam esse amissurum, 
vgl. Pseud. 237, Cas. 203 2 ). Er setzte also das s nach Belieben, 
er stieß es ab vor Consonanten und es hinderte nicht die Synalöphe, 
wenn ein vokalischer Anlaut folgte. Diese Schwäche des s der 
2. pers. sing. pass. bestätigt die zunächst folgende Entwicklung. 
Terenz hat nach der Aufzählung von Engelbrecht (S. 81) 17 mal 
Synalöphe und kein einziges s, dessen Erhaltung der Vers erfordert. 
Die handschriftlichen Schreibungen sind natürlich diesem Sachver- 
halt gegenüber gleichgiltig. Am Ende des Jahrhunderts war also 
das s dieser Formen so vollkommen geschwunden wie das s des 
nom. plur. und das d des Ablativs. Auch Lucilius hat zwar quo 
facetior videare et scire plus quam ceteri (963) u. a., aber ein sicherer 
Fall des erhaltenen s liegt nicht vor. Wir können nur sagen, daß 
hier eine Zeitlang die Entwicklung vollzogen gewesen ist, die dem 
nach kurzem Vokal auslautenden s überhaupt drohte. Gerettet 
wird auch dieses s Ennius haben; es erscheint wieder bei Pacuvius 
(379 machinam ordiris novam), Lucrez, nur einmal (nach der Auf- 
zählung bei Neue- Wagener III p. 206) vor Vokal: 1974 alterutrum 
fatearis enim sumasque necessest (neben confiteare alia ex aliis eon- 
stare elementis), aber dreimal (II 36, III 1051, VI 649) wie ut re- 
miniscaris summam rerum esse profundam ; Catull hat eum rogaberis 
nulla, cui videberis bella, öfter wie non bene uteris in ioco atque 
vino, eine Singularität ist bei ihm nun wieder irascere iterum meis 
iambis; dann mit oder ohne s Vergil Horaz Properz 3 ). 



1) Aufzählung bei Engelbrecht stud. Ter. S. 85, vgl. Nencini Stud. Ital. 
di filol. class. III 113 ff. 

2) Aul. 211 dum quidem nequid percönteris quod mihi non lubeat proloqni 
häufen sich die prosodischen Härten, mihi ist gewiß mit Recht gestrichen. 

3) Prop. II 8 hintereinander moriere aetate, moriaris oportet, moriere tarnen. 

19* 



292 V Auslautendes s und m 

Unter den gleichen Gesichtspunkt fallen magis satis potis nimis; 
sowohl dies als daß der Gesichtspunkt der richtige ist, läßt sich 
für diese Adverbien mit noch größerer Deutlichkeit als für die 
zweiten Personen dies Passivs erweisen. Auch hier zeigt sich die 
übliche schiefe Auffassung der ganzen Erscheinung darin daß magis 
und mage, potis und pote als verschiedene Formen geführt werden 1 ). 
Sie sind es so wenig wie fdbularis und fabulare, nur die Aussprache 
und danach die Schreibung ist verschieden. Lachmann sagt zu 
Lucr. VI 1262: mage ultima vocali elisa non dicitur in versu hexa- 
metro, cum e contrario in Plauti ac Terenti fabulis non inveniatiir 
nisi ante vocales scriptum. Und danach ist oft wiederholt worden, 
daß mage bei Plautus nie anders als vor Vokalen steht 2 ). Während 
also in Ennius' Hexametern geschrieben wird sed magis ferro, bei 
Lucrez et mage pollens, schreibt man (d. h. die Handschriften und 
darum mit Recht auch die Herausgeber, aber man soll wissen was 
es bedeutet) bei Plautus antehdc est habitus pdrcus et magis cön- 
tinens, dagegen in 10 Versen, die ich hersetze obwohl sie auch 
sonst zu finden sind: 

Asin. 394 nihilö mage intus est. ubist? 
Poen. 276 quid habetis qui mage immortales vos credam 

esse quam ego siem? 
461 contentiores mage erunt atque avidi minus. 
Trin. 1053 si mage exigere occupias, duarum rerum exori- 

tur optio. 
Truc. 177 mage amat corde atque animo suo, si quidem 

habes fundum atque aedis. 
662 argentum ad hanc quam mage amo quam matrem 

meam. 
887 quem ego ecastor mage amo quam me. 
918 quem ego ecastor mage amo quam te. 
Men. 386 accipedum hoc, iam scibo utrum haec me mage 

amet an marsuppium. 
Asin. 66 quippe qui mage amico utantur gnato et benevolo. 

Was heißt denn das anders als das s braucht weder vor Con- 



1) Brugmann Grundriß II 905 erklärt pote als Adverb, acc. sing, neutr. 
aus poti oder loc. auf ursprünglich -e, verwendet in pote sum wie bene sunt. 
Stolz a. a. 0. c mage dürfte sich nach dem Verhältnis von pote-. potis zu magis 
gesellt haben'. Vgl. Solmsen Studien zur lat. Lautgesch. S. 57. 

2) Vgl. Müller PI. Pros. S. 343. 



magis mage 293 

sonanten Position zu machen noch hindert es vor Vokalen die Syna- 
löphe? d. h. es kann in beiden Fällen abgestoßen werden 1 ). Daß 
es grade in der Verbindung mage amo (mit mage amico) 6 mal ab- 
gestoßen wird, zeigt wieder wie sich eine formelhafte Verbindung 
leicht in besonderer Aussprache festsetzt; aber die 4 anderen Fälle 
zeigen, daß die lautliche Möglichkeit nicht an bestimmte Wortver- 
bindungen gebunden ist. Ja die Erhaltung des s vor Vokal (wie 
Asin. 162 mdgis isiuc percipimus lingua dici quam f actis fore) ist 
sehr selten, aber nicht, wie das angeführte Beispiel zeigt, auf 
enklitische Verbindung {magis est) beschränkt; noch seltener die Er- 
haltung vor Consonant, die ich aber für die ganze Wortgruppe ge- 
meinsam besprechen will. In der Überlieferung erscheint gelegent- 
lich auch magis vor Vokal im Werte von mage: 

Cure. 463 halapantam an sycophantam mag/s esse dicam 

nescio 
(die Handschriften gegen Nonius geben noch hunc vor magis, das 
nach esse fälschlich als hoc wiederholt ist), 

Epid. 453 pol ego mag^'s unum quaero qui hoc dicat mihi 
Capt. 466 neque ieiuniosiorem neque magis eefertum fame, 
obwohl die letzten beiden (zu Capt. 466 vgl. Spengel Philol. XXXVII 
436) auch andere Lösungen zulassen; wobei zu beachten ist, daß 
von den 10 Versen, zu denen Cure. 463 hinzukommt, nur einer 
(Asin. 394) mag(e) als einfache Senkung hat, alle übrigen als erste 
Kürze der aus 2 Kürzen gebildeten Hebung (8) oder Senkung (2). 
Die weitere Entwicklung hat hier den umgekehrten Weg genommen 
wie bei der eben besprochenen Verbalform. Während Terenz nur 
fateare kennt, hat er mage nicht mehr vor Vokalen 2 ), aber oft 
(magis geschrieben) vor Consonanten. Es ist die von den übrigen 
Dramatikern befolgte, von Ennius gegebene Regel: einmal findet 
sich in Ennius' Fragmenten, mit dem encliticum, magisque amphi- 
brachisch (Ann. 372), 6 mal magis mit abgestoßenem s vor Con- 
sonanten. Bei dieser Regel bleibt es, wie Lachmann gesehen hat, 
in der Folge. Für Lucrez hat dies noch Sinn, für die folgenden, 
die das 5 überhaupt bewahren, nicht mehr. So erscheint denn, 
sobald das s im Auslaut allgemein fest geworden, mage im Verse 



1) Die ausgeschriebenen Stellen genügen, um die Unrichtigkeit von Gröbers 
Ansicht (Wölff lins Archiv III 521) zu erweisen. 

2) Hec. 249 quo tu si idem faecres, magis in rem et vostram et nostram id 
esset ist schwerlich richtig überliefert (Fleckeisen streicht id). 



294 V Auslautendes s und m 

nur noch vereinzelt (Neue-Wagener II 595), d. h. es ist nicht oder 
nur von Einzelnen als selbstbsrechtigte, für sich stehende Form, 
wie sat, angesehen worden; bei Properz 3 mal vor Consonanten; 
Ovid trist. II 479 darf man nicht anführen; bei Vergil das eine 
mal X 481 aspice num mage sit nostrum penetrabile telum, wo nicht 
nur der Romanus, sondern auch Charisius 278, 22, Diomedes 441, 32 
(trotz der Handschriften) und Consentius 388, 22, alle aus einem 
Zeugnis, die Schreibung magi *) bekunden : einer der wenigen Fälle, 
in denen das emendaturus erat auch auf Erscheinungen der Wort- 
und Versform zu beziehen ist. 

Neben satis steht sat, das sati 2 ), säte voraussetzt. Die zwei- 
silbige Form ohne 5 ist nicht nachzuweisen 3 ); einigemal ist in den 
Plautushandschriften satis geschrieben, wo nach der uns geläufigen 
Schreibung sat dafür eingesetzt wird: Pers. 839 nee satis liber sibi 
videtur nee satis frugi nee satis honestus B (sat honestus CD), 
Capt. 928 sdtis iam dolui ex animo, et cura me satis et laerumis 
maeeravi, wo A ergibt: satis iam dolui ex animo et cura, satis me 
laerumis maeeravi, was entschieden zurücksteht 4 ), Aul. 187 pol si 
est animus aequos tibi, satis habes qui bene vitam eolas, wo der Pro- 
celeusmaticus vor der Diärese unstatthaft ist (vgl. zu Amph. 513), 
Cure. 111 pol ut praedicas, vindemia huic änui non satis est söli, 
wo satis est nur 2 Silben füllen darf 5 ). Desgleichen ist Ter. 
Phorm. 724 satis est = sat est und damit der Vers in Ordnung 6 ). 
Ob Plautus einsilbiges sat wirklich gekannt hat, das zu beweisen 
gibt es wohl keine für seine eigne Zeit und Schrift giltige Instanz, 
man kann überall auch die zweisilbige Form einsetzen 7 ). Durch- 
gehend ist dreisilbig satis est, zweisilbig sat est überliefert, nicht 

1) CLE. 495, 4 set magi laseivos suabes Baccfioque madere (schlecht ge- 
schriebne und versificirte römische Inschrift), magi auch 44, 2; dagegen 556, 3 
quae magis debuerat fessos sepelire parentes. 

2) CIL. V 4488 (Brixia, constantinische Zeit ) sati nach ampliu. 

3) Lindsay Class. rev. 1894 S. 159 sucht säte in der Überlieferung von 
Stich. 620 (vgl. Most. 888), oben S.U. — Mil. 750 sata est, 755 sata erant 
(richtig erat). 

4) Obwohl sich für ex animo et cura Analogien anführen lassen, Aus- 
drücke wie Epid. 149, Cist. 76. 

5) Truc. 259 satis P, sat A, bei verschiedener Fassung des Verses. 

6) sat der jüngere Calliopiustext. Phorm. 768 satis erat Bembinus gleich 
sat erat, Ad. 621 satis adhuc Calliopius gleich sat. CLE. 204, 3 als Senarschluß 
satis est = sat est, freilich sehr mangelhafte Verse. Caecil. 76 filius in me incedit 
satis hilara schema; bedenklich scheint in me. 

7) Auch z. B. Trin. 636 sdtis sapio im Anfang des Septenars. 



satis sat sätest, potest; nimis nime 295 

satist, sowenig wie potist 1 ), also satis est und sätest wie potis est 
und potest, satero saterat wie potero poterat, in genauer Analogie. 
In diesem sätest aus säte est liegt auch, wie ich annehme, der Ur- 
sprung von sat, das sich isolirt hat, während pot auf den Ton- 
anschluß beschränkt blieb: erklärlich, da nicht einmal potis ein 
dauerndes Einzelleben geführt hat. pote aber steht nicht nur im 
Anschluß potest, potesse, potui, sondern allein 2 ); daneben potisset 
Mil. 884 und bei Lucilius (5. 26. 203. 1050), wohl aus potis esset 
contrahirt (potesset ist nicht vorhanden) 3 ). Die bloß enklitischen 
Formen, potissmn usw., bleiben eine Zeitlang neben den contra- 
hirten bestehen 4 ). 

Neben potest und sätest steht magis est, nicht wagest, und nimis 
est, nicht nimist, wie man Amph. 828 schreibt. Daß nimis über- 
haupt in die Reihe von magis mage, potis pote, satis sat gehört, 
muß freilich erst bewiesen werden. Ein Fall von nime = nimis 5 ) 
liegt in der Überlieferung vor: Pseud. 1274 nime ex disciplina*) 
Aber der Beweis liegt in einer Beobachtung, welche die ganze 
Wortgruppe betrifft. 

Um den Grad der Festigkeit eines Auslauts zu ermitteln, ist 
es nicht genug, die Fälle ins Auge zu fassen, in denen der Aus- 
laut tatsächlich unwirksam erscheint; wir müssen auch die Frage 
aufwerfen, in welchen Fällen er tatsächlich wirksam erscheint. 
Dieser Fall tritt bei auslautendem Consonanten nach kurzem Vokal 
entweder ein, wenn der Consonant vor vokalischem Anlaut die 
Synalöphe hindert, oder wenn er mit folgendem consonantischem 
Anlaut Position macht. Bei Wortverbindung, sei es wirklicher An- 
schluß oder nur Zusammenwirken im Satze, halten sich auch ver- 
schwindende Consonanten; daß ein auslautender Consonant nach 
kurzem Vokal noch lebenskräftig ist (wohlverstanden in der Zeit, 
um die es sich handelt), kann man erst behaupten wenn die Positions- 
länge zweifellos vorliegt. 

1) Vgl. S. 286 A. 2. 

2) Überliefert poti est dreisilbig Poen. 846, potis est zweisilbig Truc. 170. 

3) [Vgl. Marx II 15.] potisse Lucil. 205 hat neben potesse keine Wahr- 
scheinlichkeit. Mil. 884 wird potissit das richtige sein. Lachmann Lucr. p. 316 
reicht nicht aus. 

[4) compote CIL. XI 3247, vgl. Marx Zeitschr. f. öst. Gymn. 1897 H. 5.] 

5) Pers. 822 nimi B. 

6) Vgl. zum Ausdruck Cas. 917 nimis immerito meo. [Die Schreibung be- 
weist nicht für das Metrum, das ohne Zweifel jonisch ist (Skutsch Glotta I 313 
A. 3 irrt) und nimis verlangt. Vgl. Plaut. Cant. 42.] 



296 V Auslautendes s und m 

Bei Horaz, Phaedrus, Seneca findet man ohne viel Suchen 
Verbindungen wie magis relidis, satis profecto, nimis saeva impero. 
Bei Plautus finden sieh magis safis nimis überaus selten so im Verse 
verwendet. 

Um mit nimis anzufangen, so gibt es in den Versen vor Plautus 
und bei Plautus selbst keinen einzigen sicheren Fall von nimis vor 
Consonanten. Men. 753—759 sind baccheische Tetrameter, von 762 
an sind Baccheen mit jambischen Kola verbunden; 760 ist über- 
liefert quas si autumem omnis, nimis longus sermost : den Hiatus zu 
Anfang zu heben ist leichte Mühe, aber der Steg, der sicher über 
die zweite Hälfte des Verses zu führen scheint, ist morsch; nimis 
als Iambus kommt nur hier vor, wenn man es hier ansetzt. "Wahr- 
scheinlich ist es, daß, wie so oft, der Vers aus 2 cola Reiziana 
besteht. Capt. 102 muß so emendirt werden (es fehlt ein Wort), 
daß nimis quam cupio bleibt. Epid. 404 kann num nimis potest aus 
metrischem Grunde nicht der richtige Versausgang sein. Auch 
nimisque kommt nicht vor, weder Pseud. 1019 noch Rud. 920 ist 
es anzusetzen 1 ). Es gibt aber auch bei Terenz nicht einen Vers, 
der nimis in Position hat, sowenig wie bei den anderen Scenikern 
oder sonst in älterer Poesie. Caecil. 131 ist credo\ nimis (ändern 
hoc fit verniliter richtig überliefert und weder tarnen besser 2 ) noch 
Jwce gut; vor fit mag abs te oder dergleichen ausgefallen sein 3 ). 
Noch bei Lucrez gibt es kein Beispiel von nimis; die Enthaltung 
dauert also solange das s im Auslaut überhaupt sich schwach 
zeigt. Catull ist der erste, der nimis vor Consonanten als Iambus 
verwendet: res est ridicula et nimis iocosa, a nimis feto cor de, mea 
liiere nimis qui fugere imperia cupit; im Hexameter erscheint es 
meines Wissens zuerst in den von Cicero a. 709 und 710 übersetzten 
Iliasversen (de div. II und Tusc. III): tarda et sera nimis, sed fama 
ac laude perenni. namqae nimis multos atque omnis luce cadentis 
cemimus, dann bei Vergil (Aen. IX 472 nota nimis miseris). 

Für satis ergibt sich ein ähnliches, doch nicht so reinliches 

1) Aul. 61 nimisque ego hanc metuo male, Mil. 1003 nimisque nitida femina, 
1141 nimisque facunde malast, Truc. 247 nimisque prdbus dator (vorher nimis 
pol mortalis lepidus, hier läßt A pol fort), 469 nimisque paucae, Capt. 913 nimis- 
que hercle ego illum male formidabam, vgl. Ter. Heaut. 1046, Caecil. v. 250; sonst 
nimi(s) zweimal (Pseud. 249) oder dreimal (Pseud. 1243, einmal nimis illic) im 
Verse. 

2) Men. 696 nimis iracunde Jiercle tandem, Pers. 168 nimis tändem me quidem 
pro bar da et pro rustica reor habitam esse abs te. 

[3) hoc (hercle) Ribbeck 3 ; es müßte wohl nimis (hercle) sein.] 



nimis satis 297 

Kesultat. Asin. 437 ist nicht iam pro eis satis sondern iam pro eis 
sdtis fecit Sticho zu messen, v. 446 heiis iam satis tu, Pseud. 1273 
nicht satis facete, 914 nicht safis scio. Trin. 259 und 32 t, beide 
corrupt, gestatten satis quöd und sdtis placet (vgl. Ter. Ad. 239). 
Amph. 648 endlich ist satis mi esse dacam metrisch so möglich wie 
satis mi esse ducam, dieses, wie sich gleich herausstellen wird, auch 
prosodisch nicht zu verwerfen. Es bleiben 5 Stellen bei Plautus, 
die durch Position jambisches satis zeigen: 

Poen. 215 neque eis ulla ornandi satis satietas est 1 ). 
227 poplö quoilubet plus satis dare potissunt. 

Trin. 227 sed hoc non liquet nee satis cogitatumst. 
Dies sind 3 baccheische Tetrameter, alle drei ihrer Umgebung nach 
ein ßeizianum als zweites Kolon nicht zulassend, in allen dreien 
an gleicher Stelle, nach der Diärese, das sonst vermiedene satis; 
als viertes zweifelhaftes Beispiel ähnlicher Art kann man Amph. 648 
hinzutun 2 ). Offenbar handelt es sich um eine besondere Freiheit 
oder Feinheit in dem von Plautus mit besonderer Subtilität be- 
handelten baccheischen Verse. Der vierte jener 5 Verse ist gleich- 
falls von gewähltem und ungewöhnlichem Metrum, Amph. 168, aus 
dem jonischen Canticum des Sosia: 

noctesque diesque assiduo satis superquest. 
Es bleibt noch ein Vers, der einzige Trimeter: Mil. 584 

nam uni satis populo impio merui mali. 
Daß so zu lesen ist, habe ich in WölfFlins Archiv IX 165 gezeigt 3 ); 
aber es ist nicht zu scandiren nam uni satis, sondern nam uni satis 
fiöpulo: die Überlieferung hat einen Hiatus wie unzählige Verse, 
wie genau derselben Art z. B. Poen. 694 quam regi Antioeho oculi 
curari solent (AP) oder 1090 inimico possum, amico insipientiast* 
Es ist leicht ihn durch Umstellung zu heben 4 ). 

Bei Terenz steht es ähnlich. Phorm. 196 wird mit Recht 
trochäisch, nicht jambisch gemessen (sdtis pro imperio); Ad. 309 
(vorher non intellego) gibt der Bembinus satis (verschrieben satius) 
quae loquitur, Calliopius satis quae loquatur: für letzteres spricht 

1) Der vorhergehende Vers neque umquam satis hae dteae res ornantur ist 
interpolirt. 

[2) Vgl. Jacobsohn Quaest. Plaut. 22.] 

3) Ebenso Palmer Hermath. XX (1894) S. 64. 

[4) Dazu kommt Epid. 346 quantum hie inest? quantum sat est, et plus 
satis: superfit.] 



298 V Auslautendes s und m 

And. 737 ego quid agas nihil intellego 1 ). Eun. 1010 non possum 
satis narrare ist non pötest satis narrari {B? DE) Verschlechterung 
der Lesart des Calliopius non sdtis potest (CFP). Phorra. 110 satis 
inquit scita richtig gegen satis scita inquit der Bilderhandschriften. 
Ad. 313 satis mi id habeam supplici, dum Mos idciscar modo ist 
interpolirt (Guyet,Dziatzko) oder doch verstümmelt. Auch Phorm.915 
ist satis süperbe inluditis me nicht gesichert, Calliopius hat satin, 
sicher nicht schlechter 2 ). Es bleiben 2 Verse mit jambischem satis 
in derselben Versstelle : Eun. 577 

commendat virginem. A. Cui? tibine? C. Mihi. A. Satis 

tuto tarnen 
und Heaut. 197 

nil magis 

vereor quam nequid in illum iratus plus satis faxit, pater. 
In beiden Versen würden sdtis tuto tarnen und satis faxit pater 
bessere Ausgänge sein als die überlieferten. Von Terenz bis Lucrez 
wird satis wie nimis behandelt. Afran. 227 hat Ribbeck richtig 
jambisch gemessen: satis förtiter. Das einzige jambische satis hat 
Lucilius 1147 satissit, eben nicht jambisch, wie potissit. Lucrez hat 
nirgend satis. Aber wiederum Catull satis superque, satis diu, sed 
non est tarnen hoc satis putandum, multa satis lusi' 6 ). 

Jambisches magis ist fälschlich überliefert Cure. 305 haüd magis 
cupis quam ego te cupio, wo me oder tu me fehlt; es ist nicht an- 
zunehmen Stich. 7 (neque id magis faeimus), Pers. 66, Bacch. 678, 
Cist. 4, Most. 903. Auch Truc. 457 darf man messen süm eo mdgis y 
doch stellt sich der baccheische Tetrameter 

mater dieta quod sum eo magis studeo vitae 
mit Recht zu den unter satis ausgesonderten Versen gleichen Metrums; 
denn magis hat Plautus wie satis in baccheischen Versen : 

Bacch. 619 malos quam bonos par magis me iuvare 4 ). 

Truc. 720 molestusne sum? nunc magis quam fuisti. 

Poen. 212 nam nullae magis res duae plus negoti, 
dieser letzte Vers unmittelbar vor 215 mit satis; die 3 anderen 



1) Epid. 239 nee satis exaudibam — quae loquerentur, Merc. 707 sed quae 
loquatur exaudire hine non queo, vgl. Becker in Studemunds Studien 1 221. Die 
trochäische Messung von Ad. 309 ist wenig wahrscheinlich. 

2) Bentley c lego satis pol süperbe ut Heaut. (723) satis pol proterve\ 

8) sdtis 2 mal im Verse Truc. 240. 243 (sat — satis Trin. 636), Ter. And. 820, 
Heaut. 439; Lucil. 203. Acc. 87 si satis rede aut (satis) vera ratione augurem? 
4) Möglich magis me iuvare. 



satis magis 299 

haben magis am Anfang des zweiten Kolons wie die mit satis. Dazu 
die kretischen Verse 

Men. 576 res magis quaeritur quam clientum fides. 

Most. 702 quöm magis cögito cum meo animo. 
Außerdem hat Plautus noch 5 Verse mit magis: Asin. 573 

ubi amico quam amicae tuae fueris magis fidelis, 
ein Vers, den ich nicht aus diesem Grunde für interpolirt halte; 
Mil. 539 

magis facete vidi et magis miris modis, 
wo man geneigt sein mag, als Veranlassung der seltenen Messung 
das Streben nach verschiedener Betonung des doppelten magis an- 
zusehen 1 ); ähnlich Pseud. 1214 

edepol ne istuc magis magisque metuo, quöm verba audio 2 ). 
Es bleiben zwei Stellen, die unter den gleichen Gesichtspunkt fallen: 

Men. 594 nee magis manufestum ego hominem ümquam 

ullum teneri vidi. 

Mil. 615 quis homo sit magis meus quam tu es? 
in beiden Fällen bildet -gis mit den beiden folgenden Silben einen 
Daktylus oder, wenn man das s nicht wirksam denkt, einen Tri- 
braehys; verwerflich scheint mir die letztere Annahme nicht 3 ); sie 
würde zugleich einen anderen Erklärungsgrund für satis Mil. 584 
geben. 

Während also Plautus magis häufiger als satis zuläßt, wenn 
auch selten genug 4 ), behandelt Terenz magis nicht anders als satis. 



1) magis — magis mit gleicher Betonung Most. 831 Pers. 564 Bacch. 678, 
Ter. Eun. 1077 Heaut. 889, Acc. 136sq., trag. ine. 160, mit ungleicher Bacch. 1091 
Mil. 635 Poen. 348, Ter. Eun. 227. 935 Heaut. 425. 

2) Bacch. 1078 Rud. 1181 magis— magisque, aber Aul. 18 minus — minüsque; 
Ter. Eun. 507 magis magisque, Heaut. 594 minus minüsque. — magisque edndcm 
Mil. 530, magisque ddeo Truc. 216, magisque Poen. 305 Trin. 1038; minus— minüs- 
que id Bacch. 1103, minus— minüsque Epid. 428, minüsque äddunt Poen. 1204. 

[3) Ein ganz sicheres Beispiel gibt es bei Plautus nicht (Epid. 541 Truc. 108 
Trin. 827 lassen andre Erklärungen zu; aber kaum Accius tr. 243. 534). Vgl. 
Ahlberg de procel. 30. — Men. 594 fällt unter den von Jacobsohn quaest. 
Plaut. 7 f. behandelten Gesichtspunkt.] 

4) Ich habe nicht gezählt wie oft nimis satis magis bei Plautus vor- 
kommen ; nach dem Index von Operarius (Naudet), der bekanntlich sehr unzu- 
verlässig aber für die annähernde Schätzung des Verhältnisses ausreichend ist, 
nimis 108, satis 196, magis 214 mal. Von diesen über 500 Stellen haben reich- 
lich gerechnet ein Dutzend die jambische Messung. 



300 V Auslautendes s und m 

Er hat einmal (Eun. 507) magis magisque cogito, wie Pseud. 1214, 
und Ad. 179 

qui tibi magis licet meam habere, pro qua ego argentum dedi, 
einen ohnedies nicht guten Vers, der etwa mit der Wortstellung 
meam magis licet besser klingen würde. 

Wie Terenz magis magisque so hat Ennius (arm. 372) postque 
magisque, so Pacuvius v. 44 und Afranius 352 magis magisque. Dies 
sind vor Lucrez die einzigen Fälle von magis. Nun aber tritt die 
überraschende Tatsache ein, daß Lucrez, der satis und nimis ver- 
meidet, einige 30 mal magis hat 1 ). Warum er magis auf anderem 
Fuße behandelt als satis und nimis, dafür wird man einen Grund 
schwerlich ausfindig machen; daß mage für ihn überliefert ist erklärt 
nichts, da auch sat neben satis steht. Nur das wird man sagen 
dürfen, daß ums Jahr 700 das s von magis fester war als das von 
nimis und satis. 

potis ist jambisch nach den Handschriften Mil. 781 und 788. 
Dagegen Capt. 89 liegt kein Grund vor, potes zu potis statt potest 
zu machen. Sonst bleibt in der Folge potissunt (Ennius, Lucilius), 
nicht potis, aber pote 2 ). 

Diese Beobachtung ist viel weiter auszudehnen. Über jam- 
bisches prius vgl. Schrader ne anne nonne p. 33. Hinzuzufügen ist 
aus dem Prolog des Poenulus 66 sexennio priüs quidem quam moritur 
pater (vgl. 93), Men. 276 priüs iam convivae ambulant ante ostium, 
w r o auch prius iäm sicher und der Hiatus zu constatiren ist 3 ). 
Amph. 324 gibt Nonius fälschlicheres domes für primum; Amph. 240 
dnimam omittunt prius quam loco demigrent mit syllaba anceps in 
der Diärese des kretischen Tetrameters, ebenso in der des Saturniers 
Liv. 27 üt prius fuerunt. Terenz hat Eun. 50 nil priüs nee fortius, 
vgl. Andr. 258, Ennius priüsquam trag. 286; Lucil. 642 ist prius quam 



1) Vgl. III 201 at contra quaecumque magis cum pondere magno asperaque 
inveniuntur, eo stabilita magis sunt, sonst zweimal hintereinander VI 100 sq. 460 
II 827; vgl. Catull 38, 3; 64, 274. 

2) In die Reihe satis nimis magis potis gehört auch fortassis. Es ist bei 
Plautus zweimal überliefert, Asin. 493 und Bacch. 671, vor Consonanten, ohne 
ersichtlichen Grund (vgl. Asin. 499 und 502), fortasse oft in Synalöphe. for- 
tassis et istinc hat Horaz sat. 14, 131, sonst verschwindet die Form aus der 
Poesie. [Auf Ovid art. am. I 665 hat mich Heraeus aufmerksam gemacht.] Ob 
necesse hierher zu rechnen ist (Bücheier Decl. p. 18 W.) muß zweifelhaft bleiben. 
[Vgl. Skutsch W. Arch. XII 199.] 

3) S.Kap. VI. 



magis, potis, priils u.a.; -is -e 301 

richtig überliefert 1 ). Lucrez hat öfter prius. — minus nur Aul. 18 
minus minüsque, ebenso Terenz Heaut. 594 (s. o.), plus minüsve 
Phorm. 554; dann erst Lucrez (1697 und sonst). — quibüs Plautus 
nur Rud. 278 (Baccheen) 2 ), vgl. Trin. 284; tribüs Bacch. 956 tribus- 
sunt, — sumüs Capt. 86, gewiß nicht richtig; auch Terenz nirgend, 
Phorm. 633 A unrichtig. — Der Nominativ erus kommt bei Plautus 
(nach Rassow) 104 mal vor; davon ist nur Most. 894 novit erus me 
jambische Messung einigermaßen sicher, in 7 anderen Fällen 
(Amph. 242. 405 Bacch. 663 Pers. 514 Poen. 1123 Pseud. 1150. 1269) 
möglich, coquos 12 mal, nur einmal jambisch (Merc. 695). Im all- 
gemeinen zeigt sich, daß pyrrhichische Wörter zur Abstoßung des s 
besonders geeignet sind, wie denn auch noch der eine catullische 
Vers gibt tu dabi(s) supplicium*). 

Die ganze Beobachtung lehrt uns mehr als eine Eigenschaft 
der einzelnen Wörter, sie sichert das Verständnis der ganzen Er- 
scheinung und gibt uns eine Probe darauf, daß wir es bei dem 
Verschwinden des s im Verse mit einer wirklichen grammatischen 
Tatsache zu tun haben. Viele Sprachforscher, besonders Romanisten, 
sind geneigt die Abstoßung des s überhaupt als ein conventionelles 
Mittel zur Erleichterung des Versemachens anzusehen, das die 
Dichter erfunden und sich gegenseitig concedirt hätten. Jede solche 
Meinung muß verstummen, wenn man sieht wie die Dichter den 
Consonanten nicht nur abwerfen, sondern sich auch in gewissen 
Wörtern scheuen ihn beizubehalten. Das ist nur denkbar unter der 
Voraussetzung, daß der Auslaut in der lebendigen Sprache unkräftig 
geworden war; in gewissen Wörtern und Wortkategorien mehr als 
in anderen, und diese zeigen den vollen Auslaut nur in Ausnahme- 
fällen. 

6 
wage pote nime sat fortasse geben uns mit bonu est und loquare 
eine Reihe sicherer Fälle von Abstoßung des s vor Vokal, mit und 
ohne Enklisis, zum Zwecke der Synalöphe. Sie sind in der Be- 
wegung der Sprache entstanden und vergangen, dauernd isolirt haben 
sich nur wenige Formen. Zu jenen 3 Kategorien von Wortformen, 
den Verbindungen mit verbum substantivum, den zweiten Personen 



[1) Vgl. Göfct. Gel. Anz. 1906 S. 853.] 

[2) Ich zweifle au der Echtheit von V. 278. 9 ; vgl. 275.] 

[3) Vgl. Havet Me ßoissier S. 261 ff.] 



302 V Auslautendes s und m 

sing, des Passivs, den Adverbien in -?s, tritt nun eine Anzahl ver- 
einzelter Fälle, die wir nach dem Ermittelten mit größerer Sicher- 
heit unter diesen Gesichtspunkt zu stellen wagen dürfen. 

Zunächst -e für -is. Wie der gleiche Klang vorausgesetzt ist, 
auch wo die Schreibung nicht erscheint, zeigt Cist. 573 servate di 
med öbsecro beantwortet durch at me perditis: servate wird als 
servatis gefaßt wie Cure. 41 loquere als loqueris. Bücheier zu 
CLE. 90. 76. 77 (vgl. zu 1326, 3) hat so die Verse erklärt, in denen 
lege et moraris und dergl. geschrieben ist, wie Venantius die Endungen 
beliebig gebraucht: V 6 carm. 33 rumpite lora iugis et sumitis arma 
diei (vgl. ind. p. 403) 1 ). Nicht anders stellt sich Asin. 254 dar: 
quin tu abs te socordiam omnem reice et segnitiam amove (amoves?) 
atque ad ingenium vetus vorsutum te reeipis tuom. 
Die Stellen, in denen die Frage voraufgeht (s. zur Asin.), sind 
eben dadurch innerlich verschieden 2 ). In den Handschriften steht 
Most. 468 atigate statt attigatis (Diomedes citirt attigat), Pseud. 151 
vincite P (vincitis Ä), Most. 885 respice B (respicis D, respices C), 
umgekehrt Truc. 674 noli metueris; Pseud. 1183 redde argentum A, 
reddis P 3 ). Und so darf man denn auch Poen. 4 sq. 
audire iubet vos imperator histricus, 
bonoque ut animo sedeate in subselliis, 
et qui esurientes et qui saturi venerint: 
qui edistis 4 ) multo fecistis sapientius, 
qui non edistis saturi fite fabulis 

1) CLE. 366 parcitis heredi et — dedite in fehlerhaften Versen , aber par- 
citis nur graphisch verschieden von parcite (Bücheier). [Apul. met. X 16 cantha- 
rum mulso contempera et offers parasito meo F 1 , von Helm wohl mit Recht nicht 
aufgenommen, vgl. zu I 23.]. 833 discitis crescentes pietate redete vostris. [Pom- 
peji (CIL. IV 3494) itis foras rixsatis. — Vgl. Donat art. gr. IV 394 K. (soloecis- 
mus fit) per modos verborum, sicut c itis, paratis arma quam primum, viri pro c ite 
parate', dazu Pompeius V 291 K. (und 237 : trag. frg. ine. 19). Die Sache ist nicht 
klar; der Vers hat reine Senkungen; bei einem c antiquus poeta' (Pomp. 237) 
wäre in der Frage itin paratin zu erwarten.] Oben S. 288. 

[2) Vgl. Sjögren Zum Gebr. d. Fut.s im Altlat. S. 75, Comm. Tüll. S. 114.] 

3) Ter. Phorm. 515 öptundis. haud longumst id quod orat, Dorio, exoret sine, 
so der Bembinus unter Septenaren, Calliopius obtunde, was ich hiernach (gegen 
Dziatzko erkl. Ausg. S. 133) als nur graphische Variante glaube ansehen zu 
dürfen, wie denn öptundis ohne Zweifel besser ist als optundes; doch bleibt eine 
Corruptel. — Acc. v. 433 creditis me amici morte imbuturum manus? ist credite 
geschrieben (crediti Leidensis von 1. Hand), von L. Müller richtig aufgefaßt 
(Nonius p. 521, 8). v. 365 exulare sinitis ist sinite überliefert. 

4) edisti B. 



-w -e 303 

als überliefert nur sedeate = sedeatis ansehen, der in der ganzen 
Rede herrschenden zweiten Person entsprechend; ob venerint beweist, 
daß sedeant richtig emendirt ist, ist mir zweifelhaft, vgl. Cure. 467 
commonstrabo quo in qitemque hominem facile inveniatis loco, ne nimio 
opere sumat operam si quem conventum velit (si quis Fleckeisen) 1 ). 
Cist. 517 bricht Alcesimarchus seine verwirrten Schwüre mit 
den an Melaenis gerichteten Worten ab: tu nie delenis, propter te 
haec peeco, darauf die Alte mit ruhigem Spott: perge dicere. So 
passend dies ist, so unpassend wiederholt sie auf die nun folgende 
Frage des Jünglings: anne etiam quid consultura sis sciam? die 
Aufforderung: perge eloqui, um so unpassender als sie nach dieser 
zum Sprechen auffordernden, d. h. ihre eigene Rede abbrechenden 
Wendung doch die Antwort gibt: non remittam, deßnitumst 2 ). Der 
Fehler liegt aber nicht in perge eloqui, sondern im ersten Teil des 
Septenars, wo die Überlieferung schwankt: 

anne etiam quid consultura es perge eloqui A 

anne ut etiam quid consultura sis sciam MEL. perge eloqui P 
in A ist es für sis geschrieben und sciam fortgelassen; dadurch ge- 
winnt ut, das in P allein steht, schon äußerliche Gewähr; es führt 
aber auch auf den unerläßlichen Gedanken: c du forderst mich auf 
weiterzusprechen; soll ich denn aber auch endlich von dir hören 
was du beschließen willst ?* d.h. ut — sciam muß abhängig sein von 
der Aufforderung ihrerseits zu sprechen, die Alcesimarchus mit 
Wiederholung des Wortes, das sie gebraucht hat, an sie richtet. 
anne etiam gehört zusammen; unter der Voraussetzung, daß perge = 
pergis ist, bedarf das in P Überlieferte nur leiser Nachhülfe: 

anne etiam, ut quid consultura sis sciam. perge eloqui? 3 ) 
Darauf Melaenis: non remittam, definitumst. 
Rud. 1401 ist überliefert: 

vapulabis, verbum si adde istüc unum. vel hercle enica. 
Der Schluß ist durch Vergleichung mit Aul. 832 gesichert, adde ist 
als addis anzusehen, nicht in addes, das weitere Änderungen nötig 
macht, umzuändern. Das Futurum im Nachsatz bei Präsens im 

1) [Poen. 1389 quando boni estis, ut bonos facere addecet facite et vestro sub- 
veniatis supplici: ich habe corrigirt faciatis, vestro, aber die Überlieferung 
bedeutet faciate et] 

2) Vgl. Langen Beiträge S. 190, der die Anstöße der Überlieferung richtig 
hervorhebt. 

[3) sciam kann pyrrhichisch sein , dann ist nur perge = pergis, ohne 
SynalÖphe.] 



304 V Auslautendes s und m 

hypothetischen Vordersatz ist bekanntlich bei Plautus häufig 1 ), von 
den zahlreichen Fällen mit vorausgeschicktem Futurum führe ich 
zur Vergleichung an Merc. 168 hercle vero vapulabis, nisi iam loquere 
aut hinc abis, Cure. 718 tu aufem in nervo iam iacebis, nisi mi argen- 
tum redditur, Most. 614 quin feram si quid datur, Bacch. 1034 ses- 
centa tanta reddam, si vivo, tibi; vgl. Bacch. 382 nunc prius quam 
malum istoc addis, certumst iam dicam patri. 

Zu diesen Verbalformen kommen einige Formen von Substan- 
tiven und Adjektiven in -is hinzu. Es ist eine sehr wahrscheinliche 
Vermutung von Seyffert, daß plure bei Charisius p. 109 und 211 
(Caecus frg. 4, Lucil. 1253) mit pluris existumo Pers. 353 zusammen- 
zunehmen sei 2 ). Kud. 107 ist überliefert 

virile sexus numquam ullum habui. at di dabunt, 
was Priscian I p. 162 buchstäblich bezeugt mit der Einführung: 
Plautus etiam hoc sexus neutro genere protidit in Radente. Da man 
an neutrales sexus neben secus mit Recht nicht glaubte, setzte man 
secus bei Plautus ein; wie Nonius p. 222 sexus als masculinum er- 
klärt und dann für das neutrum Stellen mit secus beibringt 3 ). Bei 
Plautus kommt sonst weder sexus noch secus vor; secus erscheint 
bei den Historikern von Sisenna an, sexus ist für Afranius und 
Pacuvius bezeugt, bei so guter Überlieferung möchte ich es bei 
Plautus nicht antasten. Es folgt nicht, daß sexus generis neutri sei, 
sondern daß Priscian schon virile sexus gelesen hat: es ist nur 
graphische Variante von virilis sexus*). 

1) Vgl. Rodenbusch te temporum usu Plautino p. 49 sq. ; von Marx in 
der Rhetorik ad Herennium hergestellt, s. S. 177. [Sjögren Zum Gebr. d. Fut.s 
S. 190.] 

2) Vgl. Wölfflin Archiv IX 107, Lindsay Journ. of phil.XXI199, die aber 
beide den Ablativ anerkennen. — pluris Rud. 966. [iure für iuris in iureperitus 
und iureconsultus : Skutsch in Vollm.s Jahresber., s. o., Glotta I 313. Ebenso 
corpore custos CIL. VI 4340. 2. 3. 4437. 8810 für corporis custos (CIL. VI 8803. 4 
Suet. Calig. 55,2; 58, 3), von Tiberius bis Nero.] 

3) Festus 334 hat Sealiger mit Unrecht beigezogen (secus Adverbium, dann 
sexu Ablativ). — Arnob. p. 40, 25 R. steht in der Handschrift sexum virile de- 
signet (in der ed. princ. corrigirt), s. u. penum erile (S. 306). 

4) Lehrreich ist für solche Schreibungen die Überlieferung des Lucrez; 
-dessen Handschriften bieten II 18 mente = mentis (mensque ist eine Änderung, 

mentis nicht; vgl. III 240), 623 numine = numinis, V 599 vapore = vaporis, 949 
umore = umoris, 1410 dulcedine = dulcedinis, I 591 ist inmutäbilis materiae ge~ 
schrieben inmutabiles, VI 629 orbis statt orbe, nicht orbi, wie Lachmann und 
Munro mit Älteren schreiben; vgl. Lachmann zu V 1436; VI 958. 971. Daß es 
nicht geraten ist, nvmini' und dergl. zu drucken mögen auch diese Schreibungen 



-** ' e 305 

Von ähnlicher Art ist die Glosse Nonius p. 192 aetas feminini 
est generis — masculini: Plautus Trinummo (1090) 

propter eosdem quorum causa fui hoc aetate exercitus. 
Ritschi bemerkt dazu (Proleg. p. 84): quam ego scripturam e com- 
parata lioc aetatis* constructione ortam puto. Bergk Beitr. 8. 149 
erklärt hoc aetate für identisch mit hoc aetatis, hac aetate der Hand- 
schriften sei aus jenem corrigirt; er nimmt Synalöphe mit exercitus 
an und stützt sie durch mage amo. Es kann, wie mir scheint, kein 
Zweifel sein, daß für die Überlieferung, der Nonius den Vers ent- 
nommen hat, Bergk das Richtige erkannt hat, daß also aetate = 
aetatis als eine im 2. — 3. Jahrhundert in einer Plautusausgabe vor- 
handene Schreibung erwiesen ist 1 ). Die Frage, ob Plautus so ge- 
schrieben hat, ist nicht so leicht zu erledigen. Man kann zunächst 
sagen: Plautus sagt illa (Bacch. 1079) und istac aetate (Bacch. 30. 
1 163 Merc. 972. 982, vgl. 983% Most. 1148), aber hoc aetatis, niemals 
hac aetate, und damit würde ja die Schale des Nonius sinken. Die 
Regel würde dann heißen : wer zu einem andern spricht, sagt istac 
aetate, wer von sich selbst spricht, hoc aetatis. Solche Regel hat 
keinen Sinn, der grammatische Unterschied gibt einen Unterschied 
der Bedeutung wieder; hoc aetatis und istac aetate stehen zueinander 
wie hoc noctis (qui hoc noctis solus ambulem) zu hac nocte (credo ego 
hac noctu Nocturnum obdormivisse ebrmm), nur kommt dazu daß 
aetas in hoc aetatis allgemeine Bedeutung hat ( c auf dieser Stufe 
der Lebenszeit'), in istac aetate specielle ( c in diesem Lebensalter , 
sei es Alter oder Jugend), hoc ist Accusativ generis neutri, wie 
id aetatis u.a. zeigt 2 ), dieses neutrum tritt entweder zum Nomen 
und Pronomen (Bacch. 343 hoc aetatis senex, 1090 hocine me aetatis, 
1100 me hoc aetatis, Trin. 787 hoc me aetatis, vgl. Asin. 71 cum id 
aetatis, Mil. 618 tibi istuc aetatis homini, Ter. Heaut. 110 ego istuc 
aetatis) oder zum persönlichen Verbum: Mil. 659 illuc aetatis qui 



lehren. [Varro r. r. II 1, 5 in Hispaniae citeriore regionibus aliquot, wo citerioris 
zu verstehen, nicht mit Itali und Keil Hispania herzustellen ist. So steht bei 
Catull 44, 4 pignoris für pignvre, bei Apuleius apol. 94 ext. tempore für temporis 
in der Handschrift.] — CLE. 766, 2 pietate honore decorus = pietatis honore. 

1) Lucil. 491 meret ter sex aetatis quasi annos (so Lachmann) haben die 
Noniushandschvifben aetate. [Marx sieht auch ndbilitate 259 als Genetiv an, vgl. 
Gott. Gel. Anz. 1906 S. 847.]. CLE. 473, 2 cum frui debueram aetate florida luce 
verbindet Bücheier wohl richtig frui luce und aetate florida. 

2) Vgl. Bach in Studemunds Studien II 177. [C. F. W. Müller Synt. d. 
Nom. u. Acc. S. 164.] 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 20 



306 V Auslautendes s und m 

sit, Pers. 276 scio ego quid sim aetatis, Merc. 290 quid tibi ego aetatis 
videor? Keinem dieser Beispiele ist Trin. 1090 ähnlich: hoc aetatis 
würde hier erfordern entweder hoc ego aetatis oder qui hoc aetatis 
sum fui exercitus; dagegen ist fui hac aetate exercitus gesagt wie 
Bacch. 30 ne istac aetate me sectere gratiis, 1163 tun amator istac 
fieri aetate audes? Merc. 982 temperare istac aetate istis decebat arti- 
bus 1 ), Most. 1148 sapere istac aetate oportet, Caecil. v. 29 R. sentire 
ea aetate eumpse esse odiosum alteri: in allen Fällen ist istac aetate 
adverbiell wie dort hac aetate. Niemand darf behaupten daß Plautus 
istac aetate sagen durfte, hac aetate nicht durfte ; er hat auch einmal 
istuc aetatis gegen fünfmal istac aetate. Somit geben unsere Hand- 
schriften die plautinische Form des Verses, die Variante des Nonius 
eine zwar altertümliche aber sonst wenigstens aus Plautus nicht zu 
belegende Fassung. 

Pseud. 228 steht in A und P: 
nisi ho die mi ex fundis tuorum amicorum omne huc penus adfertur, 
vorher ging v. 178 nam nisi mihi penus annuos hodie convenit (wo 
penus annuus oder annuus penus außer AP die grammatische Über- 
lieferung bezeugt). Charisius bemerkt dazu p. 74: penus quo modo 
debeat declinari incertum est. nam Plautus in Pseudulo eodem ferc 
loco et masculino genere dicit hie penus et neutro hoc penus. Die 
Überlieferung ist also alt, aber die Sache sehr unwahrscheinlich. 
Plautus hat den Nominativ nur an diesen beiden Stellen, aber den 
Accusativ penum 4 mal, den Ablativ penu Capt. 472, den Genetiv 
peni Trin. 254 und gleichfalls Pseud. 608. Zweifelhaft ist nur 
Capt. 920, wo in P zu lesen ist dicam ut sibi penum aliud ornet, 
siquidem sese uti volet; das wäre hoc penum, wie es Priscian I p. 171 
für Afranius bezeugt, gleichfalls unglaublich und aus der Schreibung 
erile = erilem entstanden 2 ). Priscian (170, 20) fügt in die p. 260 sq. 

1) Im Parallelvers väcuom esse istac ted aetate his decebat noxiis hätte 
Plautus istuc aetatis gesetzt, was zu Abrahams (stud. Plaut, p. 194) Argumenten 
hinzukommt, v. 972 nam te istac aetate haud aequom filio fuerat tuo — amicam 
eripere ist istac aetate zu eripere construirt; istuc aetatis wäre besser. Bacch. 1079 
fui ego illa aetate et feci illa omnia gehört illa aetate nicht zu fui sondern zu 
fui et feci. Ter. Hec. 747 nam neque Me hoc animo erit aetatem neque pol tu eadem 
istac (ista A) aetate ist zu verstehen eadem istac aetate aetatem eris: ovt' sxeTvog 
toiovrog diä ßiov sotai ovrs ov rrjXixavrt}. 

2) v. 329 R. vos quibus cordist inträ tunicam manus laeva , (at) dextra in 
penum erilem, die von Ribbeck erkannten Anapäste auch ohne Umstellung. 
Ter. Eun. 310 cum in cellulam ad te patris penum omnem congerebam clanculum 
Bembinus und CP mit Priscian, die ältere Calliopiusrecension omne f eine 



-w - c 307 

wiederkehrende aus Caper (260, 18 citirt) stammende Gruppe von 
Beispielen für die 3 genera von penus den Vers in der Form dicam 
seni curet sibi aliud penus ein, aus dem Gedächtnis, mit der aus 
Horaz und den Archaisten geläufigen Form in s. Wir müßten das 
wohl hinnehmen, wenn nicht der Ambrosianus Richtigeres lehrte; 
da steht dicam ut sibi penum ali..adorn[et], was Studemund wegen 
des folgenden hie zu alibi ergänzt hat. Sicher verträgt dieser Vers 
nicht aliud, zeigt aber wie aus dem richtigen alium adornet das 
aliud ornet entstanden ist. Aus dieser Corruptel stammt Priscians 
Zeugnis, das er wie gesagt der aus Caper stammenden Gruppe von 
Belegen hinzugefügt hat. So verliert omne penus seine Stütze; es 
scheint mir bewiesen daß dies omne von omnis nur graphisch ver- 
schieden ist. Die Überlieferung ist alt, denn wenn auch das Zeugnis 
des Charisius nicht aus Caper stammt, scheint es doch nicht aus 
eigener Lektüre hinzugetan zu sein. 
Zu Cure. 366 sq. 

atque aliquid prius obtrudamus, pernam sumen glandium, 
haec sunt ventris stabilimenta, pane et assa bubula, 
poculum grande, aula magna, ut satis consilia suppetant, 
wo die Handschriften panem geben, bezeugen Nonius p. 218 (panis 
consuetudine masculino genere appellatur, neutro Plautus in Gurcu- 
lione) und Charisius p. 90 (panis masculino genere dicitur, nam etsi 
neutro genere Plautus dixit, tarnen vitiose) ausdrücklich das Neutrum 
pane 1 ). Einen andern Beleg dafür gibt es an keiner Stelle, Plautus 
hat 5 mal den Accusativ panem und Pers. 471 binos panes: ist jenes 
pane glaublich? Aber es ist alte Schreibung und wurde von dem 



Variante die Donat bezeugt. Umgekehrt Most. 1110 cerebrum omnem die Hand- 
schriften. 

1) Aus derselben Quelle hat es Arnobius I 59: nonne alias haec utria, alias 
dicitis hos utres, caelus et caelum, non item pileus et pileum, non item crocus et 
crocum, non item fretus et freturn? non item apud vos est positum hoc pane et 
hie panis, hie sanguis et hoc sanguen, candelabrum et iugulum ratione eadem 
iugulus et candelaber? Er redet nicht von der lebendigen Sprache, sondern von 
der großen heidnischen Litteratur, wie der ganze Zusammenhang lehrt und 
die Worte mit denen er die angeführten einleitet: stribüigines et vos istas libris 
Ulis in maximis atque admirabilibus non habetis? Die Beispiele kehren außer 
dem seit neronischer Zeit üblichen iugulus sämtlich bei Nonius, Charisius, 
Priscian, mehrere bei zweien von ihnen wieder, die meisten aus der archai- 
schen Litteratur bezeugt, sie sind einem Lehrbuch gleicher Art entnommen. 
Jenes pane ist also kein Beleg für weitere Existenz als an der einen Plautus- 
stelle. 

20* 



308 V Auslautendes s und m 

Sammler der dubia genera, von dem Nonius und Charisius ab- 
hängen, für wohl bezeugt gehalten 1 ). Darin liegt die Wichtigkeit 
dieser Schreibungen; denn wie in mehreren A und P übereinstimmen, 
so bedeuten die Zeugnisse der Grammatiker, wenn nicht ein Auto- 
schediasma eines einzelnen vorliegt, nichts geringeres als daß diese 
Lesarten die des Probus waren ; und so dürfen wir die Schreibungen 
selbst als authentisch ansehen und als Zeugnisse für das Schwinden 
des s in Aussprache und Schrift nicht nur vor Consonanten ^. 

In dieselbe Reihe gehört Mil. 685 

nam bona uxor suave ductust, si sit usquam gentium 
(Sita deductust P). Die Construction muß persönlich sein, wie 
Mil. 101 qui est amor cuttu optumus, Stich. 59 servos is habitu hau 
probust. Trin. 679 facile est inventu, datur ignis bedeutet facilis 
est; Poen. 238 modus omnibus rebus, soror, Optimum est habitu ist 
der Vers durch optimus hergestellt, ein Reizianus zwischen dem 
baccheischen und jambischen Tetrameter 3 ). suavei in der Inschrift 
des Protogenes oben S. 288 4 ). 

Merc. 880 sind in corrupter, aber im wesentlichen hergestellter 
Umgebung die Worte 

caelum ut est splendore plenum 
(splendore est CD) gegen jeden Verdacht gesichert. Nur der Ab- 
lativ ist falsch: dieser eine Fall steht 26 plautinischen Versen gegen- 
über, in denen zu plenus der Genetiv tritt. Loch de genetivi apud 
prisc. script. Lat. usu p. 22: non dubito quin illo quoque loco, quo- 
modoeumque versum emendes, genetivus restituendus sit; man braucht 
auch hier nicht zu emendiren, sondern nur die überlieferte Schreibung 
richtig zu verstehen 5 ). 

1) Vorher hat Nonius ventris, die Handschriften ventri ; das ist minder alt. 
[CIL. III 14114, 13 pauperis cena pane vinu radic (d. h. panis vinum radicula) 
auf zwei Tonlampen aus Rätien in Wien, die eine abgebildet als Titelvignette des 
Eranos Vindob., vgl. R. v. Schneider S. 386; CIL. VI 10234, 14. 16 dividerentur 
sportulae vinu pane; vgl. die Inschriften mit dedit (und ähnlich) pane vinu, pane 
et vinu bei Diehl de m finali S. 213.] 

2) CLE. 103, 10 omne flos : in dieser Zeit neutrum, vgl. Ihm Pelagon. ind. 
[Mulom. Chir. p. 302 O.] 

3) Ad Herenn. III 22 utile est ad firmitudinem sedata vox in principio geht 
das Neutrum dem nomen voraus wie in triste lupus stabulis, dulce satis umor. 
Auf anderem Brett steht earum rerum aliquid, vgl. Marx Ad Herenn. p. 170. 

4) Stich. 736 m4a suavis amabilis. 

[5) umore, citeriore u.a. S. 304 A. 4. — Poen. 246 invenustate (plenae)? 
~~ Naevius tr. 16 vicinum Aquüone ortum, vgl. De trag. Rom. p. 6 sq. — Pom- 
pon. 13 ad mölam fulhme Nonius Hdss.] 



-is -e ; -us -um 309 

Hier kann ich anfügen Bacch. 401 

iüstus iniustus, malignus largus, conus incommodus, 
wo B von erster Hand comincomodus schreibt, CDS 2 commodus in- 
commodus. Für die Bedeutung von comis habe ich zur Stelle Belege 
angeführt 1 ). 

Der Übergang von -is zu -e geschieht nach Verlust des s durch 
eine Affektion der Aussprache; dagegen wenn -us zu -um wird, so 
ist es nichts als eine Verwechselung der beiden Endsilben, die in 
gleicher Weise ihren Endconsonanten eingebüßt haben. So ist 
Most. 1124 der Versschluß ludificatus sit, gesprochen ludificatu, ge- 
schrieben ludificatum sit; Merc. 385 ist amicus amicis, gesprochen 
amicu, in B geschrieben amicum amicis 2 ). Der Erfolg aber ist der- 
selbe, daß ein Nomen, dessen -us zu -um wird, als Neutrum er- 
scheint. So sind eine Menge Genusverwechselungen in späten oder 
plebejischen Inschriften entstanden, monimentus, eollegius, hunc sepul- 
crurn, fheatrum, hoc tumulum, titulum und dergl., und ich meine, daß 
dieser Fingerzeig uns auch in der plautinischen Überlieferung auf 
ursprüngliche -us, die als -u zu lesen sind, führen wird, und zwar 
vor Vokal; denn wo -um vor Consonanten für -us steht, ist es 
natürlich längst emendirt. 

Wir haben oben gefunden, . dafö die überlieferte Construction 
Bacch. 90 tu nullus adfueris durch ähnliche Stellen {nullus venu, 
nullus creduas) gestützt wird, während Cas. 795 Rud. 1135 
qui amat tarnen hercle, si esurit, null/im esurit. 
nullum ostenderis. si falsa dicam, frustra dixero 
geschrieben ist; an beiden Stellen haben ältere Kritiker nullus 
verlangt; ich glaube jetzt sagen zu können, daß nullum für nullu 
für nullus geschrieben ist 3 ). 

Men. 865 ist überliefert 
iam adstiti in currum, iam lora teneo, iam stimulwm in manust. 
stimulum steht ganz auf derselben Stufe wie hoc tumulum, hoc 
titulum*); da wir es aber nicht mit dem Fragment eines sonst Un- 
bekannten zu tun haben (Asin. 418 utindm nunc Stimulus in manu 
mihi sit, Cas. 360 Stimulus ego nunc sum tibi), erledigt sich dies 

1) Vgl. Merc. 773. 

2) CLE. 613, 5 set qui dolor abs te nobis, Harmonia Bufina, r dictum est. 

3) Most. 388 nulluni sum, von B corrigirt. 

4) [Corp. gl. VII 294.] hoc pugnum der Traktat de dubiis nominibus p. 587 
zu Capt. 796 (pugnus die Handschriften und Nonius). 



310 V Auslautendes s und m 

Neutrum von selbst. Ritschi schrieb Stimulus iam in mannst, Brix 
iam stimulum in manu, Götz und Scholl (ed. min.) iam lora teneo, 
iam stimulum: in manust: alle drei Änderungen sind nur scheinbar 
leicht, in der Tat zerstören alle drei den Stil, die erste indem sie 
die Anaphora, die zweite indem sie den mit ihr verbundenen 
Parallelismus der Verba (teneo — in mannst) aufhebt, die dritte, 
indem sie eine falsche Steigerung oder einen nicht vorhandenen 
Gegensatz in die Worte legt. Der Vers ist recht bezeichnend für 
den häufigen Fall, daß nur die Überlieferung gut ist und man nur 
zuzusehen hat sie grammatisch aufzuklären. 

Rud. 888 

nam in columbari Collum haud multo post erit. 
Plautus kennt nur collus; Amph. 445 haben die Handschriften Collum, 
aber Nonius bezeugt Colins. Ebenso an unserer Stelle: Priscian I 
p. 150 citirt den Vers mit collus. Mehr als das: Nonius p. 200 
citirt collns für eine Reihe von Dichtern von Naevius bis Varro 
(Men. frg. 500), aber Collum kommt vor Varro (der in den Menippeae 
beide Formen hat, frg. 372 Collum) und Cicero (z. B. de nat. deor. II 
125 colla) überhaupt nicht vor; von da an ist es die giltige Form 
(nee collos mihi Calvus persuaserit, quod nee ipse iam diceret Quin- 
til. I 6, 42), und Fronto glaubt etwas zu tun wenn er collos schreibt 
(p. 38). Auch hier hat Meursius collus als richtig erkannt und 
Fleckeisen wollte es durch die Umstellung halten : collus in columbari. 
Aber das zerstört wieder den Witz des Verses, der in der Parono- 
masie in collumbari collus liegt: Analogien dazu habe ich zur Stelle 
angeführt. Es bleibt nichts übrig als collus anzuerkennen, wie es 
in der Ausgabe stand, aus der das Citat Priscians stammt 1 ). 

Mil. 506, wo sinnlos überliefert ist 

quodque inde inspeetavisti meum apud me hospitem, 
amplexwn amicam quom osculabatur suam, 
hat Bothe amplexam geschrieben, Bugge amplexnm amica cum oscu- 
labatur sua. Das Passiv wäre nicht besonders bedenklich 2 ), aber 



1) Dies hat Skutsch Forsch. S. 168 richtig gesehen. Ich habe es schon 
im J. 1887 vorgetragen. Ich lege natürlich keinen Wert auf die Priorität und 
erwähne dies nur weil ich viele ähnliche Bemerkungen anderer, die auf meine 
Vindiciae gefolgt sind und nur das Tatsächliche enthalten, nicht erwähne. 

2) Obwohl Plautus sonst nur die deponentialen Formen kennt (Langen 
Beitr. S. 65). Poen. 1230 amabo atque amplexabor A, wo mit P amplexabo zu 
schreiben falsche Anwendung eines richtigen Grundsatzes ist. circumplecto 
(Asin. 696, Cato de agri eult. p. 33, 17 K.) hat sich erst später nach Analogie 



•us -um 311 

es trifft wieder zu, daß die Conjectur den einfachen und natür- 
lichen Ausdruck steif und gezwungen macht; zu osculabatur muß 
das Participium persönlich construirt sein. Schon Guyet verlangte 
amplexus, und es scheint mir das einzige dem Stil angemessene 
zu sein. 

Epid. 213 (mit 214 setzt A ein): 

tum meretricum numerus tantus, quantum in urbe omni fuit, 
obviam ornatae occurrebant suis quaeque amatoribus. 
Die Construction ist für Plautus nicht möglich, quantum est 1 ) wird 
ohne Beisatz (Bacch. 1170 senex optume, quantumst in terra) oder 
zum nom. plur. (Pseud. 37 at te di deaeque quantumst, Aul. 785, 
Poen. 433 2 ), Ter. Heaut. 810, vgl. Pseud. 534 in omnes (dies) quan- 
tumst, Pompon. v. 1 29) oder zum genet. partit. (Capt. 836 quantumst 
hominum optumorum optume, Merc. 663, Rud* 706, Ter. Phorm. 853, 
Caecil. v. 253, vgl. Pseud. 169) immer mit gleicher grammatischer 
Geltung gesetzt; so konnte Plautus sagen meretriees oder meretricum 
quantum fuit, aber nicht meretricum tantus numerus quantum fuit; 
die Correlation von tantus quantus ist immer genau 3 ), das zusammen- 
fassende Neutrum quantum est würde ohnedies durch numerus tantus 
nur abgeschwächt, quantus, wie die Itali corrigirt haben und 
Merula edirt hat, ist allein zulässig. 

von amplecti zum Deponens ausgebildet. Rud. 816 amplectitote crura fustibus 
wird erst richtig verstanden wenn man die Bedeutung ins Auge faßt, die das 
Verbum hier hat ; ich möchte sagen es gehört gar nicht zu plecto nUxco, sondern 
zu plecto 7i?,rjoo(o\ aber man wird der Absicht des Dichters wohl eher gerecht, 
wenn man es als Wortspiel mit Anklang von ampkctor 'umflechte* an plecto 
'schlage 1 auffaßt (vgl. Capt. 652 amplecti crura von den Fesseln, Rud. 732 item 
ego .vos virgis circumvinciam). So bedeutet Pers. 737 se inclinare c sich auf die 
xMvrj legen', ohne daß doch das Wort etymologisch zu hUvyj gehörte, so klingt 
Mil. 34 peraurienda an peraudienda und perhaurienda an, so sagt Ennius 
Priamo vi vitam evitari, so Turpilius (202) quibus rebus vita amantum invitari 
sölet usw. 

1) Vgl. Ussing zu Aul. 778, Lorenz zu Pseud. 339. 

2) neque nubes omnes quantumst nach neque quantum aquaist in mari. 

3) tantum quantum quis Most. 527, Pseud. 1 236, Epid. 309, tantum — quan- 
tum Capt. 777, Aul. 119, tanti — quanti Merc. 490, Bacch. 821 , tanta quanta 
Cist. 493, tanto — quanto Amph. 548, Capt. 781. [Heraeus macht mich auf 
folgende Beispiele unregelmäßiger Entsprechung aufmerksam: Cato a. c. 114 
quantum putabis ei rei satis esse vini, tot vites ablaqueato, Prop. 1 12, 3 tarn multa 
illa meo dimsa est milia lecto, quantum Hypanis Veneto dissidet Eridano, Liv. XXII 
1, 18 peeunia conlata quantum conferre cuique commodum esset. Der Satz Catos 
unterscheidet sich wesentlich von Epid. 213 dadurch daß quantum voransteht, 
alle drei dadurch daß tantus nicht im Satze erscheint.] 



312 V Auslautendem s und m 

Merc. 271 steht in A: sed conticiscam, nam eccum it vicinus 
foras; daran ist nichts auszusetzen. Aber die Fassung des Verses 
in F macht nachdenklich: 

sed conticiscam. \icinum eccum exit foras. 
Dies ist eine ganz plautinische Ausdrucksweise, aber sie erfordert 
den Nominativ des Nomens 1 ). vicinus steht in I) von erster Hand, 
das ist nicht Überlieferung, aber Plautus kann nichts anderes ge- 
wollt haben, wenn diese Passung von ihm herrührt, und unter den 
vorliegenden Umständen ist wenigstens das Gegenteil nicht zu be- 
haupten. Vgl. zu Capt. 1005. 

Während die Formen in -e, wie wir gesehen haben, vielfach 
durch die auf Caper und Probus zurückgehenden Sammlungen der 
Grammatiker bezeugt, also als alte und vielleicht in dieser Form 
auf Plautus selbst zurückgehende Schreibungen erwiesen sind, ist 
-um für -us weder plautinische Schreibung noch durch Grammatiker 
bezeugt, aber doch in den letzten Jahrhunderteu des Altertums 
entstanden und alt genug, um die Überlieferung der Palatini in 
einer Reihe von Stellen zu beherrschen; an der zuletzt besprochenen, 
wo A dazutritt, ist es denkbar, daß die Variante in A dadurch ent- 
standen ist, daß der Herausgeber die Lesart von P vorfand und 
corrigiren wollte 2 ). 



1) Niemeyer de PL fab. rec. dupl. S. 6 ff., vgl. Bach S. 407. 

2) rursus rwsum s prorsus prorsum und die ähnlichen Doppelformen aus 
Vermischung des Auslauts zu erklären geht wegen des Alters dieser Bildungen 
nicht an, es sind verschiedene Casus, in keiner guten Zeit hat sich der Unter- 
schied von auslautendem m und s verwischt. Ob arvorsu der Haininschrift 
von Luceria arvorsus oder arvorsum bedeuten soll, ist nicht auszumachen, da 
die Inschrift sonst den Auslaut sehr treu bewahrt. Die Verwechselungen "von 
prorsum und prorsus und dergl. in der Überlieferung sind dagegen durch die 
Unsicherheit des Auslauts hervorgerufen. Pers. 677 prorsum in navem CD und 
wahrscheinlich A, prorsus B; Capt. 656 sursum vorsum os subkvere B, versus 
EV (susum versus Varro de 1. 1. IX 65, de re rust. p. 171, 1, deosum versus de 
1. 1. IX 86, wie er VII 81 transversum non proversus citirt. Lucr. V 447 sq. sor- 
sum — seorsus); oft wo der Vokal nicht ins Spiel kommt; oder rursum zwei- 
silbig vor Vokal: Aul. 649, vgl. Amph. 797. Men. 487 adversum sit aus corri- 
girtem adversum it Cas. 344 necessu est B für necessum est (VE), s. S280 A. 
Bei Terenz hat Hec. 534 der Bembinus advorsus, Call, advorsum, Ad. 71 die ältere, 
Phorm. 538 die jüngere Calliopiusrecension rursus = rursum, Ad. 520 die ältere 
prorsus = prorsum, Phorm. 190 Bembinus und Calliopius protinus statt pro- 
Unam ; s. S. 264 A. 2. 



-us -um. Eunius bis Terenz 313 

7 

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts, diese Tatsache ist mit immer 
größerer Deutlichkeit hervorgetreten, war das s im Auslaut nach 
kurzem Vokal weit unbeständiger als man es anzunehmen gewohnt 
ist, und für Livius Naevius Plautus wird man sich entschließen 
müssen , die Grenzen des Gebrauchs über die Abstoßung vor Con- 
sonanten auszudehnen. Gleich nach Plautus aber ist die Regel 
festgesetzt worden, die bisher als die auch vordem giltige angesehen 
wurde; in den Versen des Ennius ist -s nur vor Consonanten un- 
beständig, er ist ohne Zweifel als der Schöpfer der neuen Regel 
anzusehen. Er verwendet die aus famulu und debile entstandenen 
Kurzformen famul debil 1 ), weil er famulu 1 infimus und debile homo 
nicht zulassen will 2 ). Von Caecilius kommt in Betracht v. 34, wo 
bei Festus überliefert ist (p. 134) iam ne adeo manta iam hoc vide 
eaecus animum, dann nach der Lücke adventus angit. Jamben sind 
unverkennbar; manta scheint mir anzudeuten, daß vorher nicht ne 
sondern das doch unconstruirbare adeo corrupt ist; der Gedanke 
ist nicht unklar, eaecus kann den Anfang des Verses oder auch des 
Kolons gebildet haben, etwa so: 

A. Iamne abeo? B. Manta. iam hoc vide, 

eaecus animum (incertat metus. ten patris) adventus angit? 3 ) 
Bei Terenz schwankt hier und da die Überlieferung. Phorm. 73 
mi usus venu hat der Bembinus evenit, Hec. 264 ut dicis animum 
indueo, der Bembinus in animum; Ad. 748 sanüm te credis esse? 
die jüngere Calliopiusrecension sanumne, Ad. 342 tdeitost opus, ah 



1) Nonius p. 95, debilo homo die Handschriften. 

2) So verhält sich mugil zu mugüis (Plinius bei Charisius p. 136, vgl. 107) 
wie animäl zu animale. 

3) Auf Grund der vollständigen Handschriften (Laudensis) könnte jemand 
geneigt sein, auch die von Cic. de or. II 257 angeführten Verse Caecil. 245 sq. 
hierherzuziehen: st tacete, quid hoc clamoris? quibus nee mater nee pater 
sit, | tanta confidentia estis? auferte istanc enim superbiam. Im ersten Verse 
haben die mutili quibus nee pater nee mater ohne sit; im zweiten lassen sie 
nicht estis fort, das zu streichen kein Grund außer dem metrischen vorliegt 
und mir sprachlich gar nicht unbedenklich scheint, sondern sie geben statt 
auferte istanc enim nur aufert in. Nun ist enim beim Imperativ schlecht, die 
Entstehung aus in leicht erklärlich ; aufert in bedeutet aufertin (wie Most. 445 
aperit in überliefert ist). Danach lauten die Verse: 

st tacete, quid hoc clamoris? quibus nee pater nee mater est, 
tanta confidentia estis? aufertin superbiam? 



314 V Auslautendes s und m 

minime gentium dieselbe celato est opus; Eun. 811 quin redeamus, 
haec tibi iam aderit die ältere redeamus haec iam tibi. Keine dieser 
Stellen beweist für Terenz, höchstens die eine oder andere für den 
Gebrauch oder die Ansicht später Zeit. Hec. 84 die mihi, Philotis, 
tibi te obleetasti tarn diu? erledigt sich von selbst (s. 8. 282); die 
mi, ubi, Philotis, te obl. gibt Donat. Ernstliche Zweifel erwecken 
könnten nur die 3 Verse 

Ad. 475 eompressu gravida faetast, mensis hie deeimus est. 

Eun. 710 etiam nunc non cred^s indignis nos esse inrisas 

modis? 

Hec. 766 verum hoc te moneo unum, qualis sim amic^s aut 

quid possiem. 
Aber wenn man die ganz anders als bei Plautus geartete Über- 
lieferungsgeschichte erwägt, so kann man nicht anders entscheiden 
als daß diese Verse durch ihre geringe Zahl sich selbst widerlegen 1 ). 
Ebenso muß man urteilen über die 3 Verse, die in den übrigen 
Resten der scenischen Poesie dieselbe Unebenheit überliefert zeigen: 

Titin. 48 edepol hominis ignavi functu's officium. 

Turpil. 210 benignitatis atque obsequelae 2 ). 

Acc. 467 vis veritafe atque acritas. 
Daß Pomponius 146 amieus amiei in der sprichwörtlichen Wort- 
verbindung beibehalten hat, habe ich oben S. 260 bemerkt, und wir 
sehen nun deutlicher, warum Terenz und Accius von der gewöhn- 
lichen Gruppirung dieser Worte abgewichen sind; anderes ist ge- 
legentlich angeführt worden. Daß Lucilius 1224 improbus omitto, 
nicht mitto, geschrieben habe, ist natürlich gar nicht anzunehmen. 
Weitere Fälle gibt es meines Wissens in der Überlieferung nicht. 

8 
Daß in einer Zeit, die der litterarischen Epoche weit voraus- 
liegt, die zur Erleichterung der Formen sich durchringende lateinische 
Flexion und Wortbildung eine Menge auslautender s endgiltig ab- 
gestoßen habe, ist eine allgemein angewendete Voraussetzung für 
etymologische Hypothesen, die zum Teil durch die Dialekte gestützt 
wird. Ich will hier nur solche Erscheinungen besprechen, die oder 
deren Nachwirkungen wir in den Denkmälern der Sprache verfolgen 



[1) Dazu kommt And. 629 genus hominum pesmmum.] 

[2) Ribbeck (ed. 3) hat mich mißverstanden, vgl. Anal. Plaut, p. 8 adn.] 



Tereuz bis Lucilius. llelativum 315 

können, denn nur um solche handelt es sich hier, und diese nur 
soweit sie die vorliegende Frage betreffen. 

In der Flexion des lateinischen Relativ- und Fragepronomens 
gehen die Formen des o und «-Stammes neben- und durcheinander. 
Das ist eine Eigenheit des Lateinischen, denn während das i- 
demonstrativum in allen italischen Sprachen eo neben i- entwickelt, 
sind im Umbrischen das relativum poi und das interrogativum-in- 
definitum pisi scharf geschieden wie im Oskischen. Das Pronomen 
in o gehört danach im Italischen durchaus dem abhängigen Satze 
an, es hat im Lateinischen ursprünglich dieselbe sekundäre Stellung 
gehabt wie in den Schwestersprachen stets 1 ). In unbestimmbar 
früher Zeit hat im Lateinischen einmal das selbständigere Frage- 
pronomen den Versuch gemacht, das schwächere Relativ zu ver- 
drängen. Es hat den acc. sing, masc, den dat. abl. plur. occu- 
pirt 2 ), es ist auch ins Neutrum eingedrungen wie das relativische 
quia*) zeigt. Wie beständig das Relativ sich wehrte, lehrt der immer 



1) Daß das Urnbrisch-Oskische , im Besitz der beiden italischen Prono- 
minalstämme, die beide (wie griechisch no- und n-) den Wert des Frage- 
pronomens gehabt hätten, die Relativconstruction für sich entwickelt und dabei 
die beiden Stämme gesondert, das Lateinische in gleicher Lage und bei gleichem 
Anlaß sie vermischt hätte, ist sehr unwahrscheinlich; die Vermischung wäre 
unerklärlich, und die Übereinstimmung der drei Sprachen in den Formen, den 
Constructionen, vor allem in den relativischen Conjunctionen beweist überall, 
daß der Relativsatz im Italischen lange vor der Trennung der Einzelsprachen 
entwickelt war, daß also das Lateinische beim Eintritt in seine Sonderexistenz 
ein reines Relativpronomen in -o besessen hat. 

2) Ich brauche nicht zu bemerken, daß quis volet, quid lubet und dergl. 
nicht Relativ ist. [Skutsch Fl. Jahrb. Suppl. XXVII 86 scheint mir Form (von 
der ich hier spreche) und Gebrauch zu verwechseln, quid lubet und pisest ist 
nur durch die mangelnde Duplikation von quidquid lubet und quisquis est ver- 
schieden. Wenn quisquis hier nicht indefinitum ist, so ist es das überhaupt 
nicht, denn im Condicionalsatz erscheint es nicht. 'Indefinites Relativ* ist nur 
ein syntaktischer Hilfsausdruck, der besagt daß das Indefinitum einen ab- 
hängigen Satz einleitet. Im Umbrischen, das die Verdoppelung nicht hat, 
tritt der unterschied zwischen pi- und po- deutlich hervor in Sätzen wie 
totar pisi heriest (VII a 52) und poi angla aseriato est (VI a 5) oder prehabia pide 
uraku ri esuna si herte et pure esune sis (Va5: die Gegenstände sind unbestimmt, 
die Personen bestimmt). Natürlich führt ein solches Nebeneinander zur gelegent- 
lichen analogistischen Vermischung, wofür es lateinische Beispiele gibt und 
umbrisch neben andern das auffallende pifi VII b 2.] 

3) Cist. 682 nunc vestigia hie si quia sunt noseitabo B l V. [quia fragend, 
vgl. Wackernagel Verm. Beitr. z. griech. Sprachkunde S. 22; Löfstedt Philol. 
Comm. zur Peregr. Aeth. S. 324.] 



316 V Auslautendes s und m 

in Schlupfwinkeln weiter lebende Dativ- Ablativ quis 1 ). Dann ist 
das Relativ erstarkt und hat nun seinerseits in das Gebiet des In- 
definitum übergegriffen und es allmählich fast ganz in Besitz ge- 
nommen; dieser Prozeß vollzieht sich in der Zeit, die wir über- 
sehen können. Wo er eingesetzt hat, ist schwerlich zu entscheiden; 
vermutlich im Genetiv und Dativ, wo quoius und quoiei den ver- 
schwundenen Formen des i-Stammes sehr ähnlich sind 2 ) und in der 
einsilbigen Aussprache zusammenfließen; für quorum bezeugt Servius 
z. Aen. I 95 aus Cato (declinavit ques quiurn) und Charisius im Para- 
digma 3 ) den zu quia gehörigen Genetiv quium cuium*): qaes für 
quos quas bezeugt auch Priscian II p. 9, vgl. Sergius G. L. IV p. 502, 
15. Der Ablativ qui aliqui quiquam bleibt neben quo; das zum 
o-Stamme gehörige femininum beginnt erst in der plautinischen 
Sprache. Das neutrum aliquod ist Men. 765 verdächtig, unver- 
dächtig, wenn ich nicht irre, nur in dem Verse Truc. 53 5 ), dagegen 
findet sich adjektivisches aliquid Men. 847 ni occupo aliquid mihi 
consilium wie Vidul. 67 nisi quid ego mei simile aliquid contra con- 
silium paro, Truc. 425 non audes aliquid (aliquod CD) mihi dare 



1) In der älteren Litteratur fast verloren (vgl. Müller Pros. Nachtr. S. 82, 
Engelbrecht Stud. Ter. S. 40: überliefert Most. 1040 Cure. 552 Amph. 44, Ter. 
And. 630) taucht der Dativ- Ablativ quis bei Lucilius (4 mal), dann bei Varro, 
Sallust, in Ciceros Briefen und gleichzeitig bei Lucrez und Catull wieder auf, 
lebt dann in Horazens Satire und im Epos Vergils und der folgenden, während 
die feineren Stilarten ihn entweder perhorresciren, wie Horazens Lyrik, Vergils 
bueolica, oder vermeiden wie die Elegie. Es ist offenbar eine der Formen, die 
in der Sprache des Lebens immer geblieben sind; in der Zeit des Plautus und 
Terenz in niedriger Sprachsphäre, dann in den gebildeten Umgangston reeipirt, 
dann in die Poesie, bald als ein Wort der Umgangssprache (Catull, Horaz), 
bald als ein Wort altertümlichen Klanges, das sich in höheren Stil schickte 
(Epos). Endlich in der Poesie und Prosa der späteren Jahrhunderte ist die 
Form sehr häufig, sie ist nun ein Requisit der Kunstsprache, fließt aber auch 
dem unbefangen Schreibenden in die Feder. 

2) quius (quiius) quii wurden auf kürzerem Wege zu cuius cui als die 
Formen des o-Stammes. Es ist mir sehr fraglich ob man berechtigt ist, quoius 
quoiei im interrog.-indefin. bei Plautus ohne weiteres einzusetzen (quius gen. 
interrog. Pers. 648 .4). Varro de 1. 1. VIII 50 quis quem cuius — quis cui (F). 
Der Dativ qui konnte sich neben dem Nominativ des o-Stamines nicht halten. 

3) p. 162 infinita masculina singulariter : quis cuius cui quem qui a quo, 
pluraliter: ques cuium quis ques quis a quis; richtig p. 91 quibus zu ques. 
Vgl. 162, 7. 

4) Trin. 534 quoium B, cuium A im Relativsatz. 

[5) Das seltsame malum quod Most. 655 Pseud. 1130 Amph. 563 und Ter. 
Phorm. 976.] 



Tndefinitum 3t 7 

munusculum (munusciuilim B> munus ciuilium CD) i ). In die Frage, 
die uns hier beschäftigt, schlägt der nominativus singularis ein; bei 
Plautus beginnt die Vermischung von quis und qui 2 ). Hier haben 
wir es nicht mit bloßem Abfall des s, sondern scheinbar mit der 
Ersetzung der einen Form durch die andere zu tun, des Indefinitum 
durch das Relativum. Die Ersetzung ist durchgeführt in quivis qui- 
dam quilibet quicurnque, während quisque*) quisquis quisquam quis- 
piam bleiben, d. h. die Consonantenverbindungen sv sd sl haben 
zum Lautwandel geführt, sq sp nicht. Nur quicumque klärt sich 
auf diese Weise nicht auf, wohl aber wenn man bedenkt daß qni 
und cumque im Satze auseinandertreten dürfen; daß es wahres in- 
definitum ist (pisipumpe) bezeugt Charisius p. 91 (Cato quescumquc)*). 
Von quidam, quilibet usw., deren Länge wie die von idem zu er- 
klären ist, kann sich die Länge auf qui für qms übertragen haben, 
gefördert durch die steigende Vermischung der -i und -o Formen. 
Allmählich, als das 8 wieder fest wurde, hat sich quis in der sub- 
stantivischen, das schon durchgedrungene qui in der adjektivischen 
Verwendung differenzirt. Für Plautus kann man zwischen qm (das 
mit dem hochtonig auslautenden i nicht zu que sinken durfte) und 
qui noch keine scharfe Grenze ziehen; das bloße Abstoßen des s 
ist so möglich wie das Eindringen der relativischen Form, und qui 
der Handschriften für quis in quis illie est und dergl. 5 ) ist nur 
graphische, nicht Formverschiedenheit. Cure. 648 ist überliefert 

ego pertimesco. tum ibi me nescioqu/s arripit, 
aber für tum ibi ist terenzisches ibi tum keine genügende Stütze"), 
und tum wird mit Recht gestrichen. Auch Mil. 427 ist Synalöphe 
von quis ego im Versanfang unglaublich. Dagegen aliqui für aliguis 
gibt es in altem Latein nicht außer Stich. 67 siquis me quaeret, indr 

1) Studemund Verhandl. der Phil.- Vers, zu Karlsruhe S. 52. Öfter bei 
Juristen: Neue -Wagener II 478. [Dazu Berliner Papyrus Hermes XXXII 633 
aliquid auxilium. Ferner Caelius an Cicero VIII 3, 3 aliquid avvtayfia und 
aliquid ex tarn multis tuis monumentis (vgl. Hermes XXXVIII 306); Quintil. decl. 
min. 258 p. 53, 14 aliquid Privilegium der Montep. von 1. Hand.] 

2) Die Sammlung von Neue -Wagener II 430 hat Seyffert Berl. phil. 
Wochenschr. 1893 S. 277 ff. ergänzt. 

3) Cas. 524 geht quique = quisque aus der Überlieferung hervor, queique 
tab. Bant. ; CLE. 245 vive laetus quique vivis (nur in Abschrift erhalten). 

[4) Dies verträgt sich übrigens mit Skutschs Erklärung des Worts in der 
S. 315 A. 2 angeführten Abhandlung]. 

5) Seyffert stud. Plaut. 27 A. 20. 

6) Vgl. Abraham stud. Plaut, p. 210. 



318 V Auslautendes «und m 

vocatote dliqui, aut iam egomet hie ero, und hier kann aliqui nur als 
Variante der Schreibung für aliquis aufgefaßt werden *) ; das Gegen- 
stück ist Truc. 102 (anapästisch) 

unüs eorum aliquis osciilum amicae usque oggerit dum illi 

agant ceteri eleptae, 
wo aliquis osculum notwendig verschmilzt. 

In quoimodi, quoivismodi, euieuimodi ist quoius cuius durch den 
Tonanschluß zu quoi cui gesunken; ferner ist quoi für quoius über- 
liefert Trin. 1126 und in P Most. 962 (cuiius Ä), cui in B Mil. 1081 
(cuius CD). Daß das s von quoius zum Abfallen neigte, beweist 
zum Überfluß Mil. 1278 huius sunt in der Diärese des jambischen 
Septenars; aber ein einsilbiges quois vorausgesetzt ist es bedenklich, 
den Abfall des s nach dem Diphthong anzunehmen; und in der Tat 
gibt es für eine Form quois nicht mehr Beweis als für eine Form 
naus, d. h. Beweis gibt es nur für die Synizesis, nicht einmal für 
die Schreibung; jenes quoi, das nicht anders steht als einsilbig ge- 
sprochenes quoius, kann ich nur als eine unrichtige Übertragung von 
quoimodi aus betrachten. 

Ich streife damit schon die Frage nach zweisilbigem illius 2 ). 

1) Men. 674 äperite atque Erotium aliquis evocate ante ostium: aliqui B. 
Adjektivisch Cato de agri eult. p. 102, 7 aliqui morbus. 

[2) Diesen Abschnitt über illius habe ich gekürzt und verändert, da ich 
mich überzeugt habe, daß die Kürzung des ersten i ohne Wirkung des Hoch- 
tons nicht zu begründen ist (vgl. Skutsch riqag S. 124 ff., Ahlberg De corr. 
iamb. S. 79 ff.; Birt Rhein. Mus. LI 240 ff, Radford Am. Journ. XXVII 418 ff. 
XXVIII 11 ff. haben mich nicht überzeugt; die Beobachtung von Marx Ber. 
Sachs. Ges. 1907 S. 164 ff. ist sehr beachtenswert, kann aber auf illius nicht 
ohne weiteres angewendet werden); 'zweimoriges' illa und illud ist in ver- 
schwindend geringer Zahl und wohl nur durch leichte Corruptel überliefert 
(Pers. 232 müitia illa, Trin. 809 lepida Mast, Epid. 714 illuc non, Most. 280 illuc 
est, sonst iUaec, illuc, vgl. Skutsch Forsch. S. 116 f.), das sehr häufige zwei- 
morige illic verlangt also seine eigene Erklärung, die wohl Skutsch gegeben 
hat. Damit fällt die Bedeutung der Kürze des Endungs-i für diese Frage. Ich 
würde den ganzen Abschnitt gestrichen haben, wenn für Ulis ein Zeugnis vor- 
handen oder die Begründung sicherer wäre, zumal auch der Abwurf des s nach 
i nicht dafür spricht (wenn auch nicht unbedingt dagegen, sofern der Abfall 
des s vom Wortanschluß herzuleiten ist, vgl. Skutsch über refert W. Arch. 
XV 47 ff.). Unter diesen Umständen habe ich meine modificirte Auffassung 
hier vorgelegt, obwohl ich ihre Lücken sehe (Fehlen von illi modi bei 
Plautus, die beiden Verse des Terenz S. 320 A. 2). Die Frage muß eben, 
wie andere in diesem Kapitel behandelte, weiter auf allen, womöglich auf 
neuen Wegen untersucht werden. — Da die Erörterung über die Positions- 
länge fortfiel, hing die Anmerkung (S. 291 ff. der 1. Auflage) über die Silben- 



Indefinitum. illius 319 

Luchs hat mit seiner Theorie (Studemunds Stud. I 319 ff.) all- 
gemeine Zustimmung gefunden, sie ist in die Schulcommentare über- 
gegangen und noch neuerdings von Skutsch (Plaut, und Rom. S. 102) 
als eine außerhalb der Diskussion stehende Tatsache behandelt 
worden. Luchs führt Uli auf ein aus illius durch Synizesis ent- 
standenes Ulis zurück [Skutsch (s. u.) auf eine mit osk. eiseis zu 
vergleichende Nebenform illts]. Aber Uli aus Ulis entstehen zu 
lassen geht wenigstens ohne weiteres nicht an; es müßte denn die 
Unbeständigkeit des s nach langem Vokal für Plautus zuvor er- 
wiesen werden, ein Punkt auf den ich unten zurückkomme. In- 
dessen wäre für die Verse, um die es sich handelt, eine conso- 
nantisch auslautende Form vielleicht entbehrlich; es sind die folgen- 
den Verse, in denen "zweisilbiges" illius vor Vokal steht: 

Epid. 447 suas pügnas, de illius illae fiunt sordidae. 

717 ain tu te illius invenisse filiam? inveni, et domist. 

ßacch. 494 Mnesiloche, hoc tecum oro, ut illius animum 

atque ingenium regas. 

Capt. 39 huius illic, hie Ulms hodie fert imaginem. 

Merc. 48 lacerari valide suam rem, iliius augerier. 

(276 atque illius haec nunc simiae partes ferat /*) *). 

kürzung in der Luft. Ich hätte sie ohnedies nicht halten können. Skutsch 
hat (regas 108 ff.) bewiesen, daß die kretischen Wörter ihre Auslautsilbe kürzen 
können, auch wenn sie naturlang ist. Damit ist die Möglichkeit der 
Kürzung auch anderer naturlanger Silben, auch wenn sie nicht zweite 
Silben eines jambischen Wortes oder Wortcomplexes sind, gegeben; und 
damit treten eine Reihe überlieferter Einzelfälle und Gruppen in sich 
gleichartiger Fälle in ihr unbestreitbares Recht. Es bleiben aber sehr ernst- 
liche Fragen, deren wichtigste (Skutsch streift sie nur S. 118, vgl. Sat. Viadr. 
S. 124) ich hier hervorhebe. Die überwiegende Masse der Kürzungen an- und 
inlautender Silben trifft positionslange Silben. Mustert man das von Ahlberg 
de corr. iamb. vorgelegte Material (er führt auch die handschriftlichen Cor- 
ruptelen auf) und sondert die haltbaren Fälle aus, so bleibt die Zahl der 
naturlangen gekürzten Silben ganz auffallend gering gegen die positionslangen. 
Die lateinischen Wortformen mit an- oder inlautender Naturlänge sind nicht 
weniger zahlreich als die mit Positionslänge; ganze Kategorien kommen gar 
nicht vor, andere in vereinzelten Beispielen, deren Zulassung den stärksten 
Bedenken unterliegt. Dies führt nicht zu unmittelbaren Folgerungen, aber es 
ist ein Symptom, das man nicht mit der Wendung beseitigen kann, den 
Dichtern sei die Kürzung der Naturlänge 'minder genehm' gewesen, ein Symptom 
dafür, daß hier noch ungelöste oder auch unaufgeworfene Fragen liegen. — 
Andere neue Fragepunkte stellt unter dem Gesichtspunkt des Accents Wallstedt 
Stud. Plaut. K. I auf.] 

1) Bacch. 487 ut opino illius inspeetandi mi esset maior copia ist zu un- 



320 V Auslautendes s und m 

In diesen Versen ist, wie man sieht, illius möglich, wenn das s 
abgestoßen wird. So fiele der Anhalt, den die Überlieferung für 
eine Form Ulis zu bieten scheint 1 ). Folgende Verse würden, da 
illius vor Consonanten überliefert ist, durch die Form Uli geheilt sein: 

Cure. 413 libertus illius, quem omnes Summanum vocant. 

Merc. 657 adeo dum illius te cupiditas atque amor missum 

facit. 

Mil. 1 1 70 ita volo assimulare, prae illius forma quasi sper- 

nas tuam. 

Pseud. 1091 memini. em illius servos huc ad me argen- 

tum attulit 2 ). 
Den ersten dieser Verse könnte man durch libertu' erklären; die 
3 übrigen verlangen eine andre Erklärung, da Ritschis Ulms nicht 
standhält: auch wenn man -%us ansetzt (das, wie Luchs bemerkt hat, 
auffallend erweise vor Lucilius nicht sicher steht), ist doch %tt- in 
hochtoniger Stellung nicht zu begründen. 

Uli ist bezeugt: Priscian I 228, 3 Uli pro illius Cato in M. Cae- 
liurn: ecquis Uli modi esse vult? das heißt illimodi ist bezeugt, das 
heißt die Verbindung in der auch quoimodi auftritt. Und Priscian 
fährt fort: idem de moribus Claudi Neronis isti pro istius: — isti 
modi uti tu es, d. h. istimodi. Wenn wir nun die plautinischen Bei- 
spiele ansehen, die Luchs für 'isti in Anspruch nimmt (S. 371), so 
finden wir in sämtlichen istius modi (Epid, 119 Merc. 144 Most. 746 



sicher (da ut opino(r) so nicht gut ist). Mil. 986. 987 Mimt, auch Aul. 35, wenn 
man viersilbiges avonculus annimmt. 

1) Für istius und die übrigen liegt kein Fall mit Luchsschem istis vor. 

2) Pseud. 1169 ist nur üUus möglich. Über Terenz s. u. Ad. 572 ist der 
Daktylus ÜUus hominis im Anfang des Septenars statthaft (denn für Terenz 
ist gewiß -ius anzunehmen), ebenso Hec. 232, im Anfang des Senars illius, de 
illius usw. Andr. 810, Heaut. 83. 129, vgl. 205, Hec. 589, Ad. 441 wie Acc. 201 
quo illius acerbum, trag. ine. 59 R. istius (Ritschi op. II 683). Schwierig- 
keit macht nur Phorm. 648 illius ineptias im Senarschluß genau wie Merc. 48 
illius augerier [von Skutsch rigaglSb A. 1 hervorgehoben; dazu kommt Ad. 261; 
ich weiß hier keine Erklärung, aber der Faden ist zu dünn, um Ulis daran zu 
hängen]. Acc. 579 ist in se venenis sterilem esse illius öpera et medicina autu- 
mans die Conjectur se venenis für sevenis nicht wahrscheinlich, da sie Glosse 
und Erklärung (Nonius 20 medicina i. e. venenum) im Verse vereinigt. Pseud. 870 
kann sie darum nicht stützen. Den Gedanken haben Ribbeck und Bücheier 
gewiß richtig ermittelt: Idäa klagt über Kleopatra (Phiniden); vielleicht mit 
kühnem doch sprachgemäßem Ausdruck se Veneris sterilem esse illius opera et 
medicina autumans, vgl. Lucr. IV 1235 ut sterili Venere eodgat aevum. 



illius Uli 321 

Rud. 321), desgleichen in dem einen terenzischen (Heaut. 387) l ) und 
Acc. 136R. Neben istius (nur X J2 dutzendmal) gibt es also bei Plautua 
istimodi, wie Ritschi erkannt und ausgeführt hat op. II 691 ff. 
und infolge von Luchsens Argumentation vergessen worden ist; 
istimodi steht in den Handschriften Truc. 930 (Versschluß). Dieser 
Wortverbindung gehört Uli, isti an, sie ist das Sichere und von ihr 
muß auch die grammatische Erklärung ausgehn (die ich nicht zu 
geben weiß) 2 ). Cato schrieb was andere sprachen, illimodi und 
istimodi 3 ). Ebenso sind die von Priscian bezeugten Fälle des öene- 
tivs alii (Cato, C. Licinius, Caelius in I, C. Pannius) sämtlich in 
alii modi*), eines in alii rei (Caelius in I). 

Nun gehören aber istimodi illimodi alimodi zu den Wortgruppen 
die, wie quomodo quicumque und eine ganze Gattung lateinischer 
Compositionen, sich in der Rede wieder lösen und ihre Bestand- 
teile unter selbständige Accente stellen können. Das ist der Weg, 
auf dem isti Uli alii selbständig geworden sind. Und so erledigt 
sich Luchsens letztes Argument, das am meisten scheinbare, daß 
nämlich toti familiae, alii rei, aber erst später der Dativ toto er- 
scheint: die Form in i ist zwar eine andre Erscheinungsform der 
in ius, aber nicht in freier und beliebiger Bewegung aus ihr und 
für sie entstanden. Den Vorgang der Isolirung von isti würden 
wir mit Händen greifen, wenn Trin. 552 aequom videtur, qui qui- 
dem istius sit modi nicht qtäquidem möglich wäre. Da dieser 
Vers nicht beweist, so gibt es bei Plautus überhaupt keinen sicheren 
Fall von alleinstehendem Genetiv Uli isti ipsi soli usw. Priscian 
und die Handschriften bezeugen ulli Truc. 293; der Genetiv von 
ullus kommt sonst bei Plautus nicht vor. Daß Plautus schreiben 
konnte tüo potestatem coloris ullius capiundi mala darf ich nun wohl 
behaupten, auch daß die im 7. Jahrhundert übliche Form in i an 



1) Das andere Phorm. 969 s. u. Heaut. 339 huius modi obsecro aliquid 
reperi hat der ältere Calliopiustext istius, sprachlich richtiger und metrisch 
möglich. Über Heaut. 382 s. u. 

[2) Daß illimodi bei Plautus neben istimodi nicht erscheint, erklärt sich 
wohl durch den Dialog. — Solmsen Z. f. vergl. Sprachf. XLIV 177 A. 2 hält 
Uli isti für die älteren Formen, an deren Stelle illius istius eingetreten seien, 
um die Genetive deutlicher von den Dativen zu sondern.] 

3) Später erfolgte dann die Rückbildung: Priscian I 205 beweist daß 
illiusmodi, istiusmodi unter einem Accent stehen aus der Betonung des us. 

4) Priscians Collectaneen sind in Unordnung geraten, darum bezeugt er 
für Caelius in V und Caesar in Anticatone (Luchs S. 328) das eine Mal alius, 
das andere Mal alii. — Paulus p. 28 alimodi pro alius modi. 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 21 



322 "V Auslautendes s und m 

Stelle der damals verpönten Synalöphe treten konnte. Pseud. 1196 
gibt nullius coloris durchaus keinen Sinn; auch dieser Genetiv steht 
nur an dieser Stelle. Endlich zweimal uni 1 ): Capt. 471 nil morantur 
iam Lacones uni subselli viros und Stich. 489 scis tu me esse uni 
subselli virum AP' 2 ). An uni subselli virum (viros) herumzuändern 
ist dieser Überlieferung gegenüber ganz unstatthaft; imi hört auf 
eine leichte Änderung zu sein, da der Ambrosianus dazukommt. 
Aber uni ist dennoch dem Sinne nach unmöglich, es könnte nur 
besagen, daß der Parasit nicht zwei subsellia für sich verlangt. Der 
Adxcov liegt em onßddog (nur das bedeutet Lacones) , so verlangt 
er auch nur einen schlechten und unbequemen Platz, keinen Platz 
auf der xkivrj^ sondern ein oxijujzodiovj ein juovoxomov 3 ). Plautus 
hat unisubsellium gebildet, nicht nach der Analogie der lateinischen 
Adjektivbildungen mit », sondern nach der von biclinium tri- 
clinium, und gut lateinisch, wie Privilegium, veriverbium beweisen. 

Es ist nun keine Form in i mehr übrig außer utrique, das 
Luchs zweimal in scheinbaren Dativen nachgewiesen hat (S. 323 ff., 
Aul. 129 Capt. 398), während Truc. 794 (S. 372) utriusque über- 
liefert ist, nur durch die Schreibung von jenem verschieden. Auch 
hier liegt eine enge Wortverbindung vor, wie in istimodi. 

Wenn also Uli für die drei Plautusstellen gelten soll, so wird es 
aus der in der lebendigen Sprache vollzogenen Loslösung aus enger 
Wortverbindung herzuleiten sein. Für Terenz beweisen teils die 
Grammatikerzeugnisse teils die Überlieferung den Gebrauch dieser 
Formen, wenn auch in seltnen Fällen (Uli Heaut. 930 4 ), nulli 
And. 608), und es ist kein Bedenken, die Form anzusetzen auch 
wo sie nicht überliefert ist (die Verse Luchs S. 369). Ob be- 
reits bei Ennius v. 86 utri genetivisch zu fassen, ist sehr zweifel- 
haft 5 ); aber für die Dichter von Terenz wie für die Prosaiker 



1) Natürlich nicht Stich. 731 uni animi. 

2) hau postulo equidem med in lecto accumbere, scis tu me esse uni subselli 
virum: es fehlt ein Wort und zwar im ersten Teil des Verses; me steht schon 
im vorigen. Gelasimus witzelt noch, mir scheint ganz dem Ethos zu ent- 
sprechen scüs* tu Laconem esse. 

3) Hesych. oxifxjtodiov' svxekkg xXividiov, fiovoxoixiov oder nl. [aovoxoixov. 
Gell. XIX 10, 1 offendimus Frontonem cubantem in scimpodio Graeciensi. M. Ant. 1, 6. 
fxovonlivov Philodem 12, 3 Kaibel p. XIV. 

4) Über Heaut. 382 isti formae ut mores consimiles forent Engelbrecht stud. 
Ter. p. 37 sq. 

5) Luchs S. 324 nach anderen, vgl. Vahlen Ber. der Berl. Akad. 1895 
S. 1152. 



illius Uli Nomin. plur. der o-Stämme 323 

von Cato an steht der gelegentliche Gebrauch der Formen in i 
fest 1 ). 

Als eine Art von Analogie zu dem Luchsschen Ulis neben Uli 
könnte man den Nomin. plur. der o-Stämme in s neben dem in i 
ansehen wollen, wenn es nur fester stünde, daß Plautus dieselbe 
Freiheit hatte mit den Pluralformen in s und i zu wechseln, wie 
er das ablativische d im einzelnen Falle trotz seiner Schwäche er- 
halten konnte, um den Hiatus zu vermeiden, oder es trotz seiner 
noch gefühlten Existenz als nicht vorhanden betrachten, um die 
Synalöphe zu ermöglichen. Selbst dies zugegeben würde es sich 
doch hier um verschiedene Flexionsformen 2 ) handeln, die noch 
nebeneinander bestehen und im Begriffe sind die eine sich vor der 
andern zu verlieren; andrerseits stehen die Pluralformen in s nicht 
nur etymologisch fest, sondern sind auch durch zahlreiche inschrift- 
liche Zeugnisse beglaubigt. Aber daß Plautus sie überhaupt an- 
wendet außer in hisce illisce ist, so entschieden man es erwarten 
sollte, doch überaus unsicher. Mil. 44 steht sogar A (Sardos) gegen 
P (Sardis), und daß der Satz mit dem Nominativ erträglich wäre 
muß ich bestreiten. Mil. 374 kann man der Überlieferung ent- 
nehmen non possunt mihi minaciis tuis hisce oculis exfodiri, das 
würde bedeuten daß das s geschrieben wäre ohne zu wirken 3 ); aber 
es ist ganz unsicher. Auf der andern Seite sind die Fälle von 
Hiatus, den der in i auslautende Nominativ bildet, verhältnismäßig 
sehr selten (Amph. 89 Cure. 450 Men. 85. 1158 Poen. 862. 988 
Pseud. 151. 443. 1129 (die letzten 5 in AP) Rud. 1313 4 ), 10 Fälle, 
8 im Adjektiv und Participium, 2 im Substantiv); eine sprach- 
geschichtliche Wirklichkeit, wie für den Ablativ singul., ist durch 
sie nicht zu begründen. Auch steht es ja mit der inschriftlichen 
Bezeugung hier ganz anders als dort; die Beispiele des Nomin. plur. 
in s gehören fast alle dem 7. Jahrhundert, die des Abi. sing, in d 
liegen ihm alle voraus. Man muß annehmen daß die in Rom er- 

1) CLE. 609 non clausa in tumulo requieseunt ossa sepulcro [ istius nunc 
iuenis nee corpus morte sacratum — : da die Verse sonst tadellos sind, muß an- 
genommen werden daß istius zweisilbig sein soll. 

[2) Ich erwähne auch hier Lindsays Leichtfertigkeit, der im Jahresb. 
S. 193 A. von meiner 'Vermutung, daß der Plur. der 2. Dekl. magistri vom 
älteren magistris kommt', redet.] 

3) Vielleicht ist Amph. 1062 tonitrus (nur hier) im Wert von tonitru ge- 
setzt (tonitrus ut). Poen. 1058 hie me Antidamas hospes tuos AP für Antidama. 

4) Mehrdeutig Rud. 22, andere Möglichkeiten Men. 19 Mil. 452, emendirt 
Rud. 829. Naev. com. 81 vgl. Ritschi N. pl. Exe. 114. 

21* 



324 V Auslautendes s und m 

storbene, im oskischen Gebiet lebendig erhaltene Form in der 
Gracchenzeit durch die peregrini in Rom wieder belebt worden ist. 
Wenn sie aber im 6. Jahrhundert im Mund der Leute war, so war 
eben den lanies und violaries gestattet was nicht nur Ennius sondern 
auch Plautus verwehrt war. 

9 
Daß es im Lateinischen eine Zeit gegeben hat, in der s auch 
nach langem Vokal unsicher war, ist an sich wahrscheinlich, wenn 
auch weder die vorlitterarischen Inschriften dafür sprechen noch, 
soviel ich sehe, ganz sichere etymologische Combinationen dafür 
angeführt werden können. In litterarischer Zeit gibt es nichts derart; 
daß man in Pisaurum Pisaurese schrieb, in Präneste Maio, Mino 
(in vielen Beispielen aus der Grabstätte CIL. XIV 3046 sq.), in 
Lavinium aidile (oben 8. 248 A. 2), das will für Rom und seine Litte- 
ratur gar nichts sagen. Derselbe Tatbestand folgt aus dem Vers- 
bau: neben dici tu, nullu sum in Versschluß und Diärese gibt es 
kein einziges so gestelltes dices oder nullos; desgleichen aus der 
Wortverbindung: bonust, nicht virtust. Wenn wir mit dieser aus 
unbestreitbaren Tatsachen gewonnenen Anschauung an die Über- 
lieferung des Plautus herangehen, so muß es überraschen, eine Reihe 
von Versen dieser Art zu finden: 

Men. 308 habitant. di illos homines qui illic habitant perduint. 

Pseud. 880 quin tu iltos inimicos potius quam amicos vocas? 

(AP) 

Trin. 920 dices. non monstrare possum istos homines quos 

tu quaeritas. 

Truc. 658 nunc ego istos mundulos urbanos amasios x ). 

Merc. 761 te odisse aeque atque angues. egone istuc dixi 

tibi? (AP) 

Cist. 526 et equidem hercle nisi pedatu tertio omms efflixero. 

Asin. 807 tot noctes reddat spurcas quot puras habuerit 

(mit Nonius). 

Capt. 532 nugas ineptias incipisso. haereo. 

Cas. 778 novi ego illas ambas estrices. corbitam cibi (AP) 

Cure. 90 voltisne olivas aut pulpamentum aut capparim? 2 ) 

1) Amph. arg. 2, 9 omnim rem noseunt, geminos Älcumena enititur, vgl. zu 
arg. 1, 3. 5. 

2) Most. 761 nescio quem exaedificatas esse [insari]um [bene] A. 



s nach langem Vokal 325 

Capt. 408 nümquam erit tarn avarus quin te gratife emittat 

manu. 
691 quando ego te exemplis pessuims excruciavero. 

Merc. 192 armamentis eomplicand/s et componendis studui- 

mus. 

Trin. 302 tuis servivi servitutem intperizs et praeceptis pater. 

Cure. 316 fieri ventulum. quid igitur vis! esse, ut ventum 

gaudeam. 

Amph. 32 propterea pace advenio et paeem ad yos affero. 

Merc. 683 Dorippa, mea Dorippa. quid clamas obsecro. 
und minder sicher überliefert 

Asin. 552 die 2. Hälfte cicatrices indiderunt (die erste corrupt). 

Aul. 784 repudium rebus parate atque exornatis nuptiis 

(Nonius ohne atque). 
vgl. Poen. 419 (AP), 980 (AP), 1165 {AP), Bacch. 498 (P gegen A). 
Spengel T. Maccius Plautus S. 98 bemerkt zu Trin. 601 (post- 
quam exturbavit hie nos ex nostris aedibus) : 'selbst der Gedanke an 
die Verbindung ex nostraedibus kann auftauchen 1 und Bergk in seinen 
hinterlassenen Bemerkungen zum Trinummus bespricht die Möglich- 
keit (S. 627), daß sich die Überlieferung Trin. 302 (s.o.) halten 
ließe, beide mit Berufung auf Cicero Orat. 153. Ich muß die Stelle 
ausschreiben: sine vocalibus saepe brevitatis causa contrahebant , ut 
ita dicerent: multimodis et uas (uiuas Laudianus) argenti (argenteis 
Laud.) palmet (palma et Laud.) crinibus tectif'r actis. Hierzu ist zu- 
nächst zu bemerken, daß et vor uas im Abrincensis richtig über- 
liefert, das zweite et irrtümlich hinter palm (palma) gestellt, das 
dritte vor tecti ausgefallen ist; so gleich nachher e maxillis et 
taxillis et (om. Laud.) paxillo et vexillo et pauxillo, 1 58 amovit dici- 
mus et abegit et abstulit; noti erant et navi et nari usw. Danach 
ist zu lesen multimodis et vasar genteis et palmicrinibus et tectifractis, 
nur daß für vasis argenteis nach dem Abrincensis wenigstens die 
Möglichkeit gegeben ist, vasis argentei zu verstehen und damit das 
einzige Beispiel für Abfall von s nach langem Vokal vor Vokal 
unsicher wird. Für die unmittelbar vorliegende Frage kann also 
die Stelle gar nicht in Betracht kommen. Was bedeutet sie aber 
für das Verhalten des s nach langem Vokal überhaupt? Der erste 
Beleg kann es zeigen, es ist der einzige, der auch sonst und in 
Analogien bekannt ist. multimodis und mirimodis bestehen bei 
Plautus 1 ) und später neben multis, miris modis, die Handschriften 

1) Vgl. Brix- Niemeyer zu Trin. 9:31, ßaier de recens. Ambr. et Pal. p. 54. 



326 V Auslautendes s und m 

haben meist die volle Form 1 ) und überlassen der Aussprache die 
Erleichterung 2 ). Dann ist omnimodis nach der Analogie gebildet, 
aber schwerlich schon von Plautus (vgl. Stich. 684) 3 ), und multi- 
generum Stich. 383. Wir lernen nun durch Cicero, daß die Ver- 
bindung solcher Wortgruppen unter einem Accent sich weiter 
erstreckte, daß man auch tectifractis sprach, und vielleicht auch 
vasargenteis. palmicrinibus hat 0. Jahn (vgl. Ribbeck trag. frg. 
p. 267) auf Eur. Hec. 836 bezogen: ei juoc yevocro cp&öyyog ev 
ßgaftiooi xal %eqo\ xal xojuaiot xal nodcbv ßdoec und dem Ennius 
beigelegt, sehr scheinbar, aber schwerlich richtig. Cicero spricht 
gar nicht von Dichtern und citirt keine bestimmten Stellen; multis 
modis und vasis argenteis sind keine Citate. Er hat vorher von der 
Vermeidung des Hiatus im Leben gesprochen und dabei erwähnt, 
daß bei Dichtern Hiate vorkommen; dann: auch ohne daß Vokale 
zusammenstießen zog man Wörter zusammen; dann: quid vero 
licentius quam quod hominum etiam nomina contrahebant, quo essent 
aptiora? (Duellius-Bellius). Er spricht also von der Sprache des 
Lebens, wie auch in der ferneren Erörterung. Es ist ja möglich, 
daß er eine Reminiscenz aus der Tragödie, palmis crinibus wie es 
auf der Bühne palmicrinibus gesprochen wurde, hat mit unterlaufen 
lassen. Aber diese Verbindung zweier selbständiger Nomina unter 
einem Accent ist beispiellos und fällt aus der Reihe der übrigen. 
Es wird ein attributives Wort verlangt und Lambins passicrinibus 
ist durchaus wahrscheinlich 4 ). 

Ein Zeugnis Ciceros ist also nicht anzuführen. Und es ist kein 
Zweifel, daß Plautus keinen einzigen der angeführten Verse so ge- 
schrieben hat wie er in den Handschriften steht 5 ). Darüber ist 
meines Erachtens kein Wort zu verlieren. Aber eine so häufige 
und deutliche Überlieferung verlangt freilich eine Erklärung. 

Der Abfall von s nach langem Vokal ist auf jüngeren In- 
schriften häufig, in Rom (z.B. VI 31187, 8 et omnibus amici mei), 

[1) muttimodis Pers. 706 A (auch Most. 785, wo multis nötig ist) Mil. 1190 B 
Ter. Andr. 939 Bemb.] 

2) Ennius trag. 20 (22 V.) multis sum modis circumventus. 

3) Ter. Hec. 702 omnibus modis wie 179 miris modis. 

4) treviri vgl. Wölfflin Archiv IX 16 [refert Skutsch W. Arch. XV 49]. 
— Catos vopte (Festus p. 379) vermeidet wie ipse idem die harte Consonanten- 
gruppe. 

5) Wenn man nicht Truc. 658 und Cure. 316 die Synkope gelten läßt. 
[Vgl. Ahlberg Comm. phil. in hon. loh. Paulson, 1905, S. 1 ff., dem ich freilich 
nicht zustimmen kann.] 



Cicero Orator 153. s nach langem Vokal 327 

in Süditalien (z.B. CIL. IX 1512 mese=:menses, 1938 Benevent filio 
meos, 2305 anni = annis, in Pompeji prese — praesens und selbst 
im Verbum valea, trasea), in Spanien (II suppl. 6109 parente), Afrika 
(vgl. Sittl in "Wölff lins Archiv II 566) 1 ). "Wir sehen daraus, daß 
in späterer Zeit wenigstens in den südlichen Ländern lateinischer 
Zunge das auslautende s auch nach langem Vokal wenigstens in der 
Nominalflexion schwach geworden war und zum Abfallen neigte 2 ). 
Es ist nun natürlich, daß auch in der Behandlung der archaischen 
Texte, in denen der Abfall des s deutlich vorlag, gewisse Gramma- 
tiker dazu gelangten, allen Auslautssilben in -s die gleiche Freiheit 
zuzutrauen 3 ). Die Belege dafür, daß spätestens vom 3. Jahrhundert 
an diese Ansicht in Grammatiker kreisen verbreitet war, liefert uns 
die spätere Vergilkritik. Eine Zeitangabe macht Servius zu 
Aen. XII 709. Der Vers inter se coiisse viros et cernere ferro ist in 
dieser Form nicht nur durch den Veronensis, sondern auch durch 
Seneca ausdrücklich bezeugt (ep. 58, 3 cernere — quod nunc decernere 
dicimus) ; im Palatinus steht cernere von erster, decernere von zweiter 
Hand, und in decernere stimmt die übrige Überlieferung zusammen. 
Dazu Servius : cernere — vera et antiqua est lectio. — posteritas coepit 
legere € decernere* ', secundum quam lectionem synalipha opus est, sed ex- 
cluso s, ut sit ( viro et decernere ferro*. Und dasselbe Beispiel ver- 
wendet Priscian I p. 32 für seinen Satz : s in metro apud vetustissimos 
vim suam frequenter amittit. Auf dasselbe bezieht sich Servius zu 
II 508 limina tectorum et medium in penetralibus hostem, wo die hand- 
schriftliche Variante mediis vorliegt, mit der Anmerkung hypallage 
est, i. e. in mediis aedibus; si autem 'mediis* legeris, non stat versus 
nisi excluso s, ut * inter se coiisse viros et decernere ferro-, und zu 



[1) Proskauer Das ausl. s K. IV, Diehl Vulgärlat. Inschr. S. 165. 68 ff. — 
Proskauer S. 187. 205 drückt sich, auch wenn man nur die Inschriften berück- 
sichtigt, viel zu stark aus. m und s sind die unsicheren Auslautconsonanten, 
die übrigen verschwindend selten, talos planta dicitos nebeneinander (daneben 
itestinas, Fluchtafel CIL. X 8249) und alles dergleichen beweist nur die Un- 
sicherheit.] 

2) Oder nach voraufgegangener Kürzung des Vokals. Inschrift aus Nu- 
rnidien VIII 4635 (CLE. 254) 17 Verse metrisch correct, aber intonäs (sogar vor 
Consonant), pone7 , es, claudäs. 

3) Wenigstens den auf einfaches s auslautenden; denn die Kategorie der 
aus Dental ~\- s entstandenen ursprünglichen Doppel-s sondert sich auch hier: 
für den Abfall dieser s gibt es wenige inschriftliche Beispiele (mite CIL. III 
4484 Carnuntum, XIII 6877 Mainz) und in den Handschriften meines Wissens 
keinen Vers. 



328 V Auslautendes s und m 

georg. II 256 (et quisquis color, at sceleratum exquirere frigus): male 
quidam € et quis cuique* legunt (so M 1 nach III 102) excludentes c af 

(at steht in M) alii c colos* legunt, ut excluso s fiat synalipha et 

scandamus c et quis cuique colat sceleratum? ut sie sit quemadmodum 
Hnter se coiisse viros et decernere ferro 3 , und weiter 1 ). Er eignet 
sich selbst die Theorie nicht geradezu an, läßt aber die Möglich- 
keit der von anderen anerkannten gelten 2 ). 

Es ist hiernach nicht mehr zu bezweifeln, daß die Urheber unsrer 
beiden antiken Ausgaben auch bei langem Vokal -f s die Synalöphe 
für möglich gehalten haben, daher sind jene Corruptelen überein- 
stimmend überliefert. Wenn sie, wie in A und P, so in den Aus- 
gaben standen, die auf Probus' Autorität beruhten, so folgt daraus 
nicht, daß Probus und die Seinigen sie für richtig hielten, sondern 
nur daß sie sie nicht änderten; für die absolute Richtigkeit folgt 
gar nichts daraus. Wir würden auch an den Abfall des s nach 
kurzem Vokal vor Vokal nicht glauben, wenn nur eine Anzahl über- 
lieferter Verse oder das Zeugnis des Sisenna zur Beglaubigung 
diente. Es bedurfte anderer Argumente, um die Synalöphe dem 
Plautus selbst zuzuschreiben; für die Synalöphe bei langem Vokal 
gibt es nur Argumente, die für Plautus ihre Unmöglichkeit beweisen. 

Wenn wir die erschlossenen Tatsachen in die Geschichte des 
auslautenden s einbeziehen, so gewinnen wir folgendes Bild. Als 
Plautus dichtete, war das s nach kurzem Vokal im Auslaut so un- 
beständig, daß der Dichter es im Verse nach Belieben fallen lassen 
oder erhalten konnte. Aber es war dem Bewußtsein der lebendigen 
Sprache noch nicht in dem Maße abhanden gekommen wie das d 
des Ablativs. Ennius beobachtete, daß es vor vokalischem Anlaut 
zur Verhinderung des Hiatus hörbar war, während es vor conso- 
nantischem verklang ; so erhielt er es auch im Verse vor Vokal 
und machte dies gesetzmäßig, ließ aber die Erhaltung vor anlauten- 
dem Consonanten nach wie vor im Belieben des Dichters 3 ). In 

1) So ist es auch zu erklären, daß georg. II 196 in Mund den Minuskel- 
handschriften und bei Nonius überliefert ist aut ovhim fetus aut urentes eulta 
capellas, wozu im Anhang zu Priscian V (p. 192) gesagt ist: s littera in metro 
et amittüur et synalipham facit. Nur P hat fetum. 

2) Vgl. Lachmann zu Lucr. S. 100. — Consentius p. 403 führt den Vers 
Aen. II 457 an in der Form ad soceros atque {et Vergil) avo puerum Astyanacta 
trahebat und erklärt das metrisch durch Contraction von soceros atque: scandi- 
mus enim sie 'rostqued*, ex quo apparet inter duas consonas a voealem periisse. 

3) Havets Beobachtung S. 316 ff., daß Ennius und die Folgenden im Hexa- 
meter selten Auslautssilbe mit kurzem Vokal und s als Länge in die Thesis 



Auslautendes s 329 

dieser Gestalt befestigte sich der Gebrauch im Leben und in der 
Kunst; es ist die Regel, die Terenz und alle Dramatiker des 
7. Jahrhunderts befolgen. Cicero wußte es nicht anders. Die Regel 
ist fest während der beiden Menschen alter, in denen die Werke 
des Plautus nach seinem Tode auf der Bühne lebten. Es konnte 
nicht anders sein als daß die Verse des Dichters sich der Regel 
anbequemten, daß die Schauspieler die plautinischen Verse sprachen 
wie die terenzischen und daß in vielen Fällen Änderungen, die sich 
leicht ergaben, in die Bühnentexte eingeführt wurden. Nur aus 
der Überlieferung der Bühnen aber stammt der Text der plauti- 
nischen Werke. Er enthielt nur noch Reste der plautinischen Art, 
s vor vokalischem Anlaut fallen zu lassen. Ob man in der Zeit 
des Accius und Varro dem Plautus die Zerreißung des Anapästs 
und dergl. zutraute, können wir dahingestellt sein lassen; sicher 
ist daß Erscheinungen dieser Art, die ganze Gruppen umfaßten, er- 
halten blieben, und andrerseits solche Fälle, die grammatisch ver- 
dunkelt waren, malust und loquere, parte und Collum-, darüber hinaus 
nur ein geringer Rest. In der Archaistenzeit dagegen, als die frühere 
Schwäche des auslautenden s in der gebildeten Sprache des Um- 
gangs mit ihrer beschränkenden Regel (wie sie in Ciceros Jugend 
noch bestand) längst vergessen war und in der niederen Sprache 
des Lebens zwar die Schwache des Auslauts bestand, aber keine 
Rücksicht weiter auf die Prosodie noch auf den folgenden Anlaut 
nahm, als ferner die Continuität mit den in der Sprache der Gegen- 
wart wurzelnden Anschauungen von der Sprache der plautinischen 
Zeit, wie sie in der varronischen lebten, so lange Jahre völlig 
unterbrochen gewesen war, da machte man den Unterschied nicht 
mehr und nahm an, daß Plautus metri causa das s fallen ließ, nach 
kurzem oder langem Vokal, vor consonantischem oder vokalischem 
Anlaut. Ob Probus selbst dieser Ansicht w r ar ist müßig zu fragen; 
genug daß auf diese Weise die Reste des vorennianischen Zu- 
standes in der plautinischen Überlieferung über die Zeit hinaus 
bewahrt worden sind, in der man sich sonst nicht scheute, Über- 
liefertes zu ändern. 



setzten, ist mit dieser Einschränkung richtig; denn daß sie es nie taten, wider- 
legt die Überlieferung. Auch Plautus scheut sich in Anapästen keineswegs 
davor, vgl. Aul. 717 quid est? quid ridetis? növi omnes, Stich. 22 spes est eum 
melius fäcturum, Trin. 829 pauperibus te parcere solitum und dergl. 



330 V Auslautendes s und m 

10 

Die Erkenntnis, daß das Verhalten des s im Auslaut noch in 
litterarischer Zeit sich gewandelt hat, muß uns die Frage aufdrängen, 
ob m im Auslaut sich zu aller Zeit gleich geblieben ist. Das Bild, 
das es uns in seinen verschiedenen Erscheinungsformen bietet, ist 
so wechselnd und verworren, daß es schwer hält an einen früh 
festgelegten beständigen Gebrauch im Verse zu glauben. Es ver- 
klingt in den Scipionenelogien und ist fest in den noch älteren In- 
schriften. Es ist in der gesamten Poesie von Ennius an im Aus- 
laut nicht vorhanden bei folgendem vokalischem Anlaut, dagegen 
ein Consonant wie andre bei consonantischem , während es in der 
Sprache des Lebens ohne Rücksicht auf den Anlaut immer un- 
beständig ist und in der Poesie späterer Zeit auch vor Consonanten 
verklingt; bezeichnend ist die stadtrömische Inschrift CLE. 422 vom 
Jahr 126 mit pietate rependere matri, ferale diem, moriente viderent. 
Bei Plautus ist die Synalöphe über m hinaus in der Überlieferung 
die Regel, aber die Bewahrung von m vor vokalischem Anlaut 
ungemein häufig überliefert. Dagegen macht m Position und das 
einmal überlieferte aequo sit (B 1 Mil. 515) im Versschluß ist bei- 
spiellos *). 

Sind 2 ) wir nun berechtigt, das Gesetz, unter dem der Auslaut 

1) In Anapästen Aul. 146 factum volö, wo facto in B steht (facta DE), 
cum machaera Pseud. 593. [Vgl. Skutsch Figag 128. Mit Aul. 146 ist nicht 
so leicht fertig zu werden, wenn man Bacch. 495 Pers. 311 Truc. 877 Ter. 
Phorm. 787 mit Aul. 686 vergleicht. Möglich sind 2 jambische Dimeter: ted 
id monitum adventö. soror \ more tuo facis. factum volo.] 

[2) Den Abschnitt über enim habe ich gestrichen, da ich ihn nicht auf- 
rechterhalten konnte, nachdem Radford die von Seyffert und Skutsch (Forsch. 
S. 154) angenommene feste Betonung dt enim, sed enim bewiesen hat (Transact. 
Am. Phil. Ass. XXXIV 1903 S. 61, Am. Journ. XXV 1904 S. 147. 256. 406). Es 
bleibt die Seltenheit der Position von enim (vgl. Radford XXXIV 86 f.), durch 
die es auf eine Stufe mit den S. 300 f. behandelten Wörtern in -s tritt, durch die 
sich auch Ennius ann. 371 (non enim rumores ponebat ante salutem) erklärt. 
Denn daß Ennius im Hexameter andere als solche jambische Wörter und 
Wortauslaute, die ihre Schlußkürze in der Sprache zu seiner Zeit durchgesetzt 
hatten, pyrrhichisch verwendet habe, kann ich Skutsch (Fegag S. 142) nicht 
zugeben, ludicre v. 73 verliert seine Beweiskraft durch Priscian 1350 (Vahlen) 
und virgines v. 110 hat überhaupt keine, da mit nam der Satz beginnen muß 
{Lachmann zu Lucr. S. 412); virginis gehört zum Vorigen und ist nur mit dem 
Verse mitgegangen. Vahlens Argument für virgines ist nicht stringent, es 
läßt sich leicht eine Satzform denken, in der eine einzelne virgo vor nam sibi 
quisque domi Bomanus habet sas bezeichnet war.] 



Auslautendes m 331 

in m in der klassischen Poesie steht, wie unter einem anderen der 
in s, als ursprünglich und zu jeder Zeit gültig zu betrachten? In 
den Resten des Ennius selbst finden wir eine wichtige Spur, die 
uns bedenklich machen muß die Frage rasch zu bejahen. Er hat 
die Synalöphe über m hinweg nicht consequent durchgeführt 1 ): 
Priscian I p. 30 vetustissimi tarnen non semper eam subtrahebant: 
Ennius in X annalium — milia militum octo, so dum quidem unus homo 
(Pestus p. 302). Das sind keine griechischen Hiate, die langen 
Vokal oder Cäsur verlangen, sondern unter der Voraussetzung, daß 
m nicht wirkt, wahre lateinische, also für Ennius unmögliche. 
Ennius bediente sich also noch einer, wenn auch selten angewen- 
deten Freiheit, das m vor Vokal zu erhalten. 

Die Überlieferung des Terenz zeigt überaus selten erhaltenes 
m vor anlautendem Vokal; weitaus die meisten Fälle derart sind 
Corruptelen des Bembinus 2 ), dessen Text bekanntlich sehr oft durch 
Ausfall einzelner Wörter beschädigt ist, wenige hat Calliopius allein 3 ). 
Wo Bembinus und Calliopius zusammengehen, liegt Personenwechsel 
vor Eun. 409, die Formen hör um, sursum, quorsum, die nichts be- 
weisen, Phorm. 290. 518 Ad. 574 And. 264, ein Gegenzeugnis des 
Nonius mit der richtigen Lesart Ad. 263. So bleibt nur And. 610 
{inultum id numquam), Heaut. 540 (iam htiic), Phorm. 191 {quam 
Mc) 598 (amicum esse) 958 (peccatum tiiom esse) Hec. 2 (novd novum 
intervenit), für einen Dichter, dessen ganze Produktion vorliegt, viel 
^u wenig im Verhältnis um glaublich zu sein. Von Cäcilius läßt 
sich ein Vers anführen, 40 nam hie in tenebris, ein Anfang wie 
Phorm. 191 Heaut. 540, wie er bei Plautus allerdings sehr häufig 
vorliegt. Dann folgt die Zeit der griechischen Hiate, in der Verse 
wie a teprincipium, tibi desinam. aceipe iussis eine andere Erklärung 
finden. 

Daß die plautinische Überlieferung an sich nicht für die Er- 
haltung des m im Auslaut vor Vokal beweist, ist klar und ich habe 
genug darüber gesprochen; sie würde sonst auch jeden andern un- 
zweifelhaften Hiatus rechtfertigen. Aber die sprachgeschichtliche 
Erwägung, die Analogie des s, stellt die Überlieferung für m auf 
eine andere Stufe als die für die auslautenden Vokale. Es sind 



1) Nicht mit Recht geleugnet von Marx Rhein. Mus. XLI 556. [militum 
(ad) octo und jede ähnliche Vermutung hat die Synalöphe gegen sich.] 

2) Eun. 743 Heaut. 81. 379. 705 Phorm. 545. 549. 615. 633. 980 Hec. 50. 156. 
394. 593. 631. 813 Ad. 168. 755. 765. 

3) Heaut. 314. 893. 997 Phorm. 284 Hec. 313, vgl. Ad. 330. 



332 V Auslautendes s und m 

bei Plautus, wenn ich nur die Fälle rechne, in denen unter der 
Voraussetzung, daß m nicht wirkt, ein wirklicher Hiatus entsteht, 
die also weder durch Diärese oder Personenwechsel zu entschuldigen 
noch durch Einsetzung einer anderen Form im Verse, wie uti, 
hocedie, homonis, abl. d und dergl. zu heben sind, es sind solcher 
Verse etwa 280 überliefert, von denen 30 von vornherein ausscheiden, 
da sie die Auslautsilbe als Länge behandeln und einen für alle 
Fälle der gleichen Kategorie gültigen Erklärungsgrund verlangen 1 ). 
Von den übrigbleibenden kommen durchschnittlich 12 — 13 auf das 
Stück, die meisten Stücke entfernen sich nicht sehr von der Durch- 
schnittszahl ; aus der Reihe treten 2 ) Asinaria mit 20, Bacchides 
mit 26, Menaechmi mit 31 Belegen (die 21 des Poenulus entsprechen 
der Länge des Stückes), andrerseits Pseudolus mit 4, Epidicus 
mit 7. Dieses Verhältnis lehrt ohne Zweifel, daß viele nicht ur- 
sprüngliche Fälle von erhaltenem m in die Überlieferung einge- 
drungen sind. Aber wie die vielen überlieferten Fälle von Ablativen 
vor Vokal mit erhaltenem Schlußvokal der allgemeinen Erwägung 
zur Stütze dienen, so auch die 'Hiate 5 in m. Es sind unter ihnen 
einige 30 mit einsilbigen Wörtern (natürlich ohne Versaccent) wie 
quam nam iam tum cum*) rem, die nicht nur in der späteren Poesie 
öfter ihr m bewahren, sondern zum Teil auch in den romanischen 
Sprachen 4 ). Ferner etwa 20, die die Schlußsilbe eines mehrsilbigen 
Wortes in m mit einem metrischen Accent versehen, darunter die 
Gruppe 5 ) des Schemas gratidm habeo tibi (Capt. 373 und Mil. 1425 
übereinstimmend, hier AP). Die übrigen nach Kategorien zu ordnen 
ist zwecklos, es läßt sich dadurch nichts entscheiden; wer aber die 
Verse an sich vorübergehen läßt wird finden, daß unter ihnen eine 
besonders große Zahl rundherum gut ist und durch alle Emen- 
dationsangriffe nur verloren hat und nur verlieren kann. Die Wahr- 
scheinlichkeit ist in der Tat sehr groß, daß für das m wie für das 
s im Auslaut der allgemein bekannte und anerkannte Gebrauch 
nur eine Phase in seiner Geschichte bedeutet; daß auch hier erst 
Ennius die Entwicklung für seine Zeit abgeschlossen und auch hier, 
wie so oft, von der überwundenen Periode noch Beste hat über- 



[1) Jacobsohn Quaest. Plaut. 26 ff.] 

2) Die Zahlen gebe ich nach meiner Berechnung, die aber natürlich von 
Subjektivem nicht frei ist, also annähernd und ohne Gewähr. 

3) cum erklärt sich durch Proklisis, s; zu Asin. 706. 

4) Gröber in den Commentationes Woelfflinianae S. 173. 

5) Klotz Grundzüge S. 133. [Jacobsohn S. 30.] 



Bewahrung des m 333 

leben lassen. Zwar Unterdrückung des Auslauts vor Consonanten 
in templu fert, wie nullit sunt, ist auch für Plautus durch die Über- 
lieferung ausgeschlossen; aber durch die Überlieferung indicirt und 
aus allgemeinen Gründen wahrscheinlich ist es, daß m vor aus- 
lautendem Vokal beizubehalten im Belieben des Plautus stand. 
Hierin tritt m in plautinischer Zeit in Analogie zu s, nur daß dieses 
vor Vokal häufiger besteht als verschwindet, jenes häufiger ver- 
schwindet als besteht. 



VI 

Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae. 



i 

Es ist kein Zweifel daß, allgemein gesprochen, Plautus den 
Hiatus vermieden 1 ) und die Synalöphe reichlicher zugelassen hat 
als es zu irgend einer Zeit der römischen Verskunst sonst geschehen 
ist; daß man durch bloße Beobachtung der überlieferten Hiate die 
Ausnahmen von der Regel nicht findet, lehrt die Geschichte des 
Textes 2 ). Ein überlieferter Hiatus muß durch andere Gründe als 

1) Die allgemeinen Erwägungen, die dies erweisen, habe ich in der prae- 
fatio meiner Ausgabe der ersten 4 Stücke (1885) p. YII angeführt. Diese 
werden im ganzen durch die Portschritte, die ich selbst gemacht habe, nicht 
alterirt. [Die Frage nach dem Hiatus ist nicht genügend geklärt, um hier, 
wo ich subjektive und Tagesmeinungen möglichst fernhalten möchte, eine 
wesentlich andere Darstellung nötig zu machen. Krawczynski De hiatu PL 
(Breslau 1906) beweist nur was man wußte, daß erst AP eine relativ sichere 
Grundlage geben und daß A und P oft durch Pund A widerlegt oder unsicher 
gemacht werden. Einen wirklichen Fortschritt bedeuten Jacobsohns Quaestiones 
Plautinae (s. o.), deren Resultat durch Skutschs Widerspruch keineswegs er- 
schüttert ist. P. Friedländer (Rhein. Mus. LXII S. 73 ff.) hat eine an die Technik 
des Saturniers angelehnte weitgehende Zulassung des Hiats für Plautus zu 
begründen gesucht. Beide ziehen nur die Versstellen, nicht Wortformen in 
Betracht. Man muß sich nur gegenwärtig halten, daß eine Ansicht wie die 
Friedländers (und jede andere Verteidigung der überlieferten plautinischen 
Hiate) für Plautus eine isolirte Phase der römischen Verskunst und einen 
völligen Umschwung der Technik zwischen Plautus und Terenz bedeutet.] 

2) Zuletzt hat Klotz Grundzüge altrömischer Metrik S. 102—183 über den 
Hiatus gehandelt. Das Kapitel leidet, wie das ganze Buch, unter dem Mangel 
an Kenntnis des Textes und der Sprache, an Gefühl für das metrisch Erlaubte; 
viele gute Beobachtungen und richtige Einzelheiten werden dadurch beein- 
trächtigt. Was den Hiatus betrifft, so halte ich Klotzens Ansicht, daß die 
plautinischen 'prosodischen' Hiate aus den griechischen hervorgegangen seien, 
für ganz irrtümlich. Die griechischen Hiate sind von Ennius im und für den 
Hexameter eingeführt worden; sie sind für den römischen Dialogvers so un- 
möglich wie oIkoi saav für den griechischen Trimeter. Wer das bestreitet, der 
verrückt die termini der römischen Verskunst. 



Hiatus 335 

durch den Umstand, daß er überliefert ist, gestützt sein, um dem 
Dichter selbst zugeschrieben zu werden. Vor allem ist es richtig 
zu fragen, ob ein wirklicher Hiatus vorliegt; diese Frage ist beant- 
wortet für den ablativischen Auslaut, aufgeworfen für m, das ich 
nach dem vorigen Kapitel hier ganz außer Spiel lasse. Kein Hiatus 
entsteht, wenn die Diärese der aus Kola bestehenden Verse von 
Vokalen umgeben ist (keine Cäsur fällt unter denselben Gesichts- 
punkt); wie in diesem Falle so bei Personenwechsel ist es Sache 
des Schauspielers, den Hiatus nicht eintreten zu lassen. Wer aber 
dieses Räsonnement weiter über die Satzpausen ausdehnen will, der 
zerstört den Vers und das Princip seines Baues. Wenn zwei Wörter 
mit Bewahrung des aus- und anlautenden Vokals unter einen Accent 
treten, z. B. wenn die vokalisch auslautende Präposition mit dem 
vokalisch anlautenden Nomen sich zusammenschließt, so entsteht 
kein Hiatus. Wie qui amat so ist di ament, mi änime gesichert, 
und man fragt mit Recht ob ein Hiatus entsteht, wenn die ein- 
silbige vokalisch auslautende Länge vor Vokal als Kürze steht. 
Hier kommt die Freiheit, die Catull Lucrez Vergil sich nehmen 
und die unter die griechischen Hiate einzuordnen bedenklich ist, 
zu Hilfe und stützt die vielen Fälle derart, die die Überlieferung 
bietet 1 ). Eine andere Kategorie bilden die jambischen Wörter, die 
zwar sehr oft mit folgendem Anlaut verschmelzen (z. B. im Amphi- 
truo 60 mal), aber auch sehr oft mit Hiatus überliefert sind 2 ). Das 
Verhalten der jambischen Wörter in der späteren Poesie kann wohl 
die Ansicht begründen, zu der Lachmann gelangt ist, daß die Ab- 
neigung gegen Synalöphe jambischer Wörter, die Bewahrung ihres 
Auslauts vor Vokal schon in der plautiniscben Verskunst beginnt. 
Dagegen kann man, soviel ich sehe, so häufige Erscheinungen 



1) Z. B. tu Cas. 963 Epid. 76 Men. 379 (513) Mil. 1412 Most. 593 Poen. 985 
(Rud. 337) Stich. 321 Trin. 582, si Men. 502. 578 Most. 870 Mil. 1356 Rud. 192 
Asin. 389 Aul. 367 Cist. 33 Truc. 936; Bacch. 433 ist emendirt. 

2) Spengei T. Macc. PI. S. 204ff., Klotz S. 126 ff. Z. B. im Amphitruo 141 
fero [dieser Vers wie andere fällt unter Jacobsohns Beobachtung], 321. 462 ego 
(sonst noch etwa 20 mal, beweisend z. B. Cure. 369), 622 eri (Pseud. 1103. 1202,. 
sonst viri domi mei tui, diese in mei, tui honoris, wie Seyffert bemerkt hat, in 
constanter Verbindung), 1106 meae (Men. 740 Poen. 873 tuae, Bacch. 51 duae, 
vgl. Rud. 752 und s. u.), 924 mihi (sonst noch mihi tibi sibi ubi ibi einige 30 mal; 
Merc. 619 citirt auch Yarro de 1. 1. VII 60 mihi hodie)-, cave iube habe (Cure. 461 r 
Men. 517 Most. 377 Truc. 584, vgl. Men. 690), nisi heri modo homo patri mari 
dari usw. 



336 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

wie den Hiatus vor schließendem ^-w- 1 ) und nach kretischem Wort 
nur registriren ohne sie für plautinisch halten zu dürfen, solange 
nicht ein Erklärungsgrund für Hiatus an bestimmten Versstellen 
außer der Diärese oder nach gewissen Wortformen außer einsilbigen 
und jambischen gefunden ist 2 ). Für das Eindringen der Cäsurhiate 
ist die richtige Erklärung längst gefunden und besonders von Klotz 
S. 165 ff. begründet. Wie überhaupt der Hiatus sich im plautinischen 
Text festsetzen konnte, habe ich oben erörtert; doch bleibt es 
Pflicht weiter nachzuforschen, welche unter den überlieferten Hiaten 
von Plautus selbst herrühren können, d. h. in seinem Sinne nicht 
als Hiate zu gelten haben. Die bekannten Verse noch einmal an- 
zusehen, umzudrehen und zusammenzurücken führt nicht zum Ziel; 
man muß andere Wege finden, wenn man nicht immer wieder da 
endigen will wo das Stroh gedroschen wird. 

Lachmann schreibt an Haupt (S. 176) 'Über die Hiatus im 
Plautus wird mir manches klar: ich gehe aber immer von der 
Elision aus; welches sich eigentlich von selbst verstehn sollte". Es 
ist die Zeit, in der er am Lucrez arbeitet, die Methode die ihm 
zu den Entdeckungen über die jambischen Wörter, über auslauten- 
den Vokal nach langem Vokal und zu vielen anderen verholfen hat. 
Ich sehe nicht, daß andere auf diesem Wege nachgegangen sind; 
wenigstens zu einem Funde hat er mich geführt, der der Mühe lohnt. 

Wir wissen durch Lachmann, daß die vokalisch auslautenden 
Wörter, die sich vor der Synalöphe scheuen, gelegentlich vor an- 
lautenden Vokal gestellt werden ohne zu verschmelzen, also einen 
Hiatus hervorrufen, der der Synalöphe vorgezogen wird; solche 
Fälle sind selten, gewöhnlich wird es vermieden, Wörter dieser Art 
^inem vokalisch anlautenden Wort voraufgehen zu lassen. Wenn 
der Hiatus eintritt, so ist es ein Kunstmittel, der Leser empfindet 
daß dem Worte die Synalöphe versagt und deshalb der Hiatus er- 
laubt ist; beide Erscheinungen hängen zusammen, die eine ist die 
Kehrseite der andern. Die Frage ist nun: gibt es vokalisch aus- 
lautende Wörter, die in der plautinischen Verskunst nachweislich 
die Synalöphe vermeiden? Die einsilbigen oder jambischen oder 
kretischen Wörter gehören nicht dazu, sie sind viel häufiger in Syna- 
löphe als in Hiatus überliefert. Um Wortkörper von besonderer 

1) Eine Bestätigung für diese Hiate ist vielleicht darin zu sehen, daß 
-auch stet, possiet, poculum sich an dieser Stelle des Verses vereinzelt finden. 
(Jacobsohn S. 8 ff.] 

[2) S.o. S.334A.1J 



Hiatus und Synalöphe, Diphthonge 337 

rhythmischer Beschaffenheit kann es sich also nicht handeln, es kann 
sich nur um die Beschaffenheit des auslautenden Vokals handeln; 
sicherlich nicht um kurze Vokale, auch nicht um einfache lange, 
keiner von diesen zeigt eine Beschränkung der Synalöphe. Für 
Plautus also kann man auf diesem Wege nur etwas gewinnen, wenn 
man sich nach diphthongischen Auslauten umsieht 1 ). 

Man kann die diphthongisch auslautenden Interjektionen vor- 
wegnehmen, ei steht nicht in Synalöphe, aber mit Hiatus ei occidi 
Aul. 150; eti oft in Hiatus: cu hercle, eu edepol, mit ecastor ver- 
schmilzt es; heu steht nicht vor Vokalen, eheu in Hiatus Capt. 152, 
Trin. 503 und wahrscheinlich Pseud. 79, nicht in Synalöphe; eugepae 
mit Hiatus Capt. 823, papae nicht vor Vokalen, aber vae in Syna- 
löphe: vae aetati tuae (vae Uli). 

Die Untersuchung ist durch die Geschichte der lateinischen 
Diphthonge einerseits erleichtert, indem sehr wenige diphthongische 
Auslaute überhaupt vorhanden sind 2 ) und der einzige meist er- 
haltene Diphthong, au, nicht in den Auslaut tritt 3 ), andererseits er- 
schwert, indem man bei jedem diphthongischen Auslaut erst fragen 
muß, ob der Diphthong noch in litterarischer Zeit als solcher 
empfunden wurde, ob ein scheinbarer Diphthong nur graphische 
Variante eines einfachen Vokals ist. 

Das einzige auslautende oi ist das von quoi\ alle übrigen öi 
sind in plautinischer Zeit bereits zu (ei) /, alle öi zu o geworden. 
quoi schrieb Plautus zwar, sprach aber sicherlich nicht oi sondern 
ui. Es steht in Synalöphe (vgl. Asin. 94 Aul. 75. 396. 420 Capt. 147. 
157), ob auch in Hiatus ist nicht zu entscheiden, da die zweisilbige 
Form daneben besteht; dasselbe gilt für den Dativ ei. 

Weder si, ni noch irgendeine der in ei, i ausgehenden Formen 
der Verbal- und Nominalflexion ist von der Synalöphe ausgeschlossen, 
während für alle auch Beispiele des Hiatus vorliegen. Hier das 
Material vorzulegen ist zwecklos, ich kann sagen daß ein Beweis 
für den Hiatus aus der einst diphthongischen Natur dieser Auslaute 
nicht zu führen ist. Eines Wortes bedarf nur der Ausgang des gen. 



1) Kaibel Stil und Text der nohx. H&tjv. des Aristoteles S. 12 hat beob- 
achtet, daß Aristoteles in der nolixela auslautende Diphthonge leichter als ein- 
fache Vokale in Hiatus setzt. 

2) eu, heu habe ich erwähnt, obwohl eu nur durch Synizesis einsilbig 
wird. Merc. 306 si canum seu istuc rutilum sive atrumst, amo. 

3) Über hau s. o., au macht bei Terenz Hiatus in au öbsecro, steht sonst 
nicht vor Vokal. 

Leo, Plautinische Forschungen 2. Aufl. 22 



338 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

sing, der iö-Stämme in i. Lachinann (zum Lucrez S. 328) warnt 
mit Recht davor, in diesem Auslaut etwas anderes als ein einfaches 
i zu sehen. Er hat auch beobachtet, daß von jambischen Gene- 
tiven dieser Art in der scenischen Poesie nur preti und viti gebraucht 
werden; auch die übrigen sind nicht von vielen Wörtern gebildet 
worden, nur von 39 unter (nach Rassow) 153. Die Synalöphe ist 
überaus selten: viti et Truc. 612, flagiti et Men. 901 , consili in 
Most. 688, periuri atque Mil. 90, litigi inter Cas. 561, alli ulpicique 
Poen. 1314, infortuni intenta Poen. 201 , vgl. Rud. 883 (praesidi 
apparas), Most. 879, Rud. 725, Poen. 1306 (P falsch negoti autem)\ 
nicht Synalöphe ist commercist, negotist, consili es (Epid. 152). Ein 
wirklicher Hiatus 1 ) aber liegt nur einmal vor: Most. 1165 supplici 
habeo satis. Das reicht nicht aus, eine besondere Behandlung dieses 
Auslauts zu erweisen; die Hiate senis Enni imaginis formam und 
remigi oblitae sind griechische wie Scipio invicte. Ich kann mir daher 
ersparen, auf den Gebrauch der späteren Dichter einzugehn 2 ). 

2 

Wir sind somit auf den einen Auslaut ae reducirt. Für diesen 
ist das Resultat folgendes. Während die Dative singularis und die 
Nominative pluralis, wie auch prae s ) und beide quae (s.o. vae) 
häufig Synalöphe erleiden, ist für d$n Genetiv singularis in ae nur 
eine äußerst geringe Zahl von Synalöphen überliefert. Häufig sind 
Verse wie incolae accolae advenae omnes oder primum mihi Plautus 
nomen Luxuriae indidit, fast vereinzelt steht Alcumenae usuram 
corporis. 

Als Beispiel mag der Rudens dienen. Er hat folgende Syna- 
löphen im Dativ: 222 vitae haud, 412 morae Uli, 455 Palaestrae in, 
617 inopiae atque, 935 famae et, 1421 fabulae huic, folgende im 
Nom. plur.: 153 tegulae. hui, 164 miserae euge, 207 summae opes, 
221 multae in, curae exanimales, 267 advectae huc, 269 vectae. ad- 
modum, 272 eiectae e, ambae obsecro, 310 conchitae atque, 365 salvae 



1) Scheinbare Rud. 950, Men. 384, Mil. 1346, Most. 742. 

2) Die Belege sind gesammelt von A. Petermann de genetivi substanti- 
vorum in vus et ium exeuntium forma, Progr. Großglogau 1863 (Terenz und 
die folgenden S. 4 ff., danach Terenz nur Eun. 25 Naevi et, Ad. 707 negoti hoc, 
Phorm. 578 consili incertum). [Vollständiges Verzeichnis : W. A. Merrill in Univ. 
of Calif. Public. 1910 S. 57 ff., die Genetive auf S. 68 ff.] 

3) Wenigstens prae Mo, illa, HKus, huius (Epid. 522, Mil. 989. 1170, 
Men. 181), vgl. praeut. 



gen. -i von -io. Synalöphe des ae 339 

estis, 366 timidae ambae in, 370 iactatae exemplis, 553 mulierculae 
essent, 616 agricolae accolae, 642 duae innocentes, 663 ipsae huc, 
timidae e, 699 elautae ambae, 719 ?'Wae ancillae, 745 cwwitf mm£, 
1106 istae an, 1161 mme. immo, 1169 maniculae et, 1236 transennae 
tibi (von denen nur zwei, 1161 und 1236, allenfalls mit Hiatus ge- 
lesen werden können); im Genetiv nicht eine einzige. 

Für die Synalöphe eines Genetivs in ae kommen im gesamten 
plautinischen Text folgende Stellen in Betracht. Amph. 1 1 35 

primum omnium Alcumenac usuram corporis 

cepi, 
ein Vers an dem nichts auszusetzen ist. Bacch. 1105 

hie quidem(st) pater Mnesilochi. eüge socium aerümnae et 

mei mali video. 
Der Vers ist der vierte von sieben Septenaren, an seiner metrischen 
Gestalt kann also nicht wohl ein Zweifel sein, aber er ist in der 
Diärese schlecht gebaut; ich habe ihn so stehn lassen, weil ich 
die Synalöphe nicht herauscorrigiren wollte, doch bezweifle ich daß 
das zweite Kolon in Ordnung ist. Capt. 585 *) 

atque ut perspicio profecto iam aliquid pugntre edidit, 
darüber unten, ebenso über Epid. 563 

domi meae eccam salvam et sanam. nam postquam audivi 

ilico, 
Bacch. 1083 

aequom esse puto, sed nimis nolo desidiae ei dare ludum, 
und Trin. 676 2 ) 

tum igitur tibi aquac erit cupido, genus qui restinguas tuom. 

1) Capt. 1036 qui pudicitiae esse voltis praemium ist pudicitiae Dativ, vgl. 
Poen. 1190 mvietae praemium ut esse sciam pietati. 

2) Trin. 628 si in rem tuam, Lesbonice, esse videatur, gloriae aut famae, 
sinam : hier sind gloriae aut famae Dative , vgl. Ussing. Zum Wechsel der 
Struktur, der ganz plautinisch und in vielen Formen zu belegen ist, vgl. 
Poen. 145 si tibi lübidost aut voluptati, sino. Zum Ausdruck Ter. And. 444 cavit 
ne umquam infamiae ea res sibi esset. Auch Trin. 365 multa Uli opera opust 
ficturae qui se fictorem pröbum vitae agundae esse expetit (es ist die Antwort auf 
nam sapiens quidem pol ipsus fingit fortunam sibi, eo non multa quae nevolt eve- 
niunt, nisi fictor malust) ist vitae agundae Dativ, abhängig von probus, wie 
v. 229 utram aetati agundae arbitrer firmiorem, Pers. 428 referundae ego habeo 
linguam natam gratiae (vgl. Merc. 987 adulescentes rei agundae isti magis solent 
operam dare: in allen diesen Versen Synalöphe). Denn einmal kann Plautus 
zwar sagen fictor fortunae oder vitae, aber nicht fictor vitae agundae ; zum andern 

22* 



340 VI Hiatus und SynalÖphe bei auslautendem ae 

Poen. 802 

paululum 
praedae intus feci. 
Daß der Vers möglicherweise zu einer Eindichtung gehört will ich 
nicht ins Feld führen; wir werden sehen daß das die Schwierigkeit 
nicht heben würde. Mil. 645 

commemini et meae orationis iustam partem persequi. 
Merc. 521 geht die Überlieferung auseinander: 

bonae hercle te frugi arbitror A 

bonam hercle te et frugi arbitror P. 
Daß in P das Richtige steht wußte ich ehe ich auf die Bedenklich- 
keit der Synalöphe 1 ) aufmerksam geworden war. bonae frugi ist 
der gewöhnliche Ausdruck; aber bonam et frugi ist mit bestimmter 
Absicht gesagt, v. 510 hat Lysimachus gesagt bona si esse vis, 
bene erit tibi und darauf das Mädchen eine Antwort gegeben, die 
ihn veranlaßt zu fragen: quasi dicas nullam mulier em bonam esse, 
was Pasicompsa mit einer witzigen Wendung bekräftigt. Darauf 2 ) 
fragt er sie ob sie fein spinnen könne, und auf die Antwort, daß 
sie darin den Vergleich mit keinem andern jungen Mädchen scheue, 
faßt er sein Lob zusammen: bonam hercle te et frugi arbitror, indem 
er bonam auf 510 sq., frugi auf 51 7 sq. bezieht, frugi ist mit einem 
anderen Epitheton verbunden Most. 1 33 nam ego ad illud frugi usque 
et probus fui, Cas. 283 probum te et frugi esse hominem iam pridem 
arbitror (pro bone frugi codd.), Trin. 320 quam probus sit et frugi 
bonae — nee probus est nee frugi bonae, vgl. Pers. 839 nee satis 
frugi nee sat honestus, besonders aber Capt. 956 bonus vir numquam 
(fui) neque frugi bonae. — Most. 173 

virtute formte id evenit te ut deceat quidquid habeas. 
Vollkommen gleicher Art ist Mil. 1211 sattem id volup est, quom ex 
virtute formae evenit tibi mea opera super hac vicina (s. u.), wo frei- 



ist fictor vitae agundae wesentlich verschieden von fictor fortunae, c Er muß 
das Schmiedehandwerk ordentlich gelernt haben um ein Schmied zu werden 
probus vitae agundae\ auf daß er sein Glück selbst schmieden könne. 

[1) Wenn bonae frugi, wie es jetzt allgemein, und wohl mit Recht, an- 
genommen wird, Dativ ist, so fällt die Stelle fort. Von alten Grammatikern 
sahen es als Genetiv an Mar. Vict. p. 9, 13 K., Charis. 105, 1 (der auf die Rück- 
bildung frugis verweist), vgl. Gell. VI 11, 2, als Dativ Priscian: I 564 und öfter.] 

2) Nach dem Namen fragt er nur (516), um sie anreden zu können, fügt 
aber doch eine Schmeichelei hinzu. 



Synalöphe und Hiatus gen. sing, in ae 341 

lieh kein Finalsatz folgt. — Pseud. 990 sagt Simia, nachdem Ballio 
zweimal den Namen ausgesprochen hat: 

scio iam me recte tibi dedisse epistulam, 
pöstquam Polymachaeroplagidc elocutus nomen es. 
So ist der Name in P geschrieben (-placidc); das ist der Genetiv 
der 5. Deklination, nicht der ersten 1 ). A hat den Accusativ: poly- 
machaeroplacidem , der nicht unrichtig ist: c du hast den Namen P. 
ausgesprochen 3 . So heißt es Stich. 372 Epignomum elocutu's, 
Amph. 1 1 20 exclamat uxorem tuam (Antonius bei Cicero Phil. 2, 30 
Ciceronem exclamavit). Der Beisatz nomen ist durch den vorher- 
gehenden Ausruf Ballios motivirt, wenn man mit P liest: 

oh, Polymachaeroplagides 
purus putus est ipsus. novi. heus, Polymachaeroplagides 
nomen est. 
Aber A hat heus polymachaeroplacidi (oder auch -de) d. h. den Dativ 
der 5. Deklination. Auch hier sind beide Constructionen möglich, 
vgl. 653 und die von Becker in Studemunds Studien I 171 an- 
geführten ähnlichen Stellen. — Stich. 202 

adeunt perquirunt quid siet causam ilico 
(quiequid P); hier ist das im Senar nicht am Versschluß stehende 
siet bekanntlich eine Seltenheit 2 ). Dazu kommen causaest, eopiaest, 
frugi bonaeS) keine Synalöphen. 

Diesen höchstens 10, aber, wie wir sehen werden, auch zum 
Teil noch anfechtbaren Fällen von Synalöphe des genetivischen ae 
stehen folgende Verse mit Hiatus gegenüber: 

Amph. 486 sed Alcumenae huius honoris gratia 

frg. 5 ne tu postules matulam unam tibi aquae infundi 

in caput. 
Aul. 405 fugiam intro, ne quid tarhae hie itidem fuat. 
Baceh. 307 qui illic sacerdos est Dianae Ephesiae. 
Merc. 239 auae uxoris dotem ambedisse oppido. 
Mil. 1211 saltem id volup est, quom ex virtute formae 

evenit tibi. 

[1) Wie es Wackernagel W. Arch. XIV 5 für Oharmide, Periphane, Philo- 
lache nachweist, vgl. Lindsay XV 144.] 

2) [Jacobsohn Q. PI. 10.] Truc. 883 numquid vis? fac väleas. operae ubi 
rot erit, ad te venero brauchen operae ubi nicht notwendig zu verschmelzen, da 
übi mi erit möglich ist. Aber ohnedies ist operae in operae est nicht Genetiv 
wie in operae pretium est, sondern Dativ wie cwrae est usw. Richtig J. S. in 
Class. rev. 1894 8. 345 ff. 



342 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

Pers. 409 pecuniae accipiter avide atque invide. 

Stich. 699 quid istuc est provinciae ? utrum Fontine an Libero 

Trin. 1 1 08 nihil est morae, i i ambula, actutum redi (mora- 

cii codd.) 

Truc. 435 sed sociae unanimantis fidentis fuit. 
Dazu kommen einige unvollständige oder sonst verdorbene Verse, 
an deren keinem die Notwendigkeit vorliegt, die Synalöphe hinein- 
zucorrigiren : 

Asin. 534 hie dies summust apud me inopiae excusatio. 
758 aut quöd illa amicae amatorem praedicet. 

Bacch. 820 terrae odium ambulat, iam nil sapit. 

Pers. 310 ecquid quod mandavi tibi estne in te speculae? 

adito. 
Wenn wir nur die unzweideutig überlieferten Hiate in Betracht 
ziehen und mit der Zahl der sicheren Synalöphen vergleichen, so 
ist es klar daß unter den letzteren die keine Gewähr beanspruchen 
können, deren ae die Wahl hat mit dem folgenden vokalischen 
Anlaut zu verschmelzen oder nicht; daß also nach der Seite des 
Hiatus gezogen werden folgende Verse: 

Capt. 585 atque ut perspicio profecto iam aliquid pugnae 

edidit. 
Bacch. 1083 aequom esse puto, sed nimis nolo desidiae ei 

dare ludum. 
Trin. 676 tum igitur tibi aquae erit cupido, genus qui restin- 

guas tuom. 
Wie sind nun diese, die Synalöphen fast um das Doppelte 
überwiegenden Hiate zu erklären? Eine Erklärung verlangen sie, 
die sie nicht beanspruchen könnten, wenn nur die Hiate überliefert 
wären und außerdem die Synalöphe unbedenklich zugelassen. Unter 
den Hiaten ist jede Versstelle und jede metrische Wortart vertreten; 
der Erklärungsgrund kann also kein metrischer, sondern nur ein 
sprachlicher sein. 

Plautus kennt den Genetiv in ai. Überliefert ist er nur Poen. 51 , 
aber an andern Stellen deuten ihn Schreibungen an wie familia 
(Merc. 811) simia (B Merc. 241) nebula (2? Poen. 274) anima (Priscian 
Aul. 305) magna — publicam (Mil. 103) sapientiame (Mil. 236) aqua 
(aquast A } aqua est B, est aqua CD Poen. 432) antidamati (so A 
anthidamarchi P Poen. 1045), filiae in (Aul. 295). Sonst ist stets 
ae geschrieben, doch lehren jene Schreibungen, daß nicht die 



Hiatus des gen. sing, in ae. Endung ai 343 

Grammatiker, von denen unsere Texte stammen, ae zweisilbig ge- 
sprochen, sondern daß sie wie bei Vergil ai geschrieben haben. 
Bücheier hat diese Genetive in den Plautustext nur bedingt einlassen 
wollen, da er der Meinung ist daß sie für Plautus schon eine Anti- 
quität waren (Deklin. S. 64 W.j; so kommt es daß Brix und Nie- 
meyer, die doch 25 Fälle von -ai anerkennen (zum Trin. 359; 
Corssen II 719 kennt etwa 20), in magnai rei publicai gratia 
eine Art von Parodie auf den Kurialstil (nach Bücheier) und in 
meai fidei tuaique rei beabsichtigte Feierlichkeit sehen. Es gibt 
29 plautinische Verse, die ohne jeden Widerstand die zweisilbige 
Genetivendung annehmen : 

Amph. 359 quin me esse huius familiai familiärem praedico 

(s. u. Merc. 811. 834). 
367 advenisti, audaciai columen, consutis dolis. 
821 tu si me impudicitiai captas, capere non potes. 
Aul. 121 meai fidei tuaique rei. 

295 senex öbsonari filiai nuptiis 
ebenso (filiai nuptiis) v. 372. 540. 797. 

305 ne quid animai forte amittat dormiens (s.u. Trin.492). 
Bacch. 312 quin in eapse aede Dianai conditumst. 
Cas. 30 comoediai nomen dare vobis volo (s. u. Mil. 84 

Poen. 51). 
Cist. 40 ex patribus conventiciis, neque ego hanc superbiai 
Merc. 241 uxoris simiai dotem ambederit. 

692 parumne est malai rei quod amat Demipho? 
811 sua quidem salute ac familiai maxima. 
834 di penates meum parentum, familiai Lar pater. 
Mil. 84 comoediai quam nos acturi sumus. 
103 magnai rei publicai gratia. 
236 neque habet plus sapientiai quam lapis. ego istuc 

scio. 
519 itast ista huius similis nostrai tua. 
552 aqua aquäi sumi quam haec est atque ista hospita 

(s. u. Poen. 432). 
1 154 opust dolis, domi esse ad eam rem video silvai satis. 
Poen. 51 comoediai, sin odiost, dicam tarnen. 

274 quoius ego nebulai cyatho septem noctes non 

emam. 
432 neque quantum aquaist in mari. abiturun es? 
1045 siquidem Antidamai quaeris adoptaticium. 



344 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

Pseud. 98 neque libellai spes sit usquam gentium. 

Stich. 537 öptumest, iam istoc morai minus erit. iam ego 

apud te ero. 

Trin. 492 satillum animai qui quom extemplo amisimus 1 ). 
Diese 29 Verse haben sämtlich ai (in 25 übereinstimmend als 
ae überliefert) vor consonantischem Auslaut. Das kommt daher, 
daß vor vokalischem Auslaut man ai anzusetzen, außer vereinzelten 
Versuchen, nicht gewagt hat; und das wieder kommt daher daß 
nach Naekes allgemeiner und für die daktylischen Dichter zutreffen- 
der Aufstellung (opusc. I 181) Lachmann zu Lucr. III 374 behauptet 
hat, schon Plautus vermeide die Synalöphe eines langen vokalischen 
Auslauts, der auf langen Vokal folge. Damit steht es nun so, daß 
einmal solche Auslaute im alten Latein sehr selten sind, da der 
Regel nach langer Vokal vor Vokal verkürzt wird; zum andern sind 
die Genetive der ^-Deklination, die ei erhalten, gleichfalls selten 
und in dem häufigeren rei die Länge auch nicht constant; endlich 
steht nicht nur /?o, das Lachmann anführt (S. 160), in zweien von 
vier Stellen in Synalöphe (Amph. 866 Truc. 764), sondern auch zwei- 
silbige quoii und ei öfter, oder vielmehr bei diesen hat man die 
Wahl, ob man Hiatus oder Zweisilbigkeit annehmen will, wie bei 
den Genetiven in ai 2 ). Überhaupt aber hat Plautus die Be- 
schränkungen der Synalöphe, die Lachmann für die späteren Dichter, 
besonders die Daktyliker beobachtet hat, noch nicht gekannt, wie 
vor allem seine Behandlung der jambischen Wörter zeigt: er ver- 
meidet die Synalöphe durchaus gar nicht, wohl aber, wie mit Grund 
anzunehmen ist, er läßt für sie den Hiatus zu und zeigt nur darin, 
daß sie ihm auf anderem Brette stehn als andere Wortarten. 

Es ist also ganz unbedenklich, für Plautus Synalöphe eines 
auslautenden äi mit folgendem Anlaut anzunehmen 3 ). Sobald dies 
anerkannt ist, sind wir nicht mehr berechtigt, in jenen Versen, die 
-ae vor vokalischem Anlaut mit scheinbarem Hiatus bieten, wirk- 
liche Hiate zu erblicken, wenn die Verse den zweisilbigen Auslaut 



1) Was in der Textausgabe von Götz und Scholl der Vers Asin. 556 id 
virtute huius cöUegai meäque comitäte bedeuten soll, "weiß ich nicht. 

2) Vgl. Mil. 437 dtxaia et, Ter. Eun. 290 Piraeo abierit , Acc. tr. 670 
Oetaeo inlatae. 

3) Eine Bestätigung hierfür liegt darin, daß nirgend in einem inhaltlich 
tadellosen Verse -äi mit Hiatus vor vokalischem Anlaut steht; man könnte nur 
den Vers Bacch. 820 anführen: terrai ödium ambulat, iam nil sapit, dessen 
Metrum eben eine Silbe mehr verlangt. 



gen. sing. ~ai -ae 345 

ai mit langem a zulassen. Diese Voraussetzung trifft für alle drei- 
zehn Verse mit Hiatus in ae zu l ). Sie trifft z. B. nicht zu für den 
Vers Mil. 883 wie ihn Gulielmius emendirt hat 

postquam adbibere aures meae tuae oram orationis, 
[Lindsay behält tuam bei], oder für Asin. 894, wie der Vers bei 
Nonius steht: die amdbo an feiet anima tüae uxoris? für uxoris tuae 2 ). 

Die 42 Genetive in ai, die wir nunmehr im plautinischen Text 
anzuerkennen haben, lehren uns daß der Genetiv in dieser Gestalt 
in der Zeit des Plautus noch völlig lebendig war. Daneben aber 
ist die einsilbige Genetivendung ae durchgebildet. Dies Neben- 
einanderbestehen der ursprünglichen und der allmählich aus ihr 
entwickelten Form 3 ) ist kaum zu denken ohne daß eine Zwischen- 
stufe der Aussprache vorhanden war, eine Unsicherheit der Geltung 
des Auslauts empfunden wurde. Hierfür möchte ich anführen, daß 
der Genetiv der a-Stämme überhaupt auffallend selten von Plautus 
angewendet wird. Z. B. hat der Rudens, den ich vorher schon an- 
führte, neben 16 Dativen in ae 5 Genetive (402. 680. 758. 910. 
947, Locativ 613); der Trinummus neben 24 Dativen 11 Genetive, 
der Truculentus neben 20 Dativen 8 Genetive, die Asinaria 22 Dative, 
10 Genetive. Ich will daraus nur folgern, daß der Dichter eine 
gewisse Scheu empfand, die unsicher lautende Form anzuwenden, 
wie ja ähnliches so oft in der römischen Poesie zu beobachten ist 4 ). 
Vielleicht ist es richtiger zu sagen, daß in den 1 3 Versen mit Hiatus 
nach -ae nicht sowohl zweisilbiges ai einzusetzen, als ein Zwischen- 
und Übergangslaut von dem zweisilbigen zum einsilbigen Diphthong 
anzunehmen sei, eine Mittelstufe die den Hiatus nicht fühlbar macht 
und die Synalöphe zurückhält. Diese Ansicht zu bekräftigen dient 
eine Erscheinung, die sich im Nominativ plur. verglichen mit dem 
Dativ sing, zeigt. 

Daß der Dativ in ae sehr oft Synalöphe eingeht ist oben be- 
merkt (z.B. im Amphitruo v. 392. 811. 877. 1061, Stichus 19. 92. 



1) Der Vers Stich. 699 erhält erst durch -ai den richtigen Einschnitt. 

2) Ich halte es für wahrscheinlich, daß Most. 173 formae id aus formaei 
entstanden ist, dieses aus formae dem zur Correctur i übergeschrieben war; so 
Aul. 295 filiae in statt filiai. 

3) Brugmann Grundriß II 571 zweifelt c ob ae aus ai rein lautlich ent- 
standen oder Analogie des dat. loc. ae wirksam war'. Die Existenz des Dativs 
in ae mußte eher hindern die identische Form sich entwickeln zu lassen. 

[4) Exon (s. u. S. 348 A. 2) S.570 vergleicht Vidul.42 eibique minimi maoeu- 
maque industria und Asin. 533 largus lacrimarum, 598 opera largus nocturna,] 



346 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

275. 560, Trinummus 8. 365. 629. 651. 958, Truculentus 61. 102. 
239. 800); daneben steht eine verschwindend kleine Zahl von Hiaten: 

Amph. 134 meus Aleumenae. illa illum censet virum 
872 ne id Aleumenae innocenti expetat, 
wo der zweite Hiatus den ersten noch obendrein verdächtig macht, 
und zweie in jambischen Wörtern : 

Amph. 1 106 nön metuo quin meae uxori latae suppetiae sient. 

Men. 740 domo suppilas tuae uxori et tuae 1 ) 
Die Vereinzelung dieser Hiate ist Beweis genug, daß das dativische 
ae nicht den Hiatus mildert oder aufhebt. Ich will gleich vorweg- 
nehmen, daß auch unter den in der Poesie vor und nach Plautus 
überlieferten Hiaten keiner das dativische ae trifft, außer Ter. Hec. 1 
Recyra est huic nomen fabulae, haec cum datast 2 ). 

Der Nominativ in ae macht, wie gleichfalls oben bemerkt, auch 
sehr oft Synalöphe (z. B. Pseudolus 66. 174. 180. 183. 238. 672. 1068. 
1223, Stichus 65. 540. 594, Trinummus 409. 471. 541. 791. 1039. 
1080, Truculentus 178. 275. 295. 469. 633. 776. 780); dem gegenüber 
aber steht hier eine fast eben so große Zahl von Hiaten wie beim 
Gen. sing. : 

Amph. 275 nee Iugulae neque Vesperugo neque Vergiliae 

oeeidunt 
von Varro und Pestus (Paulus) bezeugt. 

Asin. 759 fores occlusae omnibus sint nisi tibi. 

Bacch. 51 Auae unum expetitis palumbem. 

Cist. 641 periimus miserae. utrum hac me feriam an ab 

laeva latus? 

Cure. 398 nam illaec catapultae ad me crebro commeant. 

Men. 67 illi divitiae evenerunt maximae. 

276 prius iam convivac ambulant ante ostium 3 ). 

1) pallam atque aurum meum domo suppilas tuae uxori et tuae degeris 
amicae. Der Dativ tuae uxori nach meum ist schwerlich zu rechtfertigen (uxori 
(aufers) Vahlen), erst durch (mihi) tuae (wie Niemeyer vermutet hat) wäre die 
Verbindung erklärt, aber Plautus würde meum und mihi wohl nicht getrennt 
haben. Dagegen würde der Genetiv tuae uxoris epexegetisch zum pron. poss. 
treten wie 871 Imperium tuum demutat atque edtöum Apollinis, wie Cic. 
Philipp. 2, 111 tuum hominis simplicis pectus vidimus, und damit dieser Vers aus 
der Dativ- in die Genetivreihe. 

2) Den zweiten Vers (nova, novom intervenit Vitium et calamitas) trifft die 
Corruptel mit; ich versuche eine einheitliche Heilung: haec cum data novast, 
novae novom. 

3) S. o. S. 300. 



Abstufung des Verhaltens der drei Casus 347 

Mil. 1040 sed eräm meam quae te demoritur. multae äliae 
idem istuc cupiunt (oder multae). 

Most. 709 vöstrac, haec sat scio quam me habeat male. 

Poen. 43 nunc dum scriblitac aestuant, occurrite. 

873 völucres tibi erunt tuae hirquinaß. i in malam rem. 

i tu atque erus. 
1136 eho an huius sunt illaec filiae? ita ut praedicas 
mit Personenwechsel, wie auch 873 nach hirquinae und Cist. 641; 
Poen. 873 tuae, jambisches Wort, unrichtig tuae istae sunt Rud. 752. 

Rud. 746 quid mea refert, haec Athenis nata^ an Thebis 

sient? 

Trin. 539 nam fulguritae sunt alternd arbores. 
dazu 

Cist. 406 febriculosae miserae amieae osseae, 
wo zwar amicae bedenklich, aber schwerlich eine Silbe verloren ist. 
Cist. 122 gibt A unrichtig largiloquae extemplo et plus loquimur quam 
sat est {sumus statt et P), v. 1 45 id duae nos scimus solae, ego quae 
Uli dedi .4, solae scimus P. 

Wenn wir die an den drei -ae 1 ) beobachteten Erscheinungen 
zusammennehmen, so ergibt sich eine Stufenfolge ihres Verhaltens 
vom Gen. sing, zum Nom. plur. zum Dat. sing.: der Gen. sing, ver- 
meidet die Synalöphe und gestattet den Hiatus, oder vielmehr hebt 
ihn durch die zweisilbige Form auf, die neben der einsilbigen besteht; 
der ISTom. plur. geht Synalöphe ein und vermeidet den Hiatus nicht; 
der Dat. sing, steht in Synalöphe und flieht den Hiatus. Gelingt 
es, diese Tatsachen nicht nur zu constatiren, sondern auch zu er- 
klären, so können wir sicher sein, daß nicht ein Zufall der Über- 
lieferung uns täuscht. Ich meine daß die sprachgeschichtliche Er- 
klärung (nur um eine solche kann es sich handeln) sich von selbst 
darbietet. 

Von den drei Casus der a-Deklination in ae ist nur der Dativ 
eine ursprüngliche, gemeinitalische, ausschließliche Bildung. Für 
Genetiv sing, wie für Nominativ plur. ist das italische Zeichen s, 
die lateinischen Genetive und Nominative in ae sind lateinische 
Sonderbildungen. Den lateinischen Nominativ plur. in as können 
wir nicht mehr nachweisen, er ist vor der Zeit unsrer Denkmäler 
der neueren Bildung in i gewichen. Dagegen der Genetiv in as 

1) quae neutr. und femin. steht oft in Synalöphe (s. o.), mit Hiatus ist es 
überliefert Asin. 585, Aul. 433, Capt. 2GB. 



348 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

ist vorhanden, bezeugt für die Saturnier des Livius und Naevius, 
selbst für das Epos des Ennius, der die Antiquität als solche auf- 
nahm, erhalten durch den Rechtsausdruck pater familias, doch dem 
Plautus, d. h. der Sprache des Lebens von 550 an, gänzlich fremd 1 ), 
verdrängt durch die neue Bildung in ai 2 ). Übersehen wir diese 
Tatsachen, so finden wir, daß von den Formen in ai ae der Dativ 
uralt, der Nominativ plur. in vorhistorischer Zeit eingewurzelt und 
herrschend, der Genetiv sing, in litterarischer Zeit noch nicht allein- 
herrschend ist. Also der Dativ hat die längste, der Nominativ eine 
lange, der Genetiv die kürzeste, wahrscheinlich eine für sprachliches 
Leben sehr kurze Entwicklung durchgemacht, da die Litteratur ein- 
setzt. Das ist dieselbe Stufenfolge, die uns in den Versen selbst 
entgegentritt (denn die Inschriften lehren nichts über den Silben- 
wert der ai die sie bieten): der Dativ ist durchaus einlautig und 
zeigt keine Spur eines einst zweivokaligen Auslauts; der Nominativ 
ist bereits einlautig, hat aber noch so viel teil an der Natur des 
eigentlichen Diphthongs, daß er vor Vokal, wenn er nicht verschmilzt, 
doch das Gefühl des Hiatus für Sprecher und Hörer nicht auf- 
kommen läßt; der Genetiv ist noch so weit zweilautig, daß zwei 
Silben der Endung rein in die Erscheinung treten können, die beiden 
Vokale sind aber bereits so weit miteinander verwachsen, daß die 
einsilbige Form nicht nur häufiger ist, sondern vorherrscht; aber 
daß die Entwicklung noch nicht ihr Ende erreicht hat, erhellt ein- 
mal daraus, daß dieser Genetiv überhaupt nur mit einer Art von 
Scheu in den Vers eingelassen wird, zum andern daraus, daß er 
keine Synalöphe eingeht. 

So ist es zu verstehen, daß der Dativ in ae vor vokalischem 
Anlaut nur Synalöphe, der Nominativ auch Hiatus, der Genetiv in 
ae nur Hiatus zuläßt. 

Die letzten Worte dieses Satzes bedürfen einer Einschränkung, 
denn wir haben etwa ein halbes Dutzend Verse bei Plautus gefunden, 
in denen Genetive in ae Synalöphe eingehen. Ob man Plautus 
einige Ausnahmen von seiner in der Natur der Sprachform be- 
gründeten Regel zuschreiben will oder nicht, trifft die Sache nicht; 
niemand wird behaupten, daß die Synalöphe unstatthaft war, da 
selbst durch Synizesis verschmolzene Silben gelegentlich wieder mit 



1) Alcumenas im akrostichischen Argument ist gewiß richtig überliefert, 
stammt aber nicht aus Plautus, sondern aus der Schule. 
[2) Über diese Exton Hermath. XIII 1905 8. 555 ff.] 



Die drei Casus. Die Ausnahmen 349 

einem Anlaut verschmelzen. Ich bin meinerseits überzeugt, daß 
Plautus geschrieben hat Amph. 1135 primum omniwu usuram Alcu- 
menae corporis , Mil. 645 commemini et meae iustam partern orationis 
persequi (Müller), Poen. 802 pauhdum praedae feci intus, alles mit 
einfacher Wortumstellung corrigirt, habe aber diese subjektive Über- 
zeugung dem Leser nicht einmal in der adnotatio aufgedrängt. 
Endlich Epid. 563 bin ich der Ansicht, daß dömi meae eccam l ) durch 
Synizesis einsilbiges meae mit Hiatus hat 2 ), der aber kein Hiatus 



[1) Lindsay Jahresb. 1906 S. 202 weist daraufhin, daß meae Locativ ist; 
es bleibt freilich zweifelhaft, ob das für Plautus einen lautlichen Unterschied 
machte.] 

2) Müller hat diese Synizesis geleugnet ohne zu überzeugen, da seine 
Methode zwar sehr geeignet ist positive Tatsachen zu erweisen, aber ganz 
ungeeignet negative Behauptungen glaublich zu machen. Neuerdings hat Skutsch 
(Berl. philol. Wochenschr. 1894 S. 265 ff.) aus allgemeinen Gründen die Zwei- 
silbigkeit von meo, suo usw., außer bei Proklisis oder Enklisis, wieder für allein 
statthaft erklärt; die Empirie streift er nur mit der Bemerkung, daß man das 
Gebiet der Synizesis gegen das der Jambenkürzung nicht abgrenzen könne, 
wie schon Müller behauptet hatte: c wo ist denn nach der Ansicht der Ver- 
teidiger der Synizese im einzelnen Falle die Messung meo, wo diemeö nötig?' Um 
hierauf zu antworten, will ich zwei Argumente anführen, die für mich die 
Synizesis dieser Formen in der plautinischen Metrik erweisen. 1. Plautus bildet, 
wie ich oben (S. 271 ff.) nachgewiesen habe, 4 Kürzen, deren erste allein den 
Verston trägt, nicht so daß die vierte Silbe erst durch Jambenkürzung 
zur Kürze wird. Eine Gruppe scheinbarer Ausnahmen habe ich dort anders 
erklärt, eine andere besteht aus folgenden Versen: Cas. 553 suam üxorem 
harte arcessituram esse, ea se eam negat morarier, Mil. 240 tarn similem quam 
lacte laetist. apud (te) eos hie devortier, Poen. 296 enim vero, ere, meo me lacessis 
ludo et delicias facis, [Rud. 876 tu in nervom rapere, eo me obsecras ut te sequar, 
Mil. 628 tamine tibi diu], Capt. 740 periclum vitae meae tuo stat periculo (in 
welchem Verse sogar 2 jambische Wörter den Proceleusmaticus ausmachen 
würden), dazu kommt Mil. 262 nam ille n&n potuit quin sermone suo aliquem 
famüiarium. 2. Plautus setzt in die 4. Stelle des trochäischen Septenars, . wie 
überhaupt selten eine daktylische Wortverbindung, so äußerst selten eine solche, 
deren Thesis aus einem zu kürzenden jambischen Wort besteht, wie Trin. 316 
neu tibi aegritudinem , pater, parerem parsi sedulo (wo die Allitteration gesucht 
ist), 1016 gurguliost exercitor, is hunc hominem cursuram docet (anders Aul. 610 
Men. 1028). Eine Gruppe scheinbarer Ausnahmen ist folgende: Cure. 331 scires 
velle gratiam tu am, noluit frustrariei-, Men. 151 litigium tibist cum uxore, eo mi 
abs te caveo cautius, Pseud. 1176 ubi suram aspicias, scias posse eum gerere crassas 
compedes, Trin. 329 de med, nam quod tuömst m eum st omne, meumst autem tuom, 
Epid. 679 dum sine me quaeras, quaeras mea causa vel medio in mari (vgl. 140), 
Mil. 797 quasique hunc anulum faveae suae dederit, ea porro mihi, Stich. 591 ad 
me, sed mihi ipsi domi meae nihil est, atque hoc scitis vos. [Ich kann nicht zu- 
geben, daß Skutsch (Sat. Viadr. S. 136 ff., Hgag S. 110) diese beiden Argumente 



350 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

ist; daß also Synalöphe im genetivischen ae üherhaupt nicht anzu- 
erkennen ist. 

In der Hauptsache völlig übereinstimmend verhalten sich die 
Genetive und Dative der e-Deklination, die allein zur Vergleichung 
taugt. Seyffert stud. Plaut. S. 25 ff. hat nachgewiesen, daß dati- 
visches -ei stets einsilbig, genetivisches auch zweisilbig ist. Nur 
daß in rei 1 ) auch eine Kürzung des e stattfindet, zeigt eine Zwischen- 
stufe, die für ai nicht nachzuweisen ist 2 ). Dagegen ganz wie die 
Formen der a-Deklination steht der Dativ rei sehr oft in Synalöphe 3 ), 



beseitigt habe. Über das erste s. o. S. 273. Gegen das zweite beweist Skutsch 
zunächst, was ich nicht geleugnet sondern wie er (S. 141) als selten bezeichnet 
habe, das Vorkommen der pyrrhichischen Senkung an 4. Stelle des Septenars. 
Er vermehrt alsdann die von mir angeführten Fälle der Jambenkürzung an 
dieser Stelle um etwa ein Dutzend (denn die Fälle mit tibi tibi nisi quasi, um 
apud nicht zu nennen, gehören in die erste Reihe), aber auch (S. 141 A.) die 
Fälle mit der fraglichen Synizesis um einige 30 (ich hätte mich, als ich die 
Anmerkung schrieb, nicht so ausdrücken sollen, wie wenn ich alle Belege an- 
führen wollte). Die Sachlage bleibt also bestehen wie ich sie dargelegt habe. — 
Allein in diesen Versen kommt 6 mal meae tuae suae pyrrhichisch, wenn nicht 
einsilbig, vor, und häufig sonst (duae: Müller Pros. S. 176), andre Jamben- 
kürzungen mit auslautendem ae so gut wie nicht, denn Gas. 118 und Truc. 800 
steht nicht novae und erae, sondern novae nuptae und erae meae (so auch 
Cist. 715, wenn es da nach 713 gut ist), d. h. im Wortzusammenschluß ; so 
Mil. 1190 morae sit, wenn das richtig hergestellt ist. Skutschs Argument von 
der Kürzung vocalis post vocalem ist doch sehr bedenklich. Überhaupt hat 
Skutsch den Beweis gegen die Synizesis in der scenischen Poesie so wenig ge- 
liefert wie Müller. Gewiß wäre es bequem und hübsch, wenn man nicht mehr 
zwischen tüo und tuö zu schwanken brauchte; aber das ist kein Argument und 
besagt nur, daß die Sache noch unerledigt ist, was sie freilich ist; auch daß 
tuo nicht einsilbig im Versschluß steht, ist kein Argument, denn wie viele ein- 
silbige Wörter stehen überhaupt im Versschluß? — Über die Synizesis neuer- 
dings Radford in den Transact. Am. Phil. Soc. XXXVI 1905, S. 158 ff. XXXVII 
15 ff. und Class. Phil. III 1908, S. 153 ff., vgl. Lindsay Jahresb. 1906 S. 183 ff., 
Lindström Comm. Plaut. 127 ff.] 

1) Die Länge ist außer den sonst citirten Stellen auch anzunehmen 
Merc. 692 (s. S. 343) und Most. 88 hominim cuius rei quandö natus esset 
(nicht est), 

2) Außer fide hat Plautus fidei Aul. 121. 583 und fidei Vidul. 41, wo ich 
es hergestellt habe (de PI. Vid. 7) ; fidH, das danach, wie es scheint, erst bei 
Manilius sicher steht, ist neben rei ganz unbedenklich, fide ist nicht über fidU 
aus fidei geworden, sondern nebeneinander gehen die Reihen fidei fide und 
fidei fitäi. 

3) Amph. 674 älium ego isti rei ällegabo, Pers. 333 quoi rei öpera detur 
(372. 393, Poen. 815, Trin. 119. 865, Bacch. 297), Poen. 49 ei rei ego finitor 
f actus sunt (Pseud. 783), Rud. 717 nön hodie isti rei auspieavi, Stich. 720 nülli 



e-Deklination. Livius, Naevius 351 

aber nicht in Hiatus (Poen. 479 quoi rei? ad fundas viscus ne ad- 
haeresceret mit Personenwechsel), der Genetiv nirgend in Synalöphe 
(reist zweisilbig, dieist). Hiatus könnte nur in zwei Versen gefunden 
werden: Aul. 68 malae rei evenisse quamve insaniam, wo die zwei- 
silbige Aussprache den Hiatus hebt und die (sonst nicht vorkommende) 
Synalöphe der zweiten Endungssilbe hervorbringt, und Stich. 379 
ddvexit. nimium bonae rei, herele rem gestam bene, wo rei vor der 
Diärese steht. Auch der zweisilbige Dativ fidei (fide) geht Syna- 
löphe ein (Pers. 193 fide herele, Trin. 117. 142 fide et, 128 fide ädu- 
lescentetn), der Genetiv nicht. Terenz 1 ) dagegen hat nicht nur wie 
Plautus ei rei hune (zwei Silben, Ad. 854) und quid hoc reist (doch 
reist einsilbig) Ad. 1 75, sondern auch, was Plautus noch fremd ist, 
Heaut. 830 quid rei esset dixti huic? dixi pleraqae omnia; aber 
Heaut. 1 002 mit Bentley zu schreiben cum mihi precatorem paro, 
seni nostro nil fidei habeo ist um so bedenklicher, als die Über- 
lieferung seni nostro fidei (fide) nil habeo tadellos ist. 

Die zufällig erhaltenen Verse des Livius und Naevius bestätigen 
das für Plautus gewonnene Resultat. Für Livius ist nur in dem 
Verse topper citi ad aedis venimus Circae der Genetiv in ae über- 
liefert, sonst -as, für Naevius nur com. 49 animae pauxillidum in 
me habet; der Dativ mit Synalöphe Liv. trag. 23 mdtri ne quid tuae 
advorsus fuas (Naev. Coroll. frg. 9 dividiaest), der Nominativ plur. 
mit Synalöphe Liv. trag. 1.1 terlias natae oecupant, Naev. trag. 36 
ignötae iteris sumus, wo man aber zweifeln kann, mit Hiatus Liv. 
trag. 18 cönflugae ubi (wo aber im Lemma confluges überliefert ist 2 ), 
Odyss. 23, 3 importunae ündae (wo freilich auch Synalöphe möglich 
ist 3 ). Dativ und Nominativ in ae, die älteren Bildungen, stehen auf 
derselben Stufe wie bei Plautus, der Genetiv auf einer älteren. 

Nach Plautus geht die Entwicklung des Gebrauchs der ae- 
Formen ohne Sprünge einen gemessenen Schritt, ja in wichtigen 
Punkten hat sich der Gebrauch so wenig geändert, daß man über 
die Einhaltung der einst gezogenen Schranken erstaunt. Von Cae- 
cilius liegt ein Genetiv nur v. 242 vor 4 ), im Dativ Synalöphe v. 229 



rei erimus postea, Trin. 522 ei rei argumenta dicam, Truc. 231 nisi qui rei ini- 
midist suae. 

1) Vgl. Engelbrecht, stud. Ter. p. 15. 

[2) Vgl. Solmsen Stud. S. 129]. 

[3) Vgl. Sat. Vers S. 52. 57.] 

4) V. 66 hat Onions emendirt: sine blanditie nihil agit in amore inermus. 
v. 70 mihi sex menses satis sunt vitae hat doch wohl zwei Dative, wie Heaut. 930 



352 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

nunc meae malitiae, Astutia, opus est succenturiare. Terenz hat 
75 — 80 Genetive und 70 — 75 Dative (unter beiden einige unsichere), 
die Nominative habe ich nicht gezählt, aber Synalöphe ist im Nomi- 
nativ sehr häufig (z. B. Hecyra 101. 180. 203. 275. 289. 307. 367. 
368. 426. 762. 790), im Dativ And. 571, Eun. 1027, Heaut. 646, 
Phorm. 1049, Hec. 32. 4(W, Ad. 308. 624, vgl. Hec. 1, Phorm. 597, 
s. u. Ad. 25, Heaut. 382. In Hiatus steht weder ein Dativ (Hec. 1 
s. S. 346) noch ein Nominativ plur. Auch von den Genetiven steht 
keiner in Hiatus außer Ad. 767 exemplum diseiplinae. + ecce autem 
hie adest, der bei der geringen Zahl der terenzischen Hiate bei 
Personenwechsel 1 ) von Lachmann zu Lucr. S. 161 mit Recht ver- 
worfen worden ist. Danach würde man Synalöphe häufiger er- 
warten als sie auftritt; sie ist nur in folgenden Fällen vorhanden: 
And. 235 opperiar ut sciam numquidnam haec türba tristitiae adferat, 
Heaut. 710 qui vim tantam in me et potestatem habeam tantae 
astutiae, Ad. 495 militiae et domi 2 ). Als zweifelhaft tritt hinzu 
Heaut. 382 isti formae ut mores consimües forent; in der Frage, ob 
hier Genetiv oder Dativ anzusetzen sei, gibt die Synalöphe ein 
Gewicht für den Dativ (S. 322 A.4.). Auch Ad. 2bpoetae ad seribendum 
augeat industriam ist es keineswegs erforderlich, poetae als Genetiv zu 
fassen 3 ). Andere Fälle gibt es nicht 4 ). Von jenen drei Versen 
hat der eine den Locativ militiae, keinen wirklichen Genetiv, über- 



nam si Uli pergo suppeditare sumptibuSj Cas. 337 quis mihi subveniet tergo aut 
capiti aut cruribus? Rud. 426 tum tibi operam ludo et deliciae dabo, Trin. 313 
istaec ego mi semper habui aetati integumentum meae, Stich. 524 si tibi nullast 
aegritudo animo obviam, Merc. 652 quis modus tibi exilio tandem eveniet? [Truc. 213 
die Variante huic homini amanti mea era apud nos naeniam dixit bonis, wenn 
Spengel die Überlieferung richtig beurteilt hat. Überall steht das Pronomen, 
die Bezeichnung des Ganzen, voran, wie in derselben sehr häufigen Construction 
des *a#' oXov xai /aeqos im Griechischen, vgl. Wilamowitz z. Herakl. II 2 44. 47, 
Kühner- Gerth II 430. Capt. 520 nee subdolis mendaeiis mihi usquam mantettum 
est meis ist mihi wohl ethischer Dativ, wie Statius Ach. 131 infensos utero mihi 
contuor enses. Aber Terenz Hec. 737 ut non siet peccato mi ignosci aequom. 
Vgl. zu Capt. 232.] 

1) Phorm. 146. 542, im Bembinus Eun. 433, vgl. Phorm. 963, oben S. 3. 

[2) Im falschen Schluß der Andria v. 2 tuae gnatae alterael) 

3) Vgl. Eun. 434 purgon ego me de istac Thaidi ? — immo äuge magis 
suspicionem (seil. ei). Bentley zu Hec. 48 c sic (Ad. 25) poetae, non aliis poetis\ 

4) Heaut. 189 animum amicae se erga läßt der Bembinus irrtümlich se 
fort, Ad. 747 meretrix et mater familias una in domo haben die Calliopiushand- 
8chriften falschlich familias erit una; der Vers Heaut. 515 ist durch Cliniae ille 
nicht verbessert (s. u.). 



Terenz 353 

dies in einer formelhaft geschlossenen Wendung. So bleiben im 
Grunde nur zwei Stellen, von denen ich wie von den plautinischen 
bezweifle, daß sie so vom Dichter herrühren, der And. 235 ferat 
statt adferat schreiben konnte und Heaut. 710 vielleicht besser 
tantam als tantae schrieb. Terenz also hat den Hiatus des Nom. 
plur. und des Gen. sing, (gleichviel ob bei diesem Hiatus oder mit 
zweisilbig gesprochener Endung Synalöphe des i entsteht) auf- 
gegeben, aber die Synalöphe des Genetivs in -ae nicht oder nur in 
wenigen Ausnahmefällen zugelassen. Der Nom. plur. steht also für ihn 
schon ganz auf der Stufe des Dativs, der Genetiv aber noch nicht, 
und man muß daher annehmen, daß in der gebildeten Umgangs- 
sprache noch ein Unterschied zwischen dem ae des Genetivs und 
dem des Dativs und Nominativs empfunden wurde. Um dieser Tat- 
sache sicher zu sein bedarf es nicht der andern, daß Terenz die 
zweisilbige Endung des Genetivs anwendet; das war Sache des 
Gebrauchs und er konnte das ai als seinem Stil zuwider vermeiden, 
auch wenn das i in der lebendigen Sprache noch als solches emp- 
funden wurde. Bentley hat bekanntlich ai bei Terenz unbedenklich 
hergestellt und dabei keinen Unterschied zwischen Genetiv und 
Dativ gemacht 1 ). Sehr scheinbar ist And. 439 hospitai consuetu- 
dinem, doch ist der Anfang propter huiusce hart; hinzuzunehmen 
Phorm. 880 dit uterque tibi potestatem eins habendae dari, wo ad- 
hibendae des Bembinus, wenn ich nicht irre, gegen den Sinn ver- 
stößt 2 ) und habendai den Vers herstellen würde. Aber andere auch 
nur scheinbare Stellen gibt es nicht außer der einen, die allein 
ernstliche Zweifel zu erregen geeignet ist, Heaut. 515 

ille Cliniae servos tardiusculust. 
Wie man sich hier auf das Brixsche adulescentis für Cliniae ein- 
lassen und es gar evident finden konnte, verstehe ich nicht, adules- 
cens verhält sich zum Namen wie das pronomen zum nomen: wenn 
sich zweie unterhalten und wissen, wen sie meinen, so brauchen 
sie nur adulescens zu sagen oder ille; hier, im Selbstgespräch, ist 
Cliniae entschieden lebendiger und besser. Wer die 2 — 3 Syna- 
löphen anerkennt, kann auch die 1 — 3 äi, zumal den Eigennamen 
Cliniäi anerkennen; die Frage wird dadurch nicht wesentlich be- 

1) Vgl. Engel brecht stud. Ter. p. 14 sq., der aber auch einige Dative unter 
die Genetive mischt. 

[2) Vgl. Hauler z. St. ; adhibendae läßt sich aus juristischem Gebrauch 
(wie Ulpian Dig. XXIV 2, 11, 2 si concubinam sibi adhibuerit) rechtfertigen, wenn 
es auch statt ducendae singulär und auffallend bleibt.] 

L e o , Plautinisohe Forschungen 2. Aufl. 23 



354 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

rührt, da auch für Terenz und seine Zeit es feststeht, daß das ae 
des Genetivs noch nicht völlig consolidirt und der Analogie unter- 
worfen ist. 

Auf die Reste der übrigen Sceniker wollen wir vor Ennius 
einen Blick werfen. In der palliata ist kein Beispiel der Synalöphe *) 
des Genetivs, aber eines des Hiatus: Turpil. 211 hoc te öro, ut 
illius commiserescas miserae orbitudinis (gewiß nicht miserulae). Sonst 
in der Komödie Synalöphe nur Titin. 1 inauratae atque inlautae 
mulieris; doch bedeutet das möglicherweise mulieres 2 ). In der 
Tragödie findet sich Acc. v. 124 ut mea ope opes Troiae integrem, 
wo Troiae wohl nur als Genetiv gefaßt werden kann (154 fortu- 
naest). Dagegen sind im Dativ (Turpil. 186, Titin. 52, vgl. 69, 
Acc. 10. 429. 469, vgl. 686; terraest 112) und Nominativ plur. 
(Titin. 59. 174, Atta 4, Pompon. 160, Acc. 214. 234. 237. 257. 677. 
trag. ine. 76 sq. 126. 260, vgl. Turpil. 98, Acc. 236. 587) Synalöphen, 
ein Hiatus im Nom. plur. Afran. 163 Septembris heri Kalendac, hodie 
ater dies, vgl. Pomp. 141, wo sicher der Nominativ laetitias insperatas 
verwerflich ist. 

Ennius hat den Genetiv in äi nicht wiederbelebt, sondern zu 
häufiger Verwendung beibehalten; in den erhaltenen Annalenversen 
hat er 7 mal ai und etwa gleich oft ae, in der Tragödie Medeai 
v. 217 (258 V.) und 10 — 12 mal ae. Hiatus hat er weder im Genetiv 
noch im Nominativ plur. noch Dativ (zufällig, denn er konnte alle 
drei Casus für den griechischen Hiatus verwenden), Synalöphe im 
Nominativ trag. 28. 78. 172. 203. 219 R., vgl. 206 (247). Wie, 
vielleicht zufallig, für den Dativ, so ist auch für den Genetiv, und 
wie wir doch wohl sagen dürfen nicht zufällig, kein Beispiel der 
Synalöphe erhalten, wenn nicht im Anfang der Medea, wie es meist 
geschieht, zu lesen ist v. 207 (248) 

neve inde navis incohandae exordium 
coepisset. 
So steht in der in diesem Falle schlechteren (wie wir erst durch 



1) ine. v. 85 (Sen. de benef. II 5, 2) quid? tu non mtellegis tantum te gratiae 
demere quantum morae adicis ? ist doch wohl mit morae der Vers (demere tantum 
te gratiae quantum morae Gertz) zu Ende und benefitiis, das Ribbeck einfügt, 
aus dem Zusammenhang zu entnehmen gewesen; vielleicht adimere gratiae. 

2) Titin. v. 43 rusticae togae (ei) ne sit copia, 77 pallae evallavero, 
Afran. 387 vestrae hie erae wie Turpil. 162 famae ae flagiti, sind Conjecturen, 
die ich nicht empfehlen möchte. Doch Laberius 120 decorem formae an digni- 
tatem corporis. 



Sceniker, Ennius, Lucilius 355 

Marx wissen) Überlieferung der Rhetorik ad Herennium, aus der, 
wie gleichfalls Marx mit Wahrscheinlichkeit annimmt, Priscian den 
Vers in derselben Gestalt entnommen hat; sonst ist in den mutili 
inchoandas, inchoanda und ähnlich, aber im Bambergensis inchoandi 
geschrieben, dann coepisset oder cepisset. Marx hat, wie zuerst 
Manutius, inchoandi exordium cepisset geschrieben, mit intransitiver 
Bedeutung von incohandi. Mir scheint coepisset, mit dreifachem 
Ausdruck des Beginnens, sehr im Stile des Ennius gesagt zu sein 1 ); 
navis tritt zum Gerundium wie in lucis das tuendi copiam, vgl. 
Ussing zu Capt. 1003, Madvig de fin. p. 113. Es findet sich also 
in den Resten des Ennius kein Beispiel von Synalöphe des Gene- 
tivs in ae. 

Im wesentlichen zeigt die folgende daktylische Poesie dasselbe 
Bild wie Ennius, und zwar länger als man anzunehmen geneigt sein 
würde. Lucilius hat Synalöphe im Nom. plur. v. 12. 13. 84. 113. 
144. 290. 318. 667. 995. 1022. 1061. 1066 (gumiae vetulae improbae 
ineptae) ; im Dativ finde ich keine ; im Genetiv 2 ) sicher v. 25 Ledae 
atque, alle übrigen sehr unsicher; 287 iratae ad in einem Verse, dem 
ein Wort fehlt, etwa iratae (tigris) ad catulos accedere inultum 3 ); 
1029 vitae esse in dem (Nonius 173) so überlieferten Verse sicuti te 
qui ea quae speciem vitae putamus esse, der vielleicht ausging, vitae 
speciem esse putamus; 1084 tuae artis, sicher verdorben. Daneben 
hat Lucilius mehrmals den Genetiv in -äi, sicher v. 226 Tiresiai, 
993 viai am Versende, 135 rutai caulis habetur, 1337 patriai prima 
putare, auch v. 472 (horai) mit Wahrscheinlichkeit angenommen. 

Daraus, daß Lucilius die zweisilbige Genetivendung anwendet, 
folgt, daß sie im Leben noch keine versteinerte Form war, daß sie 
in der Sprache noch Leben hatte, wenn auch der Genetiv dem 
Dativ so weit angeglichen war, daß Lucilius die Schreibung zu 
differenziren nötig fand; aber er schrieb wahrscheinlich ai für den 
Genetiv und ae für den Dativ vor ; das ist nicht scholastische Regel, 
es ist die Bezeichnung des Lautzustandes, den wir auch fernerhin 
in der Poesie nachweisen können. 

Daß Cicero in den Aratea (57 4 ). 179. 216. 278. 324. 372. 418, 



[1) Vgl. Vahlen Enn.* S. 162.] 

2) Vgl. Stowasser in Wölff lins Archiv I 195 ff. 

[3) Oder iratae (leae) : so Marx im Index S. 126, vgl. Gott. Gel. Anz. 1906 
S. 848.] 

4) Priscian I 285 bezeugt terrai, der Dresdensis hat serius haec öbitus 
terra eins sit equi vis d. h. terrae uissit. 

23* 



356 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

außer 57 und 278 im Versende) und Lucrez den Genetiv in üt an- 
wenden, lehrt zunächst nichts für die lebendige Sprache 1 ); aber 
wir können auch hier die Probe an der gleichsam umgekehrten 
Erscheinung, der negativen Behandlung des Auslauts machen. Da 
finden wir die auffallende Tatsache, daß zwar der Genetiv nicht in 
Synalöphe tritt, aber nun auch den Dativ und, weniger vollständig, 
den Nominativ plur. in seinen Bereich gezogen hat. Cicero freilich 
vermeidet überhaupt Synalöphe langer Vokale in hohem Grade und 
es wird einfach dadurch erklärt, daß er keinen der drei Casus in 
Synalöphe setzt (v. 448 coronaest) außer v. 293 den nom. plur. paucae 
e Chelis, wo e mit Sicherheit ergänzt ist. Aber Lucrez scheut die 
Synalöphe nicht, und es ist kein Zufall, daß bei ihm das dativische 
ae nicht ein einziges mal mit folgendem Anlaut verschmilzt, das 
genetivische nicht ein einziges mal außer I 139 propter egestatem 
linguae et rerum novitatem, dagegen III 374 animae elementa minora 2 ). 
Einigemal steht der Nominativ plur. in Synalöphe : I 305 suspensae 
in, 306 dispansae in; 605 und 813 aliae atque aliae, 1045 aliae ac 3 ). 
Lachmann hat VI 1 282 geschrieben multaque (res) subitae et pauper- 
tas horrido, suasit, wo subita et im oblongus, subita fit im quadratus 
steht; für jenes spricht der Umstand, daß sich die sichern Fälle 
von Synalöphe des nom. plur. auf das erste Buch beschränken, wie 
sich auch in ihm der Genetiv linguae et findet. Dagegen hat 
Lucrez qui etesiae esse feruntur (VI 716) neben remigi oblitae (Lach- 
mann S. 387). Mit Recht sagt Lachmann (zu VI 651) "Lucretio ae 
vera diphthongos erat, cuius utraque vocalis audiebatur 3 . Der 
Genetiv, der seinen zweilautigen Charakter nie ganz eingebüßt, aber 
doch dem Nominativ plur. und Dativ sich bis auf einen geringen 
Abstand in der Aussprache genähert hatte, hat auch für den Nomi- 
nativ plur. das Bewußtsein von der diphthongischen Natur des Aus- 
lauts geschärft und für den Dativ es wieder wachgerufen. 



1) Bezeichnend sind Verse des Lucrez wie tantast in quovis genere herbae 
materiai dissimilis ratio; quoniamst animi natura reperta atque animae quasi 
pars hominis, redde harmoniai nomen; maior enim turbae disiectus materiai con- 
8equitur leto. 

[2) Vgl. Heinze S. 107. — III 531 ist keinesfalls animae haec (oder hoc) 
für animo zu schreiben.] 

3) I 306 Nonius candenti statt dispansae in. I 874 hat Lachmann quae 
alienigenis eingesetzt (quae lignis); vgl. II 126 III 390 IV 887 quae in; das sind 
alle Fälle mit quae-, vgl. Lachmann zu IV 638. 804. quaest V 900. Dagegen 
II 404 at contra quae amara atque aspera cumque videntur, vgl. Munro. 



Daktyliker bis Vergil 357 

Was es sonst von Versen voraugusteischer Zeit gibt, außer 
Catull, zeigt keine abweichenden Erscheinungen. In dem großen 
Fragment des Porcius Licinus ist weder Graeciae in 1 ) noch Area- 
diae in überliefert, der Hiatus Arcadiae oppido in der Diärese des 
Septenars. CLE. 362 (Capua) aus etwa gleicher Zeit non aevo exs- 
acto vitai es traditus morti (vorher eheu heu Taracei, ut acerbo es 
deditus fatö). 

Catull ist der erste, der das ae aller drei Casus nicht in zahl- 
reichen aber sicheren Fällen und wie es scheint unbedenklich in 
Synalöphe setzt: Libyssae harenae, Asiae Europaeque, vitae heu heu, 
boreae aut apeliotae, multae optavere puellae, miserae oblitae; Vergil 
in den Eclogen, in denen überhaupt die Synalöphe langer Vokale 
sehr beschränkt ist, läßt kein -ae verschmelzen, wohl aber Hiatus 
bilden 7, 53 castaneae hirsutae und vielleicht 10, 12 Aoniae Aganippe; 
doch schon in den Georgica ist die Synalöphe üblich und dann in 
der Aeneis 2 ), obwohl er -ai conservirt. 

Somit ist das auslautende ae endlich auf die Stufe andrer langer 
Vokale gelangt; aber seiner Elisionsfähigkeit froh zu werden war 
ihm nicht beschieden. Bereits in augusteischer Zeit beginnt man 
in einzelnen Kreisen der Dichtimg die Synalöphe langer Vokale 
überhaupt zu vermeiden; im Culex ist divae exorabile (288) eine 
Singularität 3 ). Dieser Vermeidung der Synalöphe wirkt Vergil im 
didaktischen und epischen Gedicht entgegen, aber Horaz steht der 
Bewegung nicht fern 4 ), hier kreuzen sich die Wege der beiden 
großen Führer. Im Punkt der Verschleifung des ae tritt das Ver- 
halten des Horaz zur Synalöphe langer Vokale überhaupt in seinen 
Phasen greifbar und in seinem Gegensatz zu Vergil hervor. Während 
Vergil von der Vermeidung zur Zulassung fortschreitet, geht Horaz 
in seiner daktylischen Dichtung zwar keinen graden, aber doch 
eher den umgekehrten Weg. In den Satiren 5 ) hat er Synalöphe 
in ae int ersten Buch nur 6, 38 im Genetiv Damae aut (1, 20 cau- 
saest, 2, 82 togataest, 100 quae invideant), aber im zweiten im 
Genetiv 1, 72 Scipiadae et, 4, 7 naturae hoc (vgl. 5, 100), 6, 84 longae 



[1) abiit Graeciam in terram vltimam : warum wird das eigentlich geändert ? 
Draeger I 394.] 

2) Vgl. Schaper Progr. Joachimsth. Gymn. 1872/73 S. 41 ff., Haupt 
opu8c. I 93. 

[3) Vgl. Skutsch Aus Vergils Frtihz. S. 69 ff. 130.] 

4) Lehrs Horaz S. I ff., Kießling-Heinze 1 10 f. 

5) Lehrs hat die Tatsachen beobachtet, S. XVII und XIX. 



358 VI Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

invidit, im Dativ 3, 276 stultitiae atque, im Nom. plur. nicht. Da- 
gegen in allen späteren (ep. I. II, ars) nur das eine I 6, 26 cum bene 
notum portiais Ayrippae et via te conspexerit Appi; hier aber fehlt 
et in der Masse der maßgebenden Handschriften: den Mavortius- 
Handschriften und F, die es bieten (nicht Porphyrio, dessen Para- 
phrase kein et beweist), stehen A und der Vaticanus B gegenüber; 
die Überlieferung spricht eher gegen als für et, das Asyndeton ist 
untadelig 1 ). In den Epoden hat Horaz die Synalöphen 3, 16 siti- 
culosae Apuliae (Dativ) und 17,11 Iliae addictum (Nominativ), aber 
ihnen .hält die Wage der Hiatus 5, 100 Esquüinae alites, der jetzt 
erst in sein richtiges Licht tritt. In sämtlichen Oden ist nur eine 
Synalöphe in ae: III 4, 78 nequitiae additus (Dativ) 2 ). Auch dieser 
steht eine umgekehrte Erscheinung gegenüber. Horaz baut die 
alcäischen und sapphischen Gedichte des 4. Buches, schon das Carmen 
saeculare, so, daß er zwischen den Versen keinen Hiat (wohl aber 
kurze Silbe) zuläßt 3 ). Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist 
IY 15, 10 frena licentiae \ iniecit, es ist ein Auslaut in ae, in dem 
versteckt Horaz den scheinbaren Hiatus zuläßt. Auch in den übrigen 
sapphischen Gedichten ist kein Hiat vor dem Adonius außer zwei- 
mal in m und I 12, 7 (Kießling a. a. 0.); hier ist es insecutae \ Or- 
phea sitae. In den Gedichten andern Maßes findet sich, nicht im 
Strophenschluß, IV 1, 18 aemuli \ Albanos, 13, 1 di \ audivere, beides 
Wörter, die er gleichfalls nicht mehr in Synalöphe setzen würde 
(wie di sat. II 6, 54), in c. 3 kein Fall, in c. 7 und 12 nur syllaba 
anceps (7, 22; 12, 19), wie in c. 5; die Hiate, die in 5. 8. 10 zwischen 
den Kola vorkommen, sind folgende: 5, 5 patriae \ instar, 8, 17 im- 
piae | eius*), 10, 2 superbiae \ et, sonst weder Hiatus noch in 8 und 
10 syllaba anceps (8, 20 und 24 sind Strophenschlüsse wie 1, 16 und 
24). Die Strophen des Gedichts III 7 sind durchweg mit Synaphie 
gebaut, außer V. 30 tibiae \ et. Es ist klar, daß Horaz nach 724 
nicht nur die Synalöphe des ae vermieden, sondern auch durch den 
Hiatus gezeigt hat, daß ihm auslautendes ae von andrer Art war 
als andere lange Vokale; während Vergil, der es bis 716 ebenso 
gehalten hatte, danach das ae im Auslaut wie andere lange Vokale 
behandelte. 



[1) Vollmer und Heinze 8 haben et nicht aufgenommen.] 

[2) III 8, 27 horae ac : ac nur in A ; Heinze hat es fortgelassen.] 

3) Kießling-Heinze I 10. 

4) Dies ist nicht Horaz, aber ein Beweis für das Alter der Interpolation. 



Horaz Tibull Properz 359 

In der Zeit, in der Horaz die Synalöphe des ae aufgab, haben 
Tibull und Properz gedichtet. Tibull vermeidet bekanntlich in 
hohem Grade die Synalöphe langer Vokale, völlig vermeidet er die 
des ae aller Formen: formaest I 8, 43 und curaest II 3, 43 (vgl. 18, 
45; 9, 51) sind keine Synalöphen. Properz, der die Synalöphe 
freier behandelt 1 ), stellt die des auslautenden ae unter besondere 
Regel; aber auch hier ist eine Entwicklung kenntlich und zwar 
auch hier eine nicht in grader Linie sich bewegende. Im ersten 
Buch findet sich außer tuaest 2, 7 (so überliefert) nur, und zwar in 
demselben Gedicht v. 17 Idae et (Dativ), geschrieben im Neapoli- 
tanus ida et 2 ). In seiner ersten Publikation hat sich also Properz 
der horazischen Technik angeschlossen. Dann aber nähert er sich 
der vergilischen. Im zweiten und dritten Buch stehen in Synalöphe 
die Dative II 1, 74 vitae et (wie Idae et), 3, 36 Europae atque Asiae, 
die Nominative III 5, 41 furiae aut, 20, 19 multae ante und nach 
Neapolitanus und Charisius, deren Zeugnis nun freilich eine be- 
sondere Beleuchtung erhält, II 33, 37 eum tua praependent demissae 
in poeula sertae (demissa — serta die übrigen Handschriften) 3 ), der 
einzige Genetiv III 8, 32 ille Helenac in gremio maxima bella gerit, 
dessen Vereinzelung gewiß als zufällig anzusehen ist 4 ). Es sind 
wenige, sparsam verteilte Fälle; aber in seiner letzten Zeit hat 
Properz auch die wenigen nicht mehr zugelassen. Im vierten Buche 
findet sich keine Synalöphe in ae, und Haupts pactae in savia 
noctes (3, 1 1) wird durch diese Beobachtung so hinfällig wie Lach- 
manns blandae utrimque fluant 6, 72. 

Die Abneigung gegen die Synalöphe des ae wird, wie wir 
sehen, in der früheren augusteischen Zeit noch als ein Erbstück der 
alten Technik bewahrt; denn daß damals noch ein sprachlicher 
Anlaß dazu vorhanden gewesen wäre, ist nicht wahrscheinlich. Von 
Ovid an habe ich den Gebrauch nicht beobachtet. Die Abneigung 
gegen Synalöphe langer Vokale, durch Ovid gefördert, und gegen 
die Synalöphe üherhaupt erreicht in neronischer Zeit ihren Höhe- 



1) Vgl. II 17, 11 quem modo fclicem invidia admirante ferebant, nunc decimo 
admittor vix ego quoque die. 

2) 20, 45 Unger und Bährens falsch accensae Hydriades. 

3) Scaligers Thebae et II 28, 54 gewinnt nicht an Wahrscheinlichkeit, des- 
gleichen quadrigae aut der geringeren Handschriften 34, 40. Der Hiatus III 7, 
29 ite, rotes curvae, et leti texite causas ist durch die notwendige Emendation 
curvas gehoben. 

4) vüae es (es fehlt im Neapolitanus) III 7, 1. 



360 IV Hiatus und Synalöphe bei auslautendem ae 

punkt, dann wendet sich wieder die epische Dichtung der vergilischen 
Technik zu. Aber es scheint nicht wieder vorzukommen, daß das 
auslautende ae unter besondere, es von den übrigen Auslauten 
unterscheidende Regeln gestellt wird x ) : Statius in den daktylischen 
Gedichten behandelt es sicher auf gleichem Fuß mit den anderen, 
vgl. in Theb. I v. 302. 375, in XII v. 185. 435. 529. 679. 687. 727, 
und Maenaliae Atalantcs (VI 541) wirft bei ihm kein Licht mehr 
auf eine Besonderheit des Auslauts; ebenso Valerius Placcus, 
z.B. III 302. 613. 654 IV 405 VI 126 VII 464. Dem einstigen 
Diphthong war es bekanntlich beschieden, noch tiefer zu sinken; 
aber seine Rolle als Diphthong hatte er ausgespielt als die klassische 
Poesie vollendet war, nachdem er sie im römischen Verse unter 
Wechselfällen bis zu Horaz und Properz bewahrt hatte Livi scrip- 
toris ab aevo. 



1) Über Lucan Trampe de Lucani arte metr. p. 16 (V 733 indulgere morae 
et tempus subducere fatis ist et so zweifelhaft überliefert wie Hör. ep. I 6, 26), 
über Statius Nohl quaest. Stat. p. 14 sq. 



Sachregister 



Accius, chronologische Angaben S. 66 sq. 

— Didascalica 34 

ad at 250 

-ae gen. dat. nom 338 sq. 

historisches Verhältnis . 347 sq. 

bei Catull, Vergil, Horaz 357 sq. 

bei Ennius 355 

bei Lucilius 355 

bei Lucrez 356 

bei Terenz 352 sq. 

bei Tibull und Properz. . 359 

Akrosticha 22 

Akte 226 sq. 

'AXaCcbv 178 sq. 

— nachmenandrisch .... 115 3 

alimodi 321 

aliqui aliquis 317 sq. 

aliquid adjektivisch .... 316 sq. 

aliquod 316 

Alkiphron und die Komödie . 142 sq. 
Ambrosianus und Palatini 

1 sq. 49 sq. 59 sq. 

amicus amico 259 sq. 

amicus ita ut nomen cluet . . . 127 

Amoris viae 154 

Amphitruo : Contamination . . . 185 2 

— Prolog 205 sq. 215 sq. 

— Zwischenreden 222 sq. 

amplecto 311 A. 

ävayvcoQioig 158 sq. 197 

Ankündigung des Stückes . . 245 sq. 

*A<pQodioia 173 sq. 

Apollodoros Hecyra 141 2 

apud apu aput 250 sq. 

Archaische Litteratur: Studium . 24 

Vernachlässigung .... 26 

Wiederaufleben . . . 28 sq. 

Leo, Plautinischo Forschungen 2. Aufl. 



Argumente, metrische . . S. 14. 21 sq. 
Aristaenetos und die Komödie . 143 
Aristophanes : ßtog . . . . 71 sq. 77 

— AaiTaXfjg, Nachwirkung . . . 139 

— Exposition und Handlung . 191 sq. 

— Frieden benutzt Acharner . . 165 l 

— Plutos und die via .... 138 

— Prologe 191 sq. 

Asinaria, Prolog 200 

— und Pseudolus, Menaechmi. 165A. 

— und Truculentus 149 

-ast -as = -a est -a es . . . . 285 
Asyndeton: 2 Superlative . . . 263 

— 2 Verba von 1 Conjunction 
oder Relativ abhängig . . . 272* 

Athenae Atticae 220 2 

attinet 265 

Aulularia, Prolog 211 

Ausgaben ausgewählter Stücke 20 sq. 

Baccheen und Kretiker, besondere 
Behandlung der Xifa . . 297. 298 

Begrüßung der Götter, der Heimat 134 

Bibliotheken und die archaische 
Litteratur 28 3 

Biographie, alexandrinische 65 sq. 71 sq. 

C und DV 15 

Caecilius: Plocium 101 

— und der Prolog . . . . . 192 sq. 

— Verhältnis zu den Originalen 100 sq. 
Caesar commentarii, Ausgaben . 46 
Cäsur des trochäischen Septenars 276 
Captivi, Prolog 203 sq. 

— Reaktion gegen Menander . . 141 

— Zeit . . . ■ 141 

capus 252 * 

24 



362 



Sachregister 



Casina S. 108 7 

Casina: Bearbeitung . 168 sq. 208 sq. 

— Prolog 207 sq. 

Cato de agri cultura: Textgeschichte 

37 sq. 
Catull, Befestigung des -s 291. 296. 298 

— Synalöphe des -ae 357 

cedo incedo 259. 270 

X<XQaKtrJQeg 131 sq. 132 * 

Charybdis 150 

Chor in der römischen Tragödie. 96 
Chorartige Zwischenreden . . . 240 * 

Xoqov 227 sq. 

Cicero de legibus, Ausgabe . 46 sq. 

— Timaeus 47 

circumplecto 310* 

Cistellaria, Prolog 212 sq. 

Citrio 108 7 

clavus Oupidinis 154* 

collus 310 

comissatio 155 sq. 

Commorientes 210 2 

Consonanten im Auslaut ge- 
schwunden 248 sq. 

Contamination 167 sq. 

coquös 301 

corpore custos 304 2 

Corruptel A und P gemeinsam 

6 sq. 53 sq. 

— in handschriftlicher und Gram- 
matikerüberlieferung .... 18 

— durch Vor wegnähme eines Wortes 7 

cuppes Prosodie 283 A. 

Curculio und Poenulus . 165 A. 176 

— Prolog 196 sq. 221 

— Schauplatz 221 1 

d im Auslaut 249 sq. 

dat. -06 338 sq. 345 sq. 

Dativ doppelt 251* 

debil 313 

Didaskalien 14 

Didaskalisches im Prolog 

201. 207 *. 215. 246 

Diphilos und die ävayvcoQtoig . . 159 

' — und Philemon 164 sq. 

— Prologe 242 

— Rudens 113 sq. 



Diphthongische Auslaute . S. 337 sq. 
Dittographie in A oder P . . 52 sq! 

dives Prosodie 283 A. 

Dual in -o 248* 

-e aus i 288 sq. 

-e = -is Adjektiv 285 sq. 

Adverbium 292 sq. 

einzelne Fälle .... 302 sq. 

in Lucrezhdss 304* 

2. pers. pass 289 sq. 

-e est — -is est 285 sq. 

-et gen. 5. Dekl 351 

eioßoXrj 233* 

Einnamigkeit 83 

Elegie und Komödie .... 143 sq. 

"EAsyxog Menanders 238 sq. 

enim eni 330* 

Ennius benutzt Tragödiencom- 
mentar 98 

— ßtog 76 

— Jambenkürzung? 330 2 

— Komödie 94 

— ausl. m vor Vokal erhalten . 331 

— ausl. s vor Vokal 313 

— Synalöphe 5 l 

— Tragödien: Auswahl der 
Archaisten 20 

— Übersetzungskunst .... 95 sq. 
iji y d/ucpoTsga xa'&evdeiv .... 105 
Epidicus, Bearbeitung .... 198 

— Prolog 194. 198 sq. 

Epistolographen 142 sq. 

Smzaoig 234 

Erotik und Komödie .... 140 sq. 

erus 301 

es ess 280* 

est verwächst nicht mit langem 

Vokal + s 281 sq. 

mit Nom. von Dental- 
stämmen 282 

-est = -is est 285 sq. 

Euanthius de fab 112 8 . 132 

Euripides: x a Q a KtfQes 131 

— Helena und die Komödie . 165 sq. 

— Lebensweisheit 126 sq. 

— und die via 158 sq. 

— Prologe 191 sq. 



Sachregister 



363 



Euripides: ngooconov nQoxaxinov S. 244 
*— Welt Verbesserung . . . . 114 sq. 
Exposition durch Gespräch. . 138 sq. 

famul 313 

fidei fide 350 2 . 351 

fortassis ~e 300 2 

Freundschaft 127 sq. 

frugi 340 

fugientem per sequi 156 

Gebet 134 

gen. -ae (s. -ae) 338 sq. 

bei Livius und Naevius . 351 

seltene Anwendung . . . 345 

Synalöphe 339 sq. 

— äl 342 sq. 

as 347 sq. 351 

— gerundii final 103 3 

— c graecua 3 103 3 

— der -io-stämme in i . . . 337 sq. 

Gräcismen 89. 103 sq. 

Griechische Wörter 106 

haud hau haut 249 sq. 

Heron AvxoiAaxonoir\xtxr\ .... 231 

Hetären 140 sq. 

Hetärenfeste 173 sq. 

evQTjjLiata 151 sq. 

Hiatus in A und P . . . . 2 sq. 

— einsilbiger Wörter 335 

— jambischer Wörter . . 335. 344 

— bei Plautus 334 sq. 

— bei Terenz 2 2 

— an bestimmten Versstellen 334 1 336 

hoc aetatis 305 

Horaz über Plautus 186 

— Synalöphe des ae . . . . 357 sq. 

— Synaphie der Kola ... 357 sq. 

— litterarische Wirkung . . 25 sq. 
vno&eoeig, metrische (vgl. Michel 

de fab. graec. argumentis metri- 

cis 1908) 22 

4 = 4s 290 1 

Jambenkürzung in 4. Stelle des 
troch. Septenars 349 2 

— bei auslautendem ae . . . 350 A. 



4it 4t S. 275 

üle Prosodie 318 i 

ülimodi istimodi 320 sq. 

illius . . 320. 320 2 

illius Uli 318 sq. 

impos Prosodie 283 A. 

incedo cedo 259. 270 

Indefinitum - Interrogativum , Ge- 
schichte 315 sq. 

-is Adjektiven düng 285 sq. 

— = -e umgekehrte Schreibung 

289* 302 

— = -ü es 284 * 

— 2. pers. pass. nach Plautus . . 291 

— Substantivendung .... 287 sq. 
-is est 4s es bei Terenz, Lucilius, 

Lucrez 287 

4st = 4s est der Adjektiva falsch 286 

istimodi 320 sq. 

iu/re peritus 304 2 

Juristisches 112. 123 sq. 

KaQxrjdoviog 170 sq. 

xaxaoxqoQpr\ 233 sq. 

xa& ölov xal fisQog 351* 

Kolometrie 21 

Komödie: Akte der agzala und vsa 231 

— Einteilung .... 225 sq. 232 sq. 

— vsa, Anklänge an die ägxaia 137 sq. 
und Euripides . 113 sq. 158 sq. 

— Verkehr mit dem Publikum 

239 sq. 244 sq. 

Krates in Rom 30 sq. 

Kretische Wörter, Kürzung der 

Auslautsilbe 319 A. 

Kritische Technik der Plautus- 

ausgaben 32 sq. 

— Zeichen 32. 49 

Kürzung naturlanger und posi- 
tionslanger Silben .... 319 A. 

Lar familiaris 211 2 

lex amatoria 154* 

Libanios' Parasit 157 x 

Liebender unter den Zechern . . 145 1 

Liebeskunst 146 sq. 

Liebeszeichen 145 x 

Livius Andronicus: Chronologie 66 sq. 
24* 



364 



Sachregister' 



Livius Andronicus, Odyssee. . S. 90 

— Überlieferung 90 1 

— Erfinder der Übersetzungskunst 88 

Lucan, Ausgabe 44 

Lucrez: Synalöphe des ae . . . 356 

— Textgeschichte 39 sq. 

— vita des G. Borgia 40 8 

Lucris, Lucrio 108 7 

Lukian und die Komödie . . 141 sq. 

m im Auslaut . , . 253 sq. 330 sq. 

— Hiatus 4. 331 

magi 294 

magis 298 sq. 

magis mage 292 sq. 

manus iniectio 123 sq. 

Menaechmi, Prolog .... 205 sq. 
Menander und die dvayvcoQiotg . 159 

— Erotik 140 

— K6Xa^ 115 8 

— und Philemon 165 A. 

— Prologe 242 sq. 

— Wortwitz 137 1 

Mercator, Prolog 215 sq. 

— und Casina 164 * 

— und Heautontimorumenos . . 164 x 

— und Rudens (Traum) . . . 162 sq. 

psgog actus 230 

fiixrov 237 

miles, Prosodie 283 A. 

Miles, III. Akt 131 

— Contamination 178 sq. 

— und Helena 166 

— Prolog 213 sq. 

minus 301 

mirimodis 325 sq. 

Monologische Erzählung. . . . 215 * 
Mostellaria und Casina . . 164 *. 207 

— Original 128 8 

— Prolog 194 sq. 

multigenerum 326 

multimodis 325 sq. 

Mythologisches 111 

Naevius: Auswahl der Archaisten 20 

— ßlog 77 sq. 

— Citatenreihe bei Varro ... 94 J 

— Komödie 93 sq. 



Naevius: Todesjahr .... S. 69 

— Tragödie 94 

Namen im Prolog 221 

Nauplios bei Heron 231 

navis einsilbig 277 

necessust bei Lucrez 283 4 

— = -um est 280 A. 

nimis 296 

nimis nime 292. 295 

nomen comoediae 245 sq. 

nomin. -ae 338 sq. 346 sq. 

— der o-stämme in s . . . . 323 
Nonius: Plautustext .... 16 sq. 

notatio 132 * 

nulli gen 322 

nullus persönliche Negation 274. 309 

Octavia 214 

omnimodis 326 

operae artificum scaenicorum . . 74 

operae est 341 2 

Ovid ars amandi und die Ko- 
mödie 146 sq. 

n 44. 50 



Palliata, Geschichte 80 sq. 94 sq. 99 sq. 

pane 307 sq. 

Parasit 157 l 

Parasitenkunst 148 2 

Paratragödisches 132 sq. 

peculatus Prosodie 276 

penus 306 sq. 

tzsqI sqcotoq 148 1 . 154 4 

Persa, Prolog 195 

— Schluß 168 

— Zeit 123 

Persius: Ausgabe 44 

Personenbezeichnung 15 

Personennamen 107 sq. 

pertinet 265 

Philemon und die dvayvcoQioig . 159 

— und die dgxala 139 sq. 

— und Diphilus. ... 164 sq. 207 

— und Menander 165 A. 

— Mercator 119 sq. 

— Philosophie 130 

— Prologe 241 sq. 

— Steigerung des Stils .... 136 



Sachregister 



365 



Philemon: Synepheben . . S. 128 sq. 

— Trinummus . . . 119 sq. 130. 139 
Philologie in Rom, Anfänge . 30 sq. 
Anschluß an die griechi- 
sche Textkritik 32 sq. 

Interpolatoren 42 sq. 48. 49 sq. 60 

Nachblüte 50 sq. 

Philosophie in der Komödie . 129 sq. 
Philostratos und die Komödie . 143 

(pQovTjoig sapientia 107 * 

Pinakographen 34 sq. 

Plautus, Anklänge der Stücke 
aneinander 165 A. 

— Chronologie 69 sq. 

— corpus der fabulae 
Varronianae . 18 sq. 48 sq. 58 l . 59 

— emendatio 55 sq. 61 

— griechische Wörter .... 106 

— nur Komödiendichter .... 94 

— Lebensnachrichten .... 63 sq. 

— Name 81 sq. 

— recensio 54 sq. 61 

— Phasen der Textgeschichte 58 sq. 

— Prologe 192 sq. 

— sermones 101. 186 

— Übersetzungskunst . . . . 102 sq. 

— Umarbeitung 167 sq. 

— die Stücke s. unter ihren Titeln 

plenus c. abl 308 

plure 277. 304 

Poenulus, Contamination . . 170 sq. 

— Prolog 176. 209 sq. 

— Schlüsse 175» 

Porcius Licinus 65. 67 sq. 

potis 300 

potis pote 292. 295 

potisset 295 

priüs 300 

Probus 23sq. 59 

— Ausgaben des Vergil, Lucrez, 
Horaz 43. 48 

Proceleusmaticus 270 sq. 

— 4. Kürze durch Jambenkürzung 349 2 
Prologe, Dämonen . . . 212. 238 sq. 

— Dämonen vor Tragödien . . 212 8 

— Herr und Diener 196 

— als Person in der attischen 
Komödie 237 sq. 



Prologe und Schauplatz . . S. 219 sq. 

— zwei Sklaven 194 

— Stil 222sq. 

— nach dem Vorspiel . 214 sq. 235 
TiQÖXoyog prologus . . 189 sq. 234 sq. 

— System in den Traktaten de 
comoedia 232 sq. 

pronuntiatio tituli 246 

prorsus prorsum 312 2 

jiqoocotzov jiQoratixöv . . 233. 243 sq. 

n Q 6xaoig 232 sq. 234 1 

Pseudolus: Contamination . . . 170 1 

— Prolog 216 sq. 

— wiederholte Verse .... 33 sq. 

quadrupulator 123 sq. 

quae Synalöphe und Hiat 

338. 347 K 356 * 
quälest = qualis est u. a. . . 285 sq. 

quantumst 311 

quia 315 

quibüs 301 

quidam etc 317 

quid lubet 315 2 

quid quid 261 

quique 317 3 

quis dat. abl 316 * 

quis qui 317 

quisque = quisquis .... 289 sq. 
quoi 337 

— = quoius 318 

quoimodi 318 

-re = -ris 2. pers. pass. . . . 289 sq. 

refert 326* 

rei dat. in Synalöphe 350 

— gen 351 

Reihenfolge der Stücke .... 16 
Relativum, Geschichte . . . 315 sq. 

reinedia amoris 148* 

Remmius Palaemon 28 

rest falsch 281 sq. 

Romantik in Rom .... 24 sq. 
Rudens, Handlung 160sq. 

— und Hekabe 161 

— und Ion 159 

— und Mercator (Traum) . . 162 sq. 

— und Oedipus auf Kol. ... 160 



366 



Sachregister 



Rudens, Prolog S. 211 sq. 

— Schutzflehende 160 

— Zeit 78 1 

rursus rursum 312 2 

s im Auslaut 253 sq. 

von Dentalstämmen . . 282 sq. 

nach langem Vokal 

281 sq. 324 sq. 
Grammatiker . . . 327 sq. 

— nom. piur. der o- stamme . . 323 

satis 296 sq. 

satis seit sätest .... 292. 294 sq. 
Scenenteilung und -titel . . . 14 sq. 
Schauspieler, Tragödie und Komödie 95 

Schauspielerzahl 226 8 

Schauplatz der Komödien . . 218 sq. 

Schlußrede 240 sq. 

Schutzflehende 159 sq. 

sed set 250 

Seneca, Tragödien, 5 Akte. . . 231 

Ausgabe 45 sq. 50 

Prologe 216 * 

— Thyestes 202 

— Unkenntnis des Archaischen . 26 

senex amatvr 156 

sexus secus 304 

si idem faciant ceteri— . . . . 117 1 
similest = similis est u. a. . . 285 sq. 
Sisenna über ausl. s . . . . 257 sq. 

Sklavennamen 108 7 

Sophokles 'AXrjtrjg 118 x 

— Exposition und Handlung . . 191 
ocoqpQCOv und xatajzvycov . . . . 139 

Sortientes 208 A. 

sospes Prosodie 283 A. 

Statius Silvae, Ausgabe . . . 44 sq. 
Stichus, Bearbeitung .... 168 sq. 

— Prolog 195 sq. 

Stilos Echtheitskritik 35 

stimulum 309 

stuprum im Drama . . . . 159 sq. 
Subskriptionen in Handschriften 46*. 50 

sumüs 301 

Synalöphe 334 sq. 

— Abneigung gegen sie 357. 359 sq. 

— des ae 338 sq. 

— und Hiatus 336 sq. 



Synalöphe langen vokalischen Aus- 
lauts nach langem Vokal . S. 344 

Synepheben 128 

Synizesis 349 2 

t für d im Auslaut .... 249 sq. 

xäXloxQia deiTtvsTv 105 sq. 

tantus — quantus 311 

Terenz, drayvcogioig 197 

— Andria, Eingangsscene . . . 243 

Prolog 100 

unechter Schluß .... 37 

— Exposition 193 

— Heautontimorumenos , Schau- 
platz 219 3 

— Hecyra 141 2 

Erzählung 215 l 

— ausl. m vor Vokal 331 

— Prologe 192 sq. 

— ausl. s vor Vokal .... 313 sq. 

— Synalöphe des ae . . . . 351 sq. 

— Textgeschichte 36 sq. 

— Übereinstimmungen mit Plau- 

tus 33* 

— Verhältnis zu den Originalen 99 sq. 

— vita 64sq. 

Textgeschichte 60 

Tibull, Ausgabe 45. 50 

togata 93. 95. 101 

Tractate de comoedia . . . 224 sq. 

— über die kritischen Zeichen 31 sq. 

Traum im Drama 162 sq. 

tres viri 124 

tribüs 301 

Trinummus und Eurip. Herakles . 202 

— moralisirend 130. 157 

— Prolog 201 sq. 

Truculentus und die Erotik . 149 sq. 

— Prolog 206sq. 

Tucca 41 

-w' -i* vor Versschluß .... 284 
•w est = -um est 280 

— = -us est 280 

Übersetzungskunst, römische . . 87 sq. 

ulli gen 321 

-um = -us 280. 309 



Sach- und Stelienregiater 



367 



-um es -u(m)s S. 279 sq. 

-um est -u(m)st 279 sq. 

-u(m)st 279 

-umst für -ust 279 2 

uni gen 322 

unisubsettium 322 

-uns* 280A - 

309 

279sq. 

281 

280 

-ust, Lautvorgang 284 sq. 

— = -mw est 279 

— = -ms est 279sq. 

— =-us est 4. Dekl 283* 

utrique gen 322 

Varianten, alte öls( l- 

Varius 41sc L- 

Varro, 5 Akte 229 



-ms = -um . 
-ms es -us . 
-mss = tis es 
-usst = -us est 



Varro, antiquarische Forschung S. 24 sq. 

— Herausgeber? 36 

— litterarhistorische Forschung 65 sq- 

— pinakographische Studien 34 sq. 

— über Plautus 70 sq. 186 

Venus mea 1^6* 

Vergil als Klassiker 27 

— - Romantik 25 

— Aeneis, Textgeschichte . . 40 sq. 

vidlus? 264sq. 

Vidularia, Prolog ..... 217 sq. 
virtust falsch ...*..•• 281 

Volcacius Sedigitus 65 

vopte 



326 4 



Wiederholte Verse im Plautustext 33 

Zerrissener Anapäst .... 261 sq. 
— Anfang des troch. Langverses 268sq 



Stellenregister 



Accius v. 87 R S. 

— 124 

— 132 

— 433 

— 467 

— 579 

— bei Gellius III 3, 9 . . . ■ 
Afranius 163 • 

— 227 

— 329 

— 380 

Alexis fr ? . 276 K 

Alkiphron I 35 

— I 36 

Antiphanes frg. 29 

190 

Apuleius metam. X 16 ... 
Aristophanes Plut. vjio&. . . 
Arnobius I 59 



298 3 |Caecilius 31 S. 286 ß 



354 
260 

302 3 
314 

320* 
34 1 
354 
298 

306 2 
145 

123 1 
150 
150 

239 * 

123 * 

302 * 
72 

307 l 



286 * 
313 
331 

251* 

294« 
286 
296 
251 

313 3 



— 33 

— 34 

-40 

— 70 

— 76 

— 85 

-131 

— 242 

— 245 sq 

CLB. 77, 5 257 

— 361 288* 

-609 B23* 

— 1829,9 289* 

Catull 6 145 

— 116, 8 301 

Cicero de amic. 67 128 

— Arat. 57 . 355* 

293 356 



368 



Stellenregister 



Cicero Brut. 73 

— or. 153 .. . 
161 . . . 

— ad Q. II 9, 3 . 

— de rep. TV 10 

— de sen. 50 



S. 79 
325 sq. 
. 255 
. 39» 
. 79 
. 80 



— Tim. 38 47 2 

— Tusc.13 79 1 

com. palliata ine. 85 354 1 

Consentius V p. 403 K 328 2 

CIL. III 14114, 13 308 » 

— VI 29849 a 252* 

Demetrius n, sq[z. 153 .... 238 
Donat de fab. 7, lsq. . . . 232 sq. 

Ennius ann. 110 330 2 

371 330 2 

— com. 5R 94 2 

— Hedyph. 39 252 

— sat. 19 286 8 

— tr.40 (55 V.) 290 1 

205 (246) sq 97 sq. 

207 (248 V.) 354sq. 

Euanth.de fab. 2, 2 226 3 

3 224 

3, 1 226 

4,5 232sq. 

Euripides Alk. bypoth. p. 215 Schw. 132 3 

— Andr. hypoth 230 

— Med. 184sq 121 

GelliusIII3 19 

— III 3, 14 70 

— III 3, 15 77 

Horatius c. I 12, 7 358 

III 4, 78 358 

III 7, 30 358 

III 8,27 358 2 

IV 5, 5 358 

IV 8, 17 358 

IV 10, 2 358 

IV 15, 10 358 

— epod. 5, 100 358 

— epist. I 6, 26 358 

— sat. I lOin 43 2 . 47* 



Laber. 120 S. 354 2 

Livius Andronicus com. ine. 3 . . 90 l 

— Od. 22 90sq. 

— tr. 14 92 3 

16 92 

30 92 

LucanV 733 360 1 

Lucian dial. meretr. 14, 1 ... 149 

— Toxaris 13 sq 149 

Lucilius 25 355 

— 205 295» 

— 287 355 

— 642 300sq. 

— 1029 355 

— 1084 355 

— 1147 298 

— 1216 252 

— 1224 314 

Lucretius II 18 304* 

— II 275 282 2 

— III 374 356 

— VI 629 304* 

1282 356 

Marius Plotius VI p. 448 K. . . 256 
Menander Epitr. 102 137 * 

Naevius com. 18 153 

— pall. ine. frg. 79 20 2 

— tr. 16 308 5 

Novius 105 288 l 

Paulus s. quadriplatores . . . . 123 3 

Plautus Amph. 32 325 

55 263 

101 281 

134 346 

162 . 256 l 

168 297 

216sq 134 

240 ... 300 

275 346 

324 300 

486 341 

648 . 297 

773 278 

828 295 

872 346 



Stellenregister 



369 



Plautus Amph. 1053 sq. . . . S. 133 

1106 346 

1135 339. 349 



frg. 5 

— Asin. 59 . 

147 . 

13 . 

198 sq. 

226 . 

254 . 

278 . 

330 . 

394 . 

405 . 

430 . 

437 . 

446 . 

469 . 

505 . 

509 . 

528 . 

534 . 

552 . 

573 . 

586 . 

729 . 

758 . 

804 . 

894 . 

932 . 



341 

271 

135 

147 

150 2 

148 

302 

105 

282 

, 293 

. 259 

. 264 

. 297 

. 297 

. 264 

. 277 

. 277 

. 150 2 

. 342 

. 325 

. 299 

. 274 

. 277 

. 342 

. 324 

. 345 

. 281 



262, 



Plautus Aul. 794 sq S. 159 

— Bacch. 51 271 sq. 346 

69sq . 155 

90 274. 309 

101 262 

- - 111 155 

142 263. 274 

284 
278 
341 
274 
127 
309 
266 
135 
286 
150 
319 1 
319 
131 
298 
290 
274 
277 
344 8 
135 2 
154* 
274 
259 
306 1 



211 . . . 

230 . . . 

307 . . . 

331 . . . 

385 . . . 

401 . . . 

411 . . . 

426 . . . 

440 . . . 

471 . . 

487 . . 

494 . . 

540—551 

619 . . 

— 720 . . 

— 724 . . 

— 797 . . 

— 820 . . 

— 816 . . 

— 930 . . 

— 950 . . 

— 1069. . 
1079. 



342. 



Aul. 35 320 A. 



— 146 

— 157 , 

— 187 

— 211 

— 297 

— 324 

— 377 

— 400 

— 405 

— 421 

— 429 

— 448 

— 465 
478 sq. 



330 

262 

294 

291 2 

263 

286 

274 

, 53 

, 341 

, 288 

. 264 

. 287 

. 137 

. 122 



1083 339. 342 

1105 339 

--1164 282 

1211 271sq. 

— Boeotia frg. 1 154 

- Capt. 39 319 

69sq 106 

77 105 sq. 

«fi ' ' 301 



- 603 271 



-- 728 
- 784 



267 
325 



89 

94 

102 

278 

284 

321 

408 

417 

439 



300 
264 
296 
276 
129 
266 
325 
275 
286 l 



370 



Stellenregister 



Plautus Capt. 447 S. 257 

466 293 

471 322 

479 278 

492sq 125sq. 

508 264» 

510 134* 

518 286 

532 324 

586 277 

585 339. 342 

636 278 3 

656 312 2 

657 138 

691 325 

IV 2 137 sq. 

869 138 

920 306 

928 294 

997 257 

1016-1022 52 

1036 339 1 

— Cas. 31 sq 207 2 

118 350A. 

198 104 

242 266 1 

262 272 

319 105 

523 52 

538 128* 

563 sq 126 

578 282 

621 sq 133 

625 10 sq. 

749 264 1 

778 324 

795 274. 309 

839 283* 

895 282 

~ Cist. 22 271sq. 

122 347 

406 347 

408 52 

509 271 

516 271sq. 

518 303 

526 324 

■ 531 262 



Plautus Cist. 573 S. 302 

577 272 

641 346 

715 350A. 

777 262 

— Cure. 3 273A. 

41 290». 302 

90 324 

Hl 294 

285 103 

305 298 

311 272 

316 325. 326* 

351 278 

367 307sq. 

398 346 

413 320 

463 293 

568 52 

648 317 

— Epid. 3 267 

46sq 198 1 

70 271 

126 272 

152 272 

202 271 

213 311 

232 13 

346 297 

353 277 

364 270 

404 296 

447 319 

453 293 

520 276 

560 283* 

573 266 

563 339. 349 

620 52 

656 278 

714 318 1 

717 319 

- Men. 67 346 

120sq 127 

146 283* 

152 278 

268 263 

276 300. 346 



Stellenregister 



Plautus Men. 308 & 324 

- - 344 277 

262 

' ] 277 

.... 126. 153 
... 299 



405 . 

437 . 

451 sq. 

576 . 

587 . 

593 . 

594 . 

740 . 

760 . 

765 . 

827 . 

847 . 

865 . 

1037 — 

1063. 

— Merc. 1 sq. 

18 sq. 

46 sq. 

48 . 

145 sq. 

192 . 

225 sq. 

239 . 

252 . 

271 . 

276 . 

282 . 

305 



44 



. 282 7 

. 12 

. 299 

. 346 

. 296 

. 316 

. 272 

. 316 

. 309 

16 sq. 

. 286 

. 151 

. 131 

. 145 

. 319 

. 130 

. 325 

162 sq. 

. 341 

. 265 

. 312 

. 319 

. 263 

. 156 



Plautus 

887 . 

898 . 

972 . 

983». 

1005 . 

— Mil. 24 . 

34 . 

44 . 

211 

240 

249 

268 . 

374 

506 

515 

539 

584 

595 

615 

629 



37t 
Merc. 880 8. 308 



260 2 
. 276 
. 306 l 
. 306 * 
. 286 
. 52 
311 A. 
. 323 
. 73 
. 287 
. 284» 
135 sq. 
. 323 
310 sq. 
. 330 
. 299 
299 
10 
299 
275 



297. 



^ - 645 340. 349 

660 260 

685 308 

721 266 

725sq 115s( l- 

781 



385 259sq. 267 



451 . . 

521 . . 

555 . . 

577 . 

581 . 

589 . 

600 . 

657 . 

669 . 

672 . 

683 . 

695 . 

761 . 

773 . 

817 sq. 

830 . 

836 sq. 



286 
. 340 
. 18 1 
. 148 
. 290 
. 139 
. 259 
. 320 
. 156 
. 287 
. 325 
. 301 
. 324 
. 278 
119sq. 
. 134 
139 sq. 



- — 788 . 

883 . 

884 . 

897 . 

964 . 

1040 . 

1062 . 

1118. 

1170. 

1180. 

1211 . 

1370 . 

1419 . 

— Most. 40 

77 sq. 

88 . 

13. 

159 . 

170 . 

173 . 

280 . 



52. 



300 

300 

345 

295» 

258 

139 5 

347 

286 

272 

320 

52* 

. 341 

266 sq. 



. . 263 

. . 136 

. . 350 1 

. . 147 

. . 271 

. 147 sq. 
340. 345* 

. . 318 1 



372 



Stellenregister 



Plautus Most. 289 . . . . . S. 145 

468 .' . . ' 302 

478 287 3 

501 284 

702 299 

— - 709 347 

770 81 2 

894 . . 301 

933 271. 283* 

1149sq. 1551 

— p ers. lsq i 51sq# 

14 266 

24 275 

5 3sq 138 

58 • 105sq. 

62s q 123sq. 

1 3 138 

190 262 

201 286 

223 282 

232 318 i 

284 9 

— 310 ; ; 3 4 2 

319 262 

— — 353 277 

409 ..'.'.' 342 

555 276 

565 267 

~ — 568sq 155 

646sq 135 3 

663 266 

737 311A. 

768 277 

833 278 

839 

846 .....' 

— Poen. 5 

43 .....'. 

54 ' 

66 

145 

12 

212 

215 

227 

246 '. 

315 

344 



. 294 
. 105 
302 sq. 
. 347 
. 85 
. 300 
. 138 
. 147 
. 298 
. 297 
. 297 
. 308 5 
. 287 2 
. 2621 



Plautus Poen. 356 S. 52 

390 8 2 

518 278 2 

577 258 

648 1051 

720 8 

803 340. 349 

873 347 

994sq 137 

1136 347 

1168 8 

1198 271 

1230 310 2 

1233 278 3 

1382 8 

1389 303 

- Pseud. 123 sq 105 

- ~ 124 11 

189 H 

228 306sq. 

314 290 2 

- - 351 11 

359sq 138 

3 67 104 

390 128 

- - 627 11 

653 140 A. 

678sq 129 

703sq 134 

758 277 

- - 802 275 

805 263 

- - 880 324 

- - 914 297 

954 287sq. 

- — 955 52 

- - 974 129 

- ~ 980 104 

- - 990sq 341 

- - 1019 296 

- - 1091 320 

- — 1127 11 

- — 1169 320 2 

- — 1196 322 

- - 1214 299 

- - 1273 297 

- - 1274 295 

- Rud. 107 304 



Stellenregister 



Plautus Rud. 140 S. 104 

149 262. 276 

185sq H3sq. 

195 114* 

204sq 

223 

278. 9 

304 

593sq 



133 
. 275 
. 301 * 
. 264 

162 sq. 



631 

639 

657 

746 

761 

763 

788 sq. 



78 

272 

138 

347 

. 287 

262 

160* 

- 816 311A. 



103 



836 



276 
310 
296 
286 
275 
262 
265 
265 



920 

977 

1044 

1093 

1106 

1127 

1129sq 159 

1130 264 

1135 274. 309 

1142 265 

1232 277 

1296 278 3 

1382 275 

1401 303sq. 

-Stich. 7 298 

58 266 

67 317sq. 

119 267 

202 341 

206 273A. 



Plautus Stich. 693 sq. . 

699 

704 

765 

769 

— Trin. 18 sq. . . . 

72 ...... 

186 

194 

227 

259 

291 

302 

308. 9 . . . . 

321 

365 

485sq 

537 

539 

552 ... . 

601 

617sq. . . . 

628 

658 ... • 

667 ... . 

676 ... . 

724 . . . . 

749 . . . . 

792 ... • 

809 ... . 

828 ... . 

920 ... • 

1090. . . . 

1108 .... 

1127 .... 

— Truc. 1 sq. 

19 .... 

78 ... . 

92 .... 



— 223 . 

— 282 , 

— II 2. 

— 432 , 

— 489 

— 523 

— 620 

• — 629 

• — 630 



11 



11 

8 2 . 11 
. 137 
. 277 
. 322 
. 282 1 
294» 
12 1 
137 



102 . 

163 . 

173 . 

247 . 

259 . 

271 . 

293 . 

317 sq. 



373 

. S. 132 

. . 342 

. . 11 

. . 286 

. . 264 
202. 203 

. . 105 

. . 13 

. . 202 1 

. . 297 



339. 



297 
136 
325 
262 
297 
339« 
136 1 
281 
347 
321 
325 
136 
339 * 
276 
154 
, 342 
272 
272* 
262 
318 * 
286 
324 
305 
342 
266 
147 
262 
106 
276 
149 1 
318 
251 
128 
296 l 
287* 
52 
. 321 
. 155 



374 



Stellenregister 



Plautus Truc. 350 S. 150 

425 316sq. 

435 342 

447 263 

457 298 

513 273A. 

658 324. 326* 

720 298 

761 sq 124. 125 8 

794 322 

800 350A. 

810 262 

883 341* 

930 321 

949 284 1 

— Vidul. frg. 4 287 8 

58 266 

67 . ' 316 

Pomponius 13 R 308 5 

— 98 286* 

— 141 354 

— 146 260. 314 

— 168 251 

Porcius Licinus 1, 7. 8 B. . . . 357 
Propertius 1 1, 17 154 

— I 2, 17 359 

— 1 9 145 

— 1 18 151 

— II 33, 37 359 

— III 8, 32 359 

— III 14 126 1 

— IV 3, 11 359 



Quintilian IX 4, 38 254* 



Rufinus VI p. 560 K 257sq. 



Seneca Oed. 263 261 

Servius z. Aen. II 508 . . . . 327 sq. 

XII 709 327 

— georg. II 256 328 

Sophokles frg. 103 118 1 

Statius silv. V 3, 233 45 

Sueton de gramm. 1— 5 .... 30 l 

2 30sq. 

24 23sq. 



Terentius Ad. 25 S. 352 

179 300 

261 320« 

302 , . . . 136 2 

309 297sq. 

313 298 

475 314 

495 352 

767 252 

929 288 

— And. 213 273A. 

235 252sq. 

439 353 

629 314 > 

exit. 2, 2 352 2 

— Eun. 91 sq 145 

273 287 

310 306 2 

577 298 

710 314 

1010 298 

— Heaut. prol. 7sq 246 

82 288 

109 145 

197 298 

285sq 144 

339 321 > 

382 322*. 352 

515 353 

710 352sq. 

830 351 

973 282 1 

1002 351 

— Hec. 1. 2 346 

84 314 

249 293 

352 287 

747 306 1 

766 314 

— Phorm. prol. 6sq 162 3 

110 298 

196 297 

482 288 1 

515 302 3 

562 260 

633 301 

648 320 2 

724 294 



Stellenregister 



375 



Terentius Phorm. 880 ... S. 353 

915 298 

Theon progymn. p. 91 Sp. . . . 223 
Tibullus 12 150* 

— I 3, 83sq 144 

— I 5, 43 145 

— I 8 145 

— IV 5, 13 145 

Titinius 1 R 354 

— 48 314 

trag. ine. frg. 19 R 302 * 

Turpilius 79 R 287 



Turpilius 210 S. 314 

— 211 354 

Varro de 1.1. VII 104 .... 82« 
VII 107 94 l 

— de re r. IE 1, 5 305A. 

Vergilius Aen. II 508 ... . 327 sq. 

11567—588 42* 

III 229 256 

X 481 294 

XII 709 327 sq. 

— georg. II 196 328 



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MAR 201914 



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Weimar. — Hof-Buchdruckerei. 


















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